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Full text of "Die Vorsilbe ver- und ihre Geschichte"

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Die Vorsilbe VER 



und ihre Geschichte 



von 



Max Leopold 






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Breslau 

Verlag von M. & H. Marcus 
1907 



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Germanistische Äbliandlnngen 

begründet Ton 

Karl Weinhold 

In zwanglosen Heften herausgegeben 
von 



27. Heft 

Die Vorsilbe VER- 

und ihre Geschichte 



von 



Max Leopold 



^ 



Breslau 

Verlag von M. & H. Marcus 
1907 



Germanistische Abhandlungen 

begrrttndet von 

Karl Weinhold 

in swanglosen Heften herausgegeben TÖn 

Friedrich Vog^t 



„Die gemianiBtischen Abhandlungen sollen grammatische und 
literargeschichtliche Untersuchungen, sowie Textpublikationen aus 
den älteren und neueren Perioden der germanischen Sprachen 
bringen. Auch die Geschichte des Lebens unseres Volkes in seinen 1 

verschiedenen Stämmen und Zeiten wollen sie berücksichtigen". 

Dies früher aufgestellte Programm bleibt in Geltung, auch 
nachdem der Unterzeichnete die Herausgabe dieser Sammlung 
übernommen hat. Insbesondere sollen nach wie vor Ausgaben 
keineswegs von ihi* ausgeschlossen sein; vielmehr wird bei ihrer 
Fortführung auf die Herausgabe wichtiger Literaturdenkmäler, 
welche bisher noch nicht oder do^h nur ungenügend veröifentlicht 
waren, ein besonderes Augenmerk gerichtet werden. Nicht nur 
Arbeiten, die unter der Leitung des Herausgebers entstanden sind, 
soll die Sammlung bringen; sie steht allen Beiträgen offen, welche 
geeignet sind die germanistische Wissenschaft zu fördern. 

Manuskripte wolle man an untenstehende Adresse senden. 

Prof. Dr. Friedrich Vogt 

Marburg a. L., ßismarckstraRsc 7 



Die Vorsilbe VER- und ihre Geschichte 

von 

Max Leopold 



Germanistische Abhandlungen 



begrfindet 

TOD 

Karl Weinhold 

heraasgegeben 
von 

Friedrioli "V^ogft 



27. Heft 



Die Vorsilbe VER- und ihre Geschichte 



von 



Max Leopold 



Breslau 

Verlag von M. & H. Marcus 
1907 



Vorwort G-*f4 

Das vorliegende Werk versucht eine Geschichte des Prä- 
fixes v&r- zu geben, seine Entwicklung in Form und Bedeutung 
durch die verschiedenen Sprachperioden und Mundarten zu ver- 
folgen und einige allgemeine Gesichtspunkte für die Behandlung 
der Präfixkomposition zu gewinnen. Das umfangreiche Material, 
die zu fein und vielfach verschlungenen Gedankengänge der 
inneren Sprachentwicklung und schliesslich die Neuheit der 
Aufgabe sind einer leicht tibersichtlichen Darstellung nicht 
förderlich gewesen. Die Lektüre wird auch durch die zahl- 
reichen Anmerkungen und Verweise erschwert, die leider nicht 
zu umgehen waren und nun den Gang der Darstellung wie Fuss- 
angeln hemmend durchsetzen. Ausserdem zog sich die Druck- 
legung unter widrigen äusseren Umständen tiber drittehalb Jahre 
hin und machte so manche leichte Änderung in den früheren 
Teilen der Arbeit unmöglich, die der Verfasser für wünschens- 
wert gehalten hätte, da sich sein Standpunkt in so langer Zeit 
doch nicht ganz unverändert erhielt. Doch hofft er trotzdem 
einige Anregung gegeben und gezeigt zu haben (Teil III B), wie 
sich die lexikalische Behandlung der Worte anziehender und 
folgerichtiger gestalten lässt, als dies stellenweise im Deutschen 
Wörterbuche geschehen ist, wenn man von der Grundbedeutung 
ausgehend stufenweise die nach verschiedenen Richtungen sich 
ab- und verzweigenden Bedeutungen entwickelt. 

Auf ein eingehendes Wortverzeichnis musste verzichtet 
werden, da es die Arbeit zu dem doppelten Umfange hätte an- 
schwellen lassen. Dafür ist das Inhaltsverzeichnis um so ein- 
gehender geworden. 

Allen, die mich mit Material und Ratschlägen unterstützt 
haben, sei herzlich gedankt, insbesondere Professor Dr. Th. Siebs 
in Breslau, der die Arbeit angeregt und bis zum Schlüsse mit 
steter Teilnahme begleitet hat, und meinem Vater, der mir be- 
reitwillig die Herausgabe der Arbeit ermöglicht hat. Ihnen 
beiden sei das kleine Werk ein Zoll des Dankes! 

B unzlau in Schlesien, am Sedantage 1907 

Der Verfasser 



Inhaltsübersicht 



Seite 
Zur Einführung 1—4 

I Die Vorgänger des nbd. ver- und Ihre Etymologie 1—23 

A. got. fawr 5 

a) fawr- I = idg. *py . 5 

a) in der Bedeutung „vor'' und sein Verhältnis zu faura 5 

ß) in der Bedeutung „vorbei" 8 

b) faur- II = idg *pyr(i) und seine Gebietsabgrenzung gegen 
faur- 1 und faura 8 

c) Berührungspunkte zwischen fattr- 1 : faur- II : fra- ... 12 

B. got. fair- 13 

C. got. fra- 16 

a) in sinnlicherer Anschauung 17 

«) in der Bedeutung „vorwärts" 17 

ß) in gehässigem, verächtlichem, tadelndem Sinne ... 17 

y) in der Bedeutung „weg" bei geben, nehmen, lassen 18 

b) als Mittel der Perfektivierung 20 

c) Berührungspunkte zwischen fra- : fair- 23 

II. Lautgeecliichte des Präfixes im Germanisclien 24—48 

A. Westgermanisch 24 

a) Deutscher Zweig 24 

a) Die althochdeutsche Überlieferung 24 

Lautform in den einzelnen Denkmälern 30 

ß) Das Altniederdeutsche 31 

und die auf ihm fussenden Mundarten 34 

y) Die mittelhochdeutsche „Dichtersprache" 35 

und die neuhochdeutsche Schriftsprache 38 

b) Englisch-friesischer Zweig 42 

«) Englisch 42 

ß) Friesisch . 44 

B. Nordgermanisch 46 

C. Rückblick auf die Lautgeschichte 48 



VII 



Seite 

in. Die Bedeutungsentwicklung Inder ver-Komposition (im Deutsehen) 48—271 

A. Allgemeine Gesichtspunkte. Die bisherige Behandlung der ver- 
Komposition 49—58 

B. Die Bedeutungsentwicklung an einzelnen charakteristischen 
Bildungen veranschaulicht (faur- 1) 58 — 102 

(versehen 58, verhören 64, versprechen 65, verscfireiben 72, 
versetzen 75, verlegen 82, verschlagen 86, verfangen 92, 
ver schiessen 94, verfahren 96, vergehen 99). 

C. Die einzelnen Grundtypen und ihr Beitrag zu den Bedeutungs- 
gruppen 102—262 

a) fawT' I 102 

a) in mehr sinnlicher Anschauung (tlhersicht 102, „voraus, 
heraus« 104, „überholen« 109, „vergehn« 111). 

/s) Entwicklung von positivem und negativem Sinne {ver- 
bannen, verbieten 113, „gebieten, festsetzen« 118, „ver- 
bieten, verwehren' 120, „verzaubern« 126). 

y) in üblem Sinne verwendet („verfehlen, verführen« 127, 
„verachten, schädigen, preisgeben« 131). 

b) faur- I : faur- II : fair- 134 

a) Verbindung der drei Typen (Allgemeines 134, verbinden 
137, Versuch einer Scheidung bei den ahd. und as. Bil- 
dungen 139, die Gruppe „verbinden« 148). 

ß) Besondere Gruppen („versorgen, vertreten« 156, „tun 
für* 157, verbüssen, verdanken, verdienen, verlohnen, 
verschulden 158, „versteuern« 159, instrumentale Gruppe 
„versehen mit« 161). 

c) fair- 163 

a) in mehr sinnlicher Anschauung („umfassen, einfassen, 
zusammenfassen« 164, „ansmessen, richtig messen« 167, 
„überziehen, verkleiden mit« 169, „durchziehen, ver- 
mischen, vereinigen« 169, vertoandt 172, „verschrän- 
ken« 174, „verfestigen, verwirren« 176). 

ß) in mehr perfektiver Verwendung (Intensiva 176, Pre- 
quentativa, verkehren, versuchen 178, „sich vertreten, 
verschnaufen, vergnügen« 181, Durativa 182, Resulta- 
tiva 183, vernehmen 187, verstehen 191). 

Exkurs: Die Gruppen „verwandeln« 197 und 
„Überholen, verwinden« 202. 

y) in üblem Sinne verwendet {verliegen, versitsen, ver- 
stehen 202, „durch Übermass schädigen« 207, „ein- 
büssen, verfehlen« 208, effektive Intransitiva : „ver- 
kümmern« 209, Reflexiva: „sich vergehn« 216, Parti- 
zipialadjektiva 218, mit Richtungskonstruktion 221). 



VIII 



Seite 
Exkurs: Denominativbildang and Perfektivierang . 222 

Scheide zwischen fair- und fra- 226 

d) /ra- 226 

tt) in perfektiver Verwendung (resnltative Intransitiva 226, 
resultative Transitiva: , vernichten" 230, „beschädigen, 
entstellen" 235, „verarbeiten, verbrauchen, verbringen" 
238, „verwinden" 244, Intensiv-Durativa 246). 
ß) in üblem Sinne verwendet (mit gehässiger Bedeutung 
246, Intransitiva und Reflexiva: „verfehlen, sich ver- 
gehn" 252, Partizipialadjektiva 265). 
y) in rein sinnlicher Anschauung („vergeben" 257, „weg, 
ab, auseinander" 261). 
D. Allgemeines zur Gruppenbildnng, Bedeutungsentwicklung und 
Wortbildung 263—271 

a) (Trappenbildung 263 

a) Über die Einteilung in Gruppen 263 

ß) Grenzen und Umfang der Gruppen 263 

y) Anteil der Typen an den Gruppen 264 

b) Bedeutungsentwicklung und Bedeutungsumfang der ein- 

zelnen Bildungen 266 

c) Eigenheiten der Wortbildung 267 

a) Denominativa, freie, schnörkelhafte, schwerfällige Bil- 
dungen . 267 

ß) Unorganische Bildungen 271 

IV. Überblick über die ver- Komposition in den germanischen Dialekten 

271—276 

A. Deutsche Mundarten 271 

B. Niederländisch, Englisch, Friesisch 273 

C. Nordgermanisch 275 

V. nhd. ver- im Verbältnie zu anderen Präfixen 275—280 

A. Berührung und Abgrenzung in der Bedeutung 276 

B. Verhältnis in der perfektivierenden Funktion 278 

C. Zug der Sprachentwicklung 279 



Das Verzeichnis der benutzten Werke und Ausgaben, der Abkürzungen und 
Berichtigungen befindet sich S. 181 ff. 






Die Präflxkomposition ist ein noch wenig angebautes, 
aber sehr ergiebiges Feld der grammatischen Forschung. Sie 
bietet tiefe Einblicke in Eigenart und Leben der Sprache. 

Wie sich die Präfixkomposita zu der ihnen eigenen Be- 
deutung entwickelt haben, ist oft nicht ohne weiteres ersichtlich. 
Häufig gebrauchen wir ein Wort wie verstehen, doch sind sich 
wohl wenige ttber seine Herkunft klar. Dem Sinne nach ist 
verstehen von dem Simplex stehen wesentlich verschieden, und 
hier wie in den meisten Fällen gelingt es uns nicht, aus der 
Bedeutung der beiden Bestandteile, Präfix und Stammwort, 
allein die des Kompositums zu erklären. Vielmehr haben wir 
die eigenartigen Beziehungen zu berücksichtigen, die sich 
zwischen Präfix und Stammwort anspinnen. Um diese zu 
erkennen, müssen wir uns in die Zeit zurückversetzt denken, 
wo die Verbindung entstand. Die Ursprache geht aus von 
sinnlichen Verhältnissen, dem des Menschen zur örtlichen Um- 
gebung, zu anderen Menschen und dem verschiedener Punkte 
der Örtlichkeit zueinander. Allmählich findet von hier aus 
Übertragung auf abstraktes und geistiges Gebiet statt. 

Die aus der Komposition zwischen Präfix und Stammwort 
sich entspinnenden Beziehungen können mannigfacher Art sein. 
In verfehlen, verweigern wird der im Stammwort liegende Sinn 
durch das Präfix noch stärker hervorgehoben, in verachten, 
verkennen negiert und dann ins Gegenteil verwandelt, in verlinden, 
verstehen wird durch die Zusammensetzung ein ganz neuer 
Sinn erzeugt. Indessen kommt man mit der auf Gründen der 
Anschaulichkeit fussenden Erklärung allein nicht aus, dehn die 

Leopold, Die VonUbe ver- 1 



2 

meisten Komposita sind SchöpfuDgen nach dem Master schon 
vorhandener Typen, Analogiebildungen, für die nicht mehr das 
ursprüngliche Verhältnis zwischen Präfix und Stammwort, 
sondern die häufig schon verschobene Bedeutung zur Einheit 
verschmolzener Komposita massgebend ist. In Bedeutungs- 
gruppen vollzieht sich die Vermehrung des Sprachschatzes, und 
manche „falsche" Analogie läuft mit unter. 

Die Zusammensetzung mit Präfixen steht in naher Beziehung 
zu der sogenannten Rektion und der Aktionsart der Verba. 
Sie kann z. B., wenn ich mich eines geläufigen Ausdrucks der 
Schulgrammatik bedienen darf, Intransitiva transitiv machen 
und deutet dann durch die Anfügung des Akkusativs die völlige 
Bewältigung des Objekts durch die Verbalhandlung an. Schon 
'^jn urgermanischer Zeit sind „Distanz- und Kontaktkomposition" 
nebeneinander vorhanden ^). Die Kontaktstellung verallgemeinert 
sich im Laufe der Entwicklung und perfektiviert die Verbal- 
handlung. Die drei Verbindungen durch den wäld gehn : den 
wald dürchgehn : den waid durchgShn veranschaulichen drei 
^ Arten der Aktion. Das bedeutsamere ^Element trägt stets den 
Hauptton. Der erste Fall führt uns die blosse Handlung vor 
und fügt als weiteres Element den Lokalbegriff hinzu, der 
zweite betont das für die Anschaulichkeit und Dauer der Hand- 
lung Charakteristische (un feste Partikelkomposition), der dritte 
endlich fasst das Ergebnis ins Auge (feste Partikelkomposition). 
In diesem Falle wird dtirch nicht mehr als lokales Adverb, 
\^ sondern als Perfektivpartikel empfunden. Das entsprechende 
Verhältnis finden wir bei vor in unfester und ver- in fester 
Komposition : 

(einem) einen befehl vorlesen : verlesen, 
(einem) eine hur vorschreiben : verschreiben. 

Hier ist schon das Simplex transitiv; im folgenden Beispiel 
wird es erst durch die Zusammensetzung „ transiti viert " : 
für seine kinder Vorsorgen : seine kinder versorgen. 

Wenn bei den Verben des Deckens das t?or- Kompositum 
den deckenden, das t;er-Kompositum den gedeckten Gegenstand 
als Objekt bei sich hat, so entspricht das wieder unserer Be- 



^) Brngmann, Ber. d. Sachs. Akad. d. Wiss. 1900 S, 382 f. 



obachtung, dass die betonte Form die Handlung, die unbetonte 
das Ergebnis hervorhebt: 

ein tuch vorbinden : das maul verbinden, 
eine mauer vorbauen : den weg verbauen, 
ein brett vorschlagen : den eingang verschlagen. 

Diese Zusammenstellung zeigt, dass das Präfix ver- zu vor 
in enger Beziehung steht; auch für gehört zu ihnen. Sie gehen 
alle drei auf verwandte germanische Formen zurück, auf 
Partikeln, die ursprünglich zugleich als Ädverbia, Präpositionen 
und Präfixe gebraucht werden können. Erst nach und nach 
findet eine Sonderung in der Verwendung zwischen ihnen statt. 
Gewisse Partikeln fügen sich mit Vorliebe den Verben an und 
verschmelzen mit ihnen zu fester Einheit, sobald sie sich dem 
Tone des Verbs unterordnen. Zu diesen stellt sich auch unser 
ver-. Wir verbinden mit ihm keine Vorstellung mehr, sobald^j 
es aus der Komposition mit dem* Stammwort gelöst wird,j 
sondern erst durch die Zusammensetzung mit diesem erhält es| 
für uns einen Bedeutungsinhalt. Seine Verwandten vor undj 
für dagegen haben sich ihre Selbständigkeit erhalten und werden 
als Ädverbia (vorher, hinfür, für und für) und Präpositionen 
verwendet. Als Präfixe gehen sie nur lose Komposition ein. 

Die Stammworte, mit denen sich die Partikeln verbinden, 
sind zunächst Verba; nominale Ableitungen treten in der 
älteren Sprache zurück. Mit der Zeit werden sie häufiger, und 
schliesslich wird es möglich Partikelkomposita ohne Vermittelung 
eines einfachen Verbs von Nominibus unmittelbar zu bilden: 
veraffen (äffe), versinnlichen (sinnlich). Diese bedeuten gewöhnlich 
„zu dem machen oder werden, was das Stammwort besagt'*. 

Die Bedeutung der Präfixkomposita kann, wie erwähnt, 
sehr verschieden sein, weil die Bedeutung der Bestandteile 
dehnbar ist und sich ihre Verbindung mannigfach auffassen 
lässt. Das trifft in erhöhtem Masse bei der t;er- Komposition 
zu, da in ver- vier urgermanische Formen aufgegangen sind. 
Im Gotischen finden wir drei Formen (fair- faur- fra-) über- 
liefert. Als Spuren der Verschweissung weist unser deutsches 
ver- häufig widersprechende Bedeutungen auf, die im wesentlichen 
in der Herkunft der ursprünglich verschiedenen Formen be- 
gründet sind, versehen kann „falsch sehen, voraussehen (sich alles 

1* 



guten von oder eu einem versehen)^ versorgen^, verseteen „falsch 
setzen, anders setzen, übersetzen, durchsetzen'', versprechen 
„falsch sprechen" und „geloben** bedeuten, und wir wundern 
uns, wie sich das reimt. 

ver- ist eines der wichtigsten Präfixe der deutschen Sprache, 
und die schwierige Frage seiner Entwicklung verdient ein- 
gehend untersucht zu werden. Daraus werden sich wichtige 
Gesichtspunkte für die Präflxkomposition im allgemeinen ergeben. 

Die vorliegende Abhandlung veraucht eine Geschichte des 
Präfixes ver- zu geben in den Abschnitten: 

I. Die Vorgänger des nhd. ver- und ihre Etymologie, 
n. Lautgeschichte des Präfixes im Germanischen. 

III. Die Bedeutungsentwickelung in der t;^- Komposition. 

IV. Stellung und Verbreitung der ver-Komposition in den 
germanischen Dialekten. 

V. nhd. ver- als Mittel der Perfektivierung im Verhältnis 
zu andern Präfixen. 



L 

Die Vorgänger des nlid. ver- und ihre 
Etymologie. 

Unser Präfix ver- entspricht den drei göt. Formen fau/r- 
fair- fra-, und von ihnen als den ältesten überlieferten Formen 
müssen wir ausgehen, wenn wir die Vorstufen von nhd. ver- 
erkennen wollen, fair- und fror kommen nur in fester Kompo- 
sition vor, /(mr- ist auch als Adverb und Präposition ge- 
bräuchlich. Während fair- und fra- uns etymologisch klar 
sind, macht fau/r- der Erklärung Schwierigkeiten, und seine 
Natur und Herkunft sind bestritten. Ihm entspricht nämlich 
nicht nur nhd. ver-, sondern auch für, und mit vor (got. faura) 
steht es im Wechsel. Bis in unsere Tage beobachten wir, wie 
die ver-, für- und t;or- Bildungen ineinander übergreifen. Eine 
entsprechende Erscheinung liegt schon im got. vor, und faur 
bietet uns bei der Untersuchung dieses Verhältnisses einen 
geeigneten Ausgangspunkt. 



Bei der Anfhellang des arspriinglichen Zustandes ist von 
sinnlicher Anschauung auszugehen, und zwar von der räumlichen. 
Die allgemeinste Raumanschauung, die sich im Verhältnis zweier 
Gegenstände zueinander dem naiven Betrachter zuerst aufdrängt, 
steckt in dem Begriffe »vor**, geschieden nach Ruhe und Be- 
wegung oder, was dasselbe heisst, nach Lage und Richtung. 
Die^eit wird ebenfalls als Raum vorgestellt, räumliche Aus- 
drücke werden auf sie übertragen. Auch abstrakte, unsinnliche 
Begriffe werden mit räumlichen Ausdrücken bezeichnet; diese 
Begriffe entwickeln sich zuletzt. Der Unterschied zwischen 
Ruhe und Bewegung, zwischen Lage und Richtung ist so gross, 
dass der unbefangene Betrachter sie unmöglich durch ein und 
dasselbe Wort wiedergeben konnte. Die Verhältnisse von „um, 
bei, neben, über** in der Ruhelage im Gegensatz zu „vorwärts, 
voran, voraus, vorbei, längs" in der Bewegung erschliessen sich 
erst einer sorgfältigeren Beobachtung aus dem Begriffe „vor**. 
Für die Richtigkeit dieser Behauptung spricht die Etymologie 
von got. /air-/at<r-/ra-, die auf eine gemeinsame vorgermanische 
Wurzel in drei Stufen (^*per- *pr- *prö) hinweist^). Bei einer 
grösseren Zahl solcher spezielleren Bildungen ist ein Über- 
greifen und Ineinandergreifen der einzelnen unvenneidlich, bis 
zu dem Grade, dass die ursprüngliche und schärfste Scheidung, 
die von Ruhe und Bewegung, verwischt wird. So gebrauchen 
wir nhd. vor für beide Verhältnisse. Die Vermengung tritt 
um so leichter ein, als oft eine doppelte Auffassung möglich 
ist. Die Wendung einem etwas vorlegen kann von zwei Arten 
der Anschauung ausgehen, nämlich in der richtung auf eitlen 
hinlegen und etwas so legen ^ dass es vor einem liegt Das eine 
betrachtet mehr momentan die Handlung, das andere ihr Er- 
gebnis oder den Zustand nach der Handlung. So zeigt sich 
uns das Verhältnis von faur :/aura. 

Mc. 8, 6: ei aüagidedeina faur; jah atlagidedun faurßo managein: 

fya naqad'iäaiv . xa\ nagid'fjxay T(fi ox^f^- 
Lc. 9, 47: fairgreipands bam gaaaUda faura eis: imXaß6fi€yog nai- 

diov UffjTiaey nag* iaur^. 

fawr vertritt die Richtung und erscheint demnach als 



>) Brugmann, k. vgl. gr. S. 472. 



6 

Präposition mit dem Akkusativ verbunden, /awra als Vertreter 
der Ruhelage mit dem Dativ ^). Die Scheidung zwischen ihnen 
erhellt deutlich aus folgenden Stellen, wo ein und derselbe 
Ausdruck des griechischen Originals verschieden wiedergegeben 
wird. 

Mc. 1, 16: hvarbonds faur marein: nagayaty nagä t^v ^aiaaaay. 
Mc. 6,21: was faur a marein: i^y naga r^y d^aXaaaay, 

In der Bedeutung „längs" verbindet sich fawr auch mit 
Verben der Ruhe, da es dann einen Richtungshinweis birgt. 

Lc. 6, 17: pize faur marein Tyre jah Seidone: z^g nagaliov Tvqov 

xal £idc!}yog. 
Lc. 18,35: blinda sums sat faur ung: rvtpXos ug ixa&rjfio naget r^y 

odoy. 

Sinngemäss ist naqa einmal (Mc. 5, 21) durch faura marein, 
das andere Mal (Lc. 6, 17) durch faur marein übersetzt, obwohl 
es in beiden Fällen bei Verben der Ruhe steht. Denn dort 
befindet sich ein einzelner Mensch an einem Punkte „vor, an 
dem Meere" (Ruhe), hier ziehen sich Städte „in der Richtung, 
längs des Strandes" hin. Das Charakteristische der Lage 
gibt die gotische Übertragung anschaulicher wieder als das 
griechische Vorbild. Auch die Stelle Lc. 18, 35 zeugt dafür. 
Soll etwa der Blinde faura wiga „vor dem Wege, d. h. im 
Wege" sitzen? Dann würde er ihn sperren; er sitzt vielmehr 
in der Richtung, wie der Weg verläuft, d.h. „am Rande, 
längs des Weges": faur wig. 

Entsprechend ist das Verhältnis der Präfixe /awr : /awra. 
Je nachdem Bewegung (Verbalhandlung) oder Ergebnis (Zustand 
nach der Handlung) ins Auge gefasst wird, wechsein faur : faura 
miteinander, und dass dadurch dann manche Ausgleichungen 
nach der einen oder anderen Seite bewirkt werden , ist be- 
greiflich. Oft hält das Verbum die Richtung, das Nomen die 
Ruhe fest. So erscheint ein faurlageins^ durch das Verbum 
faurlagjan^) beeinflusst. 



*) Schon im ahd. tritt Vermengung ein ; vgl. Grimm d. gr. 4, 787. 

*) faurlageina in *famdlagein8 za verbessern (Grimm d. gr. 2, 726) ist 
mithin nicht nötig. 

') Es heisst stets mhd. vwrlegen, vürrennen entsprechend dem got. 
faurlagjan, faurrinnan. 



Lc. 9, 16: gaf sipof^am du faurlagjan pieai managein: l6(Sov 

To£; fiad-ffialg naoatid-ävai x^ ^xW' 
Mc. 2, 26: hlaibans faurlageinais matida: xovg aQxovg xrig nqod'ä' 

Wenn faurhah ifaurahah nebeneinander belegt sind, so ist 
in faurhah eine Beziehung zum Verbum gefühlt ^). 

Matth. 27,51: faurhah\ älhs dissJoritnoda in Uoa: x6 xaxan^xac/tia 
Mc. 15,38: faurahah f xov yaov iff/tff&r) etg dvo. 

Auf Ausgleichung ist wohl auch fauragaggands , faurastan- 
dands, fauramaßleis^) gegenüber /aur^a^^eis zurückzuführen^. 

I. Tim. 3,4: seinammagardatoailafauragaggands: xov tSCov oXxov 

xaJiMg nQoi'axttfieyov. 
Rom. 12,8: sa faurastandands in usdaudein: 6 nqoXoxafnyog iv 

anovdlß, 
Matth. 9,34: in fauramaflja tfnhuipono usdreibiß unhülßons; iy 

x^ uQxoyxi xmy datfioyioay fxßaXku xa daifioria. 
I. Thess. 5,12: faurstassjana iewarans: n^Xaxa^ivovg vfioiy. 

An fauragaggan erinnert lat. praeire (prae weist auf eine 
dativische*) Grundform hin, vgl. gr. na^al) und praetor (aus 
*prae'üor). Hier ist die Ruheform prae wohl ursprünglich dem 
Nomen eigen und von ihm aus aufs Verbum fibergegangen. 
praetor ist durativ gefühlt als der, ^der sich im Gehen ständig 
vor den anderen befindet^, so dass das Lage Verhältnis der 
Gehenden zueinander keine Verschiebung erleidet. 

Zur Bezeichnung von räumlichen und zeitlichen Ver- 
hältnissen in der Bedeutung „vor" finden wir faur- und faurar 
Komposita nebeneinander verwandt, faur als „voraus", faura 
als „in der Reihe vor einer Person oder einem Ereignis". 

a) BMmlich: faurrinnan,faursniwan — fauraqtmanffatn'arcJifyan, 

Sk. lU b : Johanne hatujandans ßamma faurrinnandin aiwaggeljon : 

Johannem aadientes praecnrsorem evangelii. 
Mc. 14,8: fauranau aalban mein leih: ngoilaßiy fivQtaai (lov x6 ao^fia. 



>) Vgl. mhd. vürhengenf aber vorhanc neben isü/thanc, fürhang erh&lt 
sieb nocb bis ins nhd. (DWB. 4 I, 743). 

*) Vgl. anord. far-mdHande. H^v. 25^: ßat fißr es at finge hmwr, at 
luinn d farmalendr fd. 

') mbd. vür- : vor- nebeneinander in derselben Bedeutung ; vürkempfe : 
v^kempfe, vürmunt : vormunt, vüraprSche : vdrepriche, vüretant : vorstant. 

*) Es könnte auch ein Lokalis des Feminins sein. 



8 

I. Kor. 11, 21: fauraniwiß du fna^an: nqolafißavH inl t^ (payciy. 
Lc. 1, 17: jah silba fauraqimid in andwairßja ü: xal avtog ngo- 

Bkivairai iv<o7iiov avrov. 
Eöm. 12,10: swerißai üffjois misso faurarahnjandans: tg xt^i 

aXXriX^vg TiQOi^ovfisyoi. y 

ß) Zeitlich: faurdamems, unfaurweis^) — faurawenjan, 

L Tim. 5, 21 : inu faurdomein: x^9^ nQOXQCficaog. 

Sk. nib: witoß ßize unfaurtoeisane missadede ainaieos hrainein 

raidida: lex ab impradentibas commissornm delictoram nnios por- 

gationem constitnit. 
Eph. 1,12: ßai faurawenjandans in Xristau: rovg nQo^XTtixoTetg 

iy t^ XqiOt^, 

Schliesslich erscheint fatM' in der Bedeutung „hinaas ttber, 
vorbei* in faurgaggan *) und als Präposition ^). 

Mc. 15,29: jah ßai faurgaggandana toajameridedun ina: xal ol 

naQanoQevofAeyoi ißkuaipr^fiovy avroy. 
I. ThesB. 4, 16: ßatei weis . . m bianiwam faur ßans anaslqMndans : 

ort ^fiiig , , ov /i^ (p^<ro)fi€y rovg xoifAtid'äyxag. 

Die Doppelkomposita /ae^^o^jran xm^ fawrhisniwan kommen 
fttr die Untersuchung von faur nach den Gesichtspunkten der 
Buhe und Richtung nicht in Betracht. 



Neben diesen Belegen, in denen faur einen Richtungs- 
hinweis enthält, steht eine Anzahl von solchen , in denen fawr 
die Anschauung der Ruhe vertritt.. Jedenfalls sind in faur 
zwei urgermanische Formen zusammengefallen*). Beide aber 
sind von fawa sowohl lautlich wie auch der Bedeutung nach 
zu scheiden und nicht etwa durch Apokope aus faura ent- 
standen. Die etymologisch entsprechenden griechischen Formen 
Trag- naq- und n&qa nagä erklärt Joh. Schmidt (KZ. 38, 16) 
derart, nämlich nag- na^ ohne Rücksicht auf den folgenden 



^) fawr als Präposition in dieser Bedeutung ist belegt Matth. 26, 75 : 
faur hanins hruk: ngly aX^xroga <pa>y^aai, 

») Noch nhd. fürfahren bei H. Sachs, Neudr. 39/40 S. 16: ja, er sol 
noch dl wann zvoo sttmd bey vns fürfaren dise straaz, 
') mhd. Parz. 87, 16 : voan sisi im holt für elliu toip; 
arm. Heinr. 239: tmd dar nach für die selben frist hat er ze siner 

genist ddiein gedinge mire („über die Frist hinaus, von da an''). 
*) Brugmann, k. vgl. gr. S*. 474. 



9 

Laut ans ndga naqä apokopiert. Mag diese Annahme für das 

Griechische zutreffen , auf das Germanische ist sie jedenfalls 

nicht zu übertragen. Die Etymologie der drei got. Formen ist 

folgende: 

got. fawr I = lat. por- = osk. pur- (dUom) = ahd. as. /wr- /or-. 

got. fawr II = ahd. as. fwri. 

got. faura = ai. purä = av. para = gr. Tcaqa^ naqa 

= ahd. as. fara ^). 

faura kann auch einem gr. naqai-ißomtig)^ an die Seite 
gestellt werden. Für faw II finden wir keine Parallelform 
ausser ahd. as. furi, Joh. Schmidt (KZ. 26, 31) erkennt keinen 
etymologischen Unterschied zwischen /wr :/««ri an, sondern be- 
gründet ihre Verschiedenheit auf dem germanischen Auslauts- 
gesetz. Doch zwingt uns die widerspruchsvolle Vereinigung 
von Ruhe und Richtung in got. /awr zur Spaltung dieser Form 
in zwei, vorgerm. *pr und *prn entsprechend. Die lokale Form 
germ. *fur% musste got. faur werden *). 

got. faur I enthält wie lat. porricioy porrigo, partendOy poOür 
ceor einen Richtungshinweis, faur II und faura vertreten die 
Anschauung der Ruhe, aber verschiedener Art: fama entspricht 
unserem „vor^ in mehr sinnlicher Anschauung (auch etymologisch), 
faur II enthält das abstraktere „für" (vneQ, pro). 

Mc. 9,40: unte saei nüt wißra istois, faur iswis tat: os yuQ ovx 

taxiv xa^ vfjLoiVf vnkg vfioiy iativ, 
Philipp. 1, 29: ietois fragiban ist faur ^Sristu: vfilv ßx^^^^^i *^ ^^^Q 

Xgiffjov. 
Philipp. 4, 10: du faur tnik fraßjan: t6 vtiIq ifiov (pQoyety, 

faur II (*prri) bedeutet „vor" einem Gegenstande befindlich, 
zur Deckung „für" den dahinter befindlichen „gegen" einen 
davor befindlichen. Auf diese Weise kann sich ein lokales 
„vor" zu den scheinbar widersprechenden Bedeutungen „für" 
und „gegen" entwickeln. Dieses faur II kann mit einem die 
Richtung andeutenden fauri nichts zu tun haben ^). 



^ 



') Bnigmano, k. vgl. gr. S. 474. 
") Streitberg, urg. gr. S. 189. 

') Apokope des schliessenden -«'; vgl. Hirt, JF. 1, 216. S. auch die 
gleiehfalls lokale Form got. fair-, 

*) In der Bedeatnng , schätzen yor, gegen^ wird auch faura verwandt; 



10 
Die Doppelheit von „für" und „gegen" weist fawgipan auf: 

Lc. 14,19: habod mik faurqißanana: ^/c fie naQUfiri^ivov, 

Gal. 2, 21 : m faurqifa ansUki gudis: ovx a&exoi t^v X'^Q^^ ''^^ ^€ov. 

Wenn ich vor einem Gegenstande etwas anbringe, so sperre 
ich ihn ab oder verschliesse ihn. Das Mittel oder Werkzeug, 
mit dem dies geschieht, wird in faurdammjan, faursigljan, faur- 
waipjan durch das Stammwort ausgedruckt: 

n. Eor. 11, 10: so hvofttUi ni faurdammjada in mie: ^ xavxn<^i£ 

auTij ov fpQay^atrai eis ^fti, 
Matth. 27, 66 : gälukun ßata Maito faursigljandans ßana (stain) : 

TjatpctXtaavTO roy xaifov atpQayCaavxBg roy {U^y). 
I. Tim. 5,18: auhsin ßriskandin munß ni faurtoaipjais: fiovy 

aXomyra ov (pifKoneig, 

Ähnlich kann fawrwalugan als „durch Wälzen versperren" 
aufgefasst werden: 

Mattb. 27,60: faurtoalwjands staina mihilamma daurons: ngoff- 
xvUang Kday fiiyay rj ^i;^^. 

faurmuljan ist vielleicht als „falsche Analogie" nach faur- 
waipjdn^ faurdammjan zu erklären, faurmuljan birgt als Stamm- 
wort den Gegenstand, vor dem etwas angebracht wird, nicht 
den, mit dem der Verschluss gemacht wird, faurmu^an und 
/aurwaipjan ergänzen sich gewissermassen : „vor dem Häul 
eine Schlinge machen" ^). 

I. Eor. 9, 9: m faurmuljaia aühsan ßriakandan: ov xrifitoaeig ßovy 
aXotäyra. 



vgl. got. Joh. 17, 15: ei bairgais im faura ßamma tinseljin: Vya rtigj^o^g 
avTOvg ix toi; noyriQov. 

Es ist aufzufassen als „angesichts des Bösen", für and vor wechseln 
in dieser Funktion noch nhd. 

Schüler 12, 125: da sei Gott für! 

12, 217 : was grau für älter ist, das ist ihm göUlidh. 
14, 329: wir stehn vor unsre weiber, unsre hinder. 
In den beiden letzten Fällen hat die heutige Sprache den umgekehrten 
Gebrauch. Doch herrscht für unbeschränkt (abgesehen von der Bedeutung 
vn^o) im Sinne von „ein Mittel gegen'': vgl. mhd. Iw. 5395: das was in 
guot vür den tot. 

^) Ein ähnliches Verhältnis waltet vor etwa in nhd. verfugen : vermörtdn 
„mit Mörtel die Fuge verschliessen''. 



11 

Die Gebiete von faw I und faur II sind nicht scharf 
gegeneinander abzugrenzen; bezeichnend daffir ist faurhiuäan 
^verbieten". 

Am einfachsten wäre es b,ii\ faurqipan anzuschliessen: „durch 
Sprechen einen Kiegel vorschieben, untersagen". Indessen 
liegen die Dinge hier etwas verwickelter. Unter den zahlreichen 
Belegen ist ein einziger, wo das Verbot nicht in einem folgenden 
Negativsatze läge, und in dieser einen Stelle braucht man kein 
direktes Verbot zu sehen: 

Lc. 8, 26 : hvas siai sa^ ei jah mndam faurbiudiß jäh watnam, jah 
ufhatujand imtna? %(g aga ourog iariy, ort xal roig ayifjLOig int- 
Totaau xal r^ vdoxi, xal vnaxovovaiy avt^; 

Der griechische Urtext enthält keine Negation, Luther 
übersetzt: „. . dasz er über wind und meer gebietet*'. Doch 
ist nicht abzuleugnen, dass ein Verbot sinngemäss ist: das 
Meer wütet und ängstigt die Jünger, Jesus erwacht und ge- 
bietet Wind und Meer Einhalt! 

An allen übrigen Stellen kann die Negation auch im 
folgenden Satze liegen: 

Lc. 8, 66: iß is faurhaud im ei mann ni qeßeina ßata waurßano: 
6 dh noQ^yyeiMy avtoTg fijj^ayl eineXy t6 yiyoyog. 

Das gr. naQayyeXlü) kann das Verbot enthalten, das fol- 
gende htuL^cua nicht: 

Mc. 8,30: iah faurbauß im ei mannhun ni qeßeina bi ina: xal 
inerifjLTiaav avxolg Xya fitiSiyl Xfyaaiy mgl avrov. 

Trotz der zahlreichen Belege können wir nicht feststellen, 
ob faurbii^an ein ausdrückliches Verbot bezeichnet oder in 
der Entwicklung vom energischen Heraussagen zum Versagen 
begriffen ist (vgl. gr. Ttqoelnov), Lc. 8, 25 spricht für dieses, 
Lc. 8, 56 für jenes, Mc. 8, 30 ist unparteiisch. Damit verknüpft 
ist die Frage, ob faurbiudan lautlich zu idg. *prri oder *pr 
gehört^). 



^) Im ahd. hat es in den grösseren Denkmälern den aasgesprochenen 
negativen Sinn, wie ans einer Tatian-Stelle deutlich hervorgeht: 

T. 86, 2: giböt her in tho, ihaz sU niheinagamo ni aagdtin; so her ur 
mer forböt, so sie iz mer predigötvn: praec^it Ulis, ne coi dice- 
rent; qnanto antem eis praecipiebat ... 
Dasselbe Wort der Vorlage ist verschieden übersetzt; da das eine Mal der 



\ 



Auch fawrgipan lässt eine doppelte Auffassang zu, nämlich 
als , sprechen gegen** (fawr II) und „mit Worten verwerfen** 
(faw I). In letzterer Bedeutung berührt es sich mit fraqißan; 
beide geben gr. d&evea} wieder. Die verschiedene handschrift- 
liche Überlieferung erlaubt vielleicht den Schluss auf land- 
schaftliche Verschiedenheit darin: 



negative Sinn darch den Nebensatz aasgedrttckt wird, hebt ihn der Übersetzer 
das zweite Mal durch das Verb selbst hervor. Über die Form erhalten wir 
im ahd. keinen Auf schluss, da T., 0., N. ihre Normalformen for-, fir-, fer- ge- 
brauchen. Die älteren Glossen aber zeigen uns deutlich positive Verwendung 
und Formen, die auf beide /aur- Typen schliessen lassen. Also tun wir gut, 
hier Grenzgebiet und Mischung zwischen beiden anzunehmen. 

ahd. Gl. I 322 a: firlnut : contestare 1 „ v « v^ 

TT nn j! 2. . -s. } Form: geschwächt. 

11 36a: firbot : censuit / ** 

Gl. I 743 a: fvriputun, virptitun : \ ^ ^ 

j ^. j. ? *»r-Form. 

denuntiaverunt J •^* 

Gl. I 53. gl. K.: furipunda endi 1 * , . „ 

- . / ,.^ > *i>rr»- Form. 

funpotan : recondita J '^ ° 

Die beiden letzten Stellen enthalten einen Gegensatz des Sinnes, einmal ge- 
hässiges Preisgeben, auf der andern Seite sorgsames Abschliessen. Ein aus- 
gesprochenes Verbot liegt in 

Gl. I 26-27. Pa. furipitUit gl. K. furibiuUt : prohibet. 
Gl. II 263 a: uirbiete : interdicat. 
Die Form furi- kann fauri wie fawr II entsprechen, besagt also an sich 
nichts fflr die eine oder andere Type (vgl. Teil II). 

Die as. Überlieferung gibt uns auch keinen Aufschluss über die Herkunft 
von verbieten: 

as. Wadst. 107, 4 : uarbudun : vetuernnt. 
Mehr hilft uns das mnd. und mhd., wo verbieten in positivem wie in nega- 
tivem Sinne belegt ist: 

mnd. Chr. d. nordelb. Sachs, p. 49: he vorbadede dat sassische volk Uh 
samende („entbieten, vorladen'^). 
Lüb. Urk. 5, nr. 463: vnd wi vorboden vns van stunt darsulues, 

dat wi des toolden to rechte gan („erbieten, anbieten*'). 
R.V 6709: got vorbedet! („verhüten"). 
mhd. Weist. 4,302,32: dz si (£^) Züri(h nieman verbieten nodh mit 
geistlichem gericht vftriben sol („aufbieten, vorladen"). 
Kehr. 7569 : vil sciere verbot er dae allen Bömarenf das si die Tiver 

verbcBren („entbieten" oder „untersagen"?). 
Mw. 265, 24: das got verbiete! („verhüten"). 
Danach werden wir geneigt sein verbieten zu fawr I zu stellen ; dass diese 
Auffassung richtig ist, wird bewiesen durch die Stelle: 

mhd. S. Gan. stb. 4, 116 : einen vür die etat verbieten („zur Stadt hinauiF 
befehlen, aus der Stadt verbannen"). 



18 

Gal. 2, 21: ni faurqißa anskU gtidia: ovx a^etm t^y x^gir tov d'iov, 
Lc. 1, 30: runa gudia fraqeßun ana sik: r^y ßovXrjy roi; &€ov ri^i' 
riiaety stg katnovg, 

fawrqipan in der Bedeutung „entschuldigen^ könnte auch 
mit fawrbaukta „Loskauf*' als „lossprechen^ (fau/r I) erklärt 
werden : 

Lc. 14,19: hcSbai mik faurqißanana: Hx^ (^^ noQj^rifAiyoy. 

Eph. 1,7: inßammei habamfaurbauht: iy ^ ^x^f^^ ^^ anokvtQioaiy, 

Diesem faurhaukts steht ein frabugjan^) zur Seite; in faur- 
bauhts kann auch „FOrkauf, Erlösung^ (faur II) stecken. 

faurtcalivjan haben wir als „durch Wälzen versperren^ 

(faur II) aufgefasst; doch ist auch die Auffassung „hin wälzen 

vor* (fauri) berechtigt. 

Matth. 27,60: faurioaliojands staina nUkilamma daurons: ngaa- 
xvXCaag U^y fUytiy r^ d-uQtf. 

In diesen Fällen berühren sich fau/r I und fau/r II gegen- 
seitig, zum Teil auch mit fra-. 

Wir haben die Untersuchung der /atir-Belege beendet und 
können folgendes Ergebnis feststellen: 

1. fau/r ist von faura geschieden. 

2. In fau/r sind zwei vorgermanische Formen zusammen- 
gefallen: *pr und *prr%, 

3. Zu faur I (*pr) gehören die Ausdrücke f&r vorausgehen, 
vorbeigehen^ vorlegen, vorsehen, 

zu faur II Cpp^) die Ausdrücke für versperren; 

doch sind verschiedene Belege nicht sicher einer von beiden 

Typen zuzuweisen. 



fair- schliesst sich an faur II an; beide führen nämlich 
ihren Ursprung auf eine lokale Grundform zurück und vertreten 
daher die Anschauung der Ruhe, jedoch in verschiedenen Ver- 
hältnissen, faur II Cprri) bedeutet, wie wir festgestellt haben, 
„vor" einem Gegenstande zur Deckung oder Hinderung, favT- 
(*P^) »vor" einem Gegenstände auf allen Seiten, d. h. „rings 
herum", einen Ring um ihn bilden und ihn dadurch schützen 



') Lc. 17,28: bauhtedun jah frabauhtedun: rjyo^oy intoXovy. 



14 

vor etwas oder absperren von allem übrigen: z. B. „vor dem 
Wall der Festung ist ein Graben, d. h» rings um den Wall 
läuft ein Graben"; vgl. ai. pdri-bädh ( „ ausschliessen von, 
schützen vor") und gr. TteQcaiQeo^at („entziehen"). Die ety- 
mologischen Entsprechungen von fair- sind 
ai. pari' = s.Y.pairi = gr. n€Q(t) TtaQi = IsA.per = lit. per = russ. jpere-. 

Als Grundform ist *pSr(i) anzusetzen mit der Grund- 
bedeutung „rings herum". Aus dieser lassen sich die got. 
/air-Belege leicht entwickeln, fair- erscheint nur als Präfix in 
fester Komposition. 

a) fairweUjan I: umherspähen. 

n. Kor. 4,18: m fairtoeitjandam ßiee gasathvanane : firj <rxo- 
novvTOJV tjfio^y tu ftXsnofisva, 

fairgreipan: um etwas herumgreifen > umgreifen > ergreifen. 

Mc. 8,23: fairgreipanäs hanäu ßia blindins: Imlaßofi^vog xrig 

X^iQog xov TvtfXov. 
Mc. 5,41: fairgraip bi handau ßata bam: xQari^cfag Trjg x^*^Q^ 

tov nat^{ov. 

„ergreifen" hat den Sinn „erreichen, erlangen" : 
fairwaurJgan: erwirken. 

I.Tim. 3, 13: grid gada fairwaurkjand: ßa^fioy iauroTg xaXov 
nsgtnoiovyrai. 

Bei TisQmoieiad^at macht sich die gleiche Anschauung und 
Bedeutungsentwicklung im Griechischen geltend. 
tmfairlaistips: unauf spürbar. 

Eph. 3,8: ßo unfairlaistidon gabein Xristaus: t6 ave^ix^Ca(nov 
nXovTog rov Xgtarov. 

Schliesslich wird /air- zur blossen Verstärkung: „völlig". 
fairaihan: teilhaben an. 

I. Kor. 10,21: ni maguß biudis fravjins fairaihan: ov ^vyaad-e 

fairhaüan: bekennen (nicht unser verheiszen im Hinblick auf 
die Zukunft: /awrl- Type). 

Lc. 17,9: iba ßagJc ßu fairhaitis skalka jainamma: firi x^Q*^ 
?/€*(?) T^ 6ovX(^ ix£^y<fi. 

b) „umher > rings herum > der Reihe nach > hindurch". 
fairweHJan II: hinschauen {dtevl^eiv ist ein starres Blicken). 



16 

n. Eor. 3,7: f airweit j an du wUta MoaesiB: iiBvtaai . . ilq xo 

TiQoffejTtov Äfwj^tog. 
Lc. 4,20: augona f airweit jandona du imma: ol oipd-aXfiol au- 

yiCoyreg avx^. 

fairrinnan: sich erstrecken. 

II. Eor. 10,14: fairrinnandans und igwis: itptxyov^cyoi iig vfiag. 
Eph. 5,4: ßoei du faurftai ni fairrinnand: a ovx aytjxey (Vulg.: 
qaae ad necessitatem non perünent). 

c) fairtveüjan III: wer die Blicke ziellos umherschweifen lässt, 
hat nichts zu tun und treibt überflüssige Dinge. 

II. Thess. 3, 11: ni watht waurl^andane ah f airweit jandane: firid^ 

ioyaCofiivoug aXXa n^Qii^u^ofiivovg, 
I. Tim. 5, 13 : ak jäh unfaurjoe jäh fair weitjandeins: xal (pXvagoi 

xal neQUgyoi (Vulg.: qai alienis rebas inepte se immiscet). 

So kommt auch fairweitl^) zu seiner verächtlichen Be- 
deutung. 

I. Eor. 4, 9: fairweitl waurfum ßisai manasedai: d'^cngor fycv^^fiey 
T^ xoafiip. (Luther: ,. . denn wir sind ein Schauspiel geworden 
der Welt . . wir sind Narren um Christi willen . . verachtet*.) 

Die got. Beispiele stimmen in der Bedeutung gut zu den 
verwandten Sprachen: 



^) Mit got. fairweiü ist nhd. Vorwitz nahe verwandt. In ahd. firiwisei 
= as. firiwit tritt das Schluss-i hervor. 

ahd. Wessobr. Gebet: dat gafregin ih mit firahim firiuuizzo meista 

(Wunderzeichen) . 
0. ni 20, 41 : thio ärmilichun wiesi was Ihee tho firiwiszi, was 

eies ufuntar ihrato, jäh frdgetun ihero dato. 
Gl. I 366 a: firuuizkerni: curiositate. 

Gl. I 100-101: Pa. firuuuieUhher. gl. E. firuuizUhher: varius. 
Gl. I 138-189: Pa. /irtwtc». gl. E. /»rwiitCT. Ra. /trttKiiMi: fastus. 
Gl. I 253. gl. E. soso firiuuieUhhi : quasi bannum. 
Da indessen firi- so vereinzelt dasteht, ist es bald nicht verstanden und wohl 
als Verbildung von furi-, der anderen Lokalform, angesehen worden. Jeden- 
falls schreibt N. stets füre-: 

N. I 109, 1 P.: tarmiU uuds in füreuuizze dOero iro Mo. 
N. I 814, 2 P. : dUero dingo füreuuizkirniu: curiose universa per- 
scrutans. 
mhd. und nhd. geht das Wort als fürwite weiter: 

nhd. H. Sachs, Neudr. 26/27 S. 41: dich stiaht der fürwitz spat vndfirw. 
Dann geht es mit den meisten /är-Eompositis im jttngeren nhd. in vorwitz 
aber. Diese Form hat lautgesetzUch das Mitteldeutsche schon früher: 

mhd. Jer. 24395: daz ouch si mit vorwitz in dö gewamet vunden. 



16 

got. fainoei^an: ai. päri-car („umherwandeln^): gr. nsgiTtelofiat. 

fairgreipan: ai. päri-bhü („umfassen, enthalten^): gr. negt- 
qnyvai. 

fairwaurlgan: lat. perflcio. 

fairaV^n: ai. p&ri-vid: gr. rtegloida: lat. pervideo. 

fairrinnan: gr. TteQiegxof^ai: lat. perlego. 

fainoeUl: gr. TieQlegyog: lat. perfidus^), periarus. 
Was rings herum liegt, geht über die nächste Umgebung hinaus; 
was über das Mass geht, ist vom Übel. So kommt *p6r(i) zu 
dem tadelnden Sinne. 

Die Vertreter von got. fatr- spielen in den germanischen 
Sprachen eine sehr untergeordnete Bolle ^. Es ist keine Be- 
deutungsgruppe nachzuweisen, in der sie sich üppig entfaltet 
hätten, fair- liefert den geringsten Beitrag zu den Funktionen 
und Bedeutungen, die in unserem nhd. Präfix ver- aufgegangen 
sind ■). 



Um so stärker ist got, fra- durch seine Entsprechungen 
darin vertreten. Wie sich fair- der Entstehung nach nahe zu 
faur II stellt , so /ro- zu faur I. fror zeigt die Anschauung 
der Richtung und weist mit ai. pra = dL^.fra- = gr. TtQÖ = lat. 



>) perfidus ist Hypostasenbildnng ans perfidem (ȟber die Treue hinaas 
d.h. treulos*'); vgl. Plaut. Mostell. 500: per fidem deceptus sum. 

') In den germanischen Mundarten ist die ihm entsprechende Form 
unte^egangen. ahd. fir- entspricht ihm zwar etymologisch, aber meist nicht 
der Bedeutung nach. Denn fir- ist zugleich eine Schwächungsstufe der ahd. 
Formen, die den got. faur- und fra- entsprechen 

*) Die eigenartige Bildung v^rsU^^en scheint BerOhrungspunhte zwischen 
fair- und foMir II festzuhalten. Die Zugehörigkeit zu faur II ist durch 
mehrfache ahd. /urt- Belege gesichert, die zu fair- durch eine auffällige 
Tatian-Stelle: 

ahd. T. 89, 6 : bi hiu m uirstantei ir : quare non inteUegitis. 
Es ist das einzige Mal, wo T. von den Normalformen for- für- für das 
Präfix ,ver-" abweicht. — Die beiden lokalen Formen *prrfi) und *pSr(i) 
stehen sich offenbar nahe, und die Erklärung kann sehr gut von beiden aus- 
gehen: einem Dinge ,Torstehen" zwecks Schutz oder Abwehr (faur II) oder 
ein Ding .umstehen' (Tgl. fairgreipan) und es dadurch in seiner Gewalt 



17 

pro- = lit. pra = aksl. pro auf ein idg. *prö hin. Die Grund- 
bedeutung „vorwärts", fort** zeigt sich deutlich in ai. prä-i 
(„fort-, weitergehn**); gr. Tcgoeifn; lat. pröcedoj pröficiscor, pro- 

a) Die Bedeutung »nach vorne, vorwärts" steckt in got. 
fraletan. 

Mc. 2,4: insaiUdedun ßcUa hadi jäh fralailotun: i^ogv^ayrsg 
Xaltäa^y top XQaßattov, 

Dieses „Herablassen" lässt sich am besten als „vornüber 
lassen" erklären*). 

b) *prö in der Bedeutung »weg" (vgl. lat. prö/undo^ pröicio) 
drückt häufig etwas Wegwerfendes, Gehässiges, Verächt- 
liches aus. 

fratcairpan: verwerfen. 

Mc. 9, 42: frawaurpans wesi in tnarein: ßißXrßai iig t^y d^akaaaay. 
fraqipan: „zurückweisen, verwünschen" steht ihm nahe (vgl. 

auch S. 12 f.). 

Lc. 7, 30: runa gudis fraqeßun ana sik: r^y ftovXTjy tov d^cov fid^i- 
rrjaay ilg kavtovg. 

In fralewjany fraioeUan^ frawrikan^ fraiorohjan („verraten, 
rächen, verfolgen, verleumden") wird der schon im Simplex 
liegende gehässige Sinn durch fra- verstärkt. 

n. Tim. 3,4: fralewjandans: ngo^orai. 

Lc. 18, 3: fraweit mtk ana andastaßja meinamma: ix^^xrjaoy fii anb 

TOV ityriiCxov fiov. 
I. These. 2, 15: jah uns frawrekun: xal rjfiag ix^no^aytwy . . . 
Lc. 16, 1: sa frawrohißa warß du imma: ovtog ^teßXi^d^jj aur^. 

In frahunnaHf frawaräjan, frawaurhjan^) („verachten, ver- 



^) In einem ahd. Reste hält fra- die Bezeichnimg der Aasdehnung fest. 
Gl. 1 412 a. £b.: in frauildim: in campestribns („weiterhin'). 

') Der Sinn «abwärts' erscheint ebenfalls in 
ahd. Ol. n 448 b (Pnid.): ferneüvn,ferneuuon: abnepotes; 
Gl. I 192 Pa.: in farprchaneru stati: in abrupto loco; 
femer in anord. for-berges (.bergab' Gering 282) nnd for-streyme (Flusslaaf 
von einem beliebigen Punkte unterhalb der Quelle bis zur Mündung ; Gegen- 
satz and-streyme ebd. 284). Diese Bedeutung ist ganz vereinzelt. 

*) Diese Bedeutung der Verachtung und Vergehung haftet fra- so fest 
an, dass die urgermanische Form fra- sich noch unverändert in einigen ahd. 

Leopold, Die Vonilbe ver- 2 



18 

spotten, Verstössen; entstellen; schlecht handeln, sich ver- 
gehn") dagegen drückt fra- das Verlassen des dem Simplex 
eigenen Sinnes, das Abweichen vom rechten Wege aus. 

I. Tim. 4,12: m maama ßeinai jundai frakunni: firfiUg aov r^c 

Joh. 12,48: saei frakann mis: 6 ad-etojy Ifii. 

Matth. 6, 16: frawardjand aük andwairU^a aeina: atpavC^ovaiv 

yaQ ra TtQOtrtona avteiv, 
Lc. 15, 18: frawaurhta niis in fUmin: tifiaqxov ilg tov ovgavoy. 

frarinnan kann auch als „abirren^ anfgefasst werden: 
Lc. 10,30: in waidedjans frarann: Xuoraig n^gtinsacy. 

c) In der Mehrzahl der got. Belege bezeichnet fra- »weg-" bei 
einfachen Handlungen von Person zu Person. Hierunter 
fallen die Verba gehen, nehmen, lassen in mancherlei Abstufung 
der Bedeutung. Die verwandten Sprachen weisen weniger 



and aengl. Resten erhalten hat. Dies sind einige Nomina, in denen das Pr&fix 
Träger des Worttons ist (vgl. Klage, KZ. 26, 72—75). aengl. fracoß ge- 
hört za got. fräkunßs; aengl. farcüß daneben ist vom Verbam beeinflosst, 
das Stammwortbetonnng zeigt. Über aengl. fra- als Nebenform von fra- 
8. KZ. 26, 74; Aber die dialektische Form far-, die wohl aach aaf fra- zorttck- 
zaführen ist, s. PBrB. 6, 248 f. 

Ebenso erhält sich fra- in ahd. Nomina verächtlichen oder tadelnden 
Sinnes, wie er sich in got. frÖMOurhts (afia^cDXog — afiagrCa, ofutgtrifia, 
nctqajtKafitt) zeigt. 

Gl. I 227. Ra. : frataU : pemicies (oder perseverans ?). 
N. I 42, 24 P.: föne Uidarro frätaten: de sceleribas. 
N. gebraucht fräsejs and fersiz nebeneinander ; das eine hält die alte nominale 
Präfizbetonung fest, das andere ist von dem Tone des Verbs beeinflasst. 

N. n 318, 24 P.: vnde ferseeee t. frdsegee gab er iro uuuödiera: 
et dedit eragini i. rabigini fractas eoram. 
Femer liegt dieses fra- vor in 

Gl. I 63 R.: framano: contemptor. 
n 301 b : frapdldUho : temere. 
I 33 and 63 R.: frauaU: improbus, contamax. 
I 151 R: frauaU: temeritas (nhd. frevel). 
An einer andern Stelle findet sich das im Nomen berechtigte fra- aufs Verbam 
übertragen: Gl. I 135 R.: fratripU: expnlit. 

Ein vereinzeltes mhd. fror erscheint Germania 7. 319, 368 : fraeüme 
(„Versäamnis"). 

Die anord. Präposition frd ist nicht got. fra-, sondern fram an die 
Seite zu steUen ; dazu frdUga („schneU, hurtig'') s. Gering 286 bezw. 288. 



19 



Parallelen dazu auf als zu dem verächtlichen fror; vgl. ai. 
prä-yam („darreichen); gr. TiQoatQiofiai^ TtQokelTtw. 

fragiban: vergeben, verschenken, gewähren, verzeihen. 

Lc. 7, 21 : jah bUndaim matMgaim fragaf siun: xal xMpXots nokXols 

IxagCaato fiXimiy. 
Lc. 7,4: ßammei fragibis ßata: ^ nagiSv rovro. 
Eol. 2, 18: fragibands uns äüos missadedins : j^a^fcra/xci^o; ^fily 

nayta ra naganKOfiaia. 

fragifts: Verleihung, Hingebung, Verlobung. 

Lc. 2, 6: mip Mariin, sei in fragiftim fßos imma qens: avy Magia/u, 
tJ iftyrjauvu^yjf avz^ ywaiKC. 

/rabugjan,fradailjan,fragüdan: verkaufen, verteilen, vergelten. 

Lc. 17,28: bauhtedun jah frabauhtedun: ^yogaCov imokow, 
Job. 12,5: fradailiß wesi ßarbam: ido^ Tttaxotg, 
Rom. 11,35: aißßau hvaa imma fruma gaf, jahfragildaidau imma? 
Tf rCg TiQo^daxcy avrf, xal aytanodf^tianni avr^; 

franiman^): zu sich, an sich nehmen. 

Joh. 14,3: franima ietois du mis silbin: naQcdtjxfßOfitu vfiag jigog 

l^aviov. 
Lc. 19,12: franiman sis ßiudangardja: Xaß^ly iavr^ ßaatXiCav, 

fraJwnpanj frawüwan: gefangen nehmen, fortreissen. 

n.Tim. 3,6: frahunßana tiuhand qineina: alxtiaXonlCovxig yvraixaQia, 
n. Kor. 12,4: ßatd frawulwana toarß inioagg: oVt ^gnayi^ dgtov 
naQa^HCoy. 

fraletan'): lassen, entlassen, verlassen; ablassen, unterlassen; 
erlassen, vergeben; zulassen, erlauben. 
[frcdets: dTtelev&eQog^ äq>8aig]. 

Lc. 2, 29: nu fraletais skälk ßeinana: yvy &noXvug roy ^ovXoy aov 
(Lather : „Herr, nun lassest da deinen Diener in Frieden fahren *'). 



^) Das anord. belegt einen weiteren Berübrnngspnnkt zwischen faur 
und fra- zu den auf S. 12 f. bebandelten. Es stellt nämlich dem got. franiman 
ein anord. fymema an die Seite. 

Ls. 57': ... ßir sJcal minn ßrüßhamarr JMJoUner mdl fymema 
(„rauben« Gering 308). 
Dieses fyr- würde got. faur I entsprechen and steht dann ja fra- in der 
Bedeatang nahe. 

*) abd. flägan enthält fra- in yerschliffener Form : 
Gl. II 328 a: fkufzane: praetermissis. 
Die Übrigen Belege mit yerschliffener Form des Präfixes führen ibren Ur- 

2» 



20 



Eph. 6,9: fraletandans im hvotos: artirreg r^y ämiX^y. 

Lc. 7, 47 : in fieei . . afletanda frawaurhteis izos . . if ßammei 

leitU fraletada . .: ov x^Q*'^ • • «fp^o^ytai al afucgtüit uinrijg . . 

^fSk oXfyoy aipUtai . . . 

gr. dq)ifjfii wird durch aßetan und fralelan ohne unter- 
schied wiedergegeben. 

Mc. 5,37: jah m' fralailot ainnohun ize miß sis afairgaggan: xiä 
ovx a(^x€y ovSiya fiet avrov auvaxoXov^üai. 



Ausser den behandelten sinnlicheren Bedeutungen hat frti- 
noch eine wichtige Funktion, nämlich die Fähigkeit, Verba zu 
perfektivieren ^). 

Wir unterscheiden perfektive und imperfektive Aktionsart, 
je nachdem im Verb auf eine Begrenzung seiner Handlung 
hingedeutet wird oder nicht. Während gewisse Verba wie 
kommen und bringen schon in sich einen Hinweis auf den Ab- 
schluss der Handlung enthalten, wird er in andere wie gehen 
und tragen durch Zusammensetzung mit Präfixen hineingelegt, 
z. B. vergehen, hintragen. Bei der perfektiven Aktionsart kann 
der Ausgangs- oder Endpunkt die Grenze bilden; auf den 
Endpunkt kann das Verb entweder nur hinweisen oder ihn als 
erreicht darstellen. Danach wollen wir die inchoative (Hinweis 
auf Ausgangspunkt), effektive (Hinweis auf Endpunkt) und 
resultative (Endpunkt als erreicht dargestellt) Aktionsart unter- 
scheiden. Sie voneinander scharf abzugrenzen ist nicht möglich 
und nicht nötig, da sie häufig ineinander fibergehn und von 
der Zeitstufe beeinflusst werden, üeberhaupt sind diese Schlag- 



sprang ebenfaUs auf /ra- zurück. Es smd ahd. fliosan, friezan; mhd. vreisdhen. 
ahd. Gl. I 25 B.: fleosan: amittere. 

T. 199, 6: ikoB sie ihen heiUmi flurin: perderent. 
N. n 2%, 22 P.: Christum ezzent sie. sih zSgedumohkmne, dia- 
bölum frezeent sie. ze Hnero dikgungo: Christum quo se 
consument. diabolum quem consumant. 
fressen hat hier schon wegwerfenden Sinn gegenüber essen. 

mhd. Nib. 793,4: daz muoste freischen Günther, dar zuo aUe sine man. 
») Über Perfektivierung vgl. Streitberg, PBrB. 15, 70flf. Wustmann, 
Verba perfektiva. Mourek, afda. 21 (1895), 195 ff. Herbig, JF. 6, 157 ff. 
Meltzer, JF. 12, 319 ff. und 17, 186 ff. 



21 

wOrter mit Vorsicht zu gebrauchen und sollen, wo es irgend 
geht, vermieden werden^). 

Die Fähigkeit des idg. *prö, Verba zu perfektivieren, finden 
wir ausgeprägt auch im Indischen, Keltischen und Slavischen *). 
So bedeutet ai. prä-vas „sein Nachtquartier vorwärts verlegen, 
verreisen, sich entfernen, verschwinden, aufhören, nicht mehr vor- 
handen sein" *). Dass grade idg. *prö mit der Grundbedeutung 
„fort" die verschiedenen Aktionsarten auszudrucken vermag, 
können wir gut verstehen und uns etwa an folgendem Beispiel 
klar machen^): 

1) geh fort (— — )! Bisher bist du gefahren, nun geh zu 

Fnss weiter, d. h. fange an zu gehn! 

2) geh fort (~ -^)! Geh weiter, fahre fort im Gehen! 

3) geh fort l * -^)! Geh bis zu Ende, bis ich dich nicht 

mehr sehe; weg aus meinen Augen! 
Der erste und dritte Fall stellt die perfektive Aktionsart 
(inchoativ — effektiv) dar, beim zweiten perfektiviert das Präfix 
nicht, sondern fttgt der Handlung nur ein intensives Moment 
hinzu. 

Solch ein intensives Kompositum ist got. frabairan: ver- 
tragen, ertragen. 

Job. 16, 12: akei m tnaguß frabairan nu: alX ov dvvan^i /kund- 

Inchoativa gibt es im got. nicht; aus dem Westgermanischen 
könnte man die Fülle der Denominativa hierher rechnen. 
Als effektive Komposita sind folgende aufzufassen: 

/rortfinan (vgl. S. 18): sich verlaufen. 

Lc. 10,90: m waidedjans frarann: Xfnaralg mgUneaev, 



') Alle die Definitionen und Eanstausdrücke, die gerade bei dieser 
Frage in Umlanf sind and eine klare Vorstellang von dem Wesen der Aktions- 
art doch nicht geben können, ttbergehe ich hier. 

^ Über ai. prd vgl. Delbrück in Bragm. gmndr. HI 718 f. 

air. ro perfektiviert nicht nur {saigid ,er gdit einer Sache nach, erstrebt" ; 
ro saig, -roig, -roich „er erreicht, reicht bis an'' vgl Thomeysen, KZ. 37, 60), 
sondern bildet aach eine besondere Präteritalform {asbert »dizit, iJm'^ — 
asrvhairt „dizerat, ci^^xot" vgl. H. Zimmer, EZ. 36, 484 f.). 

*) Bmgm., gmndr. m 718. 

*) Streitberg a. a. 0. 92 bezweifelt aUerdings die Möglichkeit. 



22 

fragiman^ frawavrpan: zvl Ende kommen, gehn, drauf gehn, 
verkommen. 

Neb. 5, 18: jah was fraquman dagis hvigüh sHur: xal r^v yivofi^vov 

n. Tim. 3,8: mannans frawaurßanai ahin: ayd^ionoi xtnifpdnQ' 

fraqiman, frawisan c. Dat.: zu Ende kommen, sein mit etwas, 
d. h. etwas aufwenden, aufbrauchen. 

Lc. 8,43: soei in le^jana fraqam aUamma cdgina aeinamma: ^ri>g 

ImQotg TtQoaayaltoaaaa oAov xoy ß(oy avxr^g. 
Lc. 15, 14: bife fem, fratoas aUamma: ^anay^aaytog ^k avrov navxa. 

Sonderbarerweise wird von /rogtwan ein Mediopassivum gebildet: 
n. Kor. 12,16: fraqima jah fraqimada faur saiwaioa ietoaroa: 
^anayjjao) xal Mcawmi^aofjuu vnhg rojy tffvx^y vfieiy. 

Die verschiedene Rektion von fragiman an den drei angeführten 
Stellen ist jedenfalls auf mundartliche Verschiedenheit zurück- 
zuführen. Sie sind in drei verschiedenen Handschriften über- 
liefert, nämlich Lc. 8, 43 im Cod. arg.; ü. Kor. 12, 16 in den 
Cod. Ambros. A und B; Neh. 5, 18 im Cod. Ambros. D. Das 
Evangelium Lucae zeigt vielfach vom Normalen abweichende 
jüngere Sprachformen ^). 

Die resultativen Komposita unterscheiden sich von den 
effektiven nicht wesentlich. In den intransitiven Effektiven 
empfinden wir noch den Verlauf neben dem Ende, bei den tran- 
sitiven Resultativen nur das Ende, die Vernichtung ^). Ähnliche 
Bildungen sind zahlreich in den idg. Sprachen, wie ai. prä-ad 
(verzehren), lit. prorgerli und russ. propiti (vertrinken). 

got. /rao^an, /rat^an; durch Essen aufbrauchen; verätzen, 

aufessen. 

I. Kor. 13,3: jäbai fraatjau aUos athHns meinos: iar ximfiCato nayra 

ra vnaQXoyra fiov. 

II. Kor. 11, 20: jabai hvas izwia gaßtwadf, jabai hvaa fraitiß: et xig 
vfiag xara^ovXoi, et tig xonead-Ui. 

fraqisljan^ frawardjan: verderben (fraqisteins: aTtuleia). 

Mc. 1,24: qamt fraqistjan uns: -^Xd-eg anoXiaai ijfiag, 
n. Kor. 4,16: sa utana unsar manna frawardjada: 6 t^^to tifioiy 
avd^tonog duMpd-eigerai, 



^) Braane, got. gr. S. 91. 

') Woher dies eigentttmliche VerhUtnis kommt, soH in Teil DI dar- 
gelegt werden. 



23 

frasUndan: verschlingen. 

II. Kor. 5,4: ei fraslindaidau fata diwano fratn Hbainai: Vya 

Auch fraUusan „verlieren, verderben ** gehört hierher (frcHusts: 

Joh. 6, 27: fjoaurkjoip nißana mat pana fralusanan: iQyaC€<r^i fin 
t^y fiQükriy r^y itnoXXvfiiyriy. 

Über die Berührungspunkte zwischen fror und fau/r- ist 
auf 8. 12 f. gehandelt worden. Mit favT- berührt sich fror im 
tadelnden Sinne. 

Lc. 16, 18: frawaurhta mis in himin: ijfioQToy dg toy ovQayoy. 
I. Tim. 6, 13: ak jäh unfavrjoajah fairtaeitjandeins: xal (pXvagoi 
xal tuqU^oi. 

Blicken wir auf die Untersuchung der got. /ra-Belege zurück, 
so finden wir fra- reich entwickelt in den Gruppen der Ver- 
achtung und Vergehung, bei den Verben gebeny nehmen^ lassen 
und den resultativen Eompositis der Vernichtung. 

Zum Schlüsse dieses Teils will ich drei Belege nebeneinander 
stellen, die ein und dasselbe Simplex in der Komposition mit 
allen drei Präfixen enthalten. Sie zeigen uns den Unterschied 
zwischen den Präfixen am deutlichsten. 

Sk. III b: Johanne hausjandans ßamma faurrinnandin aitoaggeljon : 

Johannem aadientes praecarsorem evangelii. 
Lc. 10,30: in toaidedjans frarann: XnmaTg nigtinnny, 
Eph. 5,4: ßoei du ßaurftai m fairrinnand: a oux ayfjxey (Vulg.: 

quae ad necessitatem non pertinent). 

fairrinnan zeichnet die Bewegung ohne bestimmtes Ziel („umher, 

der Reihe nach, hindurch''), das erst durch die präpositionale 

Bestimmung (du) hineingetragen wird, 
frarmnan die lineare Bewegung („bis zu Ende — abseits: 

sich verlaufen"), 
faunrinnan die Bewegung im Verhältnis zu einem andern 

Gegenstände („früher als ein anderer"), ohne Rücksicht auf 

ein Ziel. 



24 



IL 

Lautgeschichte des Präfixes im Germanischen. 

Im ersten Teile dieser Abhandlung haben wir die ältesten 
überlieferten Vorgänger des nhd. Präfixes ver-, ihre Beziehungen 
zu den verwandten Sprachen, ihre Funktion und Bedeutung 
kennen gelernt. Da uns ausser dem Gotischen aus dem Ost- 
germanischen nichts weiter fiberliefert ist, wird sich unsere 
weitere Untersuchung nur auf west- und nordgermanischem 
Gebiet bewegen. Hierbei wird das Deutsche naturgemäss den 
grössten Raum einnehmen. Wir werden ebensowenig wie im 
Gotischen die selbständigen Adverbialformen, soweit sie einen 
Beitrag zu den proklitischen Präflxformen liefern, von der 
Betrachtung ausschliessen können. Der Wechsel von ver-, für-, 
i;or- Bildungen im nhd. erfordert durchaus eine gemeinsame 
Behandlung. 

Die zeitlich jttngeren west- und nordgermanischen Denk- 
mäler lassen die Klarheit und reinliche Scheidung der got. 
Präfixformen vermissen. Die ahd. Überlieferung steht der got. 
zeitlich am nächsten. 

Im Althochdeutschen erscheinen als Vorgänger von 
nhd. ver- die Formen far- f er- fir- for- für- furi. fori steht in 
trennbarer, die übrigen in fester Komposition und sind proklitisch. 
Wir erwarten folgende etymologische Entsprechung: 

got. faur I : slIiA. für- for- got. fair- : ahd. >ir- (firir) 
fawf 11 : furi fra- : far- /er- 

Im Bedeutungsbereich aber decken sich die einzelnen 
Partikeln durchaus nicht bei dieser Zusammenstellung, sondern 
gehen scheinbar willkürlich durcheinander. Da sich ein ähnlicher 
Vokalwechsel wie he\ far-fer- fir- for-fur-^) auch bei anderen 
einsilbigen Präfixen — ar- er- vr- ur-, ga- ge- gir^ eor ee- ei u. a. *) 
— findet, so hat man darin blosse Ablautsstufen sehen wollen ^). 



') furi scheidet als nicht proklitisch hierbei aas. 
2) Braune, ahd. gr. S. 56flf. 
») Paul, PBrB. 6, 247 ff. 



26 

Die Vorstufen von nbd. ver- aber können wir einzeln rttckwärts 
verfolgen and brauchen nieht solchen Ausweg zu wählen. Als 
einmal die fünf Formen vorhanden waren und sich zu ver- 
mengen begannen, mag die Vorstellung eines Ablautsverhältnisses 
diesen Vorgang begünstigt haben. UrsprQnglich aber sind sie 
geschieden, fur-far- ist nicht älteste Form (wie ur- von er-) 
und far- /er- fir- nicht blosse Schwächungen davon ^). 

Es ist allerdings auffallend, dass die ahd. Formen den 
got. in der vorgeführten Art nur der Lautgestalt, nicht der 
Bedeutung nach entsprechen. Indessen ist zu bedenken, dass 
die ahd. Überlieferung beträchtlich jünger ist als die got.; 
folglich ist die Entwicklung und mit ihr die Vermengung der 
Formen, wie wir sie schon im got. beobachtet haben, weiter 
fortgeschritten und hat den ursprünglichen Zustand noch mehr 
verdeckt. Doch können wir dank den zahlreichen Quellen 
die Fäden in diesem anscheinend regellosen Geflechte entwirren. 

Im got. sind wir von dem Verhältnis zwischen fau/r I : 
faur II zfauta ausgegangen. Die entsprechenden Formen greifen 
im Deutschen fortwährend ineinander über. Es sind dies ahd. 
für- fcT' (got. faur I) : furi (got. faur II) : fara (got. faura). 
Im got. sind die vorgermanischen Formen *pr und *prr(i) lautlich 
in faur zusammengefallen. Im ahd. schliessen sich die Foimen 
für und /or, die von Hause aus zur Bezeichnung der Richtung 
dienen , an die volleren furi und fora häufig lautlich an und 
tragen in diese die Anschauung der Ruhe vertretendeA Formen 
die Richtung hinein. Dadurch wird die ursprüngliche, ohnehin 
nicht mehr streng eingehaltene Scheidung zwischen Ruhe und 
Richtung noch mehr verwischt. Anderseits schwächen sich 
für- und far- in der Proklise weiter zu far- fer- fir- und geben 
damit die Merkmale ihrer Herkunft auf. 

Vielleicht mag man dann ein Ablautsverhältnis in far- f er- 
fir- for- für- gefühlt haben, for- fwt- erscheinen als Normal- 
formeu des proklitischen Präfixes im ostfränkischen Dialekt 
des 9. Jh. Den alten Gebrauch können wir nur noch spärlich 
nachweisen '). 



*) Braune a. a. 0. S. 59. 

*) Die Hrabanisch-Keronische Glossensippe gibt ans einige Anhalts- 



Der Uebergang von /wr zu/wrt und von fw zu fora musste 
zunächst bei den Präpositionen als selbständigen Worten 
erfolgen^). So erhält fora von fw die Fähigkeit, sich auch 
mit dem Akkusativ zu verbinden, und diese Konstruktion ist 
uns im nhd. durchaus geläufig, nhd. vor bezeichnet unter- 
schiedslos Ruhe wie Richtung, während es von Hause aus die 
Anschauung der Ruhe vertreten sollte. Im ahd. sehen wir die 
Anfänge dieser Verschiebung^). 

Aus den vorhergehenden Ausführungen ergibt sich für die 
Formen des Präfixes folgendes: 

1) die ahd. Formen fwr- for- (got./aur I) haben sich teils in 
der Proklise geschwächt und mit den Entsprechungen von 
got. fair- und fra- vermengt, teils den nichtproklitischen 
Formen fwri und fora angeschlossen; 

2) ahd. /wn (got. faur II) hat zum Teil seine Form bewahrt, 
zum Teil sich mit dem seine Lautgestalt annehmenden 



pankte. In gl. Ka. herrscht far-, in gl. Kb. fir- als Normalform des Prä- 
fixes; daneben kommt öfters fer-, aber für- und for- nur je zweimal vor 
and zwar in Formen, die zu got. faur I dem Sinne nach sehr gut passen: 
Gl. I 45 gl.K.: für lidit: antecedit (Ra. furilidit. Ta, furi erUdit). 

I 46 „ furihenkhü: contemnit. 

I 23 „ forsatUan: amittere. 

I 43 foruuorphan: adiectns. 
Ba. hat als Haaptf orm far- neben fir- and for-, doch nar ein einziges für- : 

Gl. I 101 Ra.: furtanosta: deterrimam. 
Pa. hat neben der Normalform far- and einem (für ans hier anwichtigen) 
fir- zweimal for- in einem Sinne, der got. faur I entspricht : 
Gl. I 22 Pa. forquidit: abdicat. 

I 130 „ fordampsit: saffocatio. 
Weitere etymologisch berechtigte /ur- Belege im Bairischen s. bei Weinhold, 
bair. gr. S. 236-236. 

') Anders Joh. Schmidt, KZ. 26, 31. Nach ihm ist furi, die alleinige 
Form des selbständigen Präfixes, von Nominalkompositis aas aaf Verbal- 
komposita ttbertragen worden and von hier aas darch trennbare Komposition 
zam selbständigen Wort — Adverb and Präposition — geworden. Er geht 
von argerm. *for = got. faur aas and sieht in der Doppelheit von ahd. as. 
furi — für nar eine Wirkang des germanischen Aaslaatsgesetzes. Wie er 
die anvereinbaren Gegensätze von Rahe and Bichtang in got. faur erklären 
will, ist nicht ersichtlich. 

') Die Verwendang von fora and furi als Adverbia habe ich in der 
Hrabanisch-Keronischen Glossensippe, Tatian and Otfrid daraafhin anter- 



27 



fwr- vermengt und dessen Schwächung in der Proklise 
mitgemacht; 

3) ahd. foro, (got. faura) ist durch das sich mit ihm ver- 
mischende for- zur Bezeichnung der Richtung befähigt 
worden; 

4) daher finden wir /tm-Formen als Vertreter von goLfawrl 
und famir II unterschiedslos nebeneinander und im Wechsel 
mit geschwächten (fm-for-far-fer-fir-) Formen, bisweilen 
auch /ora- Formen daneben. 



Ich führe nun Belege vor, die in der Bedeutung got. /aur 
entsprechen. 



sucht, fora erscheint nicht nnr in der ihm eigenen Bedeutung „coram'', 
sondern auch in der von fwri übertragenen „pro, propter*^. 

Gl. I 76-77 Pa. gl. K. Ra. fora-. coram. 

Ol. I 96 Pa. fora aduxfU, gl. K. edko fora eohafU: vel pro religione. 

Gl. I 220 gl.K. Ra. fora-. propter. I 237 gl.K. fora thiu: qua propter. 

0. IV 1, 12: io giddgo fora thiu, ihaz sie irMnÜn ihoh hi thiu 
(„deswegen*). 
Umgekehrt hat sich furi die Bedeutung „prae*^ von fora angeeignet. 

Gl. I 228 Ra. furi dwrfti: prae inopia. 

T. 231, 1: umtronten furi giuehen: mirantibus prae gaudio. 
furi steht sowohl als vollere Form für für wie als Vertreter von got. faur IL 
T. und 0. brauchen es dem entsprechend in den Bedeutungen „vor — hin*' 
und „für", fora vertritt „vor" in der Ruhelage, nur zweimal durchbricht 
es bei T. diese Schranken und greift in das Gebiet von für über. 

T. 2, 7: Tier ferit fora inan: ipse praecedet ante illum. 

T. 4, 17: foraferis uuarUhho fora truhtinea annuazi: praeibis enim 
ante faciem domini. 
Für für (voUer fürt) in loser Verbalkomposition gebraucht gl. E. auch die 
Form fori. Wie einem für ein for zur Seite steht, so ist hier neben das 
vollere furi ein fori gestellt, obwohl lautgesetzlich auch fori > furi hätte 
werden müssen. 

Gl. I 45 gl.K. fori qhuimit (Pa. furi quimit Ra. fiuri chumit): 
antecellit (R. fora hUnet). 

ebd. gl. E. edho fori slihit (Pa. so sama slihit furi): sive eminet. 
In der Verwendung als Präfize gehen furi und fora durcheinander, vgl. in 
Ra. nebeneinander 

Gl. I 183: forachuiti: indicia. I 226: furiehuiti: praevata. 

61. I 231: fora praht: prolata. I 231: furi Uusan: emissa. 



28 

got. faw I entsprechende folgende Bedeutungsgruppen : 

1) „vorwärts, voraus" 

fwrihringan 

0. IV 2, 10: Ma/rtha ihiu güata . . ihae muas füribrahta. 

furisehan 

Gl. I 76-77 Pa. gl. K. fuH sih^): provide. 

Gl. I 122-123 gl. E. tmfimaehandi: Pa. Ra. unfarsehmti^): ex 
improviso („unversehens*'). 

2) „hervor, heraus** 

fimbringan 

Gl. I 632 a: furipringit, furpringit'): parturiet. 

sih furineman 

N. I 79,27 P.: erhäfH sih fürenimende: praecellens. 

furisaejan 

Gl. I 784 a: vurisezis: exponis^). I 233 gl. E. ftm seggiu : propono. 

Gl. I 321a: firsaeta: exposait. II 444 a: firseee, varsezzanh: pro- 

stituat. 
funjnohan 

N. I 64, 20 P.: tag tu sia füresiheat: proferas. 

3) „hinaus über, vorbei an" 

furifaran 

T. 80, 7: inU aar giböt her thie tungiran . .furifaran inan ubar 

ihm seo: iassit . . praecedere eum. 
T. 205,2: ihii furiuarenton: praetereontes. 
T. 146,3: m uorferit thuf cunni: praeteribit. 

furihloufan *) 

T. 220,2: (her ander iungoro furiliof sUumo Betrusan: prae- 

currit Petro. 
0. V 5, 6: ihen ginoz firliaf er frdm. 

furisiezan: versitzen, versäumen. 

Masp. 33: denne ni kitar pamo nohhein den pan furisieaan. 
furUreffan: übertreffen. 

Gl. II 437 a: fvritraf: transit. 

Gl. I 788 b: furtrefintem: praecellenti. 



*) R. fora siih : provide. 

^) R. unforautUsun: ex improviso, subito. 

•) Die Form für- hat hier offenbar etymologische Berechtigung (got./our i). 

*) Gl. I 646 a: vurseestide: prostitutionis. 

*) Gl. I 227 Ra. fora hlaufenti: praecurrens. 



29 



n. got. fawr II entsprechen die Gruppen : 

1) „versperren" 
furiUndan 

Gl. I 52-53 Pa. fwtipuntan, gl. K. furi/pwidä endi furipoian: re- 

condita. 
N. n 436, 15 P.: ni&U nef erbint den munt dtmo in drdsc canUn 

rinde: non obdurabis. 

furinmbafjan 

Gl. I 222 R. furigimprit: obstrnctom. 
Gl. I 354 a Rb. fartfitnbarat: obstraatis. 

2) „vertreten" 
furisprechan 

Gl. n 332a: furisprechan, furidennan: defendere. 

O.m 12,23: deta Hner ihes tho rSdina, fir sprach ihie selbun ihigana. 

in. Die Grruppe „versagen, sich enthalten" nimmt eine Mittel- 
stellung zwischen faur I und faur II ein (vgl. S. 11 flf. und 
Anm.). ftmsagen wäre eher zu faur 2, fwnheran zu fawr II 
zu ziehen. 

fwnsagefa 

Gl. II 230b: furisageta: denegavit. 

N. I 117, 16 P.: ^ mine roHones fers Agent: vetant. 

fwriberan^ fwnhwrti 

Gl. n 285 a: fwripirit: contineat. 

Gl. 1148-149 ^9^. furiperanti. gl K. firperandi. Ba. farperanH: 
fragalitas. 



0. IV 6,6: todnta sie firbdrun, 
ihaz guatu to^k m barun. 

N. n 599, SF,: der sih ferbiren 
nemuge: qui se non continet. 



0. I 18, 39: dua ihir ei gitoürti 

scono füribwrti. 
N. II 177, 10 P.: so gibet er dir 

des ewmgeUi uuafen. uuarheite. 

füreburte: continentiae. 

0. wie N. gebrauchen die volle Form furi- im Nomen, da 
es den Wortton trägt, die geschwächte ßr- bezw. /er- im 
Verbum. 
Damit haben wir die ahd. Beziehungen zu got. faur dargelegt. 

Dem got. fair- entspricht etymologisch ahd. fir- ^) , doch 
meist nicht in der Bedeutung. Denn ßr- ist bei den übrigen 



^) Die Fonn ßri- erscbeint nur bei dem S. 15 anm. 1 behandelten firi* 
wiari („Fürwitz, Vorwitz«). 



30 

Typen eine Schwächungsstafe in der Proklise, und die ver- 
schiedenen Typen darin zu scheiden ist nur selten möglich. Als 
Normalform des proklitischen Präfixes ist fir- im Alemannischen 
(gl. Eb.) und Rhein fränkischen (Is. 0.) bevorzugt. 

Dem got, fra sollte ahd, far- fer- entsprechen; diese 
stammen offenbar aus einer Übergangsform */^-. 

Der Bedeutung nach decken sich far- und /er- mit den 
got. /ra- Typen ebensowenig wie ahd. yir- mit got. /oir-. Da 
indessen die Zahl der /ro- Bildungen die der faur- und /otr- 
Bildungen übertrifft, so gehört doch die Mehrzahl der ahd. far- 
Belege zu /ra-Typen. far- kommt in der älteren, fer- in der 
jüngeren ahd. Periode am häufigsten als Normalform des Prä- 
fixes vor. Da ver- schliesslich im Deutschen alle anderen 
Formen verdrängt, so hat fra- ebenso durch seine Lautgestalt 
wie durch seine Bedeutung unserem nhd. ver- seinen Stempel 
aufgedrückt. 

Als dialektisch bevorzugte Form herrscht far- in den 
bairischen Denkmälern, fer- im Alemannischen (N.) und Ost- 
fränkischen (Will.) des 11. Jh. vor. 

In der Verwendung der Formen des proklitischen Präfixes 
bieten die einzelnen Mundarten nach ihren Hauptdenkmälern 
folgendes Bild: 

Bairisch. Alemannisch. Rhein- Ostfränk. 



B. Pa. M. Em. 


Ra. gl.K. N. Is. 0. T. Will. 


(8. Jh.) (9. Jh.) 


(8. Jh.) (um 1000) (9. Jh.) (9. Jh.) (11. Jh.) 


far- far- far- 


far- far- [far-] 


fer- 


fer- fer- [fer-] fer- 


[fir-] fir- 


fir- fir- fir- fir- fir- [fir-] 


[for-]/or-»)for- 


for- [for-] [for-] for- 


[fur-] 


[fnr-] [far-] für- 


Die jeweils herrschenden Formen sind kursiv gedruckt, 


die vereinzelt vorkommenden eingeklammert. Eine Normalform 



>) Branne, ahd. gr. § 76 anm. 2. 



31 

ist durchgeführt in M., R., Is., Will., sie fiberwiegt entschieden 
in Pa,, N., 0. Unterschiedslos zwei Formen gebrauchen gLE. 
und T.; far- überwiegt in Ka., jW- in Kb., bei T. ist fw- 
h&ufiger als /tir-. In der Behandlung des Präfixes offenbart 
sich ein bedeutender Unterschied zwischen dem Ostfränkischen 
einerseits und dem Rhein- und Sttdfränkischen anderseits. 
Dort wird das -a- der Vorsilbe, das der (rheinfrk.) Weissen- 
burger Katechismus noch durchweg aufweist, zu -o- und -u- 
verdunkelt, hier dagegen entwickelt es sich zu -e- und häufiger 
-t-^). Über die Gründe, die/wr- oder /or- bedingen, wird sich 
kaum etwas feststellen lassen^. 0. führt ^r- durch, daneben 
steht mehrmals unfarholan. Durch Assimilation ist fernemet 
(n 9, 7), fornkonanti (I 4, 65) und unforholan (I 15, 42) ent- 
standen. 

Im übrigen sehen wir die zeitliche Entwicklung von den 
dunkleren zu den helleren Formen. Im Oberdeutschen des 
8. Jh. überwiegt far-, daneben arbeitet sich im Alemannischen 
fir- empor. Im Bairischen des 9. Jh. halten sich noch die 
dunkleren Formen far- und for- neben den helleren Ablauts- 
stufen in Em. Von 900 ab herrschen im Althochdeutschen die 
hellen Formen /er- und ßr- vor, im 11. Jh. siegt /er- auch im 
Ostfränkischen, fir- tritt dann zurück. 

Das Altniederdeutsche ergänzt uns in wichtigen Punkten 
die ahd. Ergebnisse, besonders für die Präpositionen, fora 
(= got. faurä) und furi (= got. faur II) sind im Heliand er- 
halten, daneben erscheinen für for far. Dieses far entspricht 
nicht wie ahd. /or- dem got. /ro-, sondern hat sich aus /or ent- 
wickelt'), for scheint teils got. fawrl zu entsprechen, teils 
aus /or entstanden*), für selbst unterscheidet sich nicht von 
fwri und ist offenbar kürzere Form davon, fwri und fwr^ 
fota und far vertreten mit wenigen Ausnahmen die Anschauung 



») Pietsch, zfdph. 7, 330 ff. 
•) ebd. 336. 

^ Holthaasen § 86 anm. 1 : Offenes o ist, besonders vor r, in a ttber- 
geguigen. 

«) Ebd. § 88 anm. 3: Vor r ist u > o geworden. 



82 



der Ruhe in der Bedeutung „vor" und verbinden sich mit dem 
Dativ ; doch kommen fwri und fw mit je einer Ausnahme im 
Heliand C, fora und /or fast nur in M vor. In der Bedeutung 
„für** haben fwri in C und far in M den Acc. oder Instr. bei 
sich, fw ist in C wie M weitaus am häufigsten und bedeutet 
„vor^ in Ruhe (Dat.) und Richtung (Acc); in der Bedeutung 
„f&r** verbindet es sich mit Dat., Acc. und Instr. Wir finden 
also im Heliand den Gebrauch der Präpositionen verwildert, 
fw beginnt als Normalform die Bedeutungen „vor, vorwärts, 
für^ gleicherweise an sich zu reissen und führt dadurch das 
Absterben der übrigen Formen herbei^). 

Die Genesis kennt nur die Formen fwa fore mit der Be- 
deutung des örtlichen und zeitlichen „vor" in der Ruhe^. 

Als Adverb ist fora einmal in Heliand C — als Präposition 
kennt C fora gar nicht — in der Anschauung der Ruhe, furi 
in C und M mit dem Richtungshinweis belegt®). Ofienbar 



') Nach den bei Heyne (Heliand ' 1873) vermerkten Belegstellen habe 
ich mit Vergleichung der Lesarten bei Sievers folgendes Verhältnis erhalten : 





Ruhe ^vor" 
(Dat.) 


Richtung „vor*' 
(Acc.) 


,fttr« 

(Acc.) 


«für« 
(Instr ) 


»für« 
(Dat.) 


fUTi 


C 7 (: M 5 /or) 


C2(:Ml/or,l/un) 
M 1 (:C/an) 
V.3Ö47 


C6(:M5/or) 


C 1 (: M fora) 
V. 4355 




für 


C 8 (: M 4 /or) 
M 1 (V. 3861) 




C 1 (: M far) 






fora 


Mll(:011/or) 


M 2 (: C 2 /or) 




Ml(:C/i«n) 
V,4355 




far 


M10(:C10/or) 
C 1 (: M for) 
V.661 




M6(:C6/or, 
l/«r) 


M 1 (: C for) 
V.1880 




for 


C 50 
M 32 


7 
7 


6 
5 


2 

1 (V.4376) 


3 

4 



Also hat C im allgemeinen for für furi, M for far fora. So entspricht auch 
dem furisagono in C (928. 1429) beide Male forasagono in M. 
') Gen. 269: thuo stuond hie fore thes buruges dore. 

Gen. 288: fora daga (vgl. 296: er daga). 
') Hei. C 5410: that folc . . thar sia im fora stuodwn. 

Hei. CM 596: ao it {godes bocan) furi uurihi, uuester obar tkesa 
uueroldi (, vorrückte"). 



33 

ist fuH hier ähnlich wie im ahd. verstärkte Form f&r fu/r 
(= gpt. faur I). 

In den niederfränkischen Psalmen werden für nnd furi 
wie fare mit dem Dativ verbunden, fore (= ahd. fora) ist nur 
einmal (Ps. 55, 13) belegt, sonst stets furi in der Bedeutung 
„coram, ante". Als „pro" erscheint /tir auffälligerweise: 

Ps. 55, 8: für niewuehU behäldona saUu duan sia: pro nihilo salvos 
facies eos. 

Als Verbalpräfixe sind fore- furi- für- im and. selten. 

Wadst. 51, 17 (Essener Ev.-Gl.) : forespräk : praevenit (eom Jesus dicens). 
Ps. 58, 11: gendiha sin furi cumun säl mi: misericordia eins prae- 

veniet me. 
Hei. 5865: hie hdbit sia tu furfarana („flberholt''). 
Ps. 54,2: ne furuuirp^) bida mtna: ne despexeris deprecationem meam. 

Die beiden für -Belege stellen sich got faurrinnan imäfaurqißan 
an die Seite (I. Teil). 

Die Formen far- und /er- gehören etymologisch zu got. /ro-. 
fer- bezeichnet durchweg /ra- Typen und ist im Hei. nie, in der 
Gen. einmal, in den Ps. und Gloss. oft belegt, far- vertritt 
in der 6en. und den kleineren Denkmälern ebenfalls /ra-Typen 
mit wenigen Ausnahmen: 

Wadst. 107, 4 (Strassb.) : uarbudun: vetaenmt. 

Ps. 18. 1: uuerk hando sinrö farkundit festi: annnntiat. (faurL 

Ps. 70, 17: farcundon aal ic uundir ihin: pronimciabo Typen). 

mirabilia taa. 
Wadst. 104,4 (Prud. Werd.): 6f ihv M fdrvviatis: si sapias 

(/atr-Type). 

far- kommt im and. weitaus am häufigsten vor. Im Hei. 
hat es nur noch far- neben sich nnd bezeichnet mit diesem 
Typen aller Art, und zwar ist das Verhältnis derart, 
dass in C far-^ in V aber und M von V. 1304 an far- über- 
wiegt^. In den fibrigen Denkmälern erscheint for- vereinzelt 
ohne besondere Färbung, far- ist einzige Form in den Oxforder 
Vergilglossen und den Merseburger Glossen, far- im Beicht- 
spiegel, den Eltener und Strassburger Glossen, /er- in der 
Psalmenauslegung, Bedas Homilie und Segen A. far- und fer- 



') Aach Luther gebraucht mit Vorliebe furtoerfen. 
*) Holthausen § 123. 
Leopold, Die Vonllbe ver- 



34 

nebeneinander sind in den Essener, Werdener, St. Petrier und 
Gregoriusglossen belegt. Die Gen. weist neben faßt- zwei for- 
und ein /er- auf, die niederfränkischen Psalmen neben far- und 
/er- zwei /or- und ein ganz vereinzeltes fir--, 

Ps. 18, 13: m%»'ädM wnie virnimit? delicta quis intelligit? 
Vielleicht haben wir darin eine /air- Type zu sehen (vgl. gr. 
7t€QiaiQ€0fiai „rings herum nehmen^ d. h. ,, wegnehmen^), aber 
die übrigen Belegstellen weisen far- und for- auf. Wahr- 
scheinlich ist das e der Vorsilbe an die beiden folgenden i 
angeglichen worden. 

Eigentümlich ist eine /er -Bildung: 

Ps. 67,14: fe&ieron Mvon fersilvederö {st Att fersilveride): pennae 
colmnbae deargentatae {fra- »weg-'': entsilbem). 

Die weitere Entwicklung geht im Niederdeutschen aus- 
einander. Das Niederfränkische und das auf ihm fussende 
Niederländische bevorzugen das helle /er- als Normalform 
des proklitischen Präfixes und führen es völlig durch. Das 
Altsächsische und Mittelniederdeutsche aber neigt zu dem 
dunkleren vor-. Dieses herfscht indessen durchaus nicht un- 
bestritten. Das mnd. weist ausser vor- noch ver- und vereinzelt 
vur- auf, ver- wohl unter hochdeutschem Einfluss. Im Koloni- 
sationsgebiet des nordöstlichen Deutschland mag sich in dem 
Nebeneinander von ver- und vor- auch der fränkische Einfluss 
neben dem sächsischen abspiegeln. Oft finden sie sich in dem- 
selben Schriftstück beisammen: 

mnd. Livl. Urk. nr. 1516, 83 (a. 1400): %8 dat jemant voratervet edder 
verstorven ia, he si dutsch edder undutsdi, in toes hus ?ie ver- 
stervet, we dat gud vorhameschet und dem re(^Ue nicht openbaret, 
dat säl men ridUen vor dufte. 

Das spärlich auftretende in«r- (im Westfälischen) ist wohl dem 
folgenden u assimiliert: 

Wigands Arch. V 30: men saU ey vurruchen und vurpludcen vnd 
verschetm („fortschaffen, ausweisen'). 

vore- erscheint selten in fester Komposition, häufiger in loser. 

Magd. Seh. Chr. 1,12: wo dusse stad geregeret is unde voreatan 

wente an unae tid („verwaltet). 
Old. Evangelienb. f. 21 : he , , , wolde ae vore gan („an ihnen vor- 

übergehn"). 



35 

vare ist seltener als vor, auch als selbständiges Adverb (Prä- 
position), vor hat die Funktion und Bedeatong von got. faur I, 
fau/r II, faura an sich gerissen — diese Entwicklung sehen 
wir schon im Heliand angebahnt — und bedeutet demgemäss 
„vorwärts, vorüber, für, vor"^). 

Ein vur daneben in loser Verbalkomposition, abermals in 
einer westfälischen Quelle belegt, ist gan^ vereinzelt: 

ViTeist. 3. 64, 5 : dm eidt soll ime vuraU^elen der frone des hovea 
(^Eidesformel vorsagen"). 

Vermutlich, dürfen wir darin noch einen Nachfolger des schon 
and. seltenen für sehen. 

So gehen im Niederdeutschen die fünf germanischen Formen 
in der einen vor auf ^. 

Das Mittelhochdeutsche bewahrt grössere Mannig- 
faltigkeit. Am Ende der ahd. Periode sahen wir /er- als Form 
des proklitischen Präfixes die Oberhand gewinnen. Das noch 
im 8. Jh. herrschende far- ist im 10. völlig verschwunden und 
durch /er- ersetzt, neben /er- leben ßr- for- /wr- weniger 
zahlreich fort und zwar als mitteldeutsche Formen. In der 
mhd. Periode weisen die oberdeutschen Quellen durchgängig 
vor- auf, die mitteldeutschen schwanken zwischen i;er-, vir-^ vor-. 
Daneben erscheint obd. vür-, md. vur- als Fortsetzer von ahd. 
furi nur für faur -Typen. 

Wie im ahd. schwachtonige Formen neben den volltonigen 
/wri- Formen vorkommen, so auch hier^. 

In einem der ältesten mhd. Denkmäler, der Eaiserchronik, 



^) R. V. 36: se gingen dl vor den konink etan. 
Denscke Krön. f. C 3: do de tßinter vor was (^vorüber war"). 
R. V. 145: were he döt, dat were gut vor uns allen („für''). 
Eomer 44b: den koren se vor enen afgod (»als, zum Abgott"). 
*) Im Mittel- and Nenniederländischen ist vöre voor („vor, für") die 
selbständige Form des Adverbs, ver- die des proklitischen Präfixes. 
.») Im Parz. 692, 30 hat hs. D: unltu für sten den kOnec Lot, 

die jüngeren dg: ... . ver sten 

Lachmann setzt danach fürstSn in den Text. 

3* 



36 

sind ein paar Belege fttr /tir- Komposita überliefert, die sich 
deutlich zu got. faw 1 stellen % 

Echr. 17054: de» rU^ies craft sich do vur nam (ahd. mcA /tirtn^man). 
17243: vil Uugel in dag half: daz riehe da vur traf („übertraf sie'). 
15653: cUao der diunidh Ludewidi erstarp unt äne erben vur wart 
(bss. V M; virwart H). 

Die Heidelberger hs. hat das vollere vur durch vir- ersetzt, 
desgleichen in V. 12938 durch ver- (vur wirdest : verwirdest). 
Die Handschriften unserer Denkmäler weichen in dem 
Gebrauch der Formen bisweilen wesentlich voneinander ab. 
Das ist begreiflich, da ihre Schreiber verschiedenen ^Mundarten 
angehören. Die Form des Präfixes ver- ist mit ein Merkmal 
zur Bestimmung der Herkunft, und die Herausgeber sollten 
daher mehr Wert auf Vermerk der verschiedenen Formen legen 
und nicht vir- oder vor-, wo sie vereinzelt erscheinen, als 
Schreibfehler stillschweigend in ver- als Form der Schriftsprache 
verbessern. Von einer mhd. Schrift- oder besser Dichtersprache 
dürfen wir ja insofern reden, als gewisse Formen und Formeln 
von einem zum andern übertragen und die stärksten mund- 
artlichen Eigentümlichkeiten vermieden werden. Hierbei muss 



*) Herbort von Fritzlar verwendet vwr- fttr Typen aller Art. Die Frage, 
inwieweit md. vur etymologisch dem got. fawr 1 entspricht oder nur nm- 
lautslose Form von ohd. tmr ist, ist kaum noch zu lösen. In den md. Denk- 
mälern vertritt vur sehr selten die Ruhe; in der Bedeutung „für" kann 
anderseits auch vor vorkommen (unter niederdeutschem Einfluss im Passional, 
bei Nikolaus von Jeroschim und in der Livländischen Reimchronik). In den 
obd. Denkmälern ist vur gewöhnlich fttr faur I und faur II ohne Unter- 
schied durchgeftthrt. 

Die alten Parzivalhandschriften D und G habe ich auf das Verhältnis 
von fwr : für hin untersucht (nach Lachmanns Anmerkungen) und folgendes 
Ergebnis erhalten : D schreibt 8 mal für = got. faur I und 1 mal ^ got. 
faur II (317, 18), jenes öfters in der Form furz = fwr dae (85, 5. 227, 21. 
466, 26). G schreibt 19 mal für = got. fawr I und 8 mal = got. fawr II, 
sonst D wie G für. Lachmann hat für durchgeführt. Bisweilen vertreten 
die hss. durch richtigen Gebrauch von fu/r : für verschiedene Auffassung des 
Sinnes, so z.B. 408,9-10: 

D durch strit si drungen gein der tür: 

Gdwän stuont ze wer der für (Ruhe). 
G durch strit si gierigen gein der tür: 

Gdwän ^anch hin üb der für (Richtung). 
In beiden hss. steht fwr jedenfalls viel häufiger := got. /aur I als = got. faur IL 



87 

ver- Normalform werden, denn Heinrich von Veldeke und 
Hartmann von Aue, die dieser Dichtersprache den Stempel 
aufdrücken, bedienen sich des ver- in ihrer niederf(änkischen 
bzw. schwäbischen Mundart. Auch Wolfram und Gottfried ist 
ver- von Hause aus geläufig. 

Dass ver- auch in die md. Denkmäler eindringt, wird uns 
daher nicht verwundem. Doch brechen daneben immer die 
mundartlichen Formen durch, sind allerdings meist in der 
Minderzahl. 

Das Mitteldeutsche spaltet sich in der Behandlung des 
Präfixes: das Westfränkische bevorzugt vir-, das Ostfränkische 
ver-, das Ostmitteldeutsche neigt sich mit vor- zum Nieder- 
deutschen hin. 

In den rheinfränkischen und besonders den mittelfränkischen 
Denkmälern ist vir- heimisch, nördlich und südlich davon herrscht 
ver-. So waltet vir- in Athis und Prophilias (her. W. Grimm) 
unbeschränkt*), im König Rother (her. H. Rückert) ist es weit- 
aus am häufigsten^. In hochdeutschen Denkmälern kann vir- 
für die Lokalisation der hss. wichtige Dienste leisten. Danach 
lässt sich die Herkunft des zweiten Schreibers der Münchener 
Parzivalhs. G (Lachmann) für den Mittel- oder Niederrhein 
ansetzen. Sonst ist ver- in allen hss. einzige Form, nur in 
G 452,30 — 653,6 zähle ich daneben 21 t;ir- Komposita. — 
In der Heidelberger hs. der Kaiserchronik steht bisweilen vir- 
neben ver-y in der Heidelberger Iweinhs. A ebenfalls"). Nicht 
zufällig weisen diese Anzeichen nach dem Rheine hin. 

Gehen wir weiter östlich, so finden wir im Ostfränkischen 
ver- zu Hause (vgl. ahd.); es überwiegt im Thüringischen (Pas- 



*) Einmal ist sogar vire- belegt: 

A 110 : da sie sich virebindin. 
-e ist wohl von vure- übertragen. 

') Daneben oft ver-; vor- nur infolge von Assimilation in vorloren 
(V. 1180) and vorhölne (V. 1931); einmal vur- etymologisch berechtigt 
(= got. /auf jQ: 

V. 334: du vurreditis umbe die bodescaf, 
daneben auch die geschwächte Form verreden (V. 3611). 

*) Doch weist A auch vereinzelt vor -Formen auf und neigt damit mehr 
nach Nordosten. 



38 

sional her. Eöpke). Doch zeigt sich niederdeutscher Einfluss in 
den dunklen vor- t;ur- Formen, die allerdings meist ihre etymo- 
logische ^Berechtigung haben. 

Im Eolonisationsgebiet des Nordostens endlich ist vor- als 
Normalform heimisch, durchgeführt bei Nikolaus von Jeroschim^) 
(her. Strehlke), viel häufiger als ver- in der Livländischen Reim- 
chronik (her. Leo Meyer). 

Neben diesen geschwächten Formen des proklitischen Prä- 
fixes finden wir noch für /awr- Typen obd. vwr-, md. vwr-Formen 
(bisweilen auch vor-^)^ die proklitisch sein können und sich 
dann im Übergangsstadium zur Schwächung befinden. 

Der Gebrauch der selbständigen Formen vor und vär ist 
im mhd. nicht streng geregelt. Als Präpositionen verbinden 
sich vor und vär mit Dat. und Acc, vor noch dem ursprüng- 
lichen Zustande gemäss lieber mit dem Dat., viir lieber mit dem 
Acc. Über die Bedeutung lässt sich im allgemeinen folgendes 
sagen : vor (md. auch vore) wird gern in zeitlichem Sinne ver- 
wandt, obd. bezeichnet vor in örtlicher Verwendung die Ruhe, 
vür die Richtung (= got. /aw I) und „für" (= got faur II) \ 
md. vor vore vur vure sind in allen drei Bedeutungen vertreten. 

Die mhd. Dichtersprache, wenn wir sie so bezeichnen wollen, 
mit ver- als Normalform des proklitischen Präfixes führt nicht 
in gerader Linie zu dem ver- unserer nhd. Schriftsprache. 
Jene geht unter, und in der folgenden volkstümlichen Literatur 
treten mundartliche Einzelformen an die Stelle von ver-. In 
den md. Mundarten nimmt vor- den ersten Platz ein^). 

Als Vorläufer der nhd. Schriftsprache verwendet die Prager 
Kanzleisprache der Luxemburger vor- beschränkt neben ver-% 
die österreichische Friedrichs III. und Maximilians ver- allein. 
Die md. Drucksprachen gebrauchen vor- in viel ausgedehnterer 



^) Nor die Danziger hs. schreibt öfters ver-, 

') So im Passional 82, 31 vorbergen; 103, 34 vorwesen; 515, 3 vor- 
treten; 6ß7,Si vorgrifen. 

>) Die Breslauer Kanzleisprache hat am häufigsten voT', weniger ver-, 
am seltensten vur-, dieses auch in Typen, die nicht auf faur zurückzufahren 
sind; vgl. Arndt S. 41. 

*) 7. Bahder S. 3. 



39 

Verwendung als die md. Denkmäler der mhd. Periode. So hat 
Frankfurt a. M. in den ältesten Drucken var-^), die Mainzer 
Drucksprache vir- und vor-*), die Leipziger häufig vor- neben 
1^-^, die kursächsische Eanzlei schreibt noch um 1500 var-^). 

Luther ist von Hause aus vor- geläufig, daneben für- in 
/awr- Typen*). In den hss. der Predigten 1519-21 (Weimar. 
Ausgabe IX 314 ff.) herrscht vor-^)^ in den deutschen Briefen 
(her. De Wette) kommt ver- schon von 1519 an vor. 1523 wird 
vor- selten und kommt 1534 zum letzten Male vor^. 

Die obd. Druckorte von Luthers Schriften, Strassburg, 
Augsburg, Nürnberg, haben naturgemäss von vornherein die 
Form ver- durchgeführt^, die md. Halle, Leipzig, Erfurt, Jena 
und Breslau^ schwanken zwischen ver- und vor-. Auf die 
Wittenberger Drucksprache übt Luther seinen Einfluss aus. 
Daher taucht in ihr 1521 neben dem bisher unangefochtenen 
vor- hier und da ver- auf, 1523 hat ver- das Übergewicht, 1525 
verdrängt es vor-. So bestrebt sich Luther aus seiner Schrift- 
wie Drucksprache das niederdeutsche vor- auszurotten. Die 
Bibelsprache weist ver- allein als Form des proklitischen Prä- 
fixes auf. 



») ebd. S. 45. «) ebd. S. 39. 

») ebd. S. 52. *) ebd. S. 50. 

*) für- schreibt Luther mit VorUebe in furwerfen (vgl. die ähnliche 
Anschaaung in lat. prdido), z. B. in den Briefen (her. De Wette) 11 57, 2. 4 
(17. Sept. 1521) and n 101, 19 (21. Nov. 1521). In den Drucken und Hand- 
schriften der Weimarer Ausgabe ist mir furwerfen VI 206, 6 (1520) und YIU 
213, 19 (1521) aufgefallen. Die Wittenberger Drucke (Melchior Lotther) von 
1524/25 haben für dieses letzte verwerfen. Auch in fitrspred^en IX 657,24 
(1521) ist fwr- etymologisch berechtigt. 

') Aus den handschriftlichen Aufzeichnungen der Lutherschen Predigten 
durch Poliander auf Luthers Gebrauch der Präfixe schliessen zu wollen, bleibt 
wohl bedenklich. In ihnen taucht Anfang 1521 (Weim. IX 548 if.) platzlich 
ver- neben dem bisherigen vor- auf und wechselt stark mit ihm, vgl. ebd. 
564, 2 verlorerm : 554, 3 vorliren; 554, 16 vorstehen : 554, 23 v erstem; 
556,26.28 vorwtmäem: 556,30 verwundert u. s. w. In den Predigtsamm- 
longen von Rörer und Both (1523/24 Weim. XIV 92 ff.) herrscht wieder vor-, 

') V. Bahder S. 59. 

*) Wenn Sensenschmidt in Nürnberg im 16. Jh. zuweilen vor- druckt 
(v. Bahder S. 33), so wird sein Korrektor jedenfalls md. Herkunft sein. 

*) 8. vorige Seite Anm. 3. 



40 

So ist ver- darch Lather der nhd. Schriftsprache einver- 
leibt worden. Doch haben die Mitteldeutschen dieses Zuge- 
ständnis ans Oberdeutsche ungern angenommen und suchen ver- 
in der Folgezeit wieder durch vor- zu ersetzen. Dagegen lehrt 
der ffir die neue Einheitssprache wirkende Fabian Frangk in 
seiner Orthographia 1531 seine md. Landsleute, dass sich in 
Zusammensetzungen vor- in i;er- verwandle^). Um 1619 be- 
klagt sich Scheräus in seiner Sprachen-Schule^): Jetzt brauchen 
jhr viel nur die Sylbe Vor, als wenn kein Ver in der Deutschen 
Sprache vnd auch kein vnterscheid zwischen dem Vor vnd Ver 
wer, vnd sprechen Vorgeben Vergessen Vorlauffen Vorgangen . ." 
Er will das proklitische ver- von dem betonten vor- auch durch 
die äussere Form unterschieden wissen; wenn man vor- f&r 
beide schreibt, so führt das zu Missverständnissen und geschieht 
^nicht ohne gefahr vnd Verletzung des wörtleins Vor vnnd Ver, 
wie diese wort klar ausweisen, das viel ein ander ding ist ein 
Vorstand vnd Verstand". Ebenso bemerkt Werner in seiner 
Orthographie ^ 1629, dass manche für ver- immer vor- schreiben. 
Ein vereinzeltes vomichten gerät noch Martin Opitz in seinen 
Poßmata 1625 (S. 104)*) unter die Feder. Doch er gerade be- 
seitigt die veralteten dialektischen t'ormen zugunsten der 
Lutherschen Sprache, und fortan ist ver- die einzige Form 
des proklitischen Präfixes in der nhd. Schriftsprache. All- 
mählich setzt sie sich auch in der hochdeutschen Umgangs- 
sprache durch, und vor- lebt seitdem als betontes Präfix nur 
in trennbarer Komposition^). 



») V. Bahder S. 70. •) ebd. S. 64. ») ebd. S. 65. 

*) Das mhd. hält noch die angeschwächte betonte Form des Präfixes 
bisweilen im Nomen fest, während das Verbum die proklitische und ge- 
schwächte aufweist (vgl. Lexer), z.B.: 

versten: vür stand: vor stier, 

/. , (vürspredie: vorspreche, 
versprechen: { ' ^ , ^ a , 

" {vürsprache: vörspradie. 

ver triten : vür träter : vor trit. 

versähen: vür sehet: vorsehet. 
Das nhd. gleicht nun aus, indem es zu vettteten einen vertriter, zu Vorsteher 
ein vorstehen u. s. w. schafft. 



41 

Wenn sich die Mitteldeutschen über den Eindringling ver- 
beklagen, so wehren sich die Oberdeutschen gegen die Über- 
griffe des md. vor als Präposition. Die noch im höfischen mhd. 
beobachtete Regel, vor zur Bezeichnung der Ruhe, für (vür vur) 
znr Bezeichnung der Richtung und in der Bedeutung „pro'' zu ver- 
wenden *), ist auch im obd. dieser Zeit verwildert. Wenn auch 
vcir und/ür mit Dat. und Acc. verbunden und bei Ruhe wie Rich- 
tung durcheinander gebraucht wird, so bleibt doch ,,pro^ dem/ür 
allein vorbehalten. Nun aber dringt mit den md. Schriften um 
1600 vor auch in der Bedeutung „pro^ ein und ruft Widerspruch 
hervor. Der Baseler Rud. Sattler verlangt 1607 *) für in der 
Bedeutung „pro**, vor in der Bedeutung ,,ante*', und dieses Ver- 
hältnis setzt sich in der späteren Schriftsprache als Regel durch. 

Luther hat noch eine Vorliebe für für (für) als Präposition 
in allen Verwendungen^; vor braucht er gern in zeitlichem 
Sinne, doch auch in der Bedeutung „pro**^). An den Umlaut 
des für kann er sich schwerer gewöhnen als an die Einführung 
von ver-. In trennbarer Verbalkomposition ist für bei ihm 
sehr häufig. 

In der Folgezeit tritt in für immer lebendiger die Be- 
deutung „pro" hervor und drängt die Bezeichnung der Richtung 
in ihm zurück, vor erweitert seine Funktion und bezeichnet 
nunmehr Ruhe, Richtung und Zeit. Im Laufe des 17. Jahrh. 
schwinden die /ür- Komposita^) und vor-Eomposita treten an 
ihre Stelle. Wo wir einen deutlicheren Hinweis auf die Richtung 
verlangen, helfen zusammengesetzte Adverbia wie voran^ voraus, 
vorbei^ vorüber u. ä. aus. für hat in der heutigen Sprache un- 



^) Die Behauptung der Weimarer Lutherausgabe (XII 258), dass vor 
und für (für) in dieser Weise im allgemeinen noch in den Drucken der 
Lntherschen Werke verteilt seien, ist nur in weiten Grenzen richtig. Wenig- 
stens aber ist Überhaupt noch eine Verschiedenheit im Gebrauche von vor 
und für bemerkbar. 

«) V. Bahder S. 76. DWB. 4 I, 649. 

■) für c. Gen., Dat., Acc, vgl. Franke S. 261. 

*) Weim. IX 519, 31: voracht und vor nichts angesehen, 
IX 704, 4: den gib tgu UoU vor mu^ und dich. 

') vgl. noch mhd. (Lexer) vürbringen, vürgdn, vürileny vürkomen, vür- 
laden, vürrinnen, vürschiesen, vüraenden^ vürsirecken, vuroam, vürvliegen, 
vürujirden, vürgiehen. Über ihr Vorkommen im Frühnhd. s. DWB. 4 1,649 ff. 



42 

zweideutig die Vertretung von „pro* ^), dementsprechend halten 
sich Komposita wie fürbüte, fürsarge^ /Ursprache, fürwahrf für" 
wort. Bisweilen geht für- unmittelbar in ver- über *). 

In der Sprache unserer Klassiker und der heutigen Schrift- 
sprache ist vor- die Form des betonten und trennbaren, ver- 
die des unbetonten und untrennbaren Präfixes. 



Im englisch-friesischen Zweige schmilzt der Reichtum der 
westgermanischen Präflxformen zusammen. Die Normalform 
for reisst nach und nach Funktion ' und Bedeutung der übrigen 
an sich, wie wir es ähnlich im as. Heliand festgestellt haben. 

Das Altenglische kennt entsprechende Formen für got. 
faur II und fair- gar nicht mehr *) und wenige Reste von got. 
fra-: Es hat nur fare (= got. faura)^) und for (= got. faw I). 
fare wird als vollere Form von for gefühlt und ist seltener als 
dieses, beide werden ohne Funktions- und Bedeutungsunterschied 
nebeneinander gebraucht. Als Präpositionen verbinden sie sich 
mit dem Dat. oder Acc. in den Bedeutungen „ante, coram, prae, 



^) Beste von für = got. faur I halten sich nur hier und da in ad- 
verbialer Verwendung and sind uns unverständlich geworden, z. B. hinfür, 
fürbass, für und für (Luth. Ps. 90: Herr GoU, du bist unser guflucht für und 
für), schritt für sdiritt, tag füriag, für sich gehn (Goethe 1, 27: id^ ging im 
wälde so für mich hin), für und wieder scheint ursprünglich = faur 1 zu 
sein, vgl. Iw. 1126: done mchte der gast vür noch wider (,, weder vor noch 
zurück"). Jetzt fassen wir dieses für als faur II (»pro*) auf. 

*) Statt fürlid>j für gut u. ähnl. kommt früher auch die Schwächung 
ver- vor (schon mhd.): 

nhd. H. Sachs, Neudr. 26/27 S. 12: nembt von vns ver gut! 
J. Paul 6, Vin: mit seiner stimme verlieb eu mhmen. 
Wir schwanken zwischen fürlieb und vorUeb : 

Goethe 7, 74: für diesemal nimm fürlicbl 
Schiller 2, 64: so mus er mit heu vor lieb n^men. 
') urgerm. *furi hätte aengl. *fyre'' ergeben müssen ; vgl. Job. Schmidt, 
KZ. 26, 31. 

*) Die ältere Form fora- ist noch erhalten in ein paar Interlinearglossen 
der Benediktinerregel: fora-gledwUce: provide (R. Ben. interl. 3 neben fore- 
gledwUce ebd.), fora-sceöwod beön: considerari (ß. Ben. interl. 64). 



43 

propter, per, secundum, juxta*^); als Präfix vertritt /öt- sämt- 
liche got. Typen. 

Eine /air- Type ist selten nachzuweisen: 

Bd. 4, 4; S. 571, 17: dtet mynater 6ß gyt to dage EngUsce menn dar an 
(ßipeodignysse hi forhabbaß: qnod yideücet monasteriom asqne 
hodie ab Anglis tenetar incolis. 

Eine faur IZ- Type vertritt for z. B. in 

Ps. Spl. T. 57, 4: swä 8wä nadran deäfe, and fordemmende edran 
heora: sicut aspidis sordae, et obtorantis aures snas. 

In /attrJ- Typen, wo/or am Platze wäre, begegnet uns öfters /ore; 

Ps. Spl. C. 88, 31: gyf rMwimys min M forecostigaf: si institias 
meas profanaverint. 

Auch auf /ra- Typen greift /ore über: 

L. Ath. I 10: d(et heora anig on fore-gewitnyase sy: quod eoram 
aliqnis in falso testimonio sit. 

Als Intensivpartikel gehen /or-*) und /orc- nebeneinander her: 

Bd. 3, 13; S. 538, 33: ic foraöß wät: yeram novi. 
Ps. Th. 15,6: is min land nü foremdere, and me swpde unbleö: 
bae^editas mea praeclara est mihi. 

In der mittelenglischen Periode wird ein anderes for- 
aus dem Französischen übernommen (altfranzös. for-, fors- aus 
leit far%Sy foräs^. Es verschmilzt im Sprachbewusstsein mit 
dem germanischen for und wird von ihm unverkennbar beein- 
flusst. Spätere Bildungen wie forchase, forfeü, forfend ordnen 
sich ohne weiteres den germanischen Bedeutungsgruppen ein. 

nenengl. Chaloner Erasm. moriae enc. P. II a: manfMy forchasyng of 
hir enemies (.verjagen^). 
Ghaucer Pars. T. P. 199: and al this suffred Jhesu crist ßat 

neuere forfeted („ verbrechen"). 
Shaks. I Hen. VI, V. IV 65: naw heauen forfend, the holy Maid 
vfith Mld? (, verhüten«). 



^) for nimmt auch den Instr. za sich, fore kann von seinem Kasus 
getrennt werden. 

*) Ob die Intensivpartikel for- got. fowr oder fra- entspricht, ist nicht 
zn entscheiden. Für got. faur spricht der V^^echsel mit fore-, für got. 
fra- die Sprachvergleicbnng : gr. nQoxaxog-, air. romär („sehr gross"), vgl. 
Thnmeysen, KZ. 37, 59. 

•) Murray 414 a. 



44 

Bisweilen bemächtigt sich das germanische Präfix romanischer 
Stämme: 

W. Tennant, Papistry StonnM (1827) 129: Hie atUor-folk . . Wi 'fldngs 
fortravaiVd and forfaim („exhaasted with laboor"). 

Es ist eine Analogie nach mengl. for-stormed^ for-wdked und 
anderen (vgl. nhd. verregnä). 

In der heutigen englischen Schriftsprache sind die im mengl. 
so tippig entfalteten for- und /orc- Komposita bis auf wenige 
Beste verschwunden. Es lebt noch forbear (vgl. ahd. /Mriftäran), 
forhid (got. faurbiudan), foreboä/ß (mhd. verboten) und forde, faredo 
nebeneinander (as. fardon). 

Die Überlieferung der altfriesischen Quellen*) weist 
zwar eine Masse von Formen auf, doch haben sie nur dialek- 
tische Bedeutung. Die etymologische Entsprechung wäre*) 
got. faura = afries. fara far fora fore fori for 
faur II = fore fori for 

faur I = for (für) 

fara verbindet sich in der Bedeutung „vor (coram), vorher" 
mit dem Dat. und geht trennbare Komposition ein ; es erscheint 
im RUstringer, Emsinger, Hunsingoer und Brokmer Dialekt. 
Die apokopierte Form far ist einmal belegt: 

E. 239,32: tkisse far ahrtwene seke (.vorgenamit'). 
Häufiger ist in derselben Bedeutung fore als Präposition, for 
und fore als Präfix. 

fora ist nur im Emsinger Dialekt belegt und zwar in der 
Bedeutung „ftir" neben fore for, die auch in den übrigen Dia- 
lekten erscheinen. Der Rttstringer hat seine eigene Form fori 
dafür, seine Texte sind die ältesten auf uns gekommenen Ur- 
kunden der friesischen Sprache. Kurz vor ihrer Überlieferungs- 
zeit sind im afries. die Endungsvokale -e und -i in schwach- 
tonigen Silben, wo sie unmittelbar nach kurzer Wurzelsilbe 
standen, in -i zusammengefallen^). Die spätere Sprache gibt 
diese Neuerung wieder auf. 



>) Ich lege Y. Richthofens V^^örterbach zogmnde. 

') Entsprechangen von got. fair- und fra- fehlen auch hier. 

•) Axel Kock in PBrB. 29, 179 ff. 



46 

Auch im Friesischen sehen wir die vollere, dem got. fa^M' II 
entsprechende Form in das Gebiet der faur I entsprechenden 
fibergreifen. Das zeigen nns die Rttstringer Texte. 

R. 35, 6: hwefrsa en wif miih werde fori hrangath, thet , . . (»vor- 

bringen, dartan**). 
R. 117,8: ief hi forifelle and kinder Irfde („verfaUen, sterben'). 
R. 542, 11: ac werth M fori flechtoch (vgl. nhd. suA verflüchtigen). 

Das proklitische Präfix zeigt weitaus am häufigsten die 
Form for-, die sehr dumpf als für- gesprochen worden sein 
muss. Denn in unserer Überlieferung erscheint sie häufig als 
ttr- mit „er-" und „über-" Kompositis verwechselt. Die Mög- 
lichkeit liegt ja nahe. Wahrscheinlich war in den Vorlagen 
neben vu' die Abkürzung w' v' üblich, die sowohl mit uur {tor) 
als vur aufgelöst werden konnte: 

- . . "; - '^ ^ - I Abkürzungen der Vorlage 
*for für > *uur > ur } ^ , , ^ 

*uz > ur ) 

Diese Abkürzung der Vorlage ist von den Schreibern oft 
missverstanden worden ^). „Über-" und „ver-* Bildungen einer- 
seits, „^r-" und „ver-" Bildungen anderseits berühren sich ja 
in der Bedeutung (vgl. nhd. übermüden : verwinäeny übergeben : 
vergeben; ersterben : versterben, erdienen : verdienen) und mögen 
dadurch die Verwechselung begünstigt haben. So belegen die 
friesischen Quellen nebeneinander fordrega : ttrdrega : ovirdrega 
in der Bedeutung „vertragen, Vertrag schliessen, übereinkommen" 
and foridda : urielda : ovirielda „zahlen, übergeben, vergelten" *). 
Neben einer Beihe von tir- Belegen stehen dieselben Belege mit 
oim--, neben einer zweiten dieselben mit for-. Die drei Arten 
Komposita durchgängig zu scheiden ist schon wegen der Be- 
deutungsberfihrung nicht möglich, selbst wo man die verwandten 
Sprachen vergleichsweise heranziehen kann. 

Der Zusammenfall ist wahi^cheinlich nur den Schreibern 
zur Last zu legen. Denn in den besten hss., wozu die 
Büstringer Texte gehören, scheiden sie die Formen am ge- 
nauesten, in den übrigen werfen sie sie mehr oder weniger 



>) Siebs in Pauls Qrundriss I ' 1268. 
') Y. Richthof en 750 b, Ulla, 1112 b. 



46 

durcheinander. Dass der Zusammenfall wohl in der gesprochenen 
Sprache nie stattgefunden hat, beweist die strenge Scheidung 
von ür- und for- im Neufriesischen *). 

Ganz deutlich haben wir es mit einem Versehen zu tun, 
wenn sogar die Präposition /or- = „für" in der Form ur belegt ist. 

B. 170,31. 171,19: and holde thene mon f<f mne fenazena („halte 

den Mann für einen Gefangenen'). 
W. 422, 32: end ma dat naet ur weer toeet (»nnd man das nicht als 

wahr weiss*). 

Die im Westerlauwerschen Dialekt belegte Form foer- 
(W. 43, 27) erinnert an ein Neu-Syltisches /da- mit reduziertem 
-r *). Auch die eigentümliche Form fier- (S. 502, 29) erscheint 
nur im Westerlauwerschen, sie ist wohl an ver- anzuschliessen. 
ver- ist ausserdem in Emsinger und Hunsingoer Texten belegt 
und jedenfalls aus niederländischen Mundarten eingedrungen. 
Dafür spricht schon die auffällige Schreibart mit t;-, während 
die friesischen Formen /- zeigen. 

So hat uns das Altfriesische für etymologische Zwecke 
wenig zu bieten, wir nehmen nur viele dialektische Einzel- 
heiten wahr. 



Ähnlich weist das Nordgermanische zwar eine Fülle von 
Formen auf, aber sie verdanken ihr Dasein meist nordischer 
Sonderentwicklung. Ich berücksichtige das Altisländische als 
Vertreter des Westnordischen und das Altschwedische als Ver- 
treter des Ostnordischen. 

Die dem got. fra- und fair- entsprechenden Formen sind, 
wie im Englisch -Friesischen, so auch im Nordischen unter- 
gegangen, got. faur II ist hier durch fyri (aisl. fyri, anorw. 
fyri, fyre, fire^, aschwed. fyri, firi^)) vertreten und von for 
= got. faur I geschieden *). Daneben tritt die komparativische 



>) Siebs in Panls Grandriss I ' 1268. 

>) Siebs a. a. 0. 1409. 

') y > • durch regressiven t-Umlant. Noreen II § 101 anm. 2. 

*) Allerdings kann fyri auch aus fyrir fyriB entstanden sein , doch 
kommen wir sehr gut ohne diese Annahme aus ; Noreen II § 320 anm. 3 ; 
§ 321 anm. 2. Nach Joh. Schmidt, KZ. 26, 32 ist got. fawr = anord. fwr 
und dieses durch Mischung mit dem Komparativ fyrr in den Umlaut hinein- 



47 

Weiterbildung /yrir()fnr>, zunächst als Adverb, dann Präposition, 
im Isländischen auch als Präfix gebräuchlich, fyrvr zieht auch 
/or in den Umlaut hinein (aisl. /yr, aschwed. /yr, /er^). Dem 
got. fawa entspricht aschwed. /orc, /on, f&n\ 

Als Adverbia bezeichnen dieselben Formen „vor*^ in Ruhe 
wie Richtung und „fQr^ ohne Unterschied, aisl. '/yr brauchen 
die Skalden ursprünglich noch als proklitisches Präfix und Prä- 
position, fyrer als Adverb und Postposition'), /yr verbindet 
sich mit Dat. und Acc. als „vor, bei, vorher, vorbei, durch, für, 
wegen^, fyrir hat dieselben Bedeutungen, fyr dient zur Be- 
zeichnung der Richtung in fyr austany fyr vestan („ost-, west- 
wärts")'). Später dringt fyrer auch in die Präflxkomposition 
ein, und wir finden im jüngeren Isländischen fyrir- neben /or- 
Bildungen ohne Unterschied^). Ein neues Mittel, die Bedeutungen 
zu scheiden, aber schafft sich diese Sprache selbst, indem sie 
in Vor- oder Nachstellung des Adverbs entgegengesetzten Sinn 
hineinlegt, so z. B.^): 

fyrir-koma („to destroy") : Jcoma fyrir („to arrange") 

fyrir-maila („to curse") : meela fyrir („to speak for"). 

Im Altschwedischen verbinden sichßri^fyriy fyrir, firi(r), 
f(9riyfori,faryfyr,f0r in der Bedeutung „um — willen** mit dem 
Gen. oder Acc, als „für, vor" mit dem Acc. oder Dat., je nach- 
dem sie einen Richtungshinweis enthalten oder nicht ^). 

Die meisten mit dem Präfix for- = „ver-** zusammen- 
gesetzten Bildungen tragen den Ton auf dem Stammworte, 
nicht die mit /or- = „vor"®). 

Normalform des proklitischen Präfixes in den jüngeren 
nordischen Sprachen ist for- (fer-). 



gezogen worden, wodurch fyr entsteht. Das trifft für got. faut I, nicht 
fflr faur II zu. 

*) aschwed. fyr > fer Noreen II § 116 u. 473. 

*) Noreen n § 142 anm. 10; § 471, 3 n. 4. Über den Wandel von aus- 
lautendem -« > -• B. Axel Eock, PBrB. 29, 187. 

*) Gering 302 ff. Die spätere Yerwirrung beginnt bei ihnen erst in 
bescheidenem Masse, vgl. Sievers, PBrB. 6, 486. 

*) Cleasby-Vigfusson 182 b ff. 

») Noreen U § 442--446. 

•) Noreen § 57 I A 1 a. 



48 



Damit ist die Lautgeschichte des Präfixes abgeschlossen, 
and wir können folgendes Ergebnis aufstellen: 

1) Dem nhd. Präfix ver- liegen vier vorgermanische Formen 
zugrunde : *pr *prr(i) *per(%) *prö. Von den ersten beiden 
leitet auch nhd. für seinen Ursprung her. nhd. vor geht 
auf eine besondere Form (*prrä oder prrat) zurück. 

2) Im Ostgermanischen fallen *pr und *prr(i) in eine Form 
(got. faur) zusammen, im Nordgermanischen bleiben sie 
gesondert (for — fyri)- Im Westgermanischen sind sie 
ursprünglich geschieden. Sie vermischen sich bald lautlich 
im Deutschen, und in der nhd. Schriftsprache siegt die 
*PP'(i) entsprechende Form (für). Im englisch -friesischen 
Zweige ist *pir(i) nicht nachweisbar. 

Normalform des proklitischen Präfixes wird *pr im 
Nordgeimanischen, Englisch-Friesischen und Niederdeut- 
schen (ausser dem Holländischen). 

3) *prö ist — von spärlichen Resten abgesehen — ausser 
dem Ostgermanischen nur im Hochdeutschen und Hollän- 
dischen vertreten und wird hier Normalform des pro- 
klitischen Präfixes. 

4) *per(i) erscheint nach d6m Ostgermanischen nur noch als 
dialektische Form im älteren Hochdeutsch. 



III. 

Die Bedeutungsentwicklung in der ver- 
Komposition. 

Von der Lautgeschichte des Präfixes wenden wir uns nun- 
mehr zur Bedeutungsgeschichte. Hierbei lege ich das Deutsche 
zugrunde, da sich die ver- Komposition im Deutschen weitaus 
am üppigsten entwickelt und die Überlieferung am reichsten 
ist. Im nächsten Abschnitt soll dann die Stellung und Ver- 
breitung der ver- Komposition in allen germanischen Mundarten 
betrachtet werden. 



49 

Der vorliegende Abschnitt bietet recht erhebliche metho- 
dische Schwierigkeiten. Wir wollen verfolgen, wie in den 
verschiedenen Zeiten der Spracheutwicklnng die t;er- Komposition 
von den bescheidenen Anfängen, die wir im Gotischen nach- 
gewiesen haben (Abschnitt I), zu dem schier unübersehbaren 
Prachtbau heranwächst, wie er sich uns im Mittel- und Neu- 
hochdeutschen bietet. Das Material fliesst zwar reichlich, aber 
die Entwicklung streng chronologisch festzustellen ist trotzdem 
nicht möglich. Die Überlieferung hängt von vielen Zufällen 
ab, das Material ist ungleichmässig und muss benutzt werden, 
woher es auch kommt. Von dem inneren Wachstum der Sprache, 
von ihrer Weiterbildung im Übergange von Individuum zu Indi- 
viduum und den dabei sich neu anspinnenden Beziehungen und 
Assoziationen, von dem Entwicklungsprinzip der Analogie gibt 
es uns nur ein dürftiges Bild, in dem durch eine Laune des 
Zufalls vielleicht gerade die wichtigsten Züge fehlen. Da muss 
der verknüpfende Geist und die ordnende Hand eingreifen; 
freilich ist für das so Gewonnene keine apodiktische Gewissheit 
zu erbringen. Aber wir verlangen einen Überblick, irgend ein 
Einteilungsprinzip, mag es auch etwas Künstliches haben und 
den üppig quillenden Strom der sprachlichen Bildungen in ein 
zu enges Bette zwängen. Da wir nicht all die mannigfachen 
Beziehungen^ zu fassen und zu erkennen vermögen, müssen wir 
wenigstens die hervorstechendsten Züge herauszuheben suchen. 

Nach einem kurzen Überblick über die wissenschaftliche 
Behandlung der t7cr- Komposition wollen wir unsere Gesichts- 
punkte darlegen und die Grundtypen besprechen, ferner 
Gruppen- und Wortbildung sowie den Einfluss der Rektion 
auf die Bedeutungsentwicklung behandeln. Die Entwicklung 
über das ahd., as., mnd., mhd. zum nhd. an der Hauptmasse 
der Verbalkomposita in Bedeutungsgruppen zu verfolgen und 
den Wortschatz der jetzigen Umgangsprache, der lebenden 
Mundarten, Berufs- und Genossenschaftsprachen vorzuführen, 
wie es meine Absicht war, erlaubt leider der Rahmen der 
Arbeit nicht. Doch sollen die wichtigsten Bildungen besprochen 
werden. Nominalformen werden nur berücksichtigt, soweit 
sie Rückschlüsse auf die ihnen zugrundeliegenden Verbal- 
bildungen gestatten oder an sich besonderes Interesse erheischen. 

Leopold, Die VonUbe ver- ^ 



60 

Da die «?cr- Komposita so vieldeutig sind, haben sie be- 
sonders die Aufmerksamkeit auf sich gelenkt und sind ver- 
schiedentlich behandelt worden. Wie sie zu den sich oft wider- 
sprechenden Bedeutungen kommen, ist indessen nie völlig 
geklärt worden, und man ist meist über äusserliche, mehr oder 
minder berechtigte Zusammenstellung nach Bedeutungsgruppen 
nicht hinausgekommen. Ich führe von früheren die immerhin 
bemerkenswerten Versuche von Johannes Clauberg 1663 und 
Johann Georg Wächter 1727 an. Jener forscht in seiner 
„Ars Etymologica Teutonum e philosophiae fontibus derivata . .* 
p. lOflf. unter anderem nach der Herkunft des Wortes vemunft 
und gibt im Anschluss daran eine Übersicht über die ver- 
schiedene Bedeutung der ver- Komposita in zwölf Bedeutungs- 
gruppen ^). Die Art der Einteilung ist sehr ungleich; es fällt 



') Danach bezeichnet ver- 

1. „consumtionem et perditionem" : verspielen, -doppeln, -karten, -banketieren, 
'fressen, -schlemmen, -schwelgen, -sauffen, -trincken, -zechen, -brassen, 
-buhlen, -scherteen, -dürsten, -bakken, -brennen, -tuhn, -legen, -toünschen, 
-schweren, -maledeyen. 

2. „intensionem, augmentum et exceBSom, saepe vitiosam" : veressen {fressen), 
-messen, -leugnen, -jagen, -treiben, -bannen, -folgen, -eweifelen, -zagen, 
'tragen, -sdltzen, -pfefferen; sich verschlafen. 

3. a äuget darationem'' : verharren, -bleiben. 

4. „perfectionem actionis et consummationem" : verridUen, -suchen, -meiden, 
•hühten, -trauen, -geben, -leihen, -ehren, -dienen, -binden, -nehmen, -schiessen, 
■hiMen, -decken, -tilgen, 

5. gContrariom'^ : verachten, -kiesen, -werden, -leumbden, -sagen (: znsagen), 
-bieten (: gebieten), -lernen (: erlernen). 

6. „actionem, qua quis a se rem transfert ad aliam^: verkauffen, -heuren, 
•mieten, -pachten, -jagen, -heirahten. 

7. „commutationem seu permutationem'^ : verhausen, die hosen versohlen (!), 
-dolmetschen, -weisen (relegare), zinn . . vergiessen lassen, -bilden, -setzen, 
-legen, -pßantzen. 

8. „translationem vel transitum ab ano termino ad aliam diversi generis'^ : 
verdeutschen, -lateinen, -armen, -alten, -nichtigen, -ehlichen, -dunckelen, 
-finsteren, -fälschen. 

9. , conversionem in id quod adjuncta voce notatur^: verstokken, -steinen, 
-götten, -geisten, -moderen, -kinden, -unttiben, -hänsen (inaagarari societati, 
zam bansen machen), -kätzeren. 

10. „onius corporis ad superficiem alterias accessam^: vergulden, -silberen, 
-Zinnen. 

11. „errorem et pravitatem": verbrechen, -machen, -sehen, -sprechen, -reden, 



51 

auf, dass er so uinfangi^eiche Gruppen wie die Verba versperren, 
verbinden übersehen hat, von einzelnen Sonderbildungen ganz 
zu schweigen. Er versucht gar nicht zu erklären, wie diese 
sich oft widersprechenden Bedeutungen zustande gekommen sein 
könnten. Dagegen weiss er die Verwandtschaft von ver- mit 
lat. per- gr. Ttegi- zur Deutung der deutschen Komposita gut 
auszunutzen, weist auf den Wechsel von ver- : er- in den selben 
Verben hin und erkennt, dass in vernehmen, vemunft der ver- 
stärkende Sinn von nehmen auf geistige Beziehungen übertragen 
ist. In den „verbis Latinobarbaris " forjadicare, forbannire, 
forbannitits und französ. forfaire, forfait, forconseiller, forvoyer 
will er eher die ältere Form for- des deutschen ver- als ein 
Ht foris erkennen^). 

Ganz kurz bespricht Wächter das Präfix ver- in den 
„Prolegomena de particulis Germanorum** zu seinem Glossarium 
(1727) p. 43f. Er führt es auf got. /ra-, aengl. /or-, fränk. 
alem. far- zurück und lässt noch mehr als Clauberg den ver- 
neinenden und verschlechternden Sinn des ver- hervortreten. 
Im übrigen bedeutet diese Bearbeitung des 18. Jahrhunderts 
gegen die des 17. eher einen Rückschritt als Fortschritt. 

Frisch (wb. 399 a, b) will alle Bedeutungen der ver-Kom- 
posita aus der des Aufhörens, Endigens erklären. Adelung 



-hallen, -hut^tabieren , -schreiben, -rechnen, -gehen; sich verreiten, ver- 
fahren; den fasz vertretten, die band verstauchen, das glid verrenken] 
-führen, -leiten, -k^ren, -drohen, -stellen, -hangen; -ziehen, -zärtelen, 
-wehnen; -säumen, -schlaeffen; sich verdencken, -gissen; -rahten, -schweren; 
sich vermessen, -liauen, -schneiden, -stossen. 
12. „adjicitar interdam verbis . . . distinctionis causa'': vermehren, -wechselen, 
-toandelen; -fechten, -Uhdigen, -antworten, -weeren (aliqaid fit adversus 
alium); -treten, -bitten (aliquid fit pro alio); verpfänden (est zum 
pfand setzen, oppignerare); verzinsen, -zollen (zinse oder zoll davon 
geben). 
Was Clanberg nicht unterbringen kann, zwängt er in diese letzte Gruppe, so 
verschieden es im einzelnen sein mag. 

*) Wir haben das französ. for- beim Mittelenglischen (S. 43 f.) be- 
sprochen und festgestellt, dass es sich ganz ähnlich wie das germ. for- ent- 
wickelt und von diesem beeinflusst wird. Wenn wir in der Gesetzessprache 
des mittelalterlichen Latein dem forjudicare ein lat. Präfix foris oder foras, 
dem forbannire ein germ. /or- (faur- 1) zuweisen, so sind beide doch zweifellos 
als einheitlich gefühlt worden und haben sich verschmolzen. 

4* 



62 

behandelt in seinem „Umständlichen Lehrgebäude der Deutschen 
Sprache^ I 733 f. ver- in der Bedeutung „weg", zur Bezeich- 
nung des Verschliessens und Verbindens, als Intensiv- und 
Denominativpartikel. Damit trifft er so ziemlich die vier 
Hauptfunktionen von ver- und erkennt auch seine Verwandt- 
schaft mit fort und für. Auffällig ist, dass er den tadelnden 
und vernichtenden Sinn nicht mehr hervorhebt. 

Jakob Ürimm ist der erste, der die etymologischen Grund- 
lagen des Präfixes feststellt und dadurch zu sichereren Schlfissen 
gelangt (d. gr. II 850—861). Immerhin laufen ihm einige Irr- 
tümer unter. Er meint, faur- fair- fra- hielten sich unver- 
mischt, und man könnte, wenn nicht die Überlieferung zu 
mangelhaft wäre, die nhd. ver- Komposita mit Sicherheit einer 
oder der ajideren von den Typen zuweisen. Seine Einteilung der 
Bedeutungsgruppen ^) ist etwas willkürlich, so reich ausgebaute 
Gruppen wie die Verba verbinden und verwanddn verlangen be- 
sonders angesetzt zu werden. Bei der Denominativbildung aus 
Substantiven soll die Verwandlung in den Stoff oder das Über- 
ziehen mit dem Stoffe (vergolden 859 f.) ausgedrückt werden. 
Dass die Partikel aus Adjektiven Intransitiva mit dem Begriff 
des Werdens schaffen könne, bezweifelt er, weil ver- gerade 
das verwerden (860) ausdrücke*). In beiden Fällen zieht er zu 
enge Grenzen. Transitive Adjektivkomposita wie verbessern^ 
verbittern u. a. (ebd.) sollen den Begriff der Verwandlung be- 
zeichnen. Im übrigen weiss er sich das widerspruchsvolle 
Nebeneinander von verehren und verachten auch nicht recht zu 
erklären. 



^) ver- bezeichnet danach 

1. das dem einfachen Verb Entgegenstehende, Verlast, Verderben. 

2. zuviel oder zulsoige {über-mässig). 

3. Ende, Ausgang, Vollbring^ng, volle Verwendung. Der Begriff liegt schon 
im einfachen Verb und wird von der Partikel nur hervorgehoben. 

4. ab, weg, fort, dahin. 
6. Die Bedeutung re- 

6. Die Partikel ist bedeutungslos, das Kompositum hat den Sinn des Simplex. 

7. zutun, bedecken, in den Weg stellen. 

8. Der Begriff erleidet gelinde Intension. Hierher will er adjektivische 
Partizipia wie verbuhlt, verJiasst, verliebt ziehen. 

*) Ein ähnliches Bedenken von Streitberg, PBrB. 15, 92, haben wir 

5. 21 zu entkräften gesucht. 



53 

Das im DWB. XII 51—57 über die t;er- Komposition 
Gesagte schliesst sich an Grimm an und bringt wenig neue 
Gesichtspunkte. Dass ver- mitunter eine Schwächung der 
Präposition vor sei (ebd. S. 56), stimmt nicht ganz ^), enthält aber 
den richtigen Gedanken, dass ver- und vor- zusammenhängen. 
Die etymologischen Grundformen des Präfixes sind falsch an- 
gesetzt (germ. far- fir- für- fror ebd. S. 51), die Gruppenein- 
teilung lässt die etymologischen Gesichtspunkte ausser acht. 
Herausheben möchte ich die Bemerkung (ebd. S. 59), dass t^- 
sich zwar meist an Substantiven und Adjektiven findet, die aus 
den schon zusammengesetzten Verben abgeleitet sind, dass aber 
auch Substantivbildungen neben oder in engem Anschluss an 
das Verbum vorkommen (vgl. auch Abschnitt I dies. Abh. S. 17 
Anm. 1—3). 

Erst Wilmanns (gr. «11 129 ff., 158 ff.) hat mit seiner Dar- 
stellung der Partikelkomposition Bahn gebrochen. Er sucht 
die Spuren der drei got. Grundtypen faur- fair- fra- an Bei- 
spielen bis in die nhd. Zeit vorsichtig zu verfolgen, ohne zu 
verkennen, dass die jüngeren Bildungen nicht sicher der einen 
oder anderen Grundtype zuzuweisen, sondern aus mannigfach 
sich kreuzenden Einflüssen entstanden sind. Die Grundtypen 
haben sich in den einzelnen Bedeutungszweigen, die sie in der 
Komposition entwickeln, einander genähert, sich verschmolzen 
und nach den so entstehenden Bedeutungsgruppen analogische 
Neubildungen hervorgerufen. Im einzelnen befriedigt die Ein- 
teilung^ aber auch bei Wilmanns nicht, so wenn er die Gruppe 

^) got. faura kann doch nicht in fawr übergebn ! ver- steht vielmehr 
im Wechsel mit für ifaur), daher die Schwächungen verbei, vergtU^ verlianden, 
verlangst, verheb, verwahr statt fürbei, fürgut ... im älteren nhd. Im jüngeren 
nhd. ist fürbei . . . wiederum in vorbei, vorhanden, vorlängst, vorlieb über- 
gegangen (ebd. S. 56 f.). 

^ Nach den got. Belegen scheidet er 
faur: a) in rein örtlicher Bedentang unserem nVor'' entsprechend, 

b) in der Bedeutung „vorbei^, 

c) weniger selbständig in den Verben abwehren, hindern, decken. 
fror\ a) »fort" in den Verben der Bewegung, 

b) bei loisen, geben, nehmen, 

c) verachten, verfluchen und andere Verba, die eine feindselige, üble 
Gesinnung bekunden, 

d) versehrenj verderben, vernichten (Trans, und Intrans.), 



54 

der Verba verbinderiy -einigen, -mischen der Type fra- zuweist als 
„Tätigkeiten, durch die das Objekt oft seine Selbständigkeit 
verliert" ^). Bildungen wie verbünden, verloben, verpflichten, ver- 
sprechen, verschnüren, verankern lassen sich mit Sicherheit auf 
faur- zurückführen, ebenso verbieten „vor Gericht laden", versetzen 
„ersetzen, erstatten", sich versehen „erwarten" u. a. Einige 
undurchsichtige Bildungen wie verdienen, sich verrechnen „Rech- 
nung ablegen", verstehn, vertrauen, versuchen weist er richtig der 
Type fair- zu. Bei anderen schwankt er und ordnet z. B. ahd. 
farfaran „transire" xmi^v faur-, firfaran „perire" unter /ro- ein 
(159, 162). 

Die vorliegende Darstellung schliesst sich an Wilmanns 
an. Sie hat versucht eine sichere etymologische Grundlage zu 
gewinnen und das Verhältnis von ver- zm für und vor klarzu- 
stellen (Abschnitt I— II), um nun darauf fussend den Beitrag 
der Grundtypen zur Bedeutungsentwicklung zu ermitteln. Diese 
Aufgabe ist nicht ganz einfach bei der unübersehbaren Masse 
der wr- Komposita, Wilmanns hat sie nicht einmal bei einer 
beschränkten Anzahl durchführen können. Da die einzelnen 
Typen schon früh lautlich verschmelzen und in der Komposition 
bald hier, bald dort diesielbe Bedeutung entwickeln, so gewährt 
uns weder Form noch Bedeutung sichere Anhaltspunkte, um in 
den einzelnen Bildungen die Grund typen zu erkennen. Die 
Bedeutungsgruppen setzen sich schon im Gotischen aus Bil- 
dungen verschiedener Herkunft zusammen {fawrqipan — fraqipan 
S. 12 f. ; frawaurlgan — fairweHjan S. 23), auch in der Komposition 



e) „fort vom rechten Wege", sinnlich and übertragen, 

f) „fort (zeitlich), dauernd". 

fair- hat keine bestimmte sinnliche Bedeutung mehr, scheint vielmehr auf 
Ziel und Abschluss der Tätigkeit hinzuweisen oder den Verbal- 
begriff stärker hervorzuheben. 
Auf Grund der deutschen Belege (ahd., mhd., nhd.) kommen zu faur- hinzu 
die Gruppen verbieten, versagen und schützen, sorgen; zu fra- die auf das 
Übermass hinweisenden und das Erlöschen der Tätigkeit bezeichnenden Verba. 
Die Gruppe verzehren, verderben, vernichten baut die besonderen Bedeutungs- 
zweige hinbringen, durchbringen, sich bringen um etwas und verarbeiten^ ver- 
tuenden aus. 

*) Soll die Sprache — oder die sie fortbildenden Individuen — diese 
logische Betrachtung auch anstellen? 



mit derselben Grundtype (frakugan, fraweitcm^ frawrikan^ fra- 
wrohjan — frakunnan^ frawa/rdjan, frawaurkjan S. 17 f.). Denn 
bei jedem Kompositum kommen die Bedeutung des einfachen 
Verbs oder Stammwortes, die des Präfixes und nicht zum 
wenigsten die eigenartigen Beziehungen in Betracht, die sich 
zwischen beiden anspinnen. Diese setzen meist die schon fest 
gewordene und häufig im Sinn verschobene Bedeutung einheit- 
lich gefühlter Komposita voraus (vgl. oben S. 1 f.). Indem solche 
Komposita wieder ihrerseits das Muster zu analogischen Neu- 
bildungen abgeben, spinnt sich ein Netz von verwickelten Be- 
ziehungen weiter, in deren letzten Ausläufern man vergeb- 
lich eine der Grundtypen suchen wollte. Und nicht genug 
damit. Ein ähnliches Verhältnis wie zwischen den Grund- 
typen von ver- findet auch zwischen lautlich verschiedenen, 
trennbaren und untrennbaren, Präfixen statt. Sie heften sich 
an dasselbe Stammwort, berühren sich in der Bedeutung, wett- 
eifern in der Verwendung, verbinden sich^) oder verdrängen 
einander, wechselnd in den verschiedenen Sprachperioden und 
Mundarten. „Der Gebrauch der Simplizia wird durch die Aus- 
bildung der Komposita, und die eine Art von Kompositis durch, 
die andere bestimmt** (Wilmanns II 129). Wer daher ein 
Präfix behandeln will, darf die anderen nicht ausser acht lassen, 
sondern muss sie vergleichend heranziehen. 

So ist es eigentlich verlorene Liebesmüh, den reichen 
Schatz unserer Sprache an ver- Bildungen auf die einzelnen 
Grundtypen zurückführen zu wollen, und es erscheint als das 
Nächstliegende, das ganze Material ohne Bücksicht auf Herkunft 
in Bedeutungsgruppen vorzuführen. Indessen würden wir damit 
den anziehendsten Teil der Untersuchung, den Anteil der ein- 
zelnen Grundtypen an der Entwicklung, übergehn. Also wollen 
wir hier die erste Entfaltung der einzelnen Typen an charak- 
teristischen Bildungen darlegen, die Berührungspunkte an ver- 
schiedenen Zweigen aufdecken, die Hauptfäden der verwickelten 
Beziehungen entwirren und dann die Zusammensetzung der Be- 
deutungsgruppen untersuchen. 

Vorher aber noch ein Wort über unsere Hilfsmittel. Wenn 



*) Dahin gehören got. faurafaursruwan, faurbigaggan, faurbisniwan (S. 8). 



56 

sich auch in Laatform und Bedeutung die Orundtypen ver- 
mischt haben, so gewährt uns doch beides einige Fingerzeige 
fttr die Zuordnung der jüngeren Bildungen zur einen oder 
anderen Qrundtype. So zeugen für /aur- Bildungen die ahd. 
fu^^ mhd. tH#r- vwr-, nhd./ür- (vor-) Komposita, die hier und da 
neben den geschwächten Formen belegt sind (S.26f., 28 f., 35 f., 
41)» Da sie teils noch in loser, teils schon in fester Kompo- 
sition vorkommen, so haben wir bisweilen die drei Entwick- 
lungstufen vor Augen, welche die Partikel von ihrer selb- 
ständigen Verwendung bis zur völligen Verschweissung mit dem 
Verb durchmacht. Freilich ist dieses Merkmal nicht unbedingt 
zuverlässig, da höchstwahrscheinlich ahd. firir (: got. faW-) 
in den seltenen Fällen, wo es ungeschwächt vorkommt, sich 
lautlich an fwrir angeschlossen hat (vgl. füncüe S. 15 Anm.). 
Für die /ra- Typen, wo wir fast jedes lautlichen Fingerzeiges 
entbehren, bieten uns dafür die got. Belege eine um so sicherere 
Grundlage. Auch haben die /ra-Typen am wenigsten ihre Bedeu- 
tung verschleiert. FBr Denominativbildung und Perfektivierung 
kommen sie in erster Linie in Betracht (S. 20 f.). Bei den 
/air-Typen sind wir am meisten auf Vermutungen angewiesen, 
da sie spärlich vertreten und am wenigsten durchsichtig 
sind. Indessen unterstützt uns hier das reiche Material 
der Sprachvergleichung. Am ausgiebigsten aber verwenden 
wir daneben bei allen Typen andere Präfixkomposita, besonders 
ungeschwächte, deren sinnliche Bedeutung uns noch lebendig 
ist, wo wir sie bei den entsprechenden t7er-Eompositis nicht 
mehr durchschauen (vgl. S. 2 f. vorlesen : verlesen^ vorschreiben : 
verschreiben u. ähnl). 

Von anderen Präfixen sind vornehmlich he- und er- behandelt 
worden^). Beide Arbeiten berücksichtigen nur die mhd. und 
nhd. Verbalkomposition. Hittmair (Die Partikel he-) will eine 
chronologische Übersicht über die einzelnen Bildungen geben, 
verfolgt Entstehung, Blühen und Absterben der Bedeutungs- 



') A. Hittmair, Die Partikel he- in der mhd. u. nhd. Verbalkomposition, 
Wien 1882. Th. Jakob, Das Präfix er- in der transitiven mhd. u. nhd. Verbal- 
komposition, Progr. Döbeln 1900. Die Partikel ge- scheidet für ans wegen 
ihres ansinnlichen Charakters von vornherein aas. 



57 

gruppen and untersucht die Bildungsprinzipien in oft anregender 
Weise. Was er nebenbei von ver- behauptet, ist nicht immer 
zutreffend*). Jakob (Das Präfix er-) bleibt hinter Hittmair 
wesentlich zurück und bringt es über eine äusserliche Ein- 
ordnung des Stoffes nicht hinaus. Indessen wird uns das in 
beiden Arbeiten zusammengetragene Material bei der Ver- 
gleichung nützlich sein, he- nähert sich in der Verwendung 
den Typen fair- und fawr- II, er- den Typen fra- und fam- I, 
so dass sie sich gewissermassen ergänzen. Doch entwickeln 
be- und er-, obwohl sie nur von einer Grundform stammen, 
so verschiedenartige Bedeutungszweige, dass schon jedes einzeln 
mit ver- konkurrieren kann: eine Mahnung für uns, die Viel- 
deutigkeit von ver- in der Komposition nicht allein aus der 
vierfachen Wurzel herzuleiten. Wir werden sie bei den 
einzelnen Bildungen zunächst aus einer einzelnen Wurzel zu 
begreifen suchen, dann erst Bildungen verschiedener Wurzeln 
nebeneinanderstellen und daraus ihre Berührungspunkte und 



^) Dass ver- nicht instramentalen Charakter hat, ist ein Irrtam; von 
einem Herabsinken seiner Individnalität bis zur vollen Bedeutungslosigkeit 
kann ebensowenig die Hede sein (S. 113)^ Allerdings behauptet der Verfasser, 
auch be- komme die instrumentale Bedeutung nicht zu (S. 116). Von vorn- 
herein verfehlt ist, die sinnliche Bedeutung von be- aus der später speziali- 
sierten von bei abzuleiten und etwa bekommen als „beikommen'', beathUeasen 
als „beischliessen* zu erklären (S. 17), obwohl mehr als ein Drittel der got. 
6e-EompoBita die Bedeutung circum {afKfC, thqC) hat (S. 12, 21). Aus dieser 
Grundbedeutung lassen sich die übrigen wie bei fair- : mgi : per (S. 14 f. dies. 
Abb.) leicht entwickeln (dagegen H. S. 47). Der Verfasser verwendet überhaupt 
die sinnUche Grundbedeutung zu wenig und greift statt dessen lieber zu 
geschraubten Erklärungen, z. B. bei der privativen und deteriorierenden 
Funktion. So schwankt er bei benehmen (S. 187) zwischen der Auffassung 
von Sanders: , durch Fortnehmen verkleinern" und der von Grimm: „was 
beigetan wird, wird auch beiseite, weggetan, folglich entzogen", während 
die richtige Deutung so nahe liegt: „rings herum nehmen, umfassen, er- 
greifen" (vgl. das entsprechende got. fairgreipan S. 14 dies. Abb. und gr. 
niQtatQito). Um die deteriorierende Bedeutung zu erklären, beschwört er den 
Pessimismus der Sprache herauf (S. 192); vgl. dazu die Deutung von got. 
fairwei^an III, fainoeitl S. 15 dies. Abh. „Wer viel hin und her denkt, 
ruft, spricht, der treibt Zielloses, Überflüssiges oder Schädliches" : so entsteht 
bedenken (bedenklich), berufen ^ besprechen neben verdenken (verdächtig), ver- 
rufen, versprechen. 



58 

die Art ihrer Verbindung herleiten. Dazu müssen wir alte 
Komposita sinnlicher Anschauung heranziehen, die dank ihrer 
häufigen Verwendung vielseitig ausgebaut sind. 

Bei faur- J, das wie in den beiden vorhergehenden Ab- 
schnitten der Abhandlung die Reihe der Grundtypen eröffnen mag, 
sind wir in recht glücklicher Lage. Bildungen wie versehen, 
verhören; versprechen, verschreiben; versetzen, verlegen; verschlagen, 
verfangen; verschiessen; verfahren, vergehn lassen ebensowenig wie 
die Bedeutung des Präfixes sinnliche Anschaulichkeit vermissen 
(s. die Übersicht S. 28). Entsprechend den got. Belegen faur- 
rinnan, unfaurweis — fattrlagjan, fatirqißan — faurgaggan (S. 7 f., 
10, 13) kann /awr- 1 als „vorwärts, voraus** — „hervor, heraus" 
— „vorüber, hinaus über" aufgefasst werden. Indem sich nun 
etwa in faurqipan „aussprechen" je nach dem inhaltlichen Zu- 
sammenhang ein gebietender (nhd. versprechen), ein fürsorgender 
(verantworten), ein verweisender (versagen) oder gehässiger (ver- 
rufen) Nebensinn entwickelt, setzen sich vier weitere Zweige 
an. Ebenso kann das „vorüber, hinaus über" in famgaggan 
bedeuten: „über das Ziel hinaus" in gutem Sinne (nhd. über- 
holen) oder „vorüber, vorbei an" (vergehn) oder „über das Mass 
hinaus" in schlechtem Sinne (übergehn, sich vergehn). 

Innerhalb der einen Type also kann sich ein übler Neben- 
sinn auf zwei Arten entwickeln (verrufen — übergehn); wie 
viel schwieriger wird es dadurch, die Gebiete der Grundtypen 
voneinander abzugrenzen! Zunächst haben wir zu beobachten, 
wie sich die oben erwähnten Komposita in den verschiedenen 
Anschauungsmöglichkeiten der Type faur- I bewegen. Die 
Beispiele sind der Bedeutung nach paarweise zusammengestellt ; 
ich beginne mit versehen, verhören, 

versehen als „voraussehen" entwickelt den Sinn „hervor- 
sehen, ansehen, erwarten, ausersehn — vorsehen, Vorsorgen, 
vorsorgend anweisen oder abwenden — versorgen, schützen, 
besorgen, verwalten, versehen mit (providere)"; versehen als 
„übersehen, hinwegsehn über" die Bedeutungen „verzeihen — 
verachten — versäumen, verfehlen" ; als „misstrauisch aufsehen 
zu, starr hinsehen auf" den Sinn „argwöhnen (suspicari), ver- 
zaubern". 



abd. Gl. 1 178 Pa. unfarsehanti. gl. K. unfersehandi : invisas, qui non videtar. 
N. I 21, 29 P.: äfter rihte beidiu u er sah: recte intuitus est. 
11425,3: uuanda truhten häranider fersdh. föne himile fers ah 
er in irda : prospexit. 

Gl. I 432 b : sihfirsehent firsehent sihirchennint : respiciant. 
0. IV 30, 31: ja fersdh er sih in göt. 

0. IV 5, 65: firsdhun sih zi toäru si sineru ginddu. 

N. I 81, 20 P. : übe du dih töh ze dien uriunden uersist. 
[Gl. II 243 b fersiht : respectum. II 208 b zuofirsiht : respectum.] 

61. I 122 Pa. Ra. unfarsehanti. gl. K. unfurisehandi : ex inproviso, 

siibito. 
Gl. I 76 Pa. gl. K. furi sih : provide. 
N. I 316, 3 P. : noh sie neuttdnent nieht nöte geskehen diu göt foresihet : 

quae providentur. 

N. II 494, 6 P.: er ist min helfare he diu fersieho ih mine fienda : 

despiciam inimicos meos^). 
[Gl. II 91 a forsehani : suspicio. II 53 b zu firsiht : suspitio.] 
as. Hei. 5742: thia that all forsauun, thes gumen grimman dod (ansehn). 
Hei. 5746: habdun im farseuuana soroga ginuogia, mikila muodkara. 
mnd. Münst. Chr. 1, 175: dat versach de Teuer, de up den blockhuse sath 

(ersehen, bemerken). 
Flos u. Bl. 909: wes he sik mach to ju vorsen. 
Korner 24 b: dat WedeUnt datheer Karli wölde vorseen (ausspähen). 
Korner 69c: god, de en uterkaren hadde unde vorseen to merkliken 

dingen (aasersehn zu). 

Magd. Seh. Chr. 16, 32: dar umme rode ik di, dat gi ju vorseen 

edder vleen (sich vorsehn). 
RuBS.-livl. Urk. S. 163a: doet vruntliken vnde vorseyt vnse beste 

(, wahrnehmen"). 
Lehnr. Art. 06 % 1: de herre sal . . uppe des mannes gut versien 

(var. Ben, warten). 

1. Sam. 16, 17 (H.): vorset (providete) mi einen, de wol up der harpen 

speien künde (besorgen, beschaffen). 

Lüb. Urk. 4, nr. 265 (a. 1375): beghere wy, dat gy vns vorseyn vm 
eyne gude herberge (versehen mit) *). 

Leibn. 3, 196: se vorsegen sik umme havelude unde htUpe (sich um- 
sehen nach, sich versehen mit). 



>) Dazu f ersichtig „verächtlich" (N. I 120, 3 P.). aengl. forseön ist 
nur in dieser Bedeutung belegt (Bosworth-Toller 317 a). 

') Dieses versehen um, zunächst lokal gefühlt {afi<p£ „umhersehen nach"), 
wird dann abstrakt (negi „inbetreff"). sich versehen an, von zeigt ebenfalls 
lokale, sich versehen mit instrumentale Anschauung; vgl. sich verstehen um, 
auf usw. 



60 



R. V. 6136: wert dease kanse nu vor sin (versäumen). 

R. V. 6432: mm mit juweme oge, dat ü vorsen (verfehlt, ver- 
pfuscht). 

R. V. 3706: höret mine sundcj eft ik mi aodder toes fiebbe vorsen 
(sich etwas zuschulden kommen lassen), 
mhd. Windb. ps. 45: th gewarte, versihe ane dich : speravi. 

Büchl. 2, 12: da man sich guotes von versiht^). 

Parz. 7, 1: min brtioder der mac sich mer der «testen hilfe an mich 
versehen '). 

Jw. 4131: wand ich mich wol umb in versach^). 

Bari. 31, 31 Pf. : kümien die dm tac versehen, wmne es an in sol 
geschehm (voraussehn). 

Erlös. 254, 358: wm ich für sehen hob zer salikeit (ansersehen). 

Myst. 2. 557, 30: über die menschm die er Mt versehen dag er sie 
ge grocen dingen siehm welle (praedestinare). 

Myst. 1. 104, 33: got vors ach dig, dag sancte Oregorius in ei^tm 

solde (voraussehend fügen). 
Myst. 1. 330, 9 : daz uns diu innem ougen der verstai^üsse also lerm 

unde vürsehen (var. weisen) wag daz beste st (vorsorglich anweisen). 
Wolfd. D. VIII, 316: dag ml ich versehen M der git, ob ich kan 

(vorsorgend bedenken). 
Weist. 5, 266: daz got versehe! (vorsorglich abwenden). 
Urk. V. 1277 bei Oberlin 1772: durch rechte lieh versehen wir der 

vorgenantm fr. Agnes dag fischwcusger (zum Eigentum anweisen, 

vermachen). 

Krone 26183: si wurdm aiso wol vürsehen, daz in nihtes gebrast 

(versorgen). 
Krone 28567: unrt er vor gouber niht vürsehen und endeliehe wol 

bewart (versorgen, schützen). 
Chr. 8. 41, 14: er woüe . . dag römische rieh versehen (verwalten). 
Boner 42, 16; der wise sich versehen sol an spis^). 
Chr. 1, 435, 36 : land und leute mit friden und gnaden czu fürsehen. 
Chr. 1, 457, 14: dojs uns sein gnad mit einem andern erbem täglichen 

Pfarrer fürsehe. 

Alph. 22, 4: des versehet ir min sthulde (nachsehen, verzeihen). 

Jer. 9546: daz er die schult an im vorsehe mit geduU. 

Msf. 246, 83: daz si den weit und jenen versiht (var. übersiht, 

verachten). 
Ludw. 92, 12: daz jungeste di schange vors ach unde vil in dm bom 

(Übersehen). 



n Siehe S. 59 Anm. 2. 



61 

EDgelh. 4688: so wart versehen . . vür EngeJharten Dieterich (fälsch- 
lich ansehen als). 

Heimb. handf. 272: die dö man sich des üf versiht, dae si jenen 

gewundet haben (beargwöhnen). 
nhd. Keisersberg granatapfel 62: er versähe jn für eu einfältig gu einem 

musico (ansehen als). 
Luth. 1. 172, 14 W. : der berg moria heist dominus videUt, amweiffel 

das ich allein es sehen sali, gleich wie ich alsz da Abraham vor- 

sach, darynne er sich gar nichts vorsach (erblicken — erwarten). 
Luc. 12, 46: an dem tage, da er sichs nicht versihet^). 
Bibel 1483, 305 a sprüche Sal. 58, 25: wer sich aber versiht an dem 

herren, der wirt behalten (qui vero sperat in Domino). 
Luth. 1. 250, 4 W. : einen got haben, das ist einen haben, von dem er 

sich vorsieht, in aUem guten gefordert, in aUem boszen geholfen 

werden. 
Luth. 12. 690, 17 W.: nos debemus trosüich uff ihn uns vorsehen. 
H. Sachs Ndr. 31/32 S. 13: gw dir versieh idi mich als guez. 
Uhland Volksl. 1, 99 Cotta: vil guts ich mich eu im versieh. 
Kant 10, 330: wessen wir uns gegen ihn zu versehen haben. 
Hed. com. 153: sie fürsehen nit, wie die Sachen würden auszschlahen 

(vermuten). 
Lessing 2, 379 (1747) : dieses unglück hätte ich mir nicht versehen ^) 

(dass.). 
Born. 8, 29: denn welche er zuvor versehen^ hat, die hat er auch 

verordnet (praedestinare). 
Luth. 14. 23, 13 W.: wollen durch die vemunfft ergrunden, ob sie 

versehen sind (praedestinati), auff das sie gewis werden, woran 

sie seyn. 
Oanther 495 (1735) : die pareen haben uns den Untergang versehen. 

H. Sachs Ndr. 31/32 S. 64: darunib für sehet euch nur eben! (sich 
vorsehen.) 



^) Da dieser Genet. sich formell nicht vom Akk. unterscheidet, wird er 
fälschlich als solcher aufgefasst Dann erscheint der Akk. sich als Dat., 
und so entsteht die Wendung ich verseifte mir etwas mit der Anlehnung an 
versehen „ausersehen*. 

') Luther hat dieses versehen so verblasst gefühlt, dass er es durch 
guüor stützen zu müssen glaubte (vgl. got faura faursmwan S. S) \ ähn- 
liche Stellen 

1. Petr. 1, 20: der zwar zuvor versehen ist. 

Rom. 11, 2: sein vokk . . welchs er zuvor versehen hat. 

Hebr. 11, 40: das gott etwas bessers für uns zuvor versehen hat. 

Apostelg. 17, 26: und hat ziel gesetzt zuvor versehen . . . 
Für Vorsehung gebraucht Luther durchaus noch versehung (DWB. XII 1265 f.). 



62 

Ayrer 1. 639, 25 Keller: ein testament, darinnentoir haben versehen, 

was nach unserm todt sol geschehe^ (verordnen). 
Bocc. (1588) 179: erbefalh, das sie jnen stand und herberg für sehen 

(besorgen). 
Garg. Ndr. 65/71 S. 1 1 1 : vorsihet wie ein stemverkündiger die iJveurung, 

versorget sich wie ein omeysz vor dem tointer (voraussehend bedenken). 
Simpl. 1. 86j 11 Kurz: ich antwortete: „herr! ist euer hertz wie euer 

mund?'' er sagte: „ich versehe nichts*' (stehe für nichts ein). 
Fierrabras Fl: wo es gott nit versieht, oder verkünibt (vorsorgend 

bedenken, abwenden). 

Uhland Volksl. 1, 206 Cotta: ich liab der hind sibne, viere seind ver- 
sehen schon (versorgen). 
Pauli schimpf 163a: der artzt ermanetjhn er solte sein seeU versehen 

— er umrde sterben (mit Sterbesakrament versorgen). 

A. Gryph. Ndr. 3 (Korr.) S. 13: sie hat . . die Schüttboden versehen. 
Fers, reisebeschr. 1, 9: ob auch die herren gesandten an essen und 

trincken und andren nothwendigen Sachen genugsam versehen wären. 
Kaiser sberg postill 4, 36: er hat sein müter versehen von der hüt 

und dem dienst. 
1. Mos. 27, 37: mit kom vnd wein hob ich jn versehen. 

Luth. 12. 355, 27 W.: rom bösen wenden und gutts thun heysset, wenn 
man böse wort verlöret, bösz und unrecht versehen kan (negligere, 
verzeihen). 

Logau 3. 207, 95 : wie du gibst, gibt man dir. gib mir geneigten bUck, 
vielleicht versiht man dir audi ein versehnes stück (verzeihen 

— verfehlen). 

Logau 2. 12, 37 : ein gar zu blödes aug, als oftmals ist geschehn, hat 

das, was jhm gesollt, versäumt, verschämt, v ersehn. 
Freytag handschr. 2, 405 : der fü/rst verstand gut zu machen, was sein 

hof an Ilse versah. 
Schiller 2, 34: eine so biszige bestie, die dir die mädels wie der bUtz 

am rockzipfel hatte, wenn sie sichs v er sahn, und zu nah dran 

vorbey strichen (übersehen, nicht aufpassen). 
Vitzenbürger 1, 262: man hat mich vor einen andern mann versehen 

(fälschlich ansehen als). 

Die Bedeutung „starr ansehen, mit dem bösen Blick be- 
hexen" (mhd. mnd. entsehen Lexer 1, 585, Schiller -Lübben 
1, 691b) ist nur in den lebenden Mundarten nachzuweisen, 
besonders ndd., so im Brem.-Nieders. (wb. 6, 296), Ältmärk. 
(Danneil 239b), ebenso wie verschiren „schädigend ansehn, 
bezaubern, verderben" (brera. wb. 4, 661, Richey 232, 
Dähnert 526) gebildet. Ausserdem ist versehen gebräuchlich 



63 

im Schlesisch. (Weinhold 89 b). Die reflexive Verwendung, im 
Altmärk. (Danneil 239) und Luxemburg. (Gangler 469) bezeugt 
von schwangeren Frauen, die über einen unerwarteten Anblick 
erschrecken und dadurch die Leibesfrucht schädigen, ist auch in 
die Literatursprache eingedrungen: 

Schüler 2, 95: junge frauen, die besorgten sich an den sMnders- 
siükchen zu versehen und ihrem kind in muUerleib den galgen 
auf den huckel zu brennen. 

Goethe 5. 1, 99: todtengräbers tochter sah ich gehn, ihre mutter hatte 
sich an keiner leiche versehn! 

Im Preuss. (Frischbier 2, 441 b) bedeutet sich versehen „schwanger 
werden", in den russ. Ostseeprovinzen ein versehen mensch : pueila 
stuprata (Hupel idiot. 249 im DWB. 1256). 

Im ßrem.-Nieders. ist utUverseen als „ausersehn" (wb. 6, 296) 
bezeugt^). Die Bedeutung „mit Sterbesakrament versehen" ist 
in katholischen Gegenden gebräuchlich (Luxemb. Gangler 469; 
Köln. Honig 194 b, mir im Schlesischen bekannt). Die 
Schiffersprache kennt die taakdasche versehen „nachsehen, unter- 
suchen, ausbessern" (Bobrik 708a). Die Gaunersprache gibt 
„falsch sehen, versehen" durch verhreUen (Belüge rotw. 458) 
wieder. Schweiz, entsehen bedeutet „voraussehen" (Staub- 
Tobler 1, 352). 

Lehrreich ist der Vergleich von versehen mit besehen und 
ersehen. Alle drei berühren sich in vornhd. Zeit in der Be- 
deutung „zu sehn bekommen, ersehen" (Hittm. 180, Jakob XXV, 
XLI), versehen und besehen als „sich umsehen nach, sich vor- 
sehen, sich versehen mit etwas" (Hittm. 72, 69, 208, 199, 197), 
bis versehen in dieser instrumentalen Bedeutung in nhd. Zeit 
als Alleinherrscher bleibt, während besehen das lokale „umsehen, 
untersuchen" (ebd. 72) veranschaulicht. Dialektisch lebt auch 
besehen noch in der Bedeutung „warten, pflegen" (ebd. 72), 
Der heutigen Schriftsprache ist versehen nur noch in der in- 
strumentalen und tadelnden Bedeutung lebendig, während es 
uns als „erwarten" und „verordnen" altertümlich anmutet. 



') Die BedentuDg „fürs Sehen ausgeben, aufwenden*^ (wb. 4, 733) ist 
nach der /ra- Type verbrauchen geprägt, auch literarisch bezeugt: 

Simpl. 1, 66, 13 Kurz: dase er mafichen narren angetroffen, der einen 
ereutzer an mir versehen Tratte. 



64 

Weniger vieldeutig als versehen ist verhören. Als „nach 
vorne hin hören, heraushören", besagt es „hören, vernehmen, 
anhören, abhören, aushorchen, erhören"; als „hinweghören 
über": „überhöreji, nicht beachten, verzeihen, missachten, un- 
richtig hören". Das Wort ist in ahd. Zeit noch nicht belegt 
und wohl analogisch nach versehen gebildet worden. 

nmd. 1. Mos. 21, 17 (H.): de stimme des kindes vorhoren. 
Korner 120a: vorhoret se emstliken. 
Ben. 712: an Jürgen S. toiUen toi verhoeren taten, wat trost he uns 

geven kan. 
2. Chron. 6, 21 (H.): vor höre se van dem himmel. 

Haspost, predige von dem ehestande: de eine schal mit dem andern 
ein wordt auersehen vnd vorhoren (verzeihen)^). 

Hans. Rec. 11', S. 35 (a. 1437): so wetet, datikju bot nycht vorhoren 
en wyl (missachten), 
mhd. Wölk. 36. 1, 5: weit ir ain klain verheeren micli (anhören). 

Elis. 8912: habt ir verhört des idit (vernehmen). 

Chr. 1. 209, 31: geschefftbrief . ., den die egenanten czewgen gesehen 
und verhöret heten. 

Wölk. 26, 277: ain paur, der nie geschrifft verheert . ., der sol nü 
bas verstän das recht dann ein gwanderter guter knecht (mit Ver- 
ständnis anhören, auffassen). 

Diocl. 4015: ein keiser sol verhoeren vil, e daz er guo einer sache ile. 

Chr. 9. 613, 29: vil gezOgnisse sü dar über verhörtent. • 

Bing 51c, 25: er wolte sie niht verhoeren (abhören, Beichte hören). 

Diocl. 889: und ir klage verheert wart (erhören). 

Mitt. d. Schles. Ges. f. Volksk. XIV, 65 (15. Jh.) : o ewiger almedtüger 
lebendiger gotes sunn verhör vnd gedenk czu meiner begir .... 

LuM. 52b: er was gar müde und verhörde als, das im Hema sagte 
(tlberhören, nicht hören), 
nhd. Zwingli 2, 3 : uf das ist min ernstlich bitt, min aniwurt oueh giUlieh 
zu verhören. 

Luth. 6, 371 (DWB. XII 581) : diese gewonheit wird bei uns gehalten, 
das sacrament nicht zu reichen denen, so nicht zuvor verhört und 
absöluirt sind. 

H. Sachs Ndr. 26/27 S. 55 : o richter, wir drey bitten dich, vns zu- 
uerhören gunstigJdich. 

Luth. 2, 202b (DWB. XII 583): sie schützen, verhören und ver- 
teidigen (erhören). 



Schiller-Lübben 5, 371b fälschlich als „ missachten " angeführt. 



66 

Luth. 12. 355, 27 W.: wenn man böse wort verhör et y böse und un- 
recht versehen kan (negligere, überhören, yerzeihen). 

Thttmmel 2, 80: sie haben verhört, öder vergessen, was ich ihnen eben 
in diesem augenblieke erzählte (überhören, nicht hören). 

Spielhagen Plattland 3, 86: 5te haben sich nicht verhört, herr baron: 
Zempin und ich (anrichtig hören). 

tferhören mit dem doppelten Sinn „Aas wendiggelerntes her- 
sagen lassen^ nnd „unrecht hören ^ ist im Brem.-Nieders. 
(wb. 2, 659) und Altmärk. (Danneil 85) gebräuchlich. Das 
Pomm. kennt „sich erkundigen nach^ (Dähnert 521), das 
Schweiz. , aufspüren, erhören" ( Staub -Tobler 2, 1574); 
ähnlich verwendet die Jägersprache verhören, verlusen: „das 
Wild aushorchen, aufspüren* (Heppe 379, Kehrein 304). Im 
Rotwelschen bedeutet verhören „ fangen ** (Kluge rotw. 130), 
während „verhören, gerichtlich vernehmen*' durch verUmen, 
verschmaien (ebd. 346, 387), „Verhör* durch verlena, verUrus^ 
verschmaihe (ebd. 259, 332, 346) wiedergegeben wird. Heute 
lebt neben dem schriftsprachlichen verhören in einigen Mund- 
arten behören als „abhören, gerichtlich vernehmen* (Hittm. 46, 
177, 225); erhören steht zu verhören im Gegensatz, als „etwas 
zu hören bekommen* gegen „nicht hören* und „einen wohl- 
wollend anhören* gegen „gerichtlich verhören*^). 

Dem versehen, verhören schliessen wir ein versprechen, ver- 
schreiben an. Während wir heute versprechen fast nur in der 
jungen Bedeutung „geloben, sich verpflichten* gebrauchen, ist 
es in den jüngeren Sprachperioden sehr vieldeutig und sinnlicher 
verwandt (vgl. damit got. faurqipan S. 10). 

versprechen: sprechen — bestimmen, beanspruchen, geloben 
— verteidigen — versagen, verschmähen, verleumden, ver- 
dammen, behexen, beschwören — sich zum Schaden sprechen, 
falsch sprechen. 



^) Die Verwendung von verhören ;,fürs Hören verhranchen, aufwenden" 
ist ganz wie versehen S. 63 Anm. gebildet: 

Thumeisser, von wassern 45: dann es sind lieblich, schone wort, ich 
hob vil gülden dran verhört. 

Leopold, Die Vorsilbe ver- 6 



66 

ahd. Gl. I 218 R. furisprOiho : orator >). 

II 287 b furispröhhan : deliberatum. 

Das ^ heraussprechen, besprechen", an sich farblos, kann 
positiven oder negativen, gehässigen oder freundlichen Nebensinn 
entwickeln. 

N. I 225, 21 P.: uuio boetius . . uitds incusans farhrnam ünde ata 

philoaophia disfersprdh (von der Anklage lossprechen ~ sprechen 

für, verteidigen)*). 

I 64, 16: übe fortuna sih silbün sus f er sprachen uublti : pro se 

loqneretar. 
0. IV 24, 20: ÜUe hiskofa zi nöH firsprdchun tho He UuH (das 

Wort nehmen für). 
N. I S^y 15 P. : mit uuelero uertröstedo . . ih f er spräche tie ünscuMe : 

defenderim innocentiam. 

Gl. IV 27 b firsprach : abnuit. 

I 545 a uiraprahsih firsprach widiraprah : renantiavit. 
0. I 15, 44: tMe ungHovJbige thie dböhont iz alle, firspr^chent io 

zi nöH tMo lountarlichun daU (leugnen). 
Gl. II 547 b fersprochina : damnata. 
N. II 24, 22 P.: inannölichen leidot dar aide fersprichet dar sin 

canscientia (beschuldigen, anklagen). 

Vielleicht können wir in der folgenden Verwendung einen 
Vorläufer unseres verspracÄen „promittere** erblicken (oder be- 
deutet es nur „ sprechen, fortsprechen"?): 

N. I 238, 6 P. : so medicus infirmo säget, mit uuiu er genisen söl . . 
ünde iöh füresprichet: däz tst Signum recuperandae sanitatis : 
at medici sperare solent. 

Das mhd. bildet mehr die positive („bestimmen, verteidigen"), 
das mnd. mehr die negative („verschmähen") Seite heraus. 

mnd. Ostfr. L. R. 11, 289: madh mit syner rechten hand aüe syn gmt unde 
reckt vorwedden und mit synem munde verspreken : spondere. 

Lttb. R. 292, anm. 11: nene vnmundighe vrouwe mach vorspreken ere 
gudt sunder erer negesten vulbordt (bestimmen, verfügen über). 

Z. f. Nieders. 1878, S. 140 (a. 1389): den en schal neyn kopman vor- 



*) Die ungeschwächte Form bleibt im Nomen bis ins nhd. (vgl. S. 40 
Anm. 4): 

mhd. vür spräche^ vür-{vor-)sprec}i£, vürsprecl^en, vür-{vor-)spr'eclier, mr- 

sprechunge (Lexer 3, 610 f.). 
*) got. Lc. 14, 19: habai mik faurqißanana : f/^ jue naQsrrfin^yoy (S. 10). 



67 

spreken^) eder vardeghedingen weder den meynen kopman (ver- 
teidigen). 

Eccles. f. 174b: werd toelk snoide word ghesprohen . . . dat werd vor- 
sp rohen vnde vorsoinet vüüen drade (entschuldigen — widerrufen) *). 

Qerh. v. M. 39, 4 : deme umlve rutoeden sine sunde . . unde up dat al 
vor sprühen toorde, wat he oveU ja beginh . . (dass.). 

Magd. Seh. Chr. 14, 7: dat Diderih mtn vrunt ei, voreprehe ih nicht 
(leugnen). 

Eomer 56 d: de heyserynne begvnde den heyser honUhen to vor- 
sprehende (schmähen, verhöhnen)'). 

Hanov. Mscr. I 84 S. 468: vorsprik eines andern wäre ni(ht (herab- 
setzen). 

Wolf. Mscr. 23, 3, f. 41b: weTkeme kynde men se (verbena) vmtne 
byndetf men mach id nicht vorsprehen (behexen). 

Josef 7 Tods. 777: wo he sih vorsprah, . . he mende, he were god 
(sich überheben). 

Leibn. 3, 185: de olde bysprohe wart do whar: dat men sick so drade 
vorsprickt, cdse vorwercket (falsch sprechen), 
mhd. Apoll. 6839: deu hdchzit wart versprochen über vier wochen (fest- 
setzen). 

Vintl. 4001: wenn ainer ain ding nicht halty das er verspricht. 

Chr. 5. 133, 6: also mit kurtz versprach ich mich zu im und ward 
sein diener. 

Chr. 4. 178 anm. 3 : item 100 gtddin haben wir gd>en den heren von 
Baym an 800 gtUd., der man sich gen yn versprochen haut. 

Hätzl. 1. 7, 68: in triuwen ich mich dir versprich (sich verloben). 

Kulm. r. 3, 120: daz gelt mag nA,man;t vorsprechen vor dem tage 
(beanspruchen, einfordern). 

Mühlh. rb. 36, 30: einen diep versprechen mit gerihte (seine Fest- 
nehmung beantragen). 

Griesh. 1, 60: diu werc der erbermherzikeit für sprechent dem 
menschen (vorsprechen, verteidigen). 

Reinfr. 2773: ich wil uns aile hie für sprechen. 

Parz. 524, 30: der künec Artus mit einer wide woltz gerne hdn ge- 
rochen, het ich dich niht versprochen (eintreten fttr, entschuldigen). 

j. Tit. 1413 : i€h weiz an im die triuwe, daz idi in (üler wandet muoz 
versprechen (lossprechen von, entschuldigen). 



') Schiller-Lübben 5, 456 b setzt hier sicher mit Unrecht betontes Präfix 
an und schwankt in der Bedeutung „entschuldigen, widerrufen" zwischen 
betontem und unbetontem (457 a b). 

») Dazu brem. wb. 4, 971 .lästern*' (veraltet). 

5* 



Chr. 4. 335, 10: da baUma in, das er die stat v er Sprech gen dem 

hapst, ob si verclagt wurden. 
Chr. 2. 281, 24 : der vorgenant Schreiber sol . . schreiben, wer für sie 

verspricht^). 

En. 328, 16: her hete es gerne errodien, wan daz ee was versprochen 
(var. ertprod^, das es niht solde wesen so*). 

Nib. 16, 1 : nu versprich es wht ee sere (verreden). 

Parz. 450, 2: ungern ich das verspräche, iöhn holt ein hus durch 
suone da (ableagnen). 

Parz. 816, 27: ai die gote d*n muostu durch si versprechen (ab- 
schwören). 

Chr. 8. 148, 19: si versprach den heiser durch got, wände si kiusche 
wolte bliben (zurückweisen). 

übr. Wh. 198 a: sich der krönen versprechen (verzichten auf). 

Malag. 24a: ich Mn minenbrüder versprochen vor allen den herren 
zu einer schände (beschimpfen). 

Berth. 1. 215, 20: die unvertigen Hute unde versprochenen Hute, 
die schedelichen sint der kristenheit (verleumderisch). 

Berth. 1. 105, 13: das er sich überhaben hate gein gote unde sich 

aiso versprochen hcete (sich überheben). 
Parz. 114, 23: sU i<h mich versprochen hän und an mir selben 

missetän (ungebührlich sprechen). 
Ssp. 1, 60: ab Tier sich verspricht, des her si<h nicht erholen mag 

(unrichtig, falsch sprechen), 
nhd. H. Sachs Ndr. 26 S. 11 : ist euch die süss Heb worden bitter, die jr 

doch vor mit süssen worten versprochen Tiabt an aUen orten 

(rühmen). 
A. Gryph. Ndr. 3 (Herr.) S. 27: was ich der Jungfrauen versprochen. 
ebd. S. 28: mit diesem handscMag v er Sprech ich mich auff ewig die 

segne su seyn. 
Lessing 1, 542: jenem, mein frätdein, versprachen sie sich (zur Ehe). 
Mörike 6, 247 (Hesse): den nächsten entscheidenden Vorschub aber . . 

versprach sich madame Moeart vom erfolg der netten oper 

(erhoffen). 

H. Sachs Ndr. 26 S. 121: so Ihut auch niemandt mich versprechen 
(eintreten für). 



') Es ist möglich, wenn auch nicht wahrscheinlich, dass sich verspredten 
„spondere'^ aus diesem versprec/ien für einen entwickelt hat, indem das Ein- 
treten für einen als Gelöbnis aufgefasst ward. 

') An solchen Stellen, wo ein negativer Satz folgt, hat sich der negative 
Sinn auf das Verbum übertragen (, sagen, dass nicht . . > versagen'). 



69 



Octavian C 1 : sag deiner frawen känigin, ich wöü jr für echaden 

versprechen. 
Pauli schimpf 208: die fraw versprach sich, sie woU ahoegen tun' 

schuldig sein (sich entschuldigen). 
Logau S. 226 Eitner (kl. ausg.) : Clauaw hält, was er verspricht, 

gibt es nun und nimmer nicht (geloben — abschwören : Doppelsinn). 

Opitz 2, 434: die Barbarey hob ich, mich Barbara, versprochen 

(abschwören, entsagen). 
Luth. Ndr. 28 S. 42 (Adel): hat ersz aber in der kranekheit gelobet^ das 

man dieseXben gelübd vorpiette, vorspreche (untersagen). 
Luth. 9. 538, 1 W.: das wir nicht vorzagen, . . wan uns die gancs 

wdU vorspricht (zurückweisen, beschimpfen). 
Luth. 6. 14, 29 W. : mit fluchen, mit klagen, mit sehreyen, mit richten, 

mit verdammen, mit versprechen (verleumden). 
A. Gryph. Dornrose 90, 23 Palm (1855): ich kon wachs gissen, iche 

kon de Uut massen, iche kon 's feur versprechen (beschwören, 

bannen). 
Wencel Scherff er bei Drechsler Germ. Abh. XI S. 248 : bald mit er- 
hitztem stahl er ihm das blut verspricht (beschwören, besprechen) ^). 

A. Qryph. Dornrose 101, 19 Pabn: gestrenger herr schcUze . . iche 
versprach mich, ich brenge keene füknacht. 

In einigen Mundarten (ausser dem Schlesisch. noch im 
Henneberg. -Thfiring. bei Spiess 269 bezeugt) lebt versprechen 
als „besprechen, beschwören, durch Schwören bannen', in der 
Schriftsprache ist es durch besprechen verdrängt. Es erklärt 
sich wie besprechen als „über einem Dinge die Bannformel 
sprechen, sprechend bannen" ^. 



^) In Schlesien ist das „Versprechen*' ganz heimisch. Tgl. Mitt. d. Schles. 
Ges. f. Volkskunde Heft Xni S. 108: versprechen und waffensegen . . dass 
in Bosenau bei Liegnitz vor 25 jähren leute um das feuer geritten sind, um 
es zu versprechen. — ebd. XTV 86: zaubermittel gegen krankheiten umd 
leibliche schaden, besonders das versprechen (sympaihie) . . . ebd. 87: er 
hohe fürchterlich viele warzen auf der hand gehabt, die habe er durch „ver- 
sprechen" weggeschafft, ebd. 88: als die aUe Ootiwalden noch magd war, 
da hat ihr eine alte frau . . . eine flechte so versprochen, und es hat ge- 
holfen, ebd. 91: der alte Gottwald verspricht die rose mit folgendem 
Spruch usw. 

^ Vgl. nnten verbannen. Nur so ist za erklären, dass es einmal „ein 
Übel anhexen** and dann ,das Übel weghexen ** bedeuten kann, wenn es ur- 
sprfinglich die Anschauung „über etw. hin sprechen** yertritt. Die synonymen 
Bildungen verspreihen, verrufen, verwünschen, besprechen, berufen, bereden 



70 

In negativem Sinne bedeutet versprechen „bestreiten, ver- 
weigern" im Schweiz. (Staub-Tobler 1, 907) und „verwerfen** 



beschreien hat dann die sprachliche Entwicklang derart geschieden, dass ver- 
sprechen ^ besprechen die Heilung, die übrigen das Verhängen des Übels 
bedeuten. Letzteren hat sich die analoge Bildung versehen zugesellt. 
Bei verhexen, verzaubern, behexen, bezaubern einerseits, versegnen ander- 
seits aber liegt die Bedeutung schon im Simplex ausgedrückt, vergraben, 
vernageln, verpflöcken, verenden haben von Hause aus den Sinn j,das Übel 
festbannen^, der dann begreiflicherweise, wohl durch die /ra-Type vertreiben 
befördert, in die Auffassung „das Übel wegbannen, bannend beseitigen^ um- 
schlägt. Für das hier Gesagte einige auch stofflich interessante Beispiele. 

a) „ein Übel anhexen'': 

Zeitschr. d. Ver. f. Volksk. 1901 S. 321: sie sah die brote any stridi 
mit ihrer hand über sie hin, ntm loünsche ich ewh glück, spra(h sie, 
zu der arbeit! und die leute tneinten, sie habe dadur<h die brote 
„versehen" (der böse Blick in nordischer Überlieferung, vgl. S.62). 

Mitt. d. schles. Ges. f. Volksk. XIII 56 : wenn die mutter ihrem Säugling 
24 stunden lang nicht die brüst gibt, so kommt derselbe, wenn er 
erwachsen ist, dadurch in die unangenehme läge, wider seinen willen 
menschen und vieh „verrufen" zu müsssn. 

Zeitschr. . . . 1901 S. 362: beese menschen hatten mit den topp unn die 
injeseefte wasche den stall verhext (Berlin). 

Keisersberg emeis 66: das kind, das es also verzaubert ist, also 
kranck, also lam. 

Brief der Göchhausen bei Goethe 11, 281 (Hempel): bis in gewissen 
bergklüften der grosze karfunkel gefunden würde, dem das ver- 
zaubert war, was ihnen aUen fehlte (anzaubern). 

b) „das Übel bannen": 

Drechsler, Sitte, Brauch und Volksglaube in Schles. 141: wie ein 
lebendes wesen erscheint das feuer femer aufgefaszt, wenn man es 
dreimal umläuft oder umreitet und dabei bespricht oder ver- 
spricht 

Ältester Beleg Anf . 14. Jahrb. (schles.) Bresl. Egl. u. Univ.-Bibl. cod. 
Ms. IV f. 60 Bl. 66 rb: nö wiU du daz blut vorspche so spch dese 
se (folgt ein Longinussegen). 

Drechsler a. a. 0. 277: man sucht die krankheiten durch besprechen 
{d, h, durch sprechen geheimer formein und gebete über dem kranken 
oder über dem kranken körperteile zu bestimmter zeit) oder still- 
schweigend durch segnen, versegnen . . oder durch verspinden zu 
vertreiben . . . Spruch und handlung werden meist dreimcd und unter 
Verwendung des kreuzzeichens angewendet. 

manche krankheiten wird man los, wenn man sie auf andere 
menschen oder auf tiere oder auch auf pflanzen . . durdi ver- 
spinden, verpflöcken, durdmefien . . überträgt. 



71 

im Schwab, (v. Schmid 503); hier sind sogar die seltenen Be- 
deutungen „Antwort geben ^ und „für einen andern Erlaubnis 
nachsuchen" (ebd.) bezeugt. Im Frankfurter Dialekt bezeichnet 
versprtich „Verlobung" (Askenasy 68). Zur /air-Type neigt das 
pomm. sik verspräken „sich durch Sprechen aufmuntern" (Dähnert 
267). — Die Gaunersprache gibt „falsch sprechen" durch ver- 
flicken (Kluge rotw. 458) wieder. Mit besprechen berührt sich 
versprechen in der Bedeutung: 

„sprechen über etw." (ver- nur ahd., 6c- noch nhd. Hitt- 

mair 62). 
„verabreden, bedingen, beanspruchen" (ver- fehlt ahd., 

beide nhd. vertreten, be- Hittm. 37, 63, 208). 

„beschuldigen, anklagen" (ver- nur ahd., doch später in 

der ähnlichen Bedeutung „verleumden", be- Hittm. 192). 

„durch Schwören bannen" {ver- erst nhd. mundartlich, in 

der ähnlichen Bedeutung „verhexen" mnd., be- Hittm. 64). 

Die Bedeutungen „verteidigen, versagen, falsch sprechen" sind 

ver- allein vorbehalten. Die nhd. Umgangssprache beschränkt 



ebd. 278: der Wunderdoktor ritzt dem kranken mit einem federmeaser 
die haut, tupft das hlut mit watte oder einem läppchen ab und 
verapindet es in einen bäum im neumond . . . man bohrt flir den 
kranken ein loch in einen bäum, tut die krankheit hinein und ver- 
schlieszt das loch mit einem pfropfen; iiberwächst dieser, so 
gesundet der kranke (mlid. spint junger , weicher Holzstoff zwischen 
Rinde und Kern, Lexer 2, 1098). 
Die faur- : /air-Type verspinden , einsperren , festbannen '^ geht dann zu der 
Bedeatang „bannend beseitigen'' (/ra-Type) über: 

ebd. 279: man kann die krankheit aus jedem körperteil verspinden^ 
wenn tnan diesen durch eine gespaltene junge eiche steckt . . . krat^- 
heiten werden femer vergraben. 

Zeitschr. . . . 1900 S.338: vernageln der zahnschmereen. seine zahn- 
sdkmerzen los zu werden, nimmt das volk gern einen nagel, berührt 
den kranken zahn damit und schlägt dann den nagel in einen 
bäum ein. 

Mitt. d. schles. Ges. f. Volksk. IX 83: die gesichtsrose wird häufig 
versegnet . . . wenn eine feuersbrunst ausbricht, da ist es auch 
sehr erwüns<hty dass jemand, dessen versegnen das feuer zu 
bannen imstande ist, erscheine und helfe . . . 

Zeitschr. . . . 1894 S.448 (17. Jahrb. Schweiz.): versägneter zädel . ., 
darinn . . gantz vnbekannte characteres vnd zeichen . . geschriben 
waren. 



72 

den Umfang von versprechen auf „geloben^ und das refl. „unrichtig 
sprechen^, die jüngsten Bedeutungen, während sie die im ahd. 
vertretenen fallen lässt. Zwischen den anfangs ihrer Bildung 
nach synonymen Kompositis verreden, verrufen, versagen, ver- 
sprechen findet im Laufe der Entwicklung der Ausgleich derart 
statt, dass verreden und versagen den abweisenden, verrufen den 
gehässigen, versprechen den bestimmenden Sinn Übernimmt, ver- 
teidigen aber nimmt dem nun ganz entlasteten versprechen die 
Bedeutung „fOr einen eintreten^ ab. 

Ganz analog zu versprechen ist verschreiben gebildet worden, 
das dem ahd. ^) und as. noch fehlt. Von der Anschauung „auf- 
schreiben, verzeichnen ** bildet es in sich auf der positiven Seite 
parallel zu vorschreiben , ausschreiben den Sinn „mitteilen, er- 
suchen, verordnen, bestellen, vermachen, sich verpflichten (: ver- 
sprechen)^ heraus, auf der negativen „abschwören, ächten' 
(: proscribere). In einer dritten Richtung entwickelt es sich zu 
„einkommen, eintreten für'. Dazu tritt im nhd. sich verschreiben 
„unrichtig schreiben'. 

verschreiben: aufschreiben, beschreiben, verzeichnen — 
mitteilen, ersuchen, verordnen, bestellen — vermachen, 
sich verpflichten — einkommen, sich schriftlich ver- 
wenden für — abschwören, verzichten auf, ächten, 
berauben — unrichtig schreiben. 

nmd. S. H. L. Jahrbb. 2. 282, nr. 2 : wm merckliker zdke wegen . , der wi 
juw nicht vorschriven honen (mitteilen). 

Westphal. 3, 1763 (a. 1473): vnser een schal den anderen to rechte 
vorbeden und verschrieven unde . . besenden unde helpen (auf- 
bieten, bestellen, aasschreiben). 

Nies. Münst. Urk. 6, 43: voraetten und vorschriven, 
6, 49: vorsegelen und vorschriven, 
Lüb. Urk. V, S. 615 (a. 1416): älse vnsi rad sik vorscreuen vnde 

vorboden heft . . . (sich verpflichten). 
Lüb. Chr. 2, 401 : dit clagede se creme broder , Tieren van Sassen . . de 

vorscref de domvrouwen (sich verwenden fttr). 



*) Statt verschreiben „proscribere" verwendet das ahd. verbriefen: 
Gl. II 92 a forbriewit td : proscribatnr. aengl. forscrifan „condemnare, 
proscribere", Bosworth-ToUer 316 b. 



78 

Renners Brem. Chr. 2, 87 b : wo dusse gefangen vor apehbare seerovers 
uihgeropen und vorachreven werden (proscribere). 
mhd. Such. 38, 281: dar umb so verschreib ich dir den gemainen nute 
aüer weit (aufschreiben). 

Such. 41, 363: von dem chaisir Augueto gie ein gepot man soU ver- 
schreiben M die weit (verzeichnen). 

Chr. 4. 180, 4 : aüez daz das oben an dem brief von wortt ze wortt 
begriffen und versehriben ist (geschrieben). 

Chr. 3. 345, 17: als ir uns versehriben und gebetten habt, ewch 
wissen ze lassen^). 

Chr. 2. 1, 359, 16: der , . versehr aib künigen undfursten . . umb hüf. 

Chr. 4. 239, 20: die von Strauszburg versehriben von aU stött umb 
puchsenschuteen (aasschreiben, bestellen). 

Loh. 3500: daz wart versehriben mit eiden vestediche (vermachen). 

Chr. 1. 194, 26 : daz wir nymmermer von dem reidie hingeben, versetzt 
noch versehriben süUen werden. 

Mz. 4, 107: die gtdte verschicken und versehriben (abtreten). 

Herb. 930: so muzet ir vurscriben alle wtp (abschwören). 

Ad. 1251 (a. 1405): verschribener ahter. 

Elis. 424: di ir ?iat alsw verdriben, ir gudes gar versehriben 

(berauben). 
Elis. 455: die frouwe sich verschreib werltUcher sadie (verzichten auf), 
nhd. Th. Platter 94 Fechter: daz ist verschrieben in den vier evangeUsten 

(aufschreiben). 
Mathes. Sar. 58b: ^ lesset es (Lehen) im ins bergbuch versehreiben, 

macht ein gewerkschaft auf 128 kux. 
Opitz Lobges. III 231 (1690): Äugustus grosz von madit hat under 

die gewält Judeen auch gebracht, der diese gantze weit das erste 

mal verschrieben (aufzeichnen). 
Keisersberg schiff d. p. 2b (1512): wir sind warlidh versehriben 

ewige burger der selbigen statt (bestimmen). 

Uhland Volksl. 1 , S. 282 Reclam : dasz er (heiser Maximüian) dem 
frewUn ausz Britannia heimlich versehriben hat (mitteilen). 

Lohenst. Agrippina 1, 552 : so wolle nun mein fürst den mördem gifft 
verschreiben, das sie auff uns gekocht (verordnen). 

Goethe an Prau v. Stein I 110 (27. 8. 1777): ein messer hob* ich ver- 
schrieben, bleibt aber aus (bestellen). 

Goethe 43, 217: dasz ein getcisser Jacob Sansuino, bei dem er in der 
lehre gestanden, ihn verschrieben habe (schriftlich beordern, hin- 
befehlen). 



*) Aus solcher Verbindung hat verschreiben den Sinn ^ ersuchen, ver- 
ordnen' erhalten. Die Bedeutung „schriftlich einkommen für einen'' ist aus 
dem Nomen Vorschrift „Empfehlungsschreiben'' (Lexer 3, 608) zu erschliessen. 



74 



Uhland Volksl. 1, 271 Reclam: wolt euch mein gut verschreiben. 

H. Sachs Ndr. 26 S. 55: ein testament, (ktrinn er vns sein hob ver- 
schreibt. 

Keisersberg schiff d. p. (1512) 2b: disz ist unser stat, die unsz ver- 
haissen ist und berait, dar tzü verschriben. 

Kirchhof wend. 1, 497 Ost.: sie . . verschriben sich desz mit irem 
eigen blüt (sich zu etwas verpflichten). 

Schiller 12, 128: vir setzen einefomiel auf, worin wir uns dem herzog 
insgesammt verschreiben, sein zu seyn mit leib und leben. 

Luth. brief. 3, 247: Utt ich u/nterihäniglich E. K. F. G. wollte noch 
einmcU den armen mafi verschreiben (einkommen, sich schriftlich 
verwenden für). 

ebd. 5, 681: ich wolte ihn an E. F. G. verschreiben und bitten . . 

ebd. 5, 1: bittet durch viel guter leut€ furbitte, ich solle ihn gegen 
E. F. G. verschreiben. 

H. Sachs 8. 414, 18 Keller-Götze : gar leichte ursa<:h er offt fundt, das 
er ein verschrieb ins elendt 

Spielhagen Plattland (Werke 15, 119): ihr herren untereinander pflegt 
euch in derlei dingen nicht zu verschreiben (sich im Schreiben 
irren, falsch schreiben). 

In den niederdeutschen Mundarten lebt verschreiben haupt- 
sächlich in der positiven Bedeutung: als vorschreven „aufge- 
schrieben, vorerwähnt" im Brem.-Nieders. (wb. 6, 291), als 
„kommen lassen, bestellen" im Pomm. (Dähnert 526), als „ver- 
schreiben, vermachen" im Götting. (Schambach 266). — Der 
gehässige Sinn tritt ganz vereinzelt hervor im Brem.-Nieders. 
„schriftlich anklagen" (wb. 4, 697), im Schles. „ächten* 
(Weinh. hs. S 228) und im Kärntischen varschriebn „protestan- 
tisch" (Lexer 226, DWB. 1156), dem ein tiroMsches verschrieben 
„verloren" (Schöpf 647) zur Seite steht. Indessen hängt es 
vielleicht mit dem Toleranzedikt Josephs II. zusammen und ist 
als „fürgeschrieben" aufzufassen (Lexer 226). 

Die in der heutigen Umgangssprache ganz untergegangene 
Bedeutung „ proscribere " scheint die älteste zu sein. Denn 
die ersten Belege entstammen dem aengl. (forscrifan, faretvrUan 
proscribere, Bosworth-Toller 316 b, 309 b) und sind von hier aus 
vielleicht nach Niederdeutschland eingedrungen. Analog einem 
versprechen „verhexen" ist im aengl. belegt bül forscrifan „die 



76 

Waffe durch eingeritzte Zeichen verhexen" (DWß. 1156). Die 
Gaunersprache gibt „verschreiben, unrichtig schreiben ** durch 
verhrctbbelen (Kluge rotw. 458) wieder. 

Auch verschreiben wollen wir mit beschreiben vergleichen. 
Beiden gemeinsam ist in frflherer Zeit die Bedeutung „schreiben, 
beschreiben" (Hittmair 167, 187), die verschreiben aufgibt. 
Dagegen räumt beschreiben den Platz als „kommen lassen, be- 
rufen, schriftlich abmachen, vermachen, überweisen" (ebd. 70, 
42, 63). Während beschreiben in nhd. Zeit die neue Bedeutung 
„umschreiben, beschreiben (Kreis)" erhält (ebd. 50), verengert 
verschreiben den Bedeutungsumfang und gibt wie versprechen den 
schützenden, gehässigen und negativen Sinn auf. Die Bedeutung 
„unrichtig schreiben" ist ein ganz junger Zuwachs, beschreiben 
(Hittm. 31, 40, 176) und erschreiben (Jakob XXX) berühren 
sich früher in der Bedeutung „vollschreiben, völlig beschreiben", 
die ich auch für verschreiben nachweisen kann ^). 

Am reichsten ausgebaut von allen t?er- Bildungen und uns 
heute am wenigsten durchsichtig ^ ist verset£ien. Entwickelten 
die bisher besprochenen vornehmlich den gebietenden und für- 
sorgenden Nebensinn, so veranschaulicht versetzen mehr den 
Übergang zu gehässigem und verweisendem und greift dabei in 
das Gebiet von fra- und /awr- II über. Es bedeutet: „vor- 
setzen, vorziehen, beibringen, ersetzen — als Pfand aussetzen, 
hingeben — festsetzen, besetzen, versperren — heraussetzen, 
parieren, auswischen — aussetzen, preisgeben (prostituere)" •). 

ahd. Gl. I 233 gl. K. furi »ezziu : propooo. 

I 633 b furisazii fursazie forsazzet : prefecisset. 
N. II 410, 4 P. : füresezzent »piritalia camalibus (vorziehen). 
T. 72, 1: andera ratüsa furisazta*) her in vnH ^rttod : proposoit 

Ulis dicens. 
T. 44, 7: ezente inti trinkente thiu man itmih furisezze : qaae appo- 

nantur vobis. 

Gl. IV 237 b fura^tzo : obpignero. 



») Zeitschr. d. Ver. f. Volksk. 1894 S. 448 (17. Jahrh. Schweiz) : sonder- 
bare, mit fftcüssen zeichen wnd tc orten . . verschribne zädel. 
<) Bas zeigen die verfehlten Deutungen im DWB. 1283 ff. 
*) Als „einfügen, vermischen, verwandeln* ist versetzen /aiV-Type. 
*) Dieses fwri- in fester Rompostion musste sich schwächen. 



76 

IV 206 b farsezon : oppigrnero. 
I 406 a sihfarsaztun sihfersaztun : se locaverant. 

Gl. I 530 a fir setztos fursaziust farsazios : defixisti. 

Gl. I 784 a vurisezis : exponis. 
I 321 a firsazta : exposoit. 
I 645 a firsaztos farsaztos : exposoisti. 
I 645 a firsezzidi vursezzide ; prostitationis. 
II 444 a firseze varsezzcmh : prostitaat. 

Reichere Belege, wo stets angeschwächte und geschwächte 
Form in allen Bedeatnngeu sich entsprechen, sind uns bei keiner 
ähnlichen Bildung beschert. 

mnd. Hanov. St. R. 364: were oh der schedelude tcelk dod, den mochte men 
versetten mit enem hederven manfie (ersetzen). 

Ssp. I 20 Gl.: we eyghen is edder vor gerichte vorsettet is, d€ mach 
nicht eyn strytliker lidder werden (versetzen, verpfänden). 

Schlesw. St. R. 1: deme scolde men nene wcUt don, eer men ome vor- 
sette tiid vnde stede vrig to antwordende (praefigeretor, festsetzen). 

Falck, Staatsb. Mag. 9, 704: eine ewige sone vnde vrede mit segden 
tho vorsettende (festsetzen, besiegeln). 

Körner 212 d: swnder de loint vor sette ene myt der vlote (aassetzen, 
verschlagen), 
mhd. Pass. K. 407, 53: des wü ich dir versetzen mine wärheit (entgegnen). 

Crane 393: daz wil ich dir versetzen wol mit gehen (ersetzen). 

Münch. r. 296: der den andern versetzet ze purgen (als Bürgen ein- 
setzen, bestellen). 

Parz. 614, 23: mine triwe ich hom versetzet gein im üf kämpf ze 

riten (einsetzen, verpfänden). 
Parz. 365, 6: daz herze ist rehter minne ein pfant, also versetzet 

und verselt 
Ls. 3. 327, 30: die beckelhübe umhe win versetzen^). 

Griesh. 1, 157: so hetrahte und versetze gar wol waz du wert sigest 
(festsetzen). 

Chr. 5, 283 anm. 2: mir sol auch furo hin . . gantz verholten und ver- 
setzet sein (verwehren). 

Kalm. r. 3, 138: di koufkamir adir dajs erhe werde denne vorsazt von 
des zhxsherren weine vor sinen vorsessenen zvns (mit Beschlag belegen). 



^) Dazu vürsaz „Pfand, Einsatz" (Lexer 3, 607) ; vürsetzer „Pfandnehmer* 
(ebd. 3, 608) ist besser als „Vorstrecker des Pfandgeldes, Ausleiher, Wucherer" 
zu erklären (daneben versetzer ebd. 3, 227 und versdz 3, 210). 



77 

Kehr. 11939: ich Ute mit den neteen eine maget versetzen (aufhalten, 

festnehmen). 
Lit. 222, 5: die mir den wec verseteent (verlegen). 

Wölk. 96. 3, 22: erbrich des teuf eis sper, sein ger versetz im (aus- 
fallend parieren). 

Narr. 112, 22: su/nder all cmlouff mit der hcmdt versetz (den Hieb 
heraussetzen und damit den des Gegners parieren oder dem Qegner 
eine Wunde beibringen). 

Jer. 9063: libvr menlich stritin, wen daz wir uns vorsetzin und Idzvn 

diso letzin . . (preisgeben). 
Hohenf. Bened. Reg. (13. Jahrh.) zfda. 16. 232, 11: man sol . . dt 

armen laben . ., Cristis minne nit fursezze (preisgeben). 
Such. 21, 115: den versatzt und Jen betrogen. 

Die Wendung: den pack mit dem sckutzpret versetzen^ das 
wazzer mit diUen versetzen oder sweUen (Tuch. 225, 20. 23; 
198, 22 a. ö.) bedeutet zunächst „durch Vorsetzen des Brettes 
aufstauen^, gelangt dann aber mit Beziehung auf die /air-Type 
versetzen („umsetzen, ändern") zu der Bedeutung „durch Aufstauen 
nach einer anderen Richtung ableiten". Ebenso daa waeeer 
ver stein (Heum. 250), verwern (Oest. w. 298, 10): „durch ein 
Wehr aufstauen und ableiten". 

Der Gebrauch von versetzen „entgegnen" entwickelt sich 
erst im nhd. Die Lexikographen des 17. Jahrhunderts ver- 
zeichnen ihn, ohne seine Herkunft erklären zu können, und 
auch keinem der späteren ist dies gelungen (die jüngste 
Zusammenstellung im DWB. 1294 f.). Nach Frisch 2, 270 c 
„haben einige versetzen fflr beantworten oder wieder antworten 
aufgebracht". Adelung 4, 1138 wendet sich mit Recht gegen 
die Ansicht, dass es eine empfindliche, beissende Antwort 
bedeute. Sie rührt von den vergeblichen Bemühungen her, die 
Bedeutung „entgegnen" aus „parieren, einen Hieb versetzen" 
abzuleiten. Vermutlich ist die richtige Erklärung deshalb noch 
nicht verzeichnet worden,' weil sie zu einfach ist. Bei 
versetzen muss „die Vorstellung einer wirklichen mündlichen 
Rede und Gegenrede schon im Satze gegeben sein", es wird 
„nur bei der Schilderung eines Gesprächs gebraucht" (DWB. 
1294 f.) und zwar eines lebhaften. Es hat zwar denselben 
Ursprung wie „parieren, einen Hieb versetzen", aber seine 
Entwicklung läuft von vornherein selbständig daneben her, 



78 

nicht darüber hin. Es bedeutet „die Worte heraussetzen*', mit 
Bezug auf vorherge&usserte „entgegnen", aber ohne jeden ge- 
hässigen Sinn^). 

nhd. P. Fleming (1666) ged. 48: der ehren kind, der preisz versetzt dir 
einen krantz, den trägt dir das geriichte auch UM entgegen schon 
(beibringCD, reichen) *). 

Schiller 11, 231: doch wam^ ich dich, dem gliiclc zu trauen, versetzt 
er mit besorgtem blick, '' 

Mörike 6, 257 (Hesse): „geschehn?" versetzte der gemM. 

Sir. 29, 20: vergisz nicht der wolihat deines bürgen, denn er hat sich 

sdbs für dich versetzt (sich verbürgen). 
Gotthelf werke (1857) 20, 12: aber da hätte es sich hoch und iheuer 

versetzt, in einer kirche sehe es niemand mehr (sich verbürgen, ver- 
schwören). 
A. Gryph. (1698) 1, 442 (Papin.) : dem fürsien ward das pf and der treu 

hinauf versetzt (Sohn als Geisel hingeben). 
Opitz 1, 54 (1690) : versetzen ihren halsz den icellen selbst zum pfände 

(aussetzen, aafs Spiel setzen). 
Bocc. 55 : der sich dem glücke nicJit mehr miderthenig machet, noch also 

mehr versetzen wolt (dass.). 
Nehem. 5, 3: lasst uns misere ecker, Weinberge und heiser versetzen. 
A. Gryph. Ndr. 6 (Horr.) S. 14: wir haben nichts zu verkauffen, nichts 

zu versetzen. 

. Schade sat. u. pasqn. 3. 2, 27 : dasz du (Adam) als ein künftiger vater 
viler Völker dine kitid so. mit untrüwe^i erbteü übei'laden, excigen tod 
versetzet mid verpflichtet (aussetzen, festsetzen). 

Lohenst. Armin. 1, 1310 a: hertzog Hermann hatte . . dieses ihor mit 
dem dritten theile der Hermundurer versetzt (besetzen). 

Goethe 14, 193: mir ist als ob die orgel mir den athem versetzte 
(benehmen, versperren). 



*) Es steht also dem obigen kratiz versetzen nahe, versetzeti „entgegnen' 
hat sein Objekt stets bei sich, nämlich die vorangehende oder folgende Ant- 
wort, deren enger Anschluss im ersteren Falle noch durch die Inversion ver- 
setzte er hervorgehoben wird. Ungewöhnlich ist etwas versetzen (vom leb- 
haften Gespräch auf Geschriebenes übertragen) bei 

J. Paul palingen. 1. vorr. XVI: ich will jetzt auf einige stellen deines 
briefes etwas versetzen. 

*) DWB. 1286 vertritt eine zweifellos falsche Auffassung. Die Berufung 
auf Adelung ist an dieser Stelle nicht angebracht; eineti kränz versetzen im 
Sinne von , flechten" ist doch etwas weit anderes als einem einen kränz versetzen. 
Dieses kann nur „reichen '^ bedeuten; vgl. ahd. T. 44, 7 apponere, proponere S. 75. 



79 

Schiller 1, 55: tcewn ich . . dich fühlen sah, was dir die spräche 
versezte. 

A. Gryph. (1698) 2, 384: wenn Boralice mich, die hurtige, ml jagen, 
versetzt Urame mit strenger liebligkeit den nicht mehr freyen lauff 
(verlegen, verstellen). 

Mathes. Sarepta 12 a (1517): vnd der grosse strudd, da die vier Juxupt- 
Wasser im paradeisz herausz quaJlen, sich versetzet, vnd vnter der 
erden sich weit von einander getheHet (sich festsetzen, verstopfen). 

Immermann Münchh. 2, 86 (1841): bei vielen dagegen versetzt sich 
das Walser (im Magen: sich festsetzen). 

ebd. 1, 129 : es ist immer schlimm, wenn die frauemimmer nicht heiraihen, 
oder keine Jcinder bekommen, denn auf Zärtlichkeit sind denn doch 
nun emindl die armen dinger durchaus gestellt, und die versetzt 
sich ihnen dann leicht, dasz sie entweder langweilige, empfindsame 
bücher schreiben, oder mit papageien und schooszhunden quängeln 
(sich festsetzen — sich verkehrt setzen). 

Schles. Ztg. 164. Jahrg. Nr. 127 Bog. 2: eine schwere eisversetzung 
hat sich . . oberhalb T, gebildet, die in der ganzen strombreite mehr 
als 5 hn, aufwärts geht, eine zweite gnvndv er Setzung lagerte bei P. 
in ebensolcher breite, mit rücksicht auf die grosze gefahr, die hieraus 
den deichen droht, wird zur beseitigung der Versetzungen geleistet, 
was in menschetihräften steht, auf weite strecken sind die deiche 
mit Stämmen belegt, um ein einbohren der eismassen in das erdreich 
zu verhüten, die sprefigarbeiten werden von geschulten leuten a/us- 
gefuihrt . . . bis heute nachmittag sind dadu/rch die grumdv er- 
setz un gen dwrchbrochen worden, und damit ist die gröszte gefahr 
beseitigt. 

Amadis 389 Keller: denn der ander nichts mehr thet, denn allein ver- 
setzen, und den schilt fürwerffen (dnrch Heraussetzen, Vorsetzen 
der Waflfe parieren). ' 

H.Sachs Ndr. 110/117 S. 453: wan sie waren paide hart wund, sie 
hetten mit dem kopff verseczt (parieren). 

Lohenst. Armin. 1, 1310 a: fiach dem dieser seinen (des Gegners) umrff- 
spiesz behutsam versetzt. 

Lehmann florileg. (1662) S. 152: der versetzt ein blosse hand wider 
ein schlachischwerdt (die Hand heraussetzen, entgegensetzen, mit 
der Hand parieren). 

Die folgenden Stellen zeigen den Übergang von „parieren" zu 
„eins auswischen, einen Hieb beibringen": 

Luth. 5, 524 a (im DWB. 1285): nw folgen erst die rechten waffen 
damit ioir dem feind versetzen, und jn zu rück schlahen müssen, 

Keisersherg von den 7 Schwertern cap. 1 : aber Christus der herr wöret 
sich mit dem wort gottes, zuckt das schwer t, versatzt jm wider. 



80 

Logau 2. 161, 10: schwerdter schaden, schwerdier nützen; nützen zum 
versetzen; schwerdter nützen, schwerdter schaden; schaden zum 
verletzen. 

Daraus entwickelt sich „einem eins auswischen, heraussetzen, 
eine Wunde beibringen" ^) : 

Garg. 213: er versatzt jm mit dem creutzstock so ein unsaübers. 
Goethe 60, 8: hastig zog er sein schwert, ihm eins zu versetzen. 
Goethe 50, 38: dasz ich dem kater und manchen gar manche tücke 

versetzte. 
Schiller 2, 47: ein sehwert . ,, dieser otterbrut eine brennende wunde 

zu versezen. 

Die Bedeutung „aussetzen, preisgeben" bedarf danach keiner 
weiteren Erklärung^. 

Logaa 3. 45, 37: die zunge braucht gesandten-recht, wil stets seyn un- 
verletzt; wiewol, was hertz jhr mite gab, sie manchmal sehr ver- 
setzt (hlosstellen). 

Logau 1. löö, 65: kan ich sie von dannen hetzen, dusz sie hut und 
schuh versetzen (preisgehen, im Stiche lassen). 

Logau 3. 49, 60: Flora Mt zwar wol die blüt jhrer jungferschafft 
versetzet (preisgeben, verlieren). 

H. Sachs 14. 218, 23 Keller -Götze: tüie meiner tochter ist miszlwngen, 
die nun ist ellendt und versetzt von dem Jüngling gar unergetzt 
(prostituta). 

Bisweilen berührt sich die Vorstellung „preisgeben, verschlagen" 
mit „sperren, verwehren": 



*) DWB. 1284 lehnt zwar die gezwungene Herleitung dieser Wendung 
aus der Bergmannssprache (Veith 537 anm.) ab, schwankt aber selbst zwischen 
der Auffassung „ parieren '^ mit Bedeutungsübergang oder „fest einfügen*^ 
(DWB. 1296). versetzen „parieren** hat nichts mit der VorsteUung des 
Sperrens oder Widerstandes zu tun (ebd. 1285). Beide Bedeutungen sind aus 
„heraussetzen, hinsetzen'' leicht zu entwickeln; vgl. dazu 

Schiller 3, 357: er wird . . dem mädel eins hinsetzen und führt sich 
ab, utid das mädel ist verschimpfirt auf ihr lebenlang . . 
Analog zu versetzen gebildet ist verfallen „beim Fechten den Stoss mit der 
Sekunde parieren '^ (Jacobsson 507). Deutlicher sagt die Fechtersprache aus- 
fallen, ausliegen, ausschlagen („parieren^). 

■) Also ist sie weder von „beiseitesetzen" (DWB. 1289) noch „ins 
Pfandhaus tragen" (ebd. 1292) herzuleiten; vgl. lat. proicio, prostituo. 
Ganz vereinzelt steht solch ein versetzen in dem Sinne „nicht achten, über- 
sehen, verzeihen": 

Erasm. laus stultitiae übers, von Franck 67 b : ich bit dich her, dz du 
versetzest die sü/nd dei^ies knechtes. 



81 

Fleming 1, 167 Lappenberg: das weiter \md der wind versetzt' euch 
euren lauf, dasz er auf so viel striche nach norden, seinen feind, 
ohn <icht des Schiffers wiche, 

versehen „unrichtig setzen, fehlgebären'' und sich versetzen „sich 
im Setzen der Lettera irren" (DWB. 1296 f.) kann nach ver- 
sehen, verhören, versprechen, verschreiben nur analogisch erklärt 
werden, da es als „hinaussetzen über das ZieP nicht gut auf- 
zufassen ist. 

In den lebenden Mundarten wie in den Berufssprachen 
spielt versetzen eine vielseitige Bolle: am weitesten verbreitet 
als „verpfänden", so im Wiener Dialekt (Hügel 181), im Götting. 
(Schambach 266), im Brem.-Nieders. (wb. 4, 773), im Kölnisch. 
(Honig 194b); vereinzelt als „preisgeben, sitzen lassen, kalt 
stellen" im Berliner Dialekt (Meyer 128 a), dem ein „verprügeln" ^) 
im Altmärk. (Danneil 239) nahe steht. Eine andere Seite von 
versetzen ist ausgebaut im Schweiz, „festsetzen, beschliessen " 
(Staub-Tobler 1, 906; Tobler, Appenzeller Sprachschatz 188) 
und Schwab, „als Verbot festsetzen" (v. Schmid 493); dazu 
vgl. „zu Protokoll geben" (Jablonski allg. lex. 814b (1721) im 
DWB. 1288). Für das Schlesische führt Weinhold hs. S 323 
an: „die freude versetzt einem das essen*' (verwehren). 

Von den Berufssprachen verwendet die Studentensprache 
versetzen „Geld auf ein Pfand borgen" (Kluge stud. 133) und 
„sitzen lassen, im Stiche lassen", die Gaunersprache den freier 
versetzen „den Geprellten loszuwerden suchen" und „im Stiche 
lassen^ (Kluge rotw. 377, 429), während sie „versetzen, ver- 
pfänden^ durch versencken, versenckeln, vermaschkin, verjaschtvin 
(ebd. 66, 169, 382) wiedergibt. Die Studentensprache gebraucht 
ausser versetzen noch verkeilen, verUoppen, vermauschdn, Verstössen 
in demselben Sinne (Kluge stud. 132, Zeitschr. d. Ver. f. Volksk. 
1896 S. 351). 

In der Jägersprache versetzt ein Tier, wenn es ein totes 
Junges wirft (Hoppe 311b, Kehrein 309, was Dähnert 526 im 
Pomm. auch von den Haustieren sagt). Es verkläffen, verUuften, 
verUüften oder versetzen sich Dachs und Fuchs, wenn sie sich im 



^) Der Berliner sagt eenen eens verwischen: j,einem eins auswischen, 
versetzen'' (Meyer 128 b). 

Leopold, Die VoTSÜbe ver- 6 



82 

Bau eingraben (Heppe 383, Kehrein 30B, 309); in der Bergsprache 
versetM man Stollen oder Strecken mit unhaltigem Gestein („aus- 
füllen* Veith 537) und erhält dadurch versetete berge^ die nicht 
zutage gefördert werden (Jacobsson 4, 530). Es gilt als straf- 
bare Handlung, durch solch Anhäufen von Gestein oder eine 
Zimmerung erzhaltige Strecken zu versetzen („verdecken, ver- 
bergen^ Veith 537. Jacobsson 4, 528) und damit andere zu hinter- 
gehen ; doch hat die Bergmannssprache nicht das Verdienst, damit 
die Redensart einem eins verseteen geprägt zu haben (Veith 537 
Anm., vgl. S. 80 Anm. 1). versaJtz bezeichnet das Auf-, Hin- und 
Festsetzen des unhaltigen Gesteins, versaJtzung eine Vorrichtung, 
um einen Zusammenbruch zu verhüten (Veith 534). Unter ver- 
sota des deutschen Schlosses versteht der Schlosser ein auf dem 
Wirbel vernietetes Blech, um das Zurückweichen der Fallen 
des Schlosses zu verhindern (Jacobsson 4, 524). 

In diesen verschiedenen Arten der Verwendung ist versetzen 
auf eine /awr-Type zurückzuführen; kaum weniger reich hat es 
sich entfaltet in den Zweigen, wo es auf fair- zurückgeht^). 
In der heutigen Schriftsprache ist versetjsen von heseteen und 
ersetzen, in deren Gebiet es im mnd., mhd. und frühnhd. über- 
greift, deutlich geschieden. 

Einem versdeen stellt sich verlegen zur Seite, das als fau/r- 
Type nach drei Richtungen entwickelt ist, als „auslegen, vor- 
schiessen, ersetzen, unterhalten — vorlegen, sperren, belegen 
— widerlegen, verdrängen, verwerfen — unrichtig legen*. Im 
ahd. erscheint es nur in der Bedeutung „verdecken* , die freilich 
nicht mit DWB. 756 aus einem „durch Legen beseitigen", 
sondern im Gegenteil aus „vorlegen" herzuleiten ist: 

ahd. N. catech. Mttllenhoff-Scherer 191 : uuanta die antrunga histnonea taten 
ora contorquendo . .; dannan begondon sie iro anasiune f er legen 
cavatia Ugnis, diu latini nu larvcts heizent. 

verlegen in der ersten Bedeutung macht denselben Übergang 
wie versehen durch (S. 59 f.) : etwas auslegen — einen mit etwas 



*) Der /ra- Type verbrauchen schliesst sich, wie versehen, verhören 
„sehend, hörend aufbrauchen" (S. 63 Anm., 65 Anm.), auch versetzen 
„setzend aufbrauchen" an in der Druckersprache (Campe im DWB. 1296). 



83 

versehen, verlegen. Für verlegen (ein buch) hat DWB. 769 
wieder eine yeruDglfickte Änslegung: «Aus dem Hinlegen an 
fremden Ort entsteht die Bedeutung: (Geld) hin weggeben, be- 
sonders hingeben fUr einen andern, für etwas, was uns fremd 
ist. Daher auslegen''. Die richtige Deutung ist sehr ein- 
fach : verlegen (got. faurlagjan S. 7) besagt „Geld auslegen, vor- 
schiessen; ein Buch herauslegen, auslegen" (sei's im Schau- 
fenster oder auf dem Büchermarkt) ^), dann mit der so beliebten 
Bektions- und Bedeutungsänderung „Geld für einen auslegen, 
einen mit Geld verlegen, für etwas aufkommen", ahd. Vor- 
läufer lassen sich nicht ermitteln, dafür ist diese Bildung in 
der mhd. und mnd. Geschäftsprache überaus häufig. Wohl 
nicht mit Unrecht suchen wir ihre Herkunft im hansischen 
Norden, der eine Anzahl von Ausdrücken des Handels und 
Verkehrs geprägt hat, die noch heute in unserer Umgangs- 
sprache lebendig sind. 

mnd. Brschw. Schichtb. 107: mank aussen was nein, de de gelt wolde utdon 
efte vorleggen. 

Wism. Idy. f. 152: de bedde synt geschattet vnd gewarded vp XI m. 
. . . dar vp h^t de schipper vorlecht IX m. (vorläufig aaslegen, 
Vorschnss leisten). 

Hans. Bec. II', s. 211 (1438): den schaden wedderkeren unde vor- 
leggen (ersetzen). 

Ltlneb. Urk. XV, s. 197 (1486) : ?i^ben se uns unde unse Mostere denne 
ok wormede vorlecht, dat scholen se afrekenen. 



') Das macht noch folgende im 18. Jahrb. beliebte Wendnng anschanlich : 
J. L. Frisch. TeuUch-lat. Wörterhudh . . . Bwlin. Verlegts Chr. G, Nicolai. 
— Critik der reinen Vernunft von J. Kant . . . Riga, verlegts J. F. 
Hariknoch. Weniger anschaulich im 16. Jahrb. „Historia von D. Johann 
Fausten . . . m Verlegung J. Sp. löSd*" (bei Schmeller 1, 1457). Der Aus- 
druck Verlag (.Kosten*) erscheint erst im 16. Jahrb. (DWB. 711), ist im mhd. 
gar nicht, im mnd. in der Form vorlacht einmal belegt: 

Brschw. Schichtb. 97 : seen konden de vor lacht nicht don wnde neimet 
wolde one dar to wat geven. 
Im mhd. erscheint statt dessen verlegnisse, verlegunge (Lexer 3, 157), im mnd. 
ausser verlacht noch vorlegginge ( Schiller -Lübben 5, 391). Ohne Qrund 
scheidet das mnd. WB. ein vorlegginge ,, Verlag'' von , Vorlegung, Schau- 
steUung*. brode der vorlegginge : panes propositionis (2. Mos. 35, 13 H.) be- 
deutet die Auslegung der Brote wie verlag die Auslegung der Bücher oder 
der Kosten (got. hlaibans faurlageinais S. 7). 

6* 



84 

Lüb. Dodend. y. 1149: dl, de mit gdde werden vorlacht, 9mt hir 

gemenet. 
Serm. evang. 100a: de jungher deden, dlse Jheeus vorlecht hadde 

(befehlen) »). 

Körner 85 a: vorlede eme de wege (verlegen, sperren). 

Korner 22h: se vorleden deme lesten here in holteren unde in dalen 

hy Bunteeval (Hinterhalt legen, anflanern). 
2. Sam. 9, 28 (H.): uns is vorlegen! 

Die Bedeutung „widerlegen, verwerfen ** ist analog zu versetzen 
„heraussetzen, dawidersetzen, entgegnen^ und versprechen „heraus- 
sprechen, dagegensprechen, versagen^ (S. 77 f.) zu verstehen. 

Lflb. Reform. 49: dat unsere geisüiken de lehre der predicanten mit 
goüiger hilliger schrift verlegget hadden (widerlegen). 

Lüb. Passional f. 130b: vnsen god, den wiUe wy nickt vorleggen 
(abschwören). 

Ssp. 1. 63, 3: de bet geboren is, den ne kan de wersgebome nicht ver- 
lecgen mit der beteren bord (var. geweigem, vorwerfen). 

Ssp. 3. 37, 2: swe sik vor gerichte to getuge but, er he^s van gerichtes 
haken gevraget werde, hesivan deme tuge verleget (ansschliessen). 

Chr. Sei. 308, 10: he u)art gebeden deme so nicht to dunde, dat he 
vorlede unde nidU en achtede (missachten, verwerfen), 
mhd. Chr. 9. 980, 23: miete noch enheieen (versprechen) noch vür legen 
(aaslegen, erlegen). 

Weist. 4, 607: als oft einer das ihut ohne laübe, der verlegt 6 gülden 
(hinlegen, erlegen). 

Ga. 3. 209, 464: wdlent ir im verlegen tos hengest unde pfert (vor- 
schiessen, aaslegen). 

Ls. 2. 29, 155: tV sit mt lenger minnare denne iuwer guot mac ver- 
legen (aaslegen, eintragen). 

Chr. 1. 160, 4 : dae wir iren krieg allein wollen treiben und verlegen 
(Kosten aafbringen für)'). 

Mb. 2, 295: die man mit puchsen, pulver und zeug verlegen (ver- 
sehen, aasstatten mit). 

Jüngl. 803 : wan er die lüge ze verlegen hat (aafkommen, einstehen für). 

Alph. 341, 2: siege und sträzen hän wir in gar verleit (sperren). 
Weist. 1, 276: dasz sie (erbgüter) niemandt verhaften noch verlegen 

soll (mit Beschlag belegen). 
Mb. 3, 359 : die sträze mit newen funden und anvordrungen (za hohen 

Zöllen) verlegen und ced machen. 



^) Die Form des Präfixes wie die Bedeatang spricht eher gegen als fttr 
betontes Pr&fix, wie es Schiller-Lübben 5, 391a ohne Qrand ansetzt. 

■) Daza Verleger „Unternehmer'*, verlegnisse, verlegunge „Aoslage der 
Kosten, Unternehmang, Ausrüstang" (Lexer 3, lö7). 



86 

DOr. ehr. 245: Jier vorlegete siner heezer spoi (widerlegen, zurück- 
weisen). 

Jer. 2097: das mi/r min lasier ist verleit mit ander stner vrümekeit 
(verdrängen). 

Bcsp. 1, 334 (a. 1419): er hette sinen zedel verlacht und virdröz zu 

suchen (falsch legen), 
nhd. Hatten 5, 26 Münch : icenn sie sehen, dasz der stift nit geld hat . , , 

finden sie . . etwan einen reichen, der die sach (Geld) zu verlegen 

hob (aaslegen, vorschiessen). 
Jfil.-berg. Polizei-Ordn. 48 (1696): bisz sie ihre gebühr oder verlachte 

Unkosten bezahlt (dass.). 
Leibniz 2, 281: indem die buchhändler schäMidhe und ärgerliche 

Schriften zu verlegen, einzuführen und zu vertreiben sich nicht 

entsehen. 
Frank weltb. 98 b: ob wohl etüich so mechtig seind, das sy ein heer in 

ein füd riisten und verlegen möihten (aaslegen für, versorgen, 

unterhalten). 
Maaler 423c: ein reisigen häufen verlegen und besolden : alere et 

tolerare eqaitatam. 
ebd.: einen verlegen oder erhalten : dwe samptam. 
Ayrer kön. Theodos. 165 b : die geliebten eitern mein a/rmut halben gar 

nicht vermögen zu dem studim mich zu verlegen. 
Mosäas 3, 29: er vmrde die ganze Christenheit mit umnderthätigen 

Zahnstochern verlegt haben, wenn er abnehmer gefunden hätte. 

Ayrer proc. 1, 9: der jme begerte den weg zu verlaufen oder zu 

verlegen. 
Kirchhof wendanm. 4, 174 Österley: bapst Oregorius . . hat . . mit 

einem sehr strengen und harten verbott, den priestem in Teutscfi- 

landt die ehe vorlegt und auff gehaben (verwehren). 
Schweinichen 1, 210: der wirth . . verleget einen arrest auf rosz 

und fahmis, bis er die 2354 ihlr. bezahlt bekommen. 

firasm. lob der thorheit 42 b : so vil gd>en sie der thorhait, das offtmals 
das mit kainer ausred hat mögen verlegt und entschuldiget werden 
(widerlegen). 

Lnth. briefe 1, 599: dieweil ich dann keinen weg hob miigen erlangen, 
meine Schriften durch das göttliche wort zu verlegen'^). 

LeBSing 1, 517: sie werden seine handschrift verlegt haben — so 
etwas sflege ich nicht zu verlegen. 



') Ndr. 83 Überschrift: wider das vnchristenUche buch Martini Luters 
Augustiners, an den tewtschen adel auszgangen, Vorlegung Hieronymi Emser 
an gemeyne JwchiÖbluhe teutsche nation (Widerlegang). 



86 

Von den Mundarten ist verlegen im Schweiz, am reichsten 
entwickelt (Staub-Tobler 3, 1188) als „aussetzen, auseinander- 
setzen — unterstützen — mit Beschlag belegen". Für das 
Bairische verzeichnet Schmeller 1, 1457: „die hcmddsleute ver- 
legen sich mit waaren\ beym scheibensckieseen verlegt man 
sich, wenn man die Schüsse^ zu denen man berechtigt ist, durch 
einen andern thun läset*', Weinhold für das Schlesische „aus- 
richten" (hs. L 37) und „unterhalten** (hs. L 51): erhare hnahen 
auffeueiehen und zu verlegen; den verlag geben „Geld auslegen, 
vorschiessen" (hs. L 5). 

In der Hütten- und Bergsprache bedeutet verlegen „die 
Kosten zum Bau auslegen, vorschiessen ** (Jacobsson 4, 520; 
Veith 525), sich verlegen oder sich verbauen „sich freibauen, die 
Betriebskosten decken" (Veith 526); in der Webersprache des 
17. Jahrh. einen sttM verlegen „auf eigne Kosten betreiben" 
(Birlinger 158 b). Ferner kennt die Bergsprache „mit Beschlag 
belegen" (Veith 525), die Jägersprache verlegen „Treibzeug um 
Feldhühner legen" (Kehrein 306). Schmeller belegt dazu für 
das Bair. noch „verhaften, lähmen, widerlegen" (1, 1457). 

In der heutigen Schriftsprache hat verlegen die Bedeutung 
„mit Beschlag belegen" an belegen, „Geld auslegen" an erlegen 
abgetreten ; verlegen verbindet sich mit dem Gegenstand, für den 
das Geld vorgeschossen wird : ein buch verlegen. Die Bedeutung 
„sperren" eignet ihm allein. 

verschlagen, dem behandelten verlegen und noch mehr ver- 
setzen ähnlich, zeichnet sich durch die eigenartige Bedeutung 
„förderlich sein, nützen" aus. Sie gehört zu /awr- I in dem 
Sinne „hinausschlagen über, übertreffen, ausschlagen"*) oder 
„vorwärtsbringen". Die übrigen Bedeutungen sind von versetzen 
aus (S. 75 ff.) leicht zu verstehen. 

verschlagen: vorschlagen, auseinandersetzen, hinschieben — 
versperren, verbergen, unterschlagen — widerlegen, 



^) ausschlagen ist vom Zünglein der Wage übertragen: etwas sMdgt 
gut, schlecht, zum heile, zum verderben aus; das gibt den ausschlag, ist awh 
scMaggd>end (Paul wb. 47 a). Ähnlich ausgeben ^ ausgiebig, ergiebig, DWB. 
1086 erklärt es verschlägt mir nichts als „es verändert nichts b^ mir, es 
treibt nichts weg"! 



87 



ausschlagen, zuräckschlagen, lähmen — preisgeben, ver- 
schlagen, berauben — ausmachen, anschlagen, frommen 
— verfehlen; sich an unrechter Stelle festsetzen. 

ahd. Gl. n 771 a ferslagine : interclnsa. 

I 4 Pa. gl. K. Ra. faralahit : adnectit. 
0. II 4, 9: er ihar niheina stigiüa m firliae ouh unfirslagana. 
Gl. II 671 a ferslaho : refellam. 

Gl. II 98 b tnnöt farslagane : in cnstodiam trnsi. 
II 617 a forsluog : damnavit. 

I 34 Ra. farslahit. Pa. gl. K. furislahit : antecipat [E. fimfangot]. 
mnd. Wism. Urk. 15. Jahrh. : da was ydt hy der maltydt, so dat vnse varstynne 
de deghedinghe vorsloch vppe den namydddach (vorwärtsschlagen, 
verschieben auf). 

Urk. d. St. Hannov. nr. 461 a. 1368 : ok sdial neyn knecht eines heren 
gut vorslaan edder vorhreken (in der Abschrift Lüb. Chr. 1, 480: 
underslan edder vorbuten), 

Westphal. 3, 91: he was vorslagen unde lisHch. 

Zng gegen Jühnde p. 8: welk he dUet vorsloch wnde nicht don en wolde 
(in den Wind schlagen, verweigern). 

Korner 60 d: dat vorsloech nidit jegen dat unsttir (nützen). 
Westph. 3, 69 : cUse koninck Ch. sach, dat de sake greven Gerdt geluck- 

lieken vorsloch (prosperabatnr, ausschlagen). 
Zeno 80: se lepen unde brochten genöch; gar Mene it se vorsloch, 

it wenede dlse sere, alse ift it hungerich were (wenig nützte es ihnen). 

Livl. Urk. nr. 1616, 37 (Ende 14. Jahrb.): we sik vorsleit und en 
wech kimpt (sich verirren) ^). 
mhd. Pass. K. 297, 86: aln rede er kwrseUch verslüc (vorschlagen, aus- 
einandersetzen). 

ebd. 229, 3 : mit worten er do im verslüc wie er den leiden wurm sach. 

ebd. 610, 46: dcu si verslügen disen val üf den bischof (hin- 
schieben auf). 

Pass. E. 16, 88: das er die vursten liee beide versmiden und versldn 

in den kerker (festschlagen, festschmieden). 
Chr. 8. 481, 6: den Bin mitpfelen und ketten versiahen (versperren). 
Germ. 7, 376: er verslüg sich in einen berg (sich verstecken). 
LoM. 7a: si verslüg sich hinder ein hecke (dass.). 



^) Diese Auslegung ist ungezwungener als die von Schiller -Lübben 
5, 448 a. 



88 



Leseb. 1016, 11: auch kan ich stein vund gar wol verslän (unter- 
schlagen). 

Teichn. 277: den gdxche ich zeinem man, der versiahen goukdn kan 
(verschlagen, schlau, betrügerisch). 

Rcsp. 1, 172: singen versiahen oder interdict/wm legen (verbieten). 

Ls. 3, 91 : die rede sie mir holde versluoc (widerlegen). 

Renn. 1948: der rat ze jungen toren nam vnd siner aiten rat verslug 

(in den Wind schlagen). 
Marlg. 204, 254: siner sorge er sich versluc durch die schone gesicht 

(sich entschlagen). 

Pass. K. 14, 76: die vursten wurden dö verslagen von wiierwinden 

üf dem mer (vgl. versetzen mnd. S. 76). 
Basl. r. 33: ze banne versiahen (ausstossen, verbannen). 
Helmbr. 1023: die alten tumei sint verslagen und sint die niuwen 

für getragen. 
Marlg. 147, 253: daz er so tMich wolde Üben und mit den swnden 

sich versliic (sich beflecken). 
Erlös, s. 217: dm angrif wü mich versldn des tröstes (berauben). 
Pass. K. 75, 38: daz sich sin kraft nie verslüc. 
ebd. 280, 26: daa sich im die sieht versluc und er nichtes nicht 

ensadi. 

Parz. 584, 3: solten dise kumher sin äl an, Gmodns kumber slüege 
für% wisge iemen ungemaches kär (Ausschlag geben). 

Hadam. 64: die vart versiahen (weidmännisch: an der rechten F&hrte 

vorbeigehn, von ihr abkommen), 
nhd. Schärtlin v. Burtenbach (1772) 119 : ich liesz aüe furth am Lech von 

der Donau an bisz gen Landsperg verschlagen, mit rädern ver- 

sencken und . . verwahren^ 
Simpl. 1. 114, 11 Kurz: ich verschlug mich in den wald vnd ver- 

zweiffelte schier . . (sich verbergen)*). 
H. Sachs 8, 457 Keller-(4ötze : ein kindt . . das sie zwey mowU heimlich 

zug und vor dem vater das verschlug. 
Felsenb. 1, 33: auch sonsten einen verschlagenen köpf hatte, 

Luth. 5, 171 W. (operat. in psalmos übers. Roth): sie tamen ut non 
recuses dei voluntatem . . ferre = doch also, das du nicht ver- 
schiehest 



^) Einzige Stelle, geschwächte Form kommt überhaupt mhd. nicht vor. 

') DWB. 1086 legt diese Stelle aus als „unbrauchbar machen ', während 
es „zuschlagen, schlagend sperren'' bedeutet. 

') sidi verschlagen kann nicht heissen „zu einem Ort sich begeben (ebd. 
1091), sondern hat die Nebenbedeutung „sich verbergen". 



89 



Schiller 3, 559: dcLS fnädel seUt sich cUles teuf eis gezeug in den köpf 
. . tmd verschlägt mir am end einen toackem ekrharen schvnegersohn, 

Goethe br. 12, 150 nr. 3569 (a. 1797) an Christiane: toir wollen daher 
unsere fahrt noch aussetzen ^ sage das SMlling, damit er sich die 
führe nach Lauchstädt nicht verschlägt (sich nicht um die Mög- 
lichkeit bringt, die Fuhre anderweitig zu vermieten). 

Garg. 465: dasz jm die kugeln umb den kopff sauszeten . . dasz er 
kein himmel sähe und jhm der lufft verschlug, athem zu holen 
(verwehren). 

Pinter pferdesch. (Frankfurt 1688) 413: verschlagen: wann es ins- 
gemein verstanden wird, so sein desselben kennzeichen die Sperrung 
der füsze und dasz dieselben je länger je steiffer werden. 

Vischer, auch einer 472: kaites wasser verschlägt die zahne (stumpf 
machen). 

Otto Ernst, Asmus Sempers Jugendland 1905 S. 85 : die freude hatte 
ihm allen appetit verschlagen. 

Salzmann, Conrad Kiefer 29 (DWB. 1088): durch das schreien macht 
sich das kind eine bewegung und diese treibt die verschlagenen 
foinde fort (im Leibe, vgl. versetzen S. 79). 

Schambach wb. 262: vergripen „machen, dass ein Muskd sich 
verschlägt*', 

Frank chron. 407 b: une . . untreulich das concüi mit jm gehandelt 

hob, alle bilUcheit abgeschlagen, all sein red in argem auffgefangen, 

verkert und verschlagen. 
Luth. 9. 200, 16 W.: das eynig land der Juden, das yhn vorworffen 

wmd vorschlagen hoOt. 
H. Sachs 8, 145 Keller: une ?iat die ungestOm uns verschlagen und 

an die öden insel tragen! 

Zwingli 1, 41 : darumb dasz es uns gott nit geben Ttat, dasz ouch uns 
nit verschlagen wü/rde (gut ausschlagen, frommen) ^). 

Wieland 10, 184: doch alles dies, und was noch mehr geschah, ver- 
schlägt uns nichts: genug sie ist mm da (geht uns nichts an). 

Goethe br. mit Stein 1, 15 Scholl: es verschlägt sie ja nichts^ 

Immermann Münchh. 1, 137: ihr . . solltet daher wissen, dasz das 
dringen und feilschen bei mir nidit verschlägt. 

Mörike 6, 292 (Hesse): als Mozart ihnen diese arbeit dedizierte, hat er 



^) Der einzige obd. Beleg fttr diese Verwendung, wo wir noch keinen 
Einflnss der Schriftsprache annehmen können. Sonst heisst es obd. verfangen. 

*) mich versMägt statt mir verschlägt, besonders von Geliert verwandt 
(DWB. 1090), braucht durchaus nicht undeutsch zu sein (ebd.), sondern er- 
klärt sich analogisch nach mich verdrieszt, verlangt u. ähnl ; vgl. Paul mhd. 
gr. § 241, 266. 



90 

geglaubt, nu/r sie zu ehren, doch kann's ihm nichts verschlagen, 
wenn ich eugleich ein kompliment ßi/r mich darin erblicke. 

Frisch 2, 191c: ^nen ort im buch verschlagen (verfehlen, so dass 

die Stelle nicht mehr zn finden ist)^). 
Hippel lebensl. 1, 135 : wer einmal den rechten weg verschlägt, kommt 

immer weiter vom ziele (vorbeigehn, verfehlen). 

Die Bedeutung „etwas ausmachen, anschlagen, frommen^ 
kommt nur in ndd. und md. Mundarten vor, und zwar im 
Brem.-Nieders. (wb. 4, 813; 6, 312), Hamburg. (Richey 258), 
Preuss. (Frischbier 2, 440), Pomm. (Dähnert 526), Götting. 
(Schambach 266), Mansf eidischen (Jecht 118: tvenn's dich nich 
varschlett „wenn's dir nichts ausmacht") und Schles. (Wein- 
hold hs. S 116: das verschlägt nichts „macht nichts aus^). 
Der im Schweiz, bezeugten Bedeutung „verwahren, unter- 
schlagen" (Staub-Tobler 1, 908) und refl. „sich verbergen" im 
Bair. (Schmeller 2, 516) steht das Partizipialadjektiv versMagen 
„schlau, listig" nahe, das auffälligerweise nur in ndd. Mund- 
arten verzeichnet ist (Brem.-Nieders. 4, 814; Richey 258; Honig 
194 a). 

Von technischen Ausdrücken ist „vorschlagend sperren" am 
geläufigsten (Adelung versuch 4, 1506: fässer, hasten „zunageln, 
zuschlagen"; in den salekothen pfannen „flicken"; kammer, 
eimmer, räum „durch vorgeschlagene Bretter absondern"), im 
Schweiz. versiMän „verwahren" (Staub-Tobler 1, 908). 

Aus versMagen „ausschlagen, versagen" (Bair. Schmeller 
2, 516) ist jedenfalls sich etwas verschlagen „sich etwas versagen, 
sich bringen um etwas, sich schädigen" und daraus erst das 
intr. verschlagen „Schaden nehmen" entwickelt, wofftr ich keine 
fra-Tj^^e ansetzen möchte. Beeinflussung von hier aus wird 
wohl allerdings stattgefunden haben. Vielleicht ist aber ein 
md. verschlagen „sich erkälten" im Mansf eider (Jecht 118: ä hott 
varschlon) und Leipziger Dialekt (Albrecht 230: verschlagen hat 
man auf einen Körperteil, wenn sich eine Erkältung dahin ge- 
setzt hat) mit der /air- Type verschlagen „umschlagen, über- 
schlagen, lau werden" (vom Wasser) zusammenzubringen. Das 



^) Dazu Köln, verschktdere „das rechte Blatt im Bach verschlagen" 
(Honig 194 a). 



91 

refl. sich verschlagen „sieb schädigen^ ist im Wiener Dialekt 
(Hügel 181) gebräuchlich, in der Weidmannsprache als „fehl- 
schlagen, unwirksam sein^ von Schttssen und „sich verwickeln, 
sich festrennen, nicht weiter können, nicht mehr zu finden oder 
zu locken sein" von Wild und Geflügel (Weber 2, 615, Heppe 
382, Kehrein 308). Das intr. verschlagen bedeutet in der Jäger- 
sprache „ausser Atem kommen" (Eehrein 303); ein versdilagener 
Hund ist „scheu, krank, steif" (ebd. 308), was Schambach 266 
auch für die götting. Mundart bezeugt. Ebenso bedeutet ver- 
schlagen eine Krankheit des Pferdes, wenn es steife Fttsse hat, 
die Beinmuskeln nicht bewegen kann und stets zittert (Weber 
2, 615). In der Berg- und Hüttensprache versMagen wirkungs- 
lose Schüsse („versagen") und Wetter, die sich versetzen und 
in falscher Richtung strömen (Veith 535). Wie mau das tr. 
verschlagen vom Stumpf machen der Zähne braucht, so in der 
Bergmannsprache vom Abstumpfen der Werkzeuge (ebd.). 
Die Weidmannsprache lässt einen Hühnerhund verschlagen, wenn 
er auf zu viel Schläge und dadurch nicht mehr zum Jagen 
kommt (Weber 2, 615). 

Die Bedeutung „erschlagen, zerschlagen", besonders im obd. 
beliebt, geht auf eine /ra-Type zurück und gehört nicht hierher. 
Von den reichen Bedeutungen von versMagen ist heute schrift- 
sprachlich geläufig nur noch „versperren, verschlagen werden 
(vom Winde, vom Geschick), sich verschlagen" und „aus- 
machen, frommen", letzteres besonders beliebt in den Wen- 
dungen: das verschlägt nichts („tut nichts zur Sache"), was ver- 
schlägt das? kein mittel verschlägt hei ihm, in negativer Form 
gebräuchlich^). Mundartlich ist auch es beschlägt wenig in 
derselben Bedeutung bezeugt (Hittmair 234). Im mhd. kommt 
vereinzelt sich beschlagen „sich festsetzen" vor (ebd. 57), als 
„betrügen" nähert es sich auch versMagen in der Bedeutung 
(ebd. 149). In lokaler und instrumentaler Verwendung gilt 
beschlagen heute allein (ebd. 43, 44, 49, 153, 176). 



^) Vernaleken 2, 90. Doch ist mir die positive Wendung: die speise 
verschlägt etwas („sättigt gut^) aas dem Preass. geläufig. 



92 

verfangen teilt mit versddagen die Bedeutung „förderlich, 
wirksam sein^. ahd. ist dieses verfangen ausser in den Glossen 
nur — und zwar recht häufig — dei Notker belegt. 
verfangen: überholen, übervorteilen — förderlich, wirksam sein 
— sich vergreifen. 

ahd. N. I 714, 11 P.: fürefieng er sus mit imo r^dondo : prior orsus est. 
I 238, 2: tö fürefdheat mih rihto : recte . . precurris. 
I 361, 5: götes öuga gefiireuangot dl ddz chwnfiig ist : precurrit 
onine futnram. 

Gl. I 3ö R. furifangot : anticipat »). 

I 619 a fimquanwn furivangoUm : anücipaverant. 
IV 34 a furvähU : anticipat. 

I 462 a furivomgota uuoritumgota uiruiench : preoccnparet. 
N. I 114, 30 P.: wMus sMen die scrifte ddraeüo uerfdhen : quid ipsa 
scripta proficiant. 

I 362, 26: He ddnne ferfähent so sie rMe 8(n^:qaae . . . non 
possunt esse inefficaces. 
I 232, 26: so neferfähet ter umUo nleA^ : yoluntas frustra sit. 

I 700, 28: n6h in die zdrta dlle ne/er/i6n^en : blandimenta fra- 
strantur. 

II 15, 19: vtter ist aber in heUo dir ühttg ? tmen uerfdhet da sin 
iehen? (wem hilft seine Beichte dann noch etwas?) 

mnd. Ostfries. L. B. I 121, 7 : de deelen oeres vaders guet aUe gdick und 
neen vuübroeder moit den andern vervangen (ttbervorteilen). 
Kantzow 102: vnd wolde Casemer den rJunn des hriges vor fangen 
(im voraus für sich nehmen). 

Brem. Stat. 45 (a. 1303): so toelic horghere sec vorveit in sime 
hnechte, . . Iheme scal he heteren UJ:e eneme gaste (sich vergreifen an). 
mhd. Gen. D. 71, 18: vil lucel du da mite vervienge (ausrichten)'). 

Bon. 42, 62: wemie er vor alier nicht vervdt (nichts mehr vermag). 

Pass. 206, 62: sin gewält da nicht vervinc. 

Albr. 13, 61 : der schius nicht vervie. 

Trist. 18180: dag vorhte nodh huote an ir vrouwen niht vervie (bei 
ihr nicht anschlug). 

Büchl. 1, 1111 : dag ailer wibe güete ge freuden niht vervienge (ver- 
helfen zu). 

Nib. 95, 2: wag hundeg si vervän (helfen, frommen). 



*) aengl. forefön bedeutet ebenfalls panticipare" (Bosworth-Toller 306 a). 

^ Zunächst wird verfangen persönlich konstruiert, dann auf die dritte 
Person beschränkt, erhält ein unpersönliches Subjekt und nimmt schliesslich 
ein persönliches Objekt zu sich. 



93 



Msf. 171, 17: daz tet ich ie: nu kan michz leider mht v er van (nun 

hilft es mir doch nichts). ' 
Herb. 12156: ^t min bete und min rät nikt vervihet noch verstdt 

(nichts ausrichtet). 
Chr. 8. 248, 18: ird^nsdi gewcdt gegen goUe nüi verfocht 

nhd. Eeisersberg seelensp. 23 a: aber vil beichten und dick zu dem heiligen 

aaerament gon on soliche Übung der tugend, das v er f ah et nüt. 
Keisersberg pred. 55 b: dieses v er fach et alles nichts an inen. 
Melanchthon 2, 137 Bretschneider : wo aber die handlung bei unsern 

herm . . dergestalt nicht verfahen, noch ersprieslich sein wollt . . . 
Fischart bienenk. 47 b: das mag dUes nichts verfahen, miitder ais 

ein tropff Weihwassers im fegfeur. 
Simpl. 2. 311, 8 Knrz: so dasz auch aUe obermelte euren nichts ver- 
fangen konnten. 
Logaa 5, 55 bei Weinhold hs. F 10: wo das reden nichts verfängt, 

hat das schweigen besser statt. 
Opitz poet. 70: welche meine geringschätzige arbeit bei stattlichen auff- 

gerichten gemüthern, wo nicht mehr, doch so viel verfangen wird, 

dasz . . . 
Chr. Gryph. poet. wäld. 1, 272 : wenn fast kein mittel mehr in solcher 

noth verfing. 
Lessing 4, 409: Harlekin versw^t, sie . . auseinander zu bringen, 

läuft aber, als es nidits verfangen ujill, davon, 
Wieland 7, 13: und wie er sah, dasz bitten nichts verfängt, so 

sprach er . . . 
Goethe 29, 54: diesz aber verfieng nicht, man hatte partei ergriffen 

und blieb auf dem sinne. 

verfangen „wirksam, förderlich sein" ^) ist fast ebenso aus- 
schliesslich in obd. Mundarten vertreten wie verschlagen in ndd. 
Im mhd. findet sich kein verschlagen in dieser Bedeutung, im 
mnd. kein verfangen. Im nhd. weicht hiervon ab ein vereinzeltes 
verschlagen bei Zwingli (S. 89 Anm. 1), das in dem ahd. gl. K.fwr%- 
slahü: „antecipat" (Gl. I 34) einen ebenso vereinzelten Vorgänger 
hat. Demgegenüber steht oft in den ahd. Qlossen verfangen, und 
Notker braucht es ganz allein in diesem Sinne (8. 92). Dialek- 
tisch bezeugt ist nhd. verfahen im Schweiz. (Staub-Tobler 1, 
722). Im md. begegnen sich verfangen und verschlagen, beide 
sind im Schles. gebräuchlich (Weinhold hs. P 10, S 116). 



') verfänglich hedeutet mhd. „tauglich, nützUch, wirksam, von Erfolg'^ 
(Lezer 3, 285), nhd. geht es zu dem Sinne „gefährlich,. Verlegenheit bereitend^ 
über (DWB. 309), in Anlehnung an verfang „Vorgriflf, Übervorteilung, Nach- 
teil'' (mnd. SchiUer-Lttbben 5, 484; mhd. Lexer 3, 285; nhd. DWB. 303). 



94 



verschiesaen verbindet die Anschauung „voraus^ und 
„vorüber": „vorschiessen, abschiessen — sich entäussem, ver- 
zichten, ausstossen — ttberschiessen, vorüberschiessen, verrinnen, 
ausschiessen — vorbeischiessen, fehlschiessen, sich übereilen 
und festrennen, sich verausgaben''. 

ahd. Gl. II 436 b farscwizan : pellere. 

N. 11 410, 3 F.: hom mtucJiset uzzer demo fleisce unde füreskiüeset 
daz fleiac. so füreskiezeent ouh ir daz fleisc mit muote (über- 
wachsen — überwinden), 
mnd. Brschw. Schichtb. 51: der worde worden vele v er schoten van den 
hovetluden der partie mank deme völke (Worte ausstossen). 

Leibn. 3, 430: dat me edle de vervolgers der kerken verschot mit den 
leckten wnde vorludde se mit den Mocken (durch Umstürzen der 
Lichter und Läuten der Glocken exkommunizieren). 

Lüb. Pass. f. lOd: dö dat volk al vorschoten was vnde en weck 
(sich schnell entfernen). 

Brem. GB. f. 139: myt vorschotenen unde bespyeden antlate (aus- . 
schiessen, ausbleichen), 
mhd. Nib. 426, 1: so si den ger verschoz (abschiessen) 0* 

Mone z. 16, 86: den hof mit hcdme und 7nit munde verschiezen (sich 
entäussern, verzichten auf). 

Mb. 24, 558 (a. 1411): hdn aufgeben mein güetlein und verscheuze 
mich des mit hant und halm (dass.). 

Sery. 1205 : waz ist din ungehabe so gröz umb die got mit urteile ver- 
schoz? si habent verdienet wol den voZ (Verstössen, stürzen). 

Kirchb. 731, 8: bi den andern fiiezen die westert in daz mer ver- 
schiezen (schnell vorüberfliessen, stürzen in). 

Lcr. 93, 273: wenn sie verschieszen, so wollen wir denn in sie 
rennen (aufhören zu schiessen) ^). 

Schm. Fr. 2, 478: Iiatte sich des weges verschossen (verfehlen). 

Jer. 19393: u)iim gemle da sin 16z daz sich im ouch aho vorschöz 
(fehlschlagen). 

Wölk. 31. 2, 99: ich het mich einst verschozzen mit einem knaben 
junc (sich verfehlen), 
nhd. Pers. reisebeschr. 3, 2: hat der groszfiirst gelder darzu verstreckeL 
als aber dem guten mann das werk miszlungen und seine guter, die 
verschossene groszfü/rsüiche gelder wieder zu erlegen, nicht zu- 
reichen wolten . . (vorstrecken, vorschiessen). 



^) Kann wie die Bedeutung „schiessend aufbrauchen, erschiessen, 
sprengen" auch zu fra- gehören (Lexer 3, 216; DWB. 1079). 



96 

Garg. 498 (1590): die feind . . fiengen derhalben cUl an mit ver- 
schossenen zawm fersengelt zu geben (Zaum yornttberhängen) *). 

Spee. 4. 2, 9 Balke: lid) hat aus seinen äuglei/n rwnd fast tausend 
pfeü verschossen (abschiessen) *). 

Jer. 18, 14: das regenwasser verscheuszt nicht so holde, als mein 
volck mein vergisset (yerrinnen). 

A. Gryph. ged. 181 Palm: mein bebend hertze kracht, indem es über- 
legt, wie zeit und weit verschieszen (vergehn). 

Leasing 3, 210: seht da das ehrenkleid, . . eh es verschossen ist, eh 
es zu lumpen geworden (aasschiessen, verbleichen). 

Paracelsas 2, 267 G (1616): indem so fehlen sie und verschieszen 
neben das ziel (vorbeischiessen, fehlschiessen). 

J.Paul 67, 16: aber dieses mal verschosz sich Peter (dass.). 

Tb. Platter 169: der hat sich in der flucht verschossen (sich übereilen). 

Fischart ehz. 510: wann sich der jungen (Walfische) eyns am ufer 
im sand verschieszt, das es nicht von der statt kommen kan (sich 
festrennen). 

Simpl. 1. 5, 7 s. 477 (1713): unerachtet dieses, worin er sich also 
verschossen, nur ein schlechtes bauemmägdlem war (sich unbe- 
sonnen verlieben). 

Felsenb. 4, 62 : meine leute fochten, nachdem sie sich dann und wann 
verschossen hatten, mit ihren sdbeln (zuviel schiessen, sich ver- 
ausgaben). 

Schönaich Ästhetik 358 Köster: noch unbill, noch verschuss kann 
vom allweisen kommen (Fehlschuss). 

verschiessen lebt in der heatigen Sprache noch als „aus- 
bleichen" und im Sinne der Verfehlung. Die Farbe verschiesst, 
wenn sie ausbleicht und nicht dauerhaft ist (Jacobsson 526). 
Der Hund verschiesst sich, wenn er von der Fährte abkommt, 
der Jäger, wenn er kein Pulver mehr hat (Kehrein 309), der 
Bergmann, wenn er schlecht baut (Veith 535). In der Bienen- 
sprache verschiessty verfliegt oder verschmärmt sich der Weiser, 



>) Häufiger mit verhängtem zügel, in der Bedeutung „willfahren, ge- 
währen" schon ahd. übertragen: 
ahd. Gl. n 120 b firhancte : cousensi. 

N. II 265, 12 P.: noh s6 füo nef erhingest du minen ftenden an 
mir : non confundantur super me. 
Die Wendung: das geschick verhängt böses über uns (Verhängnis in aktivem 
und passivem Sinne) hält das Bild anschaulich fest (hinaushängen über): 
mhd. Tit. 128, 4: unde er sorge über dich niht verhenge. 
>) Siehe S. 94 Anm. 1. 



96 

der seinen Stock nicht wiederfindet (Overbeck 85). In der 
Druckerei muss der Korrektor nachsehen, ob alle Seiten auf 
dem Bogen in dem Format an der rechten Stelle stehn und der 
Setzer nicht etwa die Kolumnen verschossen hat (,,falsch aus- 
schiessen*' Klenz 107). Beim Militär gilt es als Zeichen eines 
schlechten Soldaten, mit der Munition nicht hauszuhalten und 
sich vorzeitig zu verschiessen. Im Preuss. verschiesst nicht nur 
ausbleichende Farbe, sondern auch versiegende Milch (Frisch- 
bier 2, 440)*). Im Götting. bezeichnet verscheUen „sich ver- 
laufen", verscheten „verloren" (Schambach 266), im Wiener 
Dialekt sich verschiessen „sich festsetzen" (Hügel 181), im 
Schwab, „sich aus Hast verirren" (v. Schmid 462). Am weitesten 
verbreitet aber ist sich verschiessen „sich verlieben", verschossen 
injem. „verliebt" (Schmeller 2, 477, Spiess 269, Meyer 127, 
Studentenspr. Kluge 133). Das holstein. verschott „Überschuss" 
(Schütze 4, 306) hat einen Vorgänger in mhd. vürschue (Lexer 
3, 608). Das Botwelsche gebraucht schlangen- verschüszer und 
'Verspaseer als „Betrüger" (Kluge rotw. 166). 

Die /ra- Tjrpe verschiessen „totschiessen" hat die heutige 
Schriftsprache ganz durch erschiessen ersetzt, leschiessen berührt 
sich in der Bedeutung „zuschiessen, beisteuern" (Hittmair 17, 
172) früher mit verschiessen „verschiessen" ; zu heschiessen „ver- 
schlagen, nützen", das noch im Schweiz., Bair., Schwab, lebt 
(ebd. 223) ist ein analoges verschiessen wie verschlagen zu be- 
schlagen (ebd. 234) nicht gebildet worden. 

verfahren^ vergehn zeigen faur- 1 in der Anschauung „hinaus 
über, vorbei". 

verfahren: überholen, umfahren — ttbergehn, versäumen, ver- 
fehlen, sich festfahren". 

ahd. Ol. n 646 a furivarent : trojnQieTmt. 
II 254 b t7 » rvoro : praetereo. 
T. 205, 2: ihie für itiarenUm : pTfueterenntes. 
N. I 736, 26 F.: so iouia ünde iunonis höf fürefären uuörd : trans- 

cursis domibas coniagum regnm. 
0. IV 30, 5 : cUle ihie thar wjiarun joh thar furifarun. 
Gl. IV 2 b furi ferit : antecellit. 



*) verschiessen „zu Atem kommen lassen" ebd. wird wohl /otr-Type sein. 




97 

N. I 747, 28: t^ fürefüor so er hegönda chömen ^ rot sMmo ptur- 

pwrun geUcher : f ulgor antevenit. 
T. 80, 7: inti sär giböt her ihie iungiron . . furifaran inan uba/r 

ihm seo : iussit . . praecedere eum. 

Gl. II 260b furifaran : defluxisse. II 655 a für if arener : elapsus. 

n 273 b /urtfaren^ : fugiant. II 487 b v er uarenton ; labentibns. 

II 603 b firfuor : diem obiit. in 76 b firvamer : defunctus. 
T. 146, 3 : ni uorferit Ma cunni : praeteribit. 
N. II 187, 22 P.: so diu naht fergät unde iz hina tagen beginnet. 
N. I 405, 5 P.: taa kdgenuuärta tut haftet zu demo ferudrenen ünde 

demo ohümfttgin : ad praeteritum. 
as. Hei. 5867: hie habit sia iu furfarana (überholen). 

Ps. 67, 8: 80 farfarin aundiga fan antsceine godia : sie pereant 

peccatores a facie dei. 
mDd. Hamb. Z. B. p. 270: wen averst desuivige dodes vorfaren . . (sterben). 

Brschw. Urk. v. 1370: were dcU der schepe toelk grundroringhe dede, 
dar mede en scolde dat gud, dat darirme were, nicht vervaren 
edder verloren wesen (einbttssen). 
mhd. Spec. 29: er vurfuor die heiligen boten mit der marter (zuvorkommen). 

Aneg. 10, 78: ob er die marter mochte vervarn (umfahren, aus- 
weichen, vermeiden). 

Diem. 41, 6 : der Blähende engel vtwr da füre (vorübergehn). 

Pass. E. 324, 22: dö vervür ouch das her. 

Mein. nat. 4, 16: diu für gevame gtt, dag für gevamejdr (vergangen). 

Judith 155, 23: swenne vervar daz benante zit. 

Walth. 23, 23: an erben müezen si v.ervarn (sterben). 

Pass. E. 238, 56: daz bilde virvür unde zubrach. 

Wg. 10895: der ververt iibelUchen, der mit unreht gelebt hat^), 

Griesh. 2, 79: er was vervarn und verlorn^). 

Parz. 464, 19: ir magetuom was vervarn. 

Gen. D. 10, 37: an den eren bistu vervarn (nmgehn, übergehn, ver- 
säumen). 

Nib. 1526, 3 var.: wer sol uns durch daz lant die rehten wege wisen, 
daz vrir niht vervarn (Weg verfehlen). 

Griesh. ehr. 38: wand si hetten sich vervaren als lange in der 
wilimsse. 



^) übel verfahren, zunächst in passivischem Sinne „übel fahren" {xaxiog 
Tiaaxiiy), hat später aktivischen angenommen. 

*) Eönnte als „übergangen, verloren'' oder „dahingefahren, dahin'' auf- 
gefasst werden. 

Leopold, Die Vorsilbe ver- 7 



98 

nhd. H. Sachs Ndr. 39/40 S. 16 : ja, er seil noch eh wann zwo stund hey ms 

fürfaten cUse strasg (vorbeikommen). 
Stieler 410: den eoü verfahren : Yecügal committere, telonia f allere. 
Frankf. stadtarch. (Mainz) 16. Jahrb.: straszen und abwege, darauff 

die furleut den gtdden Zollverfahren mögen (amfahren, vermeiden). 

S. Dach 398 Österley: wiewol erst nach drei vollen jähren sein bassa 

todes ist verfahren. 
Aimon bog. C: ich mein jr seint von ewem sinnen verfaren^), 
Logan 1. 168} 20: hei so wildem, vmsten wesen , ., da die wolfakrt 

gar v er fähr et 

Simpl. 2, 152 Kurz: und deszwegen vermeinte jeder, er verführe 

seinem stand nach gar recht und wol, 
ebd. 2. 186, 14: gleichwie du jetztmder mit mir procedirest, also wird 

audi der tod mit dir v erfahren y wann er dich nemlich wieder zu 

erden machen wird (abfahren, dahinf ahren) '/ 
Opitz 1, 218: kein solches regiment, das mit gewaU v er f ehrt, hat 

loftge zeit hestandt. 
Schiller 5 II, 414: man hat zu rasdh verfahren*). 

Diese erst im nhd. gebräuchliche Verwendung von verfahren 
ist am besten durch Umsetzung der passivischen Bedeutung 
jydahinfahren^ in eine aktivische zu erklären (S. 97 Anm. 1), 
wie sie sich aus den hier vorgeführten Stellen leicht entwickeln 
lässt. verfahren gegen einen lässt wohl schwerlich noch das in 
fafjW' enthaltene »gegen** (S. 9) durchschimmern ; doch vgl. die 
synonyme Wendung vorgehen gegen: 

Regensburg. Beichstagsabschied 1594: wie gegen den, so darwider 
handelt, verfahren werden soll. 

verfahren zu schlechtem Sinne übergehend: 

Schade pasqu. 14: hat er vor aUen dingen glaiubwürdig kuntsehaft uns 
darfhon . . durch die stimme gottes vaters domit niemant an im 
V er für (urre werden). 

Keisersberg Spinnerin 2a: hei diser gleichnusz versteestu aUer hasest, 
loie diser mensch verfaren ist in der narrethen liehe (festfahren). 



^) Dazn das Partizipialadjektiv verfahren „zerfahren, zerstreut, ver- 
zückt« (Staub-Tobler 1, 899). 

*) Ans solcher mehr zufälligen Verbindnng wird das mit zu verfahren 
getreten sein and sich mit ihm dann fest verbanden haben. 

") verfahren als intr. Verb der Bewegung verlangt sonst die Perfekt- 
umschreibung mit ;,sein'' (Erdmann I § 152 II). 



Eeisersberg Mlgerschaf t (1512) 120 b: wenn das pferd einen steinhufen 
oder ein crüiz sichte denn fart er neben uz uf die marter oder über 
die acker . . und verfert sich (Weg verfehlen). 

Gotter 3, 228: die kahr war verfahren, als man mu^ in die zügel 
eingreifen Uesz (festfahren). 

Goethe 30, 46: auch hätten wir nicht einmal aus der reihe weichen 
können, ohne uns in den graben zu verfahren (sich festfahren). 

Für das Preuss. verzeichnet Frischbier 2, 430 sich verfahren 
„sich durch Lügen festfahren*. Verbreitet ist die Wendung 
pden Zoll umfahren, vermeiden", so im Bair. (Schmeller 1, 739; 
verfüeren 749), im Henneberg. (Eeinwald 1, 181; Spiess 266) 
und Westerwäld. (Schmidt 290). In der Bergmannsprache be- 
deutet verfahren „den Gang mit Strecken oder Schächten öffnen 
(faur- I: hervor, heraus), abbauen*' (Jacobsson 4, 507; Veith 
521) und „verschrämen ** (Veith 521). Ein unverfahrenes fdd ist 
ein unbebautes (Veith 522); wenn man, daneben hinarbeitend, 
einen Gang unberührt stehen lässt, so wird er auch verfahren 
(„umfahren, verfehlt" ebd.)^). 

Mehr als verfahren zeigt vergehn Neigung zu /ra-Typen. 
Das „hingehn über etwas" entwickelt sich im as. zu den ganz 
verschiedenen Bedeutungen: „überziehen, verstehen, begehen". 
In vergehn sondern sich effektive und resultative Aktionsart 
(S. 20). Wir scheiden die Bedeutungen: überholen, hingehn 
über — vonstatten gehn, sich vertragen — vorübergehn, unter- 
gehn, vergehn — übergehn, versäumen; sich verirren, ver- 
fehlen. 

ahd. N. I 211, 31 P.: diso der mäno dia sunnün furegdndo eclipsin solis 
machot (Überholen, vorausgehn). 
Gl. II 30 a /«r^an^on ; progressa. 

n 543 a fergangenüb : concretus (anditos). 
I 410 a ana farkianc : invasit. 

N. I 351, 14 P.: dia {mSnÜichun mdnegfälH fergdngenes zites iöh 

chumftiges : f utnri ac preteriti. 

as. Hei. 2364 M.: farstandan ni uueldun, ihat sie häbdun forgang an 

frnndun an uuHlean, liudi mid iro gelöbun (zuvorkommen, entgehn). 

Hei. 2411 M.: hdbda it (krud) ihes uucddes hlea forana forgangan, 

that it m mcthte te enigaro frumu uuerden (überziehen). 



*) Die übrigen Bedeutungen von verfahren gehören zu fra-. 



100 

Hei. 3839 M.: fkdh sie ni uuarin so salige te thiu iheU sie it so far- 
gengin (C, farf engin), so it iro fruma uuari (verstehen, auffassen). 

Hei. 5765: uuard ihie hdago dag Judeono far gang an (liingehn über, 
begehen). 

Hei. 735 : m uuard sid nog er giamarlicara forgang iungaro manno, 

armlicara dod (Untergang, Tod), 
mnd. Lüb. Chr. 1, 92: de p<itriarche gink se (Kreuzfahrer) vore mit dem 

halte des h. cruees (yorausgehn). 
Old. Evangelienb. f. 21 : an der Verden nacht quam he (Christas) to en 

ghande vppe dem mere vnde wolde sevoregan (übergehn, überholen). 

Eberh. Reimchr. v. Gandersheim v. 850: unde de (hopeninge) is nu 
vorgangen, do he vor sin gud heft eniphangen hundertvold Ion 
(in Erfüllung gehn). 

Brem. G. Q. 110: vnde hedden sik gerne vrunüiken myt eme vorgan 
unde vorsceyden (sich vertragen). 

Magd. Seh. Chr. 53, 9: do dat fest vorgan was (vorüber). 
Liv. Urk. nr. 1104 (a. 1374): H. B, is mit sime schepe und mit dUe 
deme gude vorgangen (untergehn). 

5. Mos. 22, 1 (H.): du en schalt nich vorgan den erre ganden ossen 
dines hroders (übergehn, vernachlässigen), 
mhd. Marld. han. 87, 1: uxüe is gelungen . . dat du si hos akeuerre uur- 
gangen (übertreffen). 

Bon. 7, 20: wie solt daz reht da vüre gan (seinen Fortgang nehmen, 

ergehen), 
ühk. 2, 267 (a. 1371): sie soUen daz reht dar umb sich vergen lasen 

(über sich ergehn). 
Chr. 4. 181, 9: wie sich die kriege vergangen Jhobent Ins: üf disen 

tag (vor sich gehn). 

Msh. 3, 95b: diu sunne diu vergienc (untergehn). 
Schb. 203, 19: Sextus von dem swerte verginc (sterben). 
Pass. K. 26, 30: daz volc vergie (vorüber-, auseinandergehn). 
Osw. 3443: ir leben hat sich vergangen. 

Parz. 556, 28: weit ab ir midhz gar verdangen, daz iwer nuere mich 

verget (übergehn, nicht zuteil werden). 
Wigal. 8612: diu ere die zagen gar verget (meiden, übergehn). 

Parz. 2, 15: der sich nikt versitzet noch verget und sieh anders wol 

verstet. 
Bit. 1410: si hetten sich vergangen ein gazzen ze verre (zu weit gehn). 
Trist. 11756: der vergangene mxin (verirrt). 
Chr. 4. 300, 17: er vergieng sich gegen des kaisers Schwester. 



101 

Die Bedeutung „vorwärts, vor" mit fttrsorgendem oder ver- 
wehrendem Nebensinne weisen die Stellen auf: 

Arn. 101 (a. 1356): daz gut v er gen (eintreten für, verwalten). 
Weist. 1, 460 (a. 1527): aiiuih soll der schüliheisjs die gemeinde ver- 

lyden und vergeen, wo es not thut (vertreten). 
Neidh. 19, 2: ver g in ich dir den stic (hindernd vortreten, verlegen). 

nhd. Die Bedeutung „fiberholen*' ist gar nicht, „vonstatten gehn^ 
im nhd. kaum mehr nachzuweisen (DWB. ^1, 3; 402, 5 a): 

Lutb. 6, 351b: solche schreckliche reichen . ,, die sich zur propheten 
und apostel Zeiten wol vergiengen und biüig sotten unvergessen 
bleiben (sich zutragen). 

1. Mos. 7, 10: und da die sieben tage vergangen waren ^ kam das 

gewesser der sindfluih auff erden, 
Mattb. 24, 35: himel und erden werden vergehen, aber meine wort 

werden nicht vergehen. 
A. Gryph. 2, 382 Palm: Johann vergieng durch gifft, das ihm das 

Jdoster mischt (zugrunde gehn). 

Luth. 8, 39 b (DWB. 402): sihe, da hastu weib und kind, die mustu 

emeeren mit erbeit und sorgen, so wird dich der hutzel und brunst 

vergehen (übergehen, verlassen) *). 
Butschkj Patmos 271 : offt pfleget die juxend sich in den irrgarten 

böser begirden zu vergehen, wenn sie nicht durch den verstand, 

als der Äriadne faden, den rechten weg tr^en woUen (vom Wege 

abirrend sich festrennen). 
Chr. Qryph. poet. wäld. 1, 115: ich habe . . mit der sunder leichter 

schaar mich von der tugendbahn vergangen, 
Lohenst. Sophon. 23, 86: vergib mir, dasz ein weib so ferne sich 

vergeht . . dasz sie dein knie anrühret. 

Diese Stellen lassen die sinnliche Anschauung noch klar 
hervortreten, die dann in sich vergehn an einem, gegen einen und 
dem Nomen das vergehen verblasst. Diese Wendungen weisen 
wie auch die Bedeutung „vonstatten gehn, sich vertragen^ 
deutlich den !E2influss der/ra-Type auf. 

In den Mundarten hat vergehn neben der Bedeutung „vorfiber- 
gehn, verfliessen*' die selteneren „vor sich gehn, vonstatten gehn^ 



^) Doch hat auch Luther schon das häufigere mir vergM etwas, das 
später aUein herrschend wird (Erdmann II § 263): 

Luth. 2, 56b (DWB. 401): das lachen mir darob vergehet. 



102 

im Schweiz. (Staub-Tobler 2, 27) und Bair. (Schmeller 1, 860), 
im Niederdeutschen ^angehn" (hamburg.-holstein. et vergeit 
sik lüchey 69, Schütze 2, 2). Auch sik vergän „sich ver- 
tragen* ist gebräuchlich im Brem.-Nieders. (wb. 2, 475), Ham- 
burg. (Richey 69), Holstein. (Schütze 2, 2: twee vergaat sick, 
dree de slaat sick), was Schmeller 1, 861 ebenfalls für das Bair. 
bezeugt. Für das Schlesische führt Weinhold hs. 6 40 „über- 
gehn, verlassen* ^) an : 

Scbweinich. III 23 (42): eu solchem glücke hat mich . . mein gehabtes 
fdertägUches fieber . . vergangen. 

Die Gaunersprache gibt „vergehn, vorübergehn" durch ver- 
troUen, „verfahren" durch verschokden wieder (Kluge rotw. 458). 
Von hegehn und ergehn ist die /awr-Type vergehn deutlich ge- 
schieden. 

Auf die vorgeführten Beispiele gestützt, können wir nun- 
mehr den ganzen Bereich von faur- I überblicken und seine 
Beziehungen zu den übrigen Typen darlegen. Besonders wird 
uns der Bedeutungsübergang vom positiven zum negativen Sinn 
beschäftigen, faur- I von den andern Typen deutlich abzu- 
grenzen ist nicht möglich. Teils berührt es sich mit ihnen in 
der Bedeutung, teils weisen die mit ihm zusammengesetzten 
Verba den Einfluss der übrigen Typen auf. 

Fassen wir nun zusammen, so lassen sich in der Entfaltung 
der Type /awr- / folgende Schichten erkennen: 
1. in anschaulicher Bedeutung ohne Nebensinn („voraus, heraus, 
über — hin"): 

versehen: erwarten, erblicken, aasersehn, vorsehen, verzeihen. 
verhören : anhören, aushorchen, aufspüren, erhören, abhören, überhören 

(Lektion), verzeihen. 
verzechen: sprechen. 

verschreiben: schreiben, mitteilen, beschreiben, aufschreiben, verzeichnen. 
versetzen : vorsetzen, beibringen, ersetzen, als Pfand einsetzen, hingeben. 
verlegen: vorlegen, vorschiessen, auslegen, ersetzen. 
verschlagen: vorschlagen, auseinandersetzen, hinschieben, ausmachen, 

anschlagen. 
verfangen: überholen, wirksam sein. 



») Vgl. S. 101 Anm. 



108 

verschiessen : Torscbiessen , abschiessen, ttberschiessen , yerrinnen, aus- 
bleichen. 
verfahren: eröffnen (Stollen, Strecke), überholen, vorüberfahren an, 

. umfahren (Zoll), Tergehn. 
vergehn: begehen, überholen, übertreffen, Torttbergehn, vergehn. 

2. in dem Sinne „gebieten, festsetzen^: 

versehen: Torsorgend anweisen, vermachen. 

verleihen: bestimmen, beanspruchen, geloben, sich verpflichten. 

verschreiben: vorschreiben, ersuchen, verordnen, bestellen, vermachen, 

sich verpflichten. 
versetzen: verpfänden, festsetzen. 
verlegen : befehlen (nur mnd. S. 84). 

3. in abweisendem Sinne „verbieten, festlegen, sperren": 

versehen: vorsorgend abwenden. 

verspre<hen: versagen, verweigern, verschmähen, beschwören, bannen. 

versi^reiben : abschwören, verzichten auf. 

versetsen : als Verbot festsetzen (schwäb. S. 81), verwehren, versperren, 
sich verstopfen, dawidersetzen, parieren. 

verlegen: versperren, mit Beschlag belegen, widerlegen. 

verschlagen : versperren, unterschlagen, widerlegen, ausschlagen, zurück- 
schlagen, lähmen. 

verschiessen: sich entäussern, verzichten, sich festrennen. 

verfahren: festfahren (nhd. S. 98 f.). 

vergehn: versperren, verlegen (nur mhd. S. 101). 

4. in günstigem Sinne „versorgen, schützen, verdecken": 

versehen: versorgen mit, besorgen, verwalten, vertreten. 
versprechen: verteidigen, Erlaubnis nachsuchen für jem. (schwäb. S. 71). 
verschreiben: einkommen, eintreten für jem. 
versetzen: sich verbürgen für jem., verdecken^ sich verbergen (Fuchs, 

Dachs). 
verlegen : versehen mit, unterhalten, verdecken, verstellen (nur ahd. S.82). 
versehlagen: verbergen. 
vergehn: verwalten, eintreten für jem. (nur mhd. S. 101), überziehen 

(nur as. 8. 99). 

5. in gehässigem Sinne „verachten, schädigen, preisgeben" 
(„heraus, hinweg über"): 

versehen: übersehen, verachten, argwöhnen, verzaubern, sich zum 

Schaden sehn. 
verhören: überhören, missachten. 
versprechen: verleumden, verdammen, behexen, verwerfen, sich zum 

Schaden sprechen, sich verraten. 
verschreiben: ächten, berauben. 
versetzen: aussetzen, preisgeben (prostituere), eins auswischen. 



104 

verlegen: verdrängen, verwerfen. 

verschlagen : preisgeben, aassetzen, berauben, sich beflecken (mhd. 8. 881. 

verfangen: übervorteilen, sich vergreifen, übergreifen. 

verscfUessen: ansstossen. 

verfahren : vorgehn gegen jem. (nhd. S. 98). 

vergehn: übergehn, nicht achten, nicht zuteil werden. 

6. in tadelndem Sinne „verfehlen^ („hinaus ttber das Ziel, 
vorbei") : 

vers^ien: übersehen, versäumen, fälschlich ansehen, sich sehend irren, 
sich vergehn. 

verhören: unrichtig hören, sich hörend irren. 

[versprechen: unrichtig sprechen, sich sprechend irren]. 

[verschreiben: unrichtig schreiben, sich schreibend irren]. 

[versetzen: unrichtig setzen, fehlgebären, sich setzend irren]. 

[verlegen: etwas unrichtig legen, so dass es nicht zu finden ist]. 

versMagen: verfehlen. 

verschiessen : fehlschiessen , sich übereilen, sich festrennen, sich ver- 
ausgaben. 

verfahren: übergehn, verfehlen, versäumen, verlieren. 

vergehn: übergehn, versäumen, vernachlässigen, sich verfehlen. 

Zur ersten Gruppe ist wenig zu bemerken, die Bedeutung 
der Bildungen ist klar und deutlich. Die wenigen Belegstellen 
aus dem ahd. für „voraus, heraus" führe ich an. 

ahd. Gl. IV 142 a ferdenno, 59 b firdeno : extendo. 

I 566 a fkractiu : porrecta. IV 141 b : uarractemo : exserto. 
N. n 126, 10 P.: füre dine dina gnada .praetende. 

II 432, 25: die scrifte prapheiarum uuürden . . . f er den et unde 
f erriechet ze allen dietin. 

n 363, 13: alle eile ferrdhta t% mine hende ze dir in guoten 

uuerchen (emporstrecken). 
61. II 639 b /arseracter: porrecta (Rhodope). 
N. n 260, 3 F.: also timpanum uudrt üzer irdorretero hiüte unde 

ferstrdctero : extento. 
Gl. IV 155 b fwrdihot : poUet. 

n 115 b vvrdingit. uirdingot : proclamaverit. 

II 564 a ih ferdingo : appello. II 118 a firdingot : provocatum. 
IV 295 a ferdingit (sperat). 

III 411 b veriehunge : professio. 

I 490 a uirmarit torde : percrebuisset. 

I 697 a firmddet : delatae. 

II 522 b vememmet (v^nemet) : pervulgata. 

IV 13 a ferquidu : prescribo. 



105 



Langob. Urk. v. 746: in ferquede loco (am genannten Orte). 
Lex Roth. 147: damnum conponat ferquido, id est similem. 
Gl. I 718 a forradanuuirdit : tradetar. 

IIö48a/urt«cneto:prosilit. II 100a, IV322b/ar«crtcAt«;prosiliat '). 

I 665 b farspurtUt : inpinget. 

n 271 a fir- fer- forstoeames : inpingimas. 

I 445 b fartregit : asportabit. 

IV 89 b vurwasMt firuuasket : prolnit. IV 156 b ferwaskit : proloit. 

I 42 Pa. faruuorfan, gl. K. foruuorphan. Ra. faruuarfan : adiectns. 

I 86 Pa. fofUMnfan : arcire. gl. K. firuuerfan : carcire. 

I 352 a virwovfemu : genita. 
0. in 4, 24 : nieman . . thds mir zi thiu gthelfi, in thcuf wazzar mih 
fir werfe (hinablassen) •). 
as. Ps. 70, 17: fareundon scU ic uundir ihin : prononciabo. 

Hierher gehören alle Verba, die einen Hinweis nach vor- 
wärts enthalten, sei es a) in örtlichem oder ß) in zeitlichem 
Sinne, und y) solche mit der Bedeutung „einen Laut von sich 
geben'. Aus dem mhd. gehören zum ersten dieser drei Zweige 
die weiteren Bildungen: 

a) verbrechen anbrechen (bergm.), beim Fechten eine rasche Wendung 
machen (Lezer 3, 82 : vwrbrSdten 685), vürhreiten (585 : nhd. verbreiten)^ 
sich verdenen an seinen Sinn richten auf (92), verhdhen aufhängen 
(123: vOrlMhen 585), verh^>en emporheben (125: vürheben 586), ver- 
horchen anhören (132), verhornen entgegenkommen (147: vürkomen 586, 
602), verkünden erkonden (150), verlüatem aushorchen (171), vememen 
unternehmen (186: vümemen 586, 605), verrecken (198), verreichen 
(199), vergpehen erspähen (243), verspam aufsparen (243: vwrspcim 588, 
610), sich verspitzen spitz auslaufen (245 : viirspitgen 588) '), verspreiten 
(247: vürspreiten 588), verstözen hinweisen (253), verstrecken vor- 



^) Das in den lebenden Mundarten weit verbreitete, von der Schrift- 
sprache durch erschrecken ersetzte intr. verschrecken bedeutet ursprünglich 
.aufspringen, auffahren'. 

*) Kann auch zu frth gehören (vgl. got. Mc. 2, 4 frcUetan S. 17). Dazu 
mhd. einen über houbet verwerfen „präcipitare' bei Schmeller 2, 997. 
') Schon in bildlicher Verwendung (nhd. sich verspiteen auf): 
Pass. 174, 62: ist das der mensche hat ün leben als sich v er spitz et 
üwer wän. 
nhd. Günther 125 (1724): auf was ver spitzt sich wol der aip? nach 
welchem doktor steht die nase? (Schles. Weinhold hs. S 385, Preuss. 
Frischbier 2, 442). 
Danach ist wohl sich versteifen auf etwas gebildet (Schles. Weinhold hs. S 432) : 
Beyerlein, Jena oder Sedan S. 503 (Volksausg.) : dasz er sich um so 
hartnäckiger auf das glucks^giel versteifte. 



106 

strecken, erstrecken (254 : vwrstrecken 588), vertüdcen verbeugen (277), 
vertuenden üf hinweisen (301: vürwenden vorbringen 617), verwisen 
an^) hinweisen, zuweisen (312: vünoisen 618), verziehen herausziehen, 
üf verschieben, zögern (318, 319: vürziehen vorführen 589, vürzoc 
Verzug 619), verzogen zögern (322: viirzogen 689), verzücken (mezzer) 
zücken, verziehen (323: vürzücken 589). 

ft) vürahtunge Vorsehung (ö89), verbeiten „exspectare" (Nachtr. 390), ver- 
halten n/ auflauern (123: vwrhälten 585), verhcffen (131), verhüeten 
auflauem (134), vertagen verschieben (266), vürtraMunge Vorbedacht, 
Vorsehung (616), verwtenen erwarten (294), verwa/men (295 : vwnoamen 
617), verwarten auflauern (295: vürwarten 589), venoickunge „praenosti- 
catio« (306). 

y) verantwürten antworten (69), verboten, verbotachaften zu wissen tun 
(80) , vergihten bekennen (Nachtr. 391) , verheilen gestehen (127) , ver- 
jächzen, verjagen, verjäzen bejahen (136, 137), vetj&^en aussagen (137), 
sich verklagen sich beklagen, klagen (145), verklengen hinausschmettern 
(146), verkünden (150: vürkündic hekaxint 603), verhuntschaften berichten 
(151), verlesen (166), verliumundet berühmt (166), verliuten verkünden, 
läuten (166, Nachtr. 392) , vermanen ermahnen (173) , vemueren offen- 
baren (174), vermBlden (177), vemennen nennen (Nachtr. 392), verrüefen 
öffentlich ausrufen (206: vürrttofen 587) >), verrüemet berühmt (207), 
versagen aussagen (209), verscMnboten durch scMnboten melden (217), 
verspräclien anreden (245), verurteilen als Urteil verkünden (282), ver- 
Worten sagen (313), verzeln erzählen, vorzählen (316). 

Besonderes Interesse erheischen die Bildungen versprädien, 
verwarten und veijächeen^ verjagen^ verjazen. Sie sind nach dem 
Muster von versprechen und verjehen aus Nominibus bzw. Inter- 
jektionen analogisch gebildet worden"). 

Kühner noch sind die mnd. Bildungen vorhrogen „im Ernge 
besprechen" und vorogen „ins Auge fassen", in deren Bedeutung 
das Stammwort eigentlich eine lokale Stellung einnimmt: 



^) nhd. P. F. Sperling Nicod. (1719) 2, 83: weü dich gott an Moses 
vnd die propheten verwiesen hat, daher o höre dieseXbigen. 
Dieses verweisen (mhd. verwüsen) ist nicht ndt verweisen „strafend oder 
tadelnd vorhalten^ (mhd. verwizen : got. fraweitan S. 17) zu verwechseln. Im 
nhd. haben sich beide lautlich gemischt, nachdem sie sich mhd. schon in der 
Bedeutang einander sehr genähert haben (vgl. Lexer 3, 312). 

') mhd. verruof (208) bedeutet „Verkündigung'' ohne den üblen Neben- 
sinn, den Verruf jetzt hat, besonders in der studentischen Sprache (Kluge 
stud. 133). 

*) Während verjahen im nhd. von blähen verdrängt wird, erhält sich 
verneinen (schon ahd. Gl. II 542 b fimeinnen : abiurare), wie ver- überhaupt 
den negativen Sinn besser bewahrt. 



107 

Daniel y. Soest, Apologetikon S. 9: dar se dan (an Sonntagen) gods 

Wort alse nasewyse iadelgense verkrogen vnd bälgen (cauponare 

Terbum Dei). 

Hamb. Z. R. p. 12, 2 : eyn ider geselle sehall weten to mähende veer 

gude plaestere . . de men na gelegen und vorogeden (,, eräugten?'') 

gebreken eynn ider iho syner tydt moeth ghebrukenn. 

Ferner sind ans dem nind. hervorzuheben: vorhalen herbeiholen, berichten 

(Schiller-Lübben 5, 359 b), vorjatoorden Zustimmung geben (374 b), varkallen 

aussprechen (375 a), vorlagen nachstellen (384 b), vorlangen reichen (385 a), 

vormorgen, vormomen «procrastinare" (408 a), vorradu^ „prospiciens*', vor- 

sorgend (420 a), vorrisen auferstehen (425 a), vorschinen erscheinen (434 b), 

vorspode glücklicher Fortgang (455 b), vorstrecken vorschiessen, hinausschieben 

(465 a), vortogen, vorUmen zeigen (475), vortoven erwarten (476 a), vortrecken 

hinziehen, erzählen (477 a), vortugen durch Zeugnis erweisen (479 a), vorwar- 

sdimoen warnen (498 a), vormüekoren, vorwiüen zustimmen (505 b, 506 a). 

Aus der nhd. Schriftsprache ist verschreUen „vorschreiten" 
und vermtungen „durch die Zeitung verbreiten" als bemerkens- 
wert anzufahren: 

Rud. Haym romant. schule 149: und verschreitet ztdetat dazu . . 
eine Übersetzung su liefern, 

Blumauer bei Campe 5, 407 a: das elend wurde weit und breit ver- 
zeitungt 

Auch verbeugen und verneigen gehören hierher. 
verluften ,der Luft aussetzen, auslüften" im Schweiz. (Staub-Tobler 3, 1161 ; 
Seiler 110), Wetterauisch-Frankfurt. (DWB. 825) und Brem.-Nieders. (wb. 3, 
32 verluchten) gebräuchlich: 

Yischer, auch einer 419: verlufte mich nebenher (erhole mich auf 
dem Lande). 
In den meisten Mundarten ist verbringen, verführen noch nicht durch vötl- 
bringen, vollführen ersetzt, besonders in der Wendung lärm verbringen, ver- 
führen gebräuchlich ( Staub -Tobler 5, 722; 1, 982, Strassb. Schmidt 111, 
schles. Weinhold hs. B 174, F 199, Leipz. Albrecht 228, Berl. Meyer 125 b, 
Mansfeld. Jecht 117). Eine Üble Nebenbedeutung hat verbringen im Kärnt. 
(Lexer 42), verführen im Henneberg. (Spiess 266) erhalten. Ferner ist aus 
den Mundarten zu erwähnen preuss. verbeissen Imbiss nehmen (Frischbier 
2, 427), pomm. verbrewen schriftlich kundtun (Dähuert 518), Schweiz, vergichte, 
verjeche, verjächze, schles. verjehen bekennen, bair. vergicht Bekenntnis (Staub- 
Tobler 2, 109; 3, 6; 3, 9, Weinhold hs. J 32, Schmeller 1, 869), pomm. 
sik verhewen anheben, beginnen (Dähnert 521), Schweiz, schwäb. verkomme 
begegnen (Staub-Tobler 3, 277, v. Schmid 322), bair. verloben völlig loben >), 
Schweiz; verlümdet unbescholten (a. a. 0. 3, 1273), schwäb. vermache auskund- 



>) H. Sachs Ndr. 51/52 S. 137: die hat so schöne rote schenckel . . das 
ich dir sie nit kan verloben. 



108 

Schäften (v. Schmid 368), schles. vermären bekannt machen (Weinhold hs. M 
32), schles. sich vermatUen, vermätUem sich maulend aufhalten, „Widerparte 
geben" (ebd. M 46), Leipz. mcA vermaulieren (Albrecht 230), Schweiz, vemamse 
nennen (a. a. 0. 4, 757), Götting. verögen, veraügen erblicken (Schambach 264), 
bair. den fuchs verpassen auflauern (Schmeller 1, 409), elsäss. henneberg. 
verraten erraten (Marti n-Lienhart 2, 298), empfehlen, vorschlagen (Spiess 268: 
ich toiü dir einen arzt verraten)^ schw&b. henneberg. versagen völlig sagen, 
beschreiben (v. Schmid 445, Reinwald 1, 183), verschrecken erschrecken in 
obd. und ndd. Mundarten (Stalder 2, 351, Seiler 112, Martin -Lienhart 2, 
517, Schmidt Strassb. 112, Askenasy 227, Müller -Weitz 255, Meyer 127 b, 
Jecht 119, Danneil 239, Schambach 266, Woeste 295, Frischbier 2, 441), 
Schwab, brem. verschreien aus allen Kräften i(chreien (v. Schmid 479), öffent- 
lich ausrufen (brem. 4, 6%), westfäl. versichUn aufmerken (Woeste 295), 
Schwab, verspechen erspähen (v. Schmid 499), versprechen Antwort geben 
(ebd. 503), pomm. sich verstrecken sich erstrecken bis, vertrösten zusprechen, 
Hoffnung machen (Dähnert 527, 528), brem. verwissen erweisen, dartun (wb. 
5, 275), bair. den fuchs verwittern^) durch Riechen der Lockspeise fangen 
(Schmeller 2, 1051), Schweiz, vemoorten darlegen (a.a.O. 1, 907), kurhess. 
sich verwarten an einen sich in Unterhandlungen einlassen mit jem. (Vilmar 
459), schles. verwünschen^) wünschen (Weinhold hs. W 179), schwäb. ver- 
zeigen andeuten, sich vereeigen erscheinen (v. Schmid 545), verzählen ') in obd. 
und ndd. Mundarten (Seiler 115, Schmidt Strassb. 112, Schmeller 2, 1112, 
Hügel 182, Albrecht 132, Reinwald 1, 183, Weinhold hs. Z 6, Schmidt westerw. 
314, Schambach 267, Müller -Weitz 256, Honig 19öb, Askenasy 227, Meyer 
128 b, Frischbier 2, 444). 

Aus den Berufsprachen ist hervorzuheben: 

Der Jäger sucht das Wild zu verhören oder verlusen („aufspüren^ 
Kehrein 304). Dieses verhofft oder vermerkt („wird stutzig, steht plötzlich 
still und wittert'' 304) und verwindet die Gefahr („nimmt durch Geruch, 
Wind wahr'' 310). Der Hund venneldet („schlägt an" 306) und verbeUt dann 
das Wild („anbellen, durch Bellen aufhalten" 301). Das Gehörn des Hirsches 
verreckt („reckt sich aus, wächst" 307), der Hirsch verstreckt, wenn er ein 
neues Geweih bekommt („ausstrecken" 309). In der Schiffersprache wird ein 
Schiflf verholt („mittels Tau weiterziehen" holl. Bobrik 706b); versidittqp 
ist ein Visier, eine Vorrichtung zum Zielen (708b), vertoning des landes die 



>) Kunstwart Jahrg. 19 Heft 7 S. 420 (Volkslied): ein engeUin aber 

verwittert den wind (wittert, woher der Wind weht). 
*) A. Gryph. Ndr. 3 (Horr.) S. 22: er verwündschte uns unsterbUdie 

glückseligkeit 
W. Scherffer in Germ. Abb. XI, 274: hierbey verwüntsch' ich euch, 

was ihr euch selber wilnts(ht 
') Luth. 15. 757, 36 W.: Matiheus die Sprüche nur verzelet auff einen 

hauffen, aber nicht ordent (aufzählen). 



109 

perspektivische Abbildung der Rüste (boll. 709 a). Der Bergmann veröffnet, 
wrritgt, wrs^hürft, verschrotet die Strecke („in Bau nehmen, auf schliessen '^ 
Veith 532, 533, 536, 537) und verörtert sie dann („weiterführen* 532). Im 
Hüttenwerk verhlickt das Silber, wenn es sich rein darstellt (.Tacobsson 4, 
504); der Tuchbereiter verholt die Schraube, wenn er sie zum zweitenmal 
anzieht (ebd. 4, 517). 

Ferner gehören zur ersten Gruppe die Verba der Bedeu- 
tung „überholen** und „vergehn". 
<J) „überholen**: 

ahd. Gl. U 217 a furidihant (transcendens). 270 b /urtdi^ : transcenderet. 
I 519 a furiquamvn fttrivangotun : anticipaverunt. 
N. I 719, 26 V.: ddz er eruuindendo sih aber läse fürdlet uu^rden. 
Mercurium fürelöufet tiu sunna . . . ünde sia eteuucut füre- 
loufender retrogradus u/uirt ünde aber si für ef ah et (prevertere 
— antevenit — precedi). 
0. V 5, 6: then ginöz firliaf er frdm. 

N. I 837, 10 P.: tisen iouis drctUum fürerücchentiu :hunc etiam 
pretergressa circum. 

I 490, 9: ünde d6ro nehün neuerrücchet taz ander : et nihil 
horum prius Tel posterius est. 
Gl. I 533 a aihfirscrichit firscricehit : transilit. 

I 788b vuritrefantemo furtrefintem : preceUenti. 
N. I 758, 10 P.: feruuündene föne dero irünchem des storchen 
uutnes : olacis i. odorati temeti madoribus implicati. 
as. Ps. 58, 11: gendiha sin für i cuman sal mi ; praeveniet me. 

Hei. 4669: er ihan ihius ihiustrie naht lituli farlida (hereinbrechen 
über), 
mhd. verbieten überbieten (Lexer 3, 74), verdihen übertrefifen, zuvorkommen 
(95), verdösen übertäuben (97), vürglemen überglänzen (599), verheben über- 
heben, entheben (125), verhahen übertreffen (131), verhornen zuvorkommen 
(147: vürkcmen 602), verUben überleben (155), verlisten überlisten (165)^), 
v«rtotf/en überlaufen (168: twiow/en 604), ücrmAercn übertreffen (175), verriten 
überholen (205: vürriten b81), i^erÄCÄaÄen überschaUen (211), verschelken ^Lhei- 
listen (214), verschcenen an Schönheit übertrefifen (217), vefsibenen mit sieben 
Zeugen überführen (227), versigen besiegen (228), versnellen zuvorkommen, 
übervorteilen (239), vürspringen überspringen (611), verstieben übergehn (252), 
verstriben strebend hinauskommen über (254), mich verswinget übergeht etwas 
(265), eines dinges vertragen sin überhoben sein (273),. veftr^en .übertrefifen 
(274: vur«rc/(gn 588), i?«r<rump/cn übertrumpfen (277), vervüereh (zol) fahrend 
umgehn (271), t7«ni;e^^ überwiegen (297: vörw^cn 589), vurtoent überdauern 
(617), venoinden, venoinnen überwinden (309), verwischen übergehn (311), 
verwisen überführen (312), versiugeu überführen, überzeugen (322). 



') Verschiedene dieser Bildungen neigen schon zu dem Sinne ;, schädigen" 



110 

Daza kommen aus dem mnd.: 

varkesen vorziehen ( Schiller -Lübben 6, 377 a), vorUoken an Elngkeit ttber- 
trefiFen, überlisten (379 b), varkneen überknien, Vorerbrecht haben (fries. 379 b), 
varraschen überraschen (421a), vorstriden besiegen (465 b), varttigen fiber- 
führen (479 a). 

Nach venoinnen ist verlisten, verschdlken, vorJdoken, vorraschen 
analogisch gebildet worden, in denen das Stammwort ein Nomen, 
kühner noch versibenen nach verjntigen, in dem das Stammwort 
ein Zahlwort ist. Aus dem nhd. hebe ich verschreiten „über- 
gehen« hervor: 

Schwarzenberg (1536) 156 d: damit ich aber nit verschreyt der aUen 

frummen hayden zeyt 
Keisersberg trostsp. l i: des Schadens war ich vertragen, ld>te er 

noch (überhoben). 

Für das Bair. bezeugt Schmeller 1, 656 vertragen „einer 
Sache fiberheben''; den Zoll verführen „umfahren, vermeiden« 
heisst es dort ebenso wie ver/aJiren (1, 769). verbieten „öber- 
bieten, höher bieten« ist noch elsäss. gebräuchlich (Martin- 
Lienhart 2, 117). Eigeutfimlich ist verloben „mehr loben, vor- 
ziehen« in der Mansfelder Mundart: do varldto ich mich das 
platzen (Platzkegelspiel). 

Einen besonderen Zweig bilden die Verba des Sinnes „ver- 
schlagen, verfangen«: 

ahd. Gl. IV 130 b furheftit : anticipat. 

mnd. Brem. G. Q. 101: vnde fruchieden ock, dat it aUo groot gut wolde 
kosten vnde veU mer dan it vorstaan toolde (fruchten, eintragen) ^). 
mhd. Herb. 12156: sit mtn bete und min rät niht vervehet noch verstät 
£n. 280, 15: läe din lougen, ez entouch, ee ne verstet nM ein h&r. 
Herb. 16682: mamige rede u/nd manic wort wart da von in swein ge- 
hört, die nuwit ne verstieg. 
Wirtemb. s. 8: vil liUzel in des verwac (das verschlag ihm wenig). 
Parz. 296, 8: iewederz was ein strengiu not: an im wae für der 
minnen löf). 

Da faur- 1 sich ursprfinglich nur mit Bichtungsverben ver- 
bindet, werden wir bei verstän entweder analogische Über- 



') Schiller -Lübben 5, 459 a setzt fälschlich betontes Präfix an und 
schwankt in der Auslegung. Dieses verstehen ist auch aengl. belegt: 
Past. 54: ne for Stent dost fweal nauht. 

') Auch bei verscfUagen bewahrt Wolfram die Vorstufe, die unge- 
schwächte Form in unfester Komposition (Parz. 584, 3; vgl. S. 88). 



111 ' 

tragung annehmen oder darin eine /atr- Type sehen, die eben- 
falls zu dem Sinne „hinaus ttber'' gelangt, verwegen ist wie 
verschlagen vom Bilde der Wage genommen: „den Ausschlag 
geben, das Übergewicht erhalten **. fawr- I „voraus, heraus" 
gibt auch ähnlichen Sinn: 

La. 2. 29, 155: ir sit mit lenger minn€sre denne iutoer guot mae ver- 
legen (auslegen, eintragen). 
Trist. 7267: waz truoc dcus vür ode wae half dae? 
Neif. 11, 30: toaz treit dich für, ob ich nach der vü herzelid>en 
lieben stirbe (was gehts dich an?). 
Von den heutigen Mundarten gebraucht das Schweiz, in dieser Bedeutung 
neben verfangen noch verfassen (Staub-Tobler 1, 1061) und vertragen (Stalder 

1, 294: das v er treit jetzt nit viel, Seiler 106: 's mag si nitt ferdräge 
, lohnt sich nicht der Mühe''), die ndd. neben versehlagen noch verklicken 
„erklecklich sein' (Brem. 2, 784, Hamburg. Richey 122, Holstein. Schatze 

2, 277: dat kann nich veel verklieken) und verschden „verschieden sein, 
etwas ausmachen'' (Brem. 4, 629: dat kan mi nig verschelen j, nichts 
helfen'', Hamburg. Kichey 225, Pomm. Dähnert 525, Preuss. Hennig 290: 
es verschält nicht viel „verschlägt nichts*', Frischbier 2, 440). 

Die Gruppe „fiberholen*' berfihrt sich in erster Linie mit 
/atr- Typen, doch kommt auch fra- in Betracht bei den Aus- 
drücken des Reichens (verreichen, vergeben) und „einen Schmerz 
verwinden": mhd. verklagen (Lexer 3, 145), versmfzen (231), 
versrnersen (238), nhd. vertrauern ^). Sie können analogisch nach 
verwinden gebildet (faur-): „klagend, seufzend, mit Schmerzen 
hinwegkommen fiber" oder /ra- Typen sein: „aufhören zu 
klagen, seufzen, Schmerz zu haben". Das Bair. bildet dazu 
verwehen (weh) „verschmerzen" (Schmeller 2, 824). Mehr noch 
nähert sich faur- I dem fra- in der Gruppe „vergehn", die in 
ihren Bildungen beide Typen vereinigt. Im grossen ganzen 
trifft es etwa zu, dass die Verba der Bewegung von fawr- 
(„vorttbergehn"), die Verba der Sinneswahrnehmung von fra- 
ausgehn (verglimmen, verduften „aufhören zu glimmen, zu duften"). 

e) „vergehn": 
ahd. Gl. I 496 a ßrebbita : differbnerat. 
n 205 b fiffluzeit : deperit. 
210 b firfiiuzzit : deperit. 
N. n 219, 24 P.: sie zegdnt also gdhez uudzzer daz sä ferloüffen 
ist : tanquam aqua decorrens. 



*) Keisersberg granatapfel 29: ein fraw vertrawrt jren man bdld^ 



112 

N. I 458, 6: Ue so uerlöufenten passionea : phBeiones hniasmodi '). 
II 247, 20: diu aha ist mortaUtas. dn d6ro f er rinnen uutr. 

Gl. n 261 a uarsuindu : evaneo, dispareo. 

N. I 744, 6 P.: ünde so gdreuuo fersuäni : eYAneBcehat. 

II 379, 9: uuanda aik unsere tdga . . sint fersuinen : defecerant. 

Gl. II 30L a farvuard : interiit. IV 10 b feruuerdan : occumbere. 

T. 52, 4: truhUn, heili unsih, uuanta uuir furuuerden^. 

Gl. II 36 b forfwichen dan : cedentibus. 
as. Hei. 3470: antihat is Idndiaki farcuman uuirdit (vergehn). 

Ps. 56, 2 : untia farUthe tmreht : donec transeat iniquitas. 

Ps. 1,6: geverthe ungenethero feruuerthan sal : iter impiorum peribit. 
mhd. verdraben (Lexer 3, 97), verdringen (Nachtr. 391), verhornen (3, 147: 
vüriomen 586), verltden (161), v&Umfen (168), verrinnen (205), verriten (205: 
vürriten 687), verrücken (206), verriUchm (208), versUfen (233), versnurren 
(241), versUehen (262), verstrichen (254), verstotmen (264), verstotnen (265), 
vertriten (274), vervliegen (288), vervliezen (288), verwerden (302: vürw&rden 
589), verwischen (311), versagen (322). 

Die reflexive Form ist besonders beliebt: 

sich verdraben (97), vurrümen (207), verst&n (251: vürsteln 588), verstrichen 
(254), vertagen (266), verträten (275), vervliegen (288), vervüeren (291), ver- 
ziehen (319). sich verflüchtigen (15. Jahrb. DWB. 344) ist zn vervlühHe ifur- 
fluchtig ^profagus' (Lexer 3, 289) gebildet. 

Aus den nhd. Mundarten kommen dazu die scherzhaften 
Ausdrücke f&r „sich aus dem Staube machen^: 
verduften, ans dem Rotwelschen stammend (Klage rotw. 493, Wien. Hügel 
178, Leipz. Albrecht 226, Berlin. Meyer 125 b, preoss. Frischbier 2, 429)'), 
sich verfügen (Berl. Meyer 125 b, mir ans dem Prenss. gel&ofig), sich ver- 
fuschen (Westerwäld. Schmidt 289), sich verkrümeln (Albrecht 229, Meyer 
126a, prenss. Frischbier 2, 434), sich verreiben (Frischbier ebd.), sich ver- 
ziehen (Albrecht 240, Meyer 128b), sich verzoppen (Meyer ebd.). In der 
Weidmannsprache verstreichen sich Rebhühner, die, häufig beunruhigt, ihren 
Aufenthalt wechseln (Eehr^ 309). 

verwerdefi „ zugrundegehn '^ lebt noch im Bair. (Schmeller 2, 990) und 
Schles. (Weinh. hs. W 106). Kühn gebildet ist Schweiz, verhosle „davon- 
laufen'' ( Staub -Tobler 2, 1*689). In der Bedeutung „vergangen, neulich, 
jüngst '^ haben sich mundartlich noch die Ausdrücke ndd. verleden (Wester- 
wäld. Schmidt 302, Köln. Honig 192 b, Brem. 3, 35, Hamburg. Richey 321, 

^) Schon ahd. im übertragenen Sinne „ablaufen, geschehen", 
mhd. Haig. r. 53, 4: als sich mengerlai in ainer stat verlauft 

') für- bei Tatian ist Normalform, aber eine /aur-Type anzusetzen ver- 
langt mhd. vürwerden (Lexer 3, 589). 

*) Gerade die Mundart der Grossstädte hat eine Anzahl Ausdrücke der 
Gaunersprache entlehnt. 



113 

Holst. Schätze 4, 304, Pomm. Dähnert 623, Preußs. Prischbier 2, 436) und 
Schweiz, schles. venoichen^) erhalten (Stalder 2, 448, Weinh. hs. W 76). 
Schles. verscMenen, Brem. Pomm. versehenen (Weinh. hs. S 73, brem. 4, 656, 
Dähnert 525) geht auf eine /ra-Type zurück. 

Wie fatiT' I vereinzelt die durative Funktion bezeichnet 
und damit in das Gebiet von fra- fibergreift (mhd. vürspam, 
vertagen, vürwarten^ vereiehen, vüreogen S. 105 f., mnd. vormorgen, 
vorstrecken, vortrecken S. 107), so wird es in wenigen Fällen auch 
zur effektiven befähigt: mhd. verbringen „vollbringen" (Lexer 
3, 83: vürhringen 685), verenden „vollenden* (106: vurenden 
Herb. 3465 ebd). 

Bevor wir die übrigen Gruppen von faur- I näher be- 
handeln, müssen wir erklären, wie es kommt, dass ein und 
dasselbe Präfix hier (Gruppe 2) ein Gebot, dort (3) ein Verbot 
bedeutet, dass es zugleich gunstigen (4) und gehässigen (5) 
Sinn entwickelt. Der Grund dafür kann entweder in der dehn- 
baren Bedeutung des Präfixes oder des Stammwortes liegen 
oder sich erst in der eigenartigen Zusammensetzung entwickeln. 
Ob faur- die Anschauung „voraus, heraus" oder „hinaus über" 
vertritt, verschlägt natürlich viel (vorsehen — übersehen). Das 
„voraus, heraus" erhält einen ganz verschiedenen Charakter, ob 
es sich etwa mit sehen oder setzen verbindet: aussetzen nimmt 
gegenüber voraussehen ein gehässiges Gepräge an, besonders 
wenn voraussehen zum vorsehen, Vorsorgen wird (lat. providere 
— prostüuere). So kann sich schon entgegengesetzter Sinn 
in der Komposition entwickeln, wenn beide Bestandteile der 
individuellen Färbung entbehren. Ein versprechen „frei heraus 
reden" kann im Gefüge des Satzes je nach dem inhalt- 
lichen Znsammenhang freundlichen oder gehässigen Sinn an- 
nehmen, kann zum Befürworten oder Verleumden werden. 
Wenn sich aber das Präfix mit Stammworten verbindet, denen 



*) A. Gryph. Ndr. 6 (Sqnenz) S. 14: es Ttat sich verwichene tage ein 

. . dofff-schulmeister . . angemeldet. 
■) nhd. verwarten, veraielen: 

Opitz Argenis 2, 349: so lange allhier eu verwarten. 
Keisersberg postill 3, 102: du möchtest jn (Schuldner) wol verzylen 
und jtn beiten. 

Leopold, Die Vorsilbe ver- 8 



114 

schon ein individueller Sinn eignet, wie hassen oder stossen, so 
fiberträgt es aus dieser Verbindung den gehässigen Sinn^) 
weiter. So wird etwa aus einem Verstössen^ verwerfen das ver- 
mit gehässigem Nebensinn auf verschreiben übertragen (lat. 
praicere — proscribere), das an sich gar nicht verständlich wäre. 
Endlich aber kann in der Zusammensetzung sekundär ein ganz 
neuer Sinn entstehen. Während versehen, verhören „ftbersehen, 
überhören" ohne weiteres die Bedeutung „nicht beachten, miss- 
achten** ergeben, entwickelt sich in versprechen „über etwas 
hin sprechen** aus der Situation heraus der Sinn „besprechen, 
behexen, beschwören**. Da der Spruch, die Zauberformel, 
bindenden und lösenden Inhalt haben kann, wird das versprechen 
bald zum Behexen, Verzaubern, bald zum Erlösen, Entzaubern 
(S. 69 Änm. 2). Aus dem inhaltlichen Znsammenhang des Satz- 
gefüges ergibt sich der positive oder negative Sinn. 

Von hier aus nur verstehen wir verbannen^ verbieten (vgl. 
S. 11 u. Anm.). verbannen bedeutet: „mit einem Machtgebot 
(Bann) belegen** und hat je nach dem Inhalt der Drohung 
positiven oder negativen Sinn. Durch Bann kann man einer- 
seits gebieten und zueignen, anderseits verbieten, entziehen 
und ausstossen. 

ahd. Gl. I 26 Pa. gl. K. farhannan caholan : occulta. 
mnd. Magd. Seh. Chr. 33, 5: des iares worden vor bannen unde vorstori 

keUere (mit Bann belegt), 
mhd. Swsp. 169, 1: verbannem hole (Holz aus dem Bannforste). 

Weist. 1, 236: verbannen gerihte (bei Straf e des Bannes geboten)*). 
Hätzl. 2. 55, 135: das geriht was vast verbannen (zusammengesetzt). 
Mart. 121, 105: in Sünden fluoche verbennet (festbannen)*). 
Kud. weltchr. 1 28 a : der gotes enget dö beschiel Jösue und hiez in so, 
daa er die stat verbien aZ da gote in alsoVien siten, swenne sie 



^) So ist auch der Ausdruck S. 17 zu verstehen, dass pro in der Be- 
deutung „weg" häufig etwas Wegwerfendes, Gehässiges, Verächtliches be- 
zeichne. Von Hause aus haftet dieser Sinn natürlich dem Präfix pro (got. 
fror) nicht an , sondern wird etwa von einem got. frawatrpan auf ein an 
sich nicht verständliches fraqißan analogisch übertragen (ebd.). 

•) vürban (Lexer 3. 589) heisst die richterliche Verkündigung, die den 
zu Unrecht Verklagten gegen den Kläger schützt. 

*) Starke und schwache Form des Verbs gehen nebeneinander her. 



115 

die sUU erstriUn . ., daz sie des rauhes getoin gote solden opfern 
dar (durch Bann zueignen). 

Weist. 4, 277: ain mayger . . sol die henn verbannen an 3 se., weg, 

Steg (Verbot ausmfen, Weg and Steg zn betreten). 
Diem. 372, 27: nü sit ir dem Uuvele verboten und verbannen 

(durch Bann entziehen, feien gegen). 
Eracl. 2653: eom schelten unde strit das was do verbannen von 

wiben und von mannen. 
Chr. 9. 737, 10: kaiser Ludewig wart verbannen von dem böbste 

(durch Bann verfluchen, ausstossen). 
nhd. Kirchhof mil. discipl. 939: dieweü jr denn . . diese gefragten articul 

. . für recht und kräfftig erkenndt: so verbanne ich nach cUtem 

gebrauch und wol hergebrachter gewonheit das löblich malefiieredit 

(bei Strafe des Bannes gebieten). 
Ap. gesch. 23, 12: eüiche . . verbanneten sich weder zu essen, noch 

zu trinken, bis das sie Paülum getödtet hetten (sich bei Strafe des 

Bannes verpflichten, verschwören). 
Simpl. 4. 132, 29 Kurz: dasz er mir . . das röhr zugetan oder den 

schusz verbannet gehabt (verhexen, durch Bann verhindern). 
3. Mos. 18, 14: der selb acker , . sol dem Tierm heüig sein, wie ein 

verbannet acker und sol des priesters erbgut sein (durch Bann 

zugeeignet, für unantastbar erklärt). 
Jos. 6, 21: also gewonnen sie die stad und verbanten alles, was in 

der stad war, mit der scherjfe des schwerts (Strafe des Banns ver- 
hängen). 
Kirchhof mil. discipl. 165: denen feuwer und wasser verbannet und 

verbotten ist (aqua et igni interdicere). 
Fischart bienenk. 10 a: dasz sie auch allezeit für ketzer seien ver^ 

bannt und verflucht gewest (in Bann getan). 
Goethe 17, 71: um . . alle kleine unzulängliche sorge auf einmal zu 

verbannen (beseitigen). 

verbieten besagt zunächst nur „kund und zu wissen tun^, 
und erst aus dem Sinne der Verkttndigung heraus ergibt sich 
auf der einen Seite Gtebot und Aufgebot, auf der andern Ver- 
bot und Verbannung (vgl. auch vürhieten Lexer 3, 584 f., 
DWB. 4 I, 664)^): 

^) Auch in den lebenden Mundarten ist verbannen, verbieten in positivem 
Sinne noch nicht ganz erloschen. Im Schweiz, bedeutet verbannen „bei Strafe 
gebieten oder verbieten" ( Staub -Tobler 4, 1279), verbieten „bei Strafe ge- 
bieten, in Beschlag nehmen, ausweisen" (4, 1874): 

Aa. Brugg. Stadtr. a. 1498: ein schulthes und ein rat lass verkütiden 
und verbieten: .... 

8* 



116 

ahd. Gl. I 322 a fitbiut : contestare. I 300 b firhdt : denniitfavit ^). 

II 38 b firhot : censoit. I 743 a furiputun mrputun : denuntiaTerant. 
II 773 b ferbietan : proponimos. n 198 a firbutet : predicit. 

II 2 b uerpotana : ininssas. 

I 26 Pa. furipitUU, gl. K. furibiutit :prohibet. 

II 107 a firpoth : interdixit. II 123 a wfpiotemes : inhibemas. 
n 263 a uirbiete : interdicat. II 728 b ßrpiutit : interdicit. 

as. Wadst. 107, 4 uarhudwn : yetuerant. 
mnd. Hamb. Chr. 556: min broder heft sik vorbaden äüe sine worde to 
beswerende (sich erbieten). 
Z. f. N. Sachs. 1848, S. 342: vnde wü de gemeine vorbeden lan 
(anfbieten). 

Br. d. Ens. 32b: dat g^ot godes vorbudet (Terbieten). 

mhd. Aagsb. r. M. 135, 13: ein dinc verbieten (einberufen). 

Nib. 2282, 3: ich verbiute iu, dous ir iht sprechet mer (Terbieten). 

S. Qall. stb. 4, 115: einen vür die stcU verbieten (answeisen). 
Folgende Stelle stellt verbieten auf eine Stufe mit verbannen 
„mit Strafe belegen, bei Strafe gebieten": 



G^ Stdt. a. 1494: Michel Gengenbach ist aber see und Byn us ver- 
botten. 
Danach wird verbreiten gebildet in der Formel verbretten und verbannen „ge- 
bieten — verbieten^ (ebd. 5, 912 ; zu verbreiten vgl. die Etymologie von laden 
IF. 16, 114 f.). Im Schwab, verbieten „vorladen« (v. Schmid 66), im Bair. 
verbietig » willig, erbötig', verbieten „mit Beschlag belegen' (Schmeller 1, 307). 
verbannt heisst noch heute ein Feld oder eine Wiese, deren Beweidung ver- 
boten ist (Weber 2, 611). 

Auch untersagen hat (wie lat. interdicere) unsprünglich positiven Sinn: 
ahd. untarsegjan : disserere, unterreden (Graff 6, 102). 
mnd. Leb. d. h. Franz 116: do de cardenad St. Franziscus äüe desse dynghe 
vndersecht vnde vndermanet Jutdde, en antworde he em nycht daer 
vp (sagen, mitteilen; mnd. nur positiv), 
mhd. Gregor. 1693: ir einer der beste undersagt im vil gar, als ich iu e, 
waz in war (mitteilen im Wechselgespräch). 
Krone 17821 : duz minem vater würde leit, daz man dirz e niiht under- 
seit (untersagen, verbieten), 
nhd. Stieler bei Heyne wb. 3, 1157: ich undersage dir, es bleiben zu 

husen : interdico, ne facias. 
Im mhd. hält der positive Sinn noch dem negativen das Gleichgewicht, im 
nhd. verschwindet er. 

^) Dieses denuntiare bedeutet nicht „ preisgeben '', wie ich S. 12 Anm. 
irrtümlich angenommen habe, sondern vertritt verstärktes ntmtiare. 



117 



Weist. 1, 649: wer daran »umig tourde 8oU gehuset werden, wie hoch 
das von der bahk verhotten. 
nhd. Adelung versuch 4, 1318: der jimggeseUe mmz die andern verbiethen 
(aufbieten, einladen). 

Sonst heisst es „mit Beschlag belegen, verwehren, untersagen^. 
Dass verbieten dann völlig den negativen Sinn annimmt, 
erfolgt ans seiner häufigen Verbindung mit negativen Sätzen. 
Während der negative Inhalt des Gebots ursprfinglich lediglich 
im abhängigen Satze enthalten ist, fiberträgt ihn der Sprechende 
unwillkfirlich auf das vorausgehende Verb des Gebietens und 
lässt dann die Negation im abhängigen Satze fallen. Das 
Übergangsstadium ist uns im got., ahd., mhd. und nhd. noch 
deutlich erhalten: 

got. Lc. 8, 56. Mc. 8, 30 s. S. 11. 

ahd. 0. ni 6, 3: tho er mo firböt thio ddti, ihaz er ni wntoU. 

0. III 13, 16: joh ihu iz selbo firbiut, (haz thir ni düe so ther litU. 
mhd. Kehr. 7569 s. S. 12 Anm. 

Neidh. 26, 5: mirst verboten daz ich mit iu niht runen noch zuo 

iu niht sitzen sol. 
Chr. 10, 774 (DWB. 113): es was ouch verbotten bi 30 sol. daz 

nieman an keime venster solte liegen noch an keinre türe ston. 
nhd. Marc. 7, 36: und er verbot jnen, sie solten es niemand sagen. 

Marc. 9, 9: da sie aber vom berge herab giengen, verbot jnen Jhesus, 

das sie niemand sagen solten, was sie gesehen hatten, 
Luth. Ndr. 28 S. 33 (Hans Worst): und Mose hart verboten hatte, 

sie solten nichts newes . . fümemen. 
Fischart bienenk. 51a: (2a gott der herr jn seim wort verbiet, dasz 

man keine bilder noch einige gleichnusz machen soll 
Lessing 11, 281: eben derselbe verbietet, keine bildmisse der götter 

noch sonst etwas darein geschnitten zu fiihren . . . 
Goethe 9, 296: doch was verbot er? das geheimnisz nicht unzeitig 

zu entdecken. 
SchiUer (1840) S. 1097: dasz der konig . . ihm verbot, es nicht im 

conseü vorzutragen. 

Anziehender noch sind die Fälle, in denen ein Verbot sinn- 
gemäss ist und herausgefühlt wird, ohne in der Form aus- 
gedrückt zu sein. 

got Lc. 8, 25 8. s. 11. 
ahd. T. 86, 2 s. S. 11 Anm. 

mhd. Lieht, lila: uns h&t min herre üz Oesterrich verboten . . . daz wir 
tumieren lazen sin. 



118 

Ulr. 1121: (mch virbdt er dem pJuiffen daz, das erz virstoige M stnem 
leben (Sinn: verbot zu sagen). 

Derselbe Doppelsinn wie in verbieten entwickelt sich in 
versprechen und verschreiben (S. 103), nur mit dem Unterschiede, 
dass hier schliesslich der positive Sinn „geloben, verordnen" 
zur Herrschaft gelangt, während sich in einem ebenso gebildeten 
verreden, versagen der negative „zurückweisen, verbieten^ durch- 
setzt. In verloben und verschwören ist der negative Gebrauch 
häulSger. 

Wir wenden uns nun zur zweiten /aur- Gruppe mit dem 
Sinne „gebieten, festsetzen^ (vgl. S. 103). Sie entwickelt sich 
erst in mhd. Zeit. Aus dem energischen Heraussprechen ergibt 
sich das positive Gebot. 

ahd. Ql. IV 131 a firdingo : attraho. 

I 393 a uirmietton : se locaverant, se mercede condaxeront. 
I 394 a farmietan fermieton : se locaverant. 
mhd. vera/rren durch Draufgeld sichern (Lexer 3, 70), verboten, verbotschaften 
vorladen (80), verbrieven urkundlich bekräftigen, verpflichten (83), verdingen 
verpflichten, bestimmen, versprechen (96), vereiden bekräftigen, verpflichten 
(102), vergdubden in Eid nehmen, verpflichten (112), vergewissen Sicherheit 
leisten (113), vergisdn durch Versprechen des Einlagers sicher stellen (118), 
verhanttriiMoen geloben (125), verhantvesten urkundlich bekräftigen, zusichern 
(125), verheizen versprechen (126), verhtilden Treue geloben (134), verjehen 
versprechen, zugestehn (138), verkuntschaften durch Kundschaft beweisen 
(151), suA verhüm üf sich freiwillig entschliessen zu (151), verlantvriden 
als Landfrieden gebieten (153), verlitkoufen durch Gelöbnistrunk beim Handels- 
abschluBS sichern (165), verloben versprechen, verloben (166, etto der e Beliand 
3920 ebd.), sich verlüben geloben (170), vermachen bestimmen, testamentarisch 
zusichern (172), vermannen als Vasallen in Pflicht nehmen (174), vermehelen 
verloben (176), vermieten gegen Lohn verpflichten (180), vemotelen urkundlich 
festsetzen (189), verpenen mit Geldbusse belegen (191), verphenden durch 
Pfand sichern (192: vürphant 606), verphlegen, verphfthten zusichern, ver- 
pflichten, haftbar machen (192, 193: vürpMihten IdS)^ verrämen^) Ziel setzen, 
verabreden (195: vürrämeti 606), verreden geloben, verloben (198), verrehten 
durch Eid beweisen, erhärten (199), verschaffen zusichern, vermachen (211: 



^) mhd. verrämen ist durch nhd. anberaumen ersetzt. Paul wb. 16 b führt 
die Vokalveränderung darauf zurück, dass das Wort aus der schwäbischen 
Mundart übernommen sei. Ob aber nicht auch Volksetymologie im Spiele 
ist? Zu vertagefi, verzielen („Tag, Frist ansetzen") wäre doch verraumen 
(„Ort bestimmen'') ein schönes Seitenstück! 



119 



mrschaffen „ anticipationes , venditiones '^ 607)^ verschicken testamentarisch 
vermachen (216), versu^^em versorgen, versprechen (227), versorgen sicher 
stellen (242), versponsieren verloben (245), verstiften als Legat vermachen 
(252), verswem eidlich geloben, versichern, znschwören (262), vertagedingen 
vor Gericht laden, übereinkommend festsetzen (265), vertagen^) Termin be- 
stimmen, auf einen Tag anweisen (265), vertragen Vertrag schliessen (273), 
vertriuten geloben {21ß), vertrcesten*) sicherstellen (276: vertrcsstunge Znsage 
von Hilfe ebd.), veriruwen versprechen, Treue geloben, verloben, vermählen 
(277), sich vem/rveheden gegen einem Urfehde schwören (282), vervesten fest- 
setzen, bekräftigen (287), vervingerlen verloben (281), verwaren als wahr 
dartnn, beweisen (295), verwetten durch Pfand sichern, verpfänden (306), 
verwidemen üf ein guot^ jem. ein Gut als Dotation anweisen (306), sich ver- 
wilUkum, verwülen sich freiwillig verpflichten (308), sich vertoüligen sich 
bereit erklären, einwilligen (308), venoisen zuweisen (312 : verwis Anweisung, 
Verschreibung eines Gutes 311), verwissen durch Pfand sichern (312), ver- 
eedelunge schriftliches Instrument (316), verziln *) bestellen, Frist anweisen (321). 

mnd. varbedingen ausbedingen, festsetzen ( Schiller -Lübben 5, 311b), 
varda^varden auf Termin vorladen (328 a), vorhansen „inaugurari societati* 
(361b), varwarschoppen versichern (498 a), vorwinkopen Kauf mit Trank be- 
stätigen (506 b). 

nhd. verhypoihecieren als Pfand verschreiben (DWB. 596), verUausuUeren 
(655), verUibdingen, verleibgedingen auf ein Leibgeding anweisen, als L. ver- 
pfönden (765, 766), verrecessen, verrecessieren durch Abkommen abscbliessen, 
feststellen (995). 

Aus den lebenden Mundarten: 

pomm. verbretoen schriftlich versichern (Dähnert 518), Schweiz, vergotte bei Gott 
schwören (Staub-Tobler 1, 907), vergülte als Unterpfand verschreiben (Stalder 
1, 494), kurhess. sich verhansen sich aufnehmen lassen (Vilmar 149), schles. 
verheischen verheissen (Weinh. hs. H 78), Schweiz, verkommniss schriftlicher 
Vertrag (Staub-Tobler 2, 121), elsäss. verkuntroliere einregistrieren (Martin- 
Lienhart 1, 453), schles. götting. verloben (vergeloben) geloben (Weinh. hs. 
L 113), vermachen (Schambach 264), Schweiz, vermanne , verweibe Erbe dem 
Manne oder Weibe zubringen (Staub-Tobler 4, 291), elsäss. verreden ver- 
heissen (a. a. 0. 2, 234), Schweiz, verschwöre beschwören (Seiler 112), pomm. 
sik verseggen sich verpflichten (Dähnert 526), schles. versendboten durch Send- 
boten aufbieten (Weinh. hs. B 141), Schweiz, vertage vorladen (Staub-Tobler 
1, 907), preuss. sich vertragen sich durch Vertrag verpflichten (Frischbier 2, 



^) nhd. B. Waldis 4, 94: sie warn grichtlich dahin vertagt 

«) nhd. Luth. 24. 338, 23 W.: Abraham hat sich auch darauf/ ver- 

tröstetf das er ynn der eumersicht das gepet thete. 
*) nhd. Kaisersberg postill 2, 2. 3: soüu^ arbeit, dor gu sie ver- 

widmet seind. 
*) nhd. Bocc. 76: sie hettjrem aUer liebsten ver sielet. 



120 



443), pomm. verwarschojspen verbürgen (Dähnert 529), schles. sich verwetten 
auf einen Pfand setzen (Germ. Abh. XI 271), pomm. sik venoiüen sich ver- 
pflichten (Dähnert 529), Schweiz, vertblnkaufe Kauf mit Trank bestätigen 
(Stanb-Tobler 1, 907), pomm. verwisachoppen sichern (D&hnert 529), Schweiz. 
verzedle hypothekarisch verschreiben (a.a.O. 1, 907), schwäb. vereidet be- 
stimmt, festgesetzt (v. Schmid 555). 

Beim Schififahrtswesen verbodmen die Eigentümer ihr Schiff, geben es 
anf hodmerei (Vertrag zwischen Eigentümer und Olänbigern, die Geld vor- 
schiessen, Bobrik 705a, 124b) und verfrachten oder verhewren es (»zur Be- 
frachtung vermieten" 706 ab). Ein Bergwerk wird verreeeast oder verre- 
cessiert, wenn darüber ein Rezess angefertigt und der Behörde eingereicht 
wird (Veith 533). Der Zimmermann verzeichnet ein gebrochenes Dach („auf- 
zeichnen'^ Jacobsson 4, 536). Der Bibliothekar verzettelt die Bücher, indem 
er ihre Titel auf Zetteln verzeichnet und dem Katalog einverleibt^). 

Diese Gruppe ist reich an ÄnalogiebildaDgen, die kühnsten 
mhd. verlUhoufeny Schweiz, vermnhmfey vergotte^ mnd. vorhansen. 
Das Präfix hat die in der Komposition mit anderen Worten 
erlangte Bedeutung in sie fertig hineingetragen, und das Stamm- 
wort nimmt in der Bedeutung des Kompositums nur die Stelle 
einer instrumentalen Bestimmung ein. Die fremdartigen Bil- 
dungen auf -ieren entstammen der Kanzleisprache, mhd. ver- 
getoissen, versichern^ vervesten, verweeren stellen Denominativa der 
einfachsten Art dar: „zu dem machen, was das (adjektivische) 
Stammwort besagt^. Nur ihrer Bedeutung nach gehören sie in 
diese Gruppe. 

Die negative Bedeutung „verbieten, verwehren" (Gruppe 3, 
vgl. S. 103) schliessen wir an; sie entwickelt bisweilen gehässigen 
Nebensinn und berührt sich dann mit Gruppe 5 (ebd.). Dass 
die Grenze nach fra- hin nicht zu bestimmen ist, zeigt got. 
fraqipan in derselben Bedeutung (S. 12, 17). 

ahd. Gl. I 559 b farchiosan : reprobare. II 232 b forkharan ist : reprobatur. 
N. n 290, 3 P.: so hdbo ih ferchören die gdmrt dinero dUndo : 
reprobavi. 

I 301, 13: ferchiesent tia 6rda ddz Übet iu den hinuH : superata 
tellus sidera donat. 



^) Mit diesem verzetteln ist das gleichlautende » unachtsam verstreuen' 
(fra-), eine Weiterbildung zu verzetten (mhd. Leser 3, 318), nicht zu ver- 
wechseln : 

nhd. Uhland volksl. 1, 25 Cotta: und dasz ichs (hrenzdin) nit verzette. 
Lessing 2, 312: diesz mäddken .. ist ein verzettelt dtristenkind. 



121 



Ol. I 285 a farlatu/ini : negavit. I 586 a farmarter : inpeditus. 

II 167 a firmeinsamot uUerde : excommanicetnr. 
0. III 20, 167: joh er hi thds mari firmeinsamot wärt. 

I 4, 66: nu t^ thag drtmii so hdrto bist formönanti. 
[QI. n 642 b fimeitmen : abiarare]. 

OL I 22 Pa. forquidit gl E. farehuidhit Sa. farchvit : abdicat. 
IV 17 a ferquhat : renuit. 

II 77 b firsaehcm : renantiare. IV 222 a furisahhumih : abrenuntio. 
T. 90, 6: ciba uuer t*uoüa after mir quemen, uorsacha sih seibon : 

abneget semetipsam. . 
Gl. II 230 b furisageta : denegavit. II 457 a fersagen : abjarare. 
N. I 226, 27 P.: tdr si fersdget habet tde . . fünden neuu&de 

(sagen, dass nicht . . . ). 

I 463, 13: sie uersdgent s6lhun dia iustitiam merhHte ünde 

minnerh^te : institiatn namqne a institia non maltam ainnt magis 

et minns dici. 

I 136, 21: dag ih summum bonum ünde heatittidinem alles unge- 
mäches fersdge : dicere beatitadinem non esse anziam trisiemqae. 

II 684, 6: tae sint die sih seSben swndon fersdgent (sich frei- 
sprechen von). 

I 117, 16: täs mine rationes fersdgent ; vetant. 
T. 51, 4: ouh 4r lag m4h für sagen then thie in hme stn^; renan- 
tiare his. 
0. I 4, 68: int öuh ihaz bist firsagenti, ihag s&bo got ist gebenU. 
N. I 123, 9 P.: fertroste dih anderes k&otes ferldmes : desine 

amissas opes querere. 

I 79, 23: sin selbes sih f ertröstet habender : secarns suamm 

inioriamm. 
Gl, I 351 b virwoffeniu : repudiata. 11 130 a uirvuerfan : ref utare. 
N. I 756, 26 P.: feruuirfende mit nöte guünnenen rtchtttom : dispuens 

divitias oppressione qnaesitas. 
GL I 88 Pa. faruuarit, gl. K. firuuerit : prohibet. 

I 528 b uerwiderot : renoistis. 

I 470 a firgihen : abnnere. 

II 236a f ereigen : abnegata. n 282a sihfirgihent : abnegant. 
Za diesem „verzichten' kommen noch zwei Verba des Sinnes „ent- 

sagen' (vgl. 8.29): 
Gl. II 286 a furipirit : contineat. n 145 a forberen : abstineri. 

II 130 a verbofin werden : temperari. 

II 277 a unsihfirperames : ^TCSLoms, 
0. IV 6, 42: thdg sie ihag firbdrin ioh suli(^ ni wdrin. 

I 744 a firhepitvn firhapetun : continueront. 
as. Hei. 5000: (hat he an iheru suartan naht er hanocrädi is herron scddi 

ihriuuo farlognien. 



122 

Hei. 3465: Tiabda thuo farmerrid Hhia moraganstunda, thes dag- 
uuerkes fordiioUm, 

Hei. 3237: efhe than ok uttendien ne uuüi, ac farmodat sidica menigi. 

Hei. 2658: so farmunste ina that manno folc . . farhogdun ina 
80 Tidagna, 

Wadst. 70, 3 (Merseb.) : forsekemm : renantiatis. 

Gen. 81 : hdbda ina god , . farsakanan. 

Hei . 3Ö03 : he ni uuüi enigumu inmnmanne f,aruuernien uuillean sines. 

Ps. 61, 5: uuerd min thahton te faruuerpene:^tetiam meum cogi- 
taverunt repellere. 
mhd. verhorn anterlassen, entbehren (Lezer 3, 72), verdingen zurückhalten 
(96), verhoben zurückhalten (122), verhalten (123: vürhcUten vorenthalten 
586), verheren aus Stolz vorenthalten (129), verkiesen nicht achten, ver- 
schmähen, verzichten, verzeihen (142), verkündigen aufkündigen (150), ver- 
lanivriden vom Landfrieden ausnehmen (153), verloben abschwören, aufgeben 
(167), verlougenen verleugnen (169), vennannen Lehen entmannen, einziehen 
(174), vermeinen, vermeinsamen aus der Gemeinschaft ausschliessen (176, 177), 
verphUjfen aufgeben, verzichten (192), verqueden versagen (194), verreden ab- 
lehnen (198), verriiefen ausser Kurs setzen (mtmee 207), versacken verleugnen, 
entsagen (209: vürsachen 607), versagen^) verweigern, entsagen (209), ver- 
schaffen durch letztwillige Verfügung entziehen (211), verschätzen für ver- 
loren halten (213), verswem^) abschwören, verzichten (262), verteilen durch 
Urteil absprechen (267), sich vertroesten verzichten (276), vervriden ausser 
Frieden setzen (290), verwarn gegen*) Verwahrung einlegen gegen (295), 
verwem verwehren (303), verwerfen verweigern, zurückweisen (302), ver- 
wideren*) zurückweisen, widersprechen (306), t?0rec^26X:um freiwillig aufgeben 
(308), verwisen verweigern (312), verwizzen^) lossprechen von (313), verzihen 
versagen, verzeihen, verzichten (319: verziht, vürziht 321). 

mnd. vorbeholden vorenthalten (Schiller-Lübben 5, 312 b), vorheven unter- 
lassen (366), vorhalsstarken halsstarrig verweigern (6, 303b), vortien ver- 
zichten, verzeihen (5, 474). 

Noch im Frlihnhd. bedeutet verzeihen „Nachsicht üben*' und 
„abschlagen", skh verzeihen eines dinges „aufgeben, verzichten 
auf«: ^ 



1) Chr. 11. 642, 22: die püchs versagt (geht nicht los). 

') nhd. Hütten 5, 247 Münch: zu gott und den heiligen zu vorschwören, 

dasz sie nimmer daran seyn wollen, 
•) nhd. Garg. Ndr. 65/71 S. 11: sie verwahret das kein regen nodi 

Schnee jr hausz schädige (Vorkehrungen treffen gegen). 
*) nhd. Logau 1. 8, 64: kein begehrtes nie verwiedern, kein ver- 

wiederts nie begefiren. 
^) Schon mhd. hat man vervnsen, venoizen, verwizzen nicht mehr aus- 
einander halten können (Lexer 3, 312, 313). 



123 

Eaisersberg trostsp. m 1: gott wölt jr verziehen äUe missetat. 
Uhland volksl. 1, 225 Cotta: dem fröwlin ward du ir bitt ver eigen. 
Lnth. 1. 698, 40 W.: das volck Christi m&sz . . sich disz gemachs mit 

fröwden verzeyhen. 
Rebhahn Sns. 5. Akt v. 629 Tittmann : ich hott mich em schon gar 

veraigen. 

In der Bedeutung „ verzichten ** ändert es dann die Rektion 
in vereeihen auf etwas und bildet schliesslich aus dem Nomen ver- 
zieht ein neues Verb verzichten auf etwaSy indem es verzeihen auf 
die Bedeutung „Nachsicht fiben^ beschränkt: 

Pfeffel poet. vers. (1816) 6, 615: wir verziehn auf euem kindertraum. 

Goethe 43, 273: auf alles irdische gut völlig verzichtend. 

A. Gryph. Ndr. 6 (Sqnenz) S. 28: verzeiht mir auch hertzliebe magd. 

sich verzeSken eines dinges hat noch Wieland, verzeihen auf etwas 
in der Bedeutung „verzichten* noch Goethe (Paul wb. 516a). 
Die Aachener Mundart gebraucht verzechnis für „Verzeihung^ 
(Möller- Weitz 256). Aus den lebenden Mundarten: 

pomm. stk bi enen verbidden etwas abbitten (Dähnert 518), brera. 
verdüvdn fluchend and schwörend abstreiten (wb. 1, 279, Parallelbildung 
zu Schweiz, vergotte S. 119), schles. verhaiten verhindern (Weinh. hs. 
H 21), henneberg. verheben gerichtlich verbieten (Reinwald 2, 134), 
prenss. verkneif m zurückhalten (Frischbier 2, 433), schles. verlekeln ab- 
leugnen (Weinh. hs. L 38), preuss. verpirren hindern (a. a. 0. 2, 437), elsäss. 
verruefen öffentlich widerrufen (Martin-Lienhart 2, 240), schwäb. verschaum 
Unvorschriftmässiges zurückweisen (v. Schmid 453), götting. versehen ab- 
leugnen (Schambach 266), mansfeld. verstreiten abstreiten (Jecht 119), 
bair. verwenken abwinken (Schmeller 2, 960), verwissen verzeihen (ebd. 2, 
1034), Schweiz, verztoinke durch Augenz winken abmahnen ( Staub -Tobler 1, 
909). Das Kotwelsche liefert den Beitrag verassert „polizeilich untersagt '^ 
(Kluge rotw. 373), die Weidmannsprache verwittern „Wild vom Besuch von 
Schlägen fernhalten'' (Kehrein BIO). 

Diese Gruppe hat eine besondere Vorliebe für die reflexive 
Rektion mit dem Genetiv in der Bedeutung „entsagen", schon 
im ahd. viermal vertreten (S. 121). Im mhd. weiter um sich 
greifend, erstreckt sie sich auch auf fair- und /ra-Typen ähn- 
licher Bedeutung: 

mhd. 8i(h verUesen (Lezer 3, 144), verhmnen (150), verloben (167), ver- 
louben (168), vemiMen (180), verphligen (193), verruochen (208), versachm 
(209), verschoben (210), verschiezen (216), verschriben (219), versiahen (233), 



124 

verzechen (247), verswem (263), vertrcesten (276), vervam (286), verwegen^) 
(298), verwenden (301), vereihen (320) tfities din^es. 

Im älteren nhd. haben sich einzelne dieser Verbindungen noch 
erhalten, im jüngeren werden sie durch en^-Komposita (sich enir 
schlagen) abgelöst oder wandeln die Rektion (einem etwas ver- 
^eihenj versichten auf etwas). Dagegen greift diese Rektion in 
positiver Verwendung um sich (sich verwegen eines dinges)^). 

Das Präfix gewinnt in dieser Gruppe geradezu die Bedeu- 
tung „zurück, wider" und gibt den mit ihm zusammengesetzten 
Eompositis die entgegengesetzte Bedeutung von der des Stamm- 
worts. Doch sind hierzu auch fror und fair- befähigt (vgl. 
got. fraqipan, frahunnan, frawardjan S. 17, lat. perfiduSj periurus 
S. 16). Überhaupt ist keine Sicherheit dafür zu erbringen, 
dass die hier angeführten Bildungen alle auf faur- zurückzu- 
führen sind. Bei einzelnen trifft es wahrscheinlich nicht zu, 
wie bei verleugnen (schon ahd.), wo das Präfix den Sinn des 
Stammworts verstärkt (fra-? S. 17), oder verneinen , verwidem 
(schon ahd.), die einfache Denomiuativa zu einer Partikel bzw. 
Adverb darstellen, verhindern (ahd. farhintarjan)^, ebenfalls 
Denominativ, bedeutet ursprünglich „hinter sich bringen", mhd. 
spärlich „verwehren, sperren" (Lexer 3, 130) und wird erst 
nhd. häufiger in dieser Bedeutung (DWB. 569). In andern 
Fällen wie bei verweigern erübrigt sich die Frage, welchem 
Präfix es zuzuweisen sei, überhaupt, da es erst nhd. auftaucht^) 
und mithin gebildet ist mit einem einheitlich gefühlten ver- des 
Sinnes „zurück-, abweisen", abstrahiert aus den vielen Bildungen 
dieser Bedeutung. 



^) nhd. Bocc. 33: das sich die schifletU des lebens verwegen heUen 

(que per perduti si tenero). 
') Lath. 16. 399, 34 W.: (2a er ein med so kranck lag, das er sich 

hette Sterbens verwegen (aich gefasst machen auf). 
•) ahd. Gl. I 565 a virhintres pitrugest : defrandes. 

I 786 b virhdntreter : f randatus. 
*) Diefenbach-Wülcker 570 (a. 1607): dessen sich aber die van Wite- 

leben vorwegert 
Stieler bei Heyne 8, 1270: verwegem : recnsATe. 
Leasing dram. 67: sie verweigert sieh der Gnaden . . gäneUch, 
ebd. 176: sie verweigerte sich aUen arzeneien. 



125 

Von besonderem Interesse wird die Frage der Zuweisung 
bei einigen Verben, in denen das Abweichen von der Bedeutung 
des Stammworts zugleich üblen Nebensinn bezeichnet (s. Gruppe 5 
S. 103). Von ihnen möchte ich verkiesen (ahä., mhd. S. 120, 122), 
verloben (mhd. S. 122), vermannen (ein Lehen zurückziehen, für 
verwirkt erklären mhd. ebd.)*), vermeinen^), vermeinsamen (ex- 
communicare ahd. mhd. 9. 121 f., 131 f.), vermeinbeten (mhd. S. 132), 
vervriden, verhmtvriden (mhd. S. 122) zu faur- I ziehen, wenn 
nicht hier schon in den mhd. Bildungen das ver- aus faur- I- 
und/ro-Typen verschmolzen und einheitlich gefühlt worden ist. 
So auch mhd. verminnen „aufhören zu minnen, gehässig werden^ 
(Lexer 3, 180), ein äna^ dqrifievov, von dem Dichter zu seinem 
Zwecke analogisch geprägt: 

Athifl F: die wäpin uns virrostin . . . die rittir virterbin , . . die 
müdin virharginf die guotin virargin, die minnindin virminnin 
, , , die sorger sich virtrachHn . . . 

verpUegen (mhd. S. 122) könnte auch auf das resnltative fra- 
(S. 20) zurückgehn wie verhoffen „Hoffnung aufgeben, ver- 
zweifeln* (mhd. Lexer 3, 131), verhügen „vergessen" (ahd. mhd. 
3, 134) '), verruochen „sich nicht kümmern, verachten* (mhd. 208) 
und verschamen „schamlos werden" (ahd. mhd. 213)*). Danach 
scheint mhd. sich vereüenden „aus der Fremde kommen" (106) 
geprägt. In verachten^ verdunken, verhunnen, vermanen (Gedanken 
aufgeben, verachten mhd. 68, 101, 150, 173, verachten und ver- 
manen auch ahd.^)) liegt /ra- vor (got frakunnan S. 17). Nach 
ihrem Muster ist mhd. verbunnen^), vergunnen „missgönnen" 



*) Schweiz. Staub-ToWer 4,^91. 

*) ahd. Ol. I 24 Pa. farmeiniset, gl. K. farmainsot : abominabilis 
gehört zu mein ^nefas*'. 

*) ahd. Gl. I 112 Pa. farkugis, gl. K. firhugis : contemnis. 

*) ahd. N. II 163, 18 P.: ^teuMenne fersedment sih andere m^mUscen, 

unsere scdma uu&eton. 
') ahd. Ql. I 2ö3 Ra. farmanet : sprevit. I 517 b uirmanet : despezit. 
II 79 a firmanetemo : praetermisso. 
0. I 4, 65 : nu du ihaz drunti so härto bist formönanti, 
N. I 244, 22 P.: sie ähtent tero güoton . . sie neuer ähtent 
iro io d6h fUeht. 
') Daneben mhd. erhunnen in derselben Bedentang (Lexer 1, 619). 



126 

(85, 121), mhd. veredden^ mnd. vararden^) ^entarten" (Lexer 3, 
102; Schiller-Lfibben 5, 309b) geschaffen worden, vergessen^ 
ist wohl mit fra- zasammengesetzt. Das Präfix bezeichnet das 
Gegenteil von der Bedeutung des Stammworts (Wurzel get- 
, erlangen*, got. bigUany engl, to get). Synonym mit vergezeen 
ist ergezeen^ (Graff 4, 276, 278; Lexer 1, 630), das Faktitiv 
ergetzm (ebd.) hat sich in unserm ergötzen bis heute erhalten. 
Wie weit vielleicht fair- an diesen Bildungen beteiligt ist, lässt 
sich nicht mehr feststellen. 

Auch die Ausdrücke des Bannens und Verzauberns gehören 
zu dieser Gruppe (vgl. versprechen S. 69 Anm. 1 und 2): 

ahd. Gl. II 217 a uergaiada : fascinavit. 

II 212 a firzoubirota : fascinavit, U 678 b fascinat. 
mhd. vergalsiem (Lexer 3, 108), verschiren (217), vencicken (306), ver- 

eoubem (323). 
mnd. vorkauen (Schiller-Lttbben 5, 375 a). 

Im nhd. ziehen besonders die von Fischart gebildeten Aus- 
drücke ^durch Beschwörung feien^ an: 

Oarg. (1690) 6: warumh die durchUechtheUigsten . . ihnen nü auch 
die zähen tvie die finger beschweren, versegnen, weihen, schaben, 
beschneiden, verchrisatnen, verelementen und versacramen- 
ten Inssen (durch Segen, geweihtes Öl, Beschwörung der Elemente, 
durch Sakrament feien). 

ebd. 281 : verkreutziget euch Ober den schafen in Eiobella Plata 
. . versegnet euch ob den castronen zu Bianne, 

ebd. 147: (das schiff) sey dann allerdings . . vergurbet, begordet, ver- 
dennet . . gehelmkörbelet, benunstet, verpaternostert*), betrauet, 

„verzaubern" wird auch durch vergaukeln, verJcadem, versagen 
ausgedrückt : 



») nhd. im Schles. (Weinhold hs. A 53). A. Gryph. Papin. v. 435: last 

mich wie Nioben in einen fels v er arten. 
«) ahd. N. II 25, 16 P.: er nefergizet d&o armön geUies : non est 
oblitus. 

II 29, 23 : got habet ergizen dero guoton : oblitus est. 
as. Hei. 3604: fargatun godes rikies. 

Ps. 68, 12: that nah uuanne ne fargetin folk min : nequando 
obliriscantur. 
*) DWB. 958 sieht in verpatemostem einen nautischen Kunstausdrack ; 
eine nähere Erklärung fehlt. 



127 

Simpl. 3. 391, 26 Knrz: der wirih tousste nicht, ob er vergauckelt war. 
Lnth. postilla 3, 39 a: teufelshuren, welche die leut verkadern und 

bezaubern. 
Stieler 1667: eine hüchse versagen est cum laminibas magicis sclo- 

pam ligare. 

In den Mundarten ist eine Reihe weiterer Ausdrflcke fDr 
, verzaubern" gebräuchlich: 

Schweiz, bair. verhannisieren (Stanb-Tobler 4, 1282, Schmeller 1, 248), 
laxemb. vergächden (Gangler 465), Schweiz, vergalstere (a. a. 0. 1, 225), 
schles. vergöU (Weinhold hs. G 8), bair. verluegen mit dem bösen Blick 
(Schmeller 1, 1463), schles. verpflocken (vgl. S. 70 Anm.), prenss. verrufen 
(Frischbier 2, 438), brem. hamborg. versMren mit dem bösen Blick (brem. 
wb. 4, 661 y Hichey 232), bair. Österreich, verschraien (Schmeller 2, 592, 
Castelli 125), schles. verspinden (vgl. S. 70 f. Anm.), bair. verwunschen (Schmeller 
2, 961), auch mansf eidisch (Jecht 119). vermeinen (mhd. Lexer 3, 176), 
bair. vermainen (Schmeller 1, 1612), kärntisch vermänt (Lexer 189) ist keine 
/aur- Bildung, sondern ein Denominativ zu mein „nefas". 

Die Beziehungen von ver- zu he- in dieser Bedeutung sind 
nnter versprechen (S. 71) behandelt worden. Die t;6r-Eomposita 
sind bedeutungsvoller, indem sich mit dem /aur- ,,fiber etwas 
hin sprechen" leicht die/air-Type verwandeln und die/ra-Type 
vertreiben verbindet, so dass vereaubem in sich „durch Zauber 
bannen, verwandeln, vertreiben" vereinigen kann. Der gehässige 
Nebensinn liegt ja von vornherein schon darin. 

Die Gruppen „versperren* (3, vgl. S. 103) und „verdecken, 
schützen" (4) sollen erst im Anschluss an faur- Ilxmdfair' S. 134 ff. 
besprochen werden. Die Gruppe „verfehlen" (6) berührt sich enge 
mit fair- und /ro-. Schon von den S. 104 angeführten Bildungen 
lassen sich versprecher^f verschreiben, versetzen, verlegen nicht mehr 
als reine /awr-Typen („hinaus über das Ziel, vorbei an") aus- 
legen, sondern sind analogisch zu erklären. Tatsächlich sind 
es junge Bildungen, da versprechen, verlegen nicht vor dem 
13. Jahrb., verschreiben, versetzen gar erst im nhd. nachzuweisen 
sind, sich versetzen, verschlagen, verschiessen, verfahren, vergehn 
vereinigen oft zweierlei Bedeutungen in sich: „fehl- und sich 
festrennen, sich an unrechter Stelle festsetzen, voreilig sich 
festfahren, so dass man nicht weiter kann". Auch hier spielt 
eine andere Type (fair-) hinein. Selbst die Bedeutung „über- 
mässig" kommt faur- I nicht ausschliesslich zu, sondern nur 



128 

bei den Verben der Bewegung. Die übrigen Bildungen dieses 
Sinnes — and das ist weitaus die Mehrzahl — gehören zu 
favr-. Wir werden daher etwa 

ahd. Gl. II 222 a furidihit : excesserit 

N. I 148, 12 P.: feruudllöt Ur ödeuuanne ßrro : forte devenerit 

ohne weiteres faur- zuweisen, vielleicht auch 

Gl. I 454 b firpräMiun vb er gingen : prätergressi snDt. 

Bedenklicher ist 

ahd. Muspilli 33: dewne ni kitar pamo nchhein den pan furisieean 
(sitzend versäumen). 

Hier liegt entweder analogische. Übertragung vor oder — und 
das ist wahrscheinlicher — fiMi- ist statt firi- eingetreten 
(8. 15 Anm.), und dann haben wir es mit einer /atr-Type zu 
tun. Ähnlich gebildet ist 

ahd. N. II 304, 26 P.: iro sldf »liefen du riehen . . dU fersläfent iro 
Uh (bringen sich durch Schlafen um ihr Leben). 

Auf eine /awr-Type scheinen auch mhd. vürbredwn Verbrechen 
(Lexer 3, 592: verbrechen 81), vürhäbenisse Selbstöberhebung 
(599: verheben 126), vüreunse vom Wege abgeführt, verirrt 
(597: verwisen irreleiten 312), vürschel betäubend (607: ver- 
schellen 214), vürsnaUe vorlauter Schwätzer, vürsnel „vorschnell** 
(609: versneUen 239), vürWeter einer, der sich Übertreibungen 
gestattet (616: vertreten übertreten 275) hinzuweisen. Aber 
das Beispiel von fürwüsf (S. 15 Anm.) zeigt, dass dies Kenn- 
zeichen nicht unbedingt sicher ist. 

Immerhin können einzelne Verba des Sinnes „verbrechen*' 
und „verführen** auf faur- 1 zurückgehn. Die Hauptmasse 
jener gehört zur /air-Type, wenige zu fra- (verschulden ^ ver- 
wirken^) vgl. got. frawaurkjan S. 17 f.), die Gruppe „verführen* 
verteilt sich auf faur- I und fair-. Genaueres lässt sich nicht 
bestimmen. 



^) ahd. Gl. lY 303a farsculda : tradidit, perdidit. 

N. n 379, 13 P.: die fore tms übelo täten mit dero zuofirsihte 

Ungerin libis die ferscülton sta (einbüssen). 
0. III 20, 5: öha ihiu selha blinti fon sunton sinen würti, odo 

iz firtcorahtin ouh kr föJter inti m(Mter. 
0. III 17, 13: Üiiz utnb firuuoraht habet ira IIb (verwirken). 



129 

ahd. N. II 470, 13 P.: aintu chint uuerden in ungeuuiBHette ferfuoret: 
transferantnr. 

I 169, 11: ferfuoret %z dba demo uuären . . ge demo lükken : 
tradncit a vero . . ad falsum. 
Gl. I 761 b uerleidid uiterdan / sednci. 
N. I 129, 26 P.: aber diu miaseruknetU des uuSgea ferUitet sie ze 

demo lükken : abdncit ad falsa. 
Ül. IV 167a^rtolWn*:alliciunt. 

N. n 218, 28 P.: der in üser sinemo loche uuile ferlücchin 
(hervorlocken). 

I 727, 9: fdne ueneris spifnsten aber ferlühter : cypridis lactatus 
illecebris. 
Gl. II 406 a uarscunta : illectam. IV 129 b firscuntent : alliciunt. 

I 4 Pa. gl. K. Ra. farspamt : asciscit. I 369 a ferspanani : inliceant. 
N. I 109, 30 P.: tdß tiu bürlichen müot ferspdnen mag. 
as. Hei. 1506: farledid Uudi an ledan tmeg. 

Hei. 5311: käbdun sia gramono &arit, ÜUa scola farscundid, that 

sia ne bescribun icmiiht grimmera dadio. 
Hei. 3454: m mag ina is Itkhamo an unspiuid forspanan. 
Hei. 4176: that sie the eno man so alla uueldi wuerod faruuinnen. 
mhd. verleiten (Lexer 3, 158), verlücken (170), verreizen (199), verscham 
(213), versckünden (221), verspanen (243), vertragen (272), vervüeren (291), 
verwenden (301), verwisen (312), verziehen (319). 
mnd. vortocken (Schiller-Lübben 6, 475 a). 

nhd. Schweiz, verhelke (Staab-Tobler 2, 1173), verköderle (Stalder 2, 119), 
verUekere (Staab-Tobler 3, 1247), verlöckle (3, 1253 = elsäss. Martin-Lienhart 
1, 582), vermenne (Staab-Tobler 4, 298), schles. verpiehen, verpichten (Weinh. 
hs. P 73), götting. verreizen (Schambach 265), brem. verschtmden (wb. 4, 714), 
westfäl. verschüngen, verschünken (Woeste 295), götting. altmärk. verschünnm 
(Schambach 266, Danneil 239), götting. versdhuppen (ebd.), prenss. vertoppen 
(FriBchbier 2, 443), kurhess. verver geln (Pfister 312), schwäb. verweisen 
(▼. Schmid 523), Schweiz, verzänne (Stalder 2, 464). 

Wenn wir versuchen, aus der jüngeren Sprache einen Teil 
der Eomposita des Sinnes „verfehlen^ fat4ir' I zuzuweisen, so ist 
dieses Bemtthen praktisch wenig wertvoll. Denn sicherlich hat 
man schon in mhd. Zeit mit einem einheitlich gefühlten ver- 
den Sinn „verfehlen** verknüpf t , und danach unbewusst Neu- 
bildungen geprägt. Es kommen für uns Verba der Bewegung 
(„über das Ziel hinaus, vorbei, übermässig**) und des Sprechens 
(„sich versprechen**) in Betracht. Jene berühren sich mit fatr-, 
diese mit /ro-Typen. 

mhd. verjähen durch Eile einbüssen, übereilen (108), verglarren ttber- 
sehen (118), vergleifen dnrch schiefe Richtung das Ziel verfehlen (119), ver- 

Leopold, Die Vorsilbe ver- 9 



130 

liebm zu hoch hehen nnd dadurch verfehlen, übermütig machen (126), ver- 
horchen überhören (132), verkdOen ausschwätzen und dadurch verwirken (139), 
verrennm überjagen (201), venneUm übereilen, verfehlen (239), versmarm 
an der Wildspnr vorbeischiessen und sie dadurch verfehlen (vom Spürhunde 
241), verspringen springend einbüssen (247), verWagm zu weit oder falsch 
führen (272), verWetm (dag eü) übertreten (275), versfün aus den Augen 
verlieren, versäumen (321). 

Die reflexive Form ist besonders beliebt: 

sich vergähen sich übereilen (108), verh^en sich überheben (125), vertlen sich 
übereilen (135), verjagen sich jagend überanstrengen, verirren (137), verjehen 
sich überheben (138), verrevinen zu weit rennen, sich reitend verirren (201), 
verrinnen sich verlaufen (205), verriten sich reitend überanstrengen oder ver- 
irren (205), versigelen sich segelnd verirren (227), versndlen sich übereilen 
(239), vermurren fehlschiessen (241), verswingen sich verfliegen (265), ver- 
triten fehltreten (275), vervliegen sich fliegend verirren (288), vencaUen sich 
verirren (292). 

Aus den lebenden Mundarten gehören ausser vereinzelten 
Bildungen wie 

Schweiz, verkomme „das Mass überschreiten '^ ( Staub -Tobler 3, 277), 
Schwab, sich vernehmen „sich übernehmen, fast von Sinnen kommen '^ (von 
Schmid 405), preuss. verreden „zu besprechen vergessen, übersehen'', versäen 
„Beet beim Säen übergehen" (Frischbier 2, 439), bair. verschauen „übersehen, 
verachten" (Schmeller 1, 351) 

vor allem die Ausdrücke für „sich versprechen* und „sich 
versehen* hierher, oft mit dem Nebensinne „sich verraten, sich 
voreilig verloben und verlieben*. 

„sich versprechen" gibt das Schweiz, mit sich vememmen (Staub-Tobler 
4, 749), das Bair. und Kämt, mit sich vemennen (SchmeUer 1, 1746, Lexer 197), 
das Elsäss. und Frankfurt, durch sich verreden (Martin-Lienhart 2, 134, Askenasy 
227), das letztere ausserdem durch sich verheissen, verschwätzen (Askenasy 218, 
227) wieder. Der Baier und Wiener nennt „sich vergaffen" sich verschauen 
(Schmeller 1, 351, Hügel 181), der Schweizer sich vergugge, verluege (Staub- 
Tobler 2, 381; 3, 1227), der Berliner und Preusse sich verkieken, verkueken 
(Meyer 126 ab, Frischbier 2, 433). Das mhd. kennt unser sich vergaffen auch 
schon (Lexer 3, 139, DWB. 369 f.), daneben sidi verginen (Lexer 3, 118). 
Der weitest verbreitete Ausdruck für „sich unbedacht verlieben und ver- 
loben" : si(h verplempern (plempel „schlechtes Bier'' SchmeUer 1, 457, eigent- 
lich wohl verplempern „verschütten'') entstammt der burschikosen Sprache 
(Kluge stud. 132, DWB. 973, Schweiz. Stalder 1, 179, Österreich. Castelli 
124, Hügel 180, Berlin. Meyer 126 b, schles. Weinh. hs. P 86, kurhess. Pfister 
207, Mansfeld. Jecht 118, holst. Schütze 4, 306, pomm. Dähnert 525, preuss. 
Frischbier 2, 437). Anziehend ist elsäss. sich verhoppassen, bair. sich ver- 
patschen „sich übereilen" (Martin-Lienhart 1, 361, Schmeller 1, 415), Strass- 



131 



borg. ncA verddhre „Torschlnss versänmen" (Schmidt 110), burschikoses 
tich verhauen, versdwc^spen, versteigen (Klage stad. 132, 133, DWB. 541, 
1128), 8idi verhauen „vorbeihanen* ebenfalls in der Bergmannsprache (Veith 
523) und Drackersprache (Elenz 107), in letzterer papier verheben: die Lagen 
falsch abheben (ebd.). In der Weidmannsprache verfliegen sich Vögel, die 
wegfliegen, ohne znrttckznkehren (Kehrein 304), in der Imkersprache verfliegen, 
versduessen oder verschwärmen sich die Weiser, wenn sie ihren Stock nicht 
wiederfinden (Overbeck 85). Die Seeleute nennen ein Schiff versegdt^ das vom 
Lande nicht mehr zu sehen ist (Bobrik 708 a). 

Während die angeffihrteu Bildungen auch von fayr- oder 
frorTy^en beeinflusst sein können, erscheint Verstössen „anstossen, 
Anstoss erregen, einen Fehltritt begehn^ deutlich als/aur-Type: 

ahd. N. I 50, 10 F.: uerstöset iiccho dn dien skörrenten sUuerron dero 
uerbröchenßn stäino : resistit saepe obice rupe soluti sazi. 
II 477, 30: uuanda sie sih an imo so moriiw so htmiUter iacente 
ferspurnent unde ferstözeent 
mhd. Trist 17092: verstöze wir an eime irite. 

Flore 5033: ich sihe rechte daz ich louc und daz ich sere verstieg, 

wand ich in einen speher hieg. 
Krone 11354: daz ich minen man lieze und mich aisö verstieze, 
daz ich . , , (sich soweit vergehen), 
nhd. Opitz Ndr. 1 (Poet.) S. 37: niemandt . ,, der in diesem nichi Ver- 
stössen. 
Das Schweiz, gebraucht rer^toM« in der Bedeutung „stottern" (Staub-Tobler 1,911). 

Die Gruppe „verachten, schädigen, preisgeben^ (5), bisher 
schon mehrfach gestreift (S. 120 ff., 128ff.)i ist hier noch kurz zu 
behandeln. Sie berührt sich hauptsächlich mit /ra-Typen. Wie 
värwerden (S. 112) „umkommen" in das Gebiet von /ra- übergreift, 
so auch vürhringen „umbringen** (Lexer 3, 586; vgl. S. 113). Die 
meisten der folgenden Bildungen können auch auf /ra- zurückgehn. 

ahd. Gl. I 582 b furiprdkta fwrprahti : dejecit. 
II 92 a forhrieuit si : proscribatur. 

I 691 b fizflMKia virfl/ochot : anathematizavit. 

N. 1 19, 24 F.: mit tiro uerulüchenun mdnegi : profanae multitudinis. 

Gl. I 231 R. farhaitaniu : prostituta. 

0. III 20, 167: joh er hi ihdz mari firmSinsamot wdri (aus der 

Gemeinschaft ausschliessen). 
Gl. II 479 b f ermeldet : proditum. 

n 691 a flrradiniu : prodita. 
N. II 216, 20 P.: souu^r d^ änderen /erraten uuile. der ist sdho 

/erraten. 
Gl. I 76 Pa. /arrogit. gl. K. firrokit : accusat. 

II 130 b firsanta : relegati. 

9* 



132 

Gl. n 611 b fersdmfende : despiciens. 

I 238 gl. E. firspitmt Ra. farspiumt : respnit. 
n 720a vvrsHU : proripit. 
IV 156 a ferteüiter : privatuß. 

I 86 Pa. faruuerfanti. gl. K. firuuerfa/ndi : proicientes. 
I 744 a viruüorfanemo : exposito. 
T. 193, 3: inti uoruuorpfanen sUdbarUngon in thaz tempal ihana 
fuor : proiectis argenteis. 
152, 6: ir foruuergiton : maledicti. 
Gl. II 139 b ftrwiffet werden : proscribantur. 
as. Hei. 4420: faran so forfloeane an IMt fiur euuig. 

Hei. 5561: tuena fartalda man an tua haJba Cristes an cruci (ver- 
urteilen). 
Ps. 54, 2: ne furuuirp bida mtna : ne despexeris *). 
Ps. 61, 5: mundi iro quedidon inde an hertin vro faruutetonioTt 

suo benedicebant et corde suo maledicebant. 
Hei. 4493: ihat he ina mahti faruuisien uuredaro thiodo, fiundo 
fölke (verraten), 
mhd. verdhten ächten (Lexer 3, 68), verbeinen verwünschen (72), vwrbringer 
Angeber (592), vürdringen = verdringen (597:98), verdienden verbannen 
(105), vergiseln als Geisel fremder Willkür preisgeben (118), verkaUen ver- 
schwätzen, aufhetzen (139), verkehesen Kebse schelten (139), verklaffen ver- 
raten, verleumden (144), verklagen anklagen (145), verlantvriden vom Land- 
frieden ausnehmen (153), verUegen verleumden (161), verUumunden verleumden 
(166), verliiUen verleumden, in die Verbannung ausläuten (166), vemuUedien 
verwünschen (173), vermeifibeten aus der Gemeinschaft hinausbeten; beten, 
dass einer gemeinschaftslos wird (Nachtr. 392), vermeinen, vermeinaamen aus 
der Gemeinschaf t ausstossen (3, 176, 177), verm^eren verraten, verleumden (174), 
vermelden verraten (177), vemiinnen entzweien (180), verjphißhen, verpfUen, 
verphuchzen vor einem Pfui ! sagen, verabscheuen, verhöhnen (191, 192, 194), 
verraten irreführen, verraten (196), verriiefen öfiFentlich ausweisen (207), ver- 
riiegen anklagen, angeben (207), versagen verleumden (209), verschaffen zum 
Nachteil bestimmen (211), verschallen verschreien (211), verschellen dass. (214), 
verschilten schelten (214), verscMmpfen verspotten (217), verschoutoen hinweg- 
sehn über, verachten (218), verschreien (218), versdirten (219), verspirsen, ver- 
spiwen anspeien (245), verspotten (245), vervemen verurteilen (287), vervesten 
ächten (288), vervluochen (289), vervriden ausser Frieden setzen, bekriegen 
(?90), verwerfen verwünschen, Verstössen (302), verwisen ausweisen, verbannen, 
verführen (312), verzeln tadelnd vorhalten, verurteilen (316). 

mnd. vorklachten verklagen ( Schiller -Lübben 5, 378 a), vorklicken ver- 
leumden (379b), vorkundigen ächten (384a), vorlagen nachstellen (384b), 
vorlestem Bcheiten (393 a), vortrumpen vertrompeten, einschüchtern (6, 309 b). 

Aus dem nhd. ist als Eigenart der Sprache Luthers ft4r- 



*) für- ist etymologisch berechtigt (faur- I vgl. S. 33). 



133 

werfen (vgl. lat. pröicio) zu erwähnen (S. 39 Anm. 6). Die im 
Frflhnhd. belegten verpftichen, verpftmi, verpfuim (DWB. 970) 
sind wie mhd. verphcßhen^ verphten, verphiuihsien Denominativa 
mit Interjektion als Stammwort. Aus den Mundarten gehören 
hierher die zahllosen, auf den verschiedensten Wegen ent- 
standenen Bildungen des Sinnes „verraten, verleumden^. Ich 
ffihre sie hier nur an, soweit sie einigermassen deutliche /at^r- 
Typen sind: 

Schweiz, verglogge, verlüU durch Läuten in Bann tun (Staub-Tobler 2, 
619; 3, 1610), schles. verheben tadelnd vorhalten (Weinhold hs. H 62), ver- 
heissen schelten (in Breslau gebräuchlich), elsäss. westerwäld. verkreischen 
verschreien (Martin -Lienhart 1, 525, Schmidt 299), Schweiz, verchünde ver- 
leumden, verchundschafte verraten ( Staub -Tobler 3, 359, 354), verUege ver- 
leumden (ebd. 3, 1217), schwäb. westerwäld. vermachen verraten (v. Schmid 
366), ausschelten (Schmidt 304), Schweiz, vermelde verraten (a. a. 0. 4, 212), 
luxemburg. vemennen schimpfen (Gangler 468), kurhess. verpßen anspeien 
(Vilmar 479), Schweiz, verpfuije verabscheuen (a. a. ü. 5, 1048), schwäb. ver- 
sagen verklagen (r. Schmid 445), elsäss. verschelte schelten (Martin-Lienhart 
2, 412), verschwatze verraten (2, 532), versnawetn, versnäbbelnf vermubbeln, ver- 
sthnäbbeln, verechnübbeln ausplaudern, verraten (eis. Martin-Lienhart 2, 493, 
Brem. wb. 4, 886, Schambach 266, Danneil 239, Dähnert 527, Frischbier 2, 
441), schles. verspeien verspotten (Weinh. hs. S 370), bair. köln. vertragen 
▼errufen, verschwatzen (Schmeller 1, 656, Honig 191 a), Schweiz, verzeige an- 
zeigen*). Ein weit verbreitetes Wort für »heuchlerisch verleumden" ist ver- 
fuch8S€hwänzen (DWB. 355), im Schles. (Weinh. hs. S 264), Westerwäld. 
(Schmidt 291), Kurhess. (Pfister 324), Preuss. (Frischbier 2, 430) bezeugt. 

Besonders ausgedehnt ist die Liste der Ausdrücke für 
„verflucht*', die teils euphemistischen Bestrebungen ihr Dasein 
verdanken ^. 



>) Amtsblatt des Kant. Graubttnden 19. 7. 1895: der unterzeichnete . . 
wird jedes unerlaubte heerensammeln . . als entioendwng bei zuständigem ge- 
richte verzeigen, 

*) Die Beispiele fliessen besonders reichlich im Schweiz, und Schles.: 
Schweiz. verUendt (Staub-Tobler 5, 109), verbUtzt (5, 294), verbrennt (5, 632), 
verbumset (4, 1267), verdräkt (Seiler 106), verflankt (Staub-Tobler 1, 1203), 
verflidct (1, 1193), verflixt (1, 1238), verfluckt (1, 1195), verfluemet (1, 1198), 
verflwmet (5, 64), verflumelet, verflumeret (Stalder 1, 387), verfluxt (Staub- 
Tobler 1, 1239), vergunnt (2, 333), vergurt (2, 445), verheUet (2, 1138 ^Hölle«), 
verhext (2, 1828), verhit (2, 1102), verhudeU (2, 1004), vert^tzet (3, 600), 
verchratzt (3, 930), vermalet (4, 167), vermalefizt (4, 168), vermessen (4, 458), 
vermorzt (4, 433), vertaxt (1, 1238), verzwangt (Stalder 2, 484), verzwickt 



134 

Die Weidmannsprache nennt Wild verrufen, das durch Nach- 
ahmung des Bufes verschüchtert ist (Eehrein 308), die Seemanns- 
sprache bezeichnet die Sitte, beim Passieren des Äquators die 
jungen Matrosen zu taufen, als verhensen „in die Gilde auf- 
nehmen, hänseln" (Bobrik 706 b). An Ausdrücken für „verraten, 
ausschelten ** ist die Gaunersprache reich: 

verJcappen (Kluge rotw. 168)) verkohlen (422), vermamsen, vermomsen (337, 
429, 415), vermasseln, vennasseren (389, 200, 205, 246), vermosem (383), ver- 
ndbesen (435), verpfeifen (383, 429), verretschen (15), verrettem (316), ver- 
schlehenen, versMichnen , verschlichem (316, 387, 413), verschmttsen (337), 
vereegemen (337), versanden (418, 418). Mit ihr berührt sich die Soldaten- 
sprache: vergipsen, verknacken, t^erA^AZen „bestrafen'' (Hörn 119), versäckeln 
„anpfeifen, rügen" (137) und die Studentensprache: verruf, verschiss (Kluge 
stud. 132, 133). Das Preuss. kennt dazu verschiss machen „Fiasko erklären'^ 
(Prischbier 2, 440). 

Diese jungen Bildungen haben freilich mit faur- I alle 
Berührung verloren und sind mit dem einheitlich gefahlten, 
üblen Nebensinn verleihenden ver- geprägt Worden, so aus 
der nhd. Schriftsprache verlachen, das erst seit dem lö. Jahrb. 
erscheint (DWB. 707). 

In den Gruppen „festlegen, versperren* (Gruppe 3, vgl. 
S. 103) und „versorgen, schützen, verdecken** (4) sind/awr-I: 
faur- n:fair'TYfen eng vereinigt, daher müssen wir uns erst 
über das Verhältnis dieser drei Typen zueinander klar werden ^). 
Um die Forderung zu befriedigen, dass eine urwüchsige An- 
schauung Buhe und Bichtung im sprachlichen Ausdruck sondert, 
haben wir in got. faur- zwei lautlich zusammengefallene Formen 
nachzuweisen versucht, wofür uns das Deutsche und das Nord- 
germanische Anhaltspunkte bot (S. 8—13, 26 f., 46 f., 48). So 



(2, 486) — schles. verbannt (Weinhold hs. B 16), verfUmmt (P 94), ver- 
jfUmmst, verflucht, verflixt, verflummt, verfummt (P 126), verhagelt (H 9), 
verjucht, verkauft, verknwM (P 126), vermuckst (M 128), vermwrsdiJt (Hoff- 
mann 19), verpwM (Weinh. hs. P 154), verswiehelt (Z 98). Der Schlesier 
wendet gar einen ganzen euphemistischen Satz an: verfing a sich ei de 
sträucher! ver f lug a sich die lust och! (hs. P 126). Das verflucht un 
zujeneht des Berliners (Meyer 125 b) ist ja bekannt und weit verbreitet. 
Der Leipziger sagt gottverdanzig, gottverdex, gottoerdimian, goUvertannewald 
euphemistisch statt ,6ott verdammmich ! " (Albrecht 125). 

*) Die Behauptung, dass die Ausdrücke für »versperren* und „vertreten* 
alle fawr- 11 zukommen (S. 13, 28), trifft also nicht ganz zu. 



135 

sollte You Hause aus faut- I die Anschauung der Richtung, 
faur- II die der Buhe vertreten. Letztere hat faur- II mit 
fair- gemeinsam, beide sind ihrer Herkunft nach lokale Formen 
(idg. *prr% und *per% S. 13). In der Anschauung aber weichen 
sie etwas voneinander ab: faur- II bezeichnet ,,vor^ einem 
Gegenstande zur Deckung ,,f&r^ ihn ,» gegen ^ einen davor be- 
findlichen, fair- nVor*' einem Gegenstande auf allen Seiten, d. h. 
„ringsherum*', ihn umschliessend und dadurch überdeckend, 
schätzend, abschliessend (S. 9, 13). Im Gegensatz dazu ent- 
wickelt /aur- I den Sinn „schtltzen^ oder „sperren^ aus der 
Anschauung „vor — hin, voraus *'. So steckt in versehen „voraus- 
sehen*' schon „ versorgen ** und „abwenden**, in versetzen „vor- 
setzen** schon „verdecken** und „versperren**, in verlegen „vor- 
legen** ein „versorgen** oder „verdecken** oder „versperren" 
(S. 102 f.). Eine Bildung aber wie etwa verschlagen erlaubt 
dreierlei Auffassung: „nach vornehin** schlagen (faur- 1), „vor** 
dem Dinge schlagend anbringen (faur- II), „rings um** das Ding 
schlagen (fair-). Das Ergebnis ist in allen drei Fällen das- 
selbe: das Ding „verschlagen, verdecken, versperren**. Zu- 
gleich vertritt verschlagen auch die Bedeutung „schlagend ein- 
schliessen in** einem Dinge, und diese ist nicht von /aur-, 
sondern nur von favT- aus zu verstehen. Denn was rings um- 
schlossen ist von einem Dinge, das ist zugleich darin einge- 
schlossen. Femer wenn zwei Dinge von einem dritten rings 
umschlossen oder eingeschlossen sind, so werden sie dadurch 
zusammengeschlossen und an das dritte festgeschlossen: 
dadurch ergeben sich die Bedeutungen „zusammenschlagen** 
und „festschlagen** ^). 

Diese verschiedenen Bedeutungen finden wir seit mhd. Zeit 
in sehr vielen Bildungen vereinigt, ohne sie völlig scheiden und 



^) mhd. versiahen ist in diesen verschiedenen Bedentangen (aneser ,za- 
gammenschlagen") bezeogt (Lexer S, 232): 

Chr. 6. 264, 6: die schüUen versiahen und in ain huet legen (ver- 
bergen : /atr-). 
Chr. 2. 67, 1. 254, 20: die pOhsen, dag süntioch v. (faur-). 
Chr. 270 Anm. 2: die weld v. (durchschl^en, verhauen :fair-). 
Chr. 6. 80, 9: den Lech v. (durchschl&gen, sperren :/atr-). 
Ga. 2. 699, 159: er hiee ^ v. (in ein Fase :/atr-). 



136 

einzelnen Typen zuweisen zu können. Ist es aber anzunehmen, 
dass sich drei Präfixe so enge zusamengeschlossen haben? Die 
Scheide zwischen faMf- 1 und faw- II fiel, sobald sich der 
unterschied zwischen Buhe und Richtung verwischte und Neu- 
bildungen ohne Bücksicht auf diese Anschauung vorgenommen 
wurden, fam- II und fair- standen sich als lokale Formen 
von Hause aus nahe, auch in der Bedeutung, ahd. firi- mhd. 
vire- hat sich in den spärlichen Fällen, wo es nicht der 
Schwächung zu fir- vir- verfiel^), an das weitaus häufigere 
furi' vür(e)' lautlich angeschlossen. Da es nur vereinzelt vor- 
kommt, ist es bald nicht mehr verstanden und wohl als Ver- 
bildung von furi- angesehen worden. Freilich sicher nachweisen 
können wir diesen Übergang nur in einem einzigen Falle ^. In 
einer Beihe weiterer Fälle ist er aber sehr wahrscheinlich^. 
Zumal wo wir untrügliche Anzeichen haben, die auf fair- und 
faur- zugleich hinweisen, finden wir hierin das Mittel, den 
Knoten zu lösen, faur- II vermittelt zwischen faur- I und 



^) Sicher lassen sich zwei Fälle nachweisen: 
ahd. firimssi > fwr%wig»i (S. 15 Anm.) 
mhd. virtoitze, virwiz > vürwitzef vürmz, 

Ath. A 110: dö sie ttich vireUndin (S. 37 Anm. 1) neben ahd. furi- 

puntan (Gl. I 52 Pa.). 
*) ahd. firi- firu- fwri- fure-wieei S. 15 Anm. 
mhd. Trist. 16811: genuoge nimet hier under virtcitze unde wunder . . des 
foil ich si herihten, ir virtoitze beslihten. 
Troj. 11235: ir vertaner vürwiz (ihre veriauchte Neugier). 
Gen. D. 14, 12: si genöte daz furwitz daz si dar in tet einen biz. 
md. Vorwitze S. 15 Anm. nhd. fwrwitz > vorwitz (ebd.). 

') Zweifelhaft ist die Grnppe „ Yerbrechen ** : ahd. furisizzan S. 128, 
Gl. I 535 b sühuurwanit sihvirvuanit : contempnit, mhd. vürbrichen, vOr- 
habenisse, vürewise, vürsnciUe, vürsnd, vwrtrHer S. 128, so gut wie sicher 
mhd. vwrwalken = verwalken ,, znsammenwalken , verfilzen* (Lexer 3, 617, 
292), vürgrif = vergrif „Übereinkunft", vwrslac „Überschlag, Eostenberech- 
nung*^ zu versiahen „veranschlagen" (Lexer 3, 599, 120; 609, 232) und end- 
lich ahd. furistenUda (Gl. II 220b) neben virstantan (T. 89, 6), vgl. 8. 16 
Anm. 3. Das Verhältnis von ahd. furi : gr. negi in der Bedeutung ,, für, 
pro" gibt zu erwägen, ob vielleicht auch unser für einer Verschmelzung von 
faur- Ilifair- entstammt, got. fawr- (S. 9) schliesst das wohl nicht aus. 
Wer gar behaupten wollte, ahd. furi sei aus Kontamination von/ur.-^rt 
(fawr- I : fair-) entstanden und ebenso anord. fyri (firi), der brauchte got. 
faur- nicht in zwei Formen zu spalten (vgl, S. 9, 46). 



137 

/atr-, and alle drei vereinigen sich zu dem oben geschilderten 
Ringe von Bedeutnngsgliedern. Welches von den drei Präfixen 
vorliegt, ist nicht immer zu entscheiden. 

Ein charakteristisches Beispiel dafür, wie die verschiedenen 
Bedeutungen ineinander fibergreifen, bietet. uns verbinden. Die 
Anschauung „ein Band anbringen vor, in, um^ einen Gegen- 
stand ergibt die verschiedenen Auffassungen „zubinden — fest- 
binden — einbinden — zusammenbinden — ttberbinden (ver- 
decken)^. Die Auffassung wechselt mit dem von der Verbal- 
handlung betroffenen Objekt^). Stellen wir uns eine Hand mit 
einer Wunde vor, darauf ein Pflaster und einen Verband, so 
wird die Wunde durch den Verband zugebunden, das Pflaster 
in den Verband eingebunden und an die Hand festgebunden 
oder mit der Hand verbunden (zusammengebunden), die 
Hand aber von dem Verbände ttberbunden und verdeckt. In- 
dem Objekt und lokale Bestimmung sich ändern, lassen sich 
diese verschiedenen Verhältnisse durch verbinden ausdrucken. 

ahd. N. ü 436, 15 P.: ni&ht neferhint den munt demo in ärdac canUn 

rinde : non obdorabis. 

II 598, 4: der iro ferchnisteda bindet . . . demo f erbindet er 

hier die ünganti mit sacramentis eccleaiae. ober in anderro uuerlte 

nimet er imo aba den bendel . . (alligat contritiones eonun). 
Gl. I 52 Pa. furipuntan. gl. K. furipundä endi fwripotan : recondita. 
mnd. R. V. 6713: se vorbunden aine wunden und geven eme drank. 

Urk. d. St. HanoY. nr. 339 (a. 1355): unde we vorbindet unde vor- 

pUdUed use erven äUe desse stucke to holdende. 
Komer 30b: de sich mit eme vorbunden hadden jegen . . (sich 

verbünden), 
mhd. Tuch 68, 21 : „mit Mörtel ausfüHen, verstopfen" (Lexer 3, 75). 

Parz. 607, 21: Odwän die wunden verband mit der frouwen Jtoubt' 

gewant. 
Er. 940: üf den heim er verbant (aufwärts festbinden). 
Hätzl. 2. 57, 244: hat din gejeid iht gewis riht oder verbindest du 

niht (bestimmte Richtung festhalten : weidmännischer Kunstausdruck). 
Chr. 3. 334, 40: sie verbunden die stat mit suldien gelubden. 
Pass. 12, 61: sich in daz wort \ verbinden 

Elis. 1741: sich zuo etwas \ (sich verpflichten auf etwas, 

Mb. 39, 120 (a. 1319): sich gegen einem j zu etwas, einem gegenüber). 



*) Über das Verhältnis der vor- und rer- Komposita dabei vgl. S. 3. 



138 



Pass. E. 85j 23: die in der helle valden verbunden wären (fesseln 
in, einschliessen). 

Leseb. 1036, 14: in ^nem heim verbunden saz er (einbinden, ver- 
bergen). 

Wg. 6745: die tceraeheit verbinden zuo der iippikeit (festbinden an, 

verbinden mit). 
Wg. 6747: wae möht gdust und tcßracheit verbinden bae dan adel 

tuot (zusammenbinden, vereinigen). 
Chr. 2. 125, 7: audk reit er mer su andern fürsten, die im mit ver- 

punten waren (verbündet, verflichtet). 
Chr. 1. 53, 17: nu hei di stai zu Adk sich verbunden zu dem 

herczog van Geiern, 
Er. 872: mit grimme si verbunden (übertragen vom Brettspiel: Steine 

zu Bünden zusammenfügen). 

Qriesh. 1, 115: dö liez er aimu otogen im verbinden (verhüllen). 
Trist. 16283: er verband ez dem G&lotten toisliche in einer rotten 

(var. verUmde verstecken). 
Chr. 10. 204, 19: ei het sich ser verpunden, das ir sein geseUen nit 

kenten (sich vermummen), 
nhd. 5. Mos. 25, 4: du solt dem ochsen^ der da drisschet, nickt das maut 

verbinden^). 
Luc. 10, 34: gieng zujm, verband jtn seine wunden und gos drein 

ole und wein, 

Logau S. 247 Eitner kl. ausg.: fürsten, die euch die geschenke, nicht 

die treu pflegt zu verbinden (verpflichten). 
Fischart bienenk. 32: der maszen, dasz gott in diesem fall unserer 

lieben muter hoch verphUckt und verbunden ist. 
Goethe in den Hören 2. Jahrg. 4. Stück S. 25 : dieser mann ist meinem 

hause sehr verbunden (zu Danke verpflichtet). 
Rom. 7, 2: denn ein weib, das unter dem, dieweü der man lebet, ist 

sie verbunden an das gesetz (festbinden, verpflichten)*). 
4. Mos. 30, 10: das geiüM einer widwen und verstoszenen, alles wes 

sie sich verbindet über jre sede, das gilt auf jr, 

Rist Parn. 462: Arabien hat erst die rechehkunst erfunden, Pylhagoras, 
der hat in regeln sie verbunden (einbinden, zusammenbinden). 

Goethe 29, 342: dasz der erste zum bedurfnisz empfindsame mensch 
vier Stämme einrammelte, vier Stangen drüber verband (zusammen- 
fügen). 



^) Dasselbe Beispiel schon im got. {faurwaipjan, faurmüüan S. 10), 
ahd. (N. II 436, 15 P. auf S. 137) und aengl. (Bosworth-Toller 302 b). 

*) Analogisch nach verbannen und verbieten (S. 114 ff.) ist: ein Gericht 
verbinden „mit Verpflichtung gebieten" (Weist. 2, 339) gebildet. 



139 



2. Chron. 7, 18: 80 ml u^ den stud dein» kömgreicha bestätigen, wie 

ich mich deinem vater David verbunden habe. 
Lnth. 1. 199, 17 W.: sie haben sich gegen mir verbunden und 

voreyniget. 
Lath. 8, 59 (DWB. 121): solch edel volek, mit welchem goU sefbs redet 

. . und sich wie mit einer braut verbindet 
Keiaersberg Spinnerin P 2 b: de seind die hafenlwnpen, damit ver- 
bunden Wirt dg angesicht der seien, dz sy unerhmt werden got 
(verhüllen, yermnmmen). 
Dazu verbinden »verwehren" im Schweiz.: Jer. Gotthelf (Staub-Tobler 4, 1362): 
böse leute hätten es ihnen verbunden. 

In den Beruf sprachen ist verbinden als „zusammenfügen, festmachen, 
verstopfen ** gebräuchlich. In der Seemannsprache unterscheidet man Uef 
und hoch verbundene^) Schifife (Bobrik 705), der Gärtner spricht von ver- 
bundenen Ästen, wenn zwei überkreuz gewachsen sind (Weber 2, 612). Das 
Bremische Wtb. verzeichnet die Bedeutung „Reife um ein Fass schlagen" 
für verbinden (1, 88). In der Chemie verbinden sich zwei fremdartige Stoffe, 
wenn sie sich durcheinander mischen: sie gehen eine feste Verbindung ein 
(Adelung versuch 4, 1319). verband , Einband eines Buches" verzeichnet 
Schütze 4, 301 für das Holstein, sich verbinden für einen bedeutet „bürgen" 
(Maaler 414 d im DWB. 121), ähnlicher Art ist .mit Beschlag belegen" im 
Brem.-Nieders. (wb. 5, 334). Scherzhaft wird verbinden als „verprügeln" 
gebraucht (ebd. 1, 88) wie versetzen im Altmärk. (Danneil 239, vgl. S. 81). 
Dem verbinden steht nahe bair. verbanden „mit Mörtel ausfüllen und 
verstreichen" (Schmeller 1, 248), Schweiz, verbändle „einfassen, sitzen bleiben, 
verwinden, hintergehn" (Staub-Tobler 4, 1338), im Wiener Dialekt verbandeln 
„verstecken" (Hügel 177), sich verbandeln „sich befreunden mit einem", aber 
auch „Streit anzetteln" (ebd.), dazu in der Gaunersprache verbandelt „ver- 
lobt" (Kluge rotw. 488). 

Die Wendung einem verbunden, verpflichtet sein gibt dem Berliner An- 
lass zu der scherzhaften Verballhomung : ick bin dir sehr uerknippert 
(Meyer 126 b), wofür ich aus eigener Bekanntschaft aus dem Schles. (Breslau) 
die Varianten ich bin dir s^r verknüppelt und verschlingelt, aus dem 
Preuss. (Danzig) ik bin dir sehr verknüppelt und verkniewelt beibringen 
kann, ßchon mnd. wird vorhng^ in diesem Sinne gebraucht: 

Lüb. Brief v. 1531 : burger, wdekeren ich . . denstes häluen vorwan^ vnde 
oorknuppet. Ähnlich bair. sich einen verhäfteln „verbindlich machen" 
(Schmeller 1, 1065). 

Wenn wir die in die erwähnten Gruppen fallenden Bil- 
dungen den einzelnen Präfixen zuweisen wollen, so haben wir 



*) verbinden „anders einbinden" ist /atr-Type (Bobrik 705 a: die want- 
taue verbinden oder umbinden). 



140 

allenfalls noch im ahd. und as. Aussiebt, dies durcliftthren zu 
können. Die späteren Komposita sind sicherlich mit einem 
einheitlich gefühlten Präfix i?er- gebildet worden, das zugleich 
den Sinn ,,zn-, fest-, ein-, zusammen-, über-' zu verleihen fähig 
ist. Denn tatsächlich finden sich immer mehrere dieser Be- 
deutungen in derselben Bildung vereinigt. Die betreffenden 
ahd. und as. Verba wollen wir den einzelnen Typen einzu- 
reihen suchen. 

1. faur- I möchte ich zuweisen: 

ahd. Ol. II 95 b furidunsun imirt : obtenditar. 

Notker catech. Müllenhofif- Scherer 191: danndn begandön sie iro 

anasiune f erlegen cavatia lignis, diu latini nü larvas hevseni 

(Yerdecken). 
N. n 219, 1 P.: das tuot er ein ora dringende an dia erda. dag 

ander fersciübende mit d6mo edgele : obdarantis aares suas. 
Gl. II 768 b fwresteüe : latet. 

II 435 a furstoszent fwri stoggantar : obdens. 

I 286 a furistappot furittuorfan : obturatas. 

2. faur- II: 

ahd. N. II 600, U P.: manda er fasto fergrindelot habet dine parta : 
confortavit *). 

II 219, 7: die iro hören ferhdbeton so sie nomen ChrisH gehartan 
(zuhalten). 

0. II 6, 54: ihae süUh ürlosi fora göte unsih firtodsi (vertreten). 
Gl. I 285 b furiuuarahton : obstruxemnt. 

I 222 R. fwrigimprit : obstrnctam. 

I 317 a furicybarUm pucga : obstroxeront pnteum. 

I 354 a fargimbarat : obstruatis. 

verstehen in der Bedeutung „stehen vor*' etwas, um es zu 
„schützen^ oder „hindern^, stellen wir auch am besten 
hierher *). 

.ahd. N. II 45, 12 P.: din mimui unde dtn irhdrmeda /erständen mih 
dien übeien (schützen gegen). 

I 715, 16: t&o nehüniu slöe ferst an nemügen die hHleUchen 
tougeinna : occaltare. 

II 53, 7: dia mwra dero sundon diu uns den himel fers tat, 
also suert uuerbendag ioh paradisum sündigen fers tat (versperren). 



*) Wie got. fawrdammjan (S. 10) gebUdet. 

*) aengl. Exon. 118b.: forstond du mec (schützen). 

Nom. 22, 22: Godes engel forstöd done weg : stetit in via. 



141 

as. HeL 4476: huand inä thit heriseepi vmli far standen mid strtdu 
(verteidigen). 
Hei. 4741: ihcLt he im ^^ero costandero craft farstodi, uuredaro 
uuillean (hindern, fernhalten von). 

3. Die folgenden Bildongen mögen /aur- Typen sein; der Be- 
deutung nach lassen sie sich so auffassen. Da bei ihnen 
aber das Präfix den im Stammworte liegenden Sinn verstärkt, 
können sie auch zu fair- oder fra- gehören : 

ahd. N. I 39, 27 P.: liget f erborgen in dero uinstri : condita obscnris 

tenebris latet. 
Gl. I 198 Pa. ga fardakenne. gl. E. zi firthakmni. Ba. ei firdagen : 

infandnm. 

II 434 b farheletiu : obdncta. 

I 210 gl. K. edho firholan : vel absconditom. 
N. I 61, 23 P.: %8t Wh f erholen : num te praeterit ? *). 
61. II 179 b firs^e : snpprimat. II 567 a fersuige : taceam. 
N. I 144, 10 P.: ih uMe d^ fersuigSn : taceo. 
Gl. II 184 a virterMnit : dissimnlantur. II 470 b firterchinet : praetezitis. 
N. I 172, 27 P.: in smdhi feruuörfenen tüot ünde ünmäri fer- 

töchenen düot : quem recondit obscuritas. 

I 10, 18: dlHu sümhSit häbeta uertünchelet iro uudhi (ver- 
dankein). 
Gl. II 104 b: fartuchlan : obraere. 
as. Hei. 1411: ihan hält ni sculun gi iuua hdag uuord . . heUdcuntUe 

farhelan, 

4. Von faur- oder fair- ist ausgegangen : 

ahd. N. I 732, 9 P.: mit iro röten haubettüoche diu &ugen ferfähende : 
ocalosqne peplo . . obnnbens. 

I 786, 12: HngtMlmot tiema gefürehüllotiu : obtectaqne vultu. 
Gl. II 508 a fermmda : saepserat. 

5. faif' liegt vor in : 

N. I 355, 8 F.: 80 tüot köte^ (mga, dl obenan dnas^hende neuer- 
miakelöt is tMii Ha uuiolichi dero dingo : pertnrbat (vermengen). 

Gl. IV 147 a uematwerden : insni. 

I 4 Pa. gl. K. Ra. farsUMt : adnectit (festknüpfen). 
n 771 a ferslagine : interclusa (abschlagen). 

0. IV 16, 17: ingegin imo fuar in wdr iSmfirslagan h4ri ihar (un- 
beschlagen, unbegrenzt). 



>) In der älteren Sprache ist Akk. der Person h&nfiger als Dat. bei den 
Verben .celare", die Sache steht im Gen. oder Akk. ( Erdmann -Mensing 
§ 190 b, 218«). 



142 



N. I 104, 11 P.: ioh tdß iteuude in sie uersUufet : vel introitns 

reptantinm in secreta qnaeque (hineinschlüpfen). 
Gl. II 436 b versniegun perga : ningnidos (Pyrenas : überschneien, 



N. I 714, 27 P.: soimio dero fersnüortön man nedurfe muoton : 

defixis pectore (nmschnttren, Yerscbnüren). 
Gl. II 570 b feruuaJchenemo : concreto (zasammengewalkt) ^). 

I 192 Pa. fa/ruuerfanU. gl. K. firuuerfandi : coniector (zusammen- 
werfen). 
N. I 217, 25 P.: ad feruuündenen ktborinthum uubrchendo : in- 

extricabilem (dnrcheinandergewnnden). 

I 44, 23: ndh & ndazet feruuörren uu&den dn in dia hirta : 

misceri vices (darchein anderwirren). 

I 269, 14: übe man ddz uuänet sin ünrihHg ünde fervuörren : 

temerarinm confusomque. 
Gl. I 489 a fareanoten firzanoten : laciniosis (gezackt, gezahnt), 
as. Hei. 5626 C. : ak sia (Sonne) scado farfeng ihimm endi ihiustri (am- 

fangen). 
Hei. 2504: than he imu farfahid anfehogiri (sich verstricken in)'). 
Hei. 1365: ihat sie an betara thing, folc, farfahan (verfangen an, 

eingehen auf)'). 

Eine/air-Type liegt auch in as. fersüveran ^mit Silber über- 
ziehen^ vor, einem auffallend früh belegten Denominatiyum 
(vgl. S. 34)*): 

and. Ps. 67, 14: feiheron düvon fersilvederö (stAtt fersilveride) : pennae 
colnmbae deargentatae. 

Im mhd. kennzeichnen sich durch ihre Lautform als /aur /- 
Typen noch deutlich: vürrUen „reiten gegen, den Weg sperren" 
(Lexer 3, 607: verriten 205), verschieben „versperren" (216: 
vürschup Riegel 608), vürtreten „treten vor einen, eintreten für" 
(616: vertreten 274), vüreiehen „sperren" (619). Zu /aur- // 
stelle ich: vürstän „verteidigen" (611: ver^^dn 247 f.), vürvehten 
(617: vervehten 286) und verwesen „verwalten" (305: vürweser 
618). vürschranc und vürslac „Befestigung" (607, 608) zu ver- 



^) Vgl. dazn mhd. vürwaiken S. 136 Anm. 3. 

') Im as. kommt der reflexive Dativ h&ofiger vor als in allen anderen 
deutschen Dialekten (Erdmann-Mensing § 292). 

*) Ähnliche Verbindungen: got. fairrinnan du, und; fairweiijan du S. 15. 

*) Es ist dort falsch ausgelegt. Das Missverständnis ist durch dear- 
gentatae veranlasst worden, eine Hypostasenbildung zu de argento „von 
Silber« (vgl. 8 16 Anm. 1). 



143 

schrenJcen, versiahen „sperren" (218, 232) weisen auf /awr- I 
hin; jedoch vürslac „einschliessende Belagerang" (608) werden 
wir zu fair- (vir- > vür-, vgl. S. 1S6, besonders Anm. 3) ziehen, 
wie auch verschränken and versiahen in den meisten Fällen als 
/air-Typen aaszalegen sind. 

Es folgt nan eine alphabetische Anfzählung der Übrigen 
anter die Type verbinden fallenden mhd. Bildungen in ihren 
verschiedenen Bedeutungszweigen ^): 

verarhen einsargen, -bachen festbacken (Lexer 3, 70), -banden mit 
QuerbaUien verbinden, -bamen, -barren yersperren, einschliessen (71), 
-borgen (72), -besten verbinden, -liehen mit Pech überziehen, -bicken ein- 
stecken (74), -hiuschen vertaschen, -Ueen zusammen-, festbeissen, -bufgen 
verkeilen (77), -bliuwen unterschlagen (78), -blüemen hinter Blumen verbergen, 
,dnrch die Blume' sagen, -bom durchbohrend befestigen (79), -brtemen mit 
Domen umstecken (81), -brfynen Verbrämung (82: brlhn Einfassung), -bücken 
vermachen (Nachtr. 990), -bunden verbünden, -bünen einsperren (86), sich 
verburcrSiien, -burgersehaften sich verbünden, -büUen vermummen, -böwen 
zubauen, abwehren, umbauen, verschanzen (86), -dachen überdecken, 
-dagen verschweigen (89), -decken überdecken (91), -despen verbergen (94), 
-doumen zustopfen (97), -dringen zusammendrängen, eindringen (98), 
-drücken zudrücken, zusammendrücken, unterschlagen (100), -dümen mit 
Domen umstecken, einzäunen, absperren (102), sich vergemehden') sich 
verheiraten (112), -gamen mit Gam zumachen (109), -gatem versammeln, 
umgittem (110), -gemen umgarnen (113), -giesen überschütten, festgiessen 
(115), -gitem umgittern, -glasen in Glas fassen, mit Glasur überziehen 
(118), -graben eingraben, umgraben (119), absperren (Nachtr. 391) , -griezen 
überschütten, -gruoben mit Gruben durchziehen, -gtMen übergolden (120), 
-haben zuhalten, zurückhalten, umschliessen (121), -hagen einfriedigen, um- 
zäunen (122), -hohen verhängen (123), -Tuelen verhehlen, -Jiälten zurück-, vor- 
enthalten, verbergen (123), -Jumiten durch Verhau sperren (124), -heben zu- 
halten, zurückhalten (125), -heften einheften, umstricken, festlegen, -hdmen 
umfriedigen (126), -hJün verbergen (127), -ÄlteicÄen, -Mräten, -hmren^ ver- 
mählen (130, 181), -hauwen durch Verhau sperren (133), -hUeten auflauern, -hüfen 
in Haufen sammeln, überdecken, -hüilen umhüUen, einschliessen (134), -hürnen 



^) Die Verba des Sinnes „versorgen, vertreten", die ein persönliches 
Verhältnis ausdrücken, betrachte ich im Anschluss daran gesondert. 

*) vermdiekn, -gem^hden, -hiuren bedeutet , durch Vertrag binden '', 
verMleichen, -hiräten „unter Hochzeitsmusik bzw. den Zurttstungen zur 
Hochzeit verbinden". Das Stammwort bildet also eine instrumentale Be- 
stimmung. Dagegen ist vereUchen Denominativ zu eUch „gesetzmässig". 



144 

mit Hörn umlegen, -ingmgelen darch Siegel schliessen (135) ^), -Jcastdny -kosten ' 
einschliessen, -helken mit Kalk einschliessen , befestigen (139), -Ulm mit 
Keilen befestigen (144), -kUmben einklemmen, amklammern, -kleiben zukleben, 
verlöten (145), -klenen zukleben, -kUmtnen einklammem, umklammem, -klüegen 
bemänteln, -klüsm ein-, umschliessen, -Idütem zusammenwirren (146), -kmi^fen 
fest-, ein-, zusammenknüpfen, -kamen sorgend zuvorkommen, verhüten (147: 
vürkamen 602), Übereinkommen (147), -krempfen, -krimmen krampfhaft zu- 
sammenziehen, -drücken (148, 149), -kriechen hineinkriechen, -krcmen über- 
krönen (149), -kunibem mit Beschlag belegen (150), -kuppeln zusammen- 
koppeln *), -lachen durch Zeichen umgrenzen, -lacken festkleben (151), -Unen 
verstopfen, überziehen (169), -leteen mit Wehr umgeben, versperren (160), 
-Üben einverleiben (161), -Ugen versperren (164), -Urnen festleimen (165), 
-liUfen zusanunenheften (166), -Icntben mit Laub bedecken (168), -laufen hin- 
dernd laufen vor (168), -lüchen verschliessen (170), -lüeen verbergen, -machen 
zumachen, verstopfen, einschliessen, verbergen, verbinden, vermummen (172), 
-malen, -mdlsteinen mit Malsteinen abgrenzen (173, Nachtr. 392), sich ver- 
mannen sich verheiraten (174), -marken mit Marksteinen abgrenzen (175), 
-mehden vermählen (176), sich vermeinschaften Gemeinschaft haben mit, 
-mengelen, -mengen zusammenmischen (177), -minnen in Minne zusammen- 
bringen, versöhnen, -mischen (180), -miuchdn, -müchen verstecken (181), 
-müren zumauern, versperren, ummauern, einmauern (183), -muschieren ver- 
tuschen, -nadeln zunähen, flicken, -nagelen mit Nägeln beschlagen, durch- 
nageln (184), -mßgen ein-, zuschnüren (186), -netten umstricken, -nieten fest-, 
einnieten (187), -petschaten, -pitschieren versiegeln (191, 194), -ph4Blen ein- 
pfählen, -pheden den Pfad versperren (192), -pUen oppilare, -pkmken ein- 
deichen, absperren, -quanten verhehlen (194), -qudn einzwängen, fest ein- 
schliessen (196), -raten Anschlag machen gegen') (196), -rechen zusammen- 
scharren (198), -reinen die Mark abgrenzen, -reitdn einhegen (199), -remmunge 
obsidio (200), -rennen übergiessen, bestreichen, zusperren, -remen (diefenster 
201), -ridceln befestigen (Nachtr. 393), -ricken einschliessen, umstricken, 
-rigelen zuriegeln, einschliessen, zusammenschliessen (202), -rinnen reitend 
umlagern, absperren, -riten reitend hindern (206), -runen verrammeln, über- 
schütten (207), -samenen versammeln, -sdeen festhalten, verwehren, den Weg 
verlegen (210), -schäm ausschliessen, umstellen (213), -sdidn mit Brettern 
vermachen (214), -scherren einscharren (216), -schieben den Weg versperren, 
umschliessen, einschliessen, vollstopfen (216), -schöpfen verstopfen, -sehom 
zuschaufeln, einscharren (217), -schrägen einpfählen, absperren, -sdirannen 
absperren, -schrenken um-, ein-, zusammenschränken (218), -sdvapfen ver- 
stopfen (221), -Schuten eindämmen, zuschütten (222), -seücen hineintröpfeln, 
einschliessen, -seilen vereinigen (223), -serken einsargen (226), -sigden, 



*) Vgl. got. faursigjjan 8. 10. 

') Grundbedeutung, die schon mhd. zu üblem Sinne übergeht. 
•) Livl. M. 8624: die Senegdllen quämen über ein, daz sie verrieten 
Tenceieiii. 



146 

'SigiRieren zusiegeln, einsiegeln, besiegeln, festsiegeln (228, 229), -siuwen zu- 
nähen, einn&hen (231), -sUefm hineinschlttpfen, sich verbergen, -sUeMen ein-, 
znschliessen, verstopfen (233), -slüseen absperren (285), -»midm fest-, zu- 
sammen-, einschmieden, -smiegen einziehen, zusammenziehen, verbergen, 
•smirwen zu-, beschmieren (238), -amücket zusammengeschmiegt (239), -srnwen 
ein-, über-, zuschneien (240), -müeren zu-, ein-, fest-, zusammenschnüren 
(241), 'Spofmm ein-, festspannen, -spengm mit Spangen verschliessen , ver- 
binden, -flsperren zu-, ein-, abschliessen (243), -sptdiem in den Speicher ein- 
schliessen, -spidden verzwicken, verkeilen (244), -spinten, -springen in fest 
ineinander fügen (245, 247), -spunden zuspunden, einspünden, -stdn^) ver- 
wehren (247), -stechen zunähen, -stehden mit Stahl überziehen, stählen, -steinen 
mit Marksteinen abgrenzen (249), -stellen mit dem Stellbrett ableiten, ver- 
mummen*) (250), -stiln verheimlichen, -stempfen zustampf en (251), -sticken 
hineinstecken (252), -stopfen zustopfen, -stöeen verstecken, zustossen, ver- 
stopfen (253), -stricken begaben'), -stiruhen überstreichen, zustreichen, -stricken 
fest-, zusammenstricken, einsperren, verbergen, verpflichten, festsetzen (255), 
-sweUen aufstauen, verdammen (261), -stcickeln zusammenfalten, -stoigen (263), 
•tanten tändelnd verdecken, -tarnen verbergen (266), -tilben eingraben, -temmen 
vor-, eindämmen *), -terken verhüllen, -tifraeen verbarrikadieren (268), -trecken 
verbergen (274), -tüllen verzäunen (278), -tazzen, -ttLschen verbergen (279), 
-twengen einzwängen (280), -ungenosen, -ungendssamen unter dem Stande 
verheiraten (281), -vähen*) in Beschlag nehmen, einfriedigen, zusammenfassen, 
verstricken (282), -vollen fallend sperren, zufallen (284), -valten zusammen- 
falten, -veUen fallend zuschütten (286), -veleen ineinander befestigen (287), 
-viUen ineinander wirren, -vingerlen^) desponsare, -viteen zusammenheften 
(288), -vriden einzäunen, schützen, -vriwnden durch Freundschaft verbinden 
(290), -wäfenen vermachen (292), -wahsen zu-, zusammen-, überwachsen, 
-weidet überwaldet (Erde), bewaldet, -walken zusammenwalken, verfilzen 
(292, vgl. S. 136 Anm. 3), -wiben fest einweben, zusammenweben (297), 
•weHben zusammen-, überwölben^), -welchen vermummen, -wollen ringsherum 



^) Iw. 1290: si verstuonden im die tür (versperren). 

Mw. 217, 47 (a. 1300): daz lehen sol im der herre niht versten 
(verweigern, vorenthalten). 
*) In beiden Bedeutungen vereinigt verstellen die Typen faur- I und 
fair-: »vor- und anders stellen"; vgl. versetzen S. 77. 

*) Wölk. 34. 2, 16: dae JMstü wol verschiedet umh midi mit deines 
Sorten Idbes sal, der eren vol verstrecket (wörtlich: „in allen 
Tugenden (lok. Gen.) ausgestreckt' (fawr- I), d.h. , versehen, 
begabt mit"). 
*) Vgl. got. fawrdammjan S. 10. 

*) vürvanc: Beschlagnahme des gestohlenen Gutes (Lexer 3, 617). 
*) Vgl. S. 119; besser hierher zu ziehen, weil das Bild „den Ring um 
den Finger stecken" (fair-) zugrundeliegt. 

T Wölk. 89. n, 2: der sitz rund v er weiht. 

Leopold, Die Vorsilbe ver- 10 



146 

gerundet (299), -wSrfen bewerfen, überdecken, zuschütten, -werken vermachen, 
eindämmen, hineinwirken, -wem abwehren, durch Wehr ableiten^) (303), 
-werten ineinander wirren, verwickeln (304), -wereeln verwirren (305), -weten 
verplanken, -weezem mit Wasser mischen (306), sich verwiben sich verheiraten 
(Nachtr. 394), -wicMn, -wicken einwickeln, verstricken (306), -mmmem ver- 
wachsen, -winden einwickeln, umwinden, verwickeln, -winkeln^) im Winkel 
verbergen (309), -winteln einwickeln, -toirken vermachen, einschliessen , um- 
hegen (310), -wirren verwickeln (311), -eem unterhalten, beköstigen (317), 
-jsimbem zubauen, einzimmem, -einen Überzinnen, -zingeJn umzingeln, ver- 
schanzen (321), -eiunen umzäunen, absperren (322), -zwicken mit Zwecken 
ausbessern, fest einfügen, zusammenfügen (323). 

mnd. vorhorden einfassen (Schiller -Lübben 5, 320 b), -diken eindeichen 
(338 a), -doveken mit Dauben umschnüren (341b), -gaden vermählen (351 b), 
-gadderen versammeln (361b), -knicken verschanzen (380 a), -kaverturen über- 
decken (382b), -krupen verkriechen (383b), -remmen, -scheren Schiff mit 
innerer und äusserer Beplankung auslegen, umlegen (423b, 434a), sek vor- 
saten sich verheiraten (430b), -schadewen überschatten, beschatten (431b), 
-sduümen mit geschälten Grenzbäumen versehen (432 a), -schoigen Über- 
schuhen, beschuhen (435 b), -schraden') den über den Boden ragenden Band 
einer Kufe erneuern (438 a), -somen umsäumen, besäumen (452 b), -stdn ver- 
hindern (459 b), -toien mit Ankertauen festlegen (475 a), -vrentsdiappen in 
Freundschaft vereinigen (494 a), -wölken durch Wolken verdecken (509 b), 
-warteten fest einwurzeln (511b). 

Die Zahl der uhd. Bildungen, die dem Muster verbinden 
folgen, ist sehr gross ^). Aus den lebenden Mundarten ist 
folgendes anzuführen: 



>) Vgl. S. 145 Anm. 2 zu verateOen. 

') In dieser freien Analogiebildung dient das Stammwort als lokale 
Bestimmung : 

Frl. 269, 1\ ezist niht wol verwinkelt swaz in den me hesi^Mrren wirt. 
') Lüb. Z. R. 175: heft een hederve man een alt kuven, dat magh men 

etne vorscroden. 
*) Für eine Zahl besonders anziehender Bildungen führe ich Belege an: 
Aimon bog. e: und da er sein red volendt, liess er mit drometen sein 

volck verhauffen (versammeln). 
J. Ayrer Val. u. Ursus 4, 316b: da wollen toir verlagern die thar 

(um-, belagern). 
H. Sachs Ndr. 26/27 S. 82: das (geld) wil ich im gesehnt verleihen 

(einverleiben). 
Garg. 157 (1590): darum auch alsbald der arwen Hndbetterin darvon 
gleich alle däu<^l^ füren, runsen, Uafegen dolen und Holen ver- 
stopffet, opilirt, vernagelt und vermalschlosset gestunden (ver- 
schliessen). 



147 

a) obd.: Schweiz. vera/rresHere festnehmen (Stanb-Tobler 1, 386), sieh 
verassessiere sich assoziieren (1, 506), verbahame, -baisafniere einbalsamieren 
(4, 1219), bair. verbanden mit Mörtel verstreichen (Schmeller 1, 248), Schweiz. 



D. V. Liliencron in der Woche 1904 Heft 10: wann hat sich ver- 

mascht, wo hat sich verwebt? 
Yischer auch einer 2, 288: dieszmdl noch verpflastert das männlein 

wollte auf realinjurien klagen, steht wieder ab. 
H. Sachs Ndr. 31/32 S. 35: das sint jung mender vnd jung gseln, die 

sieh verpueen (verkleiden) vnd ver stein. 
Weim. arch. (Fulda) 1619: nacher Beyer zu ist anfang nichts ver- 

seulet oder versteinet (mit Säulen oder Steinen abgrenzen). 
Logan S. 628 Eitner gr. ausg.: gut gewissen . . ist ver schildwacht 

allezeit mit der freyen freudigheit. 
Mus&us 3, 79: diesen blieb das herz der schönen Meta verriegelt und 

versehlössert. 
Tieck 4, 237 : dein kindlidier sinn ist von trotz, Wildheit und Obermuth 

verschüttet (zuschütten). 
Offenb. 7, 3: bis das wir versiegeln die knechte vnsers gottes cm 

jren siimen (durch Siegel feien vor Gefahr). 
Platen tageb. (1900) 2, 158: ich habe mich tief und einsam ver- 
sponnen in die puppe meiner melancholie. 
A. Gryph. Ndr. 3 (Horr.) S. 68: idi will auff den abend mich in den 

garten verstecken. 
Weckherlin 32: nun must du dich durch schnelle flucht und flug in 

das gebirg ver stehlen und verholen. 
Kirchhof wendnnm. 96: die fischer hatten den bach und alle auszgeng 

desz sees verstellt (umstellen). 
Lnth. 23. 596, 35 W.: zum andern verstocken sie die oren, das sie 

es nicht hören woUen. 
Luth. 20. 508, 25 W.: Christus aber ver stopf ft yhnen das maul. 
Plnt. 115: eine schnöde sach mit Worten zieren und verstreichen 

(verdecken). 
H. Sachs Ndr. 26/27 S. 8: sie mainen, habn jr hertz erquicket, so ist 

es nur noch basz verstricket 
Luth. 15. 614, 22 W.: sondern ywn yhrer saxh versturtzt sind und 

stdien ym moe^ffd. 
Luth. 15. 49, 25 W. : Mose . . kies das buch des gesetzes ynn die lade 

Gottis ver waren. 
Klopst. Mess. 10, 908: die sich in Sinnlichkeiten verweben. 
Opitz Arg. 2, 327: der fels ist gantz mit schnee verwehet (zuwehen, 

ttberdecken). 
Maaler 437 d: verwichsen, mit wachsz verbichen: imbuere cera. 
Luth. 24. 480, 2Y W. : das ist der rechte Christus, der ywn der schrifft 

verwickelt ist 

10* 



148 

verbändle, -bändere einfassen (Staub 4, 1338 f.) ^ 6st/en. fapankadiam ver- 
stecken (Castelli 124), Schweiz, österr. verpappe (Staub 4, 1415, Httgel 180), 
elsäss. verhäppe, -happe (Martin-Lienbart 2, 61) verkleistern, Schweiz, verharre, 
'parregiere verwahren, verbarrikadieren (Staub 4, 1436, 1439), Schweiz. t?er- 
passe versperren (Staub 4, 1659), österr. f abasten verhehlen (Castelli 121), 
Schweiz, verbäume einsargen (Staub 4, 1251), bair. österr. verpeilen Spundloch 
(Schmeller 1, 385, Hflgel 180), Schweiz, verbeine eingelegte Arbeit machen 
(Staub 4, 1306), bair. verbainen mit Hom belegen (Schmeller 1, 244), Schweiz. 
verbige, -bögge verdecken (Staub 4, 1059, 1086), Schweiz, elsäss. verbisse ver- 
keilen (Staub 4, 1699, Martin 2, 100), Schweiz, verbitschiere, -bitsche (Staub 
4, 1932 f.), elsäss. verpitschiere (Martin 2, 124) versiegeln, Schweiz, elsäss. 
verbUtee flicken, ausbessern (Staub 5, 288, Martin 2, 175), Schweiz, verblüemle 
(Staub 5, 93), bair. verblüemeln (Schmeller 1, 327), österr. fableamln (Castelli 
121, Hügel 177) verbergen, beschönigen, e\G!&ßB; verblüetnt blumenreich (Martin 
2, 159), Schweiz, verblumbe verzinnen (Staub n, 95), verbodme Fässer mit 
Boden versehen (4, 1032), verbögle durch Bogen festhalten (4, 1070), verbore 
festbohren (4, 1507), verportiere mit Borten besetzen (4, 1631), verbrämle ein- 



Eeisersberg postill 3, 95: als göttlich natwr und mensMich natur also 
zusammen verwidemet und gemehdet seind worden in ein person. 

Luth. 14. 308, 8 W.: Äries heret in vepribus , . er hat sie (sich) ver- 
wir cht, kan nit herausz hhumen. 

Goethe 8, 311 Hempel: die schwarze höhle des Tartarus ver wölbt die 
lieben gegenden des himmels (wölbend verdecken). 

Brentano ges. sehr. 1, 79: Tiäb' aües luM gezogen mit gottesdursfgem 
mund, ver wölbt den himmdsbogen in meines herzens grund (wöl- 
bend befestigen). 

R. Dehmel ausgew. ged. S. 22: und dich in vergangne schmerzen 
schmerzlicher ais je verwühlst, 

Meyfart himml. Jer. 1, 285: je Ueffer verwurtzeln sich die begierden 
(sich mit den Wurzeln befestigen und vereinigen). 

Yischer auch einer 2, 92: aber da sie (Zwischenbemerkungen) nidU 
mit so viel trockenem itihalt verzahnt sind (zahnartig fest inein- 
andergreifend verbunden). 

Eeisersberg postill 3, 105: er hat die zwei löchlin verzepfft mit 
zweien zepfflin, 

Uhland volksl. 1, 78 Cotta: daz wurzgerüein ist wol verzeunt (um- 
zäunen). 

Platen 1, 165 Hempel: uh weisz, dasz nie mir dies gefüihl veraltet, 
denn mit Venedig wird sich's eng verzweigen (zweigartig ver- 
binden). 

Rollenhagen ind. reisen 180: die himschäle ist fleiszig in einander 
verknüpfft und verzwickt. 

Voss bei Campe 5, 410a: vögel mit schlangen zugleich, sieh ver- 
Zwillingen tiger mit lämmem. 



149 



fassen (5, 600), verbrtsle mit Nesteln versehen (5, 794), verbuchse Röhren mit 
Bachsbolz füttern (4, 1008), verbuege verbinden (4, 1072), verbüeze zunähen, 
einnähen (4, 2033), verhündige verbünden (4, 1367), Schweiz, elsäss. verpimie 
verspunden (Staub 4, 1400, Martin 2, 60), Schweiz. Schwab, bair. V€Thutze(n) 
verkleiden (Staub 4, 20O9, v. Schmid 111, Schmeller 1, 316), Schweiz, verdäfle, 
bair. vertäfdn mit Tafelwerk versehen (Seiler 106, Schmeller 1, 584), bair. 
vertarrassm verbarrikadieren (Schmeller 1, 616), verdaumhe verstopfen 
(1, 508), elsäss. verdeitoe vergraben (Strassb. Schmidt 25), bair. vertegdn 
mit Lehm verstreichen (Schmeller 1, 596), vertuen mit Dielen versehen 
(1, 501), Schweiz, verdinge verwehren (Staub 1, 909), Schweiz.^) schwäb. 
vertrethe bedecken, verbergen (v. Schmid 137), elsäss. verdnUle (Strassb. 
Schmidt 28), Schweiz, verirülle (Staub 1, 911) zusammendrehen, schwäb. 
verduekeln verheimlichen (v. Schmid 147), bair. veriüUen verzäunen (Schmeller 
1, 602), Schweiz, verdütsche Gerede unterdrücken (Stalder 1, 332), elsäss. 
verdütsdie verheimlichen (Strassb. Schmidt 110), Schweiz. verSgrümple ver 
heiraten (Staub 2, 1098), vereitere verzäunen (1, 599), schwäb. verfreund- 
sdMften aussöhnen (v. Schmid 204), bair. verfriden einzäunen (Schmeller 1, 
510), Schweiz, vergotte vereinigen (Staub 2, 495), vergattere y -gättere, -gerU 
umzäunen (2, 504, 499, 442), vergawne Übel abwenden, behüten (Stalder 1, 
231), bair. sich vergSn sich vertragen (Schmeller 1, 861), Schweiz, vergere 
zusauunenfügen (Staub 2, 402), verglase zurückhalten (2, 646), vergläsert 
glasiert, verglaste, -glasüre mit Glasur überziehen (2, 647, 651), verglasiJi/re 
verstellen (2, 647), verglichene verbergen (2, 604), verglimpfe beschönigen (2, 
627), verglufe, -glufeM, -gitfele befestigen (2, 609), vergrabe beerdigen, ein- 
friedigen (2, 684), elsäss. vergrämse mit Eisenstangen vergittern (Martin 1, 
274), Schweiz, vergrendle verriegeln (Staub 2, 759), vergrippdet verästet (2, 
788), vergruebe durch Anlegen von Gruben die Weinstöcke erneuern (2, 696), 
verhäfüe, -hage sperren (2, 1060, 1074), verbundhäggle verheiraten (2, 1098), 
schwäb. verb'hammele, -pfammU festhalten (v. Schmid 259), Schweiz, verharre 
verstricken (2, 1519), verharze, -häree mit Harz bestreichen, verkleben (2, 
1656 f.), verhenke verbinden (2, 1462), verhtre, -hüre verheiraten (2, 1568, 
1589), verhurde vermachen (2, 1605), sich verhütte sich verstecken (2, 1783), 
verjipse übertünchen (3, 56), elsäss. sich verkassle sich verheiraten (Martin 
1, 475), Schweiz, verchette verkleiden (Staub 3, 563), verchittle Löcher zunähen 
(3, 569), steir. verklänen verschmieren, verkldndem verrammeln, verklenstem, 
'klestem verkleben (Lexer 159 f.), Schweiz, elsäss. verchleibe, -kleibt ver- 
schmieren, bemänteln (Staub 3, 615, Martin 1, 489), Schweiz, verdduse ver- 
rammeln (Staub 3, 699), verchniible unlöslich verknüpfen (3, 719), verthorbe 
mit Maulkorb versehen (3, 455), verchralle mit Korallen zieren (3, 809), ver- 
chränze bekränzen (3, 840), sich verchrimge sich bekreuzen (3, 946), verkurfe 
in Fässer fassen (3, 178), verchuppele verbinden (3, 406), verchnssU mit 



^) Keisersberg emeis 13 d: (das straussenei) ist undem sand verbargen 
und vertrochen, so kumpt die sann und die hiUse . . und 
brütet» ams. 



150 



Küssen bedecken (B, 528), schwäb. verlaiiche Grenzen im Walde bezeichnen 
(v. Schmid 337), elsäss. verlende verstopfen, verschütten (Martin 1, 594), 
Schweiz, schwäb. verleUe sperren, befestigen (Staub 3, 1558, v. Schmid 355), 
Schweiz. verUbe einverleiben, vereinigen (Stanb 3, 981), verlitsdie leicht ver- 
knüpfen (3, 1536), Schweiz, elsäss. verloche eingraben, verscharren (Staub 3, 
1042, Martin 1, 583), Schweiz, vermäge durch Heirat der Verwandtschaft 
einverleiben, vermäget verschwägert (Staub 4, 98), vermangele, -mänUle, 
'tningmäntele j -deckmäntele verbergen (4, 330, 343, 344), sieh vermanne sich 
verheiraten (4, 291), vermarche versperren (4, 393), sich vermärwe sich zu- 
sammenrotten (4, 429), sich vermaschgere sich verkleiden (4, 508), Schweiz, ver- 
mau^e, -mätike, -müche, -muggeUf -mummeley -mirnggle, -marge, -musle, -miwcAe, 
'toggimüse, -toggimüsle, elsäss. vermäuehle, -muchle, -muckle, schwäb. vermockeln, 
österr. vermankeln verbergen (Stalder 2, 200, Staub 4, 139, 62, 134, 229, 
333, 405, 484, 506, 480, Martin 1, 646, 648, v. Schmid 377, Hügel 180), 
Schweiz, vermere versperren (Staub 4, 375), sich vermische, -mischele gemein- 
same Sache machen (4, 504), vermorsche zusammendrängen (4, 425), vermüre 
verstopfen (4, 384), elsäss. vermuttige luftdicht verstopfen (Martin 1, 739), 
Schweiz, vemegele unzugänglich macheu (4, 69a), verniete festsetzen, verhin- 
dern (4, 852), verquante, -quäntele, -quentle beschönigen (Stalder 2, 251, Staub 
5, 303), verribe verriegeln (Staub 6, 61), schwäb. verrienkle, rätikle verstellen, 
bemänteln (v. Schmid 434), elsäss. verringle Schweinen einen Ring durch die 
Nase ziehen und sie dadurch am Wühlen verhindern (Martin 2, 269), ver- 
ristert geflickt (2, 296), österr. verschallna mit Schalen versehen (Hügel 180), 
Schweiz, verschamaiu^ verbergen (Staub 4, 58), österr. sidi verschliarfen, 
Schweiz, elsäss. verschliefe sich verbergen (Hügel 181, Seiler 112, Martin 2, 
455), elsäss. sich verscMupfe (Martin 2, 470), schwäb. verschappen verbergen 
(v. Schmid 475), österr. verschummlen heimlich verstecken (Hügel 181), elsäss. 
verspcOtere, -spättere ausflicken, mit Lappen besetzen (Martin 2, 551), Schweiz, 
elsäss. versieche zunähen (Staub 1, 908, Martin 2, 572), elsäss. verstecJUe ver- 
stecken (Martin 2, 582), Schweiz, verstelle Schaden abwenden (Staub 1, 908), 
verstuefe uneben machen, mit Stufen versehen (1, 907), bair. sich versuUen 
sich mit gallertartigem Fleische überziehen (Schmeller 2, 274) , Schweiz, ver- 
sOrpfe Loch flicken (Stalder 2, 420), elsäss. verstippere Baum mit Stützen 
versehen (Martin 2, 607), verstriemt gestreift (2, 632), verstuche verheimlichen 
(2, 574), Schweiz, sidi verungenössamen Missheirat eingehen (Staub 4, 823), 
vergwangge (2, 844), verwasge verbergen (Stalder 2, 436), schwäb. verweUhe ver- 
mummen (v. Schmid 525), Schweiz, schwäb. verwifie zusammenflicken, zunähen 
(Staub 1, 911, V. Schmid 530), schwäb. verwölke verdunkeln (v. Schmid 537). 
b) md. ndd.: luxemb. verbannen verbinden (Gangler 464), schles. ver- 
bdnen verkleiden, verzieren, besetzen (Weinh. Beitr. 9, Weinh. hs. B 51), 
verbeugen verlegen, verhindern (Weinh. hs. B 75), brem. holstein. verbidden 
verhüten (brem. wb. 1, 67, Schütze 1, 102), Aachen, verborden einfassen 
(Müller -Weitz 18), brem. verboorden Schiff mit Bord versehen (wb. 1, 119), 
berlin. verbuddeln vergraben (Meyer 125a), pomm. verbuschen verstecken 
(Dähnert 518), altmärk. verdägen verhehlen (Danneil 236), schles. verdräng 



151 

Gedränge, Zudrang*), frankf. cerdtickele, -dutsehele verbergen (Askenas}' 
225), köln. westfäl. verdümpelen bemänteln, vertuschen (Honig 191b, Woeste 
290), schles. sich verfreien sich verheiraten (Weinh. hs. F 162), brem. ver- 
gaddem einschliessen (wb. 2, 473), pomm. eich vergaddem gemeinsam handeln 
(Dähnert ö20), brem. schles. vergadem versammeln (wb. 2, 474, Weinh. hs. 
G 4), holst, vergeeren mit Keil versehen (Schütze 2, 16), brem. verhägen einhegen 
(wb. 2, 562), brem. hamb. holst. verThakstiicken Schabe mit neuem Hackenleder 
versehen (wb. 2, 566, Richey 85, Schütze 2, 92), preuss. verhaspeln ver- 
schliessen (Frischbier 2, 432), brem. verMüiken verheiraten (wb. 2, 633), 
brem. westfäl. ver?M(d)en verstecken (wb. 2, 665, Woeste 291), brem. ver- 
huUen sorgftltig verbergen (wb. 2, 679). holst. verlMen vernageln, Mund 
stopfen (Schütze 2, 252), verkHattert zusammengebacken (2, 268), brem. 
sek verklauen mit den Klauen hängen bleiben (wb. 2, 797), luxemb. ver- 
klaust verstopft, gehemmt (Gangler 466), brem. verklqtpung Verstärkung 
eines Deiches (wb. 2, 803), verklistem zukleben (wb. 2, 806), berl. sich etwas 
verkneifen versagen, unterdrücken (Meyer 126 b), preuss. verknippän verknoten 
(Frischbier 2, 433), schles. verkoppeln verbinden (Weinh. hs. K 196), ver- 
koppiUen (poln. kopiec Erdhaufen zur Grenzbezeichnung) mit Grenzmalen 
versehen (E 194), luxemb. verkrauden Weg verlegen (Gangler 467), preuss. 
sich verkraufen, preuss. pomm. -krupen sich verkriechen (Dähnert 522, 
Friscfabier 2, 433), brem. verkukeln verbergen, sich verstellen (wb. 2, 891), 
westfäl. sich vercumpeteren sich vertragen (Woeste 292), brem. holst, verleden 
Haus mit neuen Lagebalken versehen (wb. 6, 169, Schütze 3, 18), schles. 
verleiben einverleiben, pomm. vermalen mit Malzeichen versehen (Dähnert 524), 
köln. vermampele, ^mimpde, -mümpele, frankf. vermampeUnj -mmpeln, luxemb. 
vermöfnpelen, westfäl. vermän^ln verschleiern, bemänteln (Honig 193a, 
Askenasy 226, Gangler 468, Woeste 293), köln. vermengeleere vermengen, 
frankf. vermengeliert (Honig 193a, Askenasy 226), köln. vermölsche ver- 
mischen (Honig 193a), berl. preuss. sidi vermummeln sich einhüllen, ver- 
kleiden (Meyer 127 a, Frisohbier 2, 436), berl. vermwcheln vertuschen (Meyer 
127 a), luxemb. vemailen vernageln (Kanone, Gangler 468), brem. holst, ver- 
paaUn verschanzen (wb. 3, 286, Schütze 3, 185), preuss. verpaschen Karten 
mischen (Frischbier 2, 437), brem. köln. verpennen mit Holzstiften zusammen- 
heften (wb. 3, 304, Honig 193 b), frankf. verpetschiren versiegeln (Askenasy 
65), preuss. verpummeln, -pumpeln, -püngeln vermummen (Frischbier 2, 438), 
schles. sich verpwneeln sich verbergen (Weinh. hs. P 163)*), brem. pomm. 
altmärk. verpurren, preuss. verpirren verhindern (wb. 3, 380, Dähnert 525, 
Danneil 238, Hennig 289), holst, verrammen hemmen (Schütze 3, 272), pomm. 
verringen mit Ring verschliessen (Dähnert 525), preuss. verrummen verrammen 
(Frischbier 2, 439), böhm. verrimen dasselbe (Knothe 531), preuss. verrusen 
in Rasen (Gruben) einschliessen, aufbewahren (Frischbier 2, 439), sich ver- 



^) Breslauer Ausdruck: im könsum ist grosser verdräng. 
') Wencel Scherffer ged. 409: sich in den winkeln und wimpem ver- 
puntseln. 



152 

sacken si(5h verstopfen (ebd.), brem. versalen besohlen (wb. 4, 582), köln. 
prenss. versdialen mit Brettern verkleiden (Honig 19Bb, Frischbier 2, 439), 
schles. verscherren verscharren (Weinh. hs. S 91), brem. ver8(^oUen versperren 
(wb. 4, 682), verst^fäken verstecken (4, 709), schles. vergesdlschafim gesellen 
(Weinh. hs. S 313), altmärk. pomm. ver$lüten verschliessen (Danneil 239, 
Dähnert 526), verenden zusammenfügen (Drechsler 247), preass. verstechen 
verstecken (Frischbier 2, 442), frankf. versieckelen verbergen (Askenasy 227), 
berl. verstedcm begraben (Meyer 128 a), ponmi. verstenen mit Steinen kenn- 
zeichnen (Dähnert 527), brem. versUUkm verschweigen (wb. 3, 1035), brem. 
pomm. Inxemb. versteppen verbergen (wb. 4, 1049, Dähnert 527, Gangler 470), 
prenss. sich vertestamenUeren sich gegenseitig Testament machen (Frischbier 
2, 443), brem. vertinnen verzinnen (wb. 5, 71), vertrauen verheiraten mit (6, 
377), köln. vertümpele verschweigen (Honig 195 a), brem. vertttssen, pomm. 
köln. schles. vertuschen verheimlichen (wb. 5, 134, Dähnert 528, Honig 195 a, 
Weinh. hs. T 149), brem. sich verweren sich erwehren (wb. 5, 237), preass. 
verwerfen Dach bewerfen, aasbessern (Frischbier 2, 444), verzwicken Fagen 
verstopfen (ebd.) und das eigentümlidie verzaget mit enen „gut bekannt, ver- 
traut'' im Brem. (wb. 5, 309) und Holst. (Schutze 4, 306). 

Es folgen die Beruf sprachen : 

a) Gewerbe: verbürstung Einlassung eines Stückes Holz in ein anderes, 
verdielen mit Dielen belegen (Jacobsson 4, 505), vererzet gediegenes Metall 
mit anderem verschmolzen (507), verfirsten Dachspitze verwahren, mit First 
versehen (Allg. Haush. Lex. 3, 568), vergerhen Floss befestigen, zur Abfahrt 
herrichten, vergiessen Löcher voll-, Klammem festgiessen (Jac. 508), verglasen, 
-glaswren mit Fensterscheiben, mit Glasur versehen (509, 510), verhalten 
Vögel vom Licht absperren (Allg. H. L. 569), verhaspen Türe mit Haspen 
verschliessen, verheften Fäden zusammenheften : Stickerei (Jac. 516), verkeilen 
Bälge mit Keilen festmachen , verkeilspitzen mit Keilspitzen versehen : Mess- 
kunst, verketteln Türe mit Ketteln verwahren (518), verkiekt flügges Geflügel, 
mit neuen Federn versehen (Allg. H. L. 569), verkitten Fenster mit Kitt fest- 
machen, verkleppen Deich verstärken, andeichen (Jac. 518) , verkömt Getreide 
mit Kömern (Allg. H. L. 3, 568), verkröpf en Simswerk nach verschiedenen 
Winkeln zusammensetzen : Tischler (Jac. 4, 519), mit Gesimsen versehen^), 
verlandung der buhnen Ansatz des Landes : Wasserbau, verlatten Dach mit 
Latten verkleiden, verledem Pumpenventile mit Ledern beziehen (520), ver- 
lutieren Glasgefässe mit Leim bestreichen : Hütte (52^), vermalen Bäume, 
Steine mit Malzeichen versehen (Allg. H. L. 570), vermohren Zapfen einstecken 
und vereinigen : Stuhlmacher, vemasen Schlacken auf die Form im Schmelz- 
ofen aufsetzen, so dass eine Nase entsteht : Hütte, vemäterung Befestigung 
abbrüchiger Ufer durch Faschinen : Strombau, verpeitzen Spund an der Kolben- 
röhre verstopfen : Hütte, verpfäMen Vieh auf der Weide einzäunen (Jac. 523), 



*) Muther, die Kunst Bd. 22 S. 77: die iq>pige verkröpfung %ind starke 
versäulung, in denen sich sonst wände dieser ^ache gefaüen. 



153 

am unrechten Orte weidendes Vieh pfänden (Weber 615), verpfählung Pfahl- 
befestigung im Wasser (Allg. H. L. 567), verpflocken mit Pflöcken verbinden, 
befestigen : Böttcher (Jac. 523) , verquiehen zerstreutes Gold mit Quecksilber 
Teramalgamieren (524), versatz^) Band in Einschnitt der Stahlsäule ver- 
setzt : Zimmermann, versalz des deutschen scMasses auf Wirbel vernietetes 
Blech, um das Zurückweichen der Fallen zu verhindern : Schlosser (524), ver- 
Satzung Einsetzung, Befestigung und Verbindung von Hölzern : Zimmermann, 
versäülen mit Säulen versehen *), verschaltmg Verkleidung des Holzes : Tischler 
(Jac. 525), wrsdUessen Arme der Welle des Rennbaums am Haspel befestigen, 
so dass sie sich nicht verschieben können : Hütte, Bohlen am Schiffe fest 
zusammenfügen, verscMiekung mit Schlick überzogener Boden : Wasserbau 
(026), verschnaüen festschnallen : Drucker (Klenz 107), verschwellt Dachstuhl, 
bei dem die Sparren nicht in die Hauptbalken, sondern in die Schwellen ein- 
gelassen sind (Allg. H. L. 577), versenken Schraube oder Nagel so ins Metall 
einlassen, dass sie nicht zu sehen sind : Eisenarbeiter, versetzen Stücke einer 
Säule zusammensetzen : Bau (Jac. 528), die Figuren eines stählernen Degen- 
gefässes mit dem Qold- oder Silberblatt so überziehen, dass sich das Blatt 
mit dem Stahl oder Eisen vereinigt : Schwertfeger, die Hochkämme mit dem 
Gewebe vereinigen : Bortenwirker (529), versohlen Schuhe besohlen, verspanen 
den Himmel des Kutschkastens mit Spänen befestigen : Sattler (531), ver- 
speäem Wurst mit Speilern verschliessen (Campe 5, 374 b), verstabu/ng Bau- 
verzierung mit Stäben (Jac. 531), verstohlen mit Stahl oder Stahllösung über- 
ziehen : Grobschmied, Eisenarbeiter, Stahlstich (532), verträgem Bähmchen am 
Träger anbringen : Drucker (Klenz 107). vertränken die Soole mit Salzsteinen 
tränken : Salzwerk (Jac. 535), verzahnen beim Schmieden die Enden zusammen- 
schweissen : Eisenarbeiter, Holzstücke durch Zacken zusammenhalten : Zimmer- 
mann, Tischler, verzapfen Stücke durch Zapfen verbinden : ders., verzaunen 
umzäunen, einzäunen : Landwirt (536), verzieren : Bildhauer, verzinken Bretter 
vereinigen : Tischler (537) , verzinnen mit Zinn überziehen (Allg. H. L. 584). 
b) Bergbau: verblenden, verbolzen durch Blenden, Bolzen verwahren, 
verbrOdcen Wasserseigen gegen Hineinfallen von Fördermassen sichern, ver- 
büknen Schacht mit Bretterboden bedecken, verdöheln, -dübeln verbinden, ver- 
drücken zusammendrücken (Veith 519), vereinstrichen Schacht mit Abteilungen 
(Einstrichen) versehen, vererbstufen Stufen in Zechen einhauen, verfahren ver- 
schrämen (521), verflutem in Sohle Gerinne anlegen, verfüllen ein-, zufüllen, 
vergewerken, -gewerkschaften Kuxe bei Gewerk oder Bergwerk unterbringen 
(522), verkärtet fM Grube, in die Kästen geschlagen sind (Hübner 1312), 
verkosten Bau in denselben Kasten schlagen und mit unhaltigem Gestein be- 



^) Feldbefestigungsvorschrift (1893) S. 39: holzversätze schützen . . 
nur gegen einsteigen. 24: die auszgänge der eindeckungen . . 
können . . fest versetzt werden, 27: gute verbindtmg und Ver- 
strebung der holzwände, 39: verwurzelter boden (wurzel- 
durchwachsen). 

'). Siehe S. 152 Anm. 1 versäulung. 



154 



decken (V.*) 524), verkästeti flüchtiges Gestein durch Kästen vor Brüchen 
wahren (Jac. 4, 518), verladen mit Pulver laden, verkleiden (V. 524), verUngem 
Pumpen auf Lager aufstellen, verlaufen ausfüllen, verlegen ineinanderfügen, 
mit Beschlag belegen (525), verleiten Bohrlöcher mit Letten auskleiden (629), 
verlochsteinen Grenzen der Grubenfelder mit durchlöcherten Steinen bezeichnen 
(V. 530, Jac. 521), verpfdhlen einpfählen, zupfählen, durch Pfähle bezeichnen 
(V. 532), verpfänden bei Verzimmerung der Schächte Lücken ausfüllen 
(V. 532, Jac. 523), verpflöcken dass. (V. 532), verrammeln Bohrlöcher ausfüllen 
(V. 533, Jac. 524), verreifen, verrüsten Schacht verzimmern (V. 533, 534), Ver- 
satz Festsetzen des unhaltigen Gesteins, versateung Vorrichtung, um Zu- 
sammenbruch zu verhüten (534), verschalen verzimmern (535), verschiessen 
ausfüllen, verbergen, Schwarten einlegen, um rollendes Gestein aufzuhalten 
(V. 535, Jac. 526), verschmanden, verschmieren verkleiden, verdecken (V. 536), 
verschnüren Feld durch Messschnur abgrenzen, verschrämen Gang mit Schräm 
versehen (V. 536, Jac. 528) , verschroten beim Hauen aufstauen (V. 536) , ver- 
schützen, verschwarten verkleiden (537), versetzen ausfüllen, verdecken (V. 537, 
Jac. 528), versetzte berge : auf alte Strecken gebrachtes und nicht zutage ge- 
fördertes Gestein (Jac. 530), ver^egeln, -Spriegeln, -^prügeln Fugen ver- 
schliessen, Holzwerk verfestigen (V. 538, Jac. 531), verspreitzen Strecke durch 
Spreitzen gegen Bergsturz verwahren (Jac. 531), verspunden Schacht ver- 
dammen, versteinen = verlochsteinen (V. 538), verstempein, verstreben durch 
Stempel und Stützen verwahren (V. 539), verstellen, verstuf en mit Stollen und 
Stufen versehen (V. 539, Jac. 533), i7ers/mcÄcn verdecken , verstrossen mit 
Strossen versehen (V. 539), verstürzen Schacht ausfüllen, verbergen, sperren 
(V. 540, Jac. 533), vertäfeln verwahren, vertonen auskleiden (V. 540), vertonnen 
mit Tonnen versehen, verumbruchen Umbruch um einen Bau treiben (541), 
verwandruten durch Wandruten stützen, verwahren (V. 541, Jac. 536), ver- 
wehren dass. (V. 541), verziehen ausfüllen (542), verzimmern Schacht aus- 
zimmern, verdecken, stützen, verwahren (V.543, Jac. 537). 

c) Schiffahrt: ^verbolzen Hölzer des Schiffes durch Bolzen unterein- 
ander befestigen (Bobrik 705a), verfangen Tau stoppen, festhalten, stützen 
(706 a) , verhauten Schiff mit äusserer Beplankung versehen , verkaMen die 
Anker untereinander befestigen (706 b), verhlinken Bolzen oder Spicker be- 
festigen, indem man sie auf der anderen Seite des Holzes umschlägt, schijf 
vernageln hölzerne Nägel einschlagen, hanone vernageln unbrauchbar machen 
(707a), naten verpechen gegen Fäulnis mit Pech bestreichen, schiff ver- 
sdwnzen gegen feindliches Musketenfeuer, verscherben Hölzer durch Scherben 
verbinden (707 b), verschiessen Bohlen fest zusammenfügen (Jac. 4, 526), die 
kabelaring verseisen Ankertan daran befestigen, einwinden (B. 708a), schiff 
verstpickem Teile mit Spickern untereinander befestigen, verteien, -teuen Schiff 
mit Ankern vorn und hinten festlegen, verteunen Hölzer und Planken zur 
Verzeunung des Schiffes anlegen, befestigen (708b), verwulfsel Verwölbung, 
der nach innen gewölbte Teil des Achterschiffes, Verzahnung Ausschnitte oder 



») V. Abkürzung für Veith: Bergwörterbuch. 



155 



Zähne an der Anssenscite der Baachstttcke eines Kahnes (709 a), schiff ver- 
gimimem schadhafte Stellen aasbessern (B. 709 b, Jac. 537), verzwieken Spitzen 
der Spicker beim Kahn umbiegen, um Bodenplanken zusammenzuhalten 
(B. 709 b). 

d) J^gd: sieh verheissen sich festbeissen (Heppe 375, Kehrein 301), 
verblenden, verbrechen, vfrr^em Jagdzeug mit Blenden, gebrochenen Zweigen, 
Reisern verdecken (H. 376, 377, 381, K. 301, 302), vereckt Hirsch mit neuem 
Gehörn (H. 378, K. 302), sich verfangen ausser Atem kommen, sich festbeissen, 
sich mit dem Gehörn verwickeln, verfedem nach der Mauser wieder Federn 
haben (K. 303), verfeuern Jagen mit Feuern umgeben (H. 378, K. 303), ver- 
haken, 'häkeln Leinen mit Haken am Boden befestigen (K. 304), verhaupt- 
maschen Garne mit starken Maschen verstricken (H. 379, K. 304), Verkappen 
dem Beizvogel die Kappe aufsetzen (K. 305, Weber 616), sich verkläffen, 
-kluften, 'klüften sich im Bau vergraben : Dachs, Fuchs (H. 379, K. 305), 
sich verknüpfen sich begatten : Wolf , Fuchs, Luchs (K. 305, Weber 614), 
verlappen Jagdbezirk mit Lappen umstellen (H. 379, K. 305) , verlegen Treib- 
zeug um Feldhühner legen, vermalen, -meHen, -marken, -rainen, -steinen mit 
Merkzeichen versehen (K. 306), verreisern Röhren beim Dachs- und Fuchsbau 
verstopfen, Schnepf engeschneide mit Stecken und Reisern umlegen (K. 307), 
verrifhten Garnstellen wohl vermachen (K. 308), sich verseteen = sich ver- 
kläffen (H. 383, K. 309), verstellen Jagen mit Schützen umstellen (K. 309), 
verwittern Falle mit Witterung bestreichen «(H. 383, K. 310), verwummert zu- 
sammengewachsene Baumstümpfe (Weber 616), verzug ^) machen = verlappen 
(K. 310). 

c) Gaunersprache: verbaJh^en an Ausführung des Diebstahls ver- 
hindert werden (Kluge rotw. 413), verbandelt verlobt (488), verbarseln an die 
Kette scbliessen (374), verbasilt, -bosselt vergittert (332), verdiüben vergraben 
(202), verdusi, vertusch Gedränge, das der Mithelfer des Diebes macht, um 
die Aufmerksamkeit abzulenken (168, 315, 413, 376, 389), vergrünt verheiratet 
(487), verJiammet verborgen (204), verheschpet verheiratet (435), verkabhem, 
•kabbom, -kabohren verbergen, verstecken (180, 219, 336, 353, 379, 389), 
vercapem verscharren (232), verkattgen begraben (307), verchawem sich ver- 
binden, Kameradschaft machen (413), cerkawwem vergraben (332), verkrennt 
verheiratet (289), vermalbischen verkleiden (219), versargen vergraben, ver- 
bergen, aussichtslos verhaften (389), versenken vergraben (415), verschaberen 
vergraben, verstecken (202, 256, 273, 332), verschmieren verwahren, bewachen 
(307), verschatten, verschüU gehen verhaftet werden (307, 319, 324, 336, 294, 
319, 324, 372). 

Die Studentensprache bietet kein Beispiel, die Soldatensprache nur 
knöpfe, tressen verschwelten „begiessen. einweihen, mit Trinken feiern'' 
(Hom 89). 



^) Substantiv zu verziehen „rings herumziehen". Vgl. verzug „Anzug" 
im Bair. (Schmeller 2, 1098). 



156 

Die Verba des Sinnes „versorgen, vertreten" erfordern 
eine besondere Behandlung (vgl. S. 143 Anm. 1). Sie gehen 
ebenfalls teils auf /awr-, teils auf /air- Typen zurück (S. 135). 

mnd. Vormunden bevormunden (SchiUer-Lübben 5, 409 a), vomötsakeHj 
-nötsinnen, -notschuwen mit der notf einem legitimen Hindernis, entschul- 
digen (415a), 'riden umreiten, reitend besorgen (425 a), -scikewolden ver- 
teidigen (428 b), -stän^) vertreten (459 b), -vortoorcten befürworten, vereinbaren 
(410 a). 

mhd. verantwürten verteidigen (Lexer 3, 70), -bürgen bflrgen für (86), 
-gän einstehen für (t09), -hüeten behüten (134), -munden bevormunden, leiten 
(183), 'phlegen vertreten, verbürgen, versorgen (193), -raten ') besorgen (196), 
-schirmen beschützen (217), -schützen beschützen (222), -sargen Vorsorgen, 
besorgen, ausrüsten, sicherstellen (faur- 1242), -stän^) vertreten, verteidigen, 
verbürgen, verwalten (247: vürstän 611), -tagedingen vor Gericht vertreten 
(265), -treten eintreten für, verbürgen (274), -trcßsten bürgen für (276), -v&Uen 
fechten für (286), -wachefi bewachen (291), -walten sorgen für (293), -warn, 
-warten behüten (295, 296), -wem Gewähr leisten für (303), -wBsen vertreten, 
versorgen, verwalten (305: vürweser 618), vürunirhte Vertreter im gericht- 
lichen Zweikampfe (618), verzem*) beköstigen (317). 

nhd. hebe ich verstehen und verwesen hervor, die in dieser 
Bedeutung nicht mehr gebräuchlich sind: 



*) Scheidt v. Adel p. 119: de dat sulue . . lant . . üorriden, regeren 
vnde vors tan scal (reitend und stehend besorgen, verwalten). 
Gott. Urk. I, nr. 334: ok schal W. dat gud corschoten unde vor st an 
glik anderen unsen medthorgeren (einstehen für, Abgabe ent- 
richten). 
Gosl. Stat. 73, 21: ok mot he dat mit sineme rechte vor st an, dat 

dat also were (einstehen für, verbürgen). 
Gerh. v. M. 23, 53; de konnink vragede, wur af de saiUheit ome 

were, dat one der lowe vorstunt so sere (schützen). 
Magd. Seh. Chr. 1, 12: wo dusse stat geregeret is unde vorestan 
wente an unse tid, 
*) Pass. K. 103, 47: wand wir niemannes haben, der ez (unser rtchez 

gut) hmne verraten. 
') Pass. K. 592, 58 : daz die jungen rittet solden werden und mit voUen 
werden irre vetere stat v er st an (vertreten). 
Mjst. 1. 179, 40: si hate sich gote geldzen, dar umme verstunt st 
got : der sich aber selber v er stet, den lezit her (beschützen). 
*) Chr. 4. 310, 26. 29: da müszt im der F fetner geben 100 gülden, die 
er verzert solt hon; das was mt war, wan der von Helffenstein 
hett in verzert. 



167 

Lntb. Ndr. 4 (Adel) S. 14: drum geburt einem y glichen Christen das er 
sieh des glauhens annehm, zuvorstehen umd vorfechten. 

Eeisersberg postill 3, 84 : sie hatt keinen man, der sie möcht in geruhten 
und rechten verston oder vertretten, 

H. Sachs Ndr. 26/27 S. 116: darmit sol ich mein pfarr verwesen mit 
singen, predigen und lesen. 

Pauli schimpf 474: er hat den andern, das er jn wolt verwesen. 

Ans den lebenden Mundarten kommt hinzu: 

westföl. veralimenteren besorgen (Woeste 289), Schweiz, verbannwarte 
Wald überwachen (Staub 1, 907), hol stein, verhidden verteidigen, vertreten 
(Schütze 4, 301), schwäb. Verbargschafte bürgen für (v. Schmid 108), sich ver- 
deffendieren, -diffendieren-, -deffentieren in md. und ndd. Mundarten (Askenasy 
62, Honig 191a, Meyer 125 a, Danneil 237, Jecht 117, Schütze 1, 214, Frisch- 
bier 2, 429), köln. verexküseere entschuldigen (Honig 191b), Schweiz, verheisse 
bürgen für (Staub 2, 1685), preuss. sich vermantenieren sich verteidigen (Frisch- 
bier 2, 436), Schweiz, verpfrüende versorgen (Staub 5, 1290), elsäss. verran- 
sdUere versorgen (Martin 2, 273), schle«. verschätzen beschützen (Weinh. hs. 
S 257), Schweiz, vertröste bürgen für (Stalder 1, 309), schles. verwachen be- 
wachen (Weinh. hs. W 22), westfäl. verwarborgen verbürgen (Woeste 297). 

Die Vorstellung „etwas tun für jemanden oder etwas", die 
diesen Verben zugrunde liegt, wird in veränderter Bedeutung 
weiter übertragen. Wie das mhd. verzern „mit Zehrung ver- 
sehen, beköstigen" (S. 156) wird ein verhaden „mit Bad ver- 
sehen, im Bade freihalten" (Lexer 3, 70) gebildet. Jenes ist 
noch im Schwab., Bair., Schles., Pomm. und Berl. Dialekt be- 
zeugt (v. Schmid 546, Schmeller 2, 1147, Weinh. hs. Z 40, 
Dahnert 528, Meyer 128 b)^), dieses im Bair. (Schmeller 1, 207). 
Das Schweiz, bildet vertrinken „mit Trinken feiern"*) (Staub 
1, 909), das Bair. einen verstorbenen vertrinken^ „auf dessen 
Kosten trinken" (Schmeller 2, 668), das Preuss. vertrinken „beim 
Trinken heiraten" (Frischbier 2, 443). Der Schlesier kennt 



^) Die Berliner Redensart: *n mann, derfrau und hinder zu verzehren 
hat wird jetzt nicht mehr verstanden und als scherzhafte Verdrehung anf- 
gefasst. 

*) Ehenso die Soldatensprache: die Gewehrnnmmer wird vertrunken 
(,mit Trinken gefeiert'), wenn sie mit der Begimentsnammer übereinstimmt 
(Hörn 98). 

■) Vgl. einen toteti bevespern (Hittmair 86). 



158 

verorgdn »Orgel spielen für jem." (Weinh.-Palm 67). Das 
Bair. und Eurhess. gebraucht den hirten verschütten „für ihn 
zum Lohne Getreide hinschtitten " (Schmeller 2, 489, Vilmar 
375). Darin erkenne ich eine offenbare /air-Type, da noch 
die Anschauung ,,den Hirten mit Getreide umschütten' hin- 
durchblickt. 

Die Verba verbüssen^ verdanken^ verdienen j verlohnen, ver- 
schulden, ursprünglich /air- Typen (fair- „rings umher, völlig*^, 
Ygl. got ßagk/atrhaüan 8. li), nähern sich dann der Auffassung 
„bässen, danken, dienen, lohnen, schulden für etwas' und 
nehmen die Bedeutung „vergelten" an. ahd. Beispiele fehlen. 

mnd. Scheidt, v. Adel p. 518 (a. 1503): dat gued to vor mannen vnde to vor- 

den ende, als eyn man sinen heren pliMich is (Mannes- oder 

Lehendienst leisten für das Gut). 
Cod. Brdb. I 2, 226: ock wil wi . . dit gud vordensten, eft se dar 

denst off eschende weren (dass.). 
Hans. Reo. 2, 306: dat men en dat vorkoste tmde den schadefi vor- 

gudede (Kosten ersetzen für). 
Eccles. f. 5b: God wil de almese wol vor Ionen (lohnen für, belohnen). 
Cassel, Urk. S. 297 u. Brem. 1, 486: toy en highen . . cd vorvuUet 

tmde vororzatet mit reden penningen (Ersatz leisten für). 
C'od. Brdb. I 1, 263: ick effte myne eruen willen sodan gud ok hescer- 

men vnnd vorrossdinsten (Dienste zu Rosse leisten für das 

Lehen). 
Bar. Urk. 32: (pennincge) de wy jarlic vorschaden mit twdff mark 

geldes (Schadenersatz geben für, verzinsen), 
mhd. Böhm. 356, 3 (a. 1303): der sal iz ferhüeen mit der baze (büssen 

für, vergelten). 
Iw. 282: ich verdienet iemer ofo ich sol (vergelten). 
Weist. 5,91: und ouch der keller damite sin lih und guot dem vogte 

verstüret und verdienstet han (Dienste leisten für).^ 
Wp. s. 93: die koln verlognen (Lohn geben für, bezahlen). 
Ernst 1269: nu gebt mir helfe unde rat, daz verschulde ich wie idh 

sol (vergelten). 
Nib. 156, 4: Übe ich deheine wile, ez toirt wol umb iuch versolt 

(dass.). 
nhd. Wencel Scherffer ged. 9 (Drechsler 90): bey Gott uns zuverbüssen, 
Goethe 40, 62: damit er seine schweren verbrechen mit schmdhlidiem 

tode verbüsze (büssen für). 
H. Sachs 1. 26, 37 Keller: den toil ich . . mein leben lang preissen 

und loben . ., wo ich aus schwacitheit ihm nit genugsam verdancken 

kan (dafür danken). 



159 

Logaa S. 105- Eitner kl. ansg. : wer dies bei hofe hat geihan, was man 
ihm nicht verdanken kann (danken für). 

Goethe 9, 215: das dank ich dir tmd will es gern verdanken, 

Simpl. 1. 76, 18 Kurz: dasz ich solches um ihn nicht meritiret, noch 
hinwiderum au verdienen wisse (vergelten). 

H. Sachs 8. 25, 22 Keller: solch sein grosz wolthat zu verlohnen, 
so ihut man biüich sein verschonen. 

Lessing 7, 147: das verlohnte sieh der müJie (das lohnte sich für 
die Mühe). 

Lnth. br. 1, 518: wiewohl ich zu gering bin solches fleisses zu ver- 
schulden. 
Der Bergmann sagt: die zeche verbauet sich „bringt die nötigen 
Kosten selbst auf, baut sich frei** (Jacobsson 4, 503, Veith 518). 

Nach diesem Master bildet sich seit mhd. Zeit die ziemlich 
frachtbare Grappe versteuern „Geld, Steuer entrichten für 
etwas* aas^). 

mnd. Nies. Beitr. 2, 216: so sal myn ervent dat suken vnd vorherweden 
(Heergewette zahlen für). 

Livl. Urk. nr. 1713: dat . . dat gut . . nicht vwrandert en wert, nicht 
en dorve vorpunden {puntgelt entrichten für). 

Cod. Brdb. I 24, 418: die (hufen) schollen sy glike vorpuntschoten 
(Pfondschoss geben für). 

Gott. Urk. I nr. 334: ok schal W. dat gut vor schoten unde vorstan 
(Schoss zahlen für). 

Brem. Denkb. 180: dat . . weszen, . . kom, mel offte mold rechte vor- 
tziset werde (Akzise entrichten für). 

Wiechm. altn. mekl. lit. 2, 55 : wes auerst ein jeder vorhen an renten 
edder eygendom vnbeweMyker guder vorungeldet . ., darf he 
nicht noch eins betauen {ungdd entrichten für). 

Old. Urk. V. 1566: dk heft he dat (stuck landes) nycht vorwinkopet 
(Weinkanf entrichten für). 
mhd. Mone z. 17, 441 (a. 1385): die güeter vermhtigen {ähte entrichten für). 

Weist. 1, 438: die sollent och betfri ßin. Was er uberiges hat, das 
seil er verbeten als ein amder unsers herren arm man {bete ent- 
richten für). 

Weist. 5,310: und soUe die schwein verdehenden (den Zehnten ent- 
richten für). 

Weist 1, 141: die gut von ainem heren . . emphahen, verzinsen und 
vererschatzen {erschaz entrichten für). 

Mb. 17, 218: ein guot vergalten {jgiüte entrichten für). 



') Ich gebe die Belege, weil die Gruppe besonders eigenartige Bildungen 
aufweist, versteuern in dem Sinne „etwas als Steuer entrichten'' gehört zu 
den /ra- Gruppen (vergeben). 



160 

Weist. 4, 1: item vnd sol ouch yegklicher sin gvtei verhüben jn einer 

jors frisi {huobreht entrichten für). 
Weist. 5, 424: so manig mal sol das (guoi) verhuoprecht werden 

von ieglichem erben (dass.). 
Erf. fzo. 319, 14 : verlehenrehten, verlehenwarn {lehenreht, lehen- 

wäre entrichten für). 
Mone 8, 36: waz verleichauft toirt dcus sol chrafi haben {Utkouf 

entrichten für). 
Prag. r. 12, 19. Np. 16: Verlosungen {lösunge entrichten für). 
Kaltb. 72, 11: vermuten (Maut bezahlen für). 
Gengl. 379 (a. 1380): die güeter verrehten und verschozeen (anter 

eidlicher Versichemng versteuern). 
Weist. 1, 32: damit hat er sin erbe . . einem rechten erbe verschätzet 

(schajs entrichten für). 
Urb. B. 529: ez suln auch di münzer allez daz silber verslahschatzen, 

daz si chauffent (slegeschaz entrichten für). 
Urb. 78, 21: der selbe hof vervogtstiuret sich selber (Vogtsteuer 

entrichten für). 
Alem. 6. 238, 44: verwachen (wahtgelt entrichten für). 
Weist. 1, 313: reban, dbölle, knobloch . . daz sol er vercehendon 

(den Zehnten entrichten für). 
Pass. K. 487, 77: so solden si in der geschieht sie v er z enden alle 

— ie den zenden in der schar ertöten (den zehnten Mann als Ab- 
gabe für die Schar dahinraffen). 
Trist. 8729: ich Mn daz wip verzinset mit dem libe (Leben als Zins 

gezahlt für das Weib). 
Part. B. 687: sin leben vil Hure wart verzollet 
nhd. Adelung vers. 4, 1369: sein vermögen verabschossen (Abgabe ent- 
richten für). 
Birlinger alem. wb. 157 b : item so sollen zugleich pauren und söldtner 

jeder 2 schwein verhürtlonen (Hirtenlohn geben für). 
Qotthelf leid. u. freud. eines schulm. 136: wir andere waren hie und 

dort verkostgeldet (für uns war Kostgeld gegeben). 
Eisen. Archiv (Thal) 1765: die halbe wiese vor 35 fl, meisn, w. zu 

verlehnr echten und zu verabzugen (Lehengabe und Abzug 

entrichten für). 
Scherz - Oberlin 1771: aber alle andere geistlichen . . sollen jeder 

hundert marck mit dreiszig Schilling verschossen (Schoss, Abgabe 

entrichten für). 
Maaler 432 c: acker, den man versteüret hat : s^er census. 
Luth. 24. 501, 18 W.: gibt er (Acker) yhm m'cftto, so darf er mdiis 

verzehenden (Zehnten entrichten für). 
Bechius Agricola (1557) 62 : der könig oder fürst, diewdl man jhm alle 

metallen mfisz verzollen, Ictsset er sich gwonlichen vom zotenden 

vemügen (Zoll entrichten für). 



161 

Die lebenden Mundarten fQgen manches binzu: 

Schweiz, verdbgabe (Staub 2, 56), verammlöne = verkostgelde Kostgeld 
geben für (3, 1293), veranlage (3, 1164), Salzburg, veranleiten (Weber 611), 
bair. veraufsMagen Aufschlagsteuer für das Yieh bezahlen (Schmeller 2, 517), 
Schweiz. verer9chatze (Staub 1, 907), verfalle Steuer entrichten für (1, 758), 
bair. gut verfreien Freigeld zahlen für (Schmeller 1, 814), Schweiz, verhalbe 
Halben zahlen für mietweise Einstellung des Viehs (Staub 2, 1170), sächs. 
verhufte rittergüter, von denen Grundsteuer und Ritterpferdgelder gezahlt 
werden (Weber 613), Schweiz, verimme versteuern (Staub 1, 224), verin- 
teressiere verzinsen (1, 357), vergeleite Geleitsgeld entrichten für (3, 1492), 
verlobe das Gelobte zahlen für (3, 995), verlöne Taxe entrichten für (3, 1294), 
holst, vermatten Mahlmetze entrichten (Weber 614), Leipz. venwurken Bier- 
marken geben für (Albrecht 229, 234), preuss. vermeteen Hetze vom Schefifel dem 
Müller als Mahlgeld bezahlen (Frischbier 2, 436), schwäb. vermiltem Müller- 
lohn geben für (v. Schmid 385), Schweiz, verpfände Pfand geben für (Staub 
ö, 1146), pomm. versaJcen Stück Vieh für den von ihm angerichteten Schaden 
hingeben (Weber 615), brem. verschatten, -schotten prozentweise Schoss 
geben für (wb. 4, 682), Schweiz, gut verschnitze (Staub 1, 907), pomm. ver- 
tinsen, vertoUen (Dähnert 528), elsäss verungelte verzollen (Martin 1, 216), 
Schweiz, verseise verzinsen (Seiler 115), brem. verzisen Akzise entrichten für 
(wb. 5, 315). 

Die Bergmannsprache gebraucht vemeunten, verquatembem, versamkosten, 
verzubussen den Neunten, Quatembergelder , Samkosten, Zubusse entrichten 
für (Veith 532, 533, 534, 543). 



Im Anscbluss an die Type verbinden entwickelt sich in 
jüngerer Zeit eine allgemein instrumentale Gruppe der Bedeu- 
tung , versehen mit etwas ^, aus der wir nicht mehr gut eine 
lokale Anschauung ^vor^ (fawr-) oder , umgeben, einfassen, 
überziehen, durchsetzen^ (f<^^') herauslesen können, unter 
diesen Bildungen sind einige nicht ganz klar. Die meisten 
aber lassen sich durch &e-Eomposita wiedergeben^). In der 
heutigen Sprache fiberwiegen die &e-Eomposita in instrumentaler 
Verwendung. 

mnd. vorbenken'^ Verkaufsbänke einrichten, mit V. versehen (Schiller- 
Lfibben 5, 313b), vorgesten als Gast aufnehmen (354a), vorhanttekenen mit 



*) be- geht wie got. fair- auf eine lokale Grundform zurück (vgl. gr. 
ifiift : niQ( und S. 57 Anm.). 

^ Lüb. Z. R. 277: nemandt schal mit vnbillichem vihpflegen edder vor- 
benckent dem andern schaden. 

Leopold, Die Vorsilbe ver- 11 



162 

Handzeichen versehen (361 b), vorheren, 'herst^ien, -hersehojppen beherrschen 
(366), varolien^) mit der heiligen Ölung versehen (416 a). 
mhd. Frankf. a. 1412: der capellä/n stet mir zu veratnpien (mir steht das 
Becht za, den Kaplan in sein Amt einzusetzen /mit Amt zu be- 
gaben ?) «). 
Np. 270 (15. Jahrb.): das hier vereimert Mn geben („in Eimer ge- 

fasst*', eimerweise). 
Tuch. 72, 13: mit hoU versehen und verhanden sein (= vorhanden 

vorhanden) *). 
verantwiirten beantworten (Lexer 3, 69), -Imrcr&Uen ein guot mit bwrcrM 
begaben, in rechtliches Verhältnis zum hwrcrM bringen (86), -iren mit be- 
ehren, beschenken (107), -geleiten mit Geleite versehen, begleiten (111), -ger- 
haben bevormunden (113), -güeteirt mit Qfltem belehnt, begütert (120), -herren 
mit Herrn begaben (129), -lainkenieren Flanken des Bosses mit Decken be- 
hängen (152) ^), 'Uhenen belehnen (157), ^munden bevormunden (183), -phrOenden 
mit Pfrttnde begaben (194), -solden besolden (241) "), -vorsprechen mit Anwalt 
versehen (291), -wäfenen bewaffnen, ausrüsten (291), -toenden ausstatten, 
schmücken (301), -zimieren mit rittermässigem Schmucke versehen (321). 
nhd. H. Sachs Ndr. 193/199 S. 123: also hah ich verantwort dir zv danek 
dein frag (beantworten). 
H. Sachs Ndr. 31/32 S. 67 : nimb hin die schuch, ich dich verehr!^ 
Wickram pilger 2, 38: eA dann ich komm zur kirchen hin, in wddhe 
idh verhir speit bin (ins Kirchspiel einbeziehen)'). 



^) Ben. 127: de hrancken vorolien. 

') Lexer 3, 68 übersetzt: , gehört meinem Amtsbezirke an**. Diese Aus- 
legung verstehe ich nicht. 

*) Die Verbindung mit versehen führt offenbar zur Übertragung der 
instrumentalen Bektion auf verhanden (vgl. Lexer 3, 124). 

^) Während das Stammwort sonst die Tätigkeit bezeichnet oder den 
instrumental-assoziativen Begriff enthält, gibt es hier die Objektsbestimmung 
an (tanke). 

') Anders Chr. 4. 64, 17: sie sotten den pund mit 12 spiez versölden 
(durch Sold versehen mit). 
Hier bezeichnet das Stammwort das Mittel oder Werkzeug für die asso- 
ziative Bestimmung. 

*) Von den Verben des Gebens (fra-) beeinflusst, nimmt dann verehren 
in der Bedeutung „schenken" deren Bektion an: 

Logau S. 636 gr. ausg. Eitner: Lyeus kann die sacken ridhten, ioann 
er gleich kein theil gehört; dieser hat gerechte sache, der am meisten 
ihm verehrt 

'') Holstein, verkaspetn „im Kirchspiel umher werfen^ (Schütze 4, 303) 
zeigt deutlich das Gepräge der fair -Type. Dann nimmt es die Bedeutung 
„ vergeuden ** an. 



163 

Pestalozzi 2, 268: ihm seine schulden und güt&r eu übergdfen, und 

sich hei ihm zu verleihdingen (mit Leibgeding, einer Bente auf 

Lebenszeit, versehen). 
S. Münster cosm. 1321: die pf äffen werden versoldet von dem kmig 

(besolden). 
Agricola sprichw. 738: wol verwapnet (gewaffnet). 
Lnth. 24. 314, 34 W.: das sind die, so nadi dem heiligen Euangdio 

mit dem geist verzeichnet werden (bezeichnen). 

' Aus den lebenden Mundarten: 

Schweiz, bair. verhurgeret eingebürgert (Staub 4, 1585, Schmeller 1, 277), 
brem. veriren zu Ehren bringen (wb. 1, 312), prenss. eine Ohrfeige geben 
(scherzhaft, Frischbier 2, 430), bair. verfilrsprecht (reden) mit Anwalt ver- 
sehen (Schmeller 2, 698), Schweiz, verfrit berechtigt, privilegiert (Staub 1, 
1266)« Schweiz, bair. vergeleite, -glaiten begleiten (Staub 3, 1492, Schmeller 
1, 1530), schles. verhaft mit behaftet mit (Weinh. hs. H 8), Schweiz, verliebt 
beliebt (Staub 3, 990), vemachpv/rt benachbart (4, 1522), elsäss. verpfarrt ein- 
gepfarrt (Martin 2, 138), Schweiz. verpfrOendet mit Pfründe begabt (Staub 
5, 1290), vervogte mit Yogtei begaben (1, 710), verwiMed mit vielen Winkeln 
(SeUer 114). 



Der weitaas grösste Anteil an den nach dem Master rer- 
binden (S. 137 ff.) geprägten Bildungen gebührt /a»r-, and nach- 
dem wir S. 58—134 in erster Linie /atir-, daraaf /awr- in Ver- 
bindung mit fair" betrachtet haben, wenden wir uns nun zur 
Besprechung der einzelnen /atr-Gruppen. Ich beginne mit einer 
Zusammenfassung der in der Aufzählung S. 143 — 155 vor- 
kommenden Gruppen und schliesse einige nahe stehende an, sie 
an charakteristischen Beispielen erläuternd. 

fair' mit der Grundanschauung ,,rings umher" (vgl. S. 13 ff.) 
ergibt die Bedeutungen a) ,,umfassen, einfassen, zusammenfassen 
— b) ausmessen, richtig messen — c) überziehen* (vgl. S. 135 ff.). 
Auf der Anschauung „der Reihe nach, durch und durch" (S. 14) 
beruhen die Gruppen d) „durchziehen, vermischen, vereinigen — 
e) verschränken, durchqueren — f) verfestigen, verwirren". Hierzu 
bieten uns mhd. unter- und durch- ^) Komposita Parallelbildungen. 



^) Das mhd. hat die Freiheit zu sagen: ein Kleid mit Zieraten ver- 
setzen, durchsetzen, und er setzen, -slahen, -sniden, -weben, -würken (s. Lexer). 
mhd. «ruier-Komposita stehen neben ver-Bildungen der gleichen Bedeutung in 
folgenden Gruppen: a) ,, versperren, verhindern'' : uifiderbinden trennen (Lezer 2, 

11* 



164 

unter- (lat. iwfer-)*) bedeutet „zwischen, mitten in, durch und 
durch« (ahd. utOar Graff 1, 380 f., mhd. under Lexer 2, 1777 f.). 
Dass die Bedeutung „durch" zu idg. *per(i) gehört, zeigt das 
weit verbreitete lat. per (vgl. auch S. 14—16). Einzelne eigen- 
artige t;er-Eomposita werden uns erst durch solche vergleichende 
Betrachtung verständlich*). 

d^favr- in den Bedeutungen „umfassen, einfassen, zusammen- 
fassen*' veranschaulichen am besten die Bildungen verfangen, 

1780), wnderbrechm (1781), -dringen (1783), -gän (1784), -graben, -gHfen 
(1786), -houwen, -hamen (1787), -legen (1789), -laufen (1790), -nBmen (1792), 
-reden, -riten (1794), -sagen, -schaffen (1795), -scheiden (17%), -schicken (1798), 
-schranc, -sd^röten (1799), -schüten (1800), -slahen (1801), -«licÄan, -sliesen, 
-sUfen, -sniden (1802), -spr^cÄen, -^ngen (1803), -s*dn (1804), -s«o^€n (1805), 
-swingen (1806), -treten, -trtben, -trinnen, -tuen, -vc^ien (1808), -vam (1809), 
-toürken, -eiehen (1813), -mtmen, -zwischen (1814) ; ß) „unterschlagen, hintergehn^ : 
undergän (1784), -graben (1786), -sZo^en (1801), -slirfen (1S02), -stözen {18(tö); 
y) .festsetzen, verbinden": ttnderbindm (1780), -dingen (1783), -scheiden (1796), 
-s^'cX:en (1805), mnd. undersetten (Schiller -Lübben 5, 35 a), -truwen (38 a). 

Auch die Bedeutung „rings herum'' teilt es mit fair-: mhd. underlouchen 
(1790), -reifen (1794), -vazzen (1810). Dass es sich stellenweise mit faur- I 
berührt, wird uns nicht Wunder nehmen: undersagen mitteilen, verbieten 
(1795), -sehen ansehen, Vorkehrungen treffen gegen (1800). Deswegen bleibt 
für versagen, versehen doch faur- I die nächstliegende Erklärung (vgl. S. 58). 

^) Abweichend von Paul wb. 489 ff. führe ich die meisten untrennbaren 
un^- Komposita auf die Bedeutung „unter, zwischen" (lat. inier), nicht 
„unterhalb" (lat. infra) zurück. 

') So vermitteln, verschieden, versiahen „unterschlagen", vermitteln hat 
mhd. (Lexer 3, 181) einerseits die Bedeutung des Simplex mittdn (1, 2188): 
„in die Mitte stellen, in der Mitte sein" und die entgegengesetzte: „hindernd 
dazwischentreten" (3, 181). Durch die ParaUele /atr- ; under- (mhd. under- 
mittel „intennedium", undermitteler „intermedius" 2, 1792) in der Bedeutung 
„zwischendurch" wird uns der Doppelsinn verständlich, verschieden, erst 
nhd. bezeugt (DWB. 1074), werden wir als Part, zu verscheiden „sterben" 
schwerlich begreifen (ebd.); als Nebenform zu mhd. underschiden „dazwischen, 
unter sich geschieden" (Lexer 2, 1798) bietet es dem Verständnis keine 
Schwierigkeit, unterschlagen bedeutet „ zwischenschlagen , zwischenstecken" 
(mhd. Kell. erz. 105, 28: die vlaschen under denmantel versiahen). Hierher 
auch Schweiz, verschiän „eine Zwischenwand schlagen" (Staub-Tobler 1, 911). 
mnd. vorbarmen „erbarmen" (Schiller-Lübben 5, 310b) neben mhd. under- 
harmunge (Lexer 2, 1780) bedeutet vielleicht „in den Schoss nehmen" (vgl. 
barm Lexer 1, 129 f.). Doch bleibt diese BUdung nicht ganz klar. Das 
Schweiz, und Schwab, gebraucht noch verbarme ( Staub -Tobler 4, 1595, 
V. Schmid 44). 



165 

verfassen, vergreifen, verseteen. Auch mit dieser Gruppe kon- 
kumeren fre-Eomposita. Heute sind beide durch anschaulichere 
Präfixe in unfester Komposition ersetzt. 

ahd. 0. V 23, 122: w%Ho ie alfirfdhit, ther sich Mar iru nähit (umfangen). 

N. I 273, 26 F.: uuir Hgen ddnne driv uuört ferudngen mit zwm 

(dass.). 

mnd. Hans. Bec. ü', S. 417 (a. 1441): de siede acholden den heren van 

Halsten mede in dat bestant vorvangen (umfangen, einbegreifen, 



Mflnst. Chr. 2, 218: mit mer andern arUculen . . , in de veder to 
verfaten (umf&ssen, abfassen). 

Westphal. 3, 33: de kercken in fredsamheit tho vorbidden wnd vor- 
Seiten mit eirheiden, lUeinodien und boekeren (ausstatten, ver- 
sehen mit)')- 

Lüb. Pass. f. 30 c: let se gan to den goUsmeden, dat se se (stene) 
schulden vorslan laten (einfassen). 
mhd. Ernst 2667: der sterbe si $6 gar vervienc, daz ir keiner genas (um- 
fangen). 

Chr. 5, 216 Anm. 1 : mügen sy avff demselben gnmt der mewr daz ir 
wol wyder verfahen mit tüUen oder mewren (einfriedigen). 

Ls. 2. 231, 776: der paias was vervangen in ein dach (einfassen). 

Halt. 1845: einer antwori die m Schriften verfangen wtere (zu- 
sammenfassen, verfassen). 

Mh. 1, 42: die rate haben sich mit im ains anlas wellen vervaezen 
(sich zusammenfassen, vergleichen). 

Mone z. 26, 23 (a. 1439): ich bin in der gOeUichen taiding vergriffen 
worden (einbegreifen). 

Msh. 3, 468 aa: rubin wart nie in goldes sein versetzet noch in 
helfenbein (einsetzen). 

Apoll. 4058: vongolde und edel gesteine dar inne vil versetzet lägen 
(einfassen). 

Msh. 3, 249a: wol verslagen waren in ir gürtel beiden samt (be- 
schlagen), 
nhd. Fronsperger kriegsb. 1, 167 a: das das hriegsvoUk nahe beisamen ver- 
fangen, ais nur an eim oder zweien havffen halten theten oder 
solten (zusammenfassen). 

Thumeisser archidoxa 61: ir älcoran vil gsatz v er facht, die hier on 
nott zu melden sind (umfassen, einbegreifen). 



>) Bei Schiller -Lübben 5, 444a fälschlich als v&rsetUn , fördern" auf- 
gefasst. Vgl. hierzu S. 166 Anm. 



166 



Luth. br. 2, 360: im pöbbel, welches gar ein wanhelmtUMg Ihier ist, 

ißo es nUht verfasset ist, und gewisz wird, wo es stehen soU (zu- 

sammenhalten, einschränken). 
Luth. 4, 49 (DWB. 311): üt der predigt van der tauff im evangelio 

sind verfasset mancherlei menschen (umfassen, einbegreifen). 
Opitz 1, 24: weil ... er alle andere der weUcörper in sich hegrieffen 

und verfasset hat (einbegreifen). 
Logau 1120 (Weinh. hs. F 25) : eiwre Ummelsgaben . . sind verfasat 

und spielen weit durch das gold der frömmdgkeit (einfassen). 
Simpl. 1. 264, 27: die rechte . . christliche rdigion der heiligen schr^t 

. . gemäs» schriffHUch verfassen (zusammenfassen, abfassen). 

Fronsperger kriegsb. 1, 57 a: item der hriegsherr soll sich insonderheit 
verfaszt machen mit frommen, getreuen Unten (eingefasst, aus- 
gerflstet, versehen mit)^). 

Opitz ps. 49: schau auf meine feinde hin, die sich mit gewait ver- 
fassen (sich rüsten mit). 

Maaler 420 a: vergriffen werden in der saal der säUgen : in nnmero 
beatorum accipi (einbegreifen). 

Benchlin augensp. 10, 1 : damit idi desselben Pylhagoras mainung mit 
kurtse worten vergreiff (zusammenfassen). 

Fronsperger kiegsb. 2 vorr. : über welche alle hat erst bei unserer votier 
zeit Bobertus Valturius eehen bücher lateinisch vergriffen (= ver- 
faszt). 

Fischart gl. schiff 122: gleich wie ein gstein im ring ser setzt (ein- 



Uhland volksl. 1, 53 (Cotta): du edler ameHst, der du in meinem 

herzen so tief versetzet bist. 
Kramer deutsch -italien. dict. 2, 768 b (1702) im DWB. 1786: blumen 

versetzen in einen kränz (einflechten, einordnen). 
A. Gryph. Ndr. 3 (Horr.) S. 51: sehet welch eine treffluhe ketU mit 

diamanten versetzet (ringsum besetzt)^). 
Lohenst. Soph. (1689) S. 71 : mit schmaragd versätzt die deiche. 



^) £s wechselt hier die lokale Anschauung mit der instrumentalen 
Funktion. Beide berühren sich in der Bedeutung, sind aber in der Sektion 
voneinander verschieden: einen edelstein in den ring setzen — den ring mit 
dem edelstein besetzen. Der eine Fall führt die Handlung anschaulich vor, 
der andere fasst das Ergebnis ins Auge, indem die lokale Bestimmung ins 
Objekt und das frühere Objekt in die instrumentale Bestimmung verwandelt 
wird. Diese Rektion zeigt ver- schon im got. (S. 10) : 

Matth. 27, 60: faurwalwjands staina mikUamma daurons : ngwxxvXiaaq 
Udav (liyav rj d'VQa. 



167 

In der heutigen Schriftsprache ist diese vielseitige Ver- 
wendoDg eingeschränkt. Sie kennt verfassen (Verfasser ^ Ver- 
fassung) nnr noch als „schriftlich abfassen^. Die Grundbe- 
dentung ^amfassen, enthalten, einbegreif en^ hat verfassen noch 
im Schweiz. (Staub 1, 1061), vergreifen im Schweiz, (ebd. 2, 
716), und Bair. (Schmeller 1, 990), „schriftlich abfassen"* eben- 
falls im Schweiz, (a. a. 0.); dazu vergriff „fibersichtliche Dar- 
stellung, Inhalt, Inbegriff, Umfangt (Staub 2, 711, Schmeller 
1, 991: dieweä jedwedes amt seinen geeWk und vergriff hat), 
vergriff lieh „bfindig^, unvergrifflich „unbegreiflich^ (Staub 2, 
716, 721). Können wir hieraus ein vergreifen =» begreifen er- 
schliessen, so lässt sich fiberhaupt die parallele Entwickelung 
mit be- verfolgen: befangen, befassen, begreifen „umfangen, um- 
fassen, enthalten^ (Hittmair 50, 49, 211), „erfassen, ergreifen^ 
(180, 71, 72, vgl. got. fairgreipan S. 14). Der instrumentale 
Gebrauch sich verfassen mit (s. oben) erinnert an sich befassen, 
befangen, begreifen mit (H. 203, 204, 207), dazu verfasst „vor- 
bereitet, versehen^ im Schweiz. (Staub 1, 1061). Das preuss. 
sich verfassen „sich zusammennehmen^ (Frischbier 2, 430) er- 
klärt sich aus der Grundbedeutung. Über versetgen vgl. S. 170 f. 

b) Die Gruppe vermessen „rings umher messen, ausmessen, 
richtig messen^, in mhd. Zeit recht ausgedehnt, bewahrt heute 
nur noch einige nicht mehr durchsichtige Ausdrficke in den 
Berufsprachen. Ihre Bildungen sind meistens 1^- Kompositen 
gewichen. 

mhd. Pass. K. 267, 39: dö er nach wülen den boum verhieb (zuhauen, 

behauen). 
Msh. 2, 390b: min kunet vermiseet mht, wie liuhtet hmet (aas- 

messen, ermessen). 
Gen. D. 160, 32: hei, wie si sich vermaegen, do ei (mf dei roa ge- 

saegenH). 
Ealtb. 153, 5 (a. 1404): dm vbüUskr eu dem rechten vermiesen. 
j. Tit. 1910: diu kröne ist so vest, sie wart noah nie verrüeret (be- 

rflhren). 
Prag. r. 39, 58: gewant In der eilen versniden (aasschneiden). 
Swsp. 26, 19: versniteniu lachen ze kleidem (zuschneiden). 



^) Etwa ,sich getrauen, entschlossen sein*', noch ohne den üblen Neben- 
sinn, zu dem su^ vermessen sonst übergeht; vgl. auch nhd. S. 168. 



168 



Havör 10, 13: nu h&t er sie vertagt mit füeaen und mü henden 
(nmt&sten, betasten). 

Tnch. 260, 55. 261, 1: verzollen (mit dem Masstabe abmessen, Lezer 
3, 322). 
nhd. Schiller 9, 212: seinen gdntrtsort nadi Mosul oder Assyrien eu ver- 
legen (hinlegen, ansetzen). 

Goethe 12, 214: verleg' sie sich auf neuigkeiten. 

Logan 1. 76, 1: so ohne mass den wein vermessen. 

H. Sachs Ndr. 39/40 S. 95: Gredt, ich kirn änderst nicht vermessen, 
denn das dein man sey gar besessen (ermessen, erachten). 

H. Sachs Ndr. 39/40 S. 20: (2^ ertsney iüü ich mich vermessen, eud^ 
bey mir bhaltn die aderlasz (sich getrauen). 

Adelang versuch 4, 1503: die haare verscheeren, den köpf verscheeren. 

Hesek. 44, 20: sie . . soUen die har umbher verschneiten. 

Gttnther 1088: gleich den v er schnittnen jaden (beschnitten). 

Goethe 33, 281: nach Sitten und theaterconveationen und nach aufge- 
flickten Statuen natwr und Wahrheit zu verschneiden und eimu- 
gleichen (zustutzen). 

Schupp schrfft. S. 207 (Gedenks): lerne Gottes weissheit siehe wie er 
" äUes so hünsüich und ordentUch versetzt habe (richtig hinsetzen) 

Weckherlin ged. 81 (1648): dessen muth . . sein stoltzes hertz . . auff 
seine macht . . versetzet und verlasset. 

Goethe 15. 1, 67: du freust dich so, dasz dich's in schweisz versetzt. 

Aas den lebenden Mundarten und Berufsprachen: 

pomm. vermeten ausmessen (Dähnert 524), bair. verschneiden nach der 
Elle verkaufen (Schmeller 2, 568), berl. verwiegen wiegen (Meyer 128 b). 

Von den Berufsprachen liefert die Berg- und Httttensprache den reich- 
sten Beitrag: vermessen gibt sie durch vermarkstatten (Yeith 531), versdiinen 
(535), verschnüren (536), verziehen (542) wieder; verhauen durch Atshauen 
herstellen (523). Der Winzer verfMut den Weinbeerkuchen (^zuhauen* Allg. 
Haush.-Lez. 569). verlegen „zurechtlegen" ist technischer Ausdruck bei ver- 
schiedenen Gewerben : der Seidenwirker verlegt die Kette (Jacobsson 4, 520), 
der Bergmann Hölzer^) (Yeith 526), der Weidmann Tüchernetze (Kehrein 
(306). land vermessen ist Ausdruck der Feldmesskunst (DWB. 864), soihen 
verpassen geläufig in der Militär spräche '). Der Wasserbauer nennt verpeilen 
das Messen der Grundtiefe mit dem Senkblei (Jac. 4, 523). Die Stücke einer 
Säule und Steine werden in der gehörigen Ordnung versetzt (Jac. 4, 528, 529) ; 
der Glaser versetzt die Scheiben, der Gärtner die Beete im Garten (DWB. 1286). 



>) Feldbefest.-Yorschr. (1893) S. 21: sind deckhölzer . . vorhanden, so 
können sie . . verlegt und nachträgUeh unterhöhlt werden, 

') Dieses verpassen erhält dann durch Übertragung in der Gaunersprache 
die Bedeutung „verkaufen" (Kluge rotw. 487); in der Soldatensprache wird 
sich etwas verpassen euphemistisch für „stehlen" gebraucht (Hörn 81), einen 
sat/^tund verpassen scherzhaft für „gerügt werden" (ebd. 137). 



169 



c) Die Gruppe „überziehen, verkleiden mit^ ist in die Auf- 
zählung S. 143 ff. völlig einbezogen. Sie umfasst hauptsächlich 
die Ausdrücke aus den Berufsprachen, die bedeuten „einen 
Stoff mit einer Schicht überziehen". Die Bezeichnung dieser 
Schicht gibt gewöhnlich das Stammwort. Das früheste Bei- 
spiel dieser Gruppe ist as. fersüveran (S. 142). 



d) Die Gruppe „durchziehen, vermischen, vereinigen" zeigt 
fair- im mhd. besonders häufig im Wechsel mit durch- und 
Mit^^-Eompositis ^). 

ahd. Gl. IV 147 a uernatweräen : mam, 

mnd. Somma Joh. 93 b: hrentze, spangen, vorhowen scho vnde cUder, de 
kostUk sint (zur Zierde aufgeschlitzt). 
Lüb. Z. R. 487: idt achdü nein schwort lackenn vor med et, nein ffroen 
vortootoet werden, idt si denne ihovome gesiedet (mit mede and 
wow, roter und gelber Farbe, bearbeiten, versetzen). 



') Vgl. Lexer 1, 478 flf. 2, 1779 ff. 3, 67 ff. 
mhd. durchgimmen 
durdihouwen 



durMegen 

durchmischen . 

durchnt^en 

dwrchseteen 

durchslaJien : 

durdisniden : 

durchstemen : 

durchvcLchen : 

durchwahsen . 
durchwehen 

durdiwieren : 
durckwünnen : 



underhouwen : 

underlegen 

undermischen 

underseUsen 

(Pass.230,10) 

underslahen 

(Gerb. 2928) 
undersniden 



undervachen 
underwahsen 
underwiben 

underwieren 



durckwürken : imderwwrken 

dwrchsuhen : 
durcheieren 



vergimmen mit Edelsteinen besetzen. 

verhouwen verzierend auslegen, auf- 
schlitzen, 
verzierend auslegen, durch- 
legen. 

vermischen vermischen. 

vernähen durchnähen, durchsticken. 

verseteen durchsetzen, auslegen mit, 
einsetzen. 

versiahen durchsetzen, besetzen, be- 

(Msh.3,249a) schlagen. 

versniden zur Zierde aufschlitzen, aus 

(Apoll. 3740) versch. Stoffen schneiden. 

verstemen mit Sternen schmücken. 

vervachen abteilen, geordnet einfügen. 

verwahsen durchwachsen, verwachsen. 

verweben durchweben, einweben, ver- 
weben. 

verwieren durchlegen, durchwirken. 

verwwia mit Wonne durchdringen — 
wonnevoll. 

verwiäTken durchwirken^ durchweben, 

einfassen. 
verziehen durchmischen, vermischen. 
verzieren verzieren. 



170 

mhd. Mone quell. 1, 410: d&r roc wm gesHcket und verhouwen, das man 
den fhamasck wol dar durch sach (zur Zierde aufgeschlitzt). 

Np. 258 (15. Jahrh.): gefärliche gemechte, verlepperung und Ver- 
mischung der wein. 

Engelh. 2ö«S4: . . (Hsö riUerlidie wät . . H wären beide wol vernät 
(benäht, durchstickt). 

Tucher haushaltbuch 76. 106 (Schmeller 2, 612): verschrotten werk : 
Holzschnitzerei. 

Apoll. 3740: dig (gezdt) was versniten, daz was val (aus verschie- 
denen Stoffen geschnitten, bunt). 

Frankf. brgmstb. a. 1449 (Lexer 3, 240): einer hat rot versnitselt 
kogel (mit Rot untermischt, verschnitten). 

Wölk. 13. 3, 10: wan sich die nacht versternet (mit Sternen durch- 
setzen, schmücken)^). 

Frl. Ml. 24, 3: wer kan des zomes haazec dwnst versünnen (durch- 
sonnen, sonnig machen). 

Np. 244: unverwassert (nicht mit Wasser vermischt). 

Wölk. 27. 2, 19: ach hertzenlieh, nü ist sein nit ain halbe stund, das 
wir verwunt uns teten zesammen preysen (wonnevoll). 

Ug. 438 (a. 1441): ein^wise, die sire verwochsen gewesen ist (durch- 
wachsen). 

Ot. 442 a: von gestein und von golde sin wäpenkleit was verwiert. 

Parz. 3, 17: swer in den h'anken messinc verwurket edeln ruJbin 
(hineinwirken). 

Np. 138, 259, 61, 66: hier, safran, wein verziehen mit (durcfaein- 
andermischen). 

In der nhd. Schriftsprache ist von diesen Bildungen fast 
nur noch versetaen gebräuchlich. Aber auch dieses ist dem 
Untergänge nahe, da es nicht mehr verstanden wird. 

Maaler430a: verschrottne oder versetzte arbeit machen, eingelegte 

arbeit : vermiculari. 
Scheffel Juniperus 16 (1883): weil ich . . speise und trank mit den 

schwarzen beeren versetzte (durchsetzen, vermischen). 
Freytag ges. w. 6, 82: über dem boden schwd^te noch der dämmer, 

welcher das licht der deutschen sonne . . mit feinem grau versetzt 



^) Das Bild ist vom Kleide übertragen, ähnlich frei dann vermtnnen, 
vetwunnen gebildet; vgl. mhd. beswmen, bestemen (Hittmair 89, 102), nhd. 
sich beseelen (213). Diesen Weg verfolgt im nhd. Tieck weiter mit der gar 
nicht zu umschreibenden BUdung verseelen: 

nov. kr. 4, 260: wie die zartesten geister fwr bluvMm oft, wemn sie 
erbliM sind, sich ablösen, und durch die liebe der m>ens<hen, wenn 
diese ihnen entgegentritt, sich höher verseelen. 



171 

Hörike 3f 233 (Hesse): man kann ein kühn braten, . . auUen, ver- 
achiedenHieh versaucen, spicken (mit Sauce durchsetzen). 

Pfeffel poet. vers. 1, 167: schade, dasz ick meinen gasten sein feit 
nicfU audi ver spicken kann (durchspicken, mit Speck durchsetzen). 

versetzen hält sich noch mit einigen synonymen Worten in 
der Efichensprache: 

Davidis-HoIIe prakt. Kochbuch (1904) S. 134: . . verkocht diese meM- 
schmtse mit kräftiger fleischextrdkIbouiUon. 

ebd. S. 77: . . verrührt sie (suppe) dann mit zwei in ein glas wein 
verquirlten eidottem^). 

ebd. S. 70: die suppe . . mit säk versetzt 

Die Suppe mit Grün verschneiden kann ich aus dem Schles. (Breslau) 
bezeugen. In den verschiedenen Berufsprachen bedeutet versetzen (verschnei- 
den, verstechen) , Stoffe chemisch verbinden, untermischen, durchsetzen'. 
Farben versetzen oder verreiben heisst sie , mischen, ineinander übergehen 
lassen* (Jacobsson 4, 529). Der Küfer verschneidet oder verstieht einen Wein 
mit einer anderen Sorte, um ihm Farbe oder Blume zu geben, „ein nicht zu 
den Fälschungen zählendes Hilfsmittel ^ '). Dagegen hat versetzen üblen 
Nebensinn: , geringeren Weinen Sprit beimischen, um ihnen den fehlenden 
Gehalt zu geben' *). Anders das bremische Wb. 4, 890 und das holsteinische 
von Schütze 4, 142, bei denen auch verschneiden ein Entwerten des Weines 
bedeutet*). Diese beiden Mundarten gebrauchen auch verpulsken, -pSUschen 
vom Pantschen und Fälschen des Weines (brem. wb. 3, 374, Schütze 3, 241). 
Das Westerwäldische (Schmidt 309) versteht unter versehneiden allgemein 
.unerlaubten Gewinn machen*. In der Militärsprache versetzt man Raketen 
und andere Feuerwerkskörper mit der Ladung (Eggers kriegslex. 2, 1212 im 
DWB. 1286). Adelung (DWB. 1287) führt an: das Kupfer zu den Glocken 
mit Zinn versetzen, das Haar ist mit Grau versetzt. Nach Jacobsson 4, 529 
nennt der Lohgerber versetzgrube die „Kuffe, worin man die Schmalleder mit 
frischer Lohe treibet oder zu Kräften kommen lässt*, versatz des leders die 
zweimalige Durchsetzung der Häute in der Lohgrube; versatz des zinnes 
nennt der Zinngiesser den Zusatz zum Zinn (524). Das Steirische und Bair. 
verwendet ein aus dem Slovenischen stammendes Wort verweissen, -weisseden 
für .Speisen mit Fett würzen* (Lexer 254, Schmeller 2, 1030). Der Nieder- 
sachse nennt mit Kraut gewürzte Speisen verkrOderd, -krüed (brem. wb. 2, 



^) Der Frankfurter liebt kUeserehen mit roAm eiern fein verkleppert 
(Askenaay 128). 

') P. M. Blüher: Meisterwerk der Speisen und Getränke, Leipzig 1901, 
n 2010 b. 

*) Ders.: Rechtschreibung der Speisen und Getränke. Alphabetisches 
Fachlezikon, Leipzig 1899, S. 294 b. 

*) Vgl. auch Kladderadatsch vom 14. 1. 1906: versehnitterlied (pfälzisch), 
^s ist ein ver Schnitter Sartonus, er weisz, wein blume haben musz . . . 



172 

883), der Preusse mit Masern durchsetztes Holz vemiasert (Frischbier 2, 436). 
Das Köln, kennt verafndljameere „vermischen" (Honig 190 a). 

Zu der Bedeutung „vereinigen^ gehören insbesondere die 
Ausdrücke für verwandtschaftliche Beziehungen, verwandt selbst 
allerdings ist anderer Herkunft ^). Die Ausdrücke für versöhnen 



<) Paal wb. 516 b sieht „ zugewandt ** als Gmndbedeatung an. Tat- 
sächlich stammt verwandt wie verkehren mit „ Umgang haben'' ans der Ge- 
schäfts- und Handelssprache. Beiden liegt fair- in der Bedeutung «rings 
umher, hin und her'' (vgl. S. 14 f.) zugrunde. Mit wem man sich hin und her 
kehrt oder wendet, mit dem ist man verwandt, d. h. in (zunächst geschäft- 
lichen) Beziehungen. Seit nhd. Zeit werden dann diese Beziehungen auf 
Blutsangehörigkeit und Yerschwägerung im besonderen angewandt, doch 
kommt noch im jüngeren nhd. und in den lebenden Mundarten die alte Ver- 
wendung vor. 
mnd. Westphal. 3, 137: ee worden syne vorwanten (subditi). 

ebd. 3, 175: dem koninge van Dennemarcken vor wandt (regis Dano- 

rum fautores). 
Wiechm. I S. 81: de van Lubecke mit eren vorwanten (Verbündeten). 
Jev. Urk. v. 1572: mit einem ede vorplichtet und vorwant eyn. 
mhd. Cp. 48 (Lexer 3, 301): die in den aachen verdächt und verwent sein 
(beteiligt). 
Np. 57 (ebd.): gesipte und verwante freunde. 
nhd. Chron. 23. 232, 16 : allen derselben sundem personen und sunst menigk- 
lich diser sacken verwandt. 
ebd. 381, 20: der gaistlichait verpflicht und verwandt. 
ebd. 203 Anm. 2: irer pflicht, damit sie ainem erbem rat verwant 

gewesen sein, ledig gezelt. 
ebd. 181, 6: das den thomherm der merer tau eugeherig, underwirflidk 

und mit lehenschafft verwandt ist gewesen. 
ebd. 391, 8: jeden bürgern, inwonem, seshafftigen und iren verwanten 

(Bedeutungsübergang !). 
Innsbrucker Urk. v. 1574 bei Kluge rotw. 108: dann aUe so in irer 

gesettschaft verwont, die hunen die sprach Botwelsch. 
H. Sachs 16. 41, 17 Keller: wer war verwant in diser socAP und 

was war der frawen geschehen? (beteiligt), 
ebd. 15. 181, 35: dergleichen auch Israel das hause triebe nU gar und 
gentzlich aus in dem lande die Cananiter . . sonder Hessen ihr vü 
verwand hin und wider bleiben im land. 
Goethe bei Paul wb. 515 b: was . . einigermassen mit der Uteratur 
verwandt ist. 
Jetzt freiUch fassen wir solche Stelle fälschlich so auf, als ob ein FamiUen- 
verhältnis darauf übertragen wäre. Brem.-niedersächs. verwandt „in Ge- 
schäftsverbindung stehend, angehörig " (wb. 5, 228), henneberg. westerwäld. 



173 

werden wir wohl als „in Eintracht zusammenbringen" aus- 
legen und hierher stellen können, soweit nicht das Präfix (faift- 
oAer fra-) nur den schon im Stammworte liegenden Sinn ver- 
stärkt wie bei mhd. versüenen (Lexer 3, 257) und vertragen 
(273) oder eine einfache Denominativbildung vorliegt wie bei 
verebenenj -einbtsren, -einen, -einigen, -geliehen, -rihten, -slihten 
(102, 103, 104, 111, 203, 234). 

Dagegen möchte ich hierher ziehen mnd. vorvrentschappen, -wunden 
freandschaftlich schlichten ( Schiller -Lübben 6, 494); mhd. sich vergünsten 
mit sich aassöhnen (121), -kotnen übereinkommen (147), -minnen^) gütlich 
aasgleichen, versöhnen (180), sich vervazzen mit sich vergleichen (286), 
-vriunden freandschaftlich verbinden (290), sich venoilleküm mit freiwillig 
ein Abkommen treffen (308). Aas den nhd. Mandarten ist henneberg. 
westerw&Id. sich verhombardHren sich vertragen (Spiesu 265, Schmidt 289), 
Schweiz, verf runden befreanden (Staab 1, 1306), bair. verfreundet verwandt 
(Schmeller 1, 822) and Schweiz, verminnig gütlich (Staab 4, 315) anzaführen. 

Diese Gruppe wird besonders anziehend dadurch, dass/ro- 
Typen in sie eingegangen und dadurch doppelsinnig geworden 
sind. Sie bedeuten zugleich „auseinanderziehen*^ und „inein- 
anderfügen" (trs.), „auseinanderfliessen** und „ineinander fiber- 
gehn^ (intr.). So bezeichnet der Maler das richtige Ausein- 
anderziehen und Ineinanderfiberführen der Farben, das richtige 
Abstufen nach Licht und Schatten als Verblasen, verschiessen, 
verschnehen, vertreiben, verwischen (Jacobsson 4, 504, 526, 527, 
535, 536)*). Dann verlieren sich (ebd. 521), verschtneUen oder 
t?er5CÄ«wmtw^ die Farben ineinander^. Ähnlich wird verstreichen 
gebraucht. 



„darch Geldschuld gefesselt an einen'' (Reinwald 2, 135: er ist mir noch mit 
100 totem verwandt, Spiess 270, Schmidt 313). Bair. Schmeller 2, 944 „in 
Berührang stehend^ beteiligt^. 

^) Mz. 1, 226 (a. 1286): man sei kiesen zwene man, die si verminnen. 
verminnen mit der entgegengesetzten Bedeutung jjentzweien** s. S. 125. 

') Lessing 8, 36: ist aber dieses verschieseen . ., diese sctwoächung 
oder stufenweise Verringerung des lidUs tmd der färbe nicht eine 
folge einer wöhJbeachteten perspective? 
A. Springer, Kunstgesch. 34, 485: er . . vertreibt die töne mit der 
gröszten sorgfaU, so dass die hiidfiäche wie aus einem gusse er- 
scheint. 
*) Die Kunst her. R. Mather Bd. 34 S. 7: ich sehe färben, die ineinander 
verschmelzen, oder flachen, die ineinander überg^ien. 



/ 



174 

verschiffen^) ist Kunstausdruck in der Sprachwissenschaft 
und Metrik {verschleifte silben, vokalverschleifung oder -verschmd- 
eung: „Erasis^), verschlangen^) in der Stenographie: „Laute, 
Silben, Buchstaben ineinanderschleifen, -schlingen". Der 
Schneider verschlingt das Knopfloch, indem er die Nadel durch 
die Schlinge des Fadens steckt („durch-, um-, zusammen- 
schlingen" Jac. 4, 527). Diese und ähnliche Bildungen sind in 
kunstmässiger Erzählung sehr anschaulich^. 

e) fair- in der Anschauung „durch und durch" (S. 163) er- 
gibt die Bedeutung „fiberkreuz, fiberquer", ffir die verschränken 
das Muster bildet. In dieser Verwendung tritt der Parallelis- 
mus von /a»r- und unter- („zwischen") Kompositis besonders 
deutlich hervor (vgl. S. 163 Anm. 1). verschränken^ meist als 
„mit Schranken umgeben, einschränken" aufgefasst, kann auch 



ebd. S. 9: die konturen m ein sfumato, ein raudUges, duftiges ver- 
schwimmen aufguHösen. 

C. H. Stratz, Schönh. d. weibl. Körp.® S. 147: hei schmalem Unterkiefer 

geht das fettpolster gleichmässig in das des halses über, so dass 

wir das verstreichen der unterkiefertovnkd als voreug hetracMen 

müssen. 

*) Starke and schwache Form gehen bei schleifen schon mhd. dorchein- 

ander. Dieses verschlingen ist nicht mit der/ra-Type verschlingen ^hinanter- 

schlingen" zu verwechseln. 

>) Thümmel 6, 732: freilich hatten seine beiden ersten berichtiger gern 
verschiedene der maiereien . . . reUmdhirt, einige verschliffen, 
andere wM gar vernichtet (abschleifen — zusammenschleifen). 

Goethe 23, 44: ich war versunken, verschlungen in das wunder- 
lichste verlangen. 

Goethe 2b, 23: sie . . hatte etu}€is natürlidnoOrdiges in ihrem beiragen, 
das in eine angenehme Weichheit verschmolz, 

Bürger ged. 119 Sauer: o götterwerkl mit weicher harmonie hier geist 
in leib und leib in geist verschwebet 

J. Paul flegelj. 3, 145: er könnte den eisenfang seines windofens eu 
seinem brennenden namenrgug v er schweifen und ringdn lassen. 

Goethe 33, 210: wie uA ganz in melodie verschwamm. 

Fichte grundz. d. g. Zeitalters 530: eine . . eur eihheit des denkens 
verflossene gemeine (über-, ineinanderfliessen). 

D. y. Liliencron Poggfred 2, 19: bis die wiükommengrusee vertonen 

in ein mächtiges gedieht (zu tönen aufhören — tönend übergehn 
— zusammentönen). 



176 

„mit Schranken darcbziehen, dnrchqaeren^ bedeuten. Nur diese 
Bedeutung hat sich erhalten. 

mhd. Nib. 1916, 3: ja ist aU6 verschrenket diu Etzden tür. 

Pass. K. 683, 7: so noü diu gir die hüscheit mir verschrenken (ein- 
schränken). 
Msh. 3, 196a: wie si . . verseht enkent ianees trit (überschränken, 

ineinanderschränken). 
Wölk. 12. 2, 10: jpil Ulmen vand ich amen tarn, köstlich verschranckt, 
von freuMn klug *). 
nhd. Fronsperger kriegsb. 1, 47 a: wo . . die läger mit einer wagenbwrg 
oder sonst mit eim OMffgewo/rffnm wdll, tarn, oder graben, umbgeben, 
und verschrenckt werden (amschränken). 
Opitz 1, 129: mit hecken gante verschrenckt, 
Lohenstein Sophonisbe 89 (5, 365): die götter haben noch m<ht aUen 

trost verschrencket*). 
Goethe 9, 314: verschränkt in trUbsinn, krankheit, menseherihasa. 
ebd. 23, öO: ländliche Wohnungen . . zusammengezimmert aus ver- 
schränkten halken, 
ebd. 26, 169 : die lebhafUgkeit, womit ich die hüder grfaszt hatte, die 
gewalt, womit ich sie aussprach, hoben alle hindemisse einer ver- 
schränkten wortsteüung (Chiasmns). 
Goethe an Schiller 279: nachmittags verschränken wir unsere be- 
suche (machen sie ttberkreuz). 
Schäfer, Baukunst des Abendlandes (Göschen Nr. 74) S. 145: die einst 
so klar . . geführten sireben und fiUdlen werden vielfach ver- 
schränkt und verschnörgelt, überschneiden sich. 
Der Weidmann gebraucht verschränken, wenn der Hirsch eine Fährte 
mit verschränkten Beinen macht und wenn dem gefangenen Wilde die Beine 
kreuzweise gebunden werden (Kehrein 309). Der Bergmann verkreuzf) und 
verquert*) den Schacht (kreuz und quer durchfahren, Yeith 524, 533). In 
Tielen Mundarten ist verquer gebräuchlich mit dem Sinne ,quer", dann zu 
schlechtem übergehend , verkehrt' (Schambach 265, Jecht 117, Frischbier 2, 
430, Meyer 127 b), dazu die ndd. Nebenformen verdwer, verdwär (Danneil 237, 



') Nach diesem Muster prägt derselbe Dichter die anschauliche Bildung 
ncft verhenddn „sich mit verschränkten Händen fassen'': 

Wölk. 48. 1, 6: w6 ewai an ainem schconen rei sich muetüsUch ver- 
hendelt hän, 
') In der Gaunersprache bedeutet verschrencken „verweisen'' (Kluge 
rotw. 169, 190). 

*) Auch in der nhd. Schriftsprache nachzuweisen: 
Auerbach leben 2, 248: wie man die verkreuzte diplomatische intrige 

selbst dem einfachen sinn des Volkes eingeimpft hat. 
*) Vgl. mhd. vertwerhen quer, verkehrt gehn (Lexer 3, 



176 

Frischbier 2, 430), verdwas, vor&was (ebd., Brem. wb. 1, 282) und verdwaiseh 
(Friscbbier 2, 430). Ähnlich gebraucht das Brem.-Nieder8ächs. verwend ,yer- 
kehrt, linkisch" (wb. 5, 229). Das Kölnische fügt dazu scherzhaft verplex 
atAtt perplex (Honig 193 b); ebenso die Aachener Mundart verplex, verpleUft 
(MüUer-Weitz 255). 

f) Die Gruppe „verfestigen, verwirren" berührt sich am 
engsten mit /our- Typen und ist in der Aufzählung S. 143 ff. 
sehr zahlreich vertreten. Die ahd. Belege für verschnüren, ver- 
walken y verwinden, verwirren finden sich auf S. 142. Bezeich- 
nend für die /air-Type ist mhd. sich vervähen „sich verwickeln 
in", in übertragenem Sinne „unternehmen, übernehmen", im 
Wechsel mit sich undervähen^): 

mhd. Such. 46, 52: jeumo fratoen sich der reis verviengen, 

Gudr. 1061, 3: wiltu daz din vrouwe der dienste mht eine entuo, so 

solt du dich vervähen der dienste ze dller stunde. 
Lob. 3460: er undervie sich mit im vrdgens dräte. 

Unter dem Einflüsse von Verben, deren Stammwort schon 
zu üblem Nebensinn neigt, wie verwirren, erhält diese ganze 
Gruppe leicht einen Stich ins Schlechte, den die lebenden 
Mundarten wesentlich verstärken. Von dem deteriorierenden 
ver- soll weiter unten zusammenfassend gehandelt werden. 

In den folgenden Gruppen verleiht /atr- intensive, frequen- 
tative, durative und resultative Bedeutung („rings herum, 
völlig"). Am anschaulichsten ist das Intensive bei den Verben 
„ein-, auf-, volladen" und „einen Platz besitzen, sitzend ein- 
nehmen", letztere nur aus den nhd. lebenden Mundarten zu 
erschliessen. 

g) mhd. verbacken aufpacken (Lexer 3, 70), -laden belasten (151), -tränken 
volltränken (274), -vliezen yollfliessen (288), -vüllen vollfttllen (291). 

Ans den nhd. Mundarten : götting. verfüOen ausfüllen (Schambach 261), 
eis. sieh verkröpf e sich satt essen (Martin 1, 523), brem. verladen ein-, auf- 
laden (wb. 6, 161), Bchles. verlosten belasten (Weinh. hs. L 25), preuss. ver- 
stickstacken Fächer beim Fachwerkbau ausfüllen (Frischbier 2, 442); die 



^) ahd. untarfähan in derselben Bedeutung bei 

0. III 14, 9: tme druhtin selbo thdra giang, ein vrib er ie untar- 
fiang, si ganz sih ihdna fuorta, so sliumo siu nan rüarta 
legt Kelle Gloss. 647f. fälschlich als „hindern" oder „entreissen*' aus. 



177 

Hflttensprache gebraucht verladen mit Palver laden (Veith 524), Schweiz. 
cerhockty veistän Platz sitzend, stehend einnehmen (Staub 2, 1124; 1, 908), 
sich vertun breit sitzen (Stalder 1, 280), bair. versitzen^) besitzen (Schmeller 
2, 348: ist der platz schon versessen? war alles schon versessen heym wirth). 

Diese Ausdrücke neigen zu üblem Nebensinne: 

Schweiz, verbaste überladen (Staub 4, 1779), brem. verladen Überladen 
(wb. 6, 161), schles. verlosten überlasten (Weinh. hs. L 25), Schweiz, sich 
verlege sich unanständig hinlegen (Staub 3, 1188), brem. sidi verteen sich 
unanständig aufführen (wb. 5, 41), hamb. holst, sik verdoon sich breit machen, 
grosstun (Richey 36, Schütze 232). Hierher gehört auch Schweiz, vergrigge, 
vergraue auseinanderspreizen (Staub 2, 727, 823), schwäb. sich vergrattlen 
sich durch Ausspreizen die Beine verrenken (v. Schmid 421), eis. ver^rattele, 
-spreitle auseinanderrecken, versprattelt breitbeinig (Martin 2, 562), strassb. 
ncA verspraddle Arme und Beine nachlässig ausstrecken (Schmidt 112), 
Schweiz, sich verstelle sich gespreizt hinstellen (Staub 1, 906). 

Abgeblassto Intensiva sind einige besonders der nhd. 
Schriftsprache geläufige Bildungen : 

mnd. Eichtst. Lehnr. Prooem. § 1: dat de man edder de here sik vormudet 
dat, des nicht sin scal (trachten), 
mhd. vergunnen^ -günsten, -günstigen vergönnen (Lexer 3, 121), -handeln 
handeln, tun, reü. sich zutragen (124), -meinen meinen, denken, wollen, 
hoffen*) (176), -merken bemerken (178), -mtden meiden, unterlassen (179), 
-missen missen, nicht erreichen (181), -schonen parcere (217), -sieden völlig 
sieden (227), -spam sparen, schonen (243), -stän^) stocken (247), -stellen, 
-stillen zum Stehen bringen, stillen (250, 252), -strceten Einhalt tun, stillen (254). 

Im nhd. geht vermtUen „den Sinn richten auf, trachten 
nach* zu der Bedeutung „meinen, annehmen* über*), dem 
schon mhd. belegten vermerken tritt verspüren an die Seite ^). 
verfügen verordnen „völlig fügen, ordnen" nimmt den Sinn „ge- 
bieten" an und nähert sich damit den /aur-Typen S. 118 flf. 



') Hierher ahd. Gl. II 88 verlegena : siti. 

mnd. Lüb. Urk. 5, S. 463 (a. 1414): des Tieren man . . ., dar he under 

vorsetten is (ansässig). 
*) Bei. 1660: ich wetz 7iiht, toaz ir vermeint. Nicht mit vermeinen 

„verbannen, verderben" zu verwechseln (Lexer 3, 176)! 
») W. V. Rh. 138, 11: dö verstuont daz hluot vil gar. 
*) nhd. Luth. 1, 147b (DWß. 899 a): ein hippenhub, der allein die 

leute vermutet zu schmähen (trachten). 
Lessing 1, 623: sie konnten nicht vermuthen, tote sehr micli ihr 

Unglück über das meinige hinaus setzen würde (annehmen). 
*) Simpl. 2, 4 Kurz: Simplex ins mare del Zur wird geführet, da er 

sehr selzame saehen verspühret, 

Leopold, Die YorsUbe ver- 12 



178 



Im Schweiz, ist vermtiäe noch als „vorhaben*' gebräuchlich 
(Staub-Tobler 4, 586). 

Zu diesen Intensiven sind ausser den nhd. Impersonalien vervrumen 
frommen, -vüegen passen (Lezer 3, 290), -zimen geziemen (321) die Bildungen 
verlangenj verdriessen u. ähnl. zu rechnen. Sie werden ursprünglich ebenfalls 
unpersönlich gebraucht und neigen zu üblem Nebensinne (vgl. S. 177). ver- 
langen geht erst nhd. zu persönlicher Konstruktion über, 
mnd. Josef 7 Tods. 3244: de vp grotetne gude vorhwngem, vnde vp dat gud 

also vorlungeren (lüstern verlangen nach), 
mhd. Wölk. XV. 1, 9: der seit mich nit verdrös^). 

Trist. 6226: und v er duckte in sere das Tristan so vaste nach dem 

kämpfe sprah (übel dünken). 
Engelh. 16: wen sol nach ir verlangen?^), 
Berth. 480, 33: toan in verlocket das herze nacli der unkiusthe 

(lüstern verlangen nach). 
Chr. 5. 379, 26: als offt si das verlustet^) (gelüstet). 
Msf. 244, 62: der alten rat v er s mäh et nü den kinden (verächtlich 

erscheinen). 
Diemer 208, 10: er lie sich es niht vertüren, er scöz in (den herzogen) 

mit tem gere durch (zu teuer dünken, verdriessen). 
Fasn. 929, 1: du solt dichs nicht Idzen verviln^) (zu viel dünken). 
Myst. 2. 303, 21: diz zil verwunderte den höhen adelar Joliannes 
in dem huoche der tougeni. 

nhd. Aus den lebenden Mundarten: 

brem. götting. verdunken, -dünken verdriessen, zu lange dünken (wb. 
1, 273), auffallend, verdächtig erscheinen (Schambach 261), hess. es verhont 
mir bin tief gekränkt (Vilmar 174), verlangen schles. in Erwartung sein 
(Weinh. hs. L 17), pomm. zu lang werden, verdriessen (Dähnert 523), bair. 
v€rschma(hen , pomm. versmaden schimpflich, schmählich scheinen, hess. es 
verschmät mir bin tief gekränkt, verschmüst, -schmdst, -schmähet mich ver- 
driesst mich (SchmeUer, 2, 547, Dähnert 526, Vilmar 174, 358), westerwäld. 
verschnuppen verdriessen (Schmidt 310), schles. vervielen, brem. vervelen zu 
viel dünken, überdrüssig werden, verdriessen (Weinh. hs. F 75, brem. wb. 
1, 368). 

h) Die Frequentativa beruhen auf der Anschauung „umher, 
hin und her" (vgl. got. fairweüjan S. 14 f.). Sie sind heute 
meist er-Eompositis gewichen. 



*) Neben mich verdriuzet, verlanget, verltistet, vertüret, vervilt ist mich 
hedriuzet, belanget, inir helusiet, mich hetüret, hevilt mhd. belegt (Hittmair 
186, 233 f., Lexer 3, 279), ebenso mich erdriuzet, erlanget (langweilen), errilt 
(Lexer 1, 623, 647, 690). 



179 

ahd. Gl. I 566a urmoh irsuoh litVsuocA : probationem. 

N. I 14, 11 P.: feruuälloHu in änderro planeiarum u4rte : flexa per 

▼arios orbes (umherwallen), 
mnd. Körner 207c: dorste neen (horger) wanken ofte vorher en in den 

hensesteden (hin nnd her kehren, Umgang haben, umgehen). 
Korner 187 c: eristene hoplude, de myt en vorkerden. 
Ben. 187: um de zeeroveren to versoeken (rings umher, hin und her 

suchen, aufsuchen). 
Ravenst. f. 69c: do toolde sik Susanna vorwanderen^) an deme 

boemgarden (hin und her wandern, sich ergehen). 
Br. d. Euseb. 48b: o verwunderende spise (Christus: sehr wunder- 
bar) »). 
Lieht. 145, 4: ewaz si gein mir gesprechen kan, da sol ich nimmer 

niht an verdenken noch versinnen wan gn&den unde minnen 

(hin und her denken, sinnen). 
Neidh. 85, 22: si hat mit verauochen elliu Hutschiu lant durchwallen 

(hin und her suchen, besuchen) '). 
Nib. 1049, 4: st versuochtenz friuntlichen an froun Kriemhilde (hin 

nnd her suchen, versuchen). 
Mgb. ö, 2: diu versuochende kraft : gustns. 
Silv. 3132: dcus got der süeze üf erden versuochet wolle werden 

(erproben). 
Mor. 2, 821: wae hilfet dich, daz du hast vervlizzen dich (sich be- 

fleissigeu). 
Fromm. 3, 54b Jan. 40: sich vervröuwen (sich erfreuen). 
Troj. 2977: das kleit was also wit, daz er sih mohte . . dar inne wol 

verwalten (sich frei bewegen). 
Wwh. 69, 26: nü heten ouch uz v er wallen (var. erwaUen) sin ougen 

(hin und her wallen)*). 
Msh. 1, 203b: swanne in sorgen sich verwindet gar nach ir daz 

herze min (sich hin und her winden). 
Msh. 2, 325a: an menschen hat diu gotes kraft vür elliu dinc ver- 
wundert (sich wundervoll zeigen)*). 
Mgb. 15, 13: diu zung, diu ze dünn ist, macht stamelnd und ver- 

zuckend sprach (reddit titubantes et sincopizantes). 
nhd. Lohenst. Armin. 2, 1121 : weil sie es für schände hielten aus Bom . . 



*) Der reflexive Akkusativ bei sonst, intransitiven Verben bezeichnet, 
dass das Subjekt darch die Tätigkeit sein eigenes Wesen hervortreten lässt 
nnd sich in einen Znstand versetzt (Erdmann II § 157, 160). Andere Verba 
wiederum werden abweichend von unserem Sprachgebrauch intransitiv ver- 
wandt. 

*) Zu mhd. versuochen vgl. die Parallelen durch suochen (Lexer 1, 490) 
und under suochen (2, 1806). 

«) Gegen Lexer 3, 292. 

12* 



180 

einen mit fremden sitten verkehrten Tierrscher zu holen (be- 
wandert) *). 

Goethe 21, 69: im freien zu verkehren und zu lustwandeln (hin und 
her gehn). 

Goethe 41, 74: muszt ich nicht mit der weit verkehren? (umgehen mit). 

H. Sachs Ndr. 193/199 S. 324: die fraw . . ihet pald mit ir maid ver- 
schaffen: „Ge lauf dw eülent hinden naiis!" (hin und her 
schaffen). 

Dasyp. 447a: v er sücheti : f&cere periculum, tentare, experiri. 

Schiller 12, 314: willst du den gang mit mir versuchen? (unternehmen). 

Luth. 24. 346, 31 W.: sie , . Ihoben weil versucht, wie fremhden 
, leuten zu mut ist (erproben). 

H. Sachs Ndr. 39/40 S. 13: fladen vnd feiste speckuchen, wolt ichs 
credentzen vnd versuchen (schmecken). 

kunk. evang. (1557) A 3: als idi einmal des abends nach dem essen 
mich V er t retten wolt und die zeit vertreiben (sich ergehen). 

Mörike 6, 209 (Hesse): wie . . ihnen jegUcfie Verrichtung, als tanzen, 
schweben, sich verwenden, niederfallen, knien, so gar unschwer 
voti statten ging (sich hin und her wenden). 

Luth. 9. 537, 16 W.: des vorwundert sich alles. 

ebd. 537, 24: über disen dingen hatt sie sich warhafftig verwundert. 

ebd. 537, 11: sein vatter wnd mutter haben sich verwundert von 
den dingen. 

W. ScherfFer Grob. 103 (Drechsler 274): viel werden heimlich selbst 
verwundern deinen witz (bewundern). 

Aus den lebenden Mundarten: 

Schweiz, verhottere stark schütteln (Staub 2, 1773), brem. götting. ver- 
keren Waren umsetzen, in Verkehr bringen, umgehen mit (wb. 2, 762, Scham- 
bach 262), pomm. verkeer Geldumsatz, Handlung (Dähnert 522), schles. sidi 
verkehren umgehen mit (Weinh. hs. K 65), Schweiz, verehrte stich gedrehte 
Masche beim Stricken (Seiler 105), elsäss. verkore versuchen, kosten (Martin 

1, 464), Schweiz, verchüwe wiederkäuen (Staub 3, 582), brem. versaien hin 
und wieder säen, umherstreuen (wb. 4, 570), elsäss. verschafft emsig (Martin 

2, 396), brem. holst, pomm. verscheten hin und her bewegen *), versöken brem. 
suchen, ersuchen, besuchen (6, 912)'), hamb. holst, suchen, ersuchen (Richey 
323, Schütze 4, 307), preuss. versuchen besuchen (Frischbier 2, 442), bair. 
sich verstaunen über (Schmeller 2, 764), Schweiz, bair. verwerfe hin und her 



*) verkehren ist in den nhd. Wörterbüchern vor Adelung nicht ver- 
zeichnet. Es stammt aus dem ndd. und ist auch im Niederländischen zuhause. 
*) Brem. wb. 6, 280: de ogen verscheten (schielen). 

Schütze 2, 39: böse äugen, die sich verdrehen, verschiessen. 
Dähnert 526: de ogen verscheten (hin und her bewegen). 
•) ik versöke darum : bitte! 



181 

werfen (Seiler 114, Schmeller 2, 996), Schwab, verwarbe Gras aufschütteliij 
umwenden (v. Schmid 517), Schweiz, verzaagge in den Händen herumziehen 
(Stalder 2, 461). Dazu kommt aus den Beruf sprachen das verziehen der 
Latten beim Dachdecker: „verschieden abgestuft aufnageln '^ (Jacobsson 
4, 536). 

Besonders verbreitet sind die Ausdrücke, die eine körper- 
liche Bewegung und Erholung bezeichnen, meist in reflexiver 
Form gebräuchlich: 

Strassb. sich verbabble hin und her plaudern, Zeit verplaudern (Schmidt 
It), Schweiz, brem. preuss. sidi vergän, -gehn sich ergehen Gesundheit halber 
(Staub 2, 27, brem. wb. 2, 481, Frischbier 2, 431), Schweiz, sich verlaufe 
dass. (Staub 3, 1136), sich verlufte sich durchlüften, in der frischen Luft 
ergehn (3, 1161), sich vermüefere sich regen (4, 96), sich vermuesse sich 
verweilen (4, 498), Schweiz, elsäss. sich verrüere sich rühren (Seiler 116, 
Martin 2, 283), eis. sich verspräche, götting. pomm. sik verspräken sich eifrig 
unterhalten, durch Sprechen aufmuntern (Martin 2, 557, Schambach 267, 
Dähnert 527), köln. veriredde, pomm. de föte vertreden, altraärk. sek verträden, 
brem. sik vertreden, preuss. sich vertreten sich ergehen, spazieren gehn (Honig 
195 a, Dähnert 528, Danneil 240, brem. wb. 5, 101, Frischbier 2, 443). 

Eine Reihe von Verben, die „sich vorblasen, verschnaufen" 
bedeuten, gehen wahrscheinlich auf effektive /ra- Typen („auf- 
hören zu blasen, zu schnaufen") zurück: 

Schweiz, bair. preuss. (sich) verblase(n)^) (Staub 5, 147, Schmeller 2, 
1087, Frischbier 2, 428), preuss. vergisciicn, -jöschen (Frischbier 2, 431), bair. 
verkeichen *), Schweiz, verpfnüse (Staub 5, 1274J, götting. brem. holst, altmärk. 
bcrl. leipz. sich verpusten (Schambach 265, brem. wb. 3, 382, Schütze 3, 251, 
Danneil 238, Meyer 127 a, Albrecht 230), Schweiz, verschnufe zu Atem kommen, 
bair. verschnauf en^ brem. sik versnucen (Seiler 112, Schmeller 2, 1087, brem. 
wb. 6, 906). 

Diesen beiden Gruppen folgt dann eine ganze Reihe von 
Verben des Sinnes „sich erholen, vergnügen"'): 



*) H. Sachs (1612) 1, 584: als ich ein weng verzaufft, verblies und 
auch verschnauft, 

') H. Sachs 12. 152, 27 Kefler: ich toill da gleich ein wenig verkeichen, 

. . . auszruhen, mich ein klein ergetzen, , 

') vergnügen selbst hat einen Bedeutungswandel im nhd. durchgemacht. 
Ursprünglich als Denominativbildung zu genug hcisst es „befriedigen, genug- 
tun" (mhd. vergenüegen = vemHegen Lexer 3, 113, 190). 

Logau 3. 59, 10: gott gibt alles was wir dürffen; dasz sichs uns nu 
nimmer füget, macht die woUust und begierde, derer stand sich nie 
vergnüget (sich begnügen). 



182 

elsäss. sich veramüsiere (Martin 1, 37), altmärk. sek verdaam (Danneil 
236), brem. sek verdoon sich vergnügen (wb. 1, 227), sek verfrauen sich freuen 
auf, ergötzen an (1, 446), altmärk. sek verhaoln, brem. holst, pomm. sik ver- 
Juilen, prenss. sich verholen (Danneil 238, brem. wb. 2, 569, Schütze 2, 80, 
Dähnert 621, Frischbier 2, 432), westfäl. sich verküem Zeit vertreiben (Woeste 
292), Schweiz, elsäss. sich verlustiere, Aachen, sik verlöstire, götting. brem. 
sek verlustercfi, prenss. und stnd. sich verlustiren (Staub 3, 1477, Martin 1, 
621, Müller- Weitz 254, Schambach 264, brem. wb. 3, 105, Frischbier 2, 435, 
Elnge stud. 132), Aachen, sich vermaache sich ergetzen, köln. vermaache 
freudig geniessen, vermaht han sich gütlich getan haben, brem. vermaken 
unterhalten, refl. sich erlustigen, brem. holst, vermake Unterhaltung, Ver- 
gnügen (Müller -Weitz 264, Honig 193 a, brem. wb. 3, 118, Schütze 3, 73), 
Schwab, sich vermaien*) sich erfreuen (v. Schmid 370), brem. sich vemijen, 
pomm. vemijereren sich durch Abwechslung Vergnügen bereiten, etwas Neues 
vornehmen, (wb. 3, 240, Dähnert 624), Schweiz, sich vemuefere sich erholen 
(Staub 4, 682), brem. sich venointem^) Wintervergnttgungen geniessen 
(wb. 6, 269). 

i) Von den Durativen gehören von Hause aus die mit 
Verben der Ruhe gebildeten zu fair-; die Grenze nach faur- 
(vgl. S. 113) und /ra- hin ist nicht mehr sicher einzuhalten. 

ahd. Gl. n 307 b fardolet uuesan : perpeti. farduita : pertulit. 

mhd. verbiten^) (zu) lange, vergeblich warten (Lexer 3, 76), -Üben, 
'bUben bleiben, ausbleiben, unterbleiben') (161, 78), -doln, -diUden, -dulten 
leiden, ausharren (96, 101), -drozen anhalten (99), -hohen hangen bleiben 
(Nachtr. 391), -harren (3, 125), -liden aushalten (161), -lüren heimlich bleiben 
(170), -nahten^), -jdren, -tagen*) Nacht, Jahr, Tag über bleiben (184, 137, 
ein jär verschinen (217). 



Logau 2. 220, 58: beseres glücke künt ich leiden; kamt es nicht, ich 

bin vergnügt (zufrieden > froh). 
Wieland 38, 242: sie wollte nichts als gefallen und sich vergnügen 
(sich belastigen). 
In den heutigen Mundarten lebt noch die alte Bedeutung : Schweiz, vemüege, 
-genüege befriedigen (Staub 4, 701), kurhess. schles. vergnü(e)gt befriedigt, 
satt (Pfister 81, Weinh. hs. N 66), westerw. ich hab mein vergnügen ihm 
satt (Schmidt 293). 

') sich vermaien, venointem ist ganz frei gebildet: „sich am Mai, am 
Winter vergnügen". 

') Auch die Durativa gehen bisweilen zu dem Sinn „übermässig' über. 

') mnd. Leben d. h. Franz. 21b : i^ vernachtede dar myt den hischope 

(übernachten: nhd. gött. vemachten dass. Schambach 264). 

*) mhd. Gaupp 1, 140 (a. 1297) : swer in der stat verjdr et und vertaget. 

nhd. Schiller 7, 216: die ma4:ht . ,, die in verjährt geheiligtem besitz 

in der gewohnheit festgegründet ruht (durch Jahre geheiligt). 



183 

Das nbd. sich verhalten (vgl. sich vernehmen S. 191) ist mlid. 

schon nachzuweisen: 

Loh. 2826: tV manheit wcis dem verhalten ungelid^ des vordem tages. 

nbd. verblasst es in der Bedeutung: 

Simpl. 2. 126, 7 Karz: zu erzählen ^ wie ich mich in solchem stand 
verhalten. 

Das Schles. hält noch verleiben „bleiben*' fest (Weinh. bs. L 57). 

k) Die Resultativa gehen auf /air- in der Bedeutung „rings 
umher, völlig" (vgl. got. fairaihan, fairgreipan, fairwaurTcjan 
S. 14) zurück^). In der Mehrzahl bezeichnen sie eine Geistes- 
tätigkeit, erscheinen in reflexiver Fonn und verbinden sich mit 
dem Objektsgenetiv in instrumental -lokaler Funktion. In der 
heutigen Sprache ist diese ver-Gruppe meistens den he- und er- 
Bildungen gewichen (legreifen, erwerben). 

ahd. N. I 766, 6 P.: uuola das ferdienonten mit lÖbesamen arbeiten: 

exposcentem meritis laboribus. 
öl. I 520b furiuangot fureviegen viruahint^ : captabunt. 
0. II 21) 26: firfdhent iogilicho thiu iz allaz gdralicho (empfangen, 

vernehmen). 
Gl. I 213 Ra. m firkan : nimirum, vere (?). 

IV 208 a farcouoron : recupero. 
N. I 171, 13 P.: tdz sih fermdg sinero chrefte : quod suis cancta 

viribus possit. 

360, 4: man nöte sih fermügen sin silbes : necessQ est et soi 

compos esse. 



^) Auch mit dieser /atV- Gruppe gehen durch- und tm^ier- Komposita 
parallel (mhd. Lexer 1, 478 if.; 2, 1779 flf.): 

mhd. durdhdenken : (as. mnd.) underdenken : verdenken bedenken, erdenken. 
underdingen : verdingen verdienen, sich zu- 

ziehen. 
durchgrifen : undergrifen : vergrtfen begreifen, erfassen. 

durchsinnen : versinnen merken, begreifen, 

ersinnen. 
durchvam : undervam : mnd. vorvam untersuchen, er- 

fahren, 
ahd. untarujizzan : as. undaruuitan : ahd. mhd. fanoiazan, vervnzzen 

(0.1114,92) (Hei. 1668) wissen, verstehen, refl. bei 

Yerstandeskräften sein. 
") fr- stimmt etymologisch zu fair-y furi- können wir als Yerbildung 
von firi' ansehen (s. S. 136). 



184 

N. I 239, 14 F.: diso du den füozJcengel chädUt sih umla fermügen 

eines känges : eum potentissimum esse ambalandi. 

248, 16: fermdhta er sih fMennes . . so hiez er pugil (sich ver- 
stehen auf). 

296, 29: tdnnän ist tiu chrdft Tcendmmet tdg si sih ze iro seUbun 

f er mag : suis viribus nitens . . . 

I 341, 7: sih tdnne sin silbes ferrechenönde : tum referens 

sese sibi (redarguit vera falsis: »sich verrechnen")*). 
Gl. I 385 b oirsculdote : commerui. — 361b uirsculdotist : commeruisti. 

IV 20S a, farsinnethich :Tecige te (sich besinnen). 

I 719 b, rV 293 b /cr»Zt*oc; notavit (überschlagen, veranschlagen). 
N. II 185, 18 P.: die sih fertrüent iro selbero chr6fte :qui confidunt 

in virtute sua. 

I 33, 22: feruuändes harzen urehU : meritum se probantis . . 

conscientiae. 
0. I 1, 10: joh tüöl er sih firwästi, then Usan iz güüsU (Bescheid 

wissen, sich verstehen auf), 
as. Hei. 3856: mieldun ine thea uuider-sakon utiordun farfahen (fangen). 
Hei. 4224: an abuh farfengun Kristes lere (empfangen, vernehmen). 
Hei. 3839: that sie it (Evangelium) so farf engin so it iro fruma 

utmri (vernehmen, verstehen, var. fargengin vgl. S. 100). 
Wadst. 104, 4 (Prud. Werd): 6f ihv thi fdrvvistis : si sapias. 
mnd. Hans. Kec. 3, 17: do sprah her Joh., dat wi ons des verdenken Uten 

(sich erinnern). 
Speg. d. Sonden f. 9b: suuerheit (Sauberkeit) is een goet genomen, des 

nummer mer men mach verkommen (bekommen). 
Freckenh. Leg. 54: dat eioige leuen verkrigen (erhalten). 
Seel. Tr. 7b: he vragede hem, hoe hi hem vermochte (holl. sich be- 
finden). 
Leibn. 3, 200: dar konden se averst mcht vor seh äffen (ausrichten). 
Ssp. II 39, 1: sice nacktes com stelet, de verschuldet den galgen 

(verdienen). 
4. Mos. 31, 49 (H.): wi Jiebben vorslagen de tal der toepetiere (re- 

censuimus). 
Korner 132c: dat heer vorsloch men uppe twe hundert dusent wepenere 

(veranschlagen). 
Leibn. 3, 198: do de hertoge dat vorvohr (erfahren). 
Ltib. Chr. 2, 261: en erlik klok man und wol vervaren^) (hin und 

her gefahren > erfahren). 
E. V. Repg. 566: des wunderde de Colmere sere und woi'den to rade, 



*) In gutem Sinne: „veranschlagen, berechnen". Dann geht auch dieses 
zu schlechtem über: „sich verrechnen = falsch rechnen". 

*) Dem Part. Prät. kommt von Hause aus kein Genus zu, es kann also 
ebensowohl in aktivischer wie passivischer Bedeutung verwandt werden. 



185 

dai men H aolde vorvinden an der h. maget Eisehen (ausfindig 
machen). 

Chr. d. nordelb. Sachs, p. 61 : he vorwarf dat koninkrike der Wende 
(erwerben). 

Magd. Seh. Chr. 226, 1: de witzigesten der stad de sik rechtes vor- 
tousten (sich verstehen auf). 
mhd. Chr. 10, 233 Anm. 4 (a. 1457): lenger da7i iemantz verdenken mag 
(sich erinnern). 

Iw. 5000: tiimhe gedanke verdenken mit wislicher tat (völlig denken, 
ihnen durch vernünftiges Handeln ein Ende machen). 

Msf. 190, 15: sol mam also Uden, so hin ich verddht (entschlossen). 

Nib. 48, 3: er mohte wol verdienen schöner frowen lip. 

Loh. 836: so het er sich verdienet in detn lande, daz er het ir aller 
gunst (sich verdient machen). 

Msh. 3, 453b: süezer gnwz, der mich ie meit, unt kmide ich deti ver- 
dingen, so wolde ich hohes gemüetes sin, 

Chr. 2. 127, 30: auch daz m sein huntgnoszen nicht des unrechten 
wider got als gröhlich zu würden legen und verhelfen (verhelfen zu). 

Er. 5444: od me hat erz umh iuch verholt? 

Wölk. 26, 277: ain paur, der nie geschrift verhosrt (verstehen). 

Dfg. 12 c: verkrigen : üLdi^isci. 

Pass. K. 505, 27: des lerte er me zungen, üf daz er an dütungen sich 
deste haz vermochte und zu lesene tohte. {sich verstehen auf)*). 

S. Gall. stb. 4, 136: den gesten den win verrechenen (Rechnung ab- 
legen über, verrechnen). 

Malag. 57 a: got, der alle ding v er sacht (versachen : zustandebringen). 

Msh. 1, 119b: scelic müeze ein riter sin, der wol verschulden kan 
den nit (verdienen, sich zuziehen). 

Bit. 2175: do er die güete dar an versan (merken). 

Heinr. 4368: sintich von kinde mich versan (zu Verstände kommen). 

L. Alex. 4799: du hist ein harte wis man, der sich wol ver sinnen 
kan (bei Verstände sein, seine Geisteskräfte zusammennehmen). 

Msf. 127, 28 : mac sisich doch miner rede ver sinne n (einsehen , verstehen). 

j. Tit. 5445: da sprach die wol versunnen: des wil ich dich be- 
scheiden (bedacht, überlegt). 

Pass. K. 685, 75: er verslüc die sacke Mrte rechte (veranschlagen). 

Pass. 176, 79: die ungelouhigen rote verslüc ez daz ir abgotewolden 
bezzere hüte (dünken) '). 



*) Ring 42 d, 2: daz sag ich euch nach meißner vermacht (Können, 

Vermögen). 
*) Unpersönlich gebraucht wie es verschlägt, verfängt (S. 87 ff., 92 f.). 
rersldn in dieser Bedeutung ist nur in md. Quellen belegt, obd. vürslahen 
(Xp. 323 bei Lexer 3, 587) ungeschwächt in loser Komposition (vgl. S. 136 
Anm. 3). Dazu gehört 

Chr. 1. 115, 5: ein rechnung ode^' einen f urslag tuon (Überschlag). 



186 

Jer. 27Ö97: want daz vor schadin man vorslüc, ml grözen vronien 

daz intruc. 
Er. 5443: wie Mt er unib itich versolt 8Ö svocere zuht (verschnlden, 

verdienen). 
Berth. 36, 35: er hat sin persön ganz in mich vertrütot und glouben 

in mich gesetzt (sich anvertrauen). 
Christ. S. 1019: dö der einsidel den wec vervie (antreflFen, erreichen). 
Chr. 11. 528, 32: herberg, so maist man mag, zu verfahen (gewinnen). 
Ernst. 2557: dö si den dön verviengen (vernehmen). 
Msf. 90, 15: duz verväch ze guote (gut aufnehmen). 
Er. 4844: daz man gar für einen achimpf sine schände vervie (als 

Scherz auffassen). 
Mh. 3, 188: das wöll üwer gnäd im pesten vervazzen^) (aufnehmen). 
Elis. 3028: st künde sich verwalteren gebedes unde andechte (sich 

verstehen auf). 
Trist. 5861: entriuwen daz vertoeiz ich wol. 
nhd. Geliert 3, 211: leider ist das geld schwer verdient und leicht verthan. 
Schiller 12, 122: was verdient der offizier, der eidvergessen seine 

ordre bricht? — den tod. 
Schiller 12, 65: macht einmal ein alter verdienter kriegsmann seinen 

weg (der viel gedient hat oder etwas verdient hat). 
Schiller 5 II, 301: ihr machtet um meine kröne euch verdient 
J. Paul 21, 62: indem . . ich die freiheiten . . im jetzigen (werke) zu 

einem rechte, zu einer Servitut verjähre und verstärke (durch lang- 
jährigen Gebrauch erwerben). 
H. Sachs Ndr. 26/27 S. 116: an parem geld vermag wir kaum d/rey 

haller dU (imstande sein zu zahlen, im „Vermögen" haben), 
ebd. Ndr. 31/32 S. 36: me den das alt Sprichwort vermack : wen 

man . . . (Geltung haben). 
Mörike 2, 28 (Hesse): sie tischt' ihm auf — kein edelhof vermöchte 

so stattlichen schmaus, . 
Pers. ros. 7, 6: weil ich mich mit ihm wol vermochte (sich gut 

stehen). 
Logau 1. 56, 27: der hencker und die gicht verschaffen gleiche pein, 
H. Sachs Ndr. 26/27 S. 127: du hast vor zweintzic jam verschuldt, 

das man dich lebendig het graben. 
Gryph. (1698) I 243: das, eh' ich mich versann, die Meidung von 

sich riesz (sich besinnen). 
Bocc. 37: das du dir eines soUichen nit vertrawest zu thiin (sich 

getrauen). 
M. Weisse 306 Wackern. (Weinh. hs. T 93): das wir jmmerdar inn 

dich allein verti'awen (vertrauen auf). 



^) Dazu Böhm. 608 (a. 1346) : dise artikel und virfazzunge (Abfassung). 



187 



Gryph. Ndr. 3 (Horr.) S. 33: wollen wir . . deni Horfibilicrihifax aber 

eine corporaUchafi tragoner . . vertrauen (anvertrauen) *). 
Lath. 9. 653, 24 W. : ?Mstu dich doch im Iiertzcen darzcw vorwilligt 

und eben aulche straff vorwircket. 
H. Sachs 22. 313, 12 Keller: (Piramus) vermaint, ein leb het sie 

(Thisbe) zerissen, und kunt sich änderst nicht v er wissen (nicht 

hin and her wissen, keinen Ausweg wissen). 

Aus den lebenden Mundarten: 

prenss. veraffentalen einholen, erreichen (Frischbier 2, 427), schles. ver- 
danken völlig danken (Weinh. hs. D 9), bair. schwäb. verdacht überlegt 
(Schmeller 1, 485, v. Schmid 115), bair. sich verdenken sich erinnern (Schmeller 
1, 523), Inxemb. verholen im Gedächtnis behalten, verhalt Gedächtnis (Gangler 
466), schwäb. verhausen erwerben (v. Schmid 266), verkönnen können (323), 
Schweiz, verlebe erleben (Staub 3, 971), bair. sich vermügen iXber imstande 
sein (Schmeller 1, 1577), schles. vermögen auf, an Vermögen haben von 
(Weinh. hs. M. 96), brem. holst, vermögen^) wohlhabend, stolz (wb. 3, 179, 
Schütze 4, 304), schles. vermilssen müssen (Weinh.- Palm 102), Schweiz. 
verrechne Rechnung ablegen, anrechnen, berechnen (Staub 6, 125), schles. 
verreichen*) erreichen (Drechsler 208), brem. versinnen aussinnen, refl. sich 
besinnen (wb. 6, 791), pomm. versunnen bedacht (Dähnert 528), bair. brem. 
verschaffen helfen, vollbringen (Schmeller 2, 382 f., brem. wb. 4, 595), brem. 
hamb. prenss. verslaan überschlagen, veranschlagen (wb. 4, 813; 6, 312, 
Richey 258, Frischbier 2, 440), brem. pomm. götting. verwarwen erwerben, 
bekommen (wb. 5, 200, Dähnert 529, Schambach 268), hess. vervndem 
Strafe verschulden (Vilmar 454), bair. sich verwissen bei Verstände, seiner 
Sache sicher sein, unvei-wiset ■ oYkne Bewusstsein (Schmeller 2, 1034), öst. 
sich net faidssn keinen Ausweg wissen (Castelli 125), preuss. sich nicht ver- 
wissen sich nicht Rats wissen, nicht bei Verstände sein (Frischbier 2, 444), 
mir auch aus dem Schles. (Breslau) bekannt. 

Beim Salzwerk nennt man verschlagen „den Kostenanschlag machen" 
(Frisch 2, 190c), verschlag die Untersuchung des Salzes auf den Koten, ob 
man auf seine Kosten kommt (Jac. 4, 526) *). Das Rotwelsche gebraucht ver- 
dienen scherzhaft für „stehlen" (Kluge 389, 413). 

Zur resultativen Gruppe gehören auch die Verba vernehmen 
und versteheny die wir vorzugsweise zur Bezeichnung der Geistes- 
tätigkeit verwenden, vernehmen schliesst sich an das soeben 



*) Das trans. vertrauen ist von der /ra-Type vergeben beeinflusst. 
') holst, vermögen gähn einherstolzieren, vermögen spreken ausgesucht, 
stolz reden. 

*) W. Scherffer ged. 475: dase ihm gelingen möge dergleichen sich zu- 

verreichen. 
*) Mit verschlagen in dieser Bedeutung wetteifert beschlagen (Hittmair 46). 



188 

behandelte verfangen (S. 183 ff.) an. Ausser der lat. Parallel- 
bildung percipio und der got. fairgreipan (S. 14) spricht ein and. 
ganz vereinzeltes fir- (S. 34) dafür, dass vernehmen zur fair- 
Type gehört: 

and. Ps. 18, 13: mis-doM uuie virnimit? delicta quis intelligit? 
Obwohl das -i- aus -e- assimiliert sein kann, bleibt dieses ein- 
zige ßr- doch bemerkenswert, vernehmen wird ebenso wie ver- 
stehen in folgendem Sinne verwendet: „wahrnehmen, merken, 
hören — geistig erfassen, mit Verständnis auffassen, einsehen 
— in besonderer Art auffassen, meinen — refl. verständig, be- 
wandert sein in etwas". 

ahd. Gl. I 606 a fimemet : attendite. 11 669 b firnvn : hauri. 
I 398 a famam firnam uernam : animadvertit. 

I 742a fimemet : percipite. II 461b ferneme : concipio. 

II 272 b fimoman : sentiatur. I 38 Pa. gl. K. farnimu : Intel lego 
0. I 27, 43: ni firndmun sie thia lera^), 

N. II 21, 13 P. : üi fernimo die scripturas die du tneistrotost. 

II 88, 13: kelöbot si Got. das er mih fernömen Itdbet minero 

digi : exaudivit vocem deprecationis meae ^). 
as. Wadst. 49, 27 (Essen, ev.) : Ac famemat : audiet. 
47, 6 (Elten.) : 'famomana : intellegenda. 
Ps. 63, 10: deda «iiia /arnamon ; intellexerunt. 
mnd. Korner 23b: also de Sassen des konynghes keer vornemen (wahr- 

nebmen). 
Korner 56c: unde vmsten dts nicht, dat he grekesdi vornam (ver- 
sieben). 
Lüb. Dodend. 393: bi s. Peter wert ufis oornomen alle, de to jennigem 

State sin gekomen (verstehen unter). 
Lilneb. Chr. f. 172 c : des sachte de ratfi lere vnde anwisinge van wisen 

luden, heren . . de sik rechtes vornemen (sieb verstehen auf). 
Eccles. f. 104 b: we %s de mynsche, de sik vornemet der wegghe 

godes? (dass.). 
mhd. Waltb. 112, 35: verneint dur got von mir diz mcere. 

Warnung 675: nu vernemet dem sclhepfosre Mwci Jusret siniu meßre 

(Gehör schenken)*). 
Parz. 86, 9: din munt ist lohn ze vil vernomen (man bat zu viel Lob 

aus deinem Munde gehört). 



*) Bei Tatian fehlt vemehynen ganz. 

*) Der Gen. der Sache neben dem Akk. der Person ist lokal zu fassen 
als das Gebiet, auf dem die Tätigkeit vor sich gebt. 

') Die Kektion mit dem Dat. ist jedenfalls von den Verben „gehorchen, 
helfen" übernommen, sie erscheint nur im 12. Jahrb. (Erdmann II § 276). 



189 

Er. 2388: er ist an manheit vernomen (berühmt durch). 
Livl. M. 90Ö7: daz er die kraft an im vernam (wahrnehmen, ver- 
spüren). 
Parz. 736, 29 : er hete fünf tind zweimec her, der neheinez des andern 

rede vernam (verstehen). 
Myst. 1. 31, 11: daz dise wort swer sint ze vernemene (begreifen), 
ebd. 109, 30: daz efisal man niht vornemen, daz der engel ein mittel 

gewunne zwischen got und ime (nicht so auffassen, als ob . . .). 
nhd. 1. Mos. 8, 11: da vernahm Noah, da^ das gewesser gefallen were auff 

erden (wahrnehmen). 
Hiob 23, 5: und erfaren die rede, die er mir antworten und vernemen, 

was er uns sagen wurde, 
S. Franck weltb. 57 a: wie auch ein Schwab ein Sachsen oder Nider- 

lender hart vernimpt (schwer versteht). 
Goethe br. 9, 39 nr. 2686 (1788): dasz sich die beyden herren . . über 

diese angelegenheit vernehmen (ins Einvernehmen setzen). 
Schiller 8, 65: vonjeUt an war das gute vernehmen zwischen heyden 

häusem dahin *). 

Im Pomm. good vememen „gut Einvernehmen" (Dähnert 2, 
524); im ndd. wird der Imper. t;ernim ^ adjektivisch gebraucht : 



*) Wie ein nicht unzweideutiges verredeUf verreichen, verschlagen im 
jüngeren nhd. zu verabreden, verabreichen, veramchlagen erweitert wird, so 
vernehmen zu einvernehmen, Verständnis in demselben Sinne zu einverständnis. 
') Kann auch analogische Bildung nach verstand sein. Ähnlich wie ver- 
stand (S. 196 Anm. 3) wird vetmunft gebraucht. Bis ins mhd. stehen sich die 
Formen vernumft und vernunst gegenüber, gebildet wie chumft, zumft zu 
qtieman, zeman und kunst, runst zu kunnan, rinnan. Obwohl hiernach einem 
ntinan eigentlich numft zukommen sollte, ist nunst im ahd. doch weitaus 
häufiger; nhd. fehlt es ganz, 
ahd. N. II 302, 25 P. : keistlicha f er nümist : spiviidAem intellectum. 

II 381, 6: so habet iz die selbun fernümest (Bedeutung), 
mnd. vornuft (vornunft), vomumst (Schiller-Lübben 6, 415 b). 
mhd. remunft, vemuft, verfiunst, vemust (Lexer 3, 190). 
nhd. Luth. 1. 153 W.: die von heller vornunfft und sinnereych vor- 
standts seyn, 
Kant 10, 419: verstand ist die erkenntnisz des allgemeinen; urtJieils- 
kraft ist die anwendung des allgemeinen auf das besondere; Ver- 
nunft ist das vermögen, die Verknüpfung des allgemeinen mit dem 
besonderen einzusehen. 
Zu Vernunft ist im nhd. vernünfteln geprägt worden, wodurch Wieland und 
Kant raisonnieren ersetzen wollten (l)WB. 936). Doch wird es in gering- 
schätzigem Sinne verwandt. Das von ('ampe eingeführte vemunften hat sich 
nicht durchgesetzt (vgl. DWB. 939), ebensowenig ein mhd. vemwnfHgen 
rationari (Lexer 3, 190). 



190 

„klug, verständig, helle ** (brem. wb. 3, 228, Danneil 238); 
preuss. er hat einen guten vernimm „Verstand" (Hennig 289). 
In der Weidmannsprache bedeutet vernehmen „unvermutet wahr- 
nehmen und still hinhorchen" (Kehrein 306). Der Schlesier 
versteht unter sich vernehmen „sich verheiraten" (Drechsler 
197)^); das Schweiz, vememe „übervorteilen"^) (Staub 4, 745) 
ist/awr-Type, wohl auch mhd. vememen in der Bedeutung „sich 
vornehmen, unternehmen" *). vernehmen „aushorchen, gerichtlich 
verhören", das im 18. Jahrh. auftaucht, ist wohl nach verhören 
(S. 64 f.) gebildet worden und dann als /awr- Type auszulegen: 

Adelung versuch 4, 1486: der verhaftete ist noch niM vernommen 

worden. 
Lessing 1, 571: Frandsca, ich glatte, wir werden vernommen. 

vernehmen in nicht geistiger Bedeutung kann fair- (gr. tisqi- 
aiQ€o/aat.^ got. fairgreipan) oder /ra-Type (got. franiman S. 19) 
sein („wegnehmen")*). Es ist nhd. nicht mehr gebräuchlich. 
Häufiger als sich vernehmen „im Einvernehmen sein, handeln" 
ist sich benehmen mit einem „sich ins Einvernehmen setzen" 
(Hittmair 208), aber auch heute veraltet. Dieses fusst auf der 



>) Coler 1649 bei Drechsler Germ. Abh. XI, S. 187 : die aber vngesiheut 
sich mehrenmals vernam, nicht einen schlechten Jdeck der geilen 
lust bekam . . . dasz man manches mensdi kan keiner geilheit zeihen, 
die änderst sich vernimmt (sich zum zweiten Male verheiratet). 
Dieselbe Bedeutung hat schles. sich verttm (mir aus Breslau bekannt), das im 
Leipziger Dialekt „sich an einen Mann wegwerfen" bedeutet (Albrecht 231). 
') B. Mand. 1628: der wirt soll die gest . . nit vememen. 
") Vgl. mhd. vümimen (Lexer 3, 586). 
ahd. 0. V 16, 6: tJwz wöla sie ie firnämin^ ingegin imo gudmin. 
mhd. Livl. M. 8018: d6 er vor Tenceten quam mit dem here, er vernam 
und trat selbe an daz wal. 
*) Doch belegt anord. fymema (S. 19 Anm. 1) hierfür auch eine Type 
faW' I, so dass drei vertreten sind. Dass diese Bedeutung älter und erst 
nhd. aufs geistige Gebiet übertragen sei (DWB. 910), ist nicht zu erweisen, 
ahd. Gl. I 46 Pa. Ra. famimit gl. K. fimimit : abstulit. 

I 90 Pa. famoman, gl. K. fimoman. Ba. farnoman : consumpta. 
I 484 a vimim : sume. I 485 a fimami : caperet. 
I 747 b vimemen : adtractent. 
as. Hei. 762: antthat uurd fornam Erodes thana cuning (dahinraffen), 
mhd. Albr. 32, 57: zwo liefen ir brüder na, unze man sie da vernam (ge- 
fangen nehmen). 



191 

Anschauung „umfassen, zusammenfassen" (ebd. 48, 176), die 
dann leicht das refl. „sich verhalten, führen, benehmen" ergibt 
(200, 208)0. 

Etwas verwickelter als bei vernehmen liegen die Dinge bei 
verstehen, zu dessen Auslegung bisher kaum etwas Befrie- 
digendes vorliegt. Der oft angestellte Vergleich mit gr. enl- 
arafiai ergibt kaum Förderndes^, dagegen bieten sich uns ge- 
eignete Parallelen in lat. intelligere, engl, understandj mnd. 
understen^). Auch auf vernehmen ist hinzuweisen. Der Hinweis 
auf das enge Verhältnis von unter- zu /air- Typen, besonders 
bei Verben geistiger Bedeutung (S. 183 Anm. 1, doch auch sonst 
S. 169 Anm.) mag genügen, um auch in verstehen eine fair- 
Type zuerkennen. Es bedeutet „rings um*), durch und durch, 
mitten in etwas stehen und es dadurch (geistig) beherrschen". 
Welche Type sollte auch sonst in Betracht kommen? faur- I 
und fra- sind als Richtungspartikeln bei diesem Verbum der 
Ruhe ausgeschlossen; denn weder ist mit analogischer Über- 
tragung bei solcher alten Bildung zu rechnen noch liegt ein 
Vorbild vor, das Aulass zur Analogie geboten hätte, f aura- 
kommt nicht in Betracht, da ein aM. forastandan sich nicht zu 
far- far-standan hätte schwächen können; ausserdem ist nicht 
einzusehen, wie man durch blosses Stehen „vor" einem Gegen- 
stande zu seiner Beherrschung gelangen sollte 0. Gegen /awr- II 



>) Vgl. sich verhalten S. 183. 

*) Schon Adelung 4, 1150 zieht dieses heran und erklärt verstehen als 
„vor etwas stehen, einer Sache gegenwärtig sein". Doch ist inCtnafiai selbst 
durchaus noch nicht aufgeklärt. 

') lat. intelligere ist aus inter-legere entstanden, engl, forstandan, dem 
aengl. noch geläufig, wird von understandan verdrängt, so dass es nengl. 
nur noch in den Mundarten sein Dasein fristet. 

mnd. Denscke Kroneke f. D s : do vraghede he na deme State synes vrundes 
T. vnde vnderstunt wol, dat he ghedodet was van A. (merken, 
verstehen). 
Rythm. vorr. zum Ssp. v. 126: sver sich rechtes understeit (var, 

versteif : sich verstehen auf). 
23 hss. schreiben understeit (Menne, Progr. Coesfeld 1903 S. 7). 
*) bestehen (got. ahd. histandan „umstehen'^ vgl. umbi : afi<pt) ist ein- 
mal auch in der Bedeutung „verstehen" belegt (DWB. I 1672): 

Liscov 518 (1739): obgleich er weder latein noch deutsch bestehet. 
^) Daher ist es auch unwahrscheinlich, dass mhd. entstän „verstehen" 



(furx-) lässt sich wenigstens dieser letzte Einwand erheben. 
favT' allein lOst alle Schwierigkeiten. 

Allerdings sprechen für faur- II einige ahd. /wn-Formen 
im Nomen (Graff VI 593, 602 ff.), denen /ar-Pormen zur Seite 
stehn : 

ahd. Gl. II 22f)\i für i Stentida, /is< : ingenium. 

Bened. c. 63 Hatt. I 119: zefuristantUhJuus cUtar : ad intellegibilem 

aetatem. 
ebd. I 39: humaUhhii edo farstantidaf qvLBMtatem vel intelligentiam. 
ebd.: farstantantlihhe muatu ; Intel ligibiles animos. 

Jedoch können wir nach dem Beispiel von firiwizei >furir 
wiezi (S. 15 Anm., 136 Anm. 2) auch hier einen Übergang von 
firistantida > furistantida annehmen. Wenigstens steht dem 
kein Bedenken entgegen, wenn die für die Zugehörigkeit zu 
fair- sprechenden Gründe schwerer wiegen. Hier kommt in 
erster Linie eine auffallige Tatianstelle in Betracht: 
T. 89, 6 : hi hiu ni uir stautet ir : quare non intellegitis. 
Unter mehr als 250 Fällen, in denen der Tatiantext seine 
Normalformeu for- für- anwendet, ist dies der einzige von der 
Regel abweichende, der einzige, wo dem Bearbeiter bei seiner 
wohl bewusst normierenden Tätigkeit noch eine etymologisch 
berechtigte Form unterläuft. In 54 anderen Fällen, wo er sich 
des Wortes bedient, führt er for- fur-stantan durch. Die Glossen, 
in denen nicht ßr-j /er- oder for- Normalform des Präfixes ist, 



(Lexer 3, 590) auf ahd. int- (ant-) zurückgehn und die Auffassung ,sich ent- 
gegenstellen" (Müller-Zarncke 2 If, 581a) vertreten sollte. Dadurch kommt 
man nicht zum ^verstehen". Höchst wahrscheinlich ist vielmehr dieses ent- 
auf in- zurückzuführen : enstän „ in etwas stehen " ; dann passt es zu fair- 
und engl, understand („mitten in etwas stehen"). Für in- spricht ahd. in- 
stantan bei 0., wo unter 7 Stellen (I 1, 119; II 2, 10; III 5, 1; 17, 47; 
IV 15, 23 u. 30; V 12, 45) nur eine einzige ist (I 1, 119), an der zwei hss. 
(PV) int- schreiben, alle übrigen sonst stets instantan. Die Stelle Cgm. 17 f. 
23a (Graff 6, 591; Schmeller 2, 713): entstenter, vemetnenter : jinteUigens* 
kann als jünger dagegen nicht aufkommen. Im mhd. schreibt Wolfram en- 
(einzige Stelle Tit. 19, 3), Gottfried nur en- (Trist. 1078, 10327, 13937, 
14152, 14862, 17682, 17966 neben ver- in einzelnen hss.). Hartmann hat 
im Er. (1232, 6453, 8110) ebenfalls enstän, im Greg. (23, 235 Lachmann), 
den Liedern (Msf. 214, 21) und Büchl. (2, 122 vgl. Msf. 319) entstan. 
Schmeller 2, 713 bezeugt sidi etitsten „wahrnehmen, merken '^ für das Bäurische. 



193 

weisen 6 /r-, 6 /er-, 6 far-, nur 3 /or- und kein einziges /t*r- 
oder fwri- im Verbum auf^). Auch das ist eine auffällige 
Statistik. Das bei T. vertretene /wr- for- hat ebensowenig 
etymologische Berechtigung wie /gr- bei N. und fir- bei 0. und 
Is.*), sondern sie stellen die Normalformen der betreffenden 
Schriftsteller dar (vgl. S. 30). 

Spricht die Lautforra nicht gegen die Annahme einer /air- 
Type, so die Bedeutung entschieden dafür. Zu dieser vgl. 
vemäwnen (S. 188). 

ahd. Gl. I 805 b firstenta : sentientes. II 202 a, firstat : deprehendit. 
II 266 a firstantames : colligimns (fimemames). 
N. I 335, 7 P.: mit Um üzeren sensibus ferstdndin uuir dero üzeron 

äingo '). 
T. 2, 10: forstuontun Üiaz her gisiht gisdh in templo : cognoverunt. 

Gl. I 737 b m farsttiantun : non intellexernnt. 

IV 17 b fersiunt : resipiscit. 
0. IV 12, 45: ni was ihar, ther firstüanti, waz er mit ikiu mmiH. 
Is. 6, 5: c^MZS dhu firstandes heilac chiruni : ut scias. 

Gl. II 768 b uersient eutÄ : resipiscite. 

N. II 395, 22 P.: ir goticha feratqnt iüh iteuuenne : stulti aliqnando 

sapite. 
O. IV 31, 5: gab dnttourti ther dnder ther ferstüant sih ßu mir. 
N. I 356, 6 P.: dSro (wmrMite) sih ioman chümo /erstände äne dSr 

götdiches tinges dnauuürte ist : sed cui vix aliqnis accesserit nisi 

specnlator divini. 
I 2.8, 5: uerstdst tu dih tisses «6^^ : sentisne . . haec? 



^) Eine unbedingt sichere Bestimmung ist nicht möglich, solange ein 
Index za den Glossen von Steinmeyer-Sievers fehlt. 

*) Bei Is. ist einmal die auffällige Schreibung fyr- belegt, die aber 
weiter keinen Rückschluss erlaubt: 

Is. 26, 21 Hench: fyrstant dhiz c^mtmi : intellige visionem. 
Für Is. 5, 5 verzeichnet Graff VI 604 irrtümlich farstant statt firstant 
(Hench). 

") Der Gen. bezeichnet die Berührung des Objekts oder — lokal gefasst 
— das Gebiet, auf dem sich die Tätigkeit abspielt (Erdmann II § 214). Be- 
sonders häufig ist er in der reflexiven Verbindung und erhält sich in dieser 
bis in die heutige Umgangsprache, während er sonst meist dem Akk. 
weicht, sich verstehen eines dinges wird allerdings durch auf etwas ersetzt, 
aber sich versehen, vertrösten, vei'messen, verwutidern eines difiges sind uns 
noch geläufig (Erdmann II §§ 220 ff.). 

Leopold, Die Vonilbe ver- 13 



194 



as. Hei. 4655 : ihat . . alle farstanden, Ihat gi sind gegnungo iungaron mine. 

Hei. 5228: ihe mugun min wwrd farstanden, güobien mimm lerun, 

mnd. B. Y. 2998: Beilin stund hüten , . he rep . . do dit Reinke hadde 

vorstdn, he ginJc üt unde spraJc . . . 
H. V. 1393: ik vorsta des nicht, spreket up dudesch jutoe hicht. 
Chr. d. nordelb. S. 38: de sik vorstunt der wendeschen sprake. 
Eccles. fol. 220b (Sir. 38, 38): se vorstan sek nu^t in dem testamente 

des richtes (non intelligunt). 
Teoph. 529: an papheit krnidik my wol verstan. 
Korner 248a: unde sik wol vorstunt uppe des paweses breve. 
R. V. 4144: ja, ganz wol vorsta ik mi up dat werk% 
mhd. Msf. 172, 30: »wer dienet da mans niht verstdt, der verliuset al Hn 

arbeit (wahrnehmen). 
Msf. 37, 30: sidi hat verwandelöt diu ssit. dojs v ersten ich an den 

dingen (merken). 
Griesh. 2, 139: das er u/ns da mit gmbe ze verstände daz . . . 
Parz. 440, 20: Pa/rgival verstuont do sich daz ez Sigüne wasre, 
Livl. M. 5074: als ich mich an dem pfade versten. 



^) Eigenartig ist das uns heute geläufige sich verstehen auf etwas in 
dem Sinne „bewandert sein in, Kenntnis haben von etwas''. Ehe die Wendung 
in dieser Form fest geworden ist und die übrigen verdrängt hat, schwankt 
sie im mhd. und Frühnhd. zwischen mehreren Präpositionen, die teils die 
sinnliche Anschauung vertreten: sidi verstehen an, in, um, über etwas (mhd. 
mnd. s. oben) „stehen, sich befinden, fussen in . . . .'', teils abstrakte Auf- 
fassung verraten: sich verstehen um, auf etwas (nhd. um : negi] auf schon 
mnd. s. oben). Die älteste und früher häufigste Verbindung ist die mit dem 
instrumentalen Genetiv: sich verstehen eines dinges (vgl. S. 193 Anm. 3). 

Vielleicht ist die Bedeutung „sich verstehen auf^ auch mit Wandlung 
des Sinnes ausgegangen oder wenigstens beeinflusst von mhd. sich verstan 
an, bif mite, von „wahrnehmen, erkennen an, bei, durch, infolge von etwas' : 

Livl. M. 5074: als ich mich an dem pfade versten. 

Walth. 117, 15: ich verstan michs wol an einem site, 

Otte 244: er verstummt bi deme eide sich dojs er . . daz Uhen muoste 
hdn verlorn. 

Greg. 208: hie verstuont er sich mite daz ez ein emest solde s%n. 

Bari. 3, 35: daz ich von einnen mich verstan, waz ich gnaden von 
dir hän. 
Hierher gehören die nichtreflexiven Verbindungen mhd. verstan an, bi, umbe 
(s. oben) und nhd. verstehen bei, durch, unter etwas (S. 195). Bei allen diesen 
Wendungen wird erst ein umfangreiches Material, besonders für das 16. und 
17. Jahrb., entscheiden können, wieweit der Einfluss fremder Sprachen geht 
(franz. entendre par). Die Wendung sich verstehen auf stammt aus dem 
mnd. und ist nach ähnlichen wie sicJi stützen, sich verlassen, vertrauefi auf 
etwas gebildet worden (S. 186). 



195 

Bari. 391, 22: an dem du reinekeit verst&st (merken). 
Myst. 2. 175, 12: also verstät umbe den vater, 

Bari. 402, 29: die hrieMsch kunnen v er 8 tan, 

Bari. 15, 38: mr war verstuont er sich der rede do. 

Nib. 984, 4: da mac man die wdrheit harte schiere U verstän. 

Teichn. 55 : diu heilic schrift st ein vdlung und ein gift, so mans nach 

dem text verstät 
Trist. 4633: swer guote rede ze guote und ouh ze rehte hon verstän, 

Parz. 2, 16: der sich niht versitzet noch vergH und sich anders wol 

verstet 
Er. 3078: der sich des mohte verstän, une sin gemüeie uhis getan. 
Bari. 326, 8: die edeln unt die riclien hänt vil tüitze, in den sie sich 

verstänt^). 
Trist. 7502: der verstät sich wol umbe Kurvenäles sware („weiss, 

welche Bewandtnis es damit hat") ^). 
Chr. 3. 146, 17: schendeten den alten rat und sprachent, sie hetten gsatz 

aber die hantwerk gemacht, darüber sie sich nit versttmden^). 
nhd. H. Sachs Ndr. 198/199 S. 73: von den hob ich drey schöne schwenck 

erfaren. den ersten thOet verston! ■ 
Uhland Volksl. 1, 336 Cotta: wilt ?»u ein wort vor st an. 
Rebhuhn Sus. akt. 5 t. 727 Tittmann: eur bitt ivir habn verstanden 

(Ternehmen). 
Rollenhagen ind. reisen 57: wie toir von etlichen, die zu uns kamen, 

verstanden haben. 
A. öryph. Ndr. 3 (Horr.) S. 43 : und ihm meine grosse gewogenheit zu 

verstehen zu geben. 

Keisersberg Spinnerin 2 a: bei diser gleichnusz v erste es tu aller 

basest, wie .... 
Ji. Sachs Ndr. 193/199 S. 314: der wirt den groben Payren nit verstund. 
A. Gryph. Ndr. 6 (Squenz) S. 18: ihre majestät verstehen den titul 

nicht wol. 
Goethe an Bürger 18. 10. 75 (Goethekalender 1906 S. 63): ich . . werde 

dir nichts sagen und du wirst mich alles verstehen! 

Keisersberg hass im pfeflfer (1511) A 2: bey disem häszlin wOrt ver- 
standen . . . die cristenlich Mrch. 

H. Sachs Ndr. 26/27 S. 13: ir wölt es in gut hie verstahn (auffassen). 

Luth. 1. 273, 23 W.: durch diese drey todten werden verstanden 
nach der lere sancti Augustini dreyerley geschlecfU der sünder. 

Opitz Ndr. 1 (Poet.) S. 5: worunter ich herren Sänfftleben versiehe. 

1) Siehe S. 194 Anm. 

13* 



196 

ebd. S. 30: ein schtoartJses kind, das nicht war toeisz; weil es sich 
wol ohne disz verstehet (selbstverständlich ist). 

Keisersberg anh. mensch. A 8: versteest du dich an trübsal^), 
Apostgesch. 26, 20: da ich mich der frage nicht verstand, 
H.Sachs Ndr.31/32 S.145: du verstehst dich der kue mehr denn ich. 
Flut. 29: als leilt, die sich des wenig verstünden, 
Bocc. 23 (1588): edles gestein, gefaszt und ongefasgt, der er sich wol 

verstund. 
Gretter erkl. d. br. Pauli a. d. Römer 886: aber vmb das Uecht der 

gottesfwrdit vnd frombkeitj verstehen wir vns weniger dann ein 

hindt, 
A. Qryph. Ndr. 6 (Squenz) S. 10: verstehet ihr euch auffs calender 

machen. 
ebd. S. 16: weil ich mich aber . . auff die music . . verstanden. 

Mörike 1, 168 (Hesse, Biogr.): mit Kemer selbst verstand sich 
Mörike aufs beste. 

ebd. 6, 166: das mädchen hatte selber schon an so etwas gedacht^ fedoch 
verstand sie sich nicht leicht daeu, sie (schuhe) gänzlich abzu- 
schaffen *). 

Eigenartig ist die Verwendung des Part. Prät. (S. 184 
Anm. 2)«): 

mhd. Narr. 73, 74: vefstanden Hüten ist predigen guot (verständig). 

Chr. 9. 871, 16: wer üt gelernt ist und verstanden (kenntnisreich). 



^) „sich stehen, sich befinden**. Abgeschwächt ist anch die Wendang 
sich verstehen mit einem; vgl. sich vernehmen mit S. 190. Im Bair. heisst 
guten verstand haben „in gutem Vernehmen miteinander stehn*^ (Schmeller 
2, 767). 

*) sich verstehen zu etwas „sich bereit erklären, zugestehn'' ist wohl 
mit der ahd. Glosse IV 197 a farstando : „addico'' in Verbindung zu bringen 
(vgl. mhd. bestan „zugestehn" Lexer 1, 224). 

') verstand ist als „Einsicht, Verständnis, Auffassung'' belegt: 
ahd. Js. 40, 5 Hench: fir stand endi chidhanc : ( Spiritus) sapientiae et 

intellectus. 
nhd. Luth. 1. 153 W. : die von heller vomunfft und sinnereych vorstandts seyn. 
B. Waldis 3, 49: einpfeiffer wolt fischen gähn, vtul heit gar kein ver- 

st an dt dauon. 
A. Gryph. Ndr. 3 (Horr.) S. 47: dasz ich . . in artem aratoriam ver- 
stand habe. 
Luth. 1. 709, 12 W.: das legen etlich ausz also . . . aber der recht 

verstanndt ist, den sant Peter gibt. 
ebd. 706, 22: diser verstand gefeit mir wol (Auffassung). 



197 

nhd. S. Frank weltb. 66: wer ein wenig verstandner, geUrter oder 
reidier ist. 
U.Sachs Ndr. 193/199 S. 282: der knecht, das vnuerstanden kalb 

(anvernünftig). 
Auch Schmeller 2, 715 führt verstanden „vernünftrg* für das Bair. an. 

verstehen ist in allen Mundarten vertreten. Bisweilen dient 
es zu scherzhaften Redensarten, wie in Berlin: sie haben wol 
'tw schwere verstehste? und verstandez-vous (Meyer 128a), 
Frankfurt: en verstehmerig (verstehdermich) von der sach 
Mwe (Askenasy 39 „Verständnis, Begriff"). Für das Bair. be- 
zeugt Schmeller 2, 715 verstehmich „Verstand", für das Kölnische 
Honig 194b versteiszdomich „Kenntnis, Begriff, Verstand". Das 
brem. wb. 4, 908 verzeichnet versnuff (: verschnaufen) als „Ge- 
ruch, Witterung, Kenntnis": he het daar kien versnuff af. 
Der Begriff des Verstehens, Begreifens, Einsehens hat sich mit 
ver- so fest verbunden, dass auch die Gaunersprache in den 
vielen Bildungen, mit denen sie ihn wiedergibt, stets var-Kom- 
posita anwendet. Dem verstdien lautlich am nächsten steht 
versteunen (Kluge rotw. 476), am weitesten verbreitet ist ver- 
lunschen (ebd. 19, 55, 78, 94), daneben verUinzen (ebd. 4 vgl. 
verlinjsren „verhören" S. 65 dies. Abh.) und verlunscht „ver- 
schmitzt" (137); ferner die Bildungen verämen und veraumen 
(437, 442), verhneisen und verJcneisten (339, 413, 157), vemuppen 
(442), versnüwen (446, vgl. versnuff oben). 

bestehen (S. 191 Anm. 4) und erstehen^) sind in der Bedeu- 
tung „verstehen" je einmal belegt. Sie können von dem Sinne 
„erwerben" aus (Hittmair 179) dazu gekommen oder nur analog 
zu verstehen gebraucht sein. Über entstehen s. S. 191 Anm. 5. 
Das ebenfalls vereinzelt belegte vergehn (as. S. 100) und ver- 
hören (mhd. S. 64) ist schon behandelt worden *). 

1) Während die bisher behandelten /air-Gruppen (vgl. die 
Übersicht S. 163) enge zusammenhängen und ineinander fiber- 
gehn, steht die Gruppe verwandeln vereinzelt da. Sie fusst auf 



') Leys. 5, 14: der möchte sich da b% ersten daz ir herre haz ge- 

sieret were. 
') Auch diese können sehr wohl /air-Typen sein. 



198 



der Anschauung „herum, um, anders'' (umwandeln), got. Be- 
lege fehlen^), 
ahd. Gl. I 812 b firpilidoter : transfiguratus. 
II 660 a firpüidota : transf ormat. 
N. II 263, 12 F.: äne ünsih in se ferhildondo uuir den tödfürhien : 

transf ormando. 
Gl. III 144 a virkerar : tergiversator. 

I 208 gl. K. firuuantalom. Äa. foruuantolom : mutuor. 
IV 167 b uerwandelot : reciprocat. 
N. I 336, 5 P. : tdejmvatio nernüge feruuändelöt uuirden in habitum. 
I 262, 20 F.: »6 dd diu zöuuerlicha hont sie ueruuihselota^ in 
misseliche wdsd : in yarios modos vertit. 

I 494, 9: uudnda iz dnderlichöt ^h ^nero qualitate feruuehselötero 

in dndera uuideruudrUga : alteratnr enim in contraria qualitatis 

notatione facta. 

Gl. I 264 gl. E. firutdhslit : permutat. I 208 £. faruuihsUt pim : mutuor. 

mnd. Livl. Urk. nr. 1602, 4: welk koepman to Novgarden mlver vorgeten 

lett (umgiessen). 

Speg. d. Bonden f. 37 b: die . . ere lote verhuaen (Haus wechseln, 

umziehen). 
Dial. Greg. 234 : den marmesteyn, de vp syne graue lach, verwandelen 

(umwenden). 
Z. d. Berg. Gesch. V. XI, 194: van 247 mudde toe verscheten . , 
ghegeven 2 pont, ende van den roggen to v er wannen ghegeven 
4^« W8t. (mit der Wanne umschütten). 
Westphal. 3, 107: mit vorwender Aan* : reversa manu, 
mhd. verändern ') Ort, Stand, Besitz, Kleidung umändern (Lexer 3, 69), 
verbilden zum Bilde gestalten, umbilden (75), sich verburgem von einem Yon 
ihm weg zu einer andern Herrschaft ziehen (86), vergoten in Gott verwandeln 
(119), verkeren umkehren, umwenden, verwandeln, an andern Ort und in 
andern Besitz bringen, verkleiden, bekehren (140), sich verlegen in sich 
anders legen, sich begeben in (157), vermenschen zum Menschen machen (178), 
verrtden abwenden, verkehren (202), verrücken anders rücken, verschieben 
(206), ver8<^affen*) verwandeln, verzaubern (211), (den poch) versezBen, ver- 
stellen^ verwem^) durch Wehr aufstauend ableiten (227, 250, 304), versilbern 



*) Doch vgl. ai. pdri-sic (umgiessen), gr. n^quaxrifjn ^ \Kt, permiUo, lit. 
per-daryti (umarbeiten). 

*) verwechselHy verkehren hat von Hause aus nicht den üblen Nebensinn, 
den wir jetzt hineinlegen; umgekehrt kann verwandeln ihn haben (Lexer 
3, 294). Im nhd. findet wieder die Bedentungssonderung zwischen den 
Synonymen statt (vgl. die Verba des Sprechens S. 72). 

') verändern ist eigentlich Denominativ: „anders machen*'. 

*) Zu den Verben der Bedeutung „verzaubern" vgl. S. 70 Anm. 

») Vgl. S. 77. 



199 

(den fctin) in Silber, Geld umsetzen (229), versiahen (awert, münze) um- 
schmieden, umprägen (232), verstellen verwandeln, unkenntlich machen (250), 
unverstalt nicht in andere Gestalt gebracht (2, 1966), vertolken verdolmetschen 
(271), veroerwen^) anders färben, entfärben (287), vervleischunge incarnatio 
(288), verwandeln umdrehen, umwenden, vertauschen (293), verwandem ver- 
wandeln (294), verwehsein umwechseln (298), verwursten zu Wurst um- 
arbeiten (315). 

nhd. Lichtenberg 1, 144: das wort gottesdienst sollte verlegt und nicht 
mehr vom kirchengehen , sondern bloss von gtäen handlungen ge- 
hraucht werden (, umlegen", anders anwenden). 

1. Cor. 13, 2: und hette allen glauben, also, das ich berge versetzte 

(anders setzen, umsetzen). 
S. Franck weltb. (1542) 154 a: setzeti sich nider, bald wider auff, vnd 

versetzen sich dreimal (sich anders setzen). 
Kollenhagen ind. reisen 141: man versetzet den alten hdhn mit einem 

newen (umtauschen). 
Opitz (1690) 1, 205: habe ich mich unterwunden hiesige Irojanerinnen 

in unsere spräche zu versetzen (übersetzen). 
Schuppius Schriften 540: die Daphne ist in ein lorbHerbaum, der Jcn(Ae 

Celmus in demant, die Venus in fisdi ver&ndert und versetzet 

worden (verwandeln). 
Col. 1, 13: und hat uns versetzt in das reich seines lieben sohnes^. 
Luc. 17, 6: saget zu diesem maulbeerbaiom, reis dich aus, und ver- 
setze dich ins meer. 
Mörike 6, 304 (Hesse) : wenn gute, vortreffliche menschen . . durch ihren 

frischen geistesodem auch unser wesen in neuen raschen schwung 

versetzten, 
Sperling Nicod. (1719) 2, 90: d^isz sie . . zu den engein versetzet 

worden seyn. 
Goethe 24, 210: ihre anreden, ihr betragen versetzten ihn bald aus 

jeder ungewiszheit 

Garg. (1590) S. 6: Ovids v er staltungen (Metamorphosen). 

Luth. 15. 133, 35 W.: wie sich der teuffei ynn die gestalt aynes guten 

engeis verstellen soll, 
H. Sachs Ndr. 193/199 S. 447: gehe hin, dich zu in gsell vnd dich 

verstell, ob du mir in den tagen machst etlich pringen in die Jkell. 



') Loh. 1287: iuwer stalt sich von ir nie wolt siden breit ververben 
(sich durch Farbe unterscheiden). 

') versetzen in „hinsetzen in* berührt sich mit der /atr- Gruppe ver- 
messen; sich verlegen, versetzen auf ist dort (S. 168) behandelt worden, ver- 
setzen unter (die zahl der heiligen: Adelung im DWB. 1290) möchte ich eben- 
falls in jene Gruppe verweisen. 



200 

Lohenstein Soph. (1689) 65: ein zaubernd weib Jean auch den klügsten 

kapff verstellen^) (entstellen). 
Maaler 434 a verteütschen : transf erre in linguam Germanicam. 
Brentano ges. sehr. 4, 468: dasz sie ihr geld verwechseln und den 

wirih befriedigen sollten (umwechseln). 

Opitz Arg. 1, 579: dies verwandte seine gedanhen in einen zom 

(umwenden), 
ebd. 2, 472: ich will ihre andacht anderswohin verwenden. 
Lessing Em. Gal. 248: das gemälde verwandt gegen einen stuhl lehnen 

(umgewandt). 
A. Gryph. Son. II 8, 1 (Weinh. hs. W 98) : der so des menschen herte, 

eh als man meint, verwendt (umstimmen). 
Mörike 6, 291 (Hesse): oJme ein äuge von meiner arbeit zu ver- 
wenden^) (abwenden). 
Uhland volksl. (Cotta) 1, 72: hoff, glUck werd kummen drein, sich in 

als guts verwenden (sich wandeln). 
Rebhuhn Sus. (Tittmann) akt 5 v. 261: das glück das thut sich bald 

verwenden (dass.). 
ebd. y. 382: da» yhr in euren henden das schwert nicht vnrecht ihut 

verwenden (anwenden). 

Die Wendung verwenden zu stammt auch von hier^): 

Spee trutzn. 309: er thät das brod zum waren fleisch verwenden 

(verwandeln). 
Gretter erkl. d. ep. Pauli a. d. Römer (1566) S. 287: dasz alsdann 

sein strebe geheiliget, vnd jm zu seinem, heil verwendet wird 

(umwenden, umwerten zu). 

Aus den Mundarten und Berufsprachen: 

brem. holst, verbedden (kranke) umbetten (wb. 1, 65, Schütze 1, 77), 
Schweiz, verbilde bildlich darstellen (Staub 4, 1200), verbröte Teig zu Broten 
formen (5, 991), verbucke umbiegen (4, 1142), sich vergliche sich verwandeln 



^) Die Gruppe verbindet damit oft üblen Nebensinn. 

^ Kann auch /ra-Type sein, vgl. ahd. Gl. I 693 a firuuantun : avertebant. 

') Ähnlich mnd. „Mühe aufwenden'^: 

Wism. Zeugeb. f. 179: bedancketh erhes fliUgen arbeydes mid vor- 
Wendens, 
Pauls Erklärung (wb. 515b) „nach einer bestimmten Richtung hinwenden' 
scheint gezwungen und zu gelehrt. Wir werden besser von der Erklärung 
„umwerten'' ausgehn; danach scheint in jüngster Zeit verwerten gebildet 
zu sein: Mörike 4, 169 (Hesse): jetzt werden wir diese gnädigen Zeilen bei 

seiner erlaucht sogleich aufs beste verwerten, 
sich verwenden für einen zeigt den Einfluss der faur- fair -Type vertreten 
(S. 156 f.): Schiller 12, 259: er . . verwendete sich selbst für mich. 



201 

(2, 600), westfäl. vergrosken in Groschen umsetzen, ausgeben (Woeste 291), 
Schweiz, elsäss. verhüse umziehen, sterben (Staub 2, 1742, Martin 1, 385), 
brew. verhüsen umziehen (wb. 2, 677), preuss. verJcantem Ämter tauschen 
(Frischbier 2, 432), Schwab. verJäesen umändern (v. Schmid 314), verkoMen 
(des torfes) in Kohle verwandeln (Jac. 4, 519), verlandung (der buhneti) An- 
satz des Sandes (520), Schweiz, vermöchten Schuldner durch andern ersetzen 
(Staub 4, 69), elsäss. vermünze Geld wechseln (Martin 1, 696), schles. ver- 
pelzen nropfropfen (Drechsler 194) •) , bair. verschaffen verzaubern (Schmeller 
2, 382 f.), Schweiz, sich verschaffe sich in andre Lage bringen (Staub 1, 906), 
elsäss. verschiebe die ersten Zähne wechseln (Vieh: Martin 2, 388), wien. 
berl. versilbern in Geld umsetzen, verkaufen (Hügel 181, Meyer 128 a), elsäss. 
verstecke verpflanzen (Martin 2, 582), köln. verstalt Jujtn sich den Anschein 
geben (Honig 194 b), Schweiz, verstelle Kinder oder Vieh bei andern einstellen, 
Verstösse Schulden übertragen (Staub 1, 906), aachen. vertrecken umziehen 
(Müller -Weitz 248), preuss. verwessein aus der Art schlagen (Hennig 291); 
Weidmann: sich verfärben neue Haare bekommen, verfedem nach Mauser 
wieder Federn ansetzen (Kehrein 303), verhaaren Haare wechseln (304); 
Seemann*): verhalsen Schiff vor dem Winde wenden, verkehrte auflanger, 
kniee, siteer umgekehrte (Bobrik 706b); Bergmann: verlegen (arbeiter) auf 
einen andern Bau legen (Veith 525), verwerfen verschieben, sich verziehen aus 
der Lage kommen (541). 

verschlagend hat die Bedeutung „umschlagen, überschlagen, lauwarm 
werden" (vom Wasser): Schmeller 2, 515, v. Schmid 464, Jecht 118, Scham- 
bach 263 (auch verknicken), brem. wb. 4, 813 f., Richey 258, Dähnert 526, 
Frischbier 2, 440). versetzen bedeutet brem. „umsetzen" (wb. 4, 773), lux. 
versät um-, abgesetzt, entsetzt (Gangler 469), ök. versetzen (der Scheiben) 
umkehren (0 verbeck 85); Gärtner: umsetzen (Jac. 4, 528); Weidmann: 
Haare wechseln (Weber 616); Bergmann: verschieben (Gesteinsmassen), refl. 
aus der Lage kommen (Veith 537); Seemann: verlegen (Anker), um ihm 
bessere Stelle zu geben (Bobrik 40b). verwenden bedeutet noch „umkehren" 
im Schles. (Weinh. hs. W 98), „anwenden, anlegen" im Brem. (wb. 5, 228); 
verwendte nennt der Berliner eine Ohrfeige mit der Rückseite der Hand 
(Meyer 128 b), verwentsknöchelche der Kölner den Musikantenknochen (Honig 
195 a). 



*) W. Scherffer ebd.: so müssen mägdlein drauf verpeltzt in knöb- 

lein sein, 
*) Die Bildung vergasten (: gasten Seeleute, zu bestimmtem Dienst an- 
gestellt) ist mir unklar; vgl. Bobrik 706a: die zeit vergastet j wenn Ebbe 
und Flut gerade im Ausgleich und Wasser im Stillstand ist u^id weder steigt 
noch fällt. 

•) Heyse buch d. freundsch. 223: manchmal zünde ich auch noch auf 
dem herd ein f euer an, da ist es hier recht hübsch verschlagen. 
Vgl. auch S. 89 ff. über die Berührung mit der /awr- Type. 



202 

m) Zu der Bedeutungsgruppe „fiberholen, verwinden" liefert 
fair- in der Anschauung „hinaus über" (in gutem Sinne) auch 
seinen Beitrag. Zu den Ausführungen S. 109 ff. ist hier wenig 
nachzutragen (s. mehr unter fra-), 

mnd. Ostfr. L. R. 1, 123: bo sali de erfnisse hoeren, de se mach vorkneen^) 
(„überknien'', durch Nachweisen eines näheren Verwandtschafts- 
grades erwerben). 

Gerh. v. M. 88, 5: der breden wortelen se (Eiche) genöt, dat se vor- 
stunt vü mannigen stöt, de or de wind vil dicke bot (überstehen, 
aushalten). 

Sp. d. kerst. gel. f. 104 a: mit desen seuenghauen v erste et een mensche 
die soeuen Jioeftsonden (dass). 

Fahne, Dortm. 3, 39, 42: nemant en mach mit bloten Worten gut v er- 
st ain in eins anderen erve (überätehen, zum Nachteil des anderen 
übernehmen), 
mhd. Uschb. 3: den überma^i sol die party vermugen sich der sach gu be- 
laden (überreden, bewegen zu). 

Pass. K. 233, 19: er versaz den smerzen (durch Sitzen „überstehen"), 
nhd. Hagedorn 2, 223: und denkt vielleicht, dose ein verdrüszlich weib in 
monatsfrist viel eigensinn versitze. 

Garg. 140: dasz die natur plötzliche enderungen nit wol verstehet 
und auszharret (überstehen). 

verstehen ist noch in ndd. Mundarten gebräuchlich : he hxn 
eiten goden drunk verstaan (brem. wb. 4, 998), de osse ver- 
steit veer släge (hamb. Richey 285); Schweiz, verwallen (fleisch) 
überwachsen (Stalder 2, 432), gött. pomm. verwassen wachsend 
überstehen (Schambach 268, Dähnert 529: daJt verwasset de 
göre nog wedder). 



Wir gehen nun zu dem ausgedehntesten, dem einen üblen 
Sinn verleihenden /air- übei*. Dieser entwickelt sich besonders 
aus der eben behandelten Bedeutung „hinaus über (das Mass)*'. 
Doch haben wir den Übergang zu üblem Nebensinne bei den 
meisten /air- Gruppen beobachtet. Über die Berührung von 
fair- mit faur- I (bei Verben der Bewegung) s. S. 58, 109 ff., 
127 f. Die hierher gehörenden Bildungen erscheinen bald in 

^) Die Bildung stammt ans dem Friesischen: 
afries. B. 168, 15: thet thi tha lawa nime, therse ur kniaia muge. 



203 

transitiver, bald intransitiver, bald reflexiver^) Form und mit 
besonderer Vorliebe als Partizipialadjektiva. Dieses Ineinander- 
greifen mögen uns die Verba verliegen, versitzen^ verstehen ver- 
anschaulichen. Wer zu lange oder zu viel liegt, sitzt, steht, 
der verliegt^ versitzt^ versteht eine Frist durch Nachlässigkeit; 
er selbst verliegt^ versitzt^ versieht (sich) und „vergeht sich** da- 
durch, so dass er dann verlegen^ versessen, verstanden und zu 
anderem untauglich ist. 

ahd. Gl. in 3a farlegana^) : contaminata. IV 112a verlegen : adolteratam. 
II 433 a itiden vnsuparvn v ar leg an in : spuren (stapra). 
T. 28, 1: ?iabet sia /o r Z «^an a ; moechatus est eam. 
ebd.: ni furligi thih : non moechaberis. 
T. 44, 21 : in ihesemo furleganen cu/nne : in generatione ista adaltera. 

Musp. 33: denne ni küar pamo nohhein de pan furisizzan^). 
as. Uel. 3843: ihiu idis u%ms bifangen an farlegarnessi, uuas iro libes 
scolo (unerlaabtes Beilager, Ehebruch, Hurerei), 
mnd. Serm. eyang. f. 66a: vnse lychatn vormodede vnde vorleghe, wan he 
nene vorhalinghe en hadde. 
V. Bunge, Gesch. d. Ger. W. p. 70: item delbreve, kopbreüe ufid scheding- 

breve kennen nummermer vorliggen edder vorolden, 
Lüb. Chr. 2, 248: de wile se dal vorlegen tmde wolde dat slot ut- 
smachten, reeth greve Gerd . . . (durch Liegen versäumen). 

Wigands Arch. 2, 421 (a. 1451): toe dat vorsete unde versumede, dat 
he syn was (Wachs) bot4en twe jar schuldich bleue . . . 

Magd. Seh. Chr. 326, 16: vorsetene tinse (fällig). 

Münst. Chr. 1, 141: he ey Schede vele anderes geldes van versettenen 
tyden (versäumten Zahlungsfristen). 

Agricola, Spr. 278 (Latend. S. 37): wente de reckadem entslapen vnde 
maken lam, alseme wol by den perden süth, de ere knaken vor 8 tan 
(überstehen, durch zu langes Stehen steif machen). 

Mekl. Urk. nr. 4183 (a. 1320): deden se des nicht, so scolde vns dat 
hw vor st an sin vnd vse rechte gut wesen (durch zu langes Stehen 
verfallen). 

Bothos Ohron. f. 209 : bischop D. koffte wedder Safferde van dene van 



*) Der refl. Akkus, tritt mit Vorliebe bei den Verben mit tadelndem 
Sinne auf, daneben auch bei solchen, die eine Geistestätigkeit bezeichnen 
(vgl. S. 193 Anm. 3). 

*) (sich) verliegen hat bis in mhd. Zeit die besondere Bedeutung : „ ein 
unerlaubtes Beilager halten", ebenso mengl. forliggan (Stratmann 240a). 

») Über furisizzan (firi-?) S. 128. 



204 

Haldensleve, dat 47 iare vor st an hadde cor 4000 m. (verpfändet 

sein um . . .)• 
mhd. Nib. 945, 4: mettine, der diu frouwe Kriemhilt vil selten eine verlac 

(versäumen). 
Gudr. 1349, 2: swer an dem morgen vrüeje gerne welle gesigen, der 

sol sih niM verligen (zu lange liegen). 
Wg. 3936: er verlit sich bi wiben. 

Iw. 2794: (Erec) der sich . . durch vrowen Ernten verlac, 
Pass. K. 442, 39: ob ich in sunden verlegen. 
Iw. 7174: ein verlegen man (in Trägheit versunken). 
Msf. 243, 46: vinde ich loch an verlegener tvcßte (abgelegen, verdorben). 

Iw. 3198: das er verdulte und versae das sie (vingerlin) im ah der 

hant gewan. 
Berth. 494, 16: welich kristenmensche die gröze scelikeit versitzen 

sulle oder tr (Beliehen versläfen oder verligen. 
Nib. 706, 7: war umbe uns also lange den zins versezzen hat ir 

man derst unser eigen (schuldig bleiben). 
Ukn. 138 (a. 1311): der versezzen dienst (durch Sitzen versäumt, 

rtlckständig, schuldig). 
Chr. 15. 29, 11: das schlos Haideck, das ein versessen lehen toas 

(verfallen). 
Walth. 13, 19: wie sin wir versezzen zwischen fröiden nider an 

die jdmerlichen stat *). 
j. Tit. 886: ist ianan solich getiht also ungemezzen, . . der ist an guter 

merke versezzen, 
Parz. 2, 15: der sich niht versitzet nocfk verget und sich anders 

tool verstet. 
Bari. 240, 17: boum gras unde smte: so daz verstät in siner zitj dls 

der ze lange in sldfe lit, so sol er (Wind) ez wecJcen unde wegen 

(nicht vorwärtskommen, ausbleiben). 
Renn. 16928: sin bestez phant verstet 
Gudr. 1149, 4: diu ros, diu sich verstanden heten (hs. erstanden; 

durch zu langes Stehen steif werden). 
Mart. 68: iemer in der helle bruot müezen si verstanden dem tieveH 

sin ze pfänden (verfallen). 



*) Dieses versezzen sin braucht nicht von Hause aus „übel niedersitzen, 
an verkehrter Stelle sitzen" (Lexer 3, 231) zu bedeuten^ sondern kann ein- 
fach verstanden werden als „zwischen den Freuden an kläglicher Stätte 
sitzen", so dass sich erst daraus das „Übel sitzen" ergibt, versessen an etwas 
mit Richtungspartikel fällt uns auf; wir können an engl, to sit down „sich 
niedersetzen" oder an die Vorstellung sich stützeti, verlassen auf etwas 
denken, versessen auf in der Bedeutung „erpicht auf" ist sicher von solchen 
Wendungen übernommen (vgl. sich verstehen auf S. 194 Anm.). 



205 

ükn. 465 (a. 1357): mir ist der selb Weingarten verstanden. 
nhd. Garg. 519 (1590): zum ersten ahlauff seind sie (Franzosen) teuffelischer 

dann teuffei: aber toann man sie erhalten %md verligen lasst . . 

da seint sie weibischer dann weibisch. 
Fronsperger kriegsb. 3, 287 b: ein hauff bessert sich von der arbeit, 

aber von der müszigkeit verligt er. 
Lohenst. Armin. 1, 565 a: weil uns der athem wegen dünnigkeit der 

lufft überaus verlag (nicht weiter können, untätig werden). 
Philander 1, 3: dasz manch ^rlich gelehrter gesell . . sich so elendig 

muse herummer schleppet^ und verligen. 
H. Sachs Ndr. 25/26 S. 134: du hast forthin her in viel tagen gesamelt 

ein inn deinen magen. das ist dir als darinn verlegen (fest- 
gelegen, verstopft), 
ebd. Ndr. 31/32 S. 70: aiuh hob ich vil verlegner war. 
Wieland 19, 7 : wehe dem, der verlegen oder bescMmt oder ungehalten 

wird (ratlos, geniert). 

Lohenst. Armin. 2, 1281: dasz bey so nahem kriege ihre kinder auf 

detn miste versitzen und zu bauem werden müszten. 
ebd. 2, 80: eine versizende oder gar erstickende tugend (aus der 

Landwirtschaft übertragen: sitzen bleiben, nicht aufgehn). 
H. Sachs 1, 94 (1558): ich het mich schier bei jn versessen, meins 

toiderkommens gar vergessen, 
Wencel Scherffer Ged. 556 (Germ. Abb. XI 244): keine, die sich gar 

versessen, darf man mir zum weihe pressen (alte Jungfer). 
Goethe 12, 172: was Jiast du da in höhlen, felsenritzen dich une ein 

schuhu zu versitzen. 
Goethe 13, 90: habt eures Ursprungs vergessen, euch zu sMaven ver- 
sessen, euch in häuser gemauert, euch in Sitten vertrauert^), 
Tieck 3, 17: solch gekrümmtes, versessenes, verstudirtes wesen 

(vom vielen Sitzen und Studieren verdorben). 
Paracelsus op. 1, 1120 C (1616): auch allem gestandenen unr^ ver- 

sesznen hlut von fallen, stossen oder schlegen. 
Chr. Gryph. poet. wäld. 2, 414: so zahlet Portugal die längst ver- 

sessne schulden (überständig, rückständig, fällig). 
P. Flemmig 95 (1651): ich weisz, wie hoch ich dir für dieses bin 

versessen (verbunden, verpflichtet)'). 



^) Eine präpositionale Bestimmung, in welcher Richtung die Handlung 
verläuft, nimmt gerade fair- gerne zu sich (vgl. got. fairweitjan, fairrinnan 
du, und S. 15, ferner vor. S. Anm.). Auch können wir die Entwicklung wohl 
begreifen, wenn wir die obige Stelle bei Lohenstein vergleichen: versitzen 
und zu bauem werden > sich zu bauem versitzen, 

•) eifiem versessen, verstanden wie einem verbunden, verpflichtet, verfallen 
gebildet (S. 139). 



206 

Tieck 11, 246: aber warum warst du denn grade auf das ungeheuer 

versessen? ^) (erpicht auf). 
Frisch 327 c: sich verstehen sagt man von pferden, wann sie eu 

lange stehen und schaden davon hohen, stando et otio cormmpL 
ebd.: sich verstehen, als ein versetztes pfand, foenore consumi. 
Schottel 647b: verstehen, durch stehen lassen verseumen oder ver- 
lieren, also heiszet es Nov. Aug. p. 2 cap. 27: dem gerichtsherm 
von jeder nacht, so lange das pfand ungelöset stehen bleiben, drei 
Schilling Pfennige geben, bis sich das pfand gantz verstehet^), 
A. Gryph Ndr. 3 (Horr.) S. 15: auff dieses pfand pflegt niemand nühts 

zu leihen, es verstehet sieh zu geschwinde. 
S. Frank weltb. 155: das pfand ist verstanden und verfallen. 
Opitz Arg. 1, 601: denen er wegen einer wMthat verstanden war^) 

(verpflichtet). 
Die Bedeutung*) , durch Liegen, Sitzen versäumen' ist noch in Mund- 
arten und Beruf sprachen vertreten : den guten wind verliegen in der Schiffer- 
sprache (Bobrik 707 a); in der Weidmann spräche verliegt der Hund seinen 
Vorteil, wenn er sich gehen lässt (Kehrein 306); versitzen im Bair. „eine 
Frist verstreichen lassen" (Schmeller 2, 348), im Wiener Dialekt „seine Lauf- 
bahn verfehlen" (Hügel 181), im ndd. „versäumen« (Götting. Schambach 266 ; 
Brem.-Nieders. 4, 779 den gerichtsdag versitten, dat spill versitten „nicht mit- 
spielen"; Pomm. Dähnert 2, 526: de tiid is verseten „es ist zu spät"). 



») Vgl. 8. 204 Anm. 

') Analog zu einem solchen sich verstehen (verliegen, versitzen) ist der 
niederdeutsche Rechtsausdruck sich verbrüdem, verscfiunstem gebildet: 
mnd. Ssp. I 17, 1 : sven aver en erve versusteret unde verbruderet, alle 
de sik like na to der sibbe gestuppen mögen, de nemtt geliket dele 
dar an. 
mhd. Kulm. r. 4, 65: ob sich ein erbe vorschwistirt oder verbrüdirt. 
Lexer3, 84 erklärt fälschlich „sich unter Schwestern oder Brüder verteilen". 
Vielmehr mnd. Richtst. Landrecht, c. 23, § 6: na deme dat erve versusteret 
unde verbrüderet si, dat is, dat dar nen suster noch broder 
en si . . . 
Dazu Schottel 646a: es Jteiszet im sachsenrechte, wann sich ein erb ver- 
brüdert oder verschwestert, alle die sich gleich nahe zu dem 
sipp ziehen mögen, die nehmen gleichen theil. eine verschwesterte 
oder verbruderte erbschaft wird alhier genant, welclie zu erben 
weder Schwester nocli bruder verhanden sind. 
») Siehe S. 205 Anm. 2. 
*) In der Verwendung 

Goethe 21, 51: wollt ihr an warmer statte die nadU versitzen oder 
verliegen 
ist versitzen, verliegen entweder /aiV- („durchsitzen, -liegen") oder /ra- Type 
(„sitzend oder liegend verbringen"). 



207 

Das intr. verliegen gebraucht man im Bair. von der Stimme, die Tersagt 
(Schmeller 1, 1460), in der Weidmann spräche von der Hündin, die man nicht 
zum Hunde lÄsst (Kehrein 306), in der Hüttenspracbe von einem Betriebe, 
der nicht ordnungsgemäss erhalten wird (Yeith 530); das refl. bedeutet da- 
selbst „nicht vorwärtskommen, das Unternehmen aufgeben müssen" (ebd., 
Jacobsson 4, 521). versiteen bedeutet im Bair. „im Ausstand bleiben, alt werden" 
(Schmeller 2, 348), im Preuss. „steif werden, nicht vorwärts kommen" (Hennig 
291; Frischbier 2, 441: die Brauer haben zwei-, dreimal veraessen, wenn sie 
das Jahr über ihre volle Zahl nicht ausbrauen können); das refl. sich ver- 
sitzen sagt man von alten Jungfern im Bair. (Schmeller ebd.) und Wiener 
Dialekt (Hügel 181). Das intr. verstehen hat im Schweiz, den Sinn „zurück- 
bleiben" (Staub 1, 906), das refl. im Schles. „alt und faul werden, abstehen" 
(Weinh. hs. S 430). Die Berg- und Hüttensprache gebraucht verstehen im 
retardat „verfallen" (Veith 539). Das Part, verlegen bedeutet im Schweiz, 
„abgestanden, verjährt, müde" (Staub-Tobler 3, 212), im Pomm. „bekümmert" 
(Dähnert 2, 523). Eine scherzhafte Übertragung liegt vor, wenn die Studenten- 
sprache und die Frankfurter Mundart „Verlegenheit" mit verlag wiedergibt 
(Kluge stud. 132, Askenasy 50: toas e verlag I). versessen „verschuldet, ver- 
jährt, verfallen" bezeugt Weinh. hs. S 342 für das Schles. verstanden „ver- 
pflichtet" hat ein älteres bestanden neben sich (Hittmair 246). verstanden 
„überständig, verfallen" ist im Schweiz. (Stalder 2, 391) und Bair. (Schmeller 
2, 715) belegt. Zu sich verliegen „sich dem Liebesgenuss hingeben" gibt es 
ein trans. Seiten stück in beliegen „begatten". 

Im Zusammenhang behandle ich zunächst die Transitiva 
mit der Bedeutung „durch Übermass schädigen*' und „einbttssen, 
verfehlen"*). Die Verba des Sinnes „verbrechen" und „ver- 
führen" sind schon S. 128 f. behandelt worden, ahd. und as. 
Belege sind nicht mit Wahrscheinlichkeit nachzuweisen. 

mhd. a) „durch Übermass schädigen" : 

verbuwen durch Bau schädigen (Lexer 3, 87), -dürkeln durchlöchern 
(102), 'hacken (walt) ausholzen (122), -houwen aushauen, verletzen (132), 
•jagen durch übermässiges Treiben schädigen (137), -loben übermässig loben 
(166), -niesten übermässig mästen (178), -nagelen durchnageln, beschädigen 
(184), -namen durch zu häufiges Nennen missbrauchen (185), -rennen (ros) 
überhetzen (201), -riten zuschanden reiten (205), -rünen (mit steinen) bewerfen 
(208), -salzen durch zu starkes Salzen verderben (210), -schainen beschämen 
(213), -schellen übertäuben, betäuben (214), -schrien durch zu lautes Schreien 



*) verlieren, versäumen selbst sind /ra-Typen. überhaupt ist es bei den 
meisten der angeführten Bildungen nicht ausgeschlossen, dass sie auch auf 
fra- zurückgehen können (vgl. dieses weiter unten). Über die Berührung mit 
faur- vgl. S. 202 unten. 



208 

verderben (219), -schüren durch Hagel verdorben (221), -senen abhärmen (226), 
'Sniden falsch zuschneiden (239), -spitzen zu spitz machen (245), -stumpfen 
zu stumpf machen (256), -suiiem im Kochen tiberwallen lassen (260), -svceUen 
aufstauen, verderben (261), -touben betäuben (272), -iriben (ors) überhetzen 
(275), -trinken {die sinne) durch übermässig Trinken stören (276), -vluoten 
überschwemmen (289), -weinen (ougen)^) durch übermässig Weinen verderben 
(298), -welzen (lop) durch zu viel Wälzen verderben (299), -wmen verwöhnen 
(301), -werfen (mit steinen) bewerfen (303), -werzeln verwirren (305), -wezzem 
durch Mischung herabsetzen, -wibefi efFeminare, verweichlichen (306), -zerten 
verzärteln (318). 

b) „einbüsseii, verfehlen" (vgl. die /aur-Bildungen S. 129f.): 

verbrechen als Strafe verwirken (Lexer 3, 82), -burn, -beeren verwirken 
(3, 86; Nachtr. 390), -grifen fehlgreifen (3, 120), -jceren*) Jahr versäumen 
(137), -keren verdrehen (140), -legen^) an unrechten Ort legen (156), -lüzen 
versäumen (172), vermachunge Verwirkung (173), -mezzen falsch messen, ver- 
fehlen (178), -nücken durch Einschlafen versäumen (189), -rüemefi durch 
Prahlen verscherzen (207), -scBJen umsonst säen (206), -satzen versitzen 
(Nachtr. 393), -scherzen verscherzen (215), -schulden, -soln, -schein verwirken 
(220, 241), -scfiuldern durch Spiel verlieren (221), -släfeti*) schlafend ver- 
säumen (231), -spcsien, -späten versäumen (243), -spün verspielen (244), 
-swem falsch schwören (262), -vailen verfehlen (283), -vellen trans. zu ver- 
vallen verlieren (286), -vrevelen einbüssen (290), -waJn beim Kegeln ver- 
lieren (293), -wandeln^) zum Schlechten wandeln (294), -wehsein verwechseln 
(298), -wenden auf verkehrte Art betreiben (301), -wetten durch Wette ver- 
lieren (306). 

Die nhd. Bildungen der trans. Gruppe % und besonders die 



*) nhd. Qoethe 2, 61: v er weine mir deine schönen äugen nicht. 

*) Swsp. L 2, 76: ob der herre den man schuldegöt, daz er sin guot 

verjeret habe. 
«) Vgl. S. 85, 127. *) Vgl. S. 128. 

*) den lip, daz leben verwandeln (sterben), den sin (den Verstand ver- 
lieren); verwandelwige der sprädien (babylonische Sprachverwirrung ebd.). 
•) Von interessanten Belegen sei angeführt: 
Schönaich ästhetik 55 (Köster): ihn im elend zu wissen, v er säurte 

nur Jacobs betrybnisz, 
Felsenb. 4, 241 : dasz wir . . dieses gespräch, wie man zu sagen pflegt, 
bald wieder verschwatzten und fast gar nicht weiter daran 
gedachten. 
Musäus physiogn. reisen 2, 125 (1788): er, der schweber, idealisierer, 

verschwebt, veridealisiert Jeden zug (durch Übermass). 
Irrgarten 559: so geschaJh es, da^'iz icli viel voti demjenigen, was ich 

schon gelernet hatte, verschwitzte, 
üarg. (1590) 189: wer sich zu viel waget, wagen und ross ver waget. 



209 

freieren mundartlichen Schöpfungen^) sind so zahlreich, dass 
sie im Rahmen dieser Arbeit nicht vorgebracht werden können. 
Nur von Bildungen Goethes sei hervorgehoben: 

13, 127: mchts verlindert und nidits verwitzelt^ nidits verzier- 
licht und nichts verhritzelt. 

Elsäss. verschäUe gött. verschatten durch Schatten schädigen, 
aus Mangel an Licht umkommen lassen (Martin 2, 443, Scham- 
bach 261) bietet ein trans. Seitenst&ck zu den mannigfachen 
Intrans. nach dem Muster verkümmern. 

An intrans. Bildungen dieser Art sind die jüngere Sprache 
und besonders die lebenden Mundarten reich und von anschau- 
licher Eigenart. Wir fühlen zugleich ein inchoatives und effek- 
tives Moment aus ihnen heraus; zu dieser Funktion ist vor- 
züglich fair- (neQi- per-) befähigt ^). 

ahd. Gl. I 86 Pa. faraUet. gl. K. firaltet : cariosos. 

N. I 152, 23 P.: übe sie (herskefte) f&re dlti ferbltchent : desinunt 

splendere. 
Gl. III 233 b ihferboson, ich /erbose : depravor. 

I 76 Pa. Ra. fardorret. gl. K. firthorret : contabescit. 

T. 71, 3: bithiu sie ni habetun wurzaliln fürthörre tun : aruernnt. 

Gl. n 291h furihartit') : obdurescit. 

N. II 363, 19: mit ferhartemo herzin : obstintito corde. 

II 136, 13: ferheiletiü tmumda füUta. unde tnuird drgera . . 

danne si fore utiäre. 
Gl. n 436 b versniegun perga : ninguidos (Pyrenas : überschneit). 
Gl. III 249b ich ferstabun, ich v er stab e : ohstipeo. 

II 198 b firwesenet : ^nescit. — IV 165 a ferwiteweter : YidnsiXvLS. 
N. n 98, 22 P.: ich sah feruuuöte unde suant : insensatos. 

as. Hei. 5679: uuas imo iro sUdi hugi . . farhardod an iro herten. 
mnd. Eccles. f. 98 a: also dat he dat (Uni) in der boisheit let vorbomen 
vndt vorolden („verbaumen, verholzen", hart werden). 



^) Bei der Wortbildung in den Mundarten sind onomatopoetische 
Strömungen za erkennen; vgl. die Ausdrucke für ,, verzärteln '^ im Schweiz.: 
verbäbele (Staub 4, 919), -bibdbele (920), -bänsele, -bänzle (1393), -bibdrpele 
(1598), 'bdrtsele (1617), -bäscheU (1760), -bittele (1909), -bäuwle (1945), 
-poppde (1428), -gögeU (2, 154), -göggele (178), -gäggele (169), -häggele (1098), 
-häscheU (1753), -hötscheU (1799). 

*) Über die Ausdrücke vgl. S. 20. 

') furi- wohl für firi- (vgl. S. 1.%). 

Leopold, Die VorsUbe ver- 14 



210 

Sudend. 9, S. 297, 2 (a. 1403): an eynen olden hreff, de voriarei 

unde vordaghet is (über Jahr und Tag aogestanden, ungültig). 
Chr. d. nordelb. Sachs, p. 109: dar se (Leichname) vormadeden, 

vorvuleden vnde vorrateden (von Maden zerfressen werden, 

verfaulen, verrotten). 
Gryse, Speg. f. Oo : gelyckwol toülen se hy vtUlem voder Hunger steruen, 

vormucklen vnd vormiszquemen^) (in Ungemach kommen und 

nicht fort können). 
Bothos Chr. f. 264: ok so toas eyn nat somer vnde vornatede kome, 

gras vnde wische (vor Nässe verkommen). 
N. Gryse, L. B. fr. 27: dat se vorquinen, htmgerich vormageren 

vnde smachtich vorkagen vnde vordSrren (hinsiechen). 
Ndd. Rechtsb. f. 71b: dar inne he vorstenken mochte (vor Qestank 

umkommen). 
Weist. 3, 317 : wanner einer land hedde, daruan wes tho nickte queme, 

alsse dat idt v er flöte edder sonst mit Steingrande befloten worde 

(von der Flut überspült werden). 
Besühriv. v. d. kunst d. seef. p. 19: alz gy willen eine schueffrose ge- 

brucketi, dar de natel offt drat vorwestert (zu weit nach Westen 

ausschlagen : Deklination). 

mhd. veraffen, -effen töricht werden (Lexer 3, 67), -cdten (68), -argen, 
-armen, -baldeti verwegen werden (70), -bleichen, blichen (11, 78), -bUtiden 
(78), -bluoten*), -bösen, -bcesen (79), -dorren (97), gecken uf*) närrisch sich 
versteifen auf (111), -gelwen, -güwen vergilben (112, 118), -genzen ganz werden 
(113), -gramen gram werden, -grasen*) von Gras überwuchert werden, -gräwen 
alt werden, -grüenen grün werden (120), -gurren (gurre: Stute, schlechtes 
Weibsbild, 121), unverhagelt^) (2, 1955), -härmen*) vor Harm umkommen 
(3, 125), -horsten, -Herten hart werden (125, 129), -heilen (126), -hülzen^ 
mit Holz durchsetzt werden (Nachtr. 392) , -hungern^) (3, 134), -irren irre 
werden, -itelen wirkungslos werden (136), -jären^) verjähren (137), -kaUen. 
-kargen karg werden (139), -kindischen kindisch werden (144), -krumben, 

^) vormissquetnen ist aus franz. mesquin gebildet worden. 

*) Pass. 76, 43: der von toufiden swcere verbluotet wtere. 

') Hans 1129: daz wir üf disse erdsche plonder sus rechte gar v er- 
gecken. Zu der Konstruktion vgl. S. 221. 

*) Mart. 54, 220: dei* stßlden wec was in v er w äset, der rehte geloube 
was in vergraset. 

^) j. Tit. 3756: swer nach siner girde im selber donret, der mac wol 
behalden allen sinen bow unv erhagelt. 

•) Frl. 357, 4: si liez mich gar v er härmen. 

') j. Tit. 284: dirre walt was über al verhülzet ufid versteinet. 

*) Martyr. Ib, 80: in dem kerkere vorhungern. 

•) S. Gall. stb. 4, 802: swenn der zins verjdret, daz man dann dar 
über riht als umb sieht geltschult (überständig werden, verfallen). 



211 



-krvmmm, -lamm erlahmen (149, 152), kumen gebrechlich werden (150), 
'lecken vertrocknen (156), -miesen^ -woscw') verwachsen (180, 181), 
-moderen, -müeden (181), -nahten^) übernächtig werden (184), -narren 
närrisch werden (185), -queln vor Qual vergehn (194), -guinen dahinschwinden 
(195), -rasten zu lange rasten (196), -rosten (205), -roten putrescere (206), 
-Schalken zum schale herabsinken, verkommen, -sclMln schal werden (211), 
-sdiamen, -scheinen in Scham versinken (212), -schämen verschimmeln (215), 
-schiuhen, -schiuwen scheu werden (217), -schrinden*) von Rissen durch- 
zogen werden, bersten (219), -siechen (227), -släfen, slcsfern (231), -slemmen*) 
verschlämmt werden (233), -snitoen, -snien^) einschneien (240), -soren ver- 
dorren (242), -starren, -steinen starr, zu Stein werden, -steinen^) von Steinen 
durchzogen werden (249), -stocken (252), -storren steif werden (253), -stüden'^) 
von Stauden überwuchert werden, -stwnmen, -siumbett (255), -suren, -siuren 
versauern, -swachen schwach werden (260), -swellen übel anschwellen (261), 
-swem zusch wären (263), -swiln^) schwielig werden (264), -tiuvelen ver- 
teufeln, -toben übermässig ins Toben geraten (270), -tören üf^ närrisch er- 
picht sein auf (271), -töten absterben, -touben taub werden (272), -truckenen 
(276), -tuniben, tumtnen verdummen, verstummen (278), -tiuszen, -dusdien, 
-tüsdien betäubt werden (279), -iwälen zurückbleiben (280), -vulen verfaulen 
(291), -wasen^^) vergrasen (296), -weisen verwaist werden (298), -wilden 
(307), wintern ") vom Wiuter überfallen und zugrundegerichtet werden (310), 
-witewen zur Witwe werden (312), -tciieten ndch^^j rasend werden vor Ver- 
langen nach (314), -zagen^^) (315). 

Währeud die meisten denominativen Bildungen besagen: 
„in den durch das Stammwort ausgedrückten Zustand eintreten 
(inch.) und darin bis zum Übermass (und Ende) fortschreiten 



*) Mart. 57, 67: ir wege und sHge sint vermieset. 

Wartb. 30, 7: din herze ist dir vermoset. 
*) Kulm. r. 3. 2, 10: ab ein man gewundet wirt und dt klage vor- 

nachtet (übernächtig werden, die Geltung verlieren). 
•) W. V. Rh. 147, 13: «Ine vüese wären v er sehr und en. 
*) Bu. 147 (a. 1334): der grabe vorslemmet was. 
*) Just. 361: wan bces weter und sne in fiel, entsaz man, das man im 

lande möhte versntgen. 
•) Vgl. S. 210 Anm. 7. 

') Weist. 5, 205: der die acker last verstüden. 
*) Pass. 261, 76 : unz im daz vleisch verswilte harte groz vor sinen knien. 
») Flore 3767: swer vertöret üf diu wlp. 
>«) Vgl. S. 210 Anm. 4. 

") Teichn. A 207a: ez wirt noch verwintert gar. 
**^ Msh. 1, 30a: icti verwüete nach ir güete. 
") nhd. Uhland Volksl. 1, 272 (Cotta): uolt keiner an herzog Christof 

verzagen. 

14* 



J12^ 

(effekt.)", schimmert in anderen fair- in seinen verschiedenen 
Bedeutungen hindurch und erzeugt dadui^^h einen eigentfimlich 
schillernden Sinn, der diesen Prägungen besonderen Reiz 
verleiht. 

mhd. (nhd.) ver/aren, t?eniacÄfen, vertagen zeigt fair- in der 
Anschauung „hindurch"- und „darüber hinaus"-bleiben und da- 
durch Schaden leiden. Hierher gehört mnd. vortoestem „durch 
die Westrichtung hindurch und darUber hinaus ausschlagen', 
von der Kompassnadel gesagt (vgl. S. 210). Besonders reich 
ist der Zweig mit dem Sinne „von dem, was das Stammwort 
sagt, durchsetzt, überzogen, verwirrt und beschädigt werden" 
(vgl. S. 210 f. u. Anm.) wie mhd. verschrinden, verswün — ver- 
grasen, verhüben, vermiesen, vermosen, verslemnien, versteinen, ver» 
stüden, verwaseti — verhagdn, versniwen, mnd. vamaten. vorvlaien; 
endlich frei in übertragenem Sinne „von etwas überrascht, 
heimgesucht und zugrundegerichtet werden" wie mhd. verbluoten, 
verharmen, verhungern, vertvintem, mnd. vormaden, vorstenken. 

Von den Denominativen der einfachsten Art (vgl. oben) 
weist das nhd. eine Unzahl von Bildungen auf, die hier nicht 
vorgeführt werden können ^). Zu der letzten Art gehören ausser 
den schon mhd. belegten Bildungen noch nhd. verdursten^ ver- 



^) Frenssen HiUigenlei 527: die achUmme wunde, welche Hie heimai 

schuf, will vernarben, 
Augsb. allg. Zeitg. 1866 S. 50.54 a : auch der proiestanHamus itoftn, 

wie alle weU weiss, versimpeln und verknöcherfi. 
Rod. Benedix Shakespearomanie 426: ohne ihre eigenen diditungen 

. . toürde ja das volk geradezu versumpft sein, 
Liliencron Poggfred 1, 174: und miüeid hatt ich mit dem armen 

ding, das hier vertrauern muszte und versauern. 
Frenssen HiUigenlei 507 : dessen seele da oben in der stillen heide in 

gefahr gewesen war, in dämmerung zu verträumen oder in Un- 
ruhe zu veriiren. 
Cioethe 19, 63: die verunglückte geseüschaft 
Brentano ges. sehr. 3, 74: nur dass man die steme heller sdie auf 

der berge gipfel, lasset ihr euch selbst verwettemd euren trüben 

Schwall verwittern. 
Pauli schimpf 154: ich teil dein nit verzagt sein. 
Bielschowsky Goethe I *, 154 : der oberste deutsche gerichtshof steüte 

einen verstaubten und verzopften mechamsmus dar. 



213 

eitern, verknöchern, verkümmern, verlausen^ vernarben, verregnen, 
versanden, verschüfefi, verschimmeln, verschleimen, verschneien, ver- 
schwären, verstauben, versumpfen, vertrauern, verträumen, verun- 
glücken^ verwässern, verwittern, verzapfen u. ähnl. 

Za dieser fruchtbaren Gruppe sind viele eigenartige, oft 
sehr freie Neubildungen analogisch geprägt worden^): 

Brockes 3, 641: die unsrigen . . . wird man dort nad^ einem langen 

schaiden verhim^nelt wieder sehn^ 
H. Heine Ratcliff 46: erde^ v er nachte und verschlinge mich (etwa: 

,mit Nacht bedecken, in Nacht versenken *'). 

Aus den lebenden Mundarten und Berufsprachen: 

weidm. verangem (wald) zum Anger verwildem (Heppe 374), schles. 
verhangen vergehn vor Bangen (Weinh. hs. B 14), Schweiz, verhaumef gött. 
verböämen, holst, verboomen (kom) banmig werden, verwildem, vermodern 
(Staab 4, 12ö6, Schambach 260, Schütze 4, 301), brem. verblecken von der 
Sonne ansdörren (wb. 1, 99), elsäss. verbluete, österr. fabluatn, westerw. ver- 
bhUen*) das Seinige einbttssen, finanziell erschöpft sein (Martin 2, 172, 



') Die Presse pr&gt Aagenblicksbildangen mit Vorliebe: 

Bresl. Morg.-Ztg. 8. 3. 05: toteaeelen, in welchen die liebe verfilzt^ 

die hoffnung versäuert, der humor vergrünspant 
Deutsche Monatschrift Jahrg. 6 S. 406 : die zeit klagt, dass die weit 

vergreise, 
Arno Holz Daphnis (1904) 105: dein Bwrdeau (Bordeaux) wach uns 

froh! soll er dir verkellern? (im Keller verderben). 
D. V. Liliencron kämpf n. spiele 89 : vor . . jähren ist hier . . an gift 

verleibweht ein süszes Klärchen (an Leibweh zugrundegehn). 
Jugend Nr. 23 (1904) S. 464: Würzburg ist verjudet, verprote- 

stantet, vernorddeutscht. 
Zeitschr. d. allg. dtsch. Sprachvereins 1906 S.321 : das verpreusselnde 

Frankfurt. S. 328: die verwelschung Südtirols. 
Bresl. Morg.-Ztg. 1. 7. 1905: die verweiblichung der Volksschule 

— die verkirchlichung der volkssdiuie. 
Lehmann-Hohenberg naturwiss. u. bibel S. 87: wdtvertrustung, 
*) Meist trans. gebraucht „in den Himmel erheben* (bildlich): 

Wieland 32, 440 : da sah ich . . diese olympische queüe den irdischen 

boden verhimmeln, 
Schönaich ästhetik (Köster) 118: wenn er die niedrigsten ha$idlungen 

auf diese art verhimmeln si^t 
Ähnlich Lohenstein Armin. 2, 866: dasz beide dar v er s lernt sollen 

sein („zu den Sternen erheben"). 
') Schmidt 289 (westerwäld.) leitet verbluten von ndd. blut als „bloss 
werden" ab; doch kann es auch vom schriftdeutschen verbluten (S. 212) ttber- 



214 



Castelli 121, Schmidt 289), leipz. verdreckerfi schmutzig werden (Albrecht 
228), Schweiz, verdrijäre nach drei Jahren verfallen (Staub 3, 66), brem. ver- 
dummem dumm werden (wb. 1, 270), gött. verdumpen (pflame) zurückbleiben, 
verelennen im Elend untergehn (Schambach 261), schles. verfahren überfahren 
werden (Weinh. hs. F 18), verf eigen zaghaft werden (44), brem. verjiauen im 
Eifer nachlassen, schal, ohnmächtig werden (wb. 1, 407), Schweiz, vergande 
von Felsenschntt überdeckt werden (Staub 2, 337), lux. vergeeschteren Geist 
werden, sterben (Gangler 466), ökon. vergrasen sich mit Gras überziehen 
(Weber 612), Schweiz, vergräwe grau werden, verschimmeln (Staub 2, 833), 
Schweiz, österr. vergrinde schorfig, hartnäckig werden (Staub 2, 769, Hügel 
179), ök. verhageln durch Hagel beschädigt werden (Weber 613), holst, ver- 
haidet verdurstet (von der wasserarmen Heide übertragen, Schütze 4, 303), 
Schweiz, verfiarze sich mit Harz überziehen (Staub 2, 1656), gött. mansfeld. 
altmärk. berl. verhimmeln vor Schmerz vergehn ; sich geberden , als ob man 
sterben müsste; in den Himmel kommen, sterben (Schambach 262, Jecht 117, 
Danneil 238, Meyer 126 a), Schweiz, verhindere zurückbleiben, dahinterbleiben 
(Staub 2, 1419), verhine (hin) hinschwinden, verloren sein (1, 910), verhocke 
Schweiz. elsä|s. schwäb.*) österr. liegen bleiben, verkümmern, durch Sitzen 
verderben (Staub 2, 1124, Martin 1, 318, Hügel 179), ökon. verhometi (ge- 
treideJcömer) nicht aufgehn (Allg. Haush.-Lex. 569), Schweiz, verhumme (hum) 
erschrecken, verstummen (Staub 2, 1296), gött. verhussen in Gärung übergehn, 
sauer werden (Schambach 262), Schweiz, verjdmere ins Elend geraten (Staub 
3, 42), westfäl. verkäwen (hawer) verhülsen (Woeste 292), schwäb. verkeckt 
keck werden, Mut fassen (v. Schmid 308), hess. verhUlen vor Kälte erstarren 
(Pfister 128), Schweiz, verchime, verchime'^) sich verschlucken (wenn ein 
Keim oder Kern in der Kehle stecken bleibt, Staub 3, 262, 469), verchinde, 
köln. verkindschen im Alter kindisch werden (Staub 3, 3ö0, Honig 192b), 
preuss. verkrauten (teich) von Kraut überwuchert werden (Frischbier 2, 434), 
schles. preuss. verkrummen, verlahmen (Weinh. hs. K 260, Frischbier 2, 434), 
pomm. verlamen erlahmen (Dähnert Ö23), Schweiz, verchugele sich überkugeln 
und beschädigen (Staub 3, 187), elsäss. verlagere durch Liegen verderben 
(Martin 1, 571), hrem. verlostem entarten, verwildern (wb. 1, 60), westerw. 
frankf. verlechen austrocknen, verdursten (Schmidt 302, Askenasy 134), leipz. 
verliedem, -ludern, mansfeld. verUdem, -lüdeni, gött. verludern verkommen 
(Albrecht 229, Jecht 118, Schambach 264), hess. verlockeln leichtfertig werden 
(Pfister 168), Schweiz, verlumpe bankerott werden (Staub 3, 1281), preuss. 
verluntrussen herunterkommen (Frischbier 2, 435), schwäb. ver magern ab- 
magern (v. Schmid 370), bair. vermalzen (kam) in Feuchtigkeit verquellen, 



tragen sein. Gött. verblaueti (Schambach 259) ist wohl die ndd. Form dafür, 
und Schütze 1, 112 leitet dann holst, verblauen fälschlich von blau (gblau 
werden") her. 

^) Mörike (Hesse) 3, 186 : mein mühibacfi trocken, das werk im stocken, 
blieb aües verhocken. 

*) bair. sich verkimen dass. (Sohmeller 1, 1294). 



215 

malzig werden, nicht anfgehn (Schmeller 1, 1596), Schweiz. Schwab, vermübe^) 
von Milben zerfressen werden (Staub 4, 223, v. Schmid 385), Schweiz, ver- 
miese von Moos überwuchert werden (Staub 4, 469), pomm. preuss. vermis- 
quemen, -quimen *) (preuss. verquinen) vor Dürftigkeit nicht fortkommen, sich 
aufzehren (Dähnert 524, Frischbier 2, 436, Hennig 290), preuss. vermuibaren 
Mut verlieren (Frischbier 2, 437), schles. vemarren starr werden vor Staunen 
(Drechsler 184), Schweiz, veimackte von der Nacht überrascht werden (Staub 
4. 662), vemusse {nuss) vergeblich sein (4, 830), altmärk. veroUem veralten 
(Danneil 239), preuss. verprachem verarmen (Frischbier 2, 438), brem. preuss. 
cergud:en (acker) von Quecken durchsetzt werden (wb. 6, 242, Frischbier 2, 
438, AUg. Haush.-Lex. 576), westfäl. verripen durch Reif zugrundegehn 
(Woeste 294), schles. verrustem verrosten (Weinh. hs. R 121), versauern bair. 
(getreide) durch Nässe leiden (Schmeller 2,321), preuss. {mann ohne weih, 
weib ohne mann) verkümmern (Hennig 290), aachen. verschale schal werden 
( Müller -Weitz 255), preuss. verschalken sich zu mutwilligen Streichen her- 
geben (Frischbier 2, 439), ökon. verschlemmte wiesen schlammüberzogen (Allg. 
Haush.-Lex. 577), preuss. verschlicken sich mit Schlick überziehen (Frischbier 
2, 440), bair. verschliert schlammüberzogen (Schmeller 2, 533), elsass. ver- 
schlösse von Schlössen beschädigt werden (Martin 2, 475), hess. verschrumpeln 
einschrumpfen (Vilmar 370), schles. verschwarzen ^) dunkel werden (Weinh. 
hs. S 269), weidm. verschweissen (wild) durch Schweissverlust enden (Kehrein 
309), berl. verschwüeen*) schweissig werden (Meyer 128a), gött. versommem 
durch Sommerhitze zugrundegehn, verstarren erstarren (Schambach 267), 
preuss. verstimt von Schneemassen bedeckt und versperrt (Frischbier 2, 442), 
schles. verstraw^en (getreiddä/nder) von Strauchwerk überwuchert werden 
(Weinh. 95, hs. S 469), mansfeld. versekein (Jecht 119), aachen. versOchele 
(Müller -Weitz 240), gött. versüken hinsiechen (Schambach 267), preuss. ver- 
toten (bein) absterben, einschlafen (Frischbier 2, 429), brem. vertragen träge, 
müde werden (wb. 5, 95), schles. verwachen durch Wachen ermatten (Weinh. 
hs. W 22), bair. verwasen (äcker) von Gras überwuchert werden (Schmeller 
2, 1018), Schweiz, verwindet durch giftige Luft angesteckt (Stalder 2, 452), 
vertointem Schweiz, bei Überwinterung des Viehs durch zu grossen Futter- 
verbrauch Schaden leiden (2, 454), gött. westfäl. durch Frost zugrundegehn 
(Schambach 269, Woeste 297), bergm. verwittern (berge, erze) sich an der 
Luft auflösen (Jac. 4, 536), schles. verwitwem zur Witwe werden (Weinh. 
hs. W 168), Schweiz, verwuchn^ (kuh) die Woche nach der Begattung trächtig 
werden (Staub 1, 906), venoueste in Unrat verkommen (1, 908), verzable, 
schles. verzappeln ausser sich geraten vor Ungeduld (Staub 1, 906, Weinh. 
hs. Z 12), bair. verzähen zäh, abgehärtet werden (Schmeller 2, 1100). 



') Vgl. mnd. vormaden S. 210. 
«) Vgl. mnd. S. 210 u. Anm. 1. 

") A. Gryph. Son. (1639) 27, 13: wefin sonn und luft verschwarzt 
*) Arno Holz Daphnis (1904) 132: ich verschmachte, ich verschwizze 
wie ein gräsgen in der hitze (vor Schwitzen umkommen). 



216 

Auffällig sind die Bildungen Schweiz, verhine, verhumme^ 
vemusse^ gött. verhussen (zu den Partikeln hin, hutn, nuss^ huss), 
Falls man sie nicht als freie Analogiebildungen betrachtet, 
dürften sie schwer zu erklären sein ^). 

Neben den Intrans. stehen die Refleziva meist mit dem 
Sinne „verfehlen, sich vergehen" (Übermass, zielloses Umher- 
irren). Sie bilden gewissermassen das Mittelglied zwischen 
Trans, und Intrans. Die Grenze nach /at4r' I*) und /ro- hin 
ist bei ihnen kaum einzuhalten. 

ahd. N. II 187, 3 P.: so gesciehet uns danne uuir uttellen betando an Got 

tünchen dcts uuir an ander ünsik ferdinchen^). 

I 248, 13: d6r 8ih teheines tüanüiches tinges fermdze mit tiu er 

gloriam geuuünnen wualH, 
Gl. I 535 b sihvirvuanit sichuurwanit : contempnit (sich überheben). 
N. I 757, 12 P.: föne diu neüomson die göia eih niM f er surren he 

sUge (falsch schwören)*), 
mhd. sich veraffen sich äf fisch benehmen (Lexer Nachtr. 390), -afiem 
8. verspäten (3, 67), -cUten (68), -andern (69), -arheitefi s. überarbeiten, -balden 
s. erkühnen (70), -hluoten (79), -bösen (80), -brüeten vor Hitze vergehn (84), 
'denen an seinen ganzen Sinn richten auf (92), -denken an, ncu^ sich in Ge- 
danken verlieren (93), -drtejen (97), -einen s. absondern (103), -eilenden s. ent- 
fremden (lOö), -engesten vor Angst vergehn (106), -geilen übermütig werden 
(111), -gesten s. entfremden (113), 'ginen s. vergaffen, 'giseln im Einlager zn- 
grundegehn (118), -grifen Missgriff tun (120), -halten zn spät kommen (123), 
-harmden sich abhärmen (125), -herwen herbe werden (130), -hüt^ein znsammen- 
scbmmpfen (135), -irren s. verfehlen, -iueem s. nach aussen kehren (136), 
•jämem nach s. abhärmen, schmerzlich verlangen nach, -jaren (137), -köpfen, 
-hoffen, -gaffen s. in starres Anschauen verlieren (139), -kcren s. verstellen 
(142), -klagen s. abhärmen (145), -kUmpfen einschmmpfen (146), -Hütern 
8. verwirren (147), -hrenken krank werden (149), -leisten im Einlager zn- 
gmndegehn (158), -liedem liederlich werden (161), -laufen s. laufend verlieren 
(169), -mizzen s. anmassen (178), -müeden ermüden, -müeijen s. abmühen (182), 
•mundem s. ermuntern (183), -prisen übermässig preisen (194), -quein s. ab- 
quälen, -rinnen umherirren, -riuhen rauh werden, -riuwen s. abhärmen (205), 

*) Vgl. die noch freiere Bildung verhutdere ,von hinten sein Bedürfnis 
verrichten" (Staub 2, 1419). 

*) Die unter fau/r- I auf S. 130 f. verzeichneten Reflex, dieses Sinnes 
können auch /air-Typen sein. 

•) Vgl. got. fairweitl S. 15. 

*) Vgl. lat. perjiduSy periurus S. 16. 



217 

-rüemen s. rühmen (207). -sdiamen s. sehr schämen*) (212), -seineti s. ver- 
säumen (223), -seltcen schmutzig werden (224), -senen s. abhärmen (225), 
-siechen dahinsiechen (227), -sinnen s. irren (230), -släfen (231), -spteten (243), 
-spitzen-) (246), -suochen s. suchend verirren (259), -stoem falsch schwören 
(263), -toben (270), -teeren (271), -tauben taub werden, enden (272), -trdhten 
8. vergrflbeln (273), -iriuwen allzu zuversichtlich sein (Nachtr. 393), -tumben 
einfältig werden, -funkeln b. verfinstern (3, 278), -twälen, -twehi s. aufhalten, 
•twdsen töricht sein (280), -vaien feblgehn (284), -varen s. fürchten (285), 
-v&Uen 8. mttde fechten (286), -vürhten erschrecken (291), -weifien s. abhärmen 
(298), -wellen s. wälzend verirren (299), -werren, -wirren dass. (304, 311), 
-wilden verwildem (307), -wilen s. versäumen (308), -wüeten nach wütend 
verlangen nach (314). 

Lassen sich schon im ahd. und mhd. fair-y faur- und fror 
Typen dieser Art kaum scheiden, so ganz und gar nicht im 
nhd.'), zumal in den lebenden Mundarten. Daher sind hier nur 
wenige reflez. Bildungen anzuführen : 

brem. sik verachtem, verletten sich verspäten (wb. 1, 5; 3, 19), köln. 
s. verdun s. verirren (Honig 191 b), altmärk. sik verfräten, berl. sich verfressen 
8. fiberessen (Danneil 237, Meyer 125 b), brem. s. vergecken in s. vemarren 
(wb. 2, 494), henneb. s. vergrätschen s. durch Ausspreizen der Beine schaden 
(Reinwald 134), aachen. s. verhetze, verkaide, gött. sek verhitten^ verküllen, 
schles. 8. verkäiden, verkühlen, leipz. s. verkeilten, preuss. s, verkeilten, -killen, 
-ktUlen 8. erhitzen, erkälten (Müller- Weitz 254, Schambach 262 f., Weinh. hs. 
F 58, Weinh.-Heinzel 102, Albrecht 229, Frischbier 2, 432), preuss. «. ver- 
hucken steif werden (Frischbier 2, 432), lux. s. vermachen s. verstellen 
(Gangler 468), gött. s. vemüchtem nüchtern werden, den trunkenen Mut aus- 
lassen (Schambach 264), lux. s, verrauen, bess. -reuen s. abhärmen, verzweifeln 
(Gangler 469, Pfister 232), schles. s. verrücken s. vergehn gegen, s, versd^alken 
arg, böse werden (Weinh. hs. R 131, S50), westfäl. s. verspringen s. durch 
Springen schaden (Woeste 295), preuss. s. versteigen s. betrinken (Frischbier 
2, 442), weidm. s» versuchen Hund auf falscher Fährte (Kehrein 310), brem. 
8. vertagten, -treden fehltasten, -treten (wb. 5, 30, 101), bergm. s. vertauben 
(gestein) taub werden (Veith 540), schles. s. verweiben*) weibisch werden 
(Weinh. hs. W 75). 



') Die/ra-Type sich verschamen bedeutet im Gegensatz dazu „schamlos 
werden '^j verschämt und unverschämt sowohl .verschämt^ wie „unverschämt^ 
(3, 213; 2, 1961). 

^ Pass. 174, 62 H.: ist dag der mensche Mt sin leben als sich ver- 
spitzet tUoer wän (vgl. sich auf etwcis verspitzen, versteifen). 
') Fischart Garg. 172: der sich fast verstudieret (zuschanden studiert). 
Maler Müller, Fausts leben 163: schlaf und träume dich voll — ver- 
träume dich und schenke . . deine seele mir. 
*) Log. 2661 (ebd.) : wiewol sidi mann und weih in einen leib verleiben, 



218 



Eine besondere Betrachtung niässen wir noch den Parti- 
zipialbildungen widmen. In ihnen tritt der von fair- erzeugte 
Sinn „übermässig" ganz besonders hervor^). 

ahd. Gl. III 188b firezziter : expastus („verfressen"). 

N. I 761, 13 P. : do chäm öuh dllero dieman ferchrondosta : garnila 

(geschwätzig, „verschwatzt, verwaschen"). 

I 2dl, 20: /erlogener ünde Ideer : segnis ac stupidus („verlegen"). 
Gl. II 293 b firloganer : levis (verbis : , verlogen"). 

I 511 ab: arroganter süperbe . . . quem franci iwcant uermezzen 

(u^mezzen), 
N. I 84, 1 P. : ndh fermürnden ünde dngistinden lüstsdm neist : 

anxios („vergrämt"). 

I 116, 14: dir diso ferrüomet ünde also Uehte uuds (in levitate 

huiusmodi arro^antiae : „verprahlt"). 

I 694, 26: ddz si näh imo feruuüoftiu sih niamer negetröste in 
fütiden haben : obsita perpetao luctu („verweint"). 

II 98, 22: ich sah feruuuöte unde stMfU : insensatos („ver- 
, wütet", ausser sich vor Wut). 

Gl. II 325b lAarzdrtotar. I 414a ^r^arier : delicatus („verzärtelt"). 
N. I 81, 23 P. : ddz tu so uerzSrtet pist (delitias tuas). 
mhd. verhuebt heruntergekommen, verlumpt (Lexer 8, 86), -däht nach- 
denklich, argwöhnisch (89), -drozzen verdriesslich (99), -glafert vergafft (118), 
-kunstet*) verktinstelt (151), -logefi lügenhaft (161), -mezzen^) verwegen 
(178), -schämt verschämt (213), -seint languescens (223), -semt abgehärmt 
(225), -sinnet in Gedanken verloren, verwirrt (230), -slafen übermässig zum 
Schlafe geneigt (231), -tobet rasend (271), -traht grüblerisch (274), -trunken 
betrunken (276), -tümelt betäubt (278), -wtenet anmasslich (294), -wegen (297), 
•zcurtj -zertet verzärtelt (318). 



so darf sich docfi der mann deszwegen nicht verweiben (Wort- 
spiel: sich cerweiben = sich beweiben ist hier durch den Sinn 
ausgeschlossen). 
») Über das Part. vgl. S. 184 Anm. 2. 
') Msh. 3, 56b: nu ist din kunst verkunstet. 
Ähnlich ist wohl verhovet gebildet bei Walth. 148, 16; 149, 31; 150, 79, 85: 
gehovet, verhovet wndungehovet — verhoft'tr schale — bi dem verhaften 
wesen — verhofter lecker, Lexer (3, 134) erklärt fälschlich ^g^g^^^ die 
höfische Weise gebildet" statt „überbildet". Dann fehlte ja der Gegensatz 
zu ungehovetl 

') Vgl. Kant krit. d. urt. (Erdmann) S. 231 anm.: das deutsche wort 
vermessen ist ein gutes, bedeutungsvolles wort, ein urtheil, bei 
welchem man das längenmass seiner kräfte (des Verstandes) zu 
überschlagen vergisst, kann bisweilen sehr demiUhig kUngen, und 
macht doch grosse anspräche, und ist doch sehr vermessen. 



219 

Einige interessaute Belege aus der nkd. Schriftsprache 
gebe ich in der Anm.^). Aus den Mundarten ist folgendes zu 
erwähnen : 



»^ 



Garg. Ndr. 65/71 S. 77 : gutefi vorrhat von starcken quallen . . inn 

essich versaurt, vnd saurveressigt. 
Knnstwart Jahrg. 19 S. 378: im Zusammenhang einer . . nicht reiühen 

und gleichmässig verpfefferten musik, 
Chr. üryph. poet. wäld. 1, 772: manch verplappertes mavi. 
Pers. rosenth. 5, 13: ein verplauderter vogel. 
Knnstwart Jahrg. 19 S. 421: mitten im verquälten, überreizten 

Umgewirre der gegenwart. 
ebd. S. 308: das in seiner ganzen mannschaft verschnapste sdUff. 
Stieler 1709: verschafet tuhn : simulationem stultitiae indicere, 

cerschafet sein : hominem minime malum, simplicem , hebe- 

tiorem esse, 
zfdw. 3, 331: er schilderte E. Mörike als . . sehr verzärtelt und 

verschrullt. 
Dehmel ausg. ged. S. 110: oder eins (gedieht) von einer v er schul- 
ten Musa. 
Ayrer proc. 1, 1: ein sehr verschwatzter geist (beredt). 
Schopenhauer parerga 2, 329: deutsch verschwebelt und vernebelt, 

d. h, statt eines klaren, hestimtnten Sinnes blosze, aber recht breite 

Worte liefernd. 
Goethe an Merck (Goethekalender 1906 S. 35): und denke mein, 

wenns um dich schwebt, wie es in sympaiien hie um mein ver- 

schwirbelt himgen lebt (taumelig). 
Kirchhof wend. 115: ein gar versoffener und verspielter mensch, 
Deutsche Monatschrift Jahrg. 6 S. 289: versorgte, verkümmerte 

mütter nickten sich zu. ^ 
Garg. Ndr. 65/71 S. 82: der musz oersotten, verspanischpfeffert 

. . versüsselet, verröstet, verräset. 
Chr. Gryph. poet. wäld. 1, 801: verstaunt, gantz cMSzei' mir . . lag 

ich im tiefen schlaf der Sünden eingewiegt. 
EichendorfT 2, 12 (Leipzig 1883): und liebst die schatten wieder von 

dem verträumten kind. 
ebd. 2, 391: in der nacht dann Uebchen laiMChte an detn fenster^ 

süssverwacht. 
ebd. 2, 355: bald darauffand sie Rosas Augen so süss verschlafen. 
Goethekalender 1906 S. 74: mit . . vertrotteltem kreuz. 
W. Scherifer grob. 188 (Drechsler 269): d^m verwaschnen weib 

(schwatzhaft). 
H. Sachs Ndr. 26/27 S. 56: mein brüder aber sind verwegen, der 

inn spiel, der in trunckenheit. 



220 



elsäss. verbahhelt schwatzbaft (Martin 2, 68), Schweiz, verbissen bissig 
(Staub 4, 1691), Verblasen aufgedunsen (5, 1471), oerblüeint angetrunken 
(5, 95), cerblüetet blutbefleckt (5, 226), verbugglet bucklig (4, 1089), köln. 
verbos böse, heimtückisch (Honig 191 a), Schweiz, schles. böhm. verbost boshaft, 
zornig (Staub 4, 1722, Weinh. bs. B 136, Enothe 629). berl verbummelt 
(Student) der kein Examen macht (Meyer 125a), verdaut bair. beargwöhnt, 
Schwab, lüstern (Schmeller 1, 485, v. Schmid 105), holst. verduUt toll, drollig 
(Schütze 4, 302), frankf. verechauffirt ausser Atem (Askenasy 57), bergm. 
verfeiert (schichten) in denen nicht gearbeitet wird (Veith 522), elsäss. ver- 
förcht furchtsam (Martin 1, 440), Schweiz, vergaucht närrisch (Staub 2, 107). 
vergeilt (pflanzen) Schweiz, elsäss. zu üppig, ök. durch Lichtmangel ver- 
kümmert an Festigkeit und Farbe (Staub 2, 211, Martin 1, 211, Weber 612), 
Schweiz, vergottet in Gott vertieft, heilig (Staub 2, 523), brem. prenss. ver- 
hagelt vertrackt, verzweifelt (wb. 2, 560, Frischbier 2, 431), elsäss. verhandelt 
zänkisch (Martin 1, 348), preuss. verhauen (maul) zügellos (Hennig 288), ök. 
verhetzt (hund), verhitzt (pferde) überhetzt, überhitzt, krank (Weber 613), 
Schweiz, verholdet verliebt, umfreit (Staub 2, 1183), ök. verhütet {schafe) faul- 
gefressen (Jac. 4, 517), elsäss. verifert übereifrig (Martin 1, 18), Schweiz. 
verirret irrsinnig (Staub 1, 410), verchrapfet verkrüppelt, verärgert (3, 849). 
milit. verkantet (gewehr) über die Kante gelegt, verdreht*), weidm. ver- 
Jdrrt, verködert Raubtiere, die sich nicht mehr ködern lassen (Kehrein 
305), hess. verhallen erstarrt vor Kälte (Vilmar 217), elsäss. verkujeniert 
zum Placken geneigt (Martin 1, 429), hess. verlaust mit Läusen behaftet 
(Pfister 157), frankf. verlecht (schiff, eitner) undicht (Askenasy 230), ver- 
loffen Schweiz, irreführend, elsäss. auf den Abendmarkt erpicht (Staub 3, 1136, 
Martin 1 , 566), brem. verlopen geil, Männern nachlaufend (wb. 3, 86), Schweiz. 
vermeint zugetan (Staub 4, 312), wien. holst, preuss. vemagdt, köln. vemäit 
dumm (Hügel 180, Schütze 3, 132, Frischbier 2, 437, Honig 193 b), elsäss. 
vernebelt verrückt (Martin 1 , 750), holst, verpeepert •) gepfeffert, sehr (Schütze 



Dehmel ansg. ged. S. 42: wnd Wasser tönten durch die wände die 

tastenden verweinten hände. 
Fierrabras H 5: du hast gn&g verwenter wort gebraudit (stolz, 

übermütig). 
Mörike 1, 234 (Hesse): gegenüber dem verwürzten wesen der mode- 

Uteratur (fiberwüizt). 
Luth. 23. 544, 24 W.: une gar verzagt und blöde ein fnensch wird. 
ebd. 24. 552, 18 : sind sie doch ynwendig ym hertzen verzweivelte buben, 
*) Schiessvorschr. f. d. Inf. 1905 S. 34: gew^rverdrehen . . ßndet statt, 
wenn der visierkamm nidit wagerecht, sondern nach der einen 
oder anderen seite geneigt, d.h. verkantet wird. 
'^) Holst, verpeepert hängt vielleicht mit verpqpe^, verpetert (Schütze 
4, 306) zusammen und dieses mit brem. verpöterd „verlegen, alt" (wb. 2, 354), 
hamb. verpetert „verschlossen, entfärbt* (Bichey 323). Die beiden letzt- 
genannten Wörterbücher leiten es von salpeter her. 



221 



3, 203), elsäss. verplagt immer klagend (Martin 2. 155). verprist (: prise) aufs 
Tabakschnupfen versessen (2, 197), Schweiz, verriben gerieben, listig (Staub 
6, 61), schw&b. verrochen räucherig (v. Schmid 435), brem. versapen besoffen, 
trunkergeben (wb. 4, 1102), elsäss. verschiedet wählerisch (Martin 2, 468), 
versdirocken scheu, furchtsam (2, 517), schles. verst^atzt redselig (Weinh. 
hs. S 270), versent naschhaft, verleckert (S 316), brem. verslaken vielschluckend, 
gef rassig (wb. 4, 845), elsäss. versagen dem Saugen ergeben (Martin 2, 336), 
verspielt aufs Spiel versessen (539), verstohlen diebisch (591), verstunt ge- 
dankenlos, nachdenklich (602), Schweiz, vertrunken dem Trunk ergeben (Staub 
1, 908), schles. vencaschen schwatzhaft (Drechsler 269), gött. verwent ver- 
wegen, frech (Schambach 269), berl. verwimmelt fantastisch (Meyer 128b), 
brem. verwood wütig (wb. 5, 283), verwogen österr. leipz. gött. preuss. keck, 
verwegen, tollktthn, altmärk. sehr, brem. pomm. vertcagen waghalsig (Hügel 
182, Albrecht 231, Schambaoh 269, Frischbier 2, 444, Danneil 240, brem. wb. 
5, 164, Dähnert 529), böhm. verwonst gierig (Knothe 532), lux. vertoöt wag- 
halsig (Gangler 471). 

Wie die Refleziva sich gern mit Präpositionen verbinden, 
um die Richtung der Handlung auszudrücken (vgl. sich verstehen 
an, »n, wm, «6er, auf etwas S. 194 Anm.), so besonders die 
Partizipia des Sinnes versessen auf etwas (vgl. S. 204 Anm. 
u. 206). Die Anschauung ist wohl von sich stüteen^ sich ver- 
lassen^ vertrauen auf etwas übertragen. Sie tauchen zahlreicher 
in mhd. Zeit auf und greifen nhd. um sich. 

ahd. N. II 521, 16 P.: min sela ist ferchölen an cUnen haltdre : defecit 
in salntari tno. 
mhd. verbUnt an verblendet, versessen auf (Lexer 3, 78) , -qudt üf be- 
sorgt, -quoln, 'koln an, nach, üf, umbe sehnsüchtig verlangend nach (195), 
-ruochet üf versessen auf (208), -senet an, nach, üf sehnsüchtig, verlangend 
nach (225), -morfen üf erpicht auf (239), -tobet üf dass., -t&ret üf vernarrt 
in (271), 'Willet üf geneigt zu (Nachtr. 394). 

Aus den nhd. Mundarten : 

Osterr. verbissen, verblendet, verschamerirt in (Hügel 177, 178, 180), 
preuss. verbrennt, verifert, verjdclU auf (Frischbier 2, 428, 432, 437), köln. 
hess. vemattert auf, für, in (Honig 193 b, Pfister 188), elsäss. verhoft, ver- 
ruckt auf (Martin 1, 310; 2, 249), hess. verstürzt auf fälschlich erpicht 
(Pfister 356), schles. vertifft uf^), gött. vertwivelt «p (Schambach 268). 

Wie einem versessen, verstanden nach dem Muster einem ver- 
bunden, verpflichtd, verfallen gebildet wird (vgl. S. 205 Anm. 2), 



*) Qryph. Dornrose (Palm 1855) S. 51: idi bin su vertifft uff Lise 
Dumrusen: 



222 

so auch mhd. einem verpent „zur Strafe verfallen' (Lexer 3, 
191)0. 

nhd. H. Sachs Ndr. 31/32 S. 143: ja, ich hob schnMt ein grossen teil in der 
Stadt drin, auch auff dem Iwidt, die 7nir verfallen sindt allsandt, 
die wolt idi morgen bringen ein. 
Ubland Ernst v. Schwaben 116 : Ma^igold, wenn du nicht den feinden 
Emsts mit leib und seele schon verfangen bist (gefangen — 
verfallen). 



Da unter den /air- Bildungen im allgemeinen, ganz be* 
sonders aber unter den Intrans., Reflex, und Partizipialbildungeu 
eine grosse Zahl vom Nomen abgeleitet ist, sollen hier ein 
paar^Worte über Denominativbilduug folgen. Damit wird auch 
die Frage der perfektivierenden Funktion von ver- aufgenommen. 



^) Eigentümlich ist 
mhd. Haig. r. 2, 14 anm. 4: auf das haus 50 fl. verfallen sein (zur 
Strafe zahlen müssen). 
Weist. 6, 129: wer aus belib, war umb 1 phunt pfenning verfallen 

(strafbar). 
Weist. 3, 695: der ist verwandelt meinem herrn 10 phunt Pfenning 
(znr Strafe schuldig). 
Die Bildung verwillet sin üf einen „zum Schiedsrichter wählen wollen" (Lexer 
3, 308, Nachtr. 394) fügt sich in eine der Gruppen überhaupt nicht. Nach 
einem verfallen bildet 

Luther 24. 283, 33 W.: die pi'iester . . sind auch durch yhn ver- 
'zehendet dem priester Melchizedeck. 
verfaUen in etwas kennzeichnet sich deutlich als /atr- Type (vgl. got. faif- 
rinnan S. 15) : 

ahd. Gl. II 97b: niodo in unrehto suohnunga nif aru allen : in causas 

incidant. 
mhd. Trist. 14149: hie von was er aber me versunken und v er v allen in 

die zomgallen. 
nhd. Tieck Sternbald 1, 223: indem ich als mensch auf den allertollsten 
gedanken verfalle. 
Dazu holst. Jie keem up d^n verfall (Einfall Schütze 4, 302). 
Nach diesem Muster gebildet ist: 
nhd. Luth. 23. 474, 23 W.: das yhr doch eucfi nicht ynn unschuldig lAut 
so jemerlich verteuffet. 

7. 375, 15: szo soll dich got stortzenn, und ynn eynen toUen 
synn vorwerffen. 
S. Franck weltb. 91 : die in arckwon eines diebstdls v er zuckt sind. 



223 

Im Abschnitt I ^) habe ich mich bemüht (gegen Streitberg) 
nachzuweisen, dass /ra- imstande sei die verschiedenen Aktions- 
arten auszudrücken, die inchoative und intensive wie die effek- 
tive und resultative. Bei dem Nachweise für die inchoative 
ist der bedeutende Einfluss der /air-Type übersehen worden. 

Als denominativbildende Präfixe kommen fair- und fra- in 
Betracht; denn beide haben die Fähigkeit, die Handlung des 
Verbs zu begrenzen. Als Stammwort kann ein Substantiv, 
Adjektiv, Adverb und sogar eine Konjunktion^ auftreten. 

Die Denominativbildung durch Präfixe scheint von der den 
Übergang zwischen Verb und Nomen darstellenden Mittelform 
des Partizips ausgegangen zu sein. Denn vielfach ist nur 
dieses erhalten '). In den ahd. Belegen finden wir am häufigsten 
die Form des Partizips vertreten. Es kommen Partizipia vor, 
die mit dem Verb in keiner Beziehung stehen, sondern rein 
nominal gebildet und verwandt werden: 

ahd. Gl. I 720 a: firgihta uirgthtegote*) : paralyticos. 

III 146 a uirgihtiger vergihteg€t(er) : paralyticus. 

IV 165 a fertoiteweter : viduatus. 

Noch im heutigen Sprachgebrauch haben wir Präfix- 
komposita, die nur in der Form des Part, üblich sind. Be- 
sonders ungeschwächte Präfixe können uns dies veranschau- 



*) Die Aasfühningen S. 21 sind hier zu berichtigen und ergänzen. 

*) 0. Ludwig (Hesse) 2, 153 : da weise man, was recht und tmrecht ist 
ohne Wenn und Aber. Mit ihrem heimlichen karten haben sie's 
verabert tmd verwennt. 

') vfr- Komposita mit vorgesetztem un- gibt es nhd. nur in der Form 
des Partizips, mhd. sind sie die Hegel, doch werden analogisch auch andere 
Verbalformen danach gebildet. Von den mhd. Partizipien hebe ich hervor: 
unverheüet unheilbar (Lexer 2, 19öö), -lioU ohne Erholung gefunden zu haben 
1^1955), (mit warten) unverklüeget nicht beschönigt (1957), -mittelt unmittelbar 
(1959), -rechent der nicht Rechnung abgelegt hat (1960), -siafiden, -sunnen 
bewusstlos, unbegreiflich, unerfahren, verrückt (1966. 1967), -tragen unver- 
träglich, nicht geduldet (1969), -vangen wirkungslos, -vorht furchtlos (1970). 
'Want unbeteiligt, unabwendbar, unveränderlich (1971), -wl^t ohne Wissen, 
-wiset ohne Absicht (1972), -zehent ohne Zehnten entrichtet zu haben (1973), 
-eigen ohne zu verzichten auf, -zittert ohne zu zittern, -zoU ohne Zoll ent- 
richtet zu haben (1974). 

*) mhd. vergihtet, vergiht gichtbrtlchig (Lexer 3, 117). 



224 

liehen. Wir sagen abgeblasst, ausgehluhij aber noch nicht: die 
färbe blasst ab, die blume blüht aus, obwohl die sprachliche Ent- 
wicklang auch dahin kommen mag. So sind die Partizipia ver- 
blasst, verblüht älter als die übrigen Verbalformen. Vornehm- 
lich das Part. Prät. verband sich mit Präfixen, weil es schon 
an sich geeignet war, die vollendete Handlang za bezeichnen. 
Dazu befähigte Präfixe nahm es zur Verstärkung zu sich, und 
zwar nicht allein ge-, dem heute diese Funktion vorzugsweise 
zugefallen ist, sondern unter anderen auch ver-^). Zunächst 
prägte man verbale Denominativa, indem man die Endungen 
des schwachen Verbs dem Nomen anfügte. Indem aber das 
Präfix aus der Form des Part, auf andere Verbalformen über- 
tragen ward, drängte das vollere Kompositum das Simplex meist 
in den Hintergrund und erweckte den Anschein, als ob erst seine 
Verbindung mit dem Nomen diesem verbale Kraft verliehen hätte, 
und nun schuf man danach neue Denominativa ohne Vermitte- 
lung eines einfachen Verbs. Das mag etwa um die Übergangs- 
zeit vom ahd. zum mhd. geschehen sein. Ein genauerer Zeit- 
punkt lässt sich nicht angeben, da wir häufig nicht feststellen 
können, ob es ein Simplex neben dem Kompositum gegeben hat. 
In der mhd. Periode wachsen diese unmittelbar mit ver- und 
anderen Präfixen gebildeten Verba an, und in nhd. Zeit prägt 
der jeweilige Bedarf mittels bestimmter Präfixe neue Verba. 

Die Denomination bietet das Mittel, die verschiedenen 
Bedeutangsgruppen zu bereichern, oft auf an alogischem Wege 



*) Noch nfad. ist dieser Gebrauch nachzuweisen: 

Th. Plater 37 Fechter: hastu geheiUeb? ich ihat das ofenikü/rlin zu 

tmd sagte: ja muter ich hob schon verhexte et 
Gotthelf werke 13, 240: aU Anne Mareile in die kvrche kam, hatte 

es verläutet. 
Köstlin Luther 1, 117: schmecke und ersiehe hier, me freuncUidi der 

herr ist, wenn du erst v er schmeckt hast, wie bitter äUes ist 

was wir sind. 
Spee tmtzn. 106: vögel, die frü anfahen zu nngen, haben bald 

versungen. 
Agricola spr. 351: wenn ein kind niM vertragen wird, das es 

neun monat hat, so ist es ein uneeitige geburt (zu Ende tragen). 
Lessing 10, 122: ein dichter kann viel geihan, und doch noch nichts 

damit verihan haben (ausgerichtet). 



22 5 

durch sehr kühne Bildungen. Der aus der Partizipialform 
erschlossene Infinitiv bedeutet gewöhnlich, je nachdem er 
Irans, oder intrans. gebraucht wird: in den vom Nomen be- 
zeichneten Zustand überführen oder übertreten, „zu etwas 
machen oder werden''. Zu der Mittelform des Part, lässt 
sich ein trans. wie intrans. Infinitiv bilden, häufig sind 
beide vorhanden. Mit dem intrans. Verb steht das reflexive in 
enger Beziehung, da in beiden die Tätigkeit nicht aus dem Be- 
reich des Subjekts hinaustritt (vgl. die /air- Bildungen S. 216). 
Anderseits ist für das Sprachgefühl das reflexive Verb ein trans. 
mit beigefügtem Objekt. Während das Präfix im trans; ver- 
Kompositum einfach der im Stammwort angedeuteten Handlung 
ein Ziel setzt (perfektiv- resultativ), kann das intrans. ver- 
schiedene Aktionsarten bezeichnen. Diese hängen mit der 
Verbalform zusammen, in der das Verb erscheint: ich verbleiche 
kann inchoativ oder effektiv sein, verblichen ist resultativ^). 
Hier also kann der Ausgangspunkt, der Verlauf der Handlung 
oder der Endpunkt ausgedrückt werden. Diese Fähigkeit 
können wir wohl auf fair- zurückführen. Der Übergang und 
Eintritt in die neue Handlung ist von der Gruppe verwandeln 
(8. 197 ff.) gut zu begreifen. Den Fortschritt der Handlung mit 
dem Hinweis auf das Ende hat uns die Gruppe verkümmern 



*) in eh. nhd. Schiller 12, 395: sie zitterti, gräfin — sie ver- 
bleichen — gott! (erbleichen), 
effekt. ahd. N. 1 152, 23 P.: übe hersUfU . . f&re dlH fer- 
blichent : desinunt splendere . 
mhd. .Ter. 21841: ir craft vor bleich recht als ein stotib. 
result. nhd. Qoethe 48, 16: verblichne bänder, äbgMtmgner 
liebe trauerpfäfider (ausgeblichen). 

in eh. mnd. Brem. k. g. 115: uppe dat ick möge seen de vor- 
schinende ere desser hillighen nacht (erscheinen), 

dar. . mhd. Weist. 5, 121: wer in den vorgeschribnen gerechten 
. . sitzt und darin verschint tmansprechig mit 
dem rechten ain jaur (verharren). 

effekt. mhd. Rul. 107, 23: der stmne ce äbent virsehein. 

nhd. Mathesins Syrach (1586) 3, 48 b : derwegen v er schien 
und verblich im all sein getreide und war taub, 

result. mnd. Lttb. H. 261: wen de tit vorschenen is. 

nhd. Luther br. 3, 354: in der verschienenen Visitation. 

Leopold, Die Vorsilbe ver- 15 



226 

veranschaulicht (S. 209 ff.). Dass diesen effektiven Bildungen 
faw- zugrundeliegt, erhellt aus einer. Reibe von besonders an- 
schaulichen (S. 212 f.) mit ziemlicher Gewissheit. So ist /air- das 
vorzüglich zur Bezeichnung der inchoativ-effektiven Aktionsart 
befähigte Präfix, fra- dagegen bildet, wie die ziemlich reich 
belegten got. Beispiele (frairmnanj fraqimanj frawairpan^ fror 
uA^an S. 21 f.) zeigen, Effektiv-Resultativa, indem es den Hin- 
weis und die Angabe des Endes in die Handlung des Verbs 
hineinträgt. Ein inchoatives Element fehlt also in diesen 
Verben, und das unterscheidet sie von den intrans. fair- 
Bildungen. Der Wortschatz besteht bei diesen überwiegend, 
bei den /ra- Bildungen dagegen in weit geringerer Anzahl aus 
Denominativen. 



Dem mit diesen Bildungen zusammengesetzten fra- liegt 
die Anschauung „bis zu Ende" zugrunde. Ursprünglich ver- 
bindet sich trans. Bedeutung mit schwacher Flexion, intrans. 
mit starker. Doch ist schon in den ahd. Belegen diese ursprüng- 
liche Scheidung verwischt. 

Wir betrachten zunächst die Intransitiva. 

ahd. N. II 430, 26 P.: a}AO der hluömo dar inin fdde also ferhluot er: 

tamqaam flos agri sie efflorebit. 
Gl. I 354 a farbrurmener firhrunniner : exustuß. 

II 193 b virprinnan : uri. 
N. II 165, 20 P.: fersHo ih minen lidiamiii so ferro das ih ioh fer- 

brinno : ardeam. . 

Gl. IV 152 b fer enden ferschaiden : obire. 

II 230b forsunchan : absorbitur. 
IHR. farsliffan sint : conlabuntur. 

III 385 b verslezzen : inveteratus. II 259 a foralizan : discerpi. 

I 797 b uirspumenta firspuwenta : despamantes. 

II 358a: firstünchinaint : exolneTVint. 
1 680 a uirswelchota : elangnit. 

N. II 379, 9 P. : utiatida alle unsere tdga . . sint fer 8u%nen : defecerant. 
II 98, 18: utumda min Hb ist fersuünden^) in leide : defecit in 
dolore. 



*) verschivinden, verwerden u. ähnl. könnten auch als Verba der Be- 
wegung aufgefasst und faur- I zugewiesen werden (vgl. S. 112; doch 
steht daneben got. frawairpan S. 22). 



227 

as. Wadst. 19, 10 (Segens formel) : uerbrustun sina uetherun (zerbrechen). 

Ps. 72, 19: /ardurv 0« : perierunt. 

Hei. 3495: is uuerold endi is uunnea farslitid (verschleissen). 

Wadst. 82, 2, 3 ( Petr. Bibel - Gloss. ) : uarsuindu : dispareo, evaneo. 
90, 5 (Prudent.- Gloss. in Werden, hs.): wtfrsutn* ; liquesce , id 
est evanesce. 

Hei. 2453: that kom faruuard'). 

Ps. 1, 6: geverihe ungenethero feruuertkan sal : iter impiorum peribit. 

Ps. 2, 12: inde veruuerthet fan uuege rehta^) : pereatis de via jnsta 

(abkommend zagrundegehn). 
mhd. verbibm zu Ende beben (Lexer 3, 74), -bliehen erlöschen (78), 
'blühen verblühen (79), -brangen verprangen, -brechen aufhören, scheitern 
(81), 'brinnen verbrennen (83), -dempfen ersticken (92), -derben umkommen 
(93), 'diesen verhallen, -dihen abnehmen (95), -dimpfen verdampfen (95), 
'tfiden Ende nehmen (106), -garten*) verschwinden (HO), -gern ausgftren (113), 
-glUen zu glänzen aufhören, -glucken zerbrechen (119), -binden^) aufhören 
Kind zu sein (144), -leben*) abieben, verwelken (155), -lerzen aufhören ttber- 
mtltig zu sein, -Uachen erlöschen (160). -nittgimen, -niugern Lust verlieren 
(188), -phUgen aufhören zu pflegen, aufgeben (192), -recken die Glieder aus- 
streckend sterben (198), -riren (bliwt) verrinnen, -riechen verdampfen 
(202); -reisen, risen entfallen, abfallen (199, 205), -riuwen aufhören Schmerz 
zu bereiten (205), -rücken^) enden (206), -schallen^) aufhören zu schallen 
(Nachtr. 393), -schihen aufhören zu rennen, -scheiden vergehn (3, 214), 
-schiezen*) aufhören zu schiessen (216), -scMnen'^) vergehn, -schizen, -schocken 
aufhören zu scheissen, zu schaukeln (217), -stgen'), -sihen versiegen, 
-sinkmi (228, 229), -sligen sich abnutzen (235), -smahten verschmachten. 



») s. S. 226 Anm. 1. . 

*) ^ffl' got. frarinnan in derselben Bedeutung (S. 18, 21, 23). 

') ge-arten gute Art einschlagen (1, 746). 

*) In der Form des Part, belegt: verkindet kint (Frl. 268, 17), ver- 
leb tiu varwe üf Vrileben wengelin (Msh. 3, 8 b). 

*) Zu dem mhd. in schwacher Form belegten verschallen gehört das nhd. 
starke Part, verschollen: ein Mensch, von dem nichts mehr verlautet. 

•) Lcr.93, 273: tcenn sie verschieszen, so wollen wir denn in sie rennen. 

») Vgl. nhd. S. 113. 

') Neben nhd. verseigen und verseihen tritt verseugen und das nach dem 
Part, gebildete versiegen, neben das starke Part, versiegen das schwache 
versiegt und vereinzelt versagen, letzteres wohl von saugen übertragen. Mit 
dem in der jüngsten Sprache allein üblichen Part, versiegt und dem Inf. ver- 
siegen wird versieeht oft verwechselt, das zu versiechen „siech werden, hin- 
siechen' gehört. Platen vermengt versiegen und versiechen besonders oft 
(8. Sanders wb. II' 1068 b). 

S. Franck weltb. (1567) 134b: dann wo es allzeit tropfet, ja regnet, 
da verseihet es nimmer. 

15* 



228 



-smeUen zerschmelzen (237), -smorren vertrocknen (238), -snüdm verschnaufen 
(241), -sargen aufhören zu sorgen (242), -sp^'angen^) zu Ende springen (245), 
'^ülgen Gewohnheit ablegen (247;, -suchen zu Ende stechen (249), -sterbetty 
-sticken ersticken (262), -süfe^i versinken, -sugen aufhören zu saugen (257), 
-swUhen versiegen (261), -sioem zu seh wären aufhören, vernarben (263), 
-sujtnden, -steinen vergehn (264, 265), -s^oingen Schwungkraft verlieren (265), 
-toben austoben (270), -trinken ertrinken (276), -tw&len, tweln zurückbleiben, 
verschmachten (280), -vallen einfallen, verfallen (284), -vliezen zerfliessen, 
-vlindem verflimmern (288), -vlücken verflackern (289), -vriesen erfrieren 
(290), -vürwitzen Lust verlieren (291), -wdzen zugrundegehn (296), -werden 
verderben (302), -werten gebrechlich werden, -wisen zunichtwerden (305), 
-ßäbelen, -zittern aufhören zu zappeln, zu zittern (315, 322), -gümen aufhören 
zu zürnen (323), -zwiveln verzweifeln (324). 

Daneben stehen einige Reflexiva derselben Bedeutung: sich verschamen 
schamlos werden (213), sieh verwundem sich nicht mehr wundern (314) und 
die unpersönliche Form mich verwundert eines dinges: es wundert mich nicht 
mehr (314). 

Aus der nhd. Schriftsprache^) wird die Mehrzahl der in- 



A. Gryph. (1689) 1, 438 (Papin. 1659): wie würde dieser ström jn einem 

augenblick sich theilen und verseigen. 
Jes. 44, 27: der ich spreche zu der tieffe verseige. 
Lohenst. Armin. 1, 554: die nimmer versengenden flüsse. 
Hiob 14, 11 : vnd wie ein ström i^ ersieget vnd vertrocknet. 
Hos. 9, 14: gib jnen unfruchtbare leibe vnd versiegene brüste. 
Lohenst. Armin. 2, 793: der brunn ist versiegen. 
Fleming 441 (öden buch 4 nr. 23): Hippohrene ist ver sogen, 
H. V. Rute fassnachtsp. fl 4: ich bin allenthalb ver sie cht. 
Goethe 1, 249: schöner Jüngling! kannst nivlit Uhtgei' leben: du r er- 
sieche st hier an diesem ort. 
^) Berth. 416, 37: verspranget haben (nicht mehr biegsam sein). 
') Einige interessante Belege: 

Keisersberg eschengrüdel 68: bisz das das kaJhfleisch versüdet (zu 

Ende kochen). 
Arno Holz Dapbnis (1904) 241: errette mich in deine schoosz, dar- 

mitt ich nicht verstäube! 
Haller ged. 10: ja selbst des vaters wahn kan nicht mit ihm versterben, 
Hilty glück (1895) S. 265: die Jugend muss ver tobt habefi, aber 

nicht bös (austoben). 
Schönaich ästhetik (Köster) 275 : wachs ufid mann verträufeln. 
A. Gryph. Ndr. 6 (Squenz) S. 24 : gleich wie die kuh blum auff dem 

acker verwelckt. 
Haller ged. 96: er sucht im staub von halb verwesnen hauten des 
staat^fi lebenslauf (später schwach: venoest). 



229 



traD8. Bildungen hierher zu ziehen sein. Aus den Mundarten 
ist wenig Bemerkenswertes hervorzuheben: 

bair. verahern Ährentreiben vollenden (Schmeller 1, 54), Schweiz, ver- 
bluete zu hinten aufhören (Staub 5, 226), gött. verbreken zusammenbrechen 
(Schambach 260), Schweiz, verbuwe fertig bauen (Staub 4, 1960), brem. ver- 
fallen^) sterben (wb. 1, 339), bergm. (wasser) sich verlieren, {gntben) zu- 
sammenbrechen (Veith 522), seemänn. durch Wind von der Kielrichtung ab- 
fallen (Bobrik 706 a), gött. verfreiseuj schles. verfrieren erfrieren (Schambach 
261, Weinh. hs. F 58), Schwab. vergeOen Wut austoben (v. Schmid 225), 
Schweiz, vergeiste Geist aufgeben, verduften, Verstand verlieren (Staub 2, 491), 
eerhabere mit Hafersäen fertig werden (2, 935), verheize Heizen beenden (2, 
1832), verheuwe Heuernte beenden (2, 1821), verhiUige Hitze verlieren (2, 
1835), f)erhochmütele nicht mehr hochmütig sein (Stalder 2, 523), verhöldde 
des Liebens satt sein (Staub 2, 1183), verhoUe fertig holzen (2, 1265), ver- 
höre, verlüte mit Läuten aufhören (2, 1574; 3, 1510), verchalbe (kalb) ver- 
ständig werden (3, 223), verchirse Kirschenernte beenden (3, 483), frankf. 
hess. verknalle bersten (Askenasy 226, Pfister 136), Schweiz, verlande mit 
Landarbeit fertig werden (Staub 3, 1036), verlaube Laubsammeln beenden 
(Staub 3, 957), elsäss. verlaufe {kuh) befruchtet werden (Martin 1, 566), 
Schweiz, verleiche fertig laichen (Staub 3, 1012), verlüchte zu leuchten auf- 
hören (3, 1056), vermelche Melken beenden, aufhören Milch zu geben (4, 196), 
elsäss. vemajt fertig nähen (Martin 1, 764), Schweiz. vemugerMy elsäss. ver- 
neugem, schwäb. verneugernen aufhören neugierig zu sein, überdrüssig werden 
(Staub 2, 428, Martin 1, 748, v. Schmid 405), Schweiz, verobset haben mit 
Obstlese fertig sein (Staub 1, 63), österr. verpflegen zum Teufel gehn (Hügel 
180), elsäss. verrecken zugrundegehn (Martin 2, 248), bair. verrichten sterben 
(Schmeller 2, 89), Schweiz, elsäss. verrieehe, brem. verrüken, gött. verruken 
{geu;ürß)j altmärk. verroken Qeruch verlieren (Seiler 111, Martin 2, 226, brem. 
wb. 3, 546, Schambach 265, Danneil 239), preuss. verruhen ausruhen (Frisch- 
bier 2, 439), elsäss. versäje, henneberg. versäen fertig säen (Martin 2, 341, 
Spiess 268), Schweiz, verachäme Schamgefühl verlieren (Staub 1, 906), ökon. 
^erscheinen {kom) in dürren Jahren auf schlechtem Boden nicht auf gehn 
(Allg. Haush.-Lex. 577), schwäb. verschmecken keinen Geschmack mehr finden 
(v. Schmid 471), elsäss. versihe (kühe) keine Milch mehr geben (Martin 2, 399), 
schles. verseigen versiegen (Weinh. hs. S 302), frankf. verspringe, verplaUse 
bersten (Askenasy 227, 225), gött. verdnnken ertrinken (Schambach 261), 
Schweiz, vertropfe tropfenweise abfallen (Staub 1, 910), gött. vert/wälen vergehn, 
verzweifeln (Schambach 268), frankf. vertvetje {for heb) ersticken (Askenasy 



Maaler 438 d: verwüten, von dem wüten a5«fcm : exsaevire. 
Apricola spr. 448: las jn v er z ab ein (auszappeln). 
Yischer auch einer 1, 256: nouMem die letzten töne der harfe fernhin 
verzittert waren. 
^) Schles. sid^ verfallen zu Fall kommen, .Tungferschaft verlieren (Weinh. 
hs. F 9), bair. verfallen (obst) beschädigt (Schmeller 1, 704). 



230 



226), Schweiz, vervniete auswüten (Seiler 115), elsass. verzticke sterben 
(Schmidt strassb. 112), Schweiz, verzügle aufhören zu ziehen, sterben (Stalder 
2, 481). Dazu aus der Jägersprache: verhnmften^) aus der Brunstzeit 
herauskommen, verenden, verrecken sterben (Kehrein 302), vermaussen Mauser 
beenden (306), verschweissen aufhören Seh weiss zu lassen, verenden (309). 
Die Gaunersprache prägt neu: verbibem erfrieren (Kluge rotw. 339), t?er- 
f unken verbrennen (345) und verschütten, verschütt gehen verhaftet werden 
(294, 319, 324, 372, 413). 



Das resultative fra- in transitiven Bildungen, schon im 
got. mehrfach belegt (S. 22f.), breitet sich in den deutschen 
Mundarten so aus, dass es dem späteren Präfix ver- vorzugs- 
weise sein Gepräge aufdrückt. Es verleiht den Sinn „(gewalt- 
sam) ein Ende bereiten"^. Für das mhd. und nhd. zerlege ich 
das Material in die Gruppen „vernichten — beschädigen, ent- 
stellen — verarbeiten, verbrauchen — verbringen — verwinden". 

a) vernichten. 
ahd. Gl. I 499 b firperita : detriti. I 222 R. farpliuuan : obtundere. 

III 415 a verhosen : subnervare. I 816 b firprihhit : solvent. 
I 100 Pa. Ra. farprohane. gl. K. firprt^ne : defessi. 

I 503 a firprennit : devorabit. III 413 a verbruchte : supererogaverit. 

I 713 a ferdamftan : suffocaverunt. 

I 197 R. unfardauuit : indigestns (verdauen). 

I 484 a uirpidirbit : expendet. 

N. I 746, 19 P.: uu^ih länt er uuölH f^r dosen aide gesdUgan : 

disperdere. 
Gl. I 32 B.B,. fardrosken. gl. K. farthroscan. Fs,. farthrosgan : aXtritüs. 

IV 234 a ih verdmche : comprimo. I 426 b farduhta : obpressit. 

0. lY 1, 4 : jah ihaz io ihenkit iro müat, wio sie firthu^sben thaz 

guat (durchbringen). 
Gl. I 517 a frisdt friezit*) : depascet. I Sil h faruehotem : consumptis. 

II 701 a uergos : prolnit. I 47 R. fargnitan : delere. 

N. II 464, 17 P.: sie utiaren ferhäiet (gentes), pe diu uudren sie 

steriles. 
Gl. I 371 b virhert firsluntun : in devoratione. 

I 107 R. farheriot : depraedatum. 
T. 13, 15: iogiuueiVh boum . . uuirdit für ho uuan : excidetui. 
N. II 478, 4 P. : den ferchenistet er , den fermület ^ ; conteret. 



*) Über das Verhältnis von brunft : brunst vgl. nunft : nunst S. 189 
Anm. 2. 

*) Über die Zusammenziehung vgl. S. 19 Anm. 2. 



231 



Gl. I 222 gl. K. firklenkit : obtruncat. 

I 601 b firchnusent : allident. 
0. V 7, 33: thae friunt nihein ni wSstiy wio tnan nan firquisti : 

perderet. 
N. I 297, 10 P.: nöh tiu lüstsamo neuerchüste iuueres müotes : 

corrampat. 
Gl. I 24 Ra. Pa. gl. K. farleosan : perdere »). I 26 R. fleosan «) : amittere. 
N. II 318, 27 P.: iro uuinegarien f erlös er mit hagele : occidit. 
T. 36, 1: thär nöh rost noh miliuua U ni furmelit : demolitur. 
N. II 32, 1 P.: sie hdbent dine scrifte mit lukken <mtfristwngon fer- 

m(fr e^ : destrnxerant 

1 703, 10: fdre dltifermülite dstericha : crepidasqae situ morcidas. 
Gl. II 130 b farmurdran : enecare. I 369 b ftrmtiscet firmusHt : attritis. 

I 756 b femihta : evacuit, exinanivit, destruxit, adnallayit. 

II 234 b femozzenen : pertusam. I 396 b fitwuosoten : attritis. 
I 287 a stamfe famuuanaz : pilo retansnm. 

Is. 28, 14 Hench: dhea bwrc ioh ghelstar fyrödhant Uudi mit cOiemu 

zuohaldin herizokin : dissipabit. 
N. 1 26, 24 P.: ih sah tero IdnÜiuto guot feröset uuerden : pessnmdari. 

I 10, 17: iro bilde uuären fore dlti uersdleuuet : fumosas 

imagines. 
Gl. I 22 Pa. Ra. farsantan. gl. K. forsantan : amittere. 

I 160 Pa. gl. E. firscrouanet. Ba. farscramiahnet : gramina. 

II 447 b zavorscurifanne : evisceranda. 

I 108 Pa. farscmMt. gl. K. firsenkit. Ra. farsenkit : demersit. 
I 647 a firsotaniu : discocta. IHR. farsliffan sint : conlabnntur. 

I 708 a ferslant : imbibit. I 743 b virsUzan vuird : dissolvitor. 

II 460 a farsmalzit : eliqnat, purgat. I 369 b uersmuchün : attritis. 
I 109 R. farsaufta : demersit. I 38 Pa. gl. K. farsoffano : 
absorta. 

I 186 Pa. farspentot gl. K. firspentod. Ra. forspentot : impendit. 

I 278 b farspildUa : ezpendi. 

I 260 gl. K. firstrihhit Ra. farstrihit : delet. 
T. 117, 2: Me stuold farcoufenterö M6 tübim f or stürz ta : eyertit. 
Gl. I 273 a farsuuolgan uuerde : absorbeatur. 
N. I 300, 8 P.: dia eitergun ydram fersuänta er mit prände : Ydra 

combnsto periit veneno. 
Gl. 620 a sint farswuorahan : teruntur. 

IV 178 a uerderkenen : exterminare. 

I 103 gl. K. firdüigo. Ra. fartüigot : deierat. 



') verlieren {got. fraliusan S. 23) bedeutet zunächst „verderben", dann 
in der Anwendung auf das Eigentum „verlieren". Die Bedeutungsgruppe 
8. S. 208. 

^ 8. S. 230 Anm. 2. 



232 



0. II 16, 10: wanta in firtilot thaz ser drost filu mdnager. 

N. I 173, 5 P.: i^ fertribet ain guot : profligat opes. 

Gl. II 468 a firtritit : proterat. II 628 a feruverfan : evertere. 

II 101 b farauartan : laedere. IV 128 a fenoesen *) : abnti, laxuriari. 
0. III 6, 46: gibdt tho druhtin sinen, thae wöla sie thes giilenj thie 
liuti thes firtoäsin, thie brosmun thar giläsin, thaz sie gihdltan 
towrtin. 
Gl. IV 2 b ferzoran ferthroscan : attritus. 
N. I TOI, 28 P.: mit t&ro der stHt fereörn uuirt. 
Gl. l' 134 Pa. fardspit gl. K. ßrcispit : extru8it. 
as. Wadst. 60, 16 (Essen, ev.-gl.) : uuerthid feriheuuid : in ventrem vadit. 
Ps. 68, 29: fardiligöt uuerthin fan buoke Itbbendero : deleantar. 
Wadst. 49, 9 (Essen, ev.-gl.) : ne farfarad : non consamabitis. 
Hei. 3610: ihius uuerold wtas tho so farhuerbid, bithiMungen an 

thiuatrie. 
Wadst. 51, 11 (Essen, ev.-gl.) : farliesan : expendam. 
Hei. 1733: thatgi thea spraca godes endi »pel managu ne farleosan 

an iheni liudiun (vergebens brauchen). 
Wadst. 46, 4 (Elten. gl.) : faraland : imbibit. 
Hei. 3377 : hiMt, thu thar alle thine uunnea farsliti, godes an gardun 

(abnntzen, aufbrauchen). 
Gen. 321: al uuard farspildit Sodomariki (zerstören). 
Ps. 57, 10: farsuelgit sia : absorbeat eos. 

Hei. 4373 : ihat odar al brinnanäifiur ia land ia Uudi logna farteride, 

Ps. 73, 3: so miküa faruuart hevit fiunt an heiligin : malignatus est. 

mnd. B. d. Byen f. 269c: al der duuele kracht waert verneelt (nihil: 

vernichten). 

Hamb. Z. R. p. 4: van egener versumenisse wegen vorder vet ofte vor- 

wanhodet (durch toanhode einbüssen). 
ABCD des Ssp.: Jie mach syn recht wol vorwilmoden, echt he dar 

midde nicht mit rechte vare (mutwillig verderben). 

Livl. Urk. nr. 1919: ok vorwurden se uns de wurt und bowet up 

unsere planken (die wurt — Hof statte — verderben). 

mhd. verbekurdieren beim buhurt mit Hufen zertreten (Lexer 3, 72), 

'bem atterere (73), -Ueen zerbeissen, -bleuen durch Gebläse zerschmelzen 

(77), -bleteren, -pletteren verderben (78), -brechen (81), -brennen (82), -brunken 

des Glanzes berauben, auslöschen (84), -bümen, -bumen verbrennen (86), 

-dempfen ersticken (92), -derben (94), -dessen vernichten, -döuwen verdauen 

(97), -drucken (99), -drumen zerbrechen (100), -eiten verbrennen, verwüsten 

(105), -ergem zugrunderichten, veretzen, vretzen aufessen, zerfleischen, ver- 

ezzen, vrezzen (107), -gengen zum Vergehen bringen (113), -giezen verschütten 

(115), -hacken zerhacken (122), -houwen zerhauen (132), -hungern aushungern 

(135), -knOsen conterere (147), -krenken vernichten (149), -krimmenj -grimmen 



») Vgl. got. frawisan S. 22. 



233 



zerdrücken (149), -leisten im Einlager zugrunderichten (158), -leschen aus- 
löschen (160), Verliesen, vUesen zugrunderichten, verlieren (162), -lüppen ver- 
giften (170), -niacken zertrümmern (172), -metzigefi schlachten (178), -meseem 
zerschneiden (179), -miUn zerreiben, -mürden, -morden, -murden ermorden 
(183), -müschen atterere (184), -niden aus Neid zugrunderichten (187), 
-nihten, -nthügen, -niuten, -niutigen vernichten (188), -cesen verwüsten 
(191), -quetschen, -questen (win) verschütten, -rasen vernichten (195), 
-recken vernichten (198), -reren verstreuen (201), -rthen aufreiben (202), 
-rUen zerreissen (205), -schellen, -scheUen zerschellen (214), -sehenden 
schänden (218), -siMeaen totschiessen , {%s) sprengen (216), -schrenzen zer- 
reissen (218), -schroten zerhauen (219), -schroven zerreissen (220), -schüten 
verschütten (222), -seigen ausseihen, ausiliessen lassen, -selken tröpfelnd 
niederfallen lassen (223), -senken zu Falle bringen (225), -sieden (227), 
-slahen zerschlagen, erschlagen (231), -slicken, -slinden, -slingen, -slinken, 
-slucken, -slüchen verschlucken, verschlingen (233—35), -slitzen, -sitzen zer- 
reissen (235), -smehten verschmachten lassen (237), -smelzen zerschmelzen 
(238), -smücken, -smiicken verzehren, -sniden zerschneiden (239), -soufen er- 
tränken, -spalten zerspalten (243), -spr€Eu'en zerstreuen (245), -sprütze^i ver- 
spritzen (247), -stedien zerstechen, zerbrechen, -steckefi ersticken (249), -steinen 
'Steinigen steinigen (249, 250), -sterben töten (252), -stceren zerstören, zer- 
teilen, vertreiben (253), -striten durch Kampf verderben, -ströuwen zerstreuen 
(255), 'Stilm zerstören, -stürzen verderben (256), -stoeinen vernichten, ver- 
giessen, -sweizen verbrennen, -stcenden vernichten, verzehren (261), -teben 
verderben (266), -teilen (267), -temmen ersticken (268), -tiligen vertilgen (270), 
-touhen vernichten (272), -trenken ertränken, durch Trank vergiften, -treten 
zertreten (274, 275), -tribeti auseinandertreiben (275), -iiMn vertilgen, ver- 
derben Jg79), -vellen stürzen, verderben (286), -vliezen zerfliessen machen (288), 
'Vüeren zerstören, durch Fahren verderben (291), -wasten verwüsten, -toäzen 
verderben (296), -wenden zerstören (301), -werfen stürzen (302), -wisen ver- 
derben, aufbrauchen (305), -loirken, -toürken verderben (310), -toischen aus- 
tilgen (311), -worgen erwürgen (313), -zem vernichten, verzehren (317), -zerren 
zerreissen, -zettem, -ziehen zerstreuen (318), -ziln (schilt) zerhauen (321). 

Im nhd. gehört zu dieser Grappe eine ganz besonders grosse 
Zahl von ver-Bildungen ^). Die in den lebenden Mundarten ver- 



') Einige Belege aus der Schriftsprache: 

Keisersberg emeis 54 c: die hexen kunnent die hu v er seihen und 

inen die milch ne/inen (versiegen machen). 
H. Sachs 3. 3, 43 Keller -Götze: so ist's (kraut) an der ein Seiten 

verhrendt und gar zu einem dreck v er sotten. 
Lessing Äntig. 10: das kostet geld und zeit, und ich habe deren 

keines viel zu versplittern. 
Verh. d. schles. fürst, u. stände v. J. 1618 S. 8 : die stücke (Geschütze) 

liegen blosz, die räder von regenwetter gar verspüret. 
ebd. S. 9: die räder und andres gar v er spornt. 



234 

breiteten sind mannigfaltig und anschaulich. Aus ihrer Auf- 
zählung aber würde ein Wörterbuch für sich erwachsen. Ich 
hebe daher nur das Allgemeinste heraus^). 

bair. verächten verderben (Schmeller 1, 29), Schweiz, verändere dass. 
(Staub 1, 310), bluetne, blüemde zerpflücken (ö, 92, 96), gött. verbiten, weidm. 
verbeis8en totbeissen, erwürgen (Schamb. 259, Kehrein 301), bair. verdempfe 
ersticken (Schmeller 1, 511), Schweiz, vergeisle zerpeitsch en (Stanb 2, 466), 
elsäss verhäcJde kleinhacken (Martin 1, 316), ver?Hire Haare zerzausen (1. 366), 
Schweiz, verholze zerspalten (Staub 2, 1265), verchctrre überfahren (3, 426), 
Schwab, verkarret werden (v. Schmid 305), frankf. verkoche aaskochen 
(Askenasy 226), Schweiz, verchutzle zu Tode kitzeln (Staub 3, 606), verlauwene 
(lawine) verschütten (3, 1543), vermadie zunichtmachen (4, 47), vermörde er- 
morden (4, 398), brem. vemilen, holst, vemee^en vernichten (wb. 3, 241, 
Schütze 4, 305), Schweiz, verpäckle in kleine Pakete verteilen (Staub 4, 1015), 
pomm. verpedden zertreten (Däbnert 524), Schweiz, verreche mit dem Rechen 
zerteilen (Staub 6, 119), schles. verreiten zuschanden reiten (Weinh. hs. R 80), 
elsäss. versage klein sägen (Martin 2, 336), versaufe ersäufen (2, 330), Schweiz, 
elsäss. verschiesse erschiessen (Seiler 111, Martin 2. 440), Schweiz, verschite 
in Scheite zerspalten (Staub 1, 910), schwäb. verschlafen sanft töten (v. Schmid 
463), elsäss. verschlage erschlagen (Martin 2, 459), frankf. verschmeisze er- 
schlagen (Askenasy 153), Schweiz, elsäss. verspränge, verstäche, verstehe (ver- 
sticke) zersprengen, erstechen, ersticken (Seiler 113, Martin 2, 559, 572, 580), 
Schweiz, verstücke, brem. verstucken in Stücken zerlegen, zerstückeln (Staub 
1, 910, brem. wb. 4, 1077), frankf. vertrenne {rock) zertrennen (Askenasy 227), 



Rebhuhn Susanna argument. v. 22: das sie versteynt w§rd auff 

dem plan (steinigen). 
Luth. 15. 29, 13 W. : das yhm seine nester, die klöster und geistliche 

rotten, verstöret werden durchs Euangelion. 
Octavian L 4: den christlichen glauben gantz und gar verstrewen. 
Luth. 14. 15, 1 W.: welche (lerer) durch menschen lere den glawben 

gante verdylgen wurden. 
Bocc. 36: alles sein volck vertrent. 

Schönaich ästhetik (Röster) 353: Gottes unsterblich werk verthun. 
Brentano ges. sehr. 3, 286: in dem glühen sande alle spuren von dem 

ödem heiszen Sturmes stets verwaschen. 
ebd. 4, 214: (Ölbilder) ohne grosse gefahr des verwischens eu- 

sammenroüen. 
ebd. 8, 238 : als ich verwüstet, geängstigt, im innem unheilbar krank. 
*) Dieses abgekürzte Verfahren ist bei fra- berechtigt, da die mit ihm 
gebildeten Bedeutungsgruppen völlig durchsichtig und schon im got. aus- 
gebaut sind. Bei faur- und fair- dagegen lag die Aufgabe vor, ihre später 
eingetretenen verschiedenen Verbindungen und weniger reich angebauten 
Gruppen darzulegen. 



235 

Schwab, vencettern heftig zerbrechen (v. Schmid 521), Schweiz, verwargge^ 
-würgge, pomm. verwörgen ersticken (Seiler 114, 115, Dähnert 629), elsäss. 
verumeteheere tobend verderben (Martin 1, 367). Die Qaunersprache bildet 
verdupfen, verlupfm ^erstechen* (Kluge rotw. 271, 332, 339). 

b) Die Üble Nebenbedeutung bei den meisten Verben dieser 
Gruppe tritt bei den folgenden Bildungen in den Vordergrund, 
ohne bis zur Vernichtung zu führen. Bei einigen tritt fra- 
auch in der Anschauung „weg vom rechten Wege" hervor 
(S. 18)^). Sie haben den Sinn „beschädigen, entstellen". 

mhd. verhallen verkrüppeln (Lexer 3, 70), -hellen durch Geschwulst 
schädigen (72), -bilden entstellen (75). -bösen verletzen, verführen (80), 
-brennen durch Brand schädigen (83), -brüten verbrühen, -buegen buglahm 
machen (84), -buwen durch Bau schädigen (87), -dingen brandschatzen (96), 
-dörperti vertölpeln (97), -gagelen vereiteln (108), -gehen kastrieren (112), 
-gleifen verkrümmen (118), -goufnen, -goumlösen verpassen, verwahrlosen (119), 
-graten verwüsten (120), -gülen verderben (121), -heien durch Hitze verderben 
(Nachtr. 391), -heiüösgen vernachlässigen (3, 126), -haUen lähmen (128), -hem, 
-Jierigen, -hergem mit Herresmacht überziehen, besiegen, berauben (129), -hien 
schänden (130), -hcenen verheeren, schänden, -houwen durch Hauen verderben 
(132), -Jmrten beim huhu/ri beschädigen, -irren irre machen, stören (135), 
-hlutem verwirren (146), -hretzen zerkratzen, -hrimmen krampfhaft angreifen 
(149), -lassen vernachlässigen (155), -legen entwerten, beseitigen (156), -leidigen 
verletzen (158), -lernen lähmen, -Unken verbiegen (159), -Urken verkehren, 
-leisen f -letsigen verwunden, -liehen Haar ausraufen, -JtedtfriicÄ««. verwahr- 
losen (160, 161), -lüppen verzaubern (170), -mäligen, -meiligen, -meilen, 
•mäsegen beflecken (173, 175, 176), -mdsen coUinere, -mechen schwächen, auf- 
halten (175), -meinen durch Missetat {mein) beflecken (176), -meistern durch 
Abrichten verderben (177), -modelen verunstalten (181), -müejen entkräften 
(182), -netsen durch Nässe verderben (187), -nullen zerwühlen (190), -ardenen 
in Unordnung bringen (191), -reinigen beflecken (199), -renken, -riden ver- 
drehen (201, 202), -rimphen verzerren (204), -ritsen verwunden, -riieren ver- 
rücken (207), -ruochelen negligere (208), -schaffen verunstalten (211), 
-«cftamen*) schamlos machen (213), -sehenden, -scherten verletzen (215), 
-schimpßeren (217), -schraken bespritzen (218), -schroten schneidend verletzen, 
verderben (219), -sdvüm Augen beim Schüren entzünden (222), -selwen be- 
schmutzen (224), -sengen (225), -seren verletzen (226), -sldhen beschmutzen 
(231), -slisen verschleissen (235), -smirwen beschmieren (238), -solgen be- 
schmutzen (241), -stellen entstellen (250), -stigen (hende) blutig kratzen (252), 
•stceren verwirren (253), -siümbeln verstümmeln (255), -stürzen verkehren, 

') Diese Gruppe hat meistens auch gehässigen Sinn. 
*) Germ. H. 293, 26: die ir seU mit tinrehten werken hont verschämt; 
vgl. dagegen verschamen beschämen S. 207. 



236 

umstürzen (256), -aiimen versäumen (257), -swingen darcbpeitschen (265), 
'trecken verzerren (274), -triben verwüsten (275), -ttceln verkümmern lassen, 
aufhalten (280), -unreinen, -unreimgen (281), -urliugen mit Krieg überziehen, 
verwüsten <282), -vegen durch Fegen abnutzen (286), -/wttercn verwahrlosen (287). 
-vlecJcen beflecken (288), -woehen verunstalten (292), -warlösen, -warten unacht- 
sam behandeln (295, 296), -werren in Unordnung bringen, verletzen (304), -werten 
verderben (305), -worten mit Worten missbrauchen, -wüesten, -wüesienen ver- 
letzen, verderben (313), -tounden (314), -zücken verdrehen, entstellen (323); 
dazu die Partiz. unverschalt der Schale nicht beraubt, unbeschädigt, unver- 
schranket unbeschädigt (2, 1962), unvenvirset unverdorben (2, 1972). In un- 
verkust (2, 1957) „ungeküsst" braucht kein übler Nebensinn zu liegen, ver- 
ist hier als Perfektivpartikel wie ge- aufzufassen ^). 

Aus den nhd. Mundarten *) ist erwähnenswert : 

preuss. veralhnachten (hett) in Unordnung bringen (Frischbier 2, 427), 
schles. verärscheln verkehrt auffassen, versäumen (Weinh. hs. A 52), gött. 
verhallen Ballen quetschen (Schambach 259), weidm. verheizen junge Holzungen 
durch Beissen beschädigen (Kehrein 301), hess. schles. verhellen durch Schwellen 
beschädigen, verstauchen (Pfister 17, Weinh. hs. B 56), elsäss. verhetie im 
Betespiel verlieren (Martin 2, 112), preuss. verheuteln einbüssen (Frischbier 
2, 427), Schweiz, elstkss. verhihäbele^) (Staub 4, 920, Martin 2, 3), elsäss. ver- 
bocke (Martin 2, 29), Schweiz, verborge, verbredige durch Borgen, Predigen 
schädigen (Staub 4, 1576; 5, 406), verbrumherle (4, 1471), verbürge durch 
Bürgen einbüssen (4, 1589), leipz. preuss. verbuttern (Albrecht 228, Frischbier 
2, 429), Schwab, verdirlemitzeln (v. Schmid 128), frankf, verdreppeln ver- 
schütten (Askenasy 225), brem. verdnnken durch Trinken schädigen (wb. 1, 
247), elsäss. verflecke besudeln (Martin 1, 167), Schweiz, oerfretze durch Ab- 
weiden schädigen (Staub 1, 1344), pomm. verfuschem (Dähnert 520), köln. 
vergörge (wie Georg?) verhunzen (Honig 192a), preuss. vergreifen (hand) 
greifend verletzen (Frischbier 2, 431), gött. verhackeln Absätze schief treten 
(Schambach 262), Schwab, verlhanslearte*) (wie Hans Leonhard) verderben, 
verlieren (v. Schmid 261), hess. westerw. verhoppa8(8)en einbüssen (Pfister 
107, Schmid^t 294), elsäss. verhapse, verhupfe, schles. verhopsen, verkuppeln 
(bein) springend verletzen (Martin 1, 363, Weinh. hs. H 141), holst, verkateni 
(Schütze 4, 303), Schweiz, verchalbe, -chalbermatte, -chegele, -ckessle, -chünstle 
(Staub 3, 223; 4, 551 ; 3, 183, 522, 369), milit. (sich den achwanz) verklcpfen 



*) Ebenso nhd. Schweiz, verchussle, verachnatschge j,mit Küssen bedecken" 
(Staub 3, 528; 5, 1279), elsäss. verschmutze, -achmutzge (Martin 2, 491). 

^) Ich führe wie S. 234 nur solche Bildungen an, die uns von der 
Schriftsprache aus unmittelbar verständlich oder durch ihre Bildung auf- 
fallend sind. Mit der Bedeutung „schädigen'' vereinige ich „sich schädigen, 
verlieren« (vgl. S. 207 Anm., 208). 

^) Worte, die nicht weiter erklärt sind, vereinigen die Bedeutungen 
„durch Nachlässigkeit oder Ungeschick verderben" und „einbüssen*'. 

*) Mörike 6, 203 (Hesse): hat d€Ls auch müssen verhansleartet sein. 



237 



oder verbrennen sich anstecken (Hörn 127), berl. verkorksen j -kolksen (Meyer 
126b), schles. verldischen (Weinh. öl), mansf. verlästemf verlidem, -ludern 
(Jecht 118), westfäl. verlüem versäumen (Woeste 293), köln. vemmcbche Ver- 
trauen verlieren (Honig 193 a), Schweiz! schw&b. vermanne durch Heirat ein- 
büssen (Staub 4, 291, v. Schmid 373), Schweiz, vermarkte schlecht verkaufen 
(Staub 4, 417), vermeistere, -schissmeistei'e (4, 536, 537), vermesse durch Messen 
schädigen (4, 458), preuss. vermardspipeln (Frischbier 2, 436), elsäss. vernetze 
durchnässen (Martin 1, 798), Schweiz, verpfuye verpfuschen (Staub 5, 1048), 
westerw. verböckeln, -pöckeln versalzen (Schmidt 289), schles. verpolschen 
(polnisch) ungeschickt und unverständlich ausdrücken (Weinh. hs. P 119), 
gött. verrammeln, schles. verrampeln {bett) verwühlen (Schambach 265, Weinh. 
hs. R 31), elsäss. versabele {saheV) Brot verschneiden (Martin 2, 317), schles. 
versäabotteln, -beuteln (Weinh. 79), henneb. leipz. köln. berl. versauen (Spiess 
268, Albrecht 230, Honig 193 b, Meyer 127 b), leipz. versauigeln, verschwein- 
igeln (Albrecht 230), österr. verschanden (Castelli 124), henneb. verscMnden, 
versdieissen (Spiess 268), gött. verscheppen entstellen (Schambach 26ö), 
westerw. versehlamben, -schlampeti, -schlappen (kleider), hess. verschHanipen, 
-scMumpen, -scMuneeti, henneb. verschlappen, -schlumpen, leipz. verschlumpen 
(Schmidt 308, Vilmar 353, 357, Albrecht 230), elsäss. verschnupfe mit Tabak 
besudeln (Martin 2, 504), verschnütze durch Schneuzen verderben (2, 513), 
frankf. versitze *) {divan) abnutzen (Askenasy 227), westerw. verstauchen ver- 
derben (Schmidt 311), elsäss. verstolpere durch Stolpern schädigen (Martin 2, 
503), bair. vertonten {tand) verhunzen (Schmeller 1, 611), vertappen (1, 612), 
berl. vertapem (Meyer 128 a), frankf. vertrage (rock) abnutzen (Askenasy 227), 
altmärk. vertrecken verschleppen, vertrödeln (Danneil 240), brem. verwanholden 
(wb. 1, 641), pomm. verwanschapen verunzieren, verwaschen verwahrlosen 
(Dähnert 529), weidm. vervjunden festen Boden beim Laufen mit den Hufen 
leicht aufritzen (Hirsch : Kehrein 310), milit. ver zwirnen durch Übereifer ver- 
derben (Hörn 76). 

Besonders gern werden Fremdwörter oder Bildungen mit fremder En- 
dung durch ver- dieser Gruppe einverleibt : holst, verkramereeren = verkramen 
(Schütze 2, 342), wien. vemeglischieren, lux. ven^iegligeren (Hügel 180, Gangler 
468), leipz. berl. verrungenieren, -rujenieren^ altm. gött. köln. ver(r)ung(eyner(e)n 
(Albrecht 194, Meyer 127 b, Danneil 239, Scbambach 265, Honig 195 a), preuss. 
verschampfieren, -schampieren, -schumpfieren, leipz. berl. oerschimpfieren, köln. 
verschimpeere, lux. verschampleren, leipz. verschändieren, köln. verschängeleere, 
verschokeere, versckubeere (Frischb. 2,439, Albrecht 198, Meyer 127 b, Honig 
194 a, Gangler 469, Honig 193 b, 194 a), aachen. köln. vertesteioire, -testeweere, 
-testueere (desHtuer: Müller- Weitz 256, Honig 195 a). 

Wie verbroche gehn „zerbrechen", verrisse gehn „zerreissen" 
(Askenasy 225, 227) hat der Frankfurter Dialekt die eigen- 
artige Bildung verschiUt gehn „vergossen werden" (227); im 

^) Vischer auch einer 2, 83: sie sucht die mitgenommene orangentorte; 
der liebe Onkel hat sie versessen (sitzend verderben, zerdrücken). 



288 

Schles. (verschüttet gehn) and Rotwelschen bedeutet dieses „von 
der Polizei gefasst, verhaftet werden ** (Weinh. hs. S 256, Klage 
rotw. 372). Daneben bat die Gaunersprache verschütten , ver- 
haftet werden" (ebd. 294, 319, 324) und verschütten (die wäre) 
„sein Kollektenbuch einbttssen" (274). 

Der Begriff „verloren" hat sich mit dem Präfix ver- so 
fest verbunden, dass man im Preuss. (Frischb. 2, 426) kurzweg 
sagt: das ganze spiel ist ver, und im Schles. (mir bekannt und 
bezeugt) beim Billardspiel: 8 punkte ver. Ebenso fest hat sich 
die Vorstellung „ verderben , beschädigen " ^) damit verknüpft, 
dass z. B. die wachsende Sprechdenktätigkeit des Kindes mit 
wohlbegründeter Analogie u. a. die Wörter verschmutzen, die 
beine verJcnien erfindet (0. Schneider in Z. f. philos. u. phil, 
kritik 121, 171). 

c) Auf die Anschauung „zu Ende bringen" (vgl. S. 230) geht 
auch die Gruppe „verarbeiten, verbrauchen, verbringen* zurück, 
oft mit schlechtem Nebensinn (die ahd. Belege s. ebd.): 

mnd. Sudend. 8, S. 245, \: 1 kr. dede de voghet . . . . , dat se vorbadeden 
(für Baden aasgeben). 
Sudend. Urkb. II nr. 24 : äl dat we vorgrauen vnde vorbütoet hadden 

(für Qraben und Bauen verbrauchen). 
Brem. Stat. 84: dat de hindere mer rente hedden wen men vorkostede 
unde vorkledede an en unde an erem ghude (an Kost und Klei- 
dung aufwenden). 
Magd. Seh. Chr. 226, 12: dat nie lichte vele penninge vorkrigen mochte 

(durch Kriegführung verbrauchen). 
Brem. G. Q. 98: sie wolden Heuer alle ere gitd vororlogen (dass.). 
mhd. verarbeiten (getraid), verbacken (kam) zu Brot (Lexer 3, 70), 
-biderben aufbrauchen (74), -Uzen verzehren (77), -bletzen Stücke Holz oder 
Stein als Ausbesserungsmaterial verwenden (78), -botenldnen als Botenlohn 
ausgeben (80), -bringen durchbringen (83), -buoben mit bübischem Leben (85), 
-büwen ^) (hole, geld) bauend verbrauchen (86), -dceaen verzehren (97), -ersemen 
an Arznei (107), -güften mit lustigem Leben (120), -höchverten mit Hoffart, 
-hofieren mit Festen (131), -höveln, -hoietlen mit Gastereien vertun, -have- 



^) W. Scherffer bei Drechsler a. a. 0. 4: dass man . . hingegen seine 
eigene muttersprache gantz vernachlässigt oder sie gar im reden so ver- 
lateinet, verwälscht, verfrantzöset, und gemischt ausgesprochen und 
geschrieben, 

*) d<iz verbuwen : die beim Bau aufgewendeten Kosten (Lexer 3, 87). 



239 

toercen für hovewere ausgeben (134), -hunrefi durch Hurerei (135), -jänen (wie 
Johann) verspielen (137), -kosten aufwenden (147), -kramen für unnützen Kram 
ausgeben (148), -kriegen durch Kriegführung (149), -leisten im Einlager ver- 
brauchen (158), -liehtem (unschUtt) zu Lichtern verarbeiten (162), -luodem 
mit lockerem Leben (170), -minnen durch Minne vertun (180), -mOmen (silber) 
zu Geld schlagen (183), -muren (kalk, steine) zum Mauerbau verbrauchen 
(184), -meeen verbrauchen (187), -nützen dass. (191), -poppeln als Fresser 
(boppe), -prahtieren verjubeln, -quaken (quaz : Schlemmerei) verprassen (194), 
-reiten vergeuden (199), -schallen verjubeln (211), -schieeen schiessend ver- 
brauchen (216), -siechen in Krankheit verzehren, -sieden kochend verbrauchen 
(227), -slecken vernaschen (233), -smiden schmiedend verarbeiten (238), -solden 
an Sold ausgeben (241), -spenden durch Almosengeben (243), -spilten unnütz 
vertun (245), -stechen stechend aufbrauchen (249), -stözen vergeuden (254), 
-süfen mit Saufen (257), -swenden (261), -toben mit tollem Leben (270), 
'tokeen mit tökzen durchbringen, -top(p)eln mit Würfelspiel, -Uxren in törichter 
Weise (271), -iirihen durchbringen (275), -trinken mit Trinken (276), -twm 
dnrchbringen (278), -wüesten unnütz (314), -eem ausgeben (317). 

Aus den Mundarten ^) stelle ich zunächst die Verba der 
Bedeutung „verbrauchen*^ zusammen: 



^) Einige Belege aus der Literatur: 

Schiller 1, 269: verlüderlicht in einem hui des himmels beste gaben, 
Pers. baumgarten 4, 12: könt aber . . durch wollust eure weiber 

verschwenden, 
H.Sachs 21. 94,31 Keller-Götze: verseidelst offt daheimen mehr 

mit dein geapilen vberause, 
ebd. 14. 192,9: und seist darnach aussetzig wom und hobst ver- 
siehst als dein guet (im Siechtum verbrauchen). 
S. Münster cosm. 726: sie versoldeten 24000 gülden. 
Hoffmann v. Fallersieben mein leben 6, 345 : so auch mein Geist sich 

selbst verspeist, fehlt ihm als speis' ein andrer geist, 
Mejrfart himml. Jerus. 2, 218: verspendirest alle dein vermögen, 
H. Sachs Ndr. 26/27 S. 68: ewr gut verspilen vnd versauffen, 
Lohenstein Cleop. 51: die Seeschlacht ward verspielt. 
Bocc. 125: wie vil kolen er verstriche oder vermalt. 
Lustige blätter 1906 Nr. 44 S. 8: da hab^ ich den ganzen mammon 

V er süffelt, das hat den professor gewaltig verschnüffelt, 
Uhland volksl. (Cotta) 1, 321: das geld wöl wir vertemmen. 
Luth. 23. 543,8 W.: alte odder beschäbene, vertragene odder von 

gemeinem tuche, wie ander tegliche kleider waren (abgetragen). 
H. Sachs Ndr. 26/27 S.84: weil er sein erb doch wird verthon. 
Logau 1. 7, 11: als etwa neun Soldaten dem bauten einen hahn ver- 

thaten (wegschnappen und verzehren). 
Kladderadatsch 26.11.1905: damit dasselbe (güd) nicht vernascht 

und verunnützt wird. 



240 

gött. verarzeHy bair. verarznen für den Arzt ausgeben (Schamb. 259, 
Schmeller 1, lö4), Schweiz, verbade für Baden (Staub 4, 1015), bair, ver- 
heizen abweiden (Schmeller 1, 287), verbiderben verbrauchen (l, 535), Schweiz. 
verberge als Senne auf den Bergen (Staub 4, 1563), Schweiz, verbuwe für 
Bauten (4, 1960), verbrüche (5, 361), Schweiz, verdoktere, -dökterle, henneberg. 
westerw. gött. brem. aachen. verdoktern für den Arzt, unnütz ausgeben 
(Stalder 1, 287, Spiess 266, Schmidt 290, Schamb. 259, brem. wb. 1, 218, 
Müller-Weitz 34), pomm. verdoon verzehren (Dähnert 619), schles. verdrüdcen 
verzehren (Weinh. hs. D 102), Schweiz, veretze abweiden (Staub l, 629), 
brem. vervoren, Schweiz, verfuetere als Futter verbrauchen (wb. 1, 433, 
Staub 1, 1138), Schweiz, vergan durch Gehen abnutzen (Staub 2, 27), verhirie als 
Hirte verfüttern (2, 1651), gött. verholen beim Hüten verbrauchen (Schamb. 262). 
Schweiz, verkäse, -utihuse, eis. verhüse, schwäb. verhattse, -hatialidele in der 
Wirtschaft verbrauchen (Staub 2, 1742, Martin 1, 385, v. Schmid 266), hess. 
gött. schles. verknusen *) verdauen, holst, aufzehren (Vilmar 213, Schamb. 263, 
Weinh. hs. K 182, Schütze 2, 809), brem. verkosten verausgaben (wb. 2, 858j. 
Schweiz, verchüejere (kuh) als Senne, verchüechle (kttchen) zum Backen ver- 
brauchen (Staub 3, 98, 144), henneb. verkonsumieren, mansfeld. verkunsetniren 
verbrauchen (Spiess 267, JechtllS), Schweiz, verkürle für Arznei (Kur) aus- 
geben (Staub 3, 448), verchorbe zu Körben verarbeiten (3, 435), valebe für 
den Unterhalt verbrauchen (3, 971), vemiisU als Dünger verwenden (4, 540), 
vermoste zu Most (4,544), vermtistere bei militärischen Übungen ausgeben 
(4, 546), gött. vennülmen völlig aufessen (Schamb. 264), leipz. vertiesen ver- 
zehren (Alb recht 230), westf. vemutzen benutzen (Woeste 293), eis. verproze- 
diere, -prozesse durch Prozessieren (Martin 2, 208), schles. verreiben verzehren 
(Drechsler 208), preuss. versäbeln verspeisen (Frischbier 2, 439), Schweiz, ver- 
sattle, verschmide für den Sattler, den Schmied ausgeben (Staub 1, 909), 
verschaffe verarbeiten (Seiler 111), Schweiz, leipz. verschnäbeUere{n) , wien. 
verschnabulieren verzehren (Staub 1, 911, Albrecht 204, Hügel 181), frankf. 
versitzen (divan) sitzend abnutzen (Askenasy 227), pomm. versluken ver- 
schlingen (Dähnert 526), Schweiz, verwintem den Winter über an Futter ver- 
brauchen (Stalder 2, 454). 



Spee trutzn. 122: die bienen verwircken ihren saft (verarbeiten). 
Prutz pr, gesch. 3, 266: diesen (Staatsschatz) hat Wöllner in einigen 

wenigen Jahren verwirtschaftet 
Iffland bei Campe 5, 403 b: haben sie nicht ungefähr so viel ver- 

wohlthätelt (zu wohltätigen Zwecken ausgeben). 
Leuthold ged. ^74: des goldbauem Hieseil haJt alles verzecht. 
Wieland 2, 249: der seine kräfte bei nächtlichen sdmiäusen verzettelt. 
') In hauptsächlich mitteldeutschen Mundarten wird verknusen in über- 
tragenem Sinne als „ausstehen, leiden, ertragen'' gebraucht (Vilmar 213, 
Woeste 292, Danneil 238, Jecht 118, Albrecht 229, Honig 192b, Meyer 126b, 
Frischb. 2, 433). 



241 



Die mundartlichen Ausdrücke für „durchbringen, vergeuden" 
führe ich gesondert und eingehender vor, da sie zum Teil recht 
eigenartig gebildet und weit verbreitet sind^): 

Berl. veraasen (Meyer 125 a). Schweiz, verbanketley -bankeitiere (Staub 4, 
1H91), (ist. fai^lasn vertrinken (Castelli 121), preuss. verbammeln, -bummeln, 
'bubanzen, -bumfiedeln (Frischb. 2, 427 ff.), leipz. verbambefi, 'bummeln (Albrecht 
229, 95), altmärk. verbubansen (Üanneil 236), berl. verbubanzen ^ -bumfideln 
(Meyer 125 a), köln. verbumfiddeh (Honig 191a), schwäb. verbraunbeerle ver- 
leckern (v. Schmid 92), brem. pomm. verbringen, hamb. verbrtngern (wb. 1, 140, 
Dähnert 518, Richey 328), Schweiz, verbuebe, -buele (Staub 4, 946, 1188), 
rerbummeränzle (4, 1256), preuss. verdähbeln, -debbeln (Frischb. 2, 429), west- 
fäl. verdauen (Woeste 290), pomm. verdoanem (Dähnert 519), schles. ver- 
drescheti (Weinh. hs. D 93), bair. brem. verdoppeln mit Würfelspiel (Schmeller 

1, 528. brem. wb. 1, 217), berl. verdrücken, -dudeln (Meyer 125b), mansf. 
leipz. verdummeniren (Jecht 117, Albrecht 229), Schweiz, verfamachte in der 
Fastnacht (Staub 4, 654), brem. vervechten (wb. 1, 361), brem. holst, altmärk. 
^ütt. köln. leipz. berl. verfumfeien wollüstig (wb. 1, 467, Schütze 1, 339, 
Danneil 236, Schamb. 261, Honig 191b, Albrecht 228, Meyer 125b), hess. 
verfumfeiten, -bumfeien (Pfister 326), preuss. verfumfeien, -bumfeien (Frischb. 

2, 429), hamb. verfumfeien, -fumfumfeien (Richey 67), wester w. verfomfeien 
(Schmidt 306), schles. verguften (Weinh. hs. G 169), Schweiz, -aach. verhaseHire 
köln. verJuiseleere ( Müller -Weitz 254, Honig 192a), öst. fahaun, leipz. ver- 
hauen (Staub 2, 1675, Castelli 122, Albrecht 229), Schweiz, verherr gölten^ 
(Staub 2, 523), pomm. verhören (Dähnert 522), eis. verjubiliere, -juchze (Martin 
1, 402), Schweiz, vetjuheie (Staub 2, 854), steir. verjuxen (Lexer 152), wien. 
vefjuken, -juksen (Hügel 179), schles. verjuchtem (Weinh. hs. T 45), henneb. 
verjucken (Spiess 267), hess. verjucken, -juckem (Pfister 121), westf. verjuckeln 
(Woeste 292), köln. verjöcke, -juckele, -juckse (Honig 192 a), mansf. verjudi- 
heien, -juweht (Jecht 117), leipz. verjuMieien, -juxen (Albrecht 229), berl. 
vefjuchhein, -jucken (Meyer 126 a), preuss. verjucken, -jucheln, -jucken, -juppen, 
-juckem (Frischb. 2, 432), leipz. verkarten im Kartenspiel (Albrecht 143), 
Schweiz, verkleide, Schweiz, eis. verklempere, -klappere, -klopfe (Staub 3, 624, 
648, 665, 681, Martin 1, 492, 494, 496), pomm. verklakkem, altmärk. ver- 
kleckern, -klickem (Dähnert 522, Danneil 238), hess. verkUmpem, -klimpern, 
-klittem (Pfister 133), wien. verklopf en (Hügel 179), köln. verklüngele, -küm- 
mele (Honig 192b), berl. verknacken, -kreescheti (Meyer 126b), leipz. ver- 
krümeln (Albrecht 229), henneb. westerw. leipz. preuss. üerkümmeln vertrinken 
(Spiess 267, Schmidt 301, Albrecht 156, Frischb. 2, 434; , Schweiz, verlands- 
knechte, -laboriere, -läppe, -läppele, -läppere, -liedere, -lüdele, -lottere, -lumpe 
(Staub 3, 726, 953, 1348 f., 1090, 1103, 1504, 1281, Martin 1, 602,626,589), 



^) Die alemannischen Sonderbildungen übergehe ich. 
*) Vgl. damit die Redensart: ein leben führen wie der herrgott in Frank- 
reich; vgl. verallmachten S. 236. 

Leopold, Die Vorsilbe ver- 16 



242 

Wien, verldbariren, frankf. verlaweriren (Hügel 179, Askenasy 226), schles. ver- 
lappem (Weinh. hs. L 20), henneb. verläppern, -leppern, -liedem (Spiess 267, 
Reinwald 182), wien. verleppem (Hügel 180), berl. verleppem, -liedem, -loddem, 
'ludern (Meyer 127 a), preuss. verlähberti, -lebberny -ludern (Frischb. 2, 434, 
430), leipz. verläppern, -liedern, -ludern, -luleien, -lunUeien (Albrecht 229), 
Schweiz, elsäss. holst. verlottere(n) (Staub 3, 1504, Martin 1, 626, Schütze 3, öl), 
köln. verlöddere (Honig 193 a), schwäb. vermenschem mit liederlichen Weihern 
(v. Schmid 382), mansf. vermiwelHy frankf. leipz. preuss. vermöbeln (Jecht 117, 
Askenasy 226, Albrecht 229, Frischb. 2, 436), berl. vermöbeln, 'tnurksm 
(Meyer 127 a), steir. faneaten (Lexer 199), leipz. vemesen (Albrecht 229), 
holst, verpant^oonen am Fest Pantaleon (Schütze 3, 191), köln. verplaeke, 
-plempere, -posementeere (Honig 193), Schweiz. verpHämpele, -plämpere, -piäm- 
perU, -plämplämperle (Staub 5, 100 (F.), altm. verplämpem (Danneil 239), 
berl. verplen^em, -posementieren, -prezeln, -puHtoem, -puteen, -puschdn (Meyer 
127), preuss. verplämpetii , -plempern, -plimpem, -plömpem, -poaamentieren, 
-putzen (Frischb. 2, 437, 438), frankf. verbossemandieren (Askenasy 56), mansf. 
verpossementiren (Jecht 117), leipz. verposementiren, -putzen (Albrecht 229), 
Wien, verputzen (Hügel 180), bair. verpäppeln als Schlemmer {b(y»pe: Schmeller 
1, 400), schles. verprachem, -prachten, Schweiz, verprachte, -prä/Atele (Weinh. 
hs. P 126, 127, Staub 5, 392, 397), elsäss. verquackele, -quatsche (Martin 2, 
211, 213), berl. verquackdn, -quaddem, -quasett (Meyer 127b), preuss. ver- 
quackeln, -qudsen, -quisten (Frischb. 2, 438, 439), altm. verqtuisen (Dauneil 239), 
schles. verquetschen, -quisten (Weinh. hs. Q 10), köln. verquängele (Honig 
193 b), Schweiz, verrössle mit Spazierenfahren (Seiler 111), versMampampe, 
-schlämpämperle (Stalder 2, 324, 527), elsäss. verschlämbämple (Martin 2, 464), 
westerw. verschlambambefi (Schmidt 308 «, brem. verslampampen (wb. 4, 800), 
preuss. verschlampampen, -schludern, -scMuddern, -schmoren, -schwimeln, 
-schwiren (Frischb. 2, 440, 441), berl. verschludern (Meyer 127 b), wien. rer- 
schledem, -schuastem (Hügel 181 j, öst. faschnMzn (Castelli 122), hess. ver- 
schenkein, -schlickern, -schlözen, -schlunzen, -schnuckeln (Pfister 253—255, 
265), brem. verslickem (wb. 4, 830), elsäss. verschnäpsle, -schöpple, westfäl. 
versnappsen {schnaps: Martin 2, 504, 423, Woeste 295), mansf. versimsen 
(Jecht 117), leipz. versemsen, -sumsen (Albrecht 229), berl. versimsen, -susengen 
(Meyer 128 a), preuss. versusengen, -spillem, -spiltem (Frischb. 2, 443,441), 
schles. verspachteln, -spenden (Weinh. hs. S 361, 373), Schweiz, verspendiere, 
-suwlebe mit schlechtem Leben (Staub 1, 911; 3, 972), leipz. verstaaten in 
Putz (Albrecht 231), schwäb. vertänderle (v. Schmid 119), wien. vertederen, 
-trantschen (Hügel 181, 182), preuss. vertritzen (Frischb. 2, 443), leipz. ver- 
trödein (Albrecht 229), bair. vertuenitzen (Schmeller 1, 577), Schweiz, ver- 
tudelbutschiere (Staub 4, 1941), brem. vertagen mit Kleidung (wb. 5, 123), 
westf. vertürlüren (Woeste 297), wien. mansf. verwixen, leipz. berl. preuss. 
verwidisen (Hügel 182, Albrecht 229, Meyer 128b, Frischb. 2, 444), henneb. 
verwüsten mit wüstem Leben (Spiess 270). 

Diese Bedeutungsgruppe ist in der Gauner-, Studenten- 
und Soldatensprache besonders beliebt: ,, verzehren* nennt die 



243 

Oannersprache vergurgeln, verplaren (Kluge rotw. 141, 458), die 
Soldatensprache verdrücken, vermählen (Hörn 87); „versaufen" 
heisst verschöchem (Hörn 88), verhneipen (Kluge stud. 132); „ver- 
spielen" heisst verfläbben (rotw. 458), vergaunen (190), verhülen 
(458), verjunen (15), verjonen (Hörn 107), verkUzeln (stud. 132), 
vemobesen (rotw. 435), verarocken (389); verschüffpt ist „ver- 
spielt, verloren" (rotw. 89). „Geld durchbringen" nennt der 
Student verbürsteHf -dominieren, -jubeln, -ludern, -paskalen, -schlem- 
mieren, -schwimeln, -schwüisieren, -schwofen „im Tanze", -u^ichsen 
(Kluge stud. 132 f.); verludern, -schwimeln, -schwofen lässt sich 
nicht nur das Geld, sondern auch die Zeit (ebd.). 

Besondere Ausdrücke für „die Zeit hinbringen" sind seit 
mhd. Zeit nachzuweisen : 

reraffen auf törichte Weise (Lexer 3, 67), -ballen mit BaUspiel (71), 
'Ilagen mit Klagen (144), -kramen vertändeln (148), -hrumen vertrödeln (149), 
-kuppeln mit Kuppeln (151), -leben „verleben" (155), -marsagen mit Schwatzen 
(175), -senen mit Sehnen (225), -sldfen schlafend (231), -sitzen {leben, zxt 235), 
-spiln spielend (244), -^^tten spottend (245), -swenden {leben, tage 262), -swem 
schwörend (263), -tamen mit Tanzen (266), -trtben {leben, zit, tage 275), 
-tumben in Tnverstand (278), -tuwi {zit, tac, jär 279), -wilen {leben 308), 
-zem {zit, leben, jär 317). 

Die nhd. Literatursprache weist viele derartige Neubildun- 
gen auf^), weniger die Mundarten: 

aachen. verbäbbele, eis. verbapple, Schweiz, verblaudere plaudernd ver- 
bringen ( Müller -Weitz 8, Martin 2, 68, Staub 5, 20), Schweiz, verblägere, 



*) Schönaich ästhetik (Köjster) 214: bis ihr drey langsame tage darinn 

verheult habt. 
Urfaust vorr. (E. Schmidt) XXIII: da er ein paar stunden ver- 

gängelte, ein paar verliebelte, ein paar verspielte. 
Lenau Faust 30: dein haJbes Üben ist verflossen, es ward vergrämelt 

und vergrübelt, einsam in studiis verstübelt 
Goethe 13, 50: mit siegsgesang und harfenschlag verklimpern sie 

den lieben tag. 
.1. Paul herbstbl. 3, 195: verlebte, verschrieb und verlas er 

gange tage. 
J.Paul 7, 104: ihr (weiber) . . in eurem vernähten, verkochten, 

verwaschenen leben. 
Goethe (Hempel) 14, 72: wir verphantasieren mamche stunde in 

ländlichen seenen, 
Arno Holz Daphnis (1904) 45: willstu bei detn alten pauren deine 

schönste zeit versauren? 

16* 



244 

berl. verbummeln, schles. verfaulen (teit), Schweiz, verfulen faallenzend 
(Staub 5, 39, Meyer 125 a, Weinh. hs. ¥ 32, Stanb 1, 790), gött. verlesen 
lesend (Schambach 264), schles. vermären, verschludern nutzlos (Weinh. hs. 
M 3, 8 160), Schwab, vermauern {leben) eingesperrt hinbringen (v. Schmid 379), 
Schweiz, vemarre, vertörle törichter Weise (Staub 4, 784; 1, 907); brem. 
altmärk. vermaeken plaudernd (wb. 4, 877, Danneil 239), berl. vertrödein 
langsam, nutzlos (Meyer 128b), schles. vertrendeln dass. (Weinh. hs. T 101), 
Schweiz, vertwelle mit kindischer Unterhaltung sich die Zeit verkürzen 
(Stalder 1, 334). 

An die vorigen Gruppen scbliessen sich einige Verba an, 
die ebenfalls als „za Ende bringen^ zu erklären sind und den 
Sinn , verwinden« haben (vgl. S. 109, 111, 202). Sie treten 
erst mild, hervor. 

mhd. Msf. 128, 4: mine gar verlornen jär verklage ich niemer me (auf- 
hören zu beklagen, verschmerzen). 
Alph. 9, 3: wie mahtu ez ver schämen? 
scr. rer. pruss. 5, 255 (a. 1465): den schaden vorsüfzen (verseufzen). 



Goethe -Kalender 1906 S. 60 (zum Shäckespears tag): ihr sdtaUen 
leben zwischen myrten und lorbeergebüschen verschlendern und 
vergdhnen. 

Thümmel reise 4, 167: haben sie nicht ihre nachte mit nachdenken 
verwachtf ihr schönes leben verschrieben? 

Bürger 34, 6: so muszt du dein leben, verriegelt allein, Hef unter 
dem ihurm im gewölbe verschrein. 

Seume bei Campe 5, 364b: ich . . verschulmeistere mein am- 
phibienleben, so gut es geht, 

Goethe 9, 41: ein taugenichts, der . . die ganze nacht verschwärmt. 

Thtlmmel reise 4, 5: gemHiher, die ruhig ihre zeit verschweigen, 
verjagen und in Schauspielen vertändeln können. 

ebd. 5, 272: so verschwitzte und verhorchte ich eine lange pein- 
liche stunde. 

Jugenderinn. e. alt. Mannes (Kügelgen) 38: es waren schöne stunden, 
die wir im geföhl unsrer muskelkraft versprangen und ver- 
schwangen. 

Schiller 2, 126: meine . . ÄmaUa verseufzt und vertrauert ihr Ubefi. 

Tieck 10, 8: im kleinen nest versitze ich zwei jähre. 

Goethe 1, 51: so v er taumelt sich der schönste iheil des lebens. 

H. Sachs Ndr. 26/27 S. 78: bisz er sein junge tag hat vertribn. 

Urfaust V. 284: die mägdlein ach sie geüen vidi vertrippli- 
streichelt eure zeit! 

Goethe-Kalender 1906 S. 73: der abend gestern ward mit würfeln und 
karten vervagabundet. 

Keisersberg anh. mensch. A 3: une du die zeit verzert hast. 



246 

Roth. R. 3873: daz her in siffin nachten virsmerzen nine machte. 
nhd. S. Dach 405 Österley: da ihr winterleid , , zu vergehn^) in fröligkeU 
(gehend beseitigen). 

Schiller 1, 107: schmerzen v er hüpft' er im wirbelnden tanz. 

Geliert ö, lb7: an seiner seite die last meiner hypochandrie einige 
tage zu verreden. 

Spielhagen 18, 41: versuchen, ob ich mir meine kqpfschmerzen ver- 
schlafen kann. 

Schiller 12, 375: verschmerzen werd ich diesen schlag . . denn was 
verschmerzte nicht der mensch! 

Arno Holz Daphnie (1904) 194: jetzt cerschnareht er seinen neid in 
bedrogner Wachsamkeit 

3, Paul tit. 3, 180: weil seine Wallungen Jialb vertropft und ver- 
schrieben waren. 

Schiller 2, 93: armer schlucker! nun ists ja verschwitzt. 

Herder phil. d. gesch. 2, 1 : es ist als ob sie einen iheil seines Schmerzes 
verseufze. 

Hagedorn (1775) 2, 121: ein zeisig . . v er sang an einem heitern 
morgen den schlaf die bau- und nahrungssorgen. 

Campe 5, 374 b: die üble laune verspaszen. 

ebenda 375a: die langeweüe verspielen, sich die grillen verspielen. 

G. Fuchs ebd. 372b: der sein leid vertanzen und versingen kann. 

Keisersberg granatapfel 29: ein fraw vertrawrt jren fnan bald. 

Herder 12, 176: der bürger seinen gram verträumet. 

Klopstock öden 1, 33: vielleicht, dasz die lindernde thräne meinen 
gram mir verweint. 

e) Ausser der resultativ-effektiven bezeichnet /ro- auch die 
intensiv-darative Aktionsart, und zwar bei Verben der Be- 
wegung. Die gleichbedeutenden Zusammensetzungen mit faiMr- 
und /air- (8. 105 ff., 113, 176 ff., 182 f.) sind von den mit /ra- 
nicht mehr zu scheiden. 

ahd. Gl. I 613 a firtrago : feram. 

I 748 a virtruogi : snstinerem. 
N. I 56, 6 P.: sd müost tu Sbenmuoto uertrdgen : oportet toleres 

aequo animo. 
0. m 19, 5: m' wollen otih übar thäz firdragan zom vUhfmaz 

(vertragen). 
O. III 5, 21 : ihaz uns ni wise thaz zi swdr, wir ünsih io firdrdgen hiar. 
as. Wadst. 51, 9 (Essen, ev.-gl.): fardragan scal : patiar. 



') Schweiz vergan, pomm. vergahn, preuss. vergehen , durch Gehen be- 
seitigen" (Staub 2, 27, D&hnert 520, Frischbier 2, 431). 



246 

Hei. 1493: that enig liudeo ni acal farfolgan is friunde, ef he ina 

an firina apanit (folgsam sein). 
Hei. 3465: Juibda th^io farmerrid tfUa marciganstunda, thes daguuerkes 
forduolon (versäumen), 
mnd. vormorgen, -momen, -strecken, -trecken s. S. 107; dazu vorversten 
^verfristen, aufschieben" (Schiller-Lttbben VI 310 a). 

mhd. sich verspam aufschieben (Lexer 3, 243), vertragen ertragen, ver- 
zeihen, gestatten, aussöhnen, Vertrag schliessen (272), -ziehen aufschieben, 
verzögern (und refl.) (319), -zücken anhalten (323). 

nhd. ^) Aus den Mundarten : 

schles. sich vererben sich fortpflanzen (Weinh. hs. E 42), Schweiz, cer- 
lenge, verlenze verzögern, verschleppen (Staub 3, 1336, 1346), preuss. ver- 
spüren Spur verfolgen (Frischb. 2, 442), schles. sich verweilen — verweilt 
langsam, zögernd (Weinh. hs. W 83), verziehen warten (Z 51). Über ver- 
knusen „ ertragen '^ s. S. 240 Anm. ; dazu köln. nit verknöche künne „ nicht 
ausstehen mögen^ (Honig 192 b). 



Von dem zur Bezeichnung der Aktionsart dienenden fra- 
wenden wir uns zu fra- in der Bedeutung „weg^ in gehässigem^ 
verächtlichem und entstellendem Sinne (got. S. 17 f.). Es be- 
rührt sich mit ähnlichen /awr- (S. 125 ff., 127 ff., 131 ff.) und 
fair- (S. 207 ff., 216 ff.) Bildungen. Auch das resultative /ra- 
(S. 230 ff., 235 ff., 238 ff.) gelangt meist zu verschlechterndem 
Sinne und trägt dazu bei, weitaus der Mehrzahl der /ra-Kom- 
posita diesen Stempel aufzudrücken. 

Wir besprechen zunächst fra- in gehässigem Sinne bei 
„verachten, verfluchen, verraten, vertreiben, verurteilen*' und 
ähnlichen Bildungen. 



*) nhd. Brentano ges. sehr. 8, 317: sie hat seit mehreren tagen kaum einen 

tropfen wasser mehr vertragen, 
Pauli schimpf 297: das er mir in der jugent vertragen hat und mich 

nit gestraft (nachsehen, durchgehen lassen). 
Pontus 37: der krieg ward vertragen (gütlich beilegen). 
Luth. 23. 402, 10 W.: wie wol ich noch nidit reM eraus bin, kan 

ichs doch nicht lenger verzihen (hinausschieben), 
ebd. 503, 29: so lange wurden die Juden verzogen wid gehindert 

(aufhalten). 
4. Mos. 9, 19: wetin die wolcke viel tage verzoch auff der unmung 

(anhalten). 
1. Sam. 7, 2: von dem tage . . verzoch sich die zeit so lange. 



247 

Die Orenze nach faur- I in derselben Bedeutung (vgl. 
S. 125, 131 ff.) ist nicht einzuhalten ^). 

ahd.') N. I 244, 22 P.: sie dhtent tero güotön . . sie neuer ähtent iro io 

dok nieht. 
Gl. I 684 b verplies : ezsafflavi. I 245 gl K. firplasino : Satan. 
N. II 133, 16 P.: nah er ferhrdset in so imo irteiiet uuirdet föne 

dien tibelen . föne Gote ist er unferscdlien : nee damnabit eain. 
Gl. I 811 b firdamnont : condemnabnnt. 

0. III 13, 34: iah sih silbon thtmuh not mit stmton firddmnot 
Gl. I 216 gl. K. ni firthenkhi : ne contemnas. 
T. 39, 1: ni curet tuomen, ihazir ni sit fortuomte : non judicemini. 
Gl. I 442b tiuude fergiftit : venundatos. 
0. IV 5, 17: toäran toir firhüarot mit dbgoton thuruh not 
N. I 469, 17 P.: nieht neist ze uerchünninne, 
ebd. 147, 13 : übe mdnnolth so uertMÖrfenero ist so er io föne mdni- 

goren ferchören uuirt : contemnitar. 
0. IV 8, 19: mit in was sin girdti, thaz selho er (Judas) inan 

(Christum) firldti. 
Gl. I 727 a firleidot : diffamatus. 
N. I 27, 20 P.: tde er neuersJ^lte ddz er uerlHdöt uuds : comperet 

poena praeiudicatae accusationis. 
T. 193, 1: ihae her fornidirii uuas : quod damnatus esset. 
Gl. I 104 Pa. farsalit gl. E. firselit : traditus. 
0. IV 11, 4: ihes nähtes er gisitoti, er driihtinan firsiliti. 
N. II 322, 1 P.: wnde f er Santa er in ülende unde in fiendo hant : 

tradidit in captivitate. 
ebd. I 34, 19: pin ih ze töde uerscdlten : morti . . damnatur. 
ebd. I 361, 26: disses chleinen ünde uerscüpfenten stüpfes : huius 

exigui volucrisque momenti. 
Gl. II 646a farspildit uverden : prodimur. 

n 667 a f er stopf : damna. 

II 74 b uirstozit : praecipitat. II 600 b virstaeanpin : propellor. 
N. I 290, 10 P. : diu er geskuofferstdzet er üeer sinemo riche : eliminet. 
Gl. II 621a ferstredita : damnavit. 

I 135 R. fratripit^) : expulit. I 122 gl. K. firtrip. Ra. fartrip : 

repelle. 



^) Überhaupt ist die Gruppeneinteilnng bei den Gruppen mit üblem 
Nebensinne besonders misslich, da die einzelnen Bildungen auf den ver- 
schiedensten Wegen zu dieser Bedeutung gelangen und viele auf mehrere 
Arten zwanglos ausgelegt werden können. Leider ist das Material dadurch 
verzettelt und erschwert die Übersicht. Vgl. auch die Gruppe , schädigen, 
entotellen' S. 236 ff. 

') Weitere Belege S. 126 Anm.6 und S. 131 f. 

*) Zu der Form vgl. S. 17 Anm. 3. 



248 

0. II 24, 33: firdrih fon uns in thrdti allo missodati. 

Gl. II 417 a faruahit : agit. 

0. V 19, 28: thiu zuei firwdzent thanne thie süntigon alle. 

Gl. I 238 gl. K. firuuirfit : abicit. I 744 a vinworfanemo : exposito. 

T. 162, 6: eruuiezetfon mir, irforuvergiton, in euutnfiur : maledicti. 

Gl. II 106b uirvuazit : anathematizat. 

I 761b fervuazzot : maranatba. I 121 R. faruuiizzit : ezprobrat. 
N. II 376, 16 P. : die feruuizzen mir dinen ndmen. 
Gl. I 134 Pa. faruuolit. gl. K. firuuolit Ra. foruuolit : expulit. 
as. Wadst. 59, 41 (Essen, ev.-gl.): farduomia : iadicat. 

Hei. 1107: ac he ina fon is huldi fordref, Satanasan forsuuep 

(vertreiben). 
Wadst. 99, 23 (Werden. Prud.-gl): /ardr^f : exegit. 
Hei. 2660: so farmunste ina that manno folc . . farhogdun i«a 

80 hdagna (veracbten). 
Gen. 77: forhuatan sculun thi hluttra Hudi (verfluchen). 
Hei. 5561: tuena fartalda man an tua haWa Cristes an cruci (die 

verurteilten Sch&cher). 
Ps. 56, 6: üuart mine faruuieton : exsecrabantur. 
mnd. Brsch. Scbicbtb. f. 35: unde dar worden der horgere hindere geslagen, 

vorhomodet unde vomichtet (hochmütig behandeln, misshandeln). 
Barmer Urk. p. 32: dat sin undersaisse nicht vurhoischaffet efi 

werde (dass.). 
Ravenst. f. 199 d: ock schaltu bewaren dynen munt, dat du nymande 

beschimpest rnde vorhouardest (holf artig sprechen von). 
Dial. Greg. 182: he wart von siner vpgeblaseden houerdie verotmodigei 

(demütigen). 
Lüb. Chr. 1, 496: de Denen . . vormeneden de schepe tho vorovern 

(erobern). 
Renner, Livl. Hist. 26: vnd ohne derwegen by dem hertogen dennaten 

vorspitzhodeden und angeven, dat . . . (als Ä/wteÄö* — Betrüger 

— handeln gegen). 
Sudend. 8, nr. 15: vorunrechtet *), vorsulfwoldighet tmd mit vfirechte 

beschedighet (sich selbst Recht verschaffen gegen, Gewalt verüben an). 
Lerbeck § 190: desse koning dwelt van synen vederliken voetstappen 

vnde vorunedelt dee . . . (entehren). 
Sudend. 8, S. 207, 35: voru/nrechten edder vorungnaden willen {Un- 
gnade verüben an). 
Buch üb. Raub a. 1393: groffliken beschedighet unde vorunmechtiget 

an oren gude (ohnmächtig machen, schwächen). 
Wism. Brief v. c. 1500: alze jwe leue wol gJuhoret heft can der vrowen^ 

dede wart vorunradet (durch Nachlässigkeit zu Schaden kommen). 



^) Eigenartig ist die Fügung uncorrechten statt vorunrechten: 
Westphal. 3, 377 : wy vorbedcn allen . . de erbenomede priorissen 
to hindermle edder in jeniger maihe un vor rechten. 



249 

Gott. Urk. I, nr. 303; de orm rat vorvenge eder vorunvoghede eder 

vordervede (Unfug verüben an). 
Pa88. Chr. 51: de toreden joden voruntoerden eni (sich) «er up 

Pylatum (unwillig werden). 
Wism. St. B. p. 77: ift iemant den anderen myt worden efte werken 

vorunwyllede (beleidigen). 
Wigand, Wetzl. Beitr. 3, 297: enid wye dat vervrevelde end ded^ 

dair en baven (frevelhaft nicht achten), 
mhd. *) cerahten Nichtachtung (Lexer 3, 68), -arcwcmen argwöhnisch 
betrachten (Nachtr. 390), -balmunden verleumden (3, 71), -blceden einschüch- 
tern (79), 'dahten verdächtigen, -damnen, -dämmen verurteilen (90), -denken 
verdächtigen, verübeln (92), -dornen verklatschen (97), -dünken übel dünken 
(102), -ermen in Armut bringen (107), -gansen dumm wie eine Gans machen 
(109), -gihen, -giften vergiften (HO, 116), -gellen vergällen (112), -gewaltigen, 
-wältigen gewalttätig behandeln (113, 293), -grellen zur Wut aufreizen (120), 
-handeln schlecht behandeln (Nachtr. 391), -hazzen hassen (125), -hetzen (130), 
-höchmüetigen, -höchvertigen hochmütig, hoffärtig behandeln (131, Nachtr. 392), 
-hcsnen entehren (3, 131), -huoren durch Ehebruch entehren (135), -%fem 
eifersüchtig behandeln (Nachtr. 392), -jagen, -jöuchen vertreiben (3, 136, 139), 
-kergen betrügen, -kiesen verachten (142), -krenken schwächen, beschimpfen 
(149), -kun7ien zur Verzweiflung bringen (150), -kuppeln (151), -lästeren 
exprobrare (153), -leiden verleumden (158), -lösen erheucheln (168), -manen 
verachten (173), -martern (175), -meinen verwünschen (176), -missehellen*) 
Fehde führen (181), -muotwilligen protervare (183), -queln abmartern (195), 
-rechen rächen (198), -rehtigen gerichtlich verurteilen, hinrichten (199), -schalten 
Verstössen (212), -schämen beschämen (213), -schelken betrügen (214), -schicken 
relegare (215), -schräzen Verstössen (218), -schupfen dass. (221), -serten 
stuprare (226), -smaheden, -smahten, -smahen schmählich behandeln (236), 
-sniden schwächen, betrügen, verwunden (239), -snceden depravare (241), 
-stozen (253), -sümen im Stiche lassen (257), -süfiden, -sündigen in Sünden 
stürzen (258), -swachen herabsetzen (260), [vertadlung (der wäre) Herab- 
setzung 265], -teilen benachteilen , verurteilen (267), -teeren betören (271), 
-tragen verleumden (272), -treten verschmähen (274), -triben Verstössen (275), 
-triegen betrügen (276), -tüemen verurteilen (277), -twäsen töricht machen, 
-twingen bezwingen (280), -übelen^) übel behandeln, -tUtem plagen, -unge- 
limphen übel auslegen (280), -ungenadigen ungnädig behandeln, -unliumunden 

») Weitere hierher gehörige Bildungen s. S. 60 f., 68, 69 Anm., 73, 77, 
88. 114 ff., 122, 126ff., 128f., 131 ff., 178, 230ff., 235 ff., 241 ff. 

') Ea. 54: als die wider einander gekrieget und vermissehellet hant 
(gegen Lexer: „im Streite sein"). 

') verübeln ist aus /ür iibel haben verkürzt worden : 
nhd. voc. ine. teut. 116a: verubelhaben : imputare, improperare. 

Bocc. 369, 16 (QP. 86) : das sein weybe der andern sere verübel hetie. 
Lessing 2, 219: wills auch dem herrn nicht eben sehr verübeln. 



250 

= verliumunden, -unnamen mit Spottnamen belegen, -unrehten, -unruochen 
verachten, 'Un8€elen verwünschen, -untriuwen veruntreuen, 'Unwahefi hässlich 
machen (281), -unwerden verachten, -urteilen = verteilen (282), -vähen tadeln 
(283), -Vieren beunruhigen (285), -veigen verwünschen (286), -volgen persequi, 
-vraten plagen (290), -wd^en, -uxBzen verfluchen (296, 297), -weisen zur Waise 
machen, berauben (298), -werfen Verstössen (302), -werren, -wirren, -würren 
entzweien (304, 311), -wideren in Bückgang bringen, -wilden entfremden (307), 
-witewen zur Witwe machen, berauben, -wizen vorwerfen (312), -eadelen vor 
Mangel umkommen lassen (315), -zeln ausscheiden, für verfallen erklären 
(316), -ziehen bezichtigen, gefährden (318). 

nhd. ^) Aus den Mundarten ist anzuführen: 



^) Einiges aus der nhd. Schriftsprache : 

Hed. com. 18: etüich warden ihrer empter Verstössen und der statt 

verwisen. 
Meyfart himml. Jer. 2, 251 : da sind solche köttige undpriester, welche 

. . kein hasz veruneinigen kan. 
Luth. 19. 404, low.: da er den tempel zu Jerusalem verunehrete. 
Luth. ausl. d. vater uns. 18: sich selbs und ander verunfrieden. 
Luth. 7. 842, 16 W.: es sey von seinen misgunstigen geschehen, ine 

gegen Kay, Ma . . , zu furunglumpffen, 
Agricola spr. 171: er ward unverdient verungelimpffet. 
B. Waldis 4, 68: wer sich selb verungeleumbt. 
Keisersberg anh. mensch. C 3: in offen Sünden verunlaymdet 
Luth. 7. 221, 19 W.: deyn heyliger namen wirt . . szo manichfeUig 

vorunheyliget, belestert und geschmecht, 
B. Waldis 2, 64: damit den teuffei zu besi^ulden, oder das glück zu 

verunhulden (unhold achten). 
Maaler 436c: verunraaten : foedare, maculare. 
Schottel 648 b: einen verunrechten : injuste ad versus aliquem agere. 
Luth. 15. 256, 20 W.: das keyn befleckung der ketzerey . . unsem 

heyligen glauben verunreyne. 
ebd. 725, 15: durch welliche die gewissen beflegket, betrS^tundver- 

unrüget unrt (and. ausg. verunrüwet : verunruhiget). 
voc. 1482 EK Ib: verunseubern, verunreinen : coinquinare. 
Schottel 648b: die sireiffende rotten haben das gantee land ver- 
unsichert. 
H. Sachs Ndr. 26/27 S. 101: das niemandt veruntrewet wer. 
Goethe (Hempel) 8, 384: denn wer die gefahr nicht scheut, fürchtet 

doch verunziert zu werden. 
H. Sachs Ndr. 26/27 S. 7: verurteilt beide zu dem todt. 
ebd. S. 92: du wirst verfortheilt vnd betrogen. 
Luth. 23. 364, 15 W.: so seinen leib cUso verwarloset. 
zfdw. 1, 234: verwispeln : &KSihila,Ti (auszischen). 
H. Sachs Ndr. 26/27 S. 15: wie ist es jetzt verwundt mit schmertzefi. 



251 



pomm. Derachten ächten (Dähnert 517), berl. veräppeln verprügeln, ver- 
höhnen (Meyer 125 a), preass. verarbeiten, wien. verarwerten, köln. verarheide 
derb bearbeiten (Frischb. 2, 427, Hügel 177, Honig 190b), schwäb. verargen 
erzürnen (v. Schmid 27), Schweiz, verärgere entzweien (Staub 1, 446), ver- 
b<Ulem berl. verhauen, preuss. schwängern (Meyer 125a, Frischb. 2, 427), 
berl. verbimsen, köln. cerbimache verhauen (Meyer 125 a, Honig 190a), elsäss. 
verblende hintergehn (Martin 2, 161), preuss. verbolzen verprügeln (Frischb. 
2, 428), Schweiz, verbösere ärgern (Staub 4, 1724), verbösge verunglimpfen 
(4, 1725), preuss. verbubamen, -burnftdeln, -fumfideln, -fornfideln, -fomf adeln 
schwängern (Frischb. 2, 428, 429), preuss. stud. verdonnern verurteilen, aus- 
schimpfen (ebd. 429, Kluge stud. 132), pomm. verdrägen vorenthalten (Dähnert 
519), berl. verdreschen verhauen (Meyer 125b), altm. verduchten verdächtig 
vorkommen (Danneil 237), holst, verdumdüveln übertäuben, stutzig machen 
(Schütze 1, 269), bair. verdumen, brem. verdomen, schles. vertümen verurteilen 
(Schmeller 1, 509, brem. wb. 1, 224, Weinh. hs. T 138), Schweiz, verfalle ver- 
urteilen (Staub 1, 760), brem. verflikflojen anschwärzen (wb. 1, 426), schles. 
verfremden befremden (Weinh. hs. F 165), Schweiz, vergeltstage zum Bankrott 
bringen (Staub 1, 907), verhasse hassen (2, 1671), gött. verhandhaben 
mit Händen bearbeiten (Schambach 262), Schweiz, schwäb. verhellige be- 
helligen (Staub 2, 1143, v. Schmid 272), Schweiz, verhitee erbittern (Staub 
2, 1834), preuss. verholzen verprügeln (Frischb. 2, 432), brem. verhomodigen 
stolz verachten (wb. 2, 642), berl. verkacheln, -keilen verhauen (Meyer 126b), 
elsäss. verkalche betrügen, verklappere verleumden (Martin 1, 434, 494), 
elsäss. verkamisole verprügeln (Martin 1, 437), verkatbatsche ohrfeigen (465), 
berl. verknacken verurteilen, verkohlen verspotten, anführen (Meyer 126b), 
brem. verkräftigen schwächen (wb. 2, 861), Schweiz, verchumbere belästigen 
(Staub 3, 302), preuss. verkuppeln, -kupscheUen, -kupschellem an den Mann 
bringen (Frischb. 2, 426), Schweiz, verleide verstimmen, anzeigen (Staub 3, 
1085, 1087), pomm. verleden leid machen (Dähnert 523), Schweiz, vermalestiere 
belästigen (Staub 4, 174), frankf. berl. vermöbeln verhauen (Askenasy 226, 
Meyer 127a), bair. vemdchtailen, brem. vemadelen benachteiligen (Schmeller 

1, 599, wb, 1, 194),. preuss. verpetzen anschwärzen (Frischbier 2, 437), 
Schweiz, verpfeffere erbittern (Staub 5, 1068), berl. verpletten verhauen 
(Meyer 127a), schwäb. verrechten streiten (v. Schmid 427), verrücken zur 
Rede stellen (Frischbier 2, 439), berl. verschalen verprügeln (Meyer 127b), 
westerw. verschandlappen beschimpfen (Schmidt 308), Schweiz, verschätze 
gering schätzen (Staub 1, 909), schwäb. verschmachen empfindlich machen, 
wehtun (v. Schmid 469), preuss. verst^marutzen verleumden (Frischbier 

2. 440), henneb. mansf. verschnuppen, leipz. berl. verschnupfen verdriessen 
(Reinwald 183, Jecht 118, Albrecht 230, Meyer 127 b), berl. versimsen, berl. 
leipz. schles. westerw. verso(h)len verprügeln (Meyer 128a, Albrecht 231, 
Weinh. hs. S 349, Schmidt 304), bair. vertailen, schwäb. verteilen verurteilen 
(Schmeller 1, 601, v. Schmid 120), schles. vertäübem betäuben, erschrecken 
(Weinh. hs. T 30), verteufen herunterbringen (T 53), berl. verte]^em, -tobaken, 
'tuschen, mAüsf. vertowwacken YeTprügeln (Meyer 128 ab, Jecht 119), Schweiz. 



262 

verunbille Unbill zufügen (Staub 4, 1167), oerutigüte übelnehmen, anschwärzen 
(2, 565), brem. veruntrauen veruntreuen (wb. 5, 116), bair. vervartaüm über- 
vorteilen (Schmeller 1, 599), berl. verwalken, -wichsen verprügeln (Meyer 
128b), brem. venoeldigen schwächen (wb. 5, 170), brem. pomm. verwiten, 
hamb. verwyten ^) verweisen, vorhalten (wb. 5, 279, Dähnert 529, Richey 342). 

Die Redensart: gott unverwissen^), jedem einen bissen! 
(Schmeller 1, 961, Weinh. hs. W 154) bedeutet offenbar: ^ohne 
Gott einen Vorwurf machen zu wollen (wie er die Geschicke 
verteilt hat), jedem etwas!" ^) 

Die Gaunersprache bezeichnet „verprügeln** mit verdeffeln, 
verheizen (Kluge rotw. 488, 429); verbleffen besagt „einschüch- 
tern und nötigen" (375), vermonen „betrügen" (55). Die Stu- 
dentensprache gebraucht verdonnern „verurteilen" und verJdeistem 
„angeben" (Kluge stud. 132). Staub 4, 1338 führt aus einem 
Schweiz. Schriftsteller (Herzog 1863) an: toie der den pfarrer 
versackuhre, versohle, verbendle (hintergehn). 

Die Verba der Bedeutung „verfehlen, sich vergehen" ge- 
hören zum grössten Teile zu/ro- („weg vom rechten Wege", 
vgl. S. 18); auch bei den /awr- (S. 104, 125, 127 ff.) und fair- 
(S. 208, 216 f., 218 ff.) mit einiger Wahrscheinlichkeit zuge- 
wiesenen Bildungen ist dies nicht ausgeschlossen. Gehen doch 
hier die Grenzen zu enge ineinander über! Die Trans, sind 
mit wenigen Ausnahmen in den vorigen Gruppen (230 ff.) be- 
handelt worden. 

ahd. Gl. I 539 a firmeinne firmane : perjurem. 
I 504 a virwaref : abortit. 
III 419 a verworfenen : abortivis. 
mhd.'^) verbü unerlaubter Bau (Lexer 3, 84), -haltunge üble Haltung, 
Aufführung, -handeln fehlgreifen, schlecht handeln, fälschen (124), -merken 
übles Merkzeichen (178), -schalten an fehlstossen (212), -emackwnge übler 
Geschmack (235). 



^) Das Plattdeutsche hält noch die Formen verwiten (ahd. farwusan 
S. 248, mhd. verwiten S. 250) und verwisen (mhd. verwisen S. 106) aus- 
einander, die in nhd. verweisen „vorwerfen — hinweisen'' und den meisten 
Mundarten zusammengefallen sind; vgl. darüber S. 106 Anm. 1. 
nhd. Keisersberg arb. hum. (1521) 62b: ein nud verweiss ein wolf einem 
hosen, er wer verzagt und furchtsam. 
2) So auch Schles. Prov, Bl. 1874 S. 34. 
^) Über verhauet und verkiinstet s. S. 218 Anm. 2. 



253 



nbd.^) Aus den Mundarten: 

Schweiz, verhöre falsch bohren (Staub 4, 1507), verbuesse Schlechtes be- 
gehen (4, 1764), bair. verdalfem fehlerhaft sprechen (Schmeller 1, 504), 
pomra. verdoan fehltnn (Dähnert 519), gött. verdrägen an falschen Ort tragen 
(Schamb. 260) , preuss. vergeben falsch geben (Frischb. 2, 431) , Schweiz, ver- 
gerate, Schwab. oergWate fehlschlagen, misslingen (Stalder 1, 474, v. Schmid 
420), elsäss. verhenke falsch hängen (Martin 1, 355), Schweiz, verheuwe 
schlechte Ernte machen (Staub 2, 1821), verchäse fehlerhaft käsen (3, 513), 
henneb. verkaufen zu teuer kaufen (Spiess 267), köln. vertnacht ?ian etwas 
verbrochen haben (Honig 193 a), elsäss. verrede falsch reden (Martin 2, 134), 
brem. verscheren schlecht scheren (wb. 4, 644), hess. verschoren gegen den 
Strich, verkehrt (Pfister 266), köln. vertaaste fehlgreifen (Honig 194b), 
Schwab. Verwendungen verdrehte Körperstellungen (v. Schmid 527), ökon. 
verwerfen fehlgebären, gött. verwarpen (Weber 616, Kehrein 310, Spiess 270, 
Seiler 114, Schamb. 264). Für letzteres gebraucht das Alem. auch verhole 
(v. Schmid 85), verhöse, -höse (Staub 4, 1722, Martin 2, 102), verbuesse (Staub 
•4, 1754, Martin 2, 105), vermache (Martin 1, 644), verschlenke (2, 466), ver- 
schütte (2, 445). Für die einzelnen Tiere, die als Fehlgeburt geworfen 
werden, gibt es daneben besondere Ausdrücke: verbocke Bock (Staub 4, 1136), 
verfohlen, -futtele Fohlen, Füllen (Weber 612, Staub 1, 796), cerfrischen 
Frischling (Kehrein 304, Weber 612), vergitzene, -gitele, -gitzere Zicklein 
(SUub 2, 579), verchalhe Kalb (3, 223), -lammere Lamm (3, 1272); verjüngle 
\ß, 49) bedeutet allgemein „ein Junges werfen (als Fehlgeburt)*'. Wenn ein 
Winkeldoktor eine Frucht abtreibt, nennt der Schlesier es verkötschen, ver- 
pantschen (Weinhold-Palm 46, hs. P 8). 

In der Soldatensprache wird ein Gewehr verladen (falsch geladen, 
Weber 614) ; ein Leutnant als stellvertretender Kompagniechef verführt stets 
die Kompagnie (falsch führen. Hörn 58). 



Die meisten Reflexivbildungen der Bedeutung „sich ver- 
gehen (fehl- oder zuendegehn)" ^ (vgl. fair- S. 216 ff.) gehören 
zu fra-, Sie sind erst seit mhd. Zeit zahlreicher. 

ahd. N. I 32, 6 P.: däe sich ilent übele uertüon an dien chüstigen : impios 
moliri scelerata contra virtutem. 
as. Gen. 90: iac that im mid is handun fordieda Kain an sulicum qualma. 



>) Hierher gehört 

Goethe 10, 161 : Mit freuden kann ich diesem schütz (des ortes) entsagen. 
Vergib dir nur, dem ort vergibst du nu^ts. — 
Verseihe mir der ort, dass ich es litt. (Wortspiel: „verzeihen" — 
„falsch geben, Abbrach tun''.) 

') Vgl. auch die faur- zugewiesenen Refl. S. 112. 



264 

Hei. 5012: that ik hebbiu mi so foruuerkot 
Wadst. 56, 4,8 (Essen, ev.-gl.): ik faruuarta «i» : peccavi. 
Hei. 3394: ik an forhtun bium, ihat sie im thar faruuirkien. 
mnd. Korner 206 a: hadde eyn mechtich stark slot gehuwet . . unde hadde 
sik dar ane sere vorhutoet, dat he grot schuldich was (sich durch 
Bauen verausgaben). 

mhd. sieh verbrechen hinschwinden (Lexer 3, 81), -brennen übel an- 
kommen (83), 'derben s. zugrunderichten (94), -drumen in Trümmer gehen 
(101), 'Vreseen sich abhärmen, verzehren (108), -gelten s. bezahlt machen, 
rächen (112), -gezzen s. verfehlen (114), -giezen s. ausbreiten (115), -Jiocken 
s. hackend verwunden (122), -handeln s. vergehn, ins Gegenteil verkehren 
(124), 'houwen s. hauend verwunden (134), -huoren Unzucht treiben (135), 
-kosten s. in Unkosten stürzen (147), -kriegen durch Kriegführung Vermögen 
verlieren (149), -Idzen, -län verenden (154), s. Verliesen, vliesen verloren gehn, 
zu Schaden kommen (163) , -loufen s. laufend abnutzen (169) , -meinen s. be- 
flecken (176), -noijieren, -nögieren Renegat werden, s. empören (189), -rankefi, 
-renken (195, 201), -reden falsch, unrecht reden (198), -ribepi s. aufreiben, 
reibend verwunden, -riden s. verrenken (202), -iiicken schwinden, starben 
(206), -schaben s. aus dem Staube machen (210), -schalten an s. zugrunde- 
richten (211), -schämen schamlos werden *), -schäm s. verlieren (213), -schuhen 
zuendegehn (216), -schroten fehlhauen, s. verletzen (220), -schxüden s. 
Schuld zuziehen (221), -senden s. verlieren, vertiefen (225), -senken zu Falle 
kommen (226) , -slahen schwinden (233) , -sUfen s. schleifend abnutzen (234), 
-slizen s. abnutzen, vergehn (235) , -smelzen zerschmelzen (238) , -sniden auf- 
hören, s. versehen, verletzen (240), -sochen s. abquälen (241) , -soln, -scholn in 
Schuld geraten (242), -starben (guot an eineti) durch Tod des Besitzers er- 
ledigt werden (252), -stozen s. verlaufen, verfehlen (254), -sümen, -sOnden, 
-sündigen (258), -sweJhen versiegen (261), -sioigen (an dem erbe) durch 
Schweigen zu Schaden kommen an, einbüssen (264), -switzen verbluten (265). 
-tiefen s. in Schulden stürzen (269), -tragen zuendekommen, irregehn (273). 
-tuon s. verfehlen, verschwenderisch leben (279), -untriutoen gegen s. treulos 
benehmen, -unvUetigen s. verunreinigen (281), -vallen s. verfehlen, zugrunde-, 
verloren gehn (284), -vellen versinken, s. verlieren, zugrundegehn , -verren 
s. entfernen, -verwen s. übel färben, entfärben (287), -vrevelen s. vergehn (290), 
-warlosen (295), -weinen s. ausweinen, entkräften (298), -wellen s. besudeln 
(299), -werfen s. verlaufen, verlieren, überwerfen mit, -werken s. versündigen 
(303), -werten s. trüben, verdorben werden (305), -wirken, -wirken s. ins Un- 
glück stürzen, s. verfehlen, verlustig gehn (311), -zabeUn auszappeln, ruhig 
werden, -zadelen, zädelen verschmachten (315), -zem nichts mehr zu leben 
haben, s. abzehren, zugrundegehn (318), -ziehen s. entziehen, entrinnen (319), 
-zücken s. verrücken, -zürnen in Zorn geraten (323). 

nhd. leipz. sich veraddiren falsch addieren (Albrecht 228), elsäss. s. ver- 
alteriere s. aufregen (Martin 1, 35), schles. s. verärscheln s. verkehren (Weinh. 



*) Vgl. S. 217 Anm. 1. 



256 

hs. A 51), weidm. 8, verhleffen, -pleffen gegen Weidmannsprache und -brauch 
fehlen — (von den zuckenden Bewegungen der Hinterläufe beim Verenden 
des Rehes, Kehrein 301), Schweiz s. verböse, -böse s. vergehn (Staub 4, 1722), 
8. verbüwe s. durch Bauen schädigen (1960), preuss. s. verbrechen s. einen 
Bruch zuziehen (Frischb. 2, 428), Schweiz. 8. verfalle s. vergehn (Staub 1, 
755j, 8. verfeme s. entzweien (825), s. verfreole^ bair. s. verf rätein s. vergehn 
(1, 1289, Schmeller 1, 8tl), seemänn. 8. vergissen Fehler in Oissung machen 
(Bobrik 706b), leipz. 8. vergoldpapieren s. versehen (Albrecht 228), Schweiz. 
8. verJwndeln s. vergehn (Staub 2, 1403), s. verhönelen s. blosstellen (1365), 
pomm. 8. verhüten Feindseligkeiten verüben (Dähnert 521), 8, verjttahen s. un- 
anständig vergnügen (522) , Schweiz, s. ver jucken s. versteigen (Staub 3, 39), 
8. verdiaufen s. verausgaben (172), s. verchimen s. erzürnen (469), schwäb. 
8, verJämen, -kernen s. verschlucken (kern, v. Schmid 313), berl. s. verknaxen, 
'knixen, -knuxen s. Fuss oder Finger verstauchen, 8. verknurren s. erzürnen 
(Mejer 126b), brem. 8. verkoop8lagen teuer u^d schlecht kaufen (wb. 2, 845), 
8. verkosten s. verausgaben (858), Schweiz, s. verchrämen s. Schaden tun (Staub 
3, 813), 8. verchriegen s. durch Krieg ruinieren (798), s. verlenkle auf Abwege 
geraten (1343), 8. ver mächtige s. Befugnis anmassen (4, 68), 8, vemase (nase) 
s. verrechnen (802), s. vemiese heftig niesen (818), elsäss. s. verpasee s. ver- 
fehlen (Martin 2, 96), altmärk. 8. verquackeln s. unbedacht verloben ^) (Danneil 
239), gött. 8. verrmseln s. versehen, versprechen (Schamb. 265), schwäb. s. ver- 
sMenken s. verrenken (v. Schmid 467), milit. 8. verschuf ten s. allgemeine 
Achtung verscherzen (Hörn 84), brem. 8. versnaveln, -snmdeeren s. ver- 
sprechen, verraten') (wb. 4, 886), schles. s. vertapem fehlgreifen (Weinh. 
Handexemplar 97), Schweiz. 8. vertiefe s. in Gefährliches einlassen (Staub 1, 
907), brem. 8. vertoj^fien s. im Kaufe versehen (wb. 5, 84), bair. s.verüeben 
s. verrenken (Schmeller 1, 18), schwäb. s. verunmäcMigen, -ohnmächtigen 
schwach werden (v. Schmid 369), preuss. s. veru/nunlligen s. entzweien (Frisch- 
bier 2. 443), berl. 8. verzümen s. erzürnen (Meyer 128 b). 

Auch die Partizipialbildungen vorwiegend übler Bedeutuiig 
stelle ich zusammen^). 

ahd. Gl. rV 223b fortane eint edo fursculdit : rei sunt. 

1 100 Pa. fartanosta, gl. K. firtanosta. Ra. furtanosta : deterrimum. 
N. I 239, 22 P.: dde tie fertänen dllero chrefte sint äno : deserti 

omnibuB viribus. 
Gl. I 140 Vsk. faruMoraht. gl K.firuuoraht. Ra. /arMMoroÄ* : flagitiosus. 

III 143 a vereunuelt(er) : exspes. 
as. Hei. 4388: than skedid he thea farduanan man, thea faruuarhton 

uueros an thea uuini8tron hand. 
Hei. 4445: farad thea f arg riponon man an thea hetanhelhriuuigmode, 

thea faruuarhton uueros. 



*) Vgl. die Ausdrücke dieser Bedeutung S. 1301 Auf eine bestimmte 
Omndform des Präfixes werden sie sich schwerlich zurückführen lassen. 
*) Vgl. S. 184 Anm. 2 und S. 218 flf. 



266 

Gen. 152: SodomoUudi, uueros so faruuerkot. 
mnd. Hirsch, Danzigs Handelsgesch. p. 77 n. 15: dat he . . vorseret vnd 
vorsmertet is (von Schmerzen heimgesucht), 
mhd. verheizt (trappe) durch Beizen (Jagen) verdorben, -holgen erzürnt 
(Lexer 3, 72), -geben unnütz, vergebens (111), -geszen vergesslich (114). 
:glabet sinnlos' (118), -hazzet verhasst, verfeindet (125), -hitzigot erhitzt (131), 
'läzen ausgelassen, frech, unanständig (154), -liumdei^)^ unverliumundet in 
schlechtem Rufe stehend (3, 166; 2, 1958), -loufen entlaufen (3, 169), ''m4BreV) 
berüchtigt (175), -nozzen zerknirscht, reumütig (187), -quoln, -koln leidvoll, 
gequält (194), -riben gerieben, durchtrieben (202), -rtwchet arg-, sorg-, ruch- 
los (208), -scfiamt, -schenit, unverschämt schamlos, unverschämt (3, 213; 
2, 1961), -schuldet, -schult, -schalt schuldvoll (3, 221, 242; 2, 1963), -seilt 
irregeleitet (3, 223), -sümet träge, -sündet sündig (258), -stvigen*) schweig- 
sam, verschwiegen (264), -tan verbrecherisch, schuldig (279), -vallen schuldig 
(284), -warfen Verstössen, unglücklich (303), -wildert (308), 'U>orht verbreche- 
risch, verflucht (311), -zaget mutlos, scheu (315), -zert abgezehrt, entkräftet 
(318), {verzichte wort: Schmähworte 318), -zogen, -zucket verzückt, im Geiste 
entrückt (319, 323), -zwtvelt exspes (324). 

nhd. Aus den Mundarten^): 

weidm. verblattet (rehbock) der nicht mehr aufs Blatten (Locken) achtet 
(Kehrein 301), Schweiz, elsäss. verblettert entblättert, verblüht (Staub 5, 188, 
Martin 2, 169), preuss. (im arsch) verbogen, verbohrt verrückt (Frischb. 2, 428), 
Schwab, verbolgen erzürnt (v. Schmid 38), Schweiz, verböseret sittlich ver- 
dorben (Staub 4, 1724), bair. verdrächselt verdreht (Schmeller 1, 565), Schweiz. 
verfahren geistesgestört (Staub 1, 899), vergiß boshaft, verschlagen (2, 136), 
vergriffen verfallen, verdächtig (2, 716), holst, verhäsbäst verdutzt (Schütze 
4, 308), schles. verhauset umsonst, verloren (Weinh. hs. H 59), preuss. ver- 
koddert und verloddert (Frischb. 2, 434), Schweiz, verlassen ausgelassen, frech 
(Staub 3, 1409), verlümdet ehrenrührig (3, 1273), seemänn. verlaufen (blocke, 
Scheiben) durch Laufen beschädigt (Bobrik 707 a), henneb. verlasst versäumt, 
verpasst (Spiess 267), Schweiz, vemätet durch Nähte entstellt (Staub 4, 849), 
vemoss&i\ ungesund (4, 817), vernuszbiklet verzagt (Seiler 110), bair. vemusz- 
pünkelt schlecht gewachsen (Schmeller 1, 395), Schweiz, verpensioniert be- 
stochen, erkauft (Staub 4, 1394), elsäss. verpfändet verschuldet (Martin 2, 
137), weidm. verpönt, verprellt scheu gemacht (Kehrein 307), gött verquelt 
verkehrt (Schamb. 265), henneb. verschisseti verdorben, verloren (Spiess 268), 
elsäss. verschlaft schlecht angezogen (Martin 2, 468), verschwefelt (icein) 
durch Schwefeln verdorben (521), verspritzt betrunken (563), seem. verweht 
durch Sturm vom Kurs verschlagen (Bobrik 709a), leipz. vertoohnt durch 
Wohnen abgenutzt (Albrecht 231). 



>) Vgl. S. 106, 132; 

«) Vgl. S. 141. 

«) Über die Ausdrücke für „verflucht" vgl. S. 133 Anm. 2. 



267 

fra- ohne schlechte Nebenbedeutung ist weniger reich 
ausgebaut. Es zeigt die Anschauung „weg" bei einfachen 
Handlungen von Person zu Person und findet sich schon got. 
mehrfach vertreten (S. 18 ff.). 

aba. GL II 576 b uerthimt : subtrahat. 
I 276 b farhAan : donare. 

I 104 Pa. farkepan. gl. K. firkepan. Ra. farkepan : deditns. 

II 380 b fargibit : ignoscit. 

0. III 14, 70: firgäb in ihiu sin guati thio iro missodati. 
Gl. I 22 Pa. fargipit caheiszit : promittit. 

I 422 b firkebin. uirgebene : gratnita. 

II 648b firgeltani : piabnnt. — II 230a niforgeltant : non rependant. 
T. 99, 2: gibot inan ther herro zi uorkaufanne . . . inti uorgeltan : 

jnssit reddi („bezahlen*'). 
Gl. II 469 a uargilto : refellam. 

I 776 a fergifta : tradidit. 
\Vm. 6, 12: uerhundeta : sunamitis (captiva). 
Gl. II 479 a fircoufe : vendat. — I 101 R. farchaufta : distraxit. 
T. 138, 2: bihiu ni uuirdit ihiu sdiba forcoufii : non venit. 
Gl. II 653 b firlazaniu : deserta. 
T. 164, 4: ni forlazzu iuumh uueison : relinqaam. 
Gl. I 283a frian farlazzis : libertate donaveris. 

I 92 Pa. farlcufzii. gl. E. farlazit : desinnit. 

I 220 gl. K. firlazzu. Ra. farlazu : omitto. 
O. II 22, 28: ni mugut ouh firldzan, ni ir Mih scuUt ni(izan 

(unterlassen). 
T. 127, 2: nifurliezun samon : non reliqnerunt semen (hinterlassen). 
Gl. I 543 a farlazcmiu : manns remissa (nachgelassen, losgelassen). 

I 337b min farlazzaniu waarin : ne laxe fierent. 

lY 329 b ferlazzan : indaltam (erlassen). 
T. 34, 7: ihanne forlazit tu iuuarfater thde himiliaco iuuara mnta : 

dimittet delicta. 
Gl. I 216 gl. K. nifirlaz : ne permittas (überlassen). 
0. II 11, 61: ni firliaz sih trist in wara in ihero liuto fara; sie 

warun imo künde (sich verlassen anf, sich anvertrauen). 
0. II 24, 32: thaz wir thareua hüggen, in hdrzen um iz Uggen, mht 

es ni firliiben, ni ivir iz thdr gikleiben. 
Gl. I 97 R. farlaeh : defeneravit. 
O. II 24, 28: tharaziM firlih uns muates. 
GL I 290 b farleipter : reliqnas. 
N. II 165, 19 P.: f er Silo ih minen Uchamin : tradidero. 

I 300, 26: dSr hercuU siniu ritider ferstdl 

Gl. I 106 Pa. unfarstolano. gl. K. unfirstokmo : de furto. 

II 268 a fartrage : ferat. 

Leopold, Die Vorsilbe ver- 17 



258 

T. 173, 1; tuB ir ni mugut iz fortrag an : portare. 
Ql. I 19 Ra. fariragan : apostata. 

r 50db firzascot : rapnit. 

I 46 Pa. farciuhit. gl. K. firziuhit. Ra. fareiükit : ademit. 

I 33 Pa. Ra. farzogan. gl. E. farzocan : abstractam. 
as. Wadst. 91, 29 (Werd. Prud.-gl.): uerihinse : subtrahat. 
Hei. 3698: farfehod thin folcskqn (hin wegraffen). 
Hei. 2783: endi it (hobid) ihar iheru ihiamunfargaf (geben, reichen). 
Hei. 3072: ik fargihu thi JUmilrieeas slutila (verleihen, schenken). 
Hei. 2328: sundea te fargibanne (verzeihen). 
Hei. 908: ohar that forgehana land gumono gikumUcum (Land der 

Verheissnng). 
Wadst. 51, 32 (Essen, ev.-gl.): ihat he sdn fargildan scöldi that 

selua thd(r) M bisuor : et mox in quo ioraverat cogebatnr exsolvere. 
Hei. 3425: ihtU man thero manne gihuem is meodaforguldi (bezahlen). 
Hei. 3460: ihar uuirihit im is arabedi all güanot, fargoldan mid 

guodu an godea rikie (vergelten). 
Hei. 3286: scalt thinan oduuelon aUan forcopan. 
Hei. 6377: hethiu ni scalt thu ihesan farlatan (freilassen). 
Hei. 4156: ihat he . . ferah farlate (sterben). 
Hei. 5918: ihat uuib m' mahta uuop forlatan (unterlassen). 
Hei. 3776: so siu iru uuiht ni farlet godes an iro gardun (hinter- 
lassen). 
Wadst. 16,12 (Beichtspiegel): ikiuhu . . minero gitidio farlatanero 

(versäumt). 
Hei. 2013: is ni uuas farlehid uuiht huergin an ihemu huse (übrig 

lassen). 
Wadst. 70, 2 (Merseb. gl): farsaldun ende forsekenun : distractis 

atque renuntiatis patrimoniis (veräussern). 
Wadst. 17, 6 (Beichtspiegel): ik farstolan fehoda (stehlen). 
Hei. 1644: huuand it rotat hir an roste, endi reginiheobos farstelad. 
mnd. Klempin, Dipl. Beitr. 478: de slotele to vnsenn henden vorandtwerden 

(überantworten). 
Lüb. R. 283: van deme vordhuueden perde (stehlen). 
Cod. Brdb. I 9, 49: ok schöle wy sie nicht vergesten, sunder . . dat 

her Scale wy legen bei der stad (als Gast aufnehmen, beherbergen). 
Arch. f. S. H. L. 4, 439: alsdenne schau de kerckhere eynem iewelken 

vicarien sos pennynge . . verhantreken (mit der Hand reichen, 

übergeben). 
Cod. trad. Westfal. 1, 193: dat se (die Erben) wes hemeUke vorhelt, 

vorh endet ofte vorswegen hebben (abhanden bringen). 
LQb. Urk. 3, nr. 189: de güd vormekelde (als Hakler Käufe ver- 
mitteln). 
Korner 231 d: sunder stelent was eme vororlovet (erlauben). 
Lüb. Chr. 2, 423: dede unrechtverdighen syk vor schatten rykedage 

(Schatz nehmen, erpressen). 



259 

Chr. Sei. 272, 23: vor welkere 5000 Mark H. JB. hadde vorwedde- 
schattet den Kiel to sik (als toeddeschat nehmen), 
mhd. verandela(n)gen Terabreichen (Lexer 3, 68), -Uten auf Borg geben 
(76), 'hingen verkaufen, versteigern, -hinten als Beute verteilen (77), -diehen 
stehlen (94), -erhen, -erhschaften als Erbe übertragen (106), -ganten ver- 
steigern (109), -gehen (110), -gelten (112), -giften, -giftigen verschenken (116), 
-grempen verschachern (120), -gülten vergelten, bezahlen (121), -hantieren ver- 
kaufen (125), -hucken dass., -hunden fangen (134), -huren verheuern, ver- 
kaufen (135), -iuzem veräussern (136), -kiuten vertauschen (144), -kaufen, 
-kramen verkaufen, hingeben (148), -kumhem vertauschen, verkaufen (150), 
-lantsidelen (guot) an einen lantsidel (Hintersassen) verpachten, -Wien, -län 
(153), -lecken abligurire (156), -lehenen als Lehen hingeben, verleihen (157), 
-leihen ttbrig lassen, -leisten die Leistung gewähren, Einlager halten (158), 
-lernen ablenien (160), -lihen geben, verleihen (164), -Updingen als Leib- 
geding geben, -Utgehen Wein ausschenken (165), -loesen erlösen, -louhen er- 
lauben (168), -marketen verkaufen (175), -meiern einem Meier übergeben (176), 
-menkeln heimlich verhandeln (178), -mieten verdingen, -milten als Almosen 
verteilen (180), -miucheln heimlich auf die Seite schaffen, -morgengähen als 
Morgengabe geben (181), -opfern als Opfer geben (191), -pJhehten verpachten, 
-phenden als Pfand geben oder nehmen (192), -quanten vertauschen (194), 
-quiten befreien (195), -recken darreichen (198), -mcAett gerichtlich über- 
geben, abtreten (199), -rihten entrichten, zahlen (203), -scJienken (loin) aus- 
schenken, schenken (215), -seilen übergeben, verkaufen (223), -slahen los- 
schlagen, verkaufen (231), -sleichen heimlich wegbringen (233), -Stichen ver- 
kaufen (249), -stein, -tragen stehlen (250, 272), -trihen verkaufen (275), -tuon 
wegschaffen, hingeben, -tuschen vertauschen (279), -untriuwen stehlen (281), 
-urlouben verabschieden (282), -vehten stehlen, -vdlen, -veilsen verkaufen, 
preisgeben (286), -vendem verkaufen (287), -vrien freigeben (290), -warn 
Waren absetzen (295), -werhen verhandeln (301), -wetten als Busse zahlen, 
-widemen zum Nutzniess stiften (306), -willigen bewilligen (308), -sfiehen, 
-zogen entziehen (318,322), -Zinsen, -sollen^) als Zins, Zoll zahlen, (Up) das 
Leben hingeben (322), -zucken entführen, entrücken (323). 

Aus den lebenden Mandarten^): 

Schweiz, veraberhande, - aberhandele, schwäb. verahwandeln veräussem 
(Staub 2, 1400, 1403, v. Schmid 516), Schweiz, veraherwandeln durch List 



*) Zu unterscheiden davon ist die Oruppe versteuern : „Zins, Zoll für 
etw. zahlen" S. 159 ff. 

^ Einige Belege aus der Schriftsprache: 

ürfaust V. 528 : Mtt Lucifer so ein duzeend prinzen, die sollten ihm 

schon was vermünzen^ am ende kriegt* er eine comission. 
Simpl. 1. 316, 2: ich solte es versilhern und zu meinem unterhalt 

gehrauchen (losschlagen). 
Keisersberg schiff d. p. 58: der kaufman v er sticht, giht war umh 
^(^^} pfennwert umh pfennwert^ wein umh tuch, und dergleichen. 

17* 



260 

entziehen (Stalder 2, 489), verbrüggle auf der Brücke verkanfen (Staub 5, 549), 
verhüte als Beute verteilen (4, 1919), brem. pomm. verhüten vertaroschen 
(brem. wb. 1, 174, Dähnert 518), bair, schwäb. verdreinsgen heimlich drein- 
geben, verkaufen (Schmeller 1, 567, v. Schmid 138), pomm. vereheschaffen, 
verfrijen verheiraten (Dähnert 520), bair. veraigen, -aignen, hess. vereigen, 
pomm. veregenen zueignen (Schmeller 1, 49, Vilmar 84, Dähnert 520), schles. 
verfrimarkten, -freimarkten im Handel vertauschen (Weinh. hs. M 36), Schweiz. 
vergäbe verschenken (Staub 2, 56), vergehe ausgeben, Ertrag liefern (2, 87), 
vergelte eintragen, betragen (2, 280), brem. verhäkem verhökern (wb. 2, 565), 
Schweiz, verhantiere verkaufen (Staub 2, 1476), preuss. verheuern vermieten 
(Frischbier 2, 432), eis. verjüdle verhandeln (Martin 1, 404), preuss. verkeiien, 
'kloppen, berl. verkeilen, -Metern, -kloppen, frankf. verkimmeln, -kitecheny öst. 
fäkimmln, eis. hess. westf. verkimmeln, hess. verkuppeln leichtfertig ver- 
kaufen (Frischbier 2, 433, Meyer 126b, Askenasy 226, Castelli 123, Martin 
1, 443, Pfister 150, 151, Woeste 292), Schweiz, verchrämere im kleinen ver- 
kaufen (Staub 3, 816), schwäb. verkümhere mit Gewalt wegnehmen (v. Schmid 
333), Wien, verlassen vermieten (Hügel 179), brem. verlaten Besitz eines Gutes 
bekräftigen (wb. 3, 22), pomm. erlassen, abmachen, festsetzen (Üähnert 523), 
bair. schles. verlaüben, brem. verlöven beurlauben (Schmeller 1, 1406, Drechsler 
165, brem. wb. 1, 379), Schweiz, verlechne, -lene Arbeit verpachten (Staub 
3, 1240), preuss. verlehneti verleihen (Frischbier 2, 435), schwäb. verleihdingen 
als Leibgeding geben (v. Schmid 349), bair. verleitgeben Wein, Bier aus- 
schenken (Schmeller 1, 1535), Schweiz, verlifere abliefern (Staub 3, 1151), 
verlöne verdingen (3, 1294), lux. verlohnen vermieten (Gangler 467), holst, 
pomm. verlösen entbinden (Schütze 4, 304, Dähnert 523), Schweiz, verlosle 



ebd. bilg. 34: das er jm den stah mit neme wid ver Stele. 
Weckherlin 32: nun must du dich durch schnelle flucht und fiug in 

das gebirg ver stehlen und verholen. 
B. Waldis Es. 4, 80: die (pfennwert) will ich Jiauseen hei den hüt^en 

(Häuslingen) an eyer, käsz und gelt ver stützen (verhandeln). 
Keisersberg emeis 7d: loan ein katz merckt, das man weisz, wa ay 

die jungen hat, so vertragt sy sie (wegtragen). 
Meyfart himml. Jerus. 1, 140: die thewren wahren, welche . . in der 

. . handelsstadt Tyro vertrieben worden, 
Mörike 3, 232 (Hesse): das wollen wir auch nidit %imsonst rer- 

unköstet haben (ausgeben). 
Plut. 18: das heer ver Urlauben. 
anm. weish. lustg. 630: es war keines hütens von nöhten: dann es 

verwendete keiner dem andern icht etwas (entwenden). 
W. Scherffer ged. 641 (Weinh. hs. W 105) : und gleich kam am stab 

gekrümmet ein gantz übertragen weih, zu verwerben ihren leib 

(zur Ehe anwerben lassen). 
Mörike 6, 210 (Hesse): es ward ihm mit spöttischer miene ver- 

willigt (bewilligen) . 



261 

durchs Los verteilen (Staub 3, 1427), verltifte wegtragen (3, 1161). vennärkte 
veräassem (4, 417), aach. vermarkten {verma'de) in kleinen Einkäufen Geld 
verschwenden (Müller- Weitz 254), Schweiz, vermarschante verschachern (Staub 
4, 424), eis. cennarschande heimlich losschlagen (Martin 1, 713), bair. gött. 
cermeiem verpachten (Schmeller 1, 1554, Schamb. 264), Schweiz, vermiete 
bestechen, erkaufen (Staub 4, 568), preuss. vermauscheln verschachern (Frisch- 
bier 2, 436), schles. vennorgengaben als Morgengabe geben (Weinh. hs. G 1), 
hess. verpartieren verhandeln (Vilmar 294), henneb. heimlich verschleppen 
(Keinwald 182), westf. verpechnen verpachten (Woeste 294), Schweiz, ver- 
pfände als Pfand geben (Staub 5, 1146), verpf ändere ver&ussern (5, 1161), 
verpfündele pfundweise auswägen (5, 1159), verpf ündere pfundweise ver- 
kaufen (5, 1160), schles. verreichen übergeben (Weinh. hs. R. 64), westerw. 
versdiochem verhandeln (Schmidt 307), eis. verschiesse wohlfeil verkaufen 
(Martin 2, 440), brem. pomm. gött. preuss. verseilen im kleinen verkaufen 
(wb. 4, 760, Dähnert 626, Schamb. 266, Frischb. 2, 441), schwäb. verstechen 
Tauschhandel treiben (v. Schmid 508), eis. versteige versteigern (Martin 
2, 579), henneb. verstreichen meistbietend verkaufen (Spiess 269), brem. ver- 
tappen (getränk) verzapfen, berl. verzappen (wb. 5, 25, Meyer 128b), bair. 
vertäumein entwenden (Schmeller 1, 604), preuss. vertrinken beim Trinken 
verheiraten (Frischb. 2, 443), schles. vertun ausleihen (Weinh. hs. T 142), 
hess. verwaldrechten Waldrecht verleihen über (Vilmar 439), pomm. verwedden 
zur Wette aussetzen (Dähnert 529). Die Studentensprache weist verkeilen, 
verkloppen, verkröschen, verkimmeln, vermöbeln, verquälen, verquetschen, ver- 
sdtnallen in der Bedeutung „verkaufen" (Kluge stud. 132, 133) auf, die 
Gaunersprache vergrimmen (487); verkimmem (Kluge rotw. 55, 337), -küm- 
mern (137), -kümmeln (422); verkangen, kingen (379), -kinnigen (233), -künr 
digen (236, 415, 422, 429), -konigen (256, 379), -konen (438); vergitschen, 
•kitschen (487), -kitzen, -klitschen (429); vemagelen (435, 487); verbaschen 
(337), -paschen (233, 487), -passen (168, 190, 476, 487): verrohten (468); 
iw«cÄor/w (353, 387, 415, 429) ; f ersf76er«n (436) ; versömen ij^f^). Für „ver- 
borgen'' sagt die Studentensprache verpumpen (stud. 133), die Gaunersprache 
verhocken (rotw. 458). 

Die letzte Gruppe endlich zeigt uns fra- in der An- 
schauung „weg, ab, auseinander" ^) : 

ahd. N. n 512, 9 P.: vnde uuort uudrJieite nefirfirrest : ne auferas. 
T. 79, 9: forhöubitöta Johannein in themo carcare : decollavit. 
Gl. II 300b farmeissit : absciditur. 

I 24 Pa. gl. K. farsnaid : amputavi. 
N. I 750, 30 P. : zu dien fier stemon die uns öugent in zilun stände 
sdmoso dbafersnitenen tawrum ze dien Idnchon, 



') Der einzige Vorläufer dieser Gruppe, den wir aus dem Got. heran- 
ziehen könnten, wäre fräUtan „herablassen" S. 17. 



262 

mhd. verbirsen versprengen (Lexer 3, 75), -hldsen verwehen (77), -boln 
verschlendern (79), -leisen ^) spurlos machen (168), -lenken ablenken, abwenden 
(159), -meizen abscidere (177), -riden abwenden (202), -riten auseinander- 
reiten (205), -sagen abs&gen (209), -schaffen abschaffen (211), -schäm fortr 
schaffen (213), -scheiden abtrennen (Nachtr. 393), -sdieimen abschäumen (3, 
214), -schicken abfertigen (215), -schieben fortschieben (216), -schiften fort- 
schaffen (217), -schroten abschneiden (219), -senden wegsenden (225), -slahen 
abhauen (231), -smiegefi wegdrücken (238), -snellen fortschnellen (239), -^enen 
fortschleppen (243), -spreiten ausbreiten, zerstreuen (247), -stauben ver- 
scheuchen (253), -sweifen fortschwingen, -stcemmen wegschwemmen (261), 
-swenken fortschwingen (262), -swingen im Schwünge fortwerfen (265), -triben 
auseinandertreiben (275), -vallen (von)*) herab-, hinab-, abfallen (284), -vdlen 
(von) herabstürzen von, (üjs) herausreissen aus (286), -verren entfernen (287), 
-vüeren entführen (291), -wajen verwehen (292), -wanken wanken, weichen 
(295), -waschen wegwaschen (296), -werfen ab-, hin, niederwerfen (302). 

Aus den nhd. Mundarten ist bervorzuheben : 

Schwab, vemussen „Nüsse abschlagen '^ (v. Schmid 410), das sich dem 
ahd. farhoübitön (S. 261) an die Seite stellt, aus der Gaunersprache verposten 
„den Posten verlassen, entfliehen" (Kluge rotw. 339). Der Weidmann spricht 
von verfedem, wenn er dem Geflügel die Federn ausschiesst, von verbirschen, 
-pürschen, vergrämen, wenn er das Wild bei schlechtem Winde zur Flucht 
treibt (Kehrein 303, 301). Der Hirsch verfährt den Ameisenhaufen mit dem 
Geweih (, auseinanderstreuen, aufwühlen"), er verbastet, -passt, -pastet, ver- 
schlägt, verfegt sich den Bast vom (Geweih (303, 301). Die Seeleute verfahren 
das takel, wenn sie es auseinanderbringen, und verstecken das ankertau, in- 
dem sie es auseinanderschieben (Bobrik 705 b, 708 b). Der Bergmann ver- 
räumt die Gesteinsmassen (Veith 533). Der Winzer verblattet den Wein- 
berg, indem er Unnützes abschneidet, und verknotet den Weinstock, beschneidet 
seine Triebe (AUg. Haush.-Lex. 565, 569). Der Chemiker verpufft das Un- 
reine, sondert es aus, besonders in der Hütte die Schlacken durch Feuer; 
dies nennt er auch verschlacken (Jacobsson 4, 524, 526). Bei der Münz- 
prägung wird das Metall vergründet, vom trüben Grunde befreit (4, 516)*). 



*) j. Tit. 487: nimmer gar verl eiset wirt ein strojse, dar üf die künden 
werbent 

*) Chr. 10. 243, 9: und verfielen fünf metischen von einer gibelmaur 
(vgl. auch got. fraletan „hinablassen" S. 17). 

') vergrünen, das der Färber gebraucht (Jac. 4, 516), ist wohl intrans. 
/ro-Type („aufhören grün zu sein"): wenn die blaue färbe aus der blauküpe 
gefärbet gut sein soll, so musz der zeiig, wenn er aus der küpe gezogen wird, 
grün sein und an der freien luft erst blau werden, derwegeti . . . musz er 
alsbald breit auseinander gelegt werden, damit er gut und gleich schneU rcr- 
grüne und in das blaue übergehe. 



263 

Damit ist die BehandloDg der einzelnen Grundtypen mit 
ihren Beden tnngsgruppen abgeschlossen. Es folgt ein zusammen- 
fassender Rfickblick und einige allgemeine Bemerkungen zur 
Omppenbildnng, Bedeutungsentwicklung und Wortbildung. 

Hat die Einteilung in Bedentungsgruppen auch etwas Efinst- 
liches an sich und wird sie den einzelnen Bildungen oft nicht 
gerecht, so ist sie doch nötig, um einen Überblick zu gewinnen 
(vgl. S. 54 f.). Da sich indessen die Grundtypen mehrfach zu 
derselben Bedeutung entwickeln und sich in die verschiedenen 
Bedeutungsgruppen teilen, so hätte eine Vorftthrung ohne Rftck- 
sieht auf die Herkunft der einzelnen Bildungen grade den an- 
ziehendsten Teil der Untersuchung, den Anteil der Grundtypen 
an den einzelnen Gruppen, unberficksichtigt gelassen. Daher 
sind wir in unserer Darstellung den Bildungsprinzipien gefolgt, 
ohne indessen diese Methode ausnahmslos durchführen zu kön- 
nen. Die zahlreichen Denominativbildungen einfachster Art 
(„machen zu**) zwingen zur Durchbrechung des Systems. So 
erklären sich etwa verhindern und verwüsten einfach als solche, 
und doch haben wir aus praktischen Gründen jenes zur faur* 
Gruppe „verbieten, verwehren" (S. 124), dieses zur /ro-Gruppe 
„veiiiichten^ (S. 234 Anm.) gezogen. Andere Denominativbildun- 
gen dagegen wären gradezu unverständlich, wenn man nicht in 
den festen Gruppen die Muster hätte, nach denen sie analogisch 
gebildet sind. Auf diesem Wege vermehrt sich der Wortschatz 
in der jüngeren Sprachperiode vorzugsweise, auf diesem Wege 
kommen die eigenartigsten Bildungen zustande^). 

Die von uns aufgestellten Gruppen, an umfang recht ver- 



^) Es sei nur hingewiesen auf mnd. vorkrogen, vorogen S. 106, nhd. 
verlufien, Vergeltungen 107, mhd. verphcehen, verphien, verphtuhzen 133, nhd. 
sich verswillingen 148 Anm., mnd. vorroasdensten j vormnkapen 158, 159, 
mhd. verslahschaUen, vercogtsUuren 160, mhd. vereimert, nhd. verJdrchepielen 
162, mhd. verstemenj versünnen, vertoünnen 170, nhd. versavtcen 171, sidk 
vermaien, verwiniem 182 Anm. 1, vermumm, vergroscken 201, mnd. vormadenf 
versunken, verfloien, varwestem 210, mhd. verhüUsen, verstüden, vermniem 
210 f., nhd. vergrünepaneHy verleihwehen 213 Anm. 1, verschnapst, verschruüt 
219 Anm., mnd. vorwurden 232, preuss. verallmachten, schwäb. verJumslearte 
236, Schweiz, verberge, verchüßjere, verwiniem 240, mnndartl. verfwnfeien, 
vefjwMeien 241, nhd. verstübeln 243 Anm. 1, vervagäbwnden 244 Anm., 
Schweiz. versackUhre, versohle 252, verchäse, verbocke 253, verlufie 261. 



264 

schieden, sind durchaus nicht scharf begrenzt, sondern gehen 
vielfach ineinander Über. Daher sind auch manche Bildungen 
doppelt angeführt worden. Die Gruppe „beschädigen, ent- 
stellen" (S. 131 ff., 207f., 235 ff.) birgt meistens auch gehässigen 
Sinn (131 ff., 246 ff.) und steht „verfehlen, sich vergehen" (208 f., 
216 ff., 252 ff.) nahe. Gehässigen Sinn haben auch die Gruppen 
„verbieten, verwehren** (120ff.) und „verführen" (128 f.). Eine 
ganze Reihe von Gruppen kann auf dieselbe Wurzel zurück- 
gehen (vgl. fair- S. 163, fra- S. 230), wo wir die weitere Tei- 
lung nur aus Gründen der Übersicht vornehmen. Bisweilen 
aber sind so viele Bedeutungen in einer Gruppe vereinigt, dass 
wir darauf verzichtet haben, die einzelnen eingehender zu scheiden 
(vgl. verbmAen S. 134 ff., 143 ff.). Am umfangreichsten sind die 
Gruppen mit üblem Nebensinn. Sie überwiegen so sehr, dass 
ver- vorzugsweise diesen Charakter angenommen hat und in 
der lebenden Sprache bewahrt. Die heutigen mit ver- vorge- 
nommenen Neubildungen haben fast ausschliesslich diese Be- 
deutung. Reich vertreten und lebenskräftig sind auch die Bil- 
dungen des Musters veirhindi^fa. Die so fein abgestuften übrigen 
/air- Gruppen aber sind ebenso wie die /awr- Gruppen im Ab- 
sterben begriffen und nicht weiterbildungsfähig. Ihre uns immer 
unverständlicher werdenden Bildungen sehen wir durch andere 
Präfixkomposita verdrängt. 

Da die Grundtypen sich mehrfach zu ähnlicher Bedeutung 
entwickeln und die von ihnen ausgehenden Gruppen sich be- 
rühren, wie es schon im got. zu erkennen ist^), verschmelzen 
sie im Laufe der Entwicklung immer inniger, so dass ihre Aus- 
läufer stellenweise gar nicht mehr auseinanderzuhalten sind. 
Wo wir aus Gründen der Wahrscheinlichkeit und Übersichtlich- 
keit doch von einer Type ausgegangen sind, haben wir daher 
stets auf Berührungspunkte mit den anderen hingewiesen und 
die Zugehörigkeit nicht als sicher bezeichnet^. Überhaupt ist 
zu berücksichtigen, dass seit der mhd. Periode, wo die ver- 
schiedenen Formen des Präfixes lautlich zusammengefallen sind 
(vgl. Teil II), und wohl noch früher im Sprachbewusstsein das 

*) faurgipan ifragißan S. 12 f., frawaurkjan : fairtoeitjan S. 23. 
2) S. 124f., 127 ff., 131 flf., 140fr., 161 ff., 176, 181, 182, 191 ff., 202, 
207 Amn., 208, 216 f., 223, 226, 244, 245, 246 ff., 252 ff. 



265 

Gefühl für den Unterschied der Typen verloren gegangen ist. 
Eis lebt nur ein Präfix ver-, das sonderbarerweise bald posi- 
tive, bald negative, bald diese, bald die entgegengesetzte Be- 
deutung in der Komposition mit Verben verleihen kann. Daher 
hat unsere Behandlungsweise etwas Gezwungenes und vermag 
nicht dem freien, vielfach verschlungenen Gange der Entwick- 
lung zu folgen, wie sie tatsächlich stattgefunden hat, sondern 
versucht nachzuweisen, wie sie am einfachsten und wahrschein- 
lichsten wohl hat erfolgen können. Danach verhalten sich die 
einzelnen Typen etwa so zueinander: 

faur- II ist aus der Vereinigung mit faur^ I und /air- 
gar nicht zu lösen, die drei übrigen treffen bisweilen in 
derselben Bedeutung zusammen, so in der umfangreichsten 
ver-Gruppe „verfehlen, sich vergehen" (S. 104, 127 ff.; 
202ff., 208; 216ff., 252 ff.), bei den Bildungen gehässigen 
Sinnes (103 f., 120ff., 126 f., 128 f., 131 ff.; 207 f.; 235 ff., 
246 ff.) und in dem Zweige „überholen, verwinden" (109 ff., 
202, 244 f.). In der Bedeutung „verderben" konkurrieren 
fror und /air- (230 ff., 235 ff., 176), in den Gruppen „ver- 
binden, versperren" und „versorgen" /awr- und fair- (134 ff., 
156 f.), ebenso in den weniger angebauten „verdanken", 
„versteuern" und der instrumentalen „versehen mit" (158 f., 
159 f.. 161 ff.), faur- 1 und /ro- in „vergebn" (111 ff., 226 ff.). 
faur- I herrscht unumschränkt in der Anschauung „voraus, 
heraus" (104 ff.) und „gebieten" (118 ff.), fair- in den 
Gruppen „verwandeln" (197 ff.) und „umgeben, einfassen, 
ausmessen, überziehen, durchsetzen, durchqueren" (163 ff.), 
fra- in „vergeben" (257 ff.), „auseinanderbringen" (261 f.) 
und der resultativen Gruppe „zu Ende bringen", die 
sich in „verarbeiten — verbrauchen — verbringen" ver- 
zweigt (230). 

Ebenso berühren sich die Präfixe in der Fähigkeit, zu 
perfektivieren. Intensiv-Durativa können von /awr- /, fair-, 
fra- gebildet werden (S. 113; 176 ff., 182 f.; 245 f.), ebenso 
Effektiva (Ulf.; 209 ff.; 226 ff.), Resultativa von fair- 
und /ro- (183 ff; 230 ff.), Frequentativa nur von fair- 
(178 ff.). Doch haben die mit/awr- / und fra- gebildeten 
Effektiva anderen Sinn als die mit fair- gebildeten. 



266 

Beide sind intransitiv; aber diese enthalten neben dem 
effektiven noch ein inchoatives und intensives Moment, und 
die Handlang schreitet bei ihnen nicht wie bei jenen bis 
zum Aufhören fort ^). Die Resultativa von fair- haben 
den Sinn „erwerben", die von fra- im Gegensatz dazu 
„vernichten". 

Um ein und derselben Bildung mehrfache Bedeutung zu 
verleihen, bedarf es nicht einmal der verschiedenen Anschau- 
ungsweise eines Präfixes, sondern auch Denominativa der ein- 
fachsten Art können durch verschiedene Auffassung des Stamm- 
worts dazu gelangen. So bedeutet mbd. vereineif\ {fiin Lexer 3, 
103) zugleich: „allein lassen, bleiben — mit sich einig machen, 
aufklären; (refl.) mit sich einig werden, sich entschliessen — 
zusammenfassen auf ein Ziel hin, richten auf — vereinigen, 
verbinden, versöhnen — (refl.) sich zu eigen machen"; mhd. ver- 
richten (reht Lexer 3, 203): „ausrichten — fertig machen, aus- 
rüsten — begleichen, berichtigen — unterrichten — hinrichten 
— (refl.) sich richten nach, eine Richtung einschlagen". Im 
allgemeinen gelingt es, die verschiedenen Bedeutungen eines 
Verbs aus der Komposition mit ein und derselben Type herzu- 
leiten^. Bisweilen ist diese fertige Bildung später und ver- 
einzelt von ganz andersartigen Gruppen in der Verwendung 
beeinflusst worden^). Öfters aber sind von vornherein mehr- 
fache Ansätze anzunehmen, so bei verseteen*), verlegen^), ver- 
schlagen^), verfangen'^, verschiessen^). Bisweilen aber weisen 



*) Vgl. sich verschamen S. 217 Anm. 1. 

*) Vgl. versehen, veriwren S.58if.; versprechen, verschreiben 65 ff., 123 f.; 
verkehren 172 Anm., 179 f., 198; vermessen 167 f., 216, 218; versdmeiden 
167 f., 170 f., 208; verstehen 110, 140 ff., 156 f., 191 ff., 202, 203 ff.; verwenden, 
verwandt 172 ADm., 180, 198 ff.; vergehen 253, 257 ff. 

*) Vgl. S. 63 Anm., 65 Anm., 82 Anm., 94 Anm., versprechen, ver- 
schreiben S. 104, verschneiden S. 261. 

*) S. 75ff., 82; 127, 153 ff.; 165 f., 168, 169 Anm., 170 f., 199 ff. 

«) S. 82ff., 140; 168, 199. 

•) S. 86ff., 91, 111, 123; 127; 135 Anm.; 141 ff., 164 Anm. 3, 165, 
169 Anm., 184 ff., 201, 262. 

'') S. 92ff., 109, 141 f.; 164 ff., 176, 183, 222. 

8) S. 94ff., 123, 127; 153 f., 173, 198. 



267 

einzelne Bildungen deutlich den Einfluss zweier Typen in der- 
selben Bedeutung auf ^). 

Während in der mhd. Periode die einzelnen Bildungen sich 
in möglichst vielen Bedeutungen entfalten, strebt das nhd. nach 
grösserer Deutlichkeit und schränkt den Bedeutungsumfang ein. 
Ganze Bedeutungszweige sterben ab und sind uns heute unver- 
ständlich geworden. Was ist von der Vielseitigkeit von ver- 
schlagen und versetzen oder versprecheil (S. 65 ff.) und ver- 
stehen übrig und uns lebendig geblieben? Die nhd. Umgang- 
sprache scheidet unter einer Reihe von anfangs synonymen 
Eompositis die einzelnen in der Bedeutung (vgl. die Verba des 
Sprechens S. 71 f.), besonders wenn es sich um Gegensätze des 
Sinnes handelt (vgl. gebieten : verbieten S. 113 f.). Steht sich 
aber eine Reihe von Bedeutungen nahe (wie bei faur- I : 
faur- II : fair S. 134 f. und verbinden S. 137 ff.), so können 
diese recht wohl weiter nebeneinander bestehen. Nicht ohne 
weiteres verständliche ältere Formen wie verhalten (S. 122), 
verreden (11 8 f.), verreichen (259, 261), verschlagen (184 ff.), verteilen 
(249) werden durch die jüngeren vorenthalten^ verabreden, ver- 
abreichen, veranschlagen, verurteilen ersetzt und verdrängt (vgl. 
S. 189 Anm. 1). 

Der Wortschatz vermehrt sich durch Denomination^; die 
Art der Wortbildung dabei ist höchst mannigfach. Während 
die Denominativa einfachster Art die Bedeutung „zu dem, was 
das Stammwort besagt, machen oder werden^ aufweist (vgl. 
S. 225), werden andere in die fertigen Bedeutungsgruppen 
hinein analogisch geprägt und sind oft ohne ihre Muster gar 
nicht verständlich (vgl. S. 263 Anm.). Welche Stellung in der 
Bedeutung des Kompositums die des Stammworts^} einnimmt, 
mit dem es gebildqt ist, das schwankt in jedem einzelnen Falle 
und zeugt davon, dass es seine Entstehung keiner verstandes- 
mässigen Schöpfung, sondern unbewusst waltender Analogie 
verdankt. Doch gibt in den meisten Fällen das Stammwort 

*) mhd. veraetsen, versteln, verwem S. 77, verzaubern 127, verschmelzen, 
verschwimmen, verschleif en, verschlingen 173 f. 

») Über ihre Entstehung s. S. 223. 

') Das Stammwort kann ein Substantiv, Adjektiv, Adverb, Pronomen, 
Konjunktion sein (vgl. S. 223). 



268 

das Mittel oder Werkzeug an, mit dem die Handlung geschieht^). 
Auch eine örtliche oder zeitliche^ Angabe kann es enthalten. 
Noch andere Bildungen lassen sich gar nicht in die bestehenden 
Gruppen fügen, besonders adverbiale Denominativa : 

mhd. verahhanden aas den Händen geben (: abfMnden), - aberwandeln 
rückgängig machen (: aberwandel Lexer 3, 67), - anderweiden wiederholen 
(: anderweide wiederum 69), -innen in Kenntnis setzen, erinnern (1H5), -jagen, 
-j ächzen, -jäzen bejahen (137), -neinen verneinen (185), -phcßhen, -pfUen, 
-phuchjsen verabscheuen (191, 192, 194). 

So sind auch veranlassen und verursachen schwer zu er- 
klären % In die fremdsprachlichen Bildungen auf -ieren drängt 
sich ver- schnörkelhaft ein: 

mhd. verantivinciereti (69), -hardieren (71), -hehurdierefi (72), -grama- 
zieren (119), -musckieren (184), -noijieren (189), -schackieren (214), -schimpfieren 
(217), -sigillierm (229), -sponsieren (245), -eimieren (321). 

Durch besonders unschöne und schwerfällige Bildungen ist 
die Kanzleisprache gekennzeichnet. Statt der einfachen Verben 
werden pomphafter klingende von Nomina neu gebildet. So 
entsteht z. B. 

verabsugen (DWB. 12, 62), veranlagen, veranschlagen, veranstalten (76, 
78), verausgaben (88), vereifinahmen*), vererbfällen (284), verlauibaren (750), 
verlehenfolgen, verlehenrechten, verleib(ge)dingen (765, 766). 



*) So schon in got. faurdammjan, fawsigJjan^ faurwaipjan S. 10. 
*) Örtliche Angabe liegt schon im got. faurmuljan S. 10 vor. Zeitlich ist 
mhd. nhd. vertagen (S. 119), nhd. sich vermaien, verwintem (S. 182) auszu- 
legen. In mhd. verhileichen, verhiräten (S. 143 Anm. 2) bezeichnet das Stamm- 
wort die Umstände, unter denen die Handlung geschieht. 

') mhd. Oberl. 1719: eine sache üf einen veraneldzen : compromitto 
in aliquem de lite aliqua (aneläz Schiedsurteil, Kompromiss). 
mnd. Benner 2, 142: derJialven wurden de stendevoror sähet undsannden 
etlike na Bremen. 
Schweiz, veranlasse bedeutet noch heute „an ein Schiedsgericht weisen, 
zum Schiedsrichter wählen '^ (Staub 3, 1391). In der Schriftsprache aber 
erlangt es wie verursachen die Bedeutung „den Anlass geben zu, der Anlass 
zu, die Ursache von etwas sein": 

nhd. Simpl. 3. 351, 30 Kurz: als der die dasige jmsammenkuf\ft ver- 
anlast Ihatte. 
Luth. 16. 4, 18 W.: dadurch wir sollen verursachet werden, gottes 
verheissungen zu glauben. 
^) Fehlt im DWB. J. Reinke weit als tat S. 66: eine masüdne kann 
die inteUigenz ihres erfinders vereinnahmen und in ihren leistungen wieder 
verausgaben. 



269 

Oder zwischen ver- und Stammwerb wird ein volleres Präfix 
eingeschoben, wobei besonders «6- sehr beliebt ist^): 

verabfolgen (57), verabhandeln, verabladen, verableiten, verabreden (58), 
verabreichen (59), verabsäumen (60), verabschossen (62), dazu Schweiz, ver- 
abfassen (Staub 1, 1060). 

Fremdworte mit -ieren liebt die Kanzleisprache und ver- 
sieht sie zu weiterem Schmucke mit ver-, so: 

verarrestieren (86), -hypoiheeieren (596), 'interessieren (697), -klaiisülieren 
(655), -obligieren (950), -pariieren (957), -pensionieren (959), -petschieren (960), 
'practicieren (975), -proviantieren (977), -secretieren (1235), -sigillieren (1324). 

Bisweilen werden andere Komposita durch Verbindung mit 
rcr- in unschöner Weise erweitert, so : 

verachtreden, verafterreden, verhinterreden (66, 68, 571), verafterleihen 
(68), t?cr/wAnZcK?Ä«n ^577), verkleinfügen (664). 

Wenig handlich sind auch die Doppelkomposita auf ge-, wie : 

vergeleiten (406), vergeloben (407), vergemeinschaften, vergeringem, ver- 
geschtoindem, vergeseUen, vergesellschaften (412), vergestalten (425), vergewal- 
tigen (428), vergetüissem (430), vergewissigen (431), 

ebenso die Denominativa auf -tgren und -liehen. Sie sind mhd. 
in beschränkter Zahl belegt^) und im allgemeinen von Adjek- 
tiven auf -ic und -lieh richtig gebildet. Dann aber hängen sich 
die verlängerten Endungen^) auch an Verba, denen sie nicht 
zukommen, so: 

nhd. vergewissigen (DWB. 431), vergiftigen (442), verpflichtigen (969), 
versehrigen (1263), verseichtigen (1267), verselbigen (1269), vernadiriditigen, 
rerwerksteüigen (Hittmair 143). 

Aber selbst wo sie am Platze sind, wirken sie häufig sehr 
schleppend in Bildungen, wie: 

verunseligen, verunfläUgen, vervielseitigen (Hittmair 143), verälltägUchen, 



') Vereinzelt wurzelt dies Verfahren im Streben nach Deatlichkeit, so 
bei verabfolgen and verabreden, da verfolgen und verreden .zunächst mehr- 
deutig sind und dann sich zu ganz anderer Bedeutung entwickeln (vgl. S. 267). 

■) mhd. vereidigen neben vereiden (Lexer 3, 102 f.), -einigen neben -einen 
(104), -ewigen (107), -günstigen neben -günsten (122), -heiligen (126), -kurzigen 
neben -kürzen (151), -manicvdltigen neben -manicvalten (173), -micheUidien ver- 
grössern (179), -rehtvertigen (199), reitigen neben -reiten (199), -stastigen (249), 
-süMäigen neben -Sünden (258), -tegelichen täglich vorbringen (267), -vertigen 
(287), -willigen (308). 

*) Bödiker und Adelung bezeichnen -igen als Verschönerungssilbe (Hitt- 
mair 146). 



270 

veralteriümli(hen y verannehmlichen, vergegenständlichen, vergenieinsehaftUchen, 
vergesellschaftlichen (123), verjugendlichen, verjungfräulichen (124), verstaat- 
lichen, verstofflichen, verunmöglichen, verunsterhlichen (124), verhinlassigen 
(DWB. 571), veroberflächlichen (950), verordentlichen (952), verreMfertigen 
(997), verselbständigen (1270) a. ähnl. 

Hierauf verfällt besonders der Eifer der Sprachreiniger 
und Sprachbesserer, die etwa „identifizieren" durch versdbigen, 
verselbsten (1269), „personifizieren" durch verpersönlichen (959), 
„realisieren" durch verwirklichen, „publizieren" durch veröffent- 
lichen (951) ersetzen. Andere künstlich eingeführte Ausdrücke 
wie verschlimmbessern (1106) und verballhornen^) (90), die beide 
dem 18. Jahrhundert entstammen und dasselbe besagen („wie 
der berüchtigte Ball hörn etwas in der Absicht, zu bessern, noch 
schlimmer machen"), haben auch nicht den Vorzug, gefällig zu 
sein. Trotzdem hat sich eine Anzahl solcher Bildungen in der 
Schriftsprache eingebürgert. 

In grösserem Masse als -igen hat die Endung -em um sich 
gegriffen, die mhd. nur den Denominativen zukommt, die von 
Adverbien, Adjektiven und Komparativen^) auf -er abgeleitet 
sind. Formen wie vergewissem (Lexer 3, 113) neben vergewissen, 
die zugleich auf den Positiv und Komparativ bezogen werden 
können, mögen den Übergang bezeichnen. An Stelle eines mhd. 
verinnen (135), verUeinen (146), verlihten (165), vemiuwen (188), 
verringen (204), verschoenen (217) tritt nhd. (erinnern), verkleinem, 
(erleichtem, erneuern), verringern, verschönern^). Das DWB. be- 
legt neben verkinden, -kindlichen ein verkindem (645), neben ver- 
ledeinen, -lateinischen ein verlateinem (737), neben verrosten ein 
verrostem (1017), neben versinnbüdefi, -sinnbildlichen ein versinn^ 
bildem (1332), wo die Endung -em wohl von der Pluralbildung 
beeinflusst ist. 



») Vgl. Dähnert 517 : „Bor Jöhan BaXhom verbetert", 
') mhd. verändern, -endem (Lexer 3, 68), -nideren (187), -wideren (306) 
— verdu(n)stem (102), -mundem (183), -sichern (227), -vinstem (288) — ver- 
bezzem (74), -bittem (77), -bcBsem (80), -ergem (107), -hcäiem (131), -tntti- 
nem (180). 

') Einem mhd. vergeisten (Lexer 3, 111) tritt ein nhd. verschöngeistem 
an die Seite: 

Lavater physiognom. fragm. 3, 158: hier im oberen bilde — entkräftet, 
verschöngeistert, bis aufs haar. 



271 

Aus der Reihe der üblichen DenominativbilduDgen fällt nhd. 
verdächtigen, verflüchttgen, verltistigen „verlustig machen" (DWB. 
830), verständigen ganz heraus, da sie als einfache Verba zu 
den Adjektiven mhd. vervlüktic „profugus" (Lexer 3, 289) und 
nhd. verdächtig, verlustig, verständig gebildet sind (vgl. auch 
Wilmanns 2, 165). 

In den Mundarten ist ver- so eingebürgert, dass es sich 
anorganisch in ganz andersartige Bildungen eindrängt. Aus 
vieUeichl wird durch rein phonetische Entwicklung schles. leipz. 
verleicht, henneb. verlechts (Weinh. hs. L 60, Albrecht 229, Spiess 
267), ans famos schles. vermoost (Weinh. hs. F 13), köln. aach. 
verplex, vcrpletzt aus perplex (S. 176). In schles. vermeindawägen 
(Weinh. hs. M 55), böhm. versnst ^umsonst" (Knothe 531), preuss. 
verfimtsch „sofort*' (Frischb. 2, 426), mundartl. verquer, verdwer, 
verdwas, verdwatsch (S. 175f.) ist ver- ans für entstanden, in 
gött. verkops {wind) „im Gesicht, entgegen" schimmert noch 
faur- 1 „gegen" (vgl. S. 9) hindurch. 



IV. 

Überblick über die i;er- Komposition in den 
germanischen Dialekten. 

Im vorigen Teile ist die Bedeutungsgeschichte der ver- 
Komposition im Deutschen behandelt worden, da sie hier am 
Üppigsten entwickelt und die Überlieferung am reichsten ist. 
Nach einem kurzen R&ckblick auf die Stellung und Verbreitung 
in den deutseben Mundarten soll eine knappe Skizze ihrer 
Stellung in den germanischen Dialekten folgen. 

In der ah d. Periode bieten das zahlreiche Glossenmaterial 
wie auch die grösseren Denkmäler ein Zeugnis fttr das um- 
fangreiche Gebiet der ver -Komposition, ein breit und wuchtig 
angelegtes Bild, in dem wir häufig schon feinere Zttge entdecken 
und über manche, uns in der heutigen Umgangsprache geläufige, 
aber dunkele Bildungen Aufklärung finden. In der mhd. Periode 



272 

sehen wir das ganze Bild vertieft: in ein und demselben Worte 
die verschiedensten, oft gradezu entgegengesetzten Bedeutangen 
entfaltet. Aus den mannigfachen Grundanschauungen entwickelt 
sich verschiedener Sinn in bisweilen überraschender Weise, ans 
einer einzigen kann sich ein ganzes Netz von Verzweigungen 
entspinnen. Der Bestand an i;ar-Kompositis wird ein handliches 
Werkzeug für die Sprache der Poesie und kommt der Vorliebe 
des Mittelalters für doppelsinnige Ausdrucksweise entgegen. 
Später erst wird der Wortschatz durch die Prosa bereichert. 
Nach Luthers Zeit ändert sich das Bild wesentlich. Das nüch- 
terne Zeitalter findet keinen Geschmack mehr an dieser Viel- 
seitigkeit und begehrt nach Deutlichkeit und Anschaulichkeit. 
Während der Bedeutungsumfang der einzelnen Bildungien zu- 
sammenschrumpft, werden die einzelnen Gruppen durch ein- 
deutigere Worte ausgebaut: quantitative Entfaltung tritt im 
allgemeinen an Stelle der qualitativen. Diese Entwicklung ist 
durchaus noch nicht abgeschlossen, wie versetzen j verscJUagenf 
verschiessen u. ähnl. (vgl. S. 266) mit ihrem absterbenden Be- 
deutungsreichtum zeigen. Selbst die so fest geschlossene Gruppe 
nach dem Muster verbinden (S. 137 ff.) wird mehr und mehr 
durch andere, ungeschwächte Präfixkomposita ersetzt. Zahl- 
reiche Neubildungen werden von der Bibelsprache, der Kanzlei- 
sprache des 16. und der folgenden Jahrhunderte und der 
Literatursprache des 17. und 18. Jahrhunderts geschaffen. 
Luther, Klopstock, Wieland und Goethe vor allen haben wert- 
volle Wendungen geprägt und auch die gebildete Umgang- 
sprache dadurch bereichert, während der geniale Sprachbildner 
Fischart es über charakteristische Augenblicksbildungen nicht 
hinausgebracht hat. Auch aus puristischen Bestrebungen ist 
manches Brauchbare hervorgegangen. In jüngster Zeit sind 
Behörden und Berufsgenossenschaften — es sei nur die Juristen- 
sprache erwähnt — mit allerdings meist nicht sehr glücklichen 
Neuprägungen und Verdeutschungen hervorgetreten. 

Die and. Literatursprache ergänzt in manchen Zügen 
das Bild der ahd. Die as. Bibeldichtung entfaltet eine Reihe 
von synonymen Bildungen, besonders für die Ausdrücke der 
Vernichtung, Verachtung und Verfehlung, in denen noch heute 
das Präfix am lebendigsten ist. Das mnd. weist in der Sprache 



273 

seiner Urkunden recht charakteristische und wertvolle Bildungen 
auf und baut voraehmlich die Verkehrsprache ans, der die 
nhd. ümgangsprache eine Reihe von Wendungen verdankt. 

Von den lebenden Mundarten hätte das Schweizerische 
wie das Niederländische behandelt und nicht zu den deutsehen 
Dialekten in engerem Sinne gezogen werden können, weil es ein 
ganz selbständiges Gepräge erhalten hat. Da es indessen vom 
verwandten Elsässischen und Schwäbischen nicht zn trennen 
ist und einen äusserst reichen Wortschatz entwickelt hat, so ist 
es in Teil III mit behandelt worden. Besonders auffällig sind 
die zahlreichen lautmalenden, synonymen Bildungen. Hier wie 
in allen Mundarten und der Schriftsprache fiberwiegen die wr- 
Gruppen tadelnden und gehässigen Sinnes. Das Schwäbische 
und Bairische hält eine Reihe von alten, charakteristischen, in 
der Schrift- und Umgangsprache untergegangenen Wendungen 
fest. Die Aufzeichnungen der östreichisch - tirolischen Mund- 
arten liegen leider zu spärlich vor, als dass sich danach die 
Stellung der ver-Eomposition in ihnen beurteilen liesse. Um so 
wertvoller wird uns dafttr das Schlesische mit seinem reichen 
Wortschatz. Die ndd. Mundarten, reich an t;er -Eompositis, 
sind uns wichtiger durch Bewahren alter Bildungen als Ver- 
mehrung einzelner Gruppen. Das Ost- und Westpreussische hat 
wie die Dialekte der Grossstädte (Wien, Leipzig, Berlin, Frank- 
furt, Köln) viel aus der Gaunersprache aufgenommen und nach 
ihrer Art Neubildungen geschaffen. Die Aachener und luxem- 
burgische Mundart stellen die Verbindung mit den nieder- 
ländischen Mundarten her. 

Ohne die letzteren einzeln zu behandeln, wende ich mich 
der neuniederländischen Schriftsprache zu^). Sie verfügt 
Aber einzelne Bildungen mit reichem Bedeutungsumfang, baut 
aber besonders einige Gruppen aus, so verwandeln^) (vgl. S. 197 ff.), 



') Das grosse mittelniederländische Wörterbach von Verwijs and Verdam 
ist leider noch nicht bis ver- vorgeschritten. 

*) z. B. verbinden anders binden, -boeken umbuchen ( Sicherer -Akveld 
1160 a), -grasen {vee) Vieh von einer Weide auf die andere bringen (1169 c), 
"landen aaswandem (1177 b), -Straten Strasse umpflastem (1192 a), -vloeren 
Flvr ampflastem (1196c), -winden durch Winden bewegen und versetzen 

Leopold, Die VonUbe ver- 18 



274 

verkümmern^) (S. 209 ff.), und schafft, Über das Deutsche hinaus- 
gehend, interessante Denominativbildungen '). Überhaupt sind 
die fair- Gruppen in ihr noch vertreten '). Eine eigene Gruppe 
des Sinnes „ausspielen, um die Wette um etwas spielen" *) tritt 
herror. Von Einfluss ist das Niederländische auf die deutsche 
Handels- und Schiffersprache geworden^). 

Beich entfaltet sind die verschiedenen Bedeutungsgruppen 
im Altenglischen (vgl. S. 43 f.). Die Gruppen mit üblem 
Nebensinn Überwiegen, daneben die Bildungen nach dem Muster 
verbinden (vgl. S. 137) und der Gebrauch des Präfixes als In- 
tensivpartikel (S. 43 Anm. 2). Im Englischen aber weicht, an- 
ders als im Deutschen, die t;er-Eomposition vor romanischen 
Bildungen zurück. Noch in der mengl. Periode blühen ausser 
souistigen Gruppen die Bildungen nach dem Muster verkümmern^) 
(vgl. S. 209 ff.), besonders in der Form des Partizips') (vgl. 



(1200 a), -eiUen Platz wechseln (1202 c); hierher wohl auch venjaren (jem.) 
seinen Geburtstag feiern (1172 c). 

') So verkankeren vom Krebs (1173a), -mijten, -motten, -muffen von 
Milben, Motten, Mnff (1181b, 1182b), -vuren von Brand (Fänle) (1197c), 
-wormen von Würmern (1200 c) zerfressen werden. 

*) veraangenamen angenehm machen (1157 b), -duiirzamen konservieren 
(1160 c), -gemdMelijken erleichtern (1168b), 'lichamelijken verkörpern (1178c), 
'vroolijken belastigen (1197 c), -wezenHjken verwirklichen (1199 b). 

') in nood verheeren sich in Not befinden (1173 b), eich vermaken, -meien 
s. belustigen (1180c, 1181a), zieh verpoosen pausieren (1184c), verstaan ein- 
sehen (1190a), gidi vertreden s. Bewegung machen (1194b), vertoant anver- 
wandt (1198b), verwerven erwerben (1199b). 

*) verdraven in die Wette traben um etw., als Preis im Traben aus- 
setzen (1164c), 'harddraven um die Wette harttraben, -hardseüen um die 
Wette segeln (1170c), -kaatsen im Spiel aussetzen (1173 a), -kavelen um etw. 
kabeln, aufs Spiel setzen (b), -kegelen loten auskegeln (c), -kolven im Kolben- 
spiel ausspielen (1175c), -smakken auswürfeln (1189b), -wedden wetten um, 
aussetzen (1198 c), -eeüen um die Wette segeln (1201c). Die Gruppe ist wohl 
gemischt aus fawr- I (S. 104 ff.), fra- (S. 257 ff.) und fair- (S. 178 ff.) Typen. 

*) In Teil m ist öfters darauf hingewiesen worden. 

*) Eigenartig ist die aengl. Bildung forMian : iter fatale inire. 

Beo. Th. 3104, note: }ußfde da foretdod sunu Ecgßeöwes : Ecgtiieow's 
sun had then perished. 

^) mengl. farfohte(n) : exhausted with fighting (Stratmann-Bradley 37 a), 
forlaped : satiated with drinking (39 a), forlived : dectepit (40 a), forraked: 
overdone with Walking (41b), foreongen : tired with singing, forsUpt : over- 



275 

S. 218 ff. und 44). Im Nenenglischen fristen ausser vereinzelten 
Besten in der Schriftsprache (S. 44) die 2;er-Eomposita ihr Da- 
sein nur noch hier und da in den Mundarten. 

Die afries. c;er-Eoniposita sind aus den S. 45 f. dargelegten 
Gründen schwer von anderen (er-^ über-) zu scheiden, nieder- 
ländische und mnd. sind unter die friesischen gemischt. Die 
t;6r-Komposita sind nicht zahlreich vertreten. Es fiberwiegen 
auch hier die Bildungen mit üblem Nebensinne, daneben die 
Gruppe überwinden (vgl. S. 109 f.). Aus den neufriesischen 
Mundarten lassen sich neue Gesichtspunkte für die t;er- Kom- 
position nicht gewinnen. 

Im Nordgermanischen spielt die t;^- Komposition keine 
wichtige Bolle; neben Bildungen nblen Nebensinnes sind /aur-^) 
und /atr-^ Typen zu erkennen. Der Umfang des nordischen 
Wortschatzes an ver-Kompositis geht fiber den des Gotischen 
nicht wesentlich hinaus. 

Zu wirklicher Blüte bringt es die t;er-Komposition überhaupt 
im Westgermanischen, seit der mittleren Periode nur im Deutschen 
(einschliesslich des Schweizerischen und Niederländischen). 



V. 

nhd. ver- im Verhältnis zu anderen Präfixen. 

Neben ^er- weist die deutsche Sprache nur die geschwäch- 
ten und tonlosen Präfixe he-, erU-j er-, ge-y zer- auf, während 
die Zahl der ungeschwächten grösser und bildungsfähiger ist. 



come with sleep (42 a), forstomied : tossed aboat with stonnes (42 b)) 
for8wunke(n) : exhansted with labour, fortravailled : tired out (43 a), farwake(d) : 
exhaoBted with watching, forwdlked : exhansted with Walking, farwandred : 
exhaasted with wandering, forwoxen : grown to excess , forweped : exhansted 
with weeping (46 a). 

^) farlag Lebensnnterhalt (Fritzner 1, 466a), forfod Vorsicht, Um- 
sicht (461b). 

*) farmuga, fyrirmoga yermögen (467b, 621a), forstanda, fyrintanda 
{undirstanda) verstehen (462b), farvitna verlangen, begehrlich sein (464b). 

18* 



276 

Auf die Berährungspunkte von ver- mit andern Präfixen beider 
Arten ist mehrfach hingewiesen worden. Es steht mit ihnen, 
besonders in der jüngeren Sprachperiode, im Wechsel. Hänfig 
kommen sie in denselben Bildungen mit derselben Bedeutung 
friedlich nebeneinander vor, häufiger aber stehen sie im Wett- 
bewerb, und eins gewinnt dem andern den Boden ab. Zwischen 
geschwächten wie ungeschwächten Formen tritt nun mit der 
Zeit ein Ausgleich und eine gegenseitige Abgrenzung der Ge- 
biete ein, im allgemeinen nach dem Gesichtspunkte, dass die 
anschaulicheren Formen die mehr verblassten zurückdrängen. 
Die Stellung von ver- gegenüber den verschiedenen Neben- 
buhlern ist nun sehr verschieden. 

ge- dient fast ausschliesslich als Perfektivpartikel; es ist 
schwächer als ver-, weil ihm jeder sinnliche Bedeutungsinhalt 
fehlt, und berührt sich nur vereinzelt mit ihm (geblendet : ver- 
blendet, gesichert : versichert), ent- übertrifft vcr- sowohl in der 
sinnlichen Bedeutung „weg" (f^O'") aJs in der perfektiven 
Funktion (effektiv) an Deutlichkeit und ist dadurch im Vorteil: 
eniartm (S. 126) i), mtkauptm {2^11), entweichen (112 f.) — entr 
kommen (112), entschwinden (226 ff.). Aus demselben Grunde ist 
ver- von sfer- in der Gruppe vernichten^) überflügelt worden: 
zerbrechen (230 ff.), eerscKlagen^ zerstören^ zerstreuen (233 f.). 

Vielfacher berührt sich ver- mit 6c- und er- (vgl. S. 57). 
6e- geht wie favr- (und fav/r- II) auf eine lokale Grundform 
zurück (ebd. Anm.) und ist ihm auch in der Bedeutung verwandt, 
er- dagegen zeichnet wie fra- und faur- I mehr den Verlauf 
des Weges. So greifen die drei Präfixe vielfach ineinander über 
und stehen in enger Wechselbeziehung, be- teilt sich mit ver- in 
die Gruppen überholen (Hittmair S.60 — faur-1 109ff., 202, 244f.), 
verbergen, verschliessen (H. 56 f. — ver- S. 143 ff.), besargen 
(H. 69, 75 — faur- I 119), bedanken, belohnen (H. 78 -^/air- 
158 f.), besteuern^) (H. 146 — ver- 159 ff.), die instrumentale 



>) Die Zahl gibt die Seite an, auf der das entsprechende oer- Kompo- 
situm zu suchen ist. 

*) Doch hat sich eemiuhten (Paul wb. ö65a) und emidUen (Jakob XXIV) 
gegen vernichten nicht durchsetzen können. 

') Aber das öe- Kompositum hat die zahlende Person, das ver- Kom- 
positum die versteuerte Ware als Objekt. 



277 

Gruppe (H. 83 ff. — ver- 161 ff.), befassen, hegreif m (H. 28, 49, 
50 —fair- 165 ff.), bemessen (H. 185 —fair- 167 f.), beziehen 
(H. 45, 50 —fair- 169), beschränken (H. 54 — fair- 174 f.), be- 
laden (H. 40 — fair- 176), Impersonalia (H. 233 f. — fair- 
178), Frequentativa (bewandert, besuchen H. 154, 72 — fair- 
179ff.), Durativa (beharren, bleiben 225, 219 — favr- 182f.), 
Irans. Kesultativa (&efe>mmen, beschaffen, besinnen H. 179, 172, 
181 —fair- 184 f.), intrans. Effektiva (byahren, beschUmmen, 
bewiniem (H. 221f. — fair- 210 f.). ver- und fte- Kompositum 
können nebeneinander fortbestehen — dann sind sie im Ver- 
lauf der Entwicklung in der Bedeutung etwas auseinander- 
gegangen — oder eins von beiden veraltet, und zwar bald das 
eine, bald das andere. 

Positive und negative Bedeutung nebeneinander findet sich 
früher auch bei 6c- (H. 189 — faur- I 113 ff.). 

Auf dem Gebiete der Denominativbildung hat ver- in den 
meisten Fällen be- überflügelt (H. 111). Nur in der instru- 
mentalen Gruppe^) behauptet be- den Vorrang (H. 112 ff.). Bei 
adjektivischen Denominativen der Bedeutung „machen zu, in 
einen Zustand versetzen" ist be- von ver- (und er-) in den Ab- 
leitungen auf -em^ verdrängt worden, in denen auf -^gen ist 
es häufiger als ver-^)] die BXit -liehen sind ver- ausschliesslich^) 
vorbehalten (Wilmanns 2, 165; H. 116). Die Komposita auf 
be—en neigen dazu, in ver—em fiberzugehn ^). Die Bildungen 
auf -ieren gehen mehr und mehr zu ver- über®) (H. 195). Fakti- 
tiva werden von be- wie mit ver- (und er-) gebildet (H. 146 ff.). 
Die jüngeren Faktitiva auf -em kommen am häufigsten mit ver- 
vor (Wilmanns 2, 165). 

er- geht von der Anschauung „aus, heraus, auf" aus 
(Jakob XL VII), vgl. ersehen (J. XLI — faur- 1 8.69«.), erhören 
(J. XXV —fatsr-I 64 f.), ersetzen, erlegen (J. XXVII —faur-I 
75 ff., 82 ff.), erheben, ermeiden, erzählen, erluften (J. VIII, IV, 



i) Vgl. S. 67 Amn. dies. Abh. 

') Ausnahme bereutem (H. 121). 

*) Statistische Zusammenstelinng bei H. 126 and 144. 

') Ausnahme ermöglichen (H. 123). 

•) Vgl. S. 270. 

•) Vgl. die Statistik bei H. 250. 



278 

XXIII — faur- I 105 ff.), ermnden, erleben (J. XXXIU, XLV 

— fawr- I 109), sich erwegen eines dinges (J. XU — ver- 124), 
ergebcHy erlassen (J. XI — fra- 257 ff.), erwerf en ^fehlgebftren* 
(J. XII — fra- 252 f.). Doch berührt sich er- auch mit fair- 
Typen wie envandeien, erwenden (J. XII — fair- 198 ff.), er- 
messen (J. XXIX — fair- 167 f.), erseUsen „durchsetzen" 
(J. XXVII — fair- 169 ff.), den Frequentativen si(^ ergehen^ 
erholen, emiaien (J. VII, VI, XXII —fair- 181 f.). Ferner 
bezeichnet er- wie ver- Durativa (erdulden y erharren, erleiden, 
ertragen J. XXXVI — ver- 182 f., 245 f.), Inchoativa und 
Effektiva {erbleichen, erfrieren J. XVIII, XXXII — ver- 
210, 225, 228 f.), ßesultativa {erfahren, erwerben J. XXXVIII, 
XXVin — fair- 184 f.; erschlagen, ersteinen, ertränken J. XXXIII 

— fra- 233). Vereinzelt sind die instrumentale Gruppe (er- 
weiben% erisweigen J. XXIII — ver- 146, 148) und „verfehlen" 
{sich ereärtdn J. XIX — fair- 209 Anm. 1) vertreten. Als de- 
nominativbildendes Präfix steht er- hinter ver- ebenfalls zurück 
(s. Jakob XIX). V7o beide fortbestehen, gehen sie in der Be- 
deutung auseinander (ebd. XXI). 

Am anziehendsten ist die Frage, wie die drei wichtigsten 
uugeschwächten Präfixe der nhd. ümgangsprache sich zu der 
Perfektivieruug stellen. Zur intensiv-durativen wie resultativen 
Aktionsart sind alle drei gleich befähigt, da jedes Präfix ge- 
eignet ist, durch Anfügung an das Simplex dessen Handlung 
ein verstärkendes oder das Ziel als erreicht darstellendes 
Moment hinzuzufügen. Die frequentative ist entweder von ver- 
und be- auf das lineare er- oder aus der perfektivierenden 
Fähigkeit von er- in Verbindung mit einfachen Verben fre- 
quentativer Bedeutung übertragen worden. Die inchoative 
Funktion, die mit der effektiven in intrans. Bildungen vereinigt 
ist (vgl. S. 209 ff.), kann bei allen drei Präfixen aus der per- 
fektiven des Partizips (S. 223 ff.) rückwärts erschlossen worden 
sein. VtTahrscheinlich aber hat ver- hierin die beiden anderen 
beeinflusst, indem die Gruppe verwandeln (S. 197 ff.) den Über- 



*) Fischart (bei Jakob XXIII): der eine reiche nimmt , nimmt sie rdchi, 
sondern er ergibt sich iren, das heiszt alsdann verweilen und nicht 
erweiben. 



279 

gang zur inchoativen Aktionsart begünstigte (vgl. S. 225)^). 
Während er- und ver- diese Funktion lebendig bewahren, ist he- 
darin veraltet. Aber auch zwischen er- und ver- sind Bedeutungs- 
nnterschiede festzustellen. Die er-Eoroposita lassen das inchoativ- 
resultative, die ver-Komposita das effektive Moment mehr hervor- 
treten (vgl. verblassen, verbleichen^ verstummen gegenüber erblassen, 
erbleichen^ erstummen) ; ergehen, ersterben malen mehr den Verlauf, 
vergehen, versterben mehr den Abschluss der Handlung. Doch 
kann das Verhältnis auch umgekehrt sein (erfroren : verfroren). 
Bisweilen verbinden wir mit den er- und ver-Kompositis gegen- 
sätzlichen Sinn, so bei den Verben der sinnlichen Wahrnehmung 
wie erbeben : verbeben ^ erblühen : verblühen, erglühen : verglühen, 
erhallen : verhallen u. ähnl. Während die resultativen er- und 
t?e»'-Komposita (trans.) sowohl den Sinn erreichen, verdienen (fair-) 
wie auch verlieren, vernichten (fra-) vertreten können, ist der 
Ausgleich derart eingetreten, dass er- fast ausschliesslich (neben 
wenigen ver- und &e- Bildungen) die erste Gruppe für sich in 
Anspruch nimmt, während ver- und er- sich in die zweite 
Gruppe teilen. Die unbestrittene Domäne von ver- dagegen 
stellen die Verba nach dem Muster verbinden (S. 143 ff.) und 
vor allem die Bildungen mit üblem Nebensinne in der Be- 
deutung verfehlen, sich vergehen, versessen, verachten, ver- 
urteilen dar. 

Vor seinen Nebenbuhlern hat ver- den Reichtum an den 
yei*8chiedensten Bedeutungsgruppen voraus. Es erhält da- 
durch etwas Schillerndes, wodurch es vorzüglich für die 
dichterische Verwendung geeignet wird, aber viel an An- 
schaulichkeit und Deutlichkeit einbüsst. Und dies wird ihm 
mehr als den übrigen, weniger vieldeutigen Präfixen zum Ver- 
hängnis. Ein unverkennbarer Zug unserer heutigen Sprach- 
entwicklung ist es nämlich, über schillernde und verblassende 
Bildungen hinweg zu anschaulicheren und weniger missver- 
ständlichen zu schreiten. So geben wir ein älteres Kom- 
positum durch eine Reihe verschiedener anderer wieder (vgl. 
got. fraletan S.19f.: ablassen, entlassen, erlassen, herablassen, über- 



') Hittmair 216 nimmt dagegen an, er- habe anf de- diesen Einfluss 
ausgeübt. 



280 

lassen, unterlassen, verlassen y istilassen). Vor allem aber treten 
ungeschwächte Präfixe an Stelle der geschwächten and drängen 
diese immer mehr zurück, verseifen (vgl. S. 266 Anm. 4) müssen 
wir heute durch absetzen, aussetzen, besetzen, durchsetzen, einsetzen, 
entgegensetzen, ersetzen, fehlsetzen, festsetzen, hineinsetzen, hin- 
setzen, übersetzen, umsetzen y vorsetzen, wegsetzen, zu ende setzen, 
zusammensetzen wiedergeben, verbinden (S. 137 ff.) durch einbinden, 
festbinden, überbinden, zubinden, zusammenbinden usw. Die ver- 
Bildungen gehören oft der gehobenen, altertümelnden Sprache 
an, auch ein Zeichen ihres Absterben s. So veruArft Luther 
noch den Stein, der zum Eckstein geworden ist; wir werfen 
ihn weg oder fort. 

Dieser Vorgang erstreckt sich auch auf die Aktionsarten: 
abfaulen, ausbleichen, hinschwinden geben das Bild des Effek- 
tiven anschaulicher wieder als verfaulen, verbleichen, versehwin' 
den. ausgehen, abreisen bezeichnen deutlich das inchoative 
Moment, ausharren, fortdauern das durative, wo das vcr-Kom- 
positum etwas mehr oder minder Schwankendes behält. Auch 
in dieser Funktion treten allmählich die geschwächten Formen 
vor den ungeschwächten zurück. 

Aus dieser ganzen Entwicklung aber lässt sich folgendes 
erkennen: Die Präfixe beeinflussen zunächst die Richtung der 
Verbalhandlung, tragen dann aber zugleich und meistenteils 
ein perfektives Moment in sie hinein. Je mehr mit Schwächung 
der Form der anschauliche Inhalt zurücktritt, um so mehr tritt 
das perfektive Moment hervor. Die in der Form geschwächten 
und in der Bedeutung verblassten Präfixe werden durch ange- 
schwächte und anschaulichere ersetzt, sobald der Richtungs- 
hinweis hervorgehoben werden soll. Aber auch diese Präfixe 
lassen je länger, je mehr das perfektive Moment hervortreten 
und werden ihrerseits durch andere ersetzt, so dass ein un- 
ausgesetzter Wechsel stattfindet. 



Verzeichnis 

der benutzten Werke und Ausgaben^) 



Adelung, J. Chr. : Umständliches Lehrgebäude der deutschen Sprache. Leipzig 
1782. 
, : Grammatisch-kritisches Wörterbuch der hochdeutschen Mund- 

art. »Leipzig 1793—1801. 

Albrecht, K.: Die Leipziger Mundart. Leipzig 1881. 

Arndt, B. : Der Übergang vom Mittelhochdeutschen zum Neuhochdeutschen in 
der Sprache der ßreslauer Kanzlei. Germanist. Abhandl. XV. Breslau 1898. 

Askenasy, A. : Die Frankfurter Mundart und ihre Literatur. Frankfurt a. M. 
1904. 

Bahder, K. v. : Grundlage des neuhochdeutschen Lautsystems. Strassburg 1890. 

Bernhardt, E. : Vulfila oder die gotische Bibel. Halle 1876. 

Birlinger, A.: Schwäbisch- Augsburgisches Wörterbuch. München 1864. 

Bobrik. E. : Allgemeines nautisches Wörterbuch. Leipzig 1847. 

Bosworth, E., und Toller, T. N.: An Anglo-Saxon Dictionary. Oxford 1882. 

Braune, W. : Gotische Grammatik. * Halle 1895. 

3 : Althochdeutsche Grammatik. « Halle 1891. 

Versuch eines bremisch-niedersächsischen Wörterbuchs. Bremen 1767 — 71. 
Nachtrag Bremen 1869. 

Brugmann, K., und Delbrück, B.: Grundriss der vergleichenden Grammatik 
der indogermanischen Sprachen. Strassburg 1886 fF. 
^ : Kurze vergleichende Grammatik der indogermanischen Sprachen. 
Strassburg 1904. 

Campe, J. H.: Wörterbuch der deutschen Sprache. Braunschweig 1807 — 11. 

Castelli, J. F.: Wörterbuch der Mundart in ()sterreich unter der Enns. 
Wien 1847. 

Claubergins, J.: Ars Etymologica Teutonum e fontibus derivata . . . Duis- 
burg 1663. 

Dähnert, J. (J.: Platt- Deutsches Wörterbuch. Stralsund 1781. 

Danneil, J. F.: Wörterbuch der altmärkisch-plattdeutschen Mundart. Salz- 
wedel 1859. 

*) Die Art der Abkürzung und Anführung ist, wo erforderlich, in 
Klammem beigefügt. Die den Wörterbüchern entnommenen Belege sind in 
der dort benutzten Abkürzung gegeben. 



282 



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Abhandl. XI. Breslau 1895. 
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*) Der Güte von Professor Dr. Th. Siebs habe ich die Benutzung der 
weiteren, noch nicht veröffentlichten Materialsammlung zum Artikel rer- zu 
verdanken. 



283 



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Schütze, J. F.: Holsteinisches Idiotikon. Hamburg 1800-1802. Altena 1806. 
Seiler, G. A.: Die Basler Mundart. Basel 1879. 

') Das grosse Schwäbische Wörterbuch von Fischer ist leider noch nicht 
so weit vorgeschritten, dass es hätte benutzt werden können. 



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Hoogduitsch-Nederlandsch Woordenboek. Amsterdam (o. J.) 
Siebs, Th.: (jeschichte der friesischen Sprache (in Pauls Grnndriss der ger- 
manischen Philologie ' I 1152 if.). 
Sievers, E. : Angelsächsische Grammatik. ' Halle 1898. 
; Tatian. Paderborn 1872 (T. Kapitel, Vers). 
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Stalder, I.: Versach eines schweizerischen Idiotikon . . . Aarau 1812. 
Staub, F., undTobler, L. : Schweizerisches Idiotikon, Wörterbuch der schweizer- 
deutschen Sprache. Frauenfeld 1881 &. 
Steinmeyer, E., und Sievers, E. : Die althochdeutschen Glossen. Berlin 1879 ff. 

(Gl. Band, Seite, Spalte.) 
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15, 70 ff. 
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Vilmar, A. F. C. : Idiotikon von Kurhessen. Marburg und Leipzig 1868. 
Wächter, I. G. : Glossarium Germanicum. Leipzig 1727. 
Wadstein, E.: Kleinere altsächsische Sprachdenkmäler mit Anmerkungen und 

Glossar. Norden und Leipzig 1899 (Wadst. Seite, Zeile). 
Weber, F. Bd.: Allgemeines terminologisches «konomisches Lexicon und 

Idiotikon. Neue Ausgabe. Leipzig 1838. 
Weinhold, K.: Beiträge zu einem schlesischen Wörterbuch. Wien 1855. 
y, : Handschriftliche Einträge dazu in den Handexemplaren von 

Weinhold, K. Palm, M. Heinzel. Breslauer Stadtbibliothek 
Nr. 3035. 1. 2. 3. 
„ : Handschriftliche Sammlungen zum schlesischen Wörterbuch, 

von anderen vermehrt und erweitert. Breslauer Stadtbiblio- 
thek Nr. 3036 '). 
„ : Alemannische Grammatik. Berlin 1863. 

„ : Bairische Grammatik. Berlin 1867. 

„ : Mittelhochdeutsche Grammatik. ^ Paderborn 1883. 

Wilmanns, W. : Deutsche Grammatik. 2. Abt. : Wortbildung. ' Strassburg 1899. 
Woeste, F. : Wörterbuch der westfälischen Mundart. Norden und Leipzig 1882. 
Wustmann, R. : Verba perfektiva, namentlich im Heliand. Leipzig 1893. (Kritik 

von Mourek, V. E., afda. 21 (1895) S. 195 ff.) 
Zangemeister, K., und Braune, W.: Bruchstücke der altsächsischen Bibel- 
dichtung aus der Bibliotheca Palatina. Heidelberg 1894 (Gen. Vers). 

*) Die Breslauer Stadtbibliothek hat mir die Sammlungen bereitwillig 
und dankenswert zur Verfügung gestellt. 



, v> 



• VJ- 



Germanistische Äbhandlnngen 

begründet von 

Karl Weinhold 

In zwanglosen Heften herausgegeben 
Ton 



28. Heft 

Der 

Münchener Oswald 

Text und Abhandlung 



von 



Georg Baesecke 



Breslau 

Verlag von M. & H. Marcus 
1907 



Germanistische Abhandlungen 

begsiUiiAet von 

Karl Weinhold 

in zwangloien Heften herausgegeben von 

Friedrioh Vogt 



^Die germanistischen Abhandlungen sollen grammatische und 
literargeschichtliche Untersuchungen, sowie Textpublikationen aus 
den älteren und neueren Perioden der germanischen Sprachen 
bri;igen. Auch die Geschichte des Lebens unseres Volkes in seinen 
verschiedenen Stammen und Zeiten wollen sie berücksichtigen^. 

Dies früher aufgestellte Programm bleibt in Geltung, auch 
nachdem der Unterzeichnete die Herausgabe dieser Sammlung 
übernommen hat. Insbesondere sollen nach wie vor Ausgaben 
keineswegs von ihr ausgeschlossen sein; vielmehr wird bei ihrer 
Fortführung auf di6 Herausgabe wichtiger Literaturdenkmäler, 
welche bisher noch nicht oder doch nur ungenügend veröffentlicht 
waren, ein besonderes Augenmerk gerichtet werden. Nicht nur 
Arbeiten, die unter der Leitung des Herausgebers entstanden sind, 
soll die Sammlung bringen; sie steht allen Beiträgen offen, welche 
geeignet sind die germanistische Wissenschaft zu fördern. 

Manuskripte wolle man an untenstehende Adresse senden. 

Prof. Dr. Friedrich Vogt 

M » r b Q r g a. L., Bftmarckstrasse 7 



Der MUnchener Oswald 



Georg Baesecke 



Gennanistische Abhandlniigeii 



begründet 
von 

Karl Weinhold 

herausgegeben 
Yon 

Friedrich Vogt 



28. Heft 
Der 

Münchener Oswald 

Text und Abhandlung 

von 

Georg Baesecke 



Breskii 

Verlag von M. &, H. Marcus 



1907 



[)er 

Münchener Oswald 

Text und Abhandlung 

von 

Georg Baesecke 



Breslau 

Verlag von M. & H. Marcus 

1907 



Vorwort. 



Die Überlieferung des OswaldstofFes ist so eigenartig, daß es 
last unbegreiflich scheint, wie sie so lange unbeachtet und die 
allerphilologischste Aufgabe ungelöst, beinah unangegriffen bleiben 
konnte. Denn sie fUirt uns fast widerwillig stufenweis, ununter- 
brochen aus dem 15. Jahrhundert hinauf in die Zeiten Chlodwigs 
und in das graue Heidentum, das eine romantische Generation so 
gern mit einem einzigen kühnen Schwünge erflog, und sie er- 
weitert zugleich, ihren Inhalt nach Entstehen, Wachstum und 
Vermischung fast eindeutig durch die immer zahlreicher außer- 
halb sichtbar werdenden Punkte bestinmiend, den Blick vom 
engsten Gesichtskreise des Buchstäblichen auf die nächsten und 
die immer ferneren Verwandtschaften in Dichtung und Sage nicht 
nur der germanischen Völker. Fand man das letzte Gewand 
König Oswalds gar zu unkünstlerisch? Oder Altes und Neues 
gar zu eng in einander verschlungen? Aber doch nicht so, daß 
nicht wenigstens die Enden der Fäden sichtbar wären und die 
Art ihrer Verknüpfung das Entwirren lockte und lohnte! Wie 
dem auch sei, die Augen der Besten sind nicht darauf gefallen, 
und so ist nur wenige oberflächliche Arbeit daran gewandt; König 
Oswald aber, über dessen Gestalt sich greifbar deutlich wie nirgend 
sonst in der Heimat Geschichte, Legende, Sage und Dichtung 
die Hände reichen, ist ein Stiefkind der Forschung geblieben, und 
statt daß jetzt die Kenner alle Feinheiten der Sprache und Technik 
gegen einander abwägen und die klar aufgeteilten Motive hin- 
und herwenden könnten, um jedes an seinen Platz zu stellen, 
statt dessen muß erst die gröbste Sonderung vorgenommen und 
die Grundlage fftr eine Rekonstruktion hergerichtet werden. 



VI 

Im Jahre 1835 erschien die Ausgabe Ettmüllers, die erste 
und letzte bisher. Sie enthält die Umschrift des Schaffhäoser 
cod. S in ein Mittelhochdeutsch. Abweichende Lesarten von M und 
I gaben erst Bartsch 1860 (Germania V. 142 ff.) und Zingerle 
1875 (ZfdPh. VI. 377ff., vgl. Anz. f. Kunde d. d. Vorzeit 1856, 
271 ff.) Von den Prosaauflösungen erschien b, 1867 (von Haupt 
abgedruckt ZfdA. Xm. 466fif.), s 1875/76 (von Edzardi Germ, XX, 
190ff., XXI. 171 ff. Vgl. Zingerle AfKddVorz. 1857, 38ff.). Mkb^u 
sind noch unveröffentlicht. 

Vom Erscheinen der EttmQllerschen Ausgabe datiert auch die 
Unsicherheit über das Alter des Gedichts. Mone, in einer 
würdigen Rezension (Anz. f. Kunde d. d. Vorzeit IV. 414ff.), 
billigte die Verlegung ins 12. Jahrhundert, indem er besonders - 
die Beime (herren : geren, vrouwen : trauwerty vr6 : Idd u. a.) richtig 
beurteilte : sie „sind nicht hochteutsch, sondern niederländisch und 
niederrheinisch^^ Über den Niederrhein ist man sich denn auch 
einig geblieben, bis Zwierzina, übers Ziel hinausschießend, diese 
Ansicht modifizierte (ZfdA. XLIV. 252 ff.). Für das 12. Jahrhundert 
stimmten auch Wackernagel (Gesch. d. d. Litt. S. 163), 
E. H. Meyer (ZfdA. XH. 387ff.), Goedeke (Grundriß l. 67). 
Schmellers Bezension der Ettmüllerschen Ausgabe (Münchener 
gel. Anz. 1836 S. 995ff.) setzt das Gedicht ins 14/15. Jahr- 
hundert; sie läßt eine Prosa vorausliegen, die „etwas älter'^ ist. 
Zingerle (Die Oswaldlegende und ihre Beziehungen zur deut- 
schen Mythologie, Stuttgart und München 1855, S. 8): „Die 
ganze Bearbeitung von der Legende von St. Oswalds Leben, wie 
sie uns Ettmüller mitteilt, stammt nach meiner Ansicht nicht aus 
dem 12. Jahrhundert. Jedoch finden sich einzelne Stellen, in 
denen der epische Ton so gut angeschlagen ist, als in den besten 
Volksepopöen, und diese weisen auf ein hohes Alter zurück.^^ 
und Zingerle meint, man müßte Altes und Neues wohl sondern 
können: „Ich glaube, daß die uns vorliegende Legende nur eine 
Überarbeitung und Erweiterung einer alteren Legende ist, die zu 
Grunde gelegt wurde und aus der oft ganze Stellen ungetrübt 
mit herübergenommen wurden^S Mir scheint dies richtiger als 
das, was alle Nachfolger über die Art der Überlieferung gesagt 
haben. Bartsch nimmt drei Stufen an (Germ. V. 134ff.): Das 
vorliegende Gedicht gehört ins 14/15. Jahrhundert, seine Vorlage 



vn 

soll zu Anfang des 14. entstanden sein (S. 135 und 142). „Ich 
möehte gleichwohl die Möglichkeit, daß es ein deutsches Gedicht 
von S. Oswald im 12. Jahrhundert gegeben, nicht bestreiten, 
nur daß wir in dem uns erhaltenen eine jüngere Aibschrifl des- 
selben haben, ist entschieden abzuweisen" (S. 142). Und weiter: 
„Eine Vorstellung von dem alten Gedichte uns zu machen, wäre 
jedoch unmöglich: kaum können wir die Gestalt des zu Anfang 
des 14. Jahrhunderts verfaßten Gedichtes erkennen." Edzardi 
(Untersuchungen über das Gedicht von St. Oswald, Leipzig 1876, 
S. 21) läßt das EttmüUersche Gedicht aus dem 13. Jahrhundert 
stammen, aber ein älteres aus dem 12. vorausliegen. Ebenso 
Berger (PBB XL 388/89 und 408). Berger wünscht außerdem 
(S. 459) eine englische Sagenfassung des 9. Jahrhundert«, 
S. Schnitze (Die Entwicklung der deutschen Oswaldlegende, 
Halle 1888, S. 47/48) eine womöglich noch ältere deutsche. 
Vogt (Grundriß *II. 231) sagt nur, daß der Oswald jünger als 
der Morolf sei. 

Noch schlimmer fast ist die Unsicherheit über das Ver- 
hältnis der drei erhaltenen Fassungen zu einander, ganz 
zu schweigen von den hübschen ästhetischen Würdigungen. Daß 
•MS und *zn zusanmiengehören, hatten schon Zingerle (S. 69) und 
Bartsch (S. 174) wahrgenommen, aber Berger (S. 408) postuliert 
wieder drei selbständige Originalgedichte. Dazu wurden für ver- 
schiedene Stufen der Bearbeitung alle verfügbaren Jahrhunderte 
in Anspruch genonmien, und oft ist eine bestimmte Meinung 
überhaupt nicht zu erkennen. 

Deutlicher kann sich wohl nicht zeigen, daß nicht genug 
Fleiß auf diese Dichtung verwandt ist. 

Um den Text haben sich, abgesehen von der Publikation 
der Lesarten, nur Bartsch und Edzardi (a.a.O.) ernsthaft bemüht. 
Bartsch hat Seime und Wortwahl untersucht und zuerst sein Datum 
nicht ausschliesslich auf bloße Erwägungen gestellt. Edzardi hat 
(Genn. XX. 200) das Stemma von MIS richtig gegeben, aber durch 
die falsche Anordnung von b, wie mir scheint, sich und Berger die 
Möglichkeit entzogen, den versprochenen Text zu liefern. Bergers 
Aufsatz ist, was das Philologische betrifft, eine gleichgiltige Zu- 
sammenstellung des Vorhandenen ohne etwas nennenswertes 
Neues: die neuen Folgerungen stehen in der Luft. Ober „Wort- 



Wiederholung, ein Stilmittel im . . . Oswald handelt W. Vogt 
(Germ. Abhandlungen XX, Breslau 1902). Für den Oswald 
fehlt ihm die nötige textliche Grundlage. Zu den Anmerkungen 
über die Wortwahl standen mir außer Bartsch (s. o.) J. J. 
Ammann, Das Verhältnis von Strickers Karl etc., Wien 1902, 
und P. Abel, Veraltende Bestandteile des mhd. Wortschatzes, 
Erlangen 1902, zur Verfügung. Kotzenberg, „man^ frouwe, 
juncfrouwe^ Berlin 1906, konnte ich nur noch zu ein paar Nach- 
trägen benutzen. Weit mehr als diesen Vorarbeiten verdanke ich 
Fr. Vogts Salman und Morolf und z. B. Zwierzinas mhd. Studien 
(ZfdA. XLIVf.). 

Insbesondere hätte ich mir nach Vogts Charakteristik des 
spielmännischen Stils sparen sollen, aus allen Dichtungen rings- 
um die formelhaften Elemente zu buchen, von einem Zettel auf 
den andern zu wälzen, auf meine Verszahlen zu beziehen und 
zu sehen, daß im DHB, bei Vogt, in Bergers Orendel und an 
vielen andern Stellen dasselbe und weit mehr verzeichnet steht — 
bei Berger auch älteres Höfische, das sonst sehr fehlt — , sodaß 
man dann das übrige Seine kaum noch anbieten mag. Aus 
Vogts und Bergers Editionen kann man nahezu das Stilistische 
des Oswald zusammenstellen, und in einer solchen systematischen 
Vorführung wäre es besser aufgehoben als in Anmerkungen, die 
nichts erklären. Was fehlt, ist vielmehr eine Zusammenstellung 
des Formelhaften, das den Spielmannsepen nicht gemeinsam ist, 
und eine Anknüpfung an den älteren Stil, wie ich sie besonders 
durch Hinweise auf die Sammlungen von Kraus versucht habe. 

Die strophische Form hat Simrock erkannt (Orendel, 
Stuttgart und Tübingen 1845, S. XXVI— XXVHI). Er hat sie 
aber wieder aufgegeben (Die Nibelungenstrophe und ihr Ursprung, 
Bonn 1858, S. 74f.). E. H. Meyer (ZfdA. XE. 392) brachte 
sie von neuem zu Ehren. St robl (Wiener Sitzungsberichte LXIV. 
462 ff.) zeigte eine Art der Waisenbearbeitung. Er stellte aber 
fälschlich neben die Morolfstrophe noch die Hildebrandstrophe: darin 
seien Teile des Gedichts ursprünglich abgefaßt. Edzardis Be- 
obachtung von der strophischen Teilbarkeit des Gedichtes nach 
der Interpunktion ist richtig, aber seine phantastischen Konstruk- 
tionen sind von Rödiger (AfDA. E. 245 ff.) so scharf wie mög- 
lich, und mit Recht, zurückgewiesen. 



IX 

Was die Sage betrifft, so hat schon Mone (a.a.O.) auf die 
Verwandtschaft unsrer „Heldenlegende" mit dem Ortnit, des 
Raben mit Alberich anftnerksam gemacht. Er denkt an einen 
Unterhändler mit Rabennamen. (Scherer QF XÜ. 115 verglich 
den Spervogel.) Das Oanze sei Normannische Sage des 9. Jahr- 
hmiderts und im 11. mit nach Unteritalien gewandert: denn die 
Seereise würde beim historischen Oswald nicht passen. Erweiterung 
und Verlegung nach dem Orient durch den ersten Kreuzzug. 
„Die letzte Gestaltung der Sage gehört wohl der Zeit und Heimat 
des rheinischen Dichters an, und ihr Merkmal ist der Kreuzzug 
des Königs, wovon die Geschichte vor Konrad HL kein Beispiel 
kennt." Die Dichtung ist nicht angelsächsisch, weil Vorgeschichte, 
Schlachtentod und Nachkommen fehlen. „Die Kinderlosigkeit 
des Helden ist fQr die Sage der Brautfahrt charakteristisch, sie 
kommt beim Ortnit und Siegfried vor." Uhlands Anmerkungen 
zu seiner Nacherzählung des Gedichtes (Alte hoch- und nieder- 
deutsche Volkslieder Bd. ÜI und IV) sind in alle folgenden 
Arbeiten eingegangen, soweit sie Sage und Legende behandeln, 
auch in meine. Zingerle fand Beziehungen zur Mythologie, wie 
schon der Titel seines Büchleins besagt. Aber ist jemand ein 
Oswald -Asenwalter- Wodan, weil er Oswald heißt? Die Ver- 
knüpfung alter Gebräuche, besonders Emtegebräuche mit dem 
Kult des Heiligen ist jung. Zingerle hat ja auch selbst schon 
gesehen (S. 87), daß sich ein auifallender Unterschied zeigt 
zwischen der kirchlichen Vita und der Dichtung, zwischen der 
kirchlichen Vita und dem Volksglauben. Diesen für die richtige 
Betrachtung des Überlieferten höchst wichtigen Unterschied deut- 
lich dargelegt zu haben, ist etwa das Verdienst von Bergers 
Arbeit (Zweiter Abschnitt). Sie behandelt auch eingehend die 
Verbreitung des Oswaldkultus und die bildlichen Darstellungen 
(s. u. S. 265 Anm.) und gibt noch einige Nachweise aus der 
älteren poetischen Literatur. Das fällt nicht in den Rahmen 
meiner Arbeit. Die Dichtung setzt sich nach Berger aus vier 
selbständigen Teilen zusammen: (S. 459) „An die Vermählung 
Oswalds mit einer heidnischen Königin knüpfte im Laufe des 
9. Jahrhunderts die Hildesage an, mit den geringen Modifika- 
tionen, die der Charakter der Legende nötig machte. Mit dem 
Hinzutreten der ursprünglich wohl selbständigen Babensage und 



Wiederholung, ein Stilmittel im . . . Oswald handelt W. Vogt 
(Germ. Abhandlungen XX, Breslau 1902). Für den Oswald 
fehlt ihm die nötige teictliche Grandlage. Zu den Anmerkungen 
über die Wortwahl standen mir außer Bartsch (s. o.) J. J. 
Ammann, Das Verhältnis von Strickers Karl etc., Wien 1902, 
und P. Abel, Veraltende Bestandteile des mhd. Wortschatzes. 
Erlangen 1902, zur Verfügung. Kotzenberg, ^mtm^ fromoe^ 
juncfrouwe'' Berlin 1906, konnte ich nur noch zu ein paar Nach- 
trägen benutzen. Weit mehr als diesen Vorarbeiten verdanke ich 
Fr. Vogts Salman und Morolf und z. B. Zwierzinas mhd. Studien 
(ZfdA. XLIVf.). 

Insbesondere hätte ich mir nach Vogts Charakteristik des 
spielmännischen Stils sparen sollen, aus allen Dichtungen rings- 
um die formelhaften Elemente zu buchen, von einem Zettel auf 
den andern zu wälzen, auf meine Verszahlen zu beziehen und 
zu sehen, daß im DHB, bei Vogt, in Bergers Orendel und an 
vielen andern Stellen dasselbe und weit mehr verzeichnet steht — 
bei Berger auch älteres Höfische, das sonst sehr fehlt — , sodaß 
man dann das übrige Seine kaum noch anbieten mag. Aus 
Vogts und Bergers Editionen kann man nahezu das Stilistische 
des Oswald zusammenstellen, und in einer solchen systematischen 
Vorführung wäre es besser aufgehoben als in Anmerkungen, die 
nichts erklären. Was fehlt, ist vielmehr eine Zusammenstellung 
des Formelhaften, das den Spielmannsepen nicht gemeinsam ist, 
und eine Anknüpfung an den älteren Stil, wie ich sie besonders 
durch Hinweise auf die Sanmilungen von Kraus versucht habe. 

Die strophische Form hat Simrock erkannt (Orendel, 
Stuttgart und Tübingen 1845, S. XXVI— XXVHI). Er hat sie 
aber wieder aufgegeben (Die Nibelungenstrophe und ihr Ursprung, 
Bonn 1858, S. 74f.). E. H. Meyer (ZfdA. XE. 392) brachte 
sie von neuem zu Ehren. St roh 1 (Wiener Sitzungsberichte LXIV. 
462 ff.) zeigte eine Art der Waisenbearbeitung. Er stellte aber 
fälschlich neben die Morolfstrophe noch die Hildebrandstrophe: darin 
seien Teile des Gedichts ursprünglich abgefaßt. Edzardis Be- 
obachtung von der strophischen Teilbarkeit des Gedichtes nach 
der Interpunktion ist richtig, aber seine phantastischen Konstruk- 
tionen sind von Rüdiger (AfDA. 11. 245 ff.) so scharf wie mög- 
lich, und mit Recht, zurückgewiesen. 



IX 

Was die Sage betrifft, so hat schon Mone (a.a.O.) auf die 
Verwandtschaft unsrer „Heldenlegende" mit dem Ortnit, des 
Raben mit Alberich aufmerksam gemacht. Er denkt an einen 
Unterhändler mit Rabennamen. (Scherer QF Xu. 115 verglich 
den Spervogel.) Das Ganze sei Normannische Sage des 9. Jahr- 
hunderts und im 11. mit nach Unteritalien gewandert: denn die 
Seereise würde beim historischen Oswald nicht passen. Erweiterung 
und Verlegung nach dem Orient durch den ersten Kreuzzug. 
,,Die letzte Gestaltung der Sage gehört wohl der Zeit und Heimat 
des rheinischen Dichters an, und ihr Merkmal ist der Kreuzzug 
des Königs, wovon die Geschichte vor Konrad HI. kein Beispiel 
kennt." Die Dichtung ist nicht angelsächsisch, weil Vorgeschichte, 
Schlachtentod und Nachkommen fehlen. „Die Kinderlosigkeit 
des Helden ist für die Sage der Brautfahrt charakteristisch, sie 
kommt beim Ortnit und Siegfried vor." Uhlands Anmerkungen 
zu seiner Nacherzählung des Gedichtes (Alte hoch- und nieder- 
deutsche Volkslieder Bd. HI und IV) sind in alle folgenden 
Arbeiten eingegangen, soweit sie Sage und Legende behandeln, 
auch in meine. Zingerle fand Beziehungen zur Mythologie, wie 
schon der Titel seines Büchleins besagt. Aber ist jemand ein 
Oswald -Asenwalter- Wodan, weil er Oswald heißt? Die Ver- 
knüpfung alter Gebräuche, besonders Emtegebräuche mit dem 
Kult des Heiligen ist jung. Zingerle hat ja auch selbst schon 
gesehen (S. 87), daß sich ein auffallender Unterschied zeigt 
zwischen der kirchlichen Vita und der Dichtung, zwischen der 
kirchlichen Vita und dem Volksglauben. Diesen für die richtige 
Betrachtung des Überlieferten höchst wichtigen Unterschied deut- 
lich dargelegt zu haben, ist etwa das Verdienst von Bergers 
Arbeit (Zweiter Abschnitt). Sie behandelt auch eingehend die 
Verbreitung des Oswaldkultus und die bildlichen Darstellungen 
(s. u. S. 265 Anm.) und gibt noch einige Nachweise aus der 
älteren poetischen Literatur. Das fällt nicht in den Rahmen 
meiner Arbeit. Die Dichtung setzt sich nach Berger aus vier 
selbständigen Teilen zusammen: (S. 459) „An die Vermählung 
Oswalds mit einer heidnischen Königin knüpfte im Laufe des 
9. Jahrhunderts die Hildesage an, mit den geringen Modifika- 
tionen, die der Charakter der Legende nötig machte. Mit dem 
Hinzutreten der ursprünglich wohl selbständigen Babensage und 



vnr 

Wiederholung, ein Stilmittel im . . . Oswald handelt W. Vogt 
(Genn. Abhandlungen XX, Breslau 1902). Für den Oswald 
fehlt ihm die nötige textliche Grundlage. Zu den Anmerkungen 
über die Wortwahl standen mir außer Bartsch (s. o.) J. J. 
Ammann, Das Verhältnis von Strickers Karl etc., Wien 1902, 
und P. Abel, Veraltende Bestandteile des mhd. Wortschatzes, 
Erlangen 1902, zur Verfügung. Kotzenberg, »tTtan, frouwe^ 
juncfrouwe'^ Berlin 1906, konnte ich nur noch zu ein paar Nach- 
trägen benutzen. Weit mehr als diesen Vorarbeiten verdanke ich 
Fr. Vogts Salman und Morolf und z. B. Zwierzinas mhd. Stadien 
(ZfdA. XLIVf.). 

Insbesondere hätte ich mir nach Vogts Charakteristik des 
spielmännischen Stils sparen sollen, aus allen Dichtungen rings- 
um die formelhaften Elemente zu buchen, von einem Zettel auf 
den andern zu wälzen, auf meine Verszahlen zu beziehen und 
zu sehen, daß im DHB, bei Vogt, in Bergers Orendel und an 
vielen andern Stellen dasselbe und weit mehr verzeichnet steht — 
bei Berger auch älteres Höfische, das sonst sehr fehlt — , sodaß 
man dann das übrige Seine kaum noch anbieten mag. Aus 
Vogts und Bergers Editionen kann man nahezu das Stilistische 
des Oswald zusammenstellen, und in einer solchen systematischen 
Vorführung wäre es besser aufgehoben als in Anmerkungen, die 
nichts erklären. Was fehlt, ist vielmehr eine Zusammenstellung 
des Formelhaften, das den Spielmannsepen nicht gemeinsam ist, 
und eine Anknüpfung an den älteren Stil, wie ich sie besonders 
durch Hinweise auf die Sanoimlungen von Kraus versucht habe. 

Die strophische Form hat Simrock erkannt (Orendel, 
Stuttgart und Tübingen 1845, S. XXVI— XXVHI). Er hat sie 
aber wieder aufgegeben (Die Nibelungenstrophe und ihr Ursprung, 
Bonn 1858, S. 74f.). E. H. Meyer (ZfdA. XE. 392) bracht« 
sie von neuem zu Ehren. Strobl (Wiener Sitzungsberichte LXTV. 
462 flf.) zeigte eine Art der Waisenbearbeitung. Er stellte aber 
fälschlich neben die Morolfstrophe noch die Hildebrandstrophe: darin 
seien Teile des Gedichts ursprünglich abgefaßt. Edzardis Be- 
obachtung von der strophischen Teilbarkeit des Gedichtes nach 
der Interpunktion ist richtig, aber seine phantastischen Konstruk- 
tionen sind von Rödiger (AfDA. H. 245 flf.) so scharf wie mög- 
lich, und mit Recht, zurückgewiesen. 



IX 

Was die Sage betrifffc, so hat schon Mone (a.a.O.) anf die 
Verwandtschaft unsrer „Heldenlegende^' mit dem Ortnit, des 
Kaben mit Alberich aufmerksam gemacht. Er denkt an einen 
Unterhändler mit Babennamen. (Scherer QF XII. 115 verglich 
den SpervogeL) Das Ganze sei Normannische Sage des 9. Jahr- 
hnnderts und im 11. mit nach Unteritalien gewandert: denn die 
Seereise würde beim historischen Oswald nicht passen. Erweiterung 
nnd Verlegung nach dem Orient durch den ersten Ereuzzug. 
„Die letzte Gestaltung der Sage gehöri: wohl der Zeit und Heimat 
des rheinischen Dichters an, und ihr Merkmal ist der Ereuzzug 
des Eönigs, wovon die Geschichte vor Eonrad Xu. kein Beispiel 
kennf Die Dichtung ist nicht angelsächsisch, weil Vorgeschichte, 
Schlachtentod und Nachkonmien fehlen. „Die Einderlosigkeit 
des Helden ist ffir die Sage der Brautfahrt charakteristisch, sie 
kommt beim Ortnit und Siegfried vor." Uhlands Anmerkungen 
zu seiner Nacherzählung des Gedichtes (Alte hoch- und nieder- 
deutsche Volkslieder Bd. HI und IV) sind in alle folgenden 
Arbeiten eingegangen, soweit sie Sage und Legende behandeln, 
auch in meine. Zingerle fand Beziehungen zur Mythologie, wie 
schon der Titel seines Büchleins besagt. Aber ist jemand ein 
Oswald -Asenwalter- Wodan, weil er Oswald heißt? Die Ver- 
knüpfung alter Gebräuche, besonders Emtegebräuche mit dem 
Kult des Heiligen ist jung. Zingerle hat ja auch selbst schon 
gesehen (S. 87), daß sich ein auffallender Unterschied zeigt 
zwischen der kirchlichen Vita und der Dichtung, zwischen der 
kirchlichen Vita und dem Volksglauben. Diesen für die richtige 
Betrachtung des Überlieferten höchst wichtigen Unterschied deut- 
lich dargelegt zu haben, ist etwa das Verdienst von Bergers 
Arbeit (Zweiter Abschnitt). Sie behandelt auch eingehend die 
Verbreitung des Oswaldkultus und die bildlichen Darstellungen 
(s. u. S. 266 Anm.) und gibt noch einige Nachweise aus der 
älteren poetischen Literatur. Das fällt nicht in den Bahmen 
meiner Arbeit. Die Dichtung setzt sich nach Berger aus vier 
selbständigen Teilen zusammen: (S. 459) „An die Vermählung 
Oswalds mit einer heidnischen Eönigin knüpfte im Laufe des 
9. Jahrhunderts die Hildesage an, mit den geringen Modifika- 
tionen, die der Charakter der Legende nötig machte. Mit dem 
Hinzutreten der ursprünglich wohl selbständigen Babensage und 



in 

des Überlieferten zu ersetzen. Damit geschähe aber nichts Ver- 
dienstliches, nur Selbstverständliches. 

So weiche ich in der Auffassung der Hildesage weit von 
Panzer ab, auch von den übrigen Erklärern, und wenn mich 
etwas dabei ängstlich macht, so ist es das Beispiel der Panzer- 
schen Deduktionen: zu welcher Dialektik einen guter Glaube yer- 
führen kann. Auch bei den übrigen Sagen fühle ich mich 
einigermaßen verlassen, kann z. B. bei Saxo nicht Olrik folgen. 
Ich will da nicht weiter aufzählen; nur noch, daß ich in der 
Beurteilung der Herbortsage meist mit Dorsch übereinstimme 
(Zur Herbortsage, Halle 1902, besonders S. 50ff.). 

Die letzte Krönung aber solcher Vergleiche verdanke ich, 
unumwunden, Voretz seh ens* „Epischen Studien" (I, Halle 1900). 
Zwar daß Chlodwig == Hugdietrich wäre, kann ich nicht ohne 
weiteres glauben; aber daß schon Chlodwig ein Held der Sagen 
vom Brautfahrttypus geworden ist, das scheint mir sicher, und 
ich finde eine beweisende Ähnlichkeit in dem Verhältnis der 
Überlieferungen von Albero, dem Trierschen Erzbischof, zu der 
Morolfsage. (Vgl. Fr. Panzer, German. Abh. H. Paul dargebracht, 
Straßburg 1902, S. 303ff.). 

Das sind die benutzten Vorarbeiten; minder Wichtiges oder 
Vereinzeltes ist im Texte angegeben. Was ich übernommen 
habe, ist durchgängig verzeichnet, entweder hier oder im Zu- 
sammenhang und womöglich nach den ältesten Gewährsmännern. 
Dagegen habe ich, soviel es nur anging, alle Polemik unterdrückt. 
Denn es ist meine Ansicht, daß sie unausweichlich die Reinheit 
der Gründe trübt. Und überdies hätte sie schlecht in die An- 
ordnung gepaßt, die ich wollte und die sich dann aus eigener 
Kraft durchsetzte: denn es war mein Ehrgeiz, daß auch andere, 
betrachtend und genießend, die lückenlosen Kettenglieder einer 
solchen Überlieferung an sich vorüberziehen lassen könnten, 
ohne je plötzlich, auf Treu und Glauben, das Unsichere statt an 
das Zugestandene an ein Unbekanntes knüpfen zu müssen. 

So steige ich von den Handschriften zu ihrem Archetypus 
empor. Es zeigt sich, daß er Bearbeitung ist einer älteren, mit 
in ihm erhaltenen, schon zusammengesetzten Dichtung. Dasselbe 
Spiel wiederholt sich unter den drei erhaltenen Fassungen: auch 
ihr Archetypus wird rekonstruiert und zeigt sich zusammengesetzt, 



TTTT 

ans L^iende und Brantwerbongssage. Die Legende wird — wie 
das SpielmäiinisclLe, das also echter ,yMimus'^ ist — als äufier- 
Uche Zntat erkannt, und ein dritter Vorstoß fUhrt, indem immer 
das Nene die yorangehenden Annahmen bestätigen mnß, zu dem 
Ursprung der germanischen Werbnngssagen Oberhaupt. Danach 
gilt es dann, das Oedicht in sich abzugrenzen und herzustellen 
mit allen Mitteln philologischer Kritik und schließlich allen 
Teüen Zeit, Ort und Bubrik anzuweisen. Damit ist erst be- 
gonnen. Zwar sind Strophe und Beim ausgeputzt, soweit es zu- 
nächst m^^lich ist, aber die Einteilung in Strophen beruht, ab- 
gesehen Yon den Langversen, noch auf der Voraussetzung, daß 
der Strophenschluß eine Interpunktion mache, stärker, als irgend 
eine in den vier Versen vorher und vier nachher; die Stärke 
aber einer Interpunktion bestimme ich im letzten Grunde doch 
nach meinem Gefühl, trotz aller stilistischer Untersuchungen 
(s. z. B. S. 319). Desgleichen bedarf die Betrachtimg des Vers- 
baus viel tieferer Fundamente. Ihm ist um so schwerer beizu- 
kommen, als Langverse unter den normalen stecken mfissen, als 
wir Ober die Möglichkeiten der TaktfGLUung, Betonung und Miß- 
betonung, ev. auch Silbenzählung in den einzelnen Teilen nichts 
wissen und nach der Zerlegung des Ganzen, hier wie sonst, nicht 
vom 100. Fall auf den 101. schließen dfirfen. Stil und Wort- 
schatz sind nur erst im Hintergrunde ausgenutzt. Das Formel- 
hafte bringt allerdings so gut wie garkeine Ausbeute, weil 
gerade da die Beimbearbeitung — die eben statt Gedanken 
Fonneln braucht — vieles Neue unlöslich in das Alte hinein- 
g^eilt hat. Auch die lexikalischen Anmerkungen versuchen nur 
erst, Schreibereigentfimlichkeiten des 15. Jahrhunderts zu subtra- 
hiere, nicht das Echte eines Archetypus festzulegen, der ein 
Konglomerat ist ohne Einheitlichkeit. Bei solcher allgemeinen 
Unsicherheit mfissen dann die Einzelergebnisse ihre Wahrschein- 
lichkeit gegenseitig zu immer größerer Gewißheit steigern. 
Denn daß ich die einzig mögliche Aufteilung der Verse gefunden 
hätte, glaube ich nicht mehr, wie noch vor zwei Jahren, und daß 
die Tabelle S. 349 fiT. zu viel sagt, möge man mir nicht erst vor- 
halten. Dafär sagt die Textgestaltung um so weniger, und in 
diesen Grenzen liegt gewiß das Bichtige. Sie bemfiht sich dana- 
idiach, durch Sprachgewand und Interpunktion das Ge* 



XIV 

dicht nach seiner letzten Bearbeitung als zusammen- 
hängendes, einheitliches Ganze darzustellen, so sehr es 
auch überall klaffen mag. So kann jeder ohne aufgedr&ngtes 
Vorurteil an den Text herantreten und die alte, oft stsA ab- 
weichende Sprache und Interpunktion hineinlesen. Ich wußte 
keine bessere Auskunft. Denn ich finde nicht den Mut — sanft 
gesagt — der MüUenhoffschen Einleitung zur Eudrun, der die 
philologische Aufgabe verkehrend, fast auch das d6c }iot icoo 9t& 
des Archimedes verschmähend, den Leser aufforderte, an den aus- 
geschiedene „echten^^ Strophen den Ton der echten Strophen 
kennen zu lernen und dann zur Ausscheidung der unechten an 
die von Vorausnahmen aller Art strotzende Abhandlung zu gehen. 
Mein Ziel ist näher gesteckt, und wenn überhaupt, ist es dem 
epigonischen Pilger, der auch noch die Last der letzten 60 Jahre 
tragen soll, nicht in einem Sturmmarsche zu erreichen. Es rückt 
femer im Wandern, und auch ich entschließe mich nach noch 
und noch einem Stückchen Weges, für diesmal ein Ende zu 
machen. Wo und wie es weitergehen müßte, habe ich angedeutet 
Die Anregung zu dieser Arbeit, und damit etwas Großes, 
verdanke ich Edward Schröder. In den ersten Monaten des 
Jahres 1902, in Marburg,' habe ich begonnen, habe dort noch 
MMkW abgeschrieben und IS, später in Berlin sbib^u v&- 
glichen. Die Bibliotheken von München, Wien, Innsbruck, Schaff- 
hausen, Berlin, Budapest und Trier stellten mir ihre Hand- 
schriften bereitwillig zur Verfügung. Nur die öffentliche Biblio- 
thek in Bergen (Dept. du Nord) und die Metropolitanbibliothek 
in Olmütz ließen mich in sticht- Die KOnigl. Bibliothek in 
Brüssel schickte mir Nachricht über eine Handschrift und habe 
auch dafCbr meinen Dank; W. Braune unterrichtete seinen alten 
Schüler auf das freundlichste von einem Palatinus. So hoffe ich, 
daß meine Ausrüstung ft&r die Verstezte einigermaßai vollständig 
ist; die Berliner Sammlung von Handschriftenkatalogen habe ich, 
wenigstens was die Lande deutscher Zunge betrifft, ganz durchsucht 
Bei der Prosa der Heiligenleben dagegen habe ich mich mit Be» 



*) Inzwischen hat mir die fretmdliehe Vermittlung der Herren Bnr- 
daeh, Seemüller und Hobich von P Eobliha in Olmfits die Bilaubnis 
erwirkt, den cod. an Ort und Stelle zu benutien. 



XV 

wnßtsein auf das VerOfFentlichte beschränkt. Das ist eine schlimme 
Schwäche meiner Arbeit, aber ich mußte eine Orenze finden. 

Mit Zeitschriften hat mich in nie gekannter Liberalität das 
Joachimsthalsche Gymnasium auf Jahr und Tag beliehen. Die 
Berliner Egl. Bibliothek gestattete mir Einsicht in den Sprachatlas. 

Meinem lieben Freunde Bögel in Kreuzburg, der treulich die 
Korrekturen mitgelesen hat, danke ich besonders manchen Wink, 
der der Lesbarkeit meines Buches zugute gekommen ist; 
mein Bruder Herman durchsuchte f&r mich ganze Reihen von 
ürkundenbänden und meine Frau ergab sich mit mir dem 
Indexmachen. 

Schließlich aber fBge ich fftr dieses Vorwort wie fftr mein 
ganzes Buch das große Vielleicht an, das so manche ungern ent- 
behren, das aber in einer Untersuchung, die sich nur durch 
tausendftltiges Probieren und Immerwiederprobieren dem ewigen 
circulus vitiosus entwindet, gänzlich selbstverständlich ist oder 
Yor jeder Zeile stehen müßte. Am Ende werden doch nur die 
großen Orundlinien richtig sein. Aber die, hoffe ich, werden 
richtig sein. Und wenn nicht, wenn gar einmal der alte Codex 
*Mz oder sonst einer auftauchte und mich Lügen strafte, dann 
möge man mir zugute halten, daß die Wirklichkeit sich tag- 
täglich unendlich viel mehr Unwahrscheinliches erlaubt, als einer 
Hypothese jemals geglaubt werden könnte. 

Das erste Manuskript wanderte in die Druckerei am 24. Ok- 
tober 1905, die letzte Bevision am 1. ^November 1907. 

Du hast mich durch sechs schicksalschwere Jahre geleitet! 
— Addio! 

Charlottenburg. 

Georg Baesecke. 



Inhaltsverzeichiiis. 



Vorwort: I— XV. 

Voraibeiten: Ausgaben: VI, — Datierang: VI, — Ver- 
h&ltnifl des Münchener Oswald zu den übrigen: VII, — 
Sprache und Kritik: VII, ^ Strophische Form : VIII, — 
Sage: IX. — Meine Arbeit and was ftbrig bleibt: Xn. 

InhaltsTcrzeichnis: XVII— XVIIL 

Text: 1—165 

Vorbemerkungen zum Text: 2 

167—889 

1. Die haiidsehrinilelie überUefenug: 169^200 

1. Die Handschriften: 169—88. 

M: 169, — I: 169, - S: 170, — Mk: 171, — s: 171, — 
b: 175, — u: 180, — b,: 182. 
, 2. Gruppierung der Handschriften: 188 — 89. 

ß: 183, -- sß: 185, — Mksß: 186, — MISsß: 186. 

3. Die Zwischenaberlieferung: 189—99. 
♦M: 189, — •!: 190, — •s: 191, — «ß: 191, — mk: 198, 
— *S**S: 198, — Stemma der Handschriften: 199. 

4. Folgerungen: 199—200. 
IL Spraehe und Heimat: 201—218 

1. Bairische Reime von *MS: 201. 

2. Sprache des alten Gedichtes aus der Pallographie: 
201—6. (Lokalisierung: 208.) 

3. Sprache des alten Gedichts aus den Heimen: 206-^12. 
Erhaltene Reime: 206, — Vierreime: 207, — Parallil- 
yerse: 209. 

.4. Der bairische Bearbeiter B: 212—13. 
UL Inluüt: 214—309 

1. »MS: 214—21. 

2. *MS und die Prosa *zn: 221—28. 

3. *MS und das Wiener Gedicht ^0: 229—87. 

4. »MS, ♦zn und »WO: 238-61. 
(Tabelle der Motive: 238-45.) ^ 



xvm 

5. Geschichte und Legende: 261—65. 

Beda: 261, — Reginald: 263, — Drogo: 264. 

6. Die Brautwerbnngsgeschichte: 266 — 309. 

Tabelle der Motive in den yerwandten Sagen:' 266; — 
Dietrichs Flucht: 273, — Hugdietrich: 273, — Kud- 
run II: 274, — (Hjadhninga vfg: 276, — ) Kudrun UI : 
285, - (Snio: 286, ~) Herbort: 288, — AttUa: 290, 

— Rother I: 290, — Ortnit: 291, — The Scottish 
Sqnire: 293,— Hjönrardhr: 294, — Apollonius: 295, 

— Nibelungen: 296, — Chlodwig: 298, — Berch- 
tuDg: 301, — Mythologie: 303, — Folgerungen ffir 
den Oswald: 304. 

IV. Pom: 310—362 

1. Strophen: 310—30. 

Strophen in 0: 310, — in »MW: 322, — in ♦Mz: 328, 

— in »MS rMSi): 325, — im Schlüsse (♦MS,): 327,- 
Unstrophische Interpolationen in *MS (« ^MS,) : 329. 

2. Verse: 330—39. 

Zu lange Verse: 330,— (Apokope: 330>— ) in kurze: 338. 

3. Reime: 339—48. 

Doppeldeutige Reime: 339 (äomun, mannen, em^tfiatgen, 
gegangen: 339, — hinnen, küniginne: 340, — geren, Herren 
341), — Unreine Reime in 0: 342, — •MW: 348,— 
•Mz: 344, - ♦MSj: 344, - »MS,: 344, - »MS, : 344 
•MS4: 345, — Übersicht: 346. 

4. Übersicht über Aufteilung und strophische Gliederung 
des Gedichtes: 349—62. 

V. Chronologie und Sehloss: 368—389 

•MS4«=B: 363, — »MS,: 365, — •MS„: 370, — 
♦Mz: 375, — ♦MW: 876, — (Filiation der drei Oswald- 
fassungen : 377, — ) : 377, — Zusammenfassung und 
Chai-akteristik: 381. 

AnmerkaBgen nnd VenoiehHiaset 391—445 

I. Anmerkungen und Verzeichnis der in der Abhandlung 

besprochenen Verse: 391—435. 
IL Alphabetisches Verzeichnis der behandelten und 
der nach den Lesarten ungel&ufigen Worte: 485—39. 
IIL Alphabetisches Verzeichnis zur Abhandlung: 489 — 45. 



TEXT 



Ich habe den Text des Münchener Oswald in eine Unifonn gesteckt, die 
ihm zu keiner 2^it ganz gepaßt hätte, die aber doch die gröbsten Unebenheiten 
ausgleicht. Dazu sind die pedantisch vollständigsten Wortbildcr gewählt, das 
Apokopieren, Elidieren u. dergl. ganz dem Leser Überlassen, das rein Dialektische 
der Laute ist unsichtbar gemacht, dem Reime nur im Nötigsten nachgegeben. 
Nirgends habe ich einer Theorie der Strophe, des Lang- oder Kurzverses, der 
Metrik, des Reims, des Inhalts und seiner Teilung zuliebe ein Wort ge&ndeit, 
zugefügt oder gestrichen, ohne daß ich durch Klammern darauf hingewiesen hätte : 
Kodex M liegt dem Texte zugrunde, aber aufgenommen ist nur, was d.is Stemma 
und die Eigenheit der Überlieferungen forderten oder parallele Verse an die Hand 
gaben; Konjekturen' sind besonders besprochen. Es fehlt also auch alles Alte, 
das die Handschriften nicht mehr hatten, z. B. die Doppelnegation in den aller- 
meisten Fällen, das swer, swie u. s. w.; es ist aber Überall da eingesetzt, wo es 
auch nur eine Handschrift darbot. Die wirkliche Herstellung des alten Gedichts 
und der Zutaten ist erst noch zu leisten. 

Im kritischen Apparat sind verarbeitet die Vershandschriften: 

M und Mk (Kainrisches Bruchstück) derKgLHof- und Staatsbibliothek zu München, 

I des Ferdinandeums zu Innsbruck, 

S der Bibliothek zu Schafifhausen, 
die Prosaauflösungen: 

S der KgL Öffentlichen Bibliothek zu Stuttgart» 

b der Kgl. Bibliothek zu Berlin, 

U des Ungarischen Nationalmuseums zu Budapest, b-f~U ist durch ß bezeichnet. 
Es sind immer alle nicht lautlich-orthographischen oder gegen das Zu- 
sammenstimmen aller Vershandschriften einzig durch die Prosen vertretenen Les- 
arten aller Handschriften kenntlich gemacht, die etwas Entsprechendes haben, 
nicht bloß die der abweichenden; man übersieht also bei einer jeden gegebenen 
Lesart die gesamte Überlieferung. Dieses Umständliche ist nötig, weil infolge 
der Selbständigkeit der Prosen oft der Handschriftenbestand, also auch die Gewähr 
von Zeile zu Zeile wechselt. Nicht berücksichtigt sind bei diesem System 1) Mk, 
das nur eine bestimmte kurze Reihe von Versen enthält und 2) die Prosen, soweit 
es sich um Wortstellung handelt. Trotzdem ist zur Hervorhebung besonders an- 
gegeben, wenn ein Vers in M 1 S fehlt, und in dem Falle ist auch über s b U aus- 
gesagt, ob sie ein entsprechendes Wort bieten. Verlassen ist das System nur bei 
besonders — dialektisch, paläographisch — interessierenden Lesarten einzelner Hand- 
schriften ; dann erinnert ein *, daß hier nicht die ganze Überlieferung aufgeführt ist. 
Die Lesarten sind in der Orthographie der Handschriften gegeben, nur 
drucke ich im Silbenanlaut z für cz^ das oft nicht davon zu unterscheiden ist, 
betrachte do — dä^ weil sie nach Bedeutung und Laut verwechselt werden, als 
gleichwertig und verzeichne dez wez ^ daz tuaz nicht. Werden mehrere Hand- 
schriften zusammengefaßt, so normiere ich die Schreibung nach meinem Texte, 
desgl. bei Angaben über Wortstellung, bei ß =» b -4- It nach b mit Streichung 
des Überflüi^sigen. 

( ) bedeutet bei den Prosen, daß eine entsprechende Lesart fehlt, daß 
aber der Zusammenhang zweifellos für e i n e Möglichkeit entscheidet. Die Les- 
arten sind durch Punkte geschieden. Majuskel bezeichnet das erste, Kolon das 
letzte Wort eines Verses, f = fehlt, sp = Späterer Zusatz. 



EtimUller V. i - 6 



W^^l^^ ^^ h£rren stille gedagen» 

s6 wil ich iu künden unde sagen 

von deme mildsten man, 

s6 £r daz leben ie gewan : 

daz was sant Oswalt üz Engellant, 

also tuot uns daz buoch bekant. 



1 MSf Isß. harren] hören S hertchaft 

Es wts ain kunig rieh 
Nynert vant man sin glich 
Yon herschscbaffk Tod gewalt 
Sein naoi was- oswalt genant 
5 Der hat an sinem haff 

Beid fürsten h'czogft rh groffen 
Ritter vnd knecht 
Die do im warn gerecht 
AufT seinem hoff erczogen 

10 Die do manhait wol pflagen 
Vnd im zu dienst wom berait 
So si fürstliche gnade begert 
OSwalt der gutte 
Er bet in sim mute 

15 Gotes dienst vfi sin gäbe 
Dez er mit innikait pflage 
Ei diente im sunder spott 
Got dem hailign trinitat 
Vnd wes er von im begert 

20 Des wart er fellicleich gewt 
Ains morgens früw 

2 MSflsß. wil S wolt M. 

3 MSflsß. miltisten M muten S. 

4 MSflsß. s6] M Do S. 

5 MSsflß. üz] M jn S. 
MSflsß. 



M. gedagen S tagn M. Sla/t I 339 in I : 

Sant Oswalt lag an siner rttw 
Vnd gedocht in sinem sinne 
Wie daz er weip neme 

25 Ains riehen kaissers kint 
Die im wol zimpt 
Der ka isser an alle wan 
Der was ein hadnisch' man 
Der hett sin tochter so innen 

30 Daz kainer mit syne sinnen 
Komen mocht zu ir 
Daz waz kunig oswalt la'de mer 
DEr rttfit sim fe hoff gesinde 
Nu merket waz er begunde 

35 Mit siner dinem zu reden 
Vnd begunde sie zu bietten 
Ab chainer vnder in war 
Der da west vmb die mer 
Wie man zu des kaissers toeht' sult 
chomen 

40 Der solt er ymer habn fromen 
Do sprach ein alter grisser man 
Ich wil des gedechntis han. 



I E.V. 7—28 I 

deme dienten krefticliche 

zwelf künicrtche, 

zwelf künige die dienten ime sch6ne, 
10 iegelicher under siner guldiner kröne, 

vier unde zweinzic herzogen höre 

die dienten ime durh stn grOze öre, 

sehs unde drtzic grTfen lobesam 

die dienten ime mit manigem werden man, 
15 niun edele bischofe 

die dienten ime üf stneme hofe, 

ritter unde knehte 

die dienten ime gar rehte. 

nü verweisete sant Oswalt vruo, 
20 daz ime gie gr6ziu sorge zuo, 

er lebete mit gr6zen sorgen 

den äbent unde den morgen: 

des twanc in gr6ziu not, 

wände ime was vater unde muoter t6t. 
25 er was junc ze der stunde, 

daz er sich niht versinnnen künde: 

der milte künic Oswalt 

was niwan vier unde zweinzic jär alt. 



7 MSsflß. dienten] S dienet M. krefticltche] M frintlichen S. 

8 MSsflß. in S zutn vorigen Verse, 

9 MSsflß. dienten] S dienet M. 
10 MSf Isß. 

U MSsflß. here] herr M das zwcUe r sp her'en S. 

12 MSf Isß. die] MfS. dienten] S dienet M. ere] M eren S. 

13 MSsflß. 

14 MSf Isß. die] MfS. dienten] S dienet M. werden m. M biderman S. 

15 MSsflß. 

16 MSf Isß. die] MfS. dienten] S dienet M üf sfneme] M ze S. 

17 MSf Isß. knehte] M och k. S. 

18 MSf Isß. die] MfS dienten] S dienet M. gar M vil S. 

19 MSsflß. 

20 MSf Isß. sorge M not S. 

21 MSsflß. gröien SsfM. 

22 MSf Isß. Den Sf M. 

28 MSflsß. des] M Sorg S. in M yn in S. 
24/6 MSsflß. 

27 MSflsß. künic] M k. sant S. 

28 MSsflß. niwan] nUmen s nUr M nä S. 



E. V. 29—49 

doch wie er gar ein kint was, 
30 des rtchen gotes er nie vergaz, 

er was ze allen ziten in deme geträhte, 

wie er gote wol gedienen mähte, 

er sprach: ,hinilischer degen 

ich wil dir dienen, die wlle ich hän oiin leben'. 
35 er sprach: ,solte ich mich stn niht Schemen, 

s6 wolle ich gerne ein vrouwen nemen, 

nü bin ich ein kindischer man, 

h6rre wie sol ich ez grlfen an? 

ich naeme gerne ein magedin, 
40 möhte ez nur äne sunde gesln: 

ei himlischer vurste h^re 

nfl gip mir rät unde l^rel' 

daz geschach eines nahtes, d6 lac er unde slief, 

sin herze ime ze den sinnen rief: 
45 ,Oswalt sulen diniu lant äne ein vrouwen stän? 

triuwen daz ist niht wol getan! 

zwiu sulen dir witiu künicrlche, 

du betest danne ein vrouwen tugentlkhe? 

wände stürbest du, s6 wurde ez erbelös: 



29/30 MSsflß. 

31 MSsf Iß. in d. getrabte] S im gerecht M (er trachtete s). 

32 MSsflß. wol MsfS. 

33 MSflsß. himlischer M himelschlicher' S. 

34 MSflsß. min] M dasz S. 

35 MSflsß. solte] M vn sölt S. 

36 MSflsß. gerne] MfS. 

37 MSflsß. kindischer] M kintlicher S. 

38 MSflsß. h^rre] M Her'got S. 

39 MSflsß. magedin] M megedlin S. 

40 MSflsß. nur] M n5 S. 

41 MSflsß. ei] M Er sprach S. himlischer vurste h.] M himelschlicher Cso 

US S itttmer) got vn her' S. 

42 MSflsß. 

43 MSsf Iß. daz geschach eines] M Eines s Desz S. d6 I. er] M lag er s da 

er lag S. In M zwei • Verse, 

44 5 MSsf Iß. 

46 MSsf Iß. wol S guot M. 

47 MSflsß. zwiu sulen] M Zwai sint S. 

48 MSflsß. du] M Dar vmb S. 

49 MSsf Iß. wände] s Den STM. 



iE. V. 50-7I 
50 nim dir eine, diu si din genözT 

er gap ime selber rät unde ISr 

unde gedihte ouch hin unde her 

an der selben stunde, 

wä er sin genözen vunde. 
55 er hete in stneme getrabte, 

daz er niendert vinden mähte 

in zwelf künicrlchen 

daz ime möhte geliehen. 

nü gap ime sin engel in den muot: 
60 ,ich wil dir raten edeler vurste guot: 

nim dir dehein vrouwen in den landen din, 

ich wil dir ez raten üf die triuwe min, 

du muost varen über mere 

mit eineme kreftigen here 
65 nach einer heidnischer küniginne, 

die solt du über mere her bringen, 

du muost in die heidenschaft kSren 

unde kristenlichen gelouben mSren: 

nim dir ein heidnische künigin, 
70 daz ist gotes wille unde der lieben muoter sin.' 

dö er den rät vol vemam, 



50 MSflsß. *aineiu, das m sp M. 

51 MSPTIs. 

52 MSsflß. uDde] M Er S. hin Ms fast h. S. 
53'MSrisß. 

54 MSsflß. 

55 MSsflß. 

56 MSflsß. niendert] M nienen S. 

57 MSsfIß. 

58 MSsflß. dar] M Die S. 

59 MSsßf I. den M sinen S. 

60 MSsflß. dir Ss euch M. cdcler Ssf M. 

61 MSsßf I. den — din] M dinen landen S. 

62 MSflsß. triuwe] S trcwcn M. 

63 MSsflß. 
64,66 MSsßf I. 

67 Ssßf MI. heidenschaft sß haidenischen S. 

68 MSsßf I. 

69 MSflsß. »dir] die M. 

70 MSsßf I. daz ist Ms daz (es u) waere ß Durch S. wille Msß willen S unde 

Ssß vnd auch M. 

71 MSsflß. vol] wol MSf sß. 



E.V. 72-95I 

des vröiwete sich der werde man, 

er sprach: ,hiinlischer vurste guot 

nü hilf mir über des meres vluoth 
75 sant Oswalt dannoch in sorgen lac 

die langen naht unze an den tac, 

wie er ime eines sinnes erdaehte, 

daz er die stne zesamene braehte. 

nü lie er niht beliben, 
80 er hiez ime briefe schriben, 

boten er gesant 

in alliu stniu lant. 

er enb6t d6 mit ^ren 

allen slnen landes harren, 
85 von den wolte er rät nemen, 

des dorfte er sich niendert Schemen. 

d6 die harren s!n boteschafe vernämen, 

wie balde si gen hofe quämen! 

ritter unde knehte, 
90 die ime wären gerehte, 

zwelf künige quämen ime schöne, 

iegellcher under stner guldlner kröne, 

vier unde zweinzic herzogen here 

die quämen ime durch stn gröze Sre, 
95 sehs unde drizic gräfen lobesam 



72/76 MSsTIß. 

77 MSsflß. erdaehte Ms bedächt S. 

78 MSsflß. 

79 MSflsß. 

80 MSsflß. er S Vn M. hiez Ss lie M. 

81 MSsßf I. Ain« MfSsß. gesant M sant sß do sant S. 

82 MSsßf I. in S 9um vorigen Verse. 

83 MSsflß. cnbÄt Ms gebott S. d6 m. eren] SfMs. 

84 MSsßf I. in M »uni vorigen Verse, allen Ssß vbcr all M. 

85 MSsflß. 

86 MSf Isß dorfte] bedorft S mocht M. niendert] M nit S. 

87 SsfMIß. 

88 MSßf Is gen h. Mß zu ain ander S. 

89 MSsflß. 

90 MSflsß. 
91/93 MSsflß. 

94 MSflsß. 

95 MSsflß. 



8 

E. V. 96—119 

die qudmen mit manegem werden man, 

niun edele bischof 

quimen ime üf sfnen hof, 

die besten harren alle 
100 quämen dar mit schalle. 

d6 si nfi gen hofe wiren komen 

unde daz sant Oswalt hete vernomen, 

hoeret, wie er under in umbegie 

unde si gar wirdiclichen empfie, 
105 vrien, gräfen sunderbär, 

daz sage ich iu vürwär, 

ritter unde knehte, 

ieden man nach sineme rehte, 

er empfie sine landes harren 
110 wirdiclichen nach gr&zen ^ren. 

dö sprächen die helde h6chgemuot: 

,nü danke iu got der guotl' 

er begunde si ze hfise laden, 

alse wir noch hoeren sagen. 
115 dö sprächen die dienesth^rren: 

VhÄrre wir tuon ez rehte geren*, 

also begunden si alle jehen: 



96 MSsf Iß. die] MfSs. mit Ms ym m. S. werden Ms bider S. 

97 MSsflß. 

98 MSsf Ip- in S ZUM vorifen Verse, ime] S deo kung Mfs. 

99 MSTIsß. 

100 MSf Is3. in S 9utn vorigen Verse» dar M ym S. 

101 MSsflß. nü Ss im M. 

102 MSsflp. 

103 MSsflß. Nü SfM. 

104 MSsßri. 

105 SspTMI. 

106 MSTIsß. 

107 MSsflß. knehte Msk die ym warend gerecht S. 

108 MSsßf I. Vn empfeng SfMs. s. rehte] MS seiner wirdigkait ß s. gesiechte S. 

109 MSsflß. 

110 MSflsß. nach] M mit S. 

111 MSflsß. helde] M her'en S. 

112 MSflsß. 

113 MSsf Iß. si SsfM. 
114/5 MSflsß. 

116 MSflsß. wir tuon] M wisten S (so), 

117 MSflsß. 



E.V. 120—138 

,waz ir wellet daz maoz geschehen'. 

sant Oswaldes 6re die wären gröz, 
120 den harren man dö wazzer b6t, 

sant Oswalt hüsdre nie vergaz, 

mit den harren er ze tische saz, 

die h6chgebornen degen 

satzte man d6 ze tische eben, 
125 er satzte si sch6ne ze tische 

unde gap in braten vische, 

er gap in semele unde guoten wtn 

unde waz da reines möhte gesin, 

er gap in zamez unde wiltbraete, 
130 guoter koste allez geraete, 

der allerbesten sp!se genuoc, 

s6 man si vür harren ie getruoc. 

der edele vurste wolgetän 

begunde mit den harren Wirtschaft hin, 
135 voUiclkhen zwelf tac 

er ir mit gr6zen 6ren pflac. 

d6 sich diu Wirtschaft erlie, 

sant Oswalt vür den tisch gie, 



118 MSflsß. geschehen S beschehn M. 

119 MSflsß. wdren] M wasz S. 

120 MSsfIß. dö M dasE Sfs b6t] S gegabe s goss M. 

121 MSflsß. hAscre] M der h. S. Vor V. 121/2, 113—15 am Rande in S: 

c d a b c (so), 

122 MSsfIß. 

123 MSflsß. höchgebornen] M h. gelopten S. 

124 MSsfIß. Die SfM. 

125 MSflsß. 

126 MSflsß. in S zum vorigen Verse, unde] M Er S. 

127 MSflsß. 

128 MSflsß. reines] M zames S. 

129 MSflsß. 

130 MSflsß. koste] M spisz S. geraete] M wo! berait S. 

131 MSflsß. 

132 MSflsß. getruoc] M trüg S. 
133/4 MSsfIß. 

135 MSsßfl. voUicKchen] M VoUenklich Sfs. 

136 MSflsß. 

137 MSsfIß erlie M sergeng S ein ende hatt $. 

138 MSsfIß. 



10 

E.V. 139— i6i 



er sprach mit grdzen 6ren: 
140 ,nü merket alle mine landes harren, 

ir sult alle samt stille gedagen 

unde merket, waz ich iu habe ze sagen: 

ich bin iuch niht umbe sust zesamene bräht, 

merket, wes mir si gedäht: 
145 einen rät wil ich von iu ncmen, 

des dürft ir iuch niendert Schemen: 

ritter unde knehte 

ir sult mir raten rehte, 

herzenlieben vriunt min 
150 nü ratet mir, waz daz beste müge gesin, 

mit triuwen, der ich iu getrouwe: 

ir wizzet wol, mlniu lanl stänt äne ein vrouwen: 

kunnet ir mir iendert gezeigen 

under kristen unde under beiden 
155 ein künig^nne edele unde rkhe, 

der lip si kluoc unde minniclkhe, 

ir 6re michel unde gr6z 

unde diu st mtn genöz?' 

manic belt abe der vräge erschricte, 



139 MSsflß. ßTÄzen] M guten S. 

140 MSsflp. 

141 MSflsß. samt] MfS. gedagen] S dagn M. 

142 MSsflß. 

143 MSsßf I. niht nach sust S. 

144 MSflsß. Vnd SfM. wes m. si] M wasz ych mir hab S. 

145 MSsflß. 

146 MSflsfl dürft] M bedurftent S. 

147 MSflsß. Min SfM. knehte] M min k. S. 

148 MSflsß. 

149 MSflsß. hcircnl.] M Ir herzogen 1. S. 

150 MSsßf I. daz — gesin] M w. (Ich dunck dass biest sin S das beste s. 

151 MSsflß. Danach in S: Vnd dass (ich got dar iimb beschawe. 

152 MSsf Iß. wol Ss w. daz M. Danach in S: Dar vmb sond yr Uch um ainc 

schawen. 

153 MSsflß. 

154 MSsflß. 

155 MSsflß. 

156 MSsflß. 

157 MSflsß. gr6z] M och g. S. 

158 MSsßfl. si] b da s. u och wol s. S. roUg wcsii M. 

159 MSflsß. Vil SfM. hclt M kUnic unde ander vursten ß harrt S. abe SßfM. 



11 

E.V. 162 — 183 
160 ie einer den andern anblicte, 

&i besorclen an den stunden, 

daz si stn genöxen niendert vunden. 

die harren giengen d6 ze rite 

beide vruo unde darzuo späte 
165 volliclichen drt tac, 

ein iegelicher man dö siner witze pilac. 

ir aller triuwe dö wol erschein, 

die besten wurden überein 

unde sprachen ze deme h6rren: 
170 ,nü riete wir iu daz beste geren, 

nü kunne wir iu geraten niht, 

wie halt uns darumbe geschiht: 

iuwer gewalt ist üzermäzen gr6z, 

wir vinden niendert iuwern gen6z, 
175 in zwelf künicrtchen 

vinde wir niendert iuwern geliehen, 

si stn iuwer vriunt oder eigen, 

davon kunnen wir iu niendert gezeigen . . . 

daz geloubet uns lieber h^rre min, 
180 wir wizzen niendert kein künigtn, 

der wir des mugen getrouwen, 

160 MSsfl?- Vn SfM. ic— an] M Die h'rcn . . . einander an s vUr sich nidcr S. 

161 MSflsß si] M Die S. besorctcn]S wcsargii M. den M d. selben S. 

162 MSflsß. niendert] M nienan S. 

163 MSsßfL giengen Msß würdent S. 

164 MSflsß. 

165 MSsßf I. drS Ms d. gancz S wol d. ß. 

166 MSflsß. man dA] MfS. 

167 MSfls?. 

168 MSflsß. wurden] M da w. S. 
169/71 MSsfIß. 

172 MSsf Iß. halt nach uns S. geschiht Ss besch. M. 

173 MSflsß. • mässen S. 

174 MSsßf I. niendert] M nienan S nyerget s. 

175 MSsßfl. 

176 MSflsß. So SfM. niendert] M nienan S. 

177 MSsf Iß. sin] M sy S. 

178 SßfMIs, doch vgl, s nach 189: dz jm die h'ren keyn ktinigin mochten 

gezeigen niendert] nienan S. gezeigen (s) zeigen Sß. 

179 MSsfIß. 

180 MSsfIß. niendert] M nienan S niergen s. kein Ss ain M. 

181 MSflsß. des] M esz S. 



12 

E.V. 184—205 I 

daz si iu gezeme ze einer vrouwen.' 

er sprach, alse uns daz buoch vergibt: 

,kunnet ir mir danne geraten niht, 
185 ^6 sult ir heim ze lande varen, 

got müeze iuch bewarenl' 

der hdcbgebome degen 
. begunde deme rate ein uxloup geben. 

d6 in .daz urloup wart bekant, 
190 d6 vuoren die harren heim ze lani. 

dö der rät ein ende nam, 

d6 trürte der vurste lobesam. 

nü quam üf stnen hof gegän 

ein edeler pilgerin wolgetin, 
195 der was geheizen Wärmunt, 

zwei unde sibenzic lant wären ime kunt, 

diu hete er erwallel mit ören 

in. deme dienste unsers lieben hfirren 

unde durh die ^re der himlischen künigin, 
200 darzuo stuont ime daz gemüete sin. 

er truoc einen balmen in siner hant 

unde gruozte sant Oswalt in Engellant. 

dö in der künic ansach, 



182 MSsfIß. daz si]' M Die S. gexeme] gezäm M möge gezfoicn s zitn S. 
183/5 MSsfl?. 

186 MSsfIß. Der milt SfMs. mUeze Ss mag M iuch] S Uch alle s vns wol M. 

187 MSflsß. hdchgeb.] M h. gelopt S. 

188 MSsßTI. ein MffSs. Vrlop S. 

189 MSfls?. »wrlop S. wart] M wasz S. . 

190 MSsflß. 

191 MSßTls. 

192 MSsßTI. 

193 MSsßfl. nü Ms Vm S. gegän] gegangen Msß gan S. 

194 MSsßfl. edeler Ss eilend' Mfß pilgeiin Ssß waller M. 

195 MSsßj"!. 

196 MSflsß. kunt] S bechat M. 

197 MS(ß)ris. erwallel] erwalln M gewandlct S durcUwallet b durchzogen u. 

198 MS(ß:ris. in S(ß) ZU M. »vn M. 

199 MS(ß;ris. ere der Ss{?f fA. 

200 MSflsß. 

201 MSsflß. einen balmen] einen palmen s ein palm MS, 

202 MSsflß. unde Ss In M. 

203 MSsßf I. 



13 

E.V. 206- 227 1 

d6 begunde er in empfähen unde sprach: 
205 »Wärmunt edeler pilgerin 

du solt mir gotwilkomen stn, 

Sit du mir ze hofe bist komen, 

d!n kunft hSin ich gerne vernomen'« 

er gevie in under stnen arm dräte 
210 unde vuorte in in stn beste kemenäte, 

da si nieman hörte weder sach, 

h6ret, wie er vräcte unde sprach: 

er sprach: »Wärmunt edeler pilgertn 

sage mir üf die triuwe d!n: 
215 kanst du mir iendert gezeigen 

under kristen unde under beiden 

ein küniginne schoene unde minniclkhe, 

diu mir gezeme über mtn rtche?' 

d6 sprach der pilgertn Wdrmunt: 
220 ,zwei utide sibenzic lant sint mir wol kunt, 

darinne weiz ich n^ht edeler vurste löbesam, 

noch wil ich iu raten obe ich kan: 

enhalp des meres vluot 



204 MSs^l. dö MsfS. er vt^ begunde S. empfdhen S(sß) grUssn M. 
203 MSsflß. edeler] du edler S lieber s Eilend M. 

206 MSsfl?. 

207 MSris?. 

S08 MSsflt^. kunft] kunst MSs. 

209 MSsf Iß- gevie] M nara Ss. 

210 MSspfl. beste MsfS?. 

211 MSfls?. hArte weder] M weder h. noch S. 

212 MSrisß. Nun STM. er M er yn S. 

213 MSsJifl. edeler] s du e. S eilend' M triuwcr fl 

214 MSsflß. Nu SfMs. dfn S mein M. 

215 MSs^I. iendert] M jrget s nienant S. 

216 MSsfIß. Danach in S: Ain ktiniggin schön vn wol gestalt 

Also fragt yn sant Oschwald. 

217 MSsfIß. ein k. Ms Vn die sy S. *schown M. unde MsfS. minnicUche 

MS wol gestalt vn darzu jung s. 

218 MSsfIß. gezeme Ss gezam M. über min Ms vnd minem S. 
219/20 MSsßTI. 

221 MSsßf I. In M nvei Verse, in S drei, weiz] M so w. S. niht] M niendert 

ß nicht: Alsz vnsz dasz buch vergtcht: S; 

222 MSsTIß. 

223 MSsßfl. d^s Ms d. witen S d. wilden ^3 



14 



I E. V. 228 - 246 



da weiz ich ein küniginne als6 guot, 
225 ich muoz dir der wärheite jehen, 

jch hän sd schoenez bilde nie gesehen 

als6 ir werder l!p, 

ich gesach nie schoener wtp, 

ir schoene ist üzermizen gr6z, 
230 an schoene lebet niendert ir gendz, 

milter künic Oswalt, 

ir lip ist minnicltche gestalt, 

si ist ouch tugentlkhe, 

si gezitnet dir wol über dlniu riche, 
235 si ist diu schoene vrou Pamige genant. 

da ze Ai6n in deme lant 

da ist ir vater gesezzen, 

ein beiden s6 vermezzen. 

si ist ein heidnischiu künigin 
240 unde geloubet an got unde an die muoter sin» 

si selbe vierdiu juncvrouwe, 

h^rre des sult ir mir gctrouwen, 

si bat kristengelouben 



224 MSsflß. als6] M so S. 

225 MSrisß. 

226 MSsfltS, s6 Ss halt so M bilde SfM. 

227 MSflsß. ir] M yst yr S. werder S schon* M. 

228 MSspf I. Zwar SfMsfi. gesach Ssß g. halt M. •schown* M. 

229 MSflsß. ist M wasr cmf Kamr, am Rande yst S. 

230 MSfls? nitndert] M nienan S. 

231 MSflsß. kUnic] M k. sant S. 

232 MSsflß Itp] M mincnklicher 1. S. minnicliche] •mikleik M so wol S. 

233 MSSi^I. ouch ß och gar SfM. 

234 MSsflß. Wan SfMs. gezimet] zimet Ss gezäm M. dir wol MsfS. 

diniu] M wUer S. 

235 MSsßpi. Pamige] pamig oder paimg S parig b pärtg u Pauge sfM. 

236 MSsfl?. dÄ] MfS. *Araon S. 

237 MSsflß. ir Ss auch ir M. 

238 MSsßri. so M also S. 

239 40 MSsflß. 

241 MSsßf I. vierdiu] M vier', r' auf Rasur, es stand auch d <£x S. 

242 MSflsß. des - mir] M yr sond mir desz S. getrouwen] Mf S. 

243 MSsflß. in S zum vorigen Verse, si — kristcn] M (vfi habet cristen s) fS. 

gclouben Ms geloben S. 



15 

I K. V. 247 - 268 I 

heimliche vor deme heidnischen man, 
245 unde weste er ez, er gewunne ir daz leben an, 

si wolten gerne ze der toufe kdren 

unde kristenlichen gelouben mdren 

beide spite unde vruo, 

nü hänt si nieman, der in helfe darzuo.' 
260 d6 sprach der werde vurste guot: 

,nü muoz ich über des meres vluot, 

ich hilfe in ze der toufe', sprach der junge degen, 

,unde gienge ez mir an min werdez leben 1' 

er sprach, alse wir hoeren sagen: 
255 «nü solte ich einen boten haben 

über des wilden meres vluot 

ze der werden kUniginne guot, 

daz er mir ervUere diu maere, 

wes ir ze muote waere: 
260 wolte si kristengelouben hin^ 

daz solte si mich wizzen län, 

s6 braehte ich zesamene ein michel here 

unde vüere nach ir über mere.' 

d6 diu rede vol geschach, 
265 hoeret, wie der pilgerin sprach: 



244 MSs^fl. 

245 MSsflß. unde] M aber sfS. 

246 'MSsTI?. gerne SsfM. der M dem S. 
247/8 MSfls?. 

249 MSsfl?. nÄ] M so s Vnd S. si MsfS. 

250 MSsfl?. werde] M edel sfS. 

251 MSsflß. 

252 MSsflß. in S twei Verse, der Ms dem S. toufe Ms t. geren: Also S. 

253 MSsflß. Werder] M yungesz Sfs. 

254 MSfsf Iß. wir M w. ess S. 

255 MSsfIß. solde Ms musz S. 

256 MSsflß. Hin SfMs. 

257 MSsflß. 

258 MSsflß. ervUcre] Ms erfar S. ♦mär<mer? M. 

259 MSsf Ißt wes — muote] Ms Oh yr roüt zu mir S. 

260 MSsflß. »glöben S. 

261 MSsflß. 

262 MSsflß. *ein michel ze säme ein michl M. 

263 MSsflß. Ober Ms bin über S. 

264 MSsßf I. gescbach S weschach M. 
26:» MSsßfl. Nfl Sf M. 



16 

I E.V. 269-^90! 

yOswalt h6chgeboraer degen 

du solt dich der maget verwegen, 

daz ich dir hän geseit 

daz ist mir entriuwen leit, 
270 hete ich dir ez niht geraten vurste h^re, 

ich geriete dir ez niemerro^re: 

du mäht ir niht gewinnen 

mit allen dinen sinnen, 

ez tuo danne got selber sin stiure darzuo 
275 beide späte unde vruo.' 

,äne gotes hilfe^ redete der werde man, 

,trüwe ich si niemerm6re gewinnen von dan, 

doch tuon ich ez in deme namen.sin, 

üf die triuwe mtn^ 
280 er hilfet mir mit den genäden stn, 

daz mir werde diu junge ktinigtn.' 

sant Oswalt der vurste h£re 

begunde den pilgertn vrdgen mßre: 

,sage mir pilgertn Wärmunt, 
285 dir ist doch wol kunt, 

wie der beiden st genant, 

daz ist dir doch wol bekant? 



266 MSflsß. hÄchgeb.] M vil hoch gelopter S. 

267 MSflsß. •dich] die M. maget] M kUniggin S. 

268 MSßfls. hdn] M nü h. S. 

269 MSrisß. entriuwen] S mit trewfi M. 

270 MSißfls. ez] MfS. vurste herc] M edler her' S. 

271 MSflsß. ez vor dir S. 
272/3 MSsßf I. 

274 MSsf Iß. selber SsfM. 

275 MSflsß. 

276 MSflsß. redete] M sprach S. 

277 MSsf Iß. si] M yr S. 

278 MSsfIß. tuon SsfM sfn S(s)fM. 

279 MSflsß. Immer' SfM. 

280 MSsf Iß. hilfet] M helff S. »gnaden S. 

281 SsfMIß. s: zu der cdeln königin. 
282/3 MSsfIß. 

284 MSsfIß. Nun SfMs. 

285/6 MSflsß. 

287 MSsfIß. i«Jt — doch] M dir doch yst S. 



17 

I E.V. 291-311 I 

sage mir slnen rehten namen, 

des darft du dich niendert schämen.' 
290 der pilgertn sprach mit Sren: 

.triuwen daz tuon ich geren: 

er ist genennet schön 

unde heizet der rtche künic Ardn.' 

er sprach: ,Wärmunt dar solt du min böte sin, 
295 daz er mir gebe die tohter stn, 

darumbe gibe ich dir riehen solt, 

beide silber unde golt, 

ich wil dir geben ein herzogtuom, 

du mäht die boteschaft wol mit 6ren tuon.' 
300 dd sprach der pilgertn: 

ydes überhebe mich Heber h^rre mtn! 

milter künic Oswalt, 

ez ist s6 gr6z des heidens gewalt, 

ez ist nie kein böte dar komen, 
305 der beiden habe ime sin leben genomen, 

ez ist kein böte nie komen dar, 

der beiden neme sin vil ebene war: 

der in baete umbe die künigtn, 



288 MSsfl?. Nun SfM. rehten MsfS. 

289 MSfls?. darft M bedarft S. niendert] M nit S. 

290 MSsfl?. mit M do m. S. 

291 MSsfl?. triuwen] M Lieber her' Sfs. geren Ms recht g. S. 

292 MSsgfl. 

293 MSsff I. der r. SsfMß. künic MsrSi3. Ar6n] Aron Mu Aaron Sb von 

Appion s. 

294 MSsßfl. dar Ms(ß)rS. du vor solt S. 

295 MSsßf I. tohter sin] M t. s. Die yungen kUniggin S juncvrouwen sb 

j. vein }X, In % 2 Verse. 

296 MSsfl?. 

297 MSfls?. 
298/300 MSsfl?. 

301 MSsH?. überhebe Ss vber hebt M. 

302 MSflsß. künic] M k. sant S. 

303 MSslf I. so Ms alsz S. 

304 MSsfl?. nie vor dar S. 

305 MSsflff. 

306 MSfls?. 

307 MSfls?. ebene] S gut M. 

308 MSs^fl, baete] S bete s pit M. 

Bacsecke, Münchener Oswald 2 



18 



deme siebet er abe dnz houbet stn. 

310 der beiden bat daz versworen, 

geloubet mir ez vurste h6chgeboren, 
er welle die tobter nieman geben 
alle die wtle er babe stn leben, 
er bat einez in stneme miiote, 

315 daz understä ime got der guote: 
sterbe ime diu alte beideninne, 
er welle stn tobter selber minnen.' 
dö spracb der vurste wolgetän: 
ydaz sol got selber understän, 

320 daz der beiden stn tobter ibt minne, 
si sol werden ze einer kristinne,' 
als6 sprach der vurste lobesam: 
,nü bän icb manegen dienestman, 
die vüere icb über daz mere balt 

325 unde vüere si dannen mit gewalt.' 
dö spracb der pilgertn Wärmunt: 
yOswalt dir ist nibt wol kunt: 
er bat ein burc veste unde guot, 
diu ist vor scbanden wol bebuot: 



E.V. 312—332 



Der haidm M er Ss. daz] M esz Sf S. versworen] M gesworen Ss. 
ez] M Dasz, vor geloubet S. geloubet] S BElaubt, E kort i^ert M. 
die Ms sin S. 



309 MSsTI?. 
810 MSsi^I. 

311 MSrisß. 

312 MSsff I. 

313 MSsfl?. 

314 MSsif I. 

315 MSsH?. im«] M sin {statt im?) sfS. 

316 MSSif I. diu Ms sin S. 

317 MSsßfl. stn Ss die M. minnen] M zu ainer fiäwen nemen S neromen 

S han ze eime gemahel ß 

318 MSsßfl. 

319 MSsßfl. sol Ss unt'ste jin M. selber underst. Ss d' gut mä M. 

320 MSsßf I. ibt] M nibt Ss. minne] M zu ainer* frSwen nem S selber neme s. 

321 MSsfl?. 

322 MSrisfl. 

323 MSsflß. ich Ms. icb och S. 
324/5 MSsflß. 

326 MSsfl?. 

327 MSflsß. ist M yst vmb sin Und S. 

328 MSsßfl- 

329 MSsflß. wol Ms so w. S. 



19 

I E-V« 333-353 
330 daz kristen unde beiden, 

alle diu werk waere din eigen 

unde betest dicb dämite flir die burc erbaben, 

du möbtest ir niemSre gescbaden, 

du müestest davor ligen dnzic jdr, 
335 Oswalt daz sage icb dir vürwär, 

dannocb wurdest du nibt innen balc, 

wie diu juncvrouwe st gestalte 

dö spracb der pilgerin: 

»börre nü volge der löre min 
340 icb wil dir raten, obe icb kan, 

rebte alse ein getriuwer man: 

du bäst üf dineme bofe erzogen, 

des seit du got iemSre loben, 

du bist erzogen einen edeln raben, 
34«5 den solt du ze eineme boten baben: 

ez lebet üf erden niendert alse ein wtser man, 

wan der rabe dir ez baz gewerben kan, 

er ist dir nutzer über daz wilde mere, 

danne obe du sandest ein ganzez bere, 
350 er bat von unserme b^rren daz gebot, 



330 MSs^I. 

331 MSsfl?. 

332 MSsßTI. dämite] MfSs. 

333 MSsfl?. Zwar SfMs. ir Ms da vor yr S. niemere] M nUcr S doch nit 8. 

334 MSsfif I. müestest] s muüt M möchtest wol S. 

335 MSrisß. 

336 MSsf 1(3. wurdest] s wurst M wirst S. 

337 MSsfl?. 

33S MSSiSf I. do] M Ouch S Darnach s. pilgerfn Msß edell b. S. 

339 MSsfl?. volge] M volgct Ss. 

340 dir] I d' M iu Ssß. 

341 ein MSs e. yglich' I. 

342 dineme h. MSs h. dein : I. erzogen MSsu getzogen b zagen, vor üf I. 

343 solt — loben] MS lab got d'genadn sein 1. 

344 du — erzogen] MSfl. 

345 eineme ISsfM. 

346 ez IS Er M. üf erden MI och S. niendert — ein] M chain I nienan 

so ain S. wtser MSs ward' I. 

347 wan der r. MS Der I. dir I {hack ez,) Ss der M. gewerben MI weihen Ss. 

348 nutzer MSs nUcz I. daz w. MIßfS. 

349 obe] M dasz Sfs. ganzez MSs grosz I. 

350 •H* M. ♦vnszm M vnszn 1. 

2* 



_20 

I E- V- 354-377 I 



daz geloube mir h^rre äne allen spot 
daz din rabe ist redende worden, 
daz geloube mir vurste hochgeboren.' 
d6 sprach der vurste lobesam: 

355 ,wie w^nic ich daz gelouben kan! 
ich hän in erzogen, daz ist war, 
voUiclichen zwelf jär, 
daz ich keiner slahte stimme 
von ime nie bin worden inne, 

360 nieman ich ez gelouben mähte, 
ich h6rte danne sin gebrähte.' 
dö sprach der pilgerin Wärmunt: 
,Oswalt dir wirt noch wol kunt, 
müter ktinic Oswalt 

3G5 nü sende nach deme raben balt: 

st niht redende worden der rabe din, 
s6 slach mir abe daz houbet min 
unde scheit mich von deme leben, 
unde s! dir vor gote vergeben.* 

370 sant Oswalt sümte sich niht m^r 

unde hiez ime den raben bringen her. 
nü was der rabe vermezzen 
üf einen höhen turn gesezzen, 
des trürte der vurste wolgetän, 



351 geloube MS gelawbt \(^). herre MS oswalt I. 

352 dfn MI iuwer ,3 der S. 

353 geloube MS gelaubt I. 

356 erzogen Ss gezogen MI. 

357 volliclfchen] I VoUikleich M Vollcnklichen wol S wol s. 

358 ich MSsf 1. keiner slahte] M chainne slochte I kaincr' gescblecht S 

kcinerleye s. 
860 ich] MflS. 
361 ich] MI Oder man S. gebrähte MS pracht I. 

364 kUnic MI k. sant S. 

365 demeSs deine Mfl. 

366 redende Ms reden Sfl. 

367 Redt nit IfMSs. mir MSsfl. 

368 scheit IS schaidet M. 

369 »Oswaltz M. 

371 bringen vor den M. 

373 Vn SfMI. •gesche > gesessen M. 

374 des MIs Do S. wolgetan] S hochgeboren MI. 



21 

I E.V. 378-395 1 
375 daz er den raben niht mohte gebän. 

nü ratet alle an deme ringe, 

wie wir den raben abe deme turne bringen 1 

sant Oswalt begunde harte klagen, 

daz er niht hete sinen Heben raben. 
380 dö sprach der pilgerin Wärmunt, 

deme was umbe des raben vart wol kunt: 

,herre ir sult iuch wol gehaben: 

wanne got entbiutet iuwerme raben .... 

wanne got wil durh iuwer er, 
385 so sendet er iu iuwern raben her.* 

der himlische trahtin 

tete d6 stn genäde schin 

unde gap deme raben an der stunde, 

daz er alle spräche wol reden künde. 
390 der himlische heilant 

den raben schiere herabe gesant, 

daz er quam gevlogen halt 

375 Dar vmb SfMIs. daz er MSs Er want er biet I gehan Ms han S 

v'lora I. 

376 ratet MIs hört yr her'en S. an MI yn S. 

377 wir MSs ich I deme t. MS der zinne I dem baä S. Danach nur in I: 

Er mocbt h'ab nicht chomen wol 

Man pring den dem leser ein cbopf weins vol. 

378 harte MlfS. 

381 deme MS Mir I. was] S ist I wart M. umbe — wol MS wol umb 

den rabn I. Danach nur in I: 

Er sieczt hoch auff eine stain 
Vnd pflegt wnser gemain 
Vnd trachtet in sinem mtltt 
Wie er gedien uwern gnadfi gut 
Do sprach kUnig oswalt 
Das ist von gots gewalt. 

382 MSsTI?. 

383 MSf IS|3. cnbiutet] M gebUtt S. 

384 MSsfl?. wanne M(s) So S. 

385 MSsf I|3. iuwern Ms den S. 
386/7 MSfls?. 

388 MSsflß. an der] M in der selben S. 

389 MSsfl?. 

390 MSps?. 

391 MSsflß. herabe] S er vor schiere M. 

392 MSsflß. 



22 

E.V. 396-417 1 



vür den muten künic Oswalt. 

d6 er öf den tisch was bekomen, 
395 alse wir ez stt hän vernomen, 

den stolzen pilgerin Wärmunt 

cmpüe er dö an der stunt. 

daz £rste wort, daz er ie gesprach, 

lioeret, wie ein zeichen dö geschach: 
400 , Wärmunt, edeler pilgerin, 

du solt mir gotwilkomen stn!' 

der milte künic Oswalt 

erhörte die rede balt, 

nü mohte ime niht liebers geschehen, 
405 alse wir noch hoeren jehen, 

ez sprach der üzerwelte degen: 

,Wärmunt du solt mir vergeben, 

daz ich niht wolte gelouben den Worten d!n, 

vergip mir ez durh den willen mini 
410 ich hän in erzogen zwelf jär, 

pilgerin daz sage ich dir vürwär, 

nü ist daz daz ^rste wort, 

daz ich noch ie von ime han gehört.' 

dö sprach der edele rabe: 



393 MSsflß. kUnic] M k. sant Ss. 

394 MSsf Iß- was vor üf S. bekomen] bekömen M komen Ss. 

395 MSrisß. 

396 MSsuf sb. 

397 MSsuflb. d6] MfS. der] M der selben S. 

398 MSsßfl. daz Ss was daz M was daz ß. 

399 MSflsß. 

400 MSsßfl. edeler Ssß eilend' M. 

401 MSsßTI. 

402 MSsßfl. kUnic] M k. sant Ss. 

403 MSsßTI. die M do d. S. 

404 MSflsß. nü] MfS. ime vor mohte S. liebers M lieber S. geschehen] 

M sin g. S. 

405 MSflsß. 

406 MSsßfl. ez] M Do S. 

407 MSsßfl. mir ez M mir m£n gr6ze untat ß mir Ss. 

408 MSsßfl. 

409 MSflsß. vergip m. ez] Vergibsz mirsz S, 

410 MSsfIß. erzogen Ss gezogen M. 
411/14 MSsfIß. 



23 

I E.V. 418-440 
415 ihdrre merke waz ich dir sage: 

keiner menschlicher stimme 

waerest du von mir niemdre worden inne 

unde hetest ir ouch noch niht vernomen: 

diu genäde ist mir von gote her komen. 
420 du wirbest umbe ein edele künigin, 

h^rre des wil ich din bete sin, 

i^h wil dir die boteschaft werben, 

unde solte ich darumbe sterben, 

ich erwirbe dir die küniginne h6re 
425 oder du gesibest mich ze Engellant niemerm^re/ 

sant Oswalt kuste den raben 

an sin houbet unde an sinen snabel, 

,ich wil got iemSre loben, 

daz ich dich ie hän erzogen.' 
430 d6 sprach der rabe dräce: 

,h6rre nfl volge mineme rate: 

heiz balde springen 

unde heiz dir einen goltsmit her bringen, 

heiz mir beslahen daz gevidere mtn 
435 Oswalt durh die 6re din 

alsamt mit röteme golt, 

darumbe gip ime rtchen seit, 



415 MSsfl?. Nun SfMs. harre MsfS. dir Ms Uci S. 

416 MSsf!^. menschlicher Ss menschen M. 

417 MSsfl?. wacrcsl] S Waz M. niemere] S{sf fA. 

418 MsflSt^. 

419 MSsflß. 
420/21 MSsflß. 
422/23 MSsffl. 

424 MSsTI?. ♦dir] d' M. 

425 MSsfl?. •gesiclii«* S. rc E.] M jn c. sfS. 

426 MSS|Sf I. den Ssß sein M. 

427 MS,Tl8. 

428 MSsflß. ich Ss Vn M. got Ss sein g. M. 
429/82 MSsfl?. 

433 MSsflß. heiz dir MsfS. 

434 MSsifl. 

435 Msfls?. ere] S crd M. 

436 MSsfif 1. alsamt] M alles Ss. mit MS|3 mit güttcm S. 

437 MSrisfl. 



24 

E. V. 441 — 464. 



heiz mir wurken schdne 

üf min houbet ein guldtne krdnel 

440 wanne ich kume under die heidnischen man, 
s6 wirt mich ein michel volk gaffen an, 
s6 mac ich deste baz einen vride gehaben, 
h^rre daz wil ich dir vUrwär sagen, 
vür vihen unde vUr schiezen, 

445 h^rre lä dich stn niht verdriezen, 
so wirde ich deste schöner empfän 
beide von vrouwen unde von man, 
mit rittem unde mit knehten 
mac ich deste baz gebrehten, 

450 wanne ich var so mit grözen ^ren, 
s6 siht mich ieder man geren: 
man hat den man nur alse man in siht 
unde pfliget darzuo guoter witze niht . . . 
dar zuo deme riehen künic Aröne 

455 deme sage ich die boteschaft sch6ne, 
unde der lieben tohter stn 
der sage ich deste baz den dienest din/ 
sant Oswalt volcte des raben l^r 
unde hiez ime den kameraere bringen her. 



438 MSsfl?. Vnd SfM. schöne] M also seh. S. 

439 MSsßfl- 

440 MSsflß. kume Ss kam M. 

441 MSflsß. mich - volk] M man mich fast S. 

442 MSsf Ifl s6] M Vnd S. ich Ms och S. einen MfSs. gehaben] M han 

Ss. Danach nur in S: Vnd her wider fliegen vG dannen. 

443 MSflsß.. Danach nur in S: Dasz man mich nit mag geschlachen. 

444 MSsTI?. 

445 MSflStS. dich sin] S sich dein M. 

446 MSsfIß. wirde Ss wird auch M. schöner S schon M. 
447/49 MSsfl?. 

450 MSsfIß. so mit] M also mit s mit so S. grözcn S(s) grosser M. 

451 MSsf Iß. *mich] mit M. ieder man Ms man, vor mich S. 

452 MSsflß. nur] M nü Sfs. 

453 MSsfIß. darzuo] daz M man dar zu Sfs. 

454 MSsfIß. dar] M Vnd d. S So ich dann komme S. 

455 MSsfIß. die Ss dein M. 
456/58 MSsfIß. 

459 MSsfIß. ime] MfS. kameraere] M kemerling S. 



25 

I E.V. 465 -485 
a [sant Oswalt hiez springen 
b unde ime einen goltsmit her bringen.] 
460 alse er ime s!n gedäbte, 

wie balde man [den meister] ber bräbce, 

diu wtle werte nibt lange, 

der kameraere quam gegangen. 

d6 er den harren an sach, 
465 nü muget ir boeren, wie er sprach: 

»genäde lieber b6rre min, 

waz ir wellet daz sol gescbeben stn.' 

d6 sprach der milte künic Oswalt: 

, einen goltsmit solt du mir bringen balt, 
470 den muoz ich haben, 

daz wil ich dir vürwär sagen.' 

der kameraere tete durh n6t 

waz ime sin eigen h^rre b6t, 

der kameraere d6 nicht langer beit, 
475 wie balde er gen Salmiders reitl 

d6 er in die stat was bekomen, 

alse wir ez sider hän vemomen, 

an der selben stunde 

einen meister er an sehen begunde, 
480 den vant er vor einer smitten stän, 



459a b fMISs?. 

460 MSf Isß. ime] SfM. geddhte] M erdaucht S. 

461 MSTIs?. wie] M Vil S. den meister] ym den kemerling SfM. 

462 MSfls?. niht] M och n. S. 

463 MSflsß. kameraere] M kemerling S. 

464 MsfIS|3. er] d'her M der kemerling S. Herren] S cham'r M. 

465 MSflsß. 

466 MSrisß. lieber] vil 1. SfM. 

467 MSflsß. geschehen] MfS. 

468 MSflsß. kUnic] M k. sant S. 

469 MSflSiü. 

470 MSflsß. haben] M zwar h. S. 

471 MSrisß. 

472 MSfls?. kameraere] M kemerling S. det MS. 

473 MSrisß. 

474 MSflsß. kameraere] M keinerling S (so immer außer im Reitn), 

475 MSßfls. Salmiders] ß salmiders oder salundcrs M salunders S. 

476 MSflsß. bekomen] bekömen M komen S. 

477 MSflsß. 
478/80 STMIsß. 



20 

I E.V. 486-515 1 

der was ein künstericher man. 

ygot grüeze iuchl' sprach der kameraere, 

meister ich sage iu vremediu maere: 

ir muget niht langer hie bestan, 
485 ir sult mit mir gen hofe gän/ 

der meister gar harte erschricte, 

sehet, wie balde er umbe sich bb'cle! 

er sprach: ,vil stolzer kameraere, 

bescheit mich der rehten maere, 
490 waz mac der hörre mit mir ze schaffenne hän? 

daz sult ir mich wizzen län.' 

er sprach: ,daz wil ich iu sagen: 

ir sult ime stnen raben beslagen 

gar schöne mit rdteme golt, 
495 dacumbe git er iu guoten solt.* 

der meister hörte die rede dö, 

des wart er üzermäzen vrö, 

ez dühte in niht ze swaere, 

unde gie mit deme kameraere. 
500 dö er nü gen hofe was komen, 

alse wir es sider hän vernomen .... 

dö in der künic an sach, 

dö begunde er in grUezen unde sprach: 

»meister ich hän niht umbe sust nach iu gesant, 
505 merket waz ich iu tuo bekant: 

ir sult mir minen raben, 

daz wil ich iu vürwär sagen, 

beslahen schöne mit röteme goU, 

darumbe gibe ich iu riehen solt, 
510 beslahet ime daz gevidere sin, 



481 SfMIsß. Ainen goldschmid S. 
482—501 SfMIsß. 

502 MSsfl?. d6] M unde S. 

503 MSsflfJ. 

504 MSsflß. meister MsfS. niht nach sust S. 

505 MSfls?. Nu SfM. tuo] M thün, nach waz S. 
505 MSsflß. 

507 MSflsß. 

508 MSsJifl. schöne Ms wol S. rotemc S^fM. 

509 MSfls?. darumbe] S Da von M. 

510 MSsp. Vnd SfM. daz] M wol d. S. 



27 

|E.v. ^Te^Ti^ 

unde tuot daz durh den willen mtn, 

mit iuwern künstertchen henden, 

wände ich wil in ze boten senden. 

wurket mir ime aU6 sch6ne 
515 üf sin boubet ein guldine kr6ne, 

wanne er kome unter die beiden vri, 

daz man sehe, daz er eines rtchen kUniges böte st.' 

der meister sprach ze deme bSrren: 

ywaz ir wellet daz tuon ich geren, 
520 waz ir wellet daz muoz ich liden: 

ich wurke iu das gesmide.' 

der meister was ein künstericber man, 

den raben er ze ime genam 

unde truoc in ze einer smitten dräte, 
525 daz geschach eines äbendes späte. 

da wären si verborgen 

unze an den vierden morgen, 

unde dri naht s6 lange 

was der rabe unde der goltsmit bt einander. 
530 der meister worbte mit ringer hant, 

diu kunst was ime wol bekant, 

er worhte mit aller siner mäht 

beide tac unde ouch die naht. 

an deme vierden morgen vruo 



511/12 MSfls?. 

513 MSsflß. zc Ms für ain S. senden Ms en weg s. S. 

514 MSsfl?. Vnd SfM. 

515 MSs3ri. 

516 MSsfl^. kome] s chäm M kumpt S. 

517 MSsfif I. riehen Ms millten bfSu. 
518/19 MSsflß. 

520 MSrisß. Vn SfM. 

521 MSfls?. 

522 MSsTI?. 

523 MSsflß. genam M nam Ss. 

524 MSs^I. unde Msf) Er S. einer M siner Ss. 

525 MSf Isß. spdte] M also s. S. 
526/527 MSfls?. 

528 MSsfl?. »6] M also S. 

529 MSflsß. der g. wn d. r. S. 

530 MSflsß. in M /mM 531. 

531 MSrisff. 
532/34 MSs^ri- 



28 

E. V. 540- 560 i 
535 gie deme meister vröide zuo: 

dö hete er den raben schöne bereit, 

des dühte er sich gemeit: 

d6 er den raben sach vor ime stän» 

er sprach: ,wol mich, daz ich die kunst gelernet hän! 
540 Oswalt der vurste höre 

lät mich sin geniezen iemermSre.' 

den raben er üf sin hant gevie, 

dämite er gen hofe gie 

unde quam schiere sä zehant 
545 da er den muten künic vant. 

er sprach: , lieber hörre min 

ich hän geleistet den willen dln, 

edeler vurste wolgetän 

zwelf marc goldes ich harte wol verdienet han.* 
550 dö sprach der höchgelobete degen: 

, meister ich wil iu ez gerne geben.' 

der milte künic Oswalt 

hiez den kameraere bringen balt. 



536 MSfls?. Do SfM. gie] M gengent S. deme] S d' M. vröide] M frcdcn S- 

536 MSsfl?- 

537 MSflsJ^. sich M s. gar S. Danach nur in S: 

Er sprach zu der selben stund 

Desz jst min herce in fraid vh in wnn. 

538 MSflsß. sach nach ime S. 

539 MSfls?. In M ^ioci Verse, er — mich] MfS. Hinter mich von andrer 

Hand wart: M. gelernet] M ye g. S. 

540 MSfls?. Sant SfM. der] MfS. 

541 MSfls?. lat— sfn] M Laussent michs S. 

542 MSs^fl. 

543 MSsf I|3. gen] öch gen S zu s auf den M. 

544 MSflsp. schiere] M och seh. S. 

545 MSs^fl- 

546 MSsflß. sprach Ms s. vil S. 

547 MSsfl?. 

548 MSfls?. 

549 MSsfl?. harte w.] hart M wol Ss. 

550 MSsfl?. 

551 MSsfl?. iu MsfS. 

552 MSßfls. künic] M k. sant S. 

553 MSs^I. 



2Q 

|E.V. s6i-S77| 

zwelf marc von golde röt, 
555 deme nieister er die gebot. 

der künic den meister sch6ne beriet, 

vröliche er von dannen schiet 

heim ze den kinden sin, 

daz habet üf die triuwe mtn. 
560 d6 sprach der rabe m6re: 

,h6rre nü volge mtner ISre, 

nü lä niht langer beltben 

unde heiz dir briefe schrtben 

hin über des meres vluot 
565 ze der werden küniginne guot» 

daz si daran müge beschouwen» 

diu schoenste obe allen vrouwen, 

vlizic den werden dienest din, 

nü süme dich niht langer lieber hdrre min, 
570 vertige mich von hinnen 

ze der edeln küniginne!' 

der milte künic Oswalt 



554 MsfflS. von — röt] M rotes goldes s goldes ß. 

555 MSsJifl. In S ^vei Verse. Dem maister' sinen lön 

Den gab der kUnig dem maister schon, 
die S(S) do M. gcb6t] M gab s(3). 

556 MSfls?. in S nach 557 der — schöne] M Vnd sich mit fröden S. be- 

riet M bericrt S. 

557 MSsif I. Vil SfMs. 

558 MSffls. 

559 MSfls?. habet] M hab S. 

560 MSsfls. 

561 MSsflß. volge] M volget Ss. 

562 MSfls?. nü] M Vnd S. 14] M lausscnt S. 

563 MSsfl[l heiz] M heizzet Ss. dir M uch am Ramie s die S. 

564 MSflsß. des M d. wildesz S. 

565 MSsfl^l werden Ms edlen S. 

566 MSflsp. beschouwen] M schowen S. 

567 MSfls?. 

568 MSfls?. vlizic] M Mit flisz S. den S die den M. 

569 MSsf Iß. sume dich] M sument Uch S siimet mich s. 

570 MsflSß. vertige] M jr fertiget s. von h ] M hin s, 

571 MflSs?. 

572 MSsßfl. künic] M k. sam Ss sant ß. 



^0 

I E.V. 578-5991 



gie ze stneme schrtbaere halt: 

,nieister ir sult niht län beUben, 
575 ir sult mir briefe schrtben 

hin über des wilden meres strän 

ze der küniginne lobesam.' 

der brief wart schiere bereit, 

sant Oswalt stn insigele daran leit 
580 unde stricte deme raben under daz gevidere stn 

[unde darzuo] ein guldin vingerlln 

mit einer sidiner snüere, 

er solte ez über mere hin vüeren. 

er sprach: ,mtn lieber rabe, 
585 nfl merke rehte, waz ich dir sage: 

nü sende dich der himlische vurste guot 

hin über des wilden meres vluot 

ze der edeln künigin, 

s6 sage ir den getriuwen dienest mtn: 
590 nü sage der küniginne vri, 

daz mir äne got niht lieber st, 

danne mir ist ir werder Itp, 

si sol, obe got wil, werden min wtp: 

wil si kristengelouben hän. 



573,74 MSris?. 

575 MSspfl. 

576 MSfls?. strdn] trän S flüt M. 

577 MSflsil 1( Uniginne] M edlen k. S. 

578 MSris?. 

579 MSs?ri- 

580 MSsi^ri- ''«"™«] M jn d. S dz dp s. 

581 MSspfl- ""<^« «darzuo MSsO). 

582 MSs,!f I. 

583 MSfls?. Vii STM. hin MfS. 

584 MSSt^fl. sprach MfJ s. nü hör' S sprach do Nu wol hin s. 

585 MSfls?. nü] M Vnd S. 

586 MSsf 1(3. vurste guot] S fUrste got s hailat M. 

587 MSsßfl. wilden S(S(il)rM. vluot] S tron M. 

588 MSs^fl- 

589 MSs,3fI. jo] M Vnd S. getriuwen Ms trwen S. 
5P0 MSfls?. nü] M Vnd S. der] M öch der edlen S. 

591 MSSiSfl- "^*^*] S selber nicht M niemnn S,3. lieber S? liebers Ms. 
592,4 MSspfl. 



31 

I E. V. 600—617 I 
595 daz sol si mich wizzen län, 

s6 bringe ich zesamene ein michel here 

unde vare ndch ir über mere.* 

der rabe sprach ze deme harren: 

.waz ir ir enbietet daz sage ich ir geren, 
GOO ich wil ir allez niht verdagen, 

ich kan ir allez samt wol sagen, 

bitte nur die himlischen küniginne, 

daz si mir vr61iche helfe von hinnen 

unde her wider von deme heidnischen man, 
G05 daz er mir niht gewinne daz leben an/ 

er gap ime sant Johannes minne 

unde empfalh in der himlischen kUniginne. 

er sprach: »lieber hörre min 

ich empfilhe dich gote unde der lieben muoter sin, 
GIO dich unde alle dtne dienestman/ 

dämite schiet der rabe von dan. 

daz urloup was schiere zergän, 

der rabe schiet schiere von dan. 

von der bürge was ime gäch, 



595 MSsflß. 

596 MSsflß. michel SsfM. 

597 MSsfli^. über Ms hin U. S. 

598 MSSttf 1. der r. sprach Ms^^ Do sprach der r. S. 

599 MSsf Iß. ir enbietet Ms mir enpfelchent S. daz — geren] S ich sag Irs 

g. M d£ wil ich tr gern sagen 8. 

600 SsfMlß. ich — verdagen] S vn ir nichtes v'swygen s. 

601 MSrisß. samt] MfS. 
G02 MSsfl?. 

603 MSsf 1(3. si mir Ss ich M. vrdlfche /tarA helfe S. helfe Ss körn M. 

604/5 Ss^Ml. unde — an] S vn auch herwider von de heidischen (aus heide- 
schen) könig dz er mir nit min leben nemmc S vilere (pring b) dich 
got der almähtige gesunt her wider zuo mir 'fi. 

606 SsfMIß. er] S Sant Oswalt s. 

607 SsfMIß. himlischen Ms himelschlichen S. 

608 MSsßfl. er MS der rabe s(,3). lieber Ms vil 1. S. 

609 MSsßfl. dich] ß die M dich ouch Ss. lieben MsßfS. 

610 MSsuflb. 

611 MSsfl?. 
612/13 MflSsß. 
614 MSs,3ri. 



32 

I E.V. 618 -638! 
615 sant Oswalt sach ime vaste hin nach, 

er sprach: »himlischer trahtin, 

ich empülhe dir den boten min/ 

nü vlouc der rap 

mere unde lant unze an den zehenden tac: 
620 an deme zehenden tage ze n6ne 

d6 swebete er obe deme mere schöne. 

der rabe vlouc mit Sren 

in deme dienste sines lieben harren, 

er vlouc, daz ime sin kraft entweich 
625 unde in gr6ziu mUede ersleicl\. 

sin kraft was ime entwichen, 

in hete diu müede ersuchen, 

daz lät iuch niht ein wunder dünken: 

er vlouc zehen tage ungäz unde untrunken, 
630 er was gevlogen vaste 

unde hete ouch gerne gerastet. 

üf einen höhen stein er gesaz, 

der üz deme wilden mqre gewahsen was, 

in hete diu müede unde der hunger 
635 sines lebennes nähent betwungen. 



615 MSsffl. sänl O. Mß Der liebe s. O. s Die her'en S. sach Msß schwelet S. 

hin MfSsß. 

616 MSsfl?. 

617 MSsflß- den Mß d. Heben S. 

618 MSsßfl. nü Ms Do s Da mit S. der Msß <i. edel S. 
619/21 MSspH- 

622 MSflsfi. mit M do m. S. 

623 MSflsß. 

624 MSsflß. daz Ms vnc« S. ♦entwäch S. 

625 MSsfl?. gr6ziu] M(s) ain g. S. »arschläch S. 
626/27 MSff Is. 

628 MSrisß. 

629 MSsJifl. rehen tage] M die r. t. s vnc« an den X t. S. ungaz] M un- 

gessen Ss daz er niht .... az [i. 

630 MSTIsß. 

631 MSpfls. 

632 MSsßfl gesaz] M saz Ss. 
633/34 MSs^ifl. 

635 MSs^fl. sines I.] Sin leben S. nahent] b nahet Su hart M also S. 
betwungen Ms benomen S. 



33 

f E. V. 6 39-65^ 1 

daz er kein vröide niht mohie gehaben, 

er begunde trüren unde klagen. 

des raben klage diu was gr6z, 

ein visch ze deme steine gevI6z: 
640 d6 der rabe den visch erbhcte, 

von vröiden er d6 erschricte, 

sin gevidere er erswanc, 

nach deme vische stuont aller stn gedanc . 

deme raben ez wol ergie: 
645 den visch er under die kldwen gevie, 

er vuorte in üf einen höhen stein, 

gotes hilfe db wol erschein. 

aller n6t hete er vergezzen, 

den visch begunde er ezzen. 
650 ein wildez merwtp in ersach, 

davon mSrte sich des raben ungemach: 

daz selbe merwtp 

gie ime nach ein lange zit. 

deme raben ez niht wol ergie, 
655 daz si in bi den vüezen gevie: 

si vuorte in an der selben stunt 



636 MSsflß. mohte Ms kund S. gehaben] M haben Ss. 

637 MSsßTl. trüren] M fast t S. 

638 MSrisß. 

639 MSs^I. ze Ms hin z. S. gevldz] M vl6z Ss. 

640 MSs?ri. d6 SsTM. 

641 MSsfl?. d6] SsfM. 

642 MSsflß. 

643 MSflsß. aller] M jm S. 

644 MSfls?. wol M vil w. S. 

645 MSs^l. under die kldwcn] vnd' die clappn M jn sin clawcn s zwische 

der klatten u schier' Sf b. gevie] S vie Ms. 

646 MSsßfl- einen] M den Ss^). 

647 MSpTls. 

648 MS^Is. aller] M A. siner S. er vor hete S. 

649 MSsff I. ezzen Ms(?) frölichen e. S. 

650 MSs^I. 

651 MSf~IS(3. sich S si M. des r.J M sin S. 

652 MSrisß. 

653 MSspTl. Die SfM. ein MfS. 

654 MSris?. 

655 MSsßfl. gevie Ms fieng S begreif ß. 

656 MSSt^I. an M do by S. 

Rmesecke, MAnchener Oswald 3 



^4 

I E.V. 660-679 i 



hin in des meres grunc. 

d6 er nü in daz merc was komen 

unde daz die andern heten vernomen, 

660 d6 begunden si alle gen ime her gähen 
unde in gar wirdicliche empfähen. 
diu in in daz mere hete bräht, 
der was vröide mit ime gedäht, 
diu sprach: ,luoget lieben gespilen min, 

665 daz mac wol ein engel stn, 
der himlische heilant 
hat in uns her gesant, 
durh den himlischen vursten hSre 
sulen wir ime erbieten gr6ze ^re.* 

670 d6 sprächen diu andern merwtbe: 
ydise rede ]ä beltben, 
wände ez mac kein engel gestn, 
daz habe üf die triuwe mtn, 
ez ist niwan ein wilder vogel, 

675 wir möhten wol mit ime werden betrogen.' 
nü sprach ein ander merwtp: 



657 MSspri- in Ss ain zu M üf ß. 

658 MSsffl. 

659 MSs^fl. daz] S es s in M. 

660 MSsfIß. gen — her] M her nach jm S dar s. 
(••61 MSsflß. wirdicliche Ms wirdenklichcn S. 
G62 MSsiflb. 

663 MSsflß. geddht] M erdacht S. 

664 MSspfl. diu spr.] Su(b) vnd sprach sfM. 

665 daz Ss ditz b der vogel lu Da M. wol ISsß vil w. M. 

666 MSsßfl. Waii SfMs. 

667 MSs^fl- Der SfMs. 

668 MMkSsfIß. vursten h. MS fürsten s her Mk. 
6(59 MMkSspfl. Dar vmb SfMMks?. 

670 MMkSsßf I. sprachen Ms sprach MkSß. diu andern MMks ein ander Sß. 

671 MMkSsfl?. Dese Mk die MS(s) U MkS 1. also M. DamuA mir w \: 

Nain sprach den piligrein 
Mir ist vmb den vogel wol kUnt 
Sprach der pilgrain warmuL 
G72 wände MMkSsf I. ez MMkSsb daz lu gestn MSs niht gesfn Mkß sein I. 

673 habe IS habet MMk. 

674 Wände SiSfMIMks. niwan Mk nur MI nü S süst sfß. 

675 wol MkSs vil lilite ^["Ml. mit ime MlSsfMkß. betrogen MISs? getrogenMk. 
67ü nu MIS dö Mks. 



_35 

I E. V. 680— 70' I 



,rabe kurzwlle uns eines, wände daz ist an der zii!' 

d6 diu bete vol geschach, 

nü hoeret, wie der rabe sprach: 
680 er sprach ze den merwtben: 

,kein kurzwtle kan ich niht getriben, 

ich diene deme muten künic Oswalt, 

nü ist ez üf mines harren hofe als6 gestalt, 

daz niht kurzwtle trtbe kein varender man, 
685 er müeze vor gäz unde getrunken hän: 

vrouwe heiz mir ze ezzenne unde ze trinkenne geben, 

s6 mac ich deste baz kurzwtle pflegen, 

beide kaese unde brdt, 

des ist mir fizermäzen n6t, 
690 heiz mir geben semele unde guoten wtn, 

vrouwe durh die öre dtn, 

unde darzuo einen brüten guqt, 

davon werdent varende liute gar wol gemuot.' 

diu vrouwe sümte sich niht m6r, 
695 balde hiez sie tragen her 

semele unde guoten wtn 



677 rabe MIMks lieber r. ßf S. kunwüe uns MIs kurze uns die wtle Mkßf S. 

eines MIsfMkSß. wände MkSfMI. daz MS ez IMk. an der MI nü 
an d. SfMk. Danach mtr in S: Dass wir wend kurtzwil triben: Vü 
dar by an ander beliben. 

678 bete MIMk red S. geschach MIS geschahen Mk. 

679 mS vor 678, <ii€ richtige Stellung durch Zeichen angedetttet, nü MkSfMI. 

boeret MIS muget ir boren Mk. der MS c16 d. IMk. 

680 ze MkSß hunz M hin zu I. 

681 kurzwtle MISs kurzweit Mk. kan MISs mag Mk. ich vor kan S. ge< 

trfben MI trfben MkSs. 

682 *diene] den Mk. kUnic MIs k. sant S. 

683 DU MSs Hie I. ez MSsfl. 

684 niht MIsß kain S. kurzwilc trfbc ß k. tribet Ss kurzwtle MI. varender 

sß varfi M vremeder IS. 

685 vor Ssßf MI. gäz] M gezzcn Isß yc gessen S. getrunken MIs trunken S^S. 

686 heiz Is heizet MS. mir ze MSsu mir I. 

687 deste baz MSs wol, vor pflegen I. 

690 g.ben — wfn MS pringn wein vfi prat I. 

691 durh MI wol d. S. Danach nur in I : Vnd dar zu semel vnd wein. 

692 unde MSfl. 

693 varende] M vrcmede IS. gar MlfS. 
695 Vil SfMI. 51 vor hiez S. 

3^ 



3fi 

I E. V. 702— 720 1 

unde waz da reines mohte gestn, 

zamez unde wiltbrjvele, 

guoter koste allez geraete, 
700 der allerbesten sptse genuoc, 

s6 man ez den vrouwen her truoc. 

alse der rabe geaz unde getranc, 

6rest gewan er manigen gedanc, 

wie er mit allen sinen sinnen 
705 den vrouwen üz deme mere möhte entrinnen: 

er sprach: ,liebiu vrouwe m!n, 

möhtest du schouwen durh die triuwe dtn, 

sich hin umbe an dirre stunde, 

waz hebet sich Wunders an des meres gründe? 
710 grözez wunder beginne ich sehen 1' 

also begunde der rabe jehen: 

,got wil volvüeren sinen zorn, 

alle diu werlt hat ir leben verlorn!' 

des ersch rieten die vrouwen sSr, 
715 nü wart in ze schouwenne also ger, 

si wolten ervaren diu maere, 

waz Wunders in daz mere komen waere. 



697 waz MI dasz S. da MS das I. reines] Raines M zfimesz S peste I. 

mohte MS mag I. 
(198 MSsßTI. wiltbr. Mß och wildprait S. 
C99 MSfls?. allez] M aller S. 

700 aller-MIfS. 

701 so] M Alsz S Sam I. ez MlfS. her MS für I. den IS der M. 

702 getranc MIs tranck S. 

703 erest MIs Aller erst S. manigen gedanc MI m. danck S vil gedenckens s. 

704 allen STMl. 

705 den vrouwen nach möhte MI. üz - mere SsfMI. 

706 liebiu MIsi?) vil 1. S. 

708 Vnd SfMI. dirre] d' M der I diser S. 

709 sich ISs3 si M. 

710 grözez MI|3 Grose S. beginne] pegind M begund IS. 

711 der r. IS er M. 

712 volvüeren MI uerfUren S. 

714 erschricten MI erschräken Ss. 

715 nü MI unde Ss. 

716 MlufSsb. 

717 Mlsi^fS- mere IsfM. 



37 

I E. V. 721 - 739 



alse die vrouwen hin umbe sähen, 

d6 begunde der rabe gähen, 
720 er sümte sich niht m6r, 

ime wart abe denie tische ger, 

sin gevidere er erswanc, 

flz deme nsere stuont aller sin gedanc, 

er satzte allez sin getrabte, 
725 wie er fiz deme mere komen mähte. 

nü half ime der himlische trahttn, 

daz er zesamene sluoc obe deme mere daz gevidere sin 

in aller der gebaere, 

alse er nie in kein wazzer komen waere. 
730 des raben vröide wol erschein, 

er vlouc dahin flf einen höhen stein. 

alse er fif den stein was komen, 

d6 wart ime leides vil benomen, 

d6 treip er einen ungevüegen schal, 
735 daz ez hin wider in daz mere erhal. 

daz heten d6 die vrouwen erhört, 

si sprächen: ,nu st wir alle betört 

von deme listigen vogel 

s! wir alle samt betrogen.' 
740 die vrouwen alle umbe her blicten, 

i\s MIsfTS. alse MI vnd do s. 
719 MlspfS. 
720/21 MlfSs?. 

722 er MI Der rapp vor sin S. 

723 aller MSfl. 

724 MSflsß. getrabte] M gedanck vn getr. S. 

725 MSf Isß komen] M entTinnen S. 

726 der IS das M. himlische MI hiroclschlich S. trahtin IS kind M. 

727 in M zwri Vtrse, zesamene sluoc M : I [sich vsz dem mere] sluge s macht 

[sich auz d. wilden m.] u erschwang Sf b. obe mer nach er I. sin MSf I. 

728 der gebaere MI maze Ss. 

729 in S zum vorigen Verse, alse] Is Alz nie M alsz ob S. nie vor komen S. 

730 wol MI do w. S. 

731 dahin MI hin Sfs. üf Mlb wider üf Ssu. einen M den ISs(i^). hdhcn 

MSsTI?. 

734 Vnd SfMI treip MI He Sß dett, darüber t s. do nach lie S. 

735 ez ISs er M. hin MSfl. 

736 dd vor erh6rt S. heten MS het I. vrouwen fASsj^ fraw I. 

737 sprachen MSs sprach Iß. 

740 umbe her] 1 her vmb her M vmb sich S vmb u. 



38 

[ E. V. 740-766" 

6 wie harte si erschricten! 

dö in der rabe entruonen was, 

iegelichiu ir vröide gar vergaz. 

diu in mit ir in daz tnere bete bräht, 
745 diu sprach: ,nü was mir vröide gedäht, 

daran ist mir misselungen, 

stt mir der rabe nfl ist entrunnen» 

6 w6 daz ich ie wart geboren 

umbe m!nen raben, den ich als6 hän verloren I 
750 mincn herzenlieben raben 

dfn kan ich niemermire verklagen! 

unde möhte ich ime komen als6 nähen 

unde in möhte wider vähen, 

ich vuorte in an der selben stunt 
755 lier wider in des meres grünt, 

er müeste bi mir bestän, 

die wile ich daz leben möhte gehän.< 

an der [selben] vart 

daz der edele rabe erhört 



760 unde von vröiden er sich üf geburte. 
d& sprach der edele rabe: 
,vrouwe nü lä dtn gr6ze klaget 
unde gulte ez danne das leben dtn. 
ich quaeme niemermSre ze dir hin: 

765 zewäre ich wil vliegen üchöne 
hin in das lant gen Aröne 
unde wil werben mit €ren 
Oswalden mineme heben hörten.* 



741 Vc I. si MI si da' ab S. 

743 gar Ml da gar S. 

744 daz MSfl. mere Ml wasser S. bnUit IS gepracht M. 

745 gedaht MS erdacht I. 
746/49 SfMIs?. 

750/51 STMIStS. Nach 752/53 S. 
752/55 STMIsß. 

756 SfMIsß. bestdn] stan S. 

757 STMIsß. 

758 SfMIsß. selben fS. 

759 SfMIs[i. In S tum vorigen Verse, 
7G0-68 STMIsß. 



E. V. 767—800 



unde nfi vlouc der edele rap 
770 mere unde lant unze an den vünften tac, 

an deme sehsten tage ze n6ne 

d6 quam er ze deme künige Ar&ne. 

der rabe in höhen vröiden lebete, 

hoeret, wie er obe des küniges bürge swebete, 
775 einez hin, daz ander her: 

ime was ze schouwenne als6 ger. 

der rabe langer niht vergaz, 

zwischen zwo zinnen er dö saz 

üf die burcmüre, 
780 dö begunde er sich vröiwen unde trüren. 

er sach wider unde dan, 

dö sach er hunde unde heidnische man, 

dö begunde er schouwen unde spehen, 

obe er die juncvrouwen iendert künde sehen. 
785 si was gar ir vater zart, 

er hete si in ein kamer verspart, 

üf si gie kein liehtschin, 

wane durh diu gleserin venster hin In. 

mit vier unde zweinzic juncvrouwen guot 
790 was si ze allen zlten wol behuot, 

die beten ze allen stunden 

an vier schefte gebunden 

einen pfeller, der was röt unde wiz, 

den truogen si obe der küniginne mit vliz, 
795 wanne si ze deme tische wolten gdn, 

so muosten si den pfeller obe ir hän, 

daz der wint noch der sunnenschin 

niht möhte genähen der künigin. 

der edele rabe daz ersach, 
800 hoeret, wie er wider sich selber sprach: 



769—86 STMIsß. 781 unde] vmb S. 

787 SfMIsß. schin] schain nicht: Alsz vnss dasz buch vergicht S. 

788 SfMIsß. Danach in S: Schain der tag uff die kuinggin. 

789 STMIsß. 

790 SfMIsß. Danach m%\ Vier herzogen dar vnder. 

791 SfMIsß. 

792 SfMIsß. an v. seh.] On wirtschaflft S. 
793/8 SfMIsß. 

800 er — selber MS er selber ru in I. 



40 

E.V. 8oi— 823| 

,waerliche, diu küniginne guot 

ist vor mir rehte wol behuot, 

die stolzen küniginne 

mac ich der boteschefte niem^re bringen inne: 
805 wolte ich in der ahte ze ir komen, 

s6 wurde mir Ithte min leben benomen: 

ich muoz ez klagen iemerm^r, 

daz ich ie bin komen her, 

ez si mineme hörren leit oder zom, 
810 s6 hän ich alle min arbeit verlorn!* 

als6 redete wider sich selben der rap: 

,vlüge ich vtir den künic in den sal, 

s6 rastet er noch unde ist ein grimmiger man, 

er gewunne mir llhte mtn leben an, 
815 ich wil biten, unze er geezze unde getrinke, 

s6 muoz ime der unmuot sinken: 
'ez wart kein kristen nie s6 guot, 
t wanne in hungert, er si ungemuot.' 

daz ezzen truoc man üf den tisch dar, 
820 des nam der rabe vil ebene war: 

d6 man die lesten rihte dar tmoc, 

der rabe sich üf den tisch huop. 

d6 er üf den tisch was bekomen. 



802 vor MSs von I. 

803 die MI der S(s). 

804 der MI die Ss. niemere MS halt n. I nit s. inne MlfSs. 

805 Den SfMIs. dhte] I acht M nacht s nach S. 

806 mir ISs mich M. lihte] M villycht sflS. benomen MS genomen Is. 
809 leit o. z. Ml lieb o. z. S wol oder we s. 

811 MSfls?. selben] M selber S. 

812 ich ISs jch nU M. in den sal Ms i. d. s. herab S ich v'zaget I. 

813 vastet] s vast MI vahet S. noch Ms mich Sfl- unde] M den er Sfl- 

grimmiger Ms grimmer S zarnig I. 

814 gewunne Ml gewinnet S nymmet s. lihte MI villycht sfS. 

815 unze] S hincz I bifz s biz daz (da* übergeschrieben) M. er MIs si S. 

geezze] M gessend S ezze I hat gessen s. getrinke] M trinche I trinckent 
S getruncken s. 

816 ime Mls vö jn vor sinken S. der SsfMI. unmuot Is vngemUt AÄfS. 

817 Zwar SfMI. nie vor kein S, 

818 si MI ist vil S ungemuot IS zorangs müt M. 

820 ebene Ss guot MI. 

821 dar MS üf den tisch I vor die, s vUr den kUnic ß. 

822 üf d. t. MSsß dar I. 

823 bekomen M komen IS(s). 



41 

E. V. 824—840 

alse wir ez sider hän vemomen, 
825 d6 sprach der rabe: ,der den himel hat besezzen 

der gesegene iu heidenen iuwer trinken unde ezzen. 

dämite begunde er neigen schöne 

deme tlchen künic Ar6ne, 

tougenltcbe mit den ougen sin 
830 gruozte er die jungen kUnigin, 

mit als6 guoten sinnen 

neicte er der alten küniginne, 

dämite k€rte er sich umbe in den sal 

unde neicte deme hofegesinde über al. 
835 die heidnischen man 

sähen an einander an, 

si sprächen: ,nü müeze wir alle jehen, 

wir hän klüegem vogel nie gesehen.* 

also vräcten ritter unde knehte: 
840 fkan uns ieman gesagen rehte, 

der uns beschiede der maerc, 

wes der kluoge vogel waere?' 

dd sprach ein heidnischer hofeschalc, 

der was von arte ein rehter wechselbalc, 
bij er sprach: ,ir heiden alle sant 

des raben vart ist mir wol bekant: 



824 cz MSfl. sider] M sit IS. 

825 d6 MIs Er S. 

826 heidenen MIßfSs. iuwer MS daz Isß. ctzen] MIß trinken unde (dz s) e. Ss. 

827 neigen MI sich neigen Sß. 

828 Gegen SßfMI. 

829 tougenliche Mu Tugenklich S tugentliche Ib. 

830 fein: IfMSß. 

832 in S zw» Varizen Verse, 
(»33 dÄmite MIu d6 Sb. 
aS5 man MlfS. 

836 in S zum vorigen Verse. Die Sf ML an - an MI fast in an S. 

837 alle MI also S. 

838 klttegem IS clttgn M. 

839 als6 MI Ze band S. vracten] I fragtent jn S retten M. 

840 ieman MI nieroant S. 

841 MlfSsß. 
842/43 MlßTSs. 

844 MlfSsß. wehselbalc] wess wechsselpalk M awzvelpalch I. 

845 MlßfSs. sant] M gesämpt I. 

846 MlßfSs. Zewdre ßfMI. 



42 



mich triegen danne die sinne min, 
er ist gesant nach der jungen künigin.' 
der rabe sprach mit eineme geschelle: 

850 ,der tii^el flz der helle 
klaffet ze aller stunde 
dir fiz dtneme valscheme munde 1 
daz dir din mfll verwahsen waere, 
daz dflhte mich ein liebez maere: 

855 daz du keinen rät möhtest gegeben, 
die wile du hast dln valschez leben 1' 
er' sprach: ,ir beiden alle sant 
mtn vart tuon ich iu bekant: 
ich bin gevlogen balde 

860 her von eineme vinsterme walde, 
ich hin Sren vil vemomen 
unde bin üf genäde her komen, 
daz mir der künic gebe bröt unde wtn 
durh die gr6aen 6re sin.' 

865 er sprach als6 €ch6n, 
der rtche künic Ärön: 
fbist du durh min hüs^re her komen, 
triuwen daz hftn ich gerne vemomen: 



847 MlpfSs. 

848 MlßfSs. gesant MI ze boten her g. ß. nach] M se Iß. der Mß dir I. 

jungen MßTI. 

849 MlßfSs geschelle] M scheUe I schalle ß. 

850 MlßfSs. i«] I in M. 

851 MlßfSs. klaffet] Mß Cblaffet dir I. 

852 MlßfSs. dir] Mflß. 

853 MlßfSs. 

854 MlufSsb. ein 1. m.] M ain lieber (r?)m. I gut so u. 

855 MlßfSs. gegeben] I geben Mß. 

856 MlfSsß. din valschez] M daz valsche I. 

857 MlßfSs. 

858 MlfSsß. 
859/60 MlßfSs. 

861 MlßfSs. vil vor eren I. 

862 MlßfSs. 

863 MßflSs. 
864/66 MlßfSs. 

867 MlßfSs. min hüsere Iß meines hau9 er M, 

868 MlfSsß. 



43 



wes d!n herze an mich begert, 
870 des solt du alles sin gewert.' 

der künic hiez springen, 

deme raben ze ezzenne unde ze trinkenne bringen. 

der kameraere sfimte sich niht m6r 

unde begunde ze ezzenne unde ze trinkenne tragen her. 
875 dd man ze ezzenne unde ze trinkenne brähte, 

der rabe sich einer vräge bedähte, 

an der selben stunde 

er den künic vrägen begunde, 

er vräcte in als6 sch6n: 
880 .sage mir rtcher künic Arön, 

wer izzet din br6t unde trinket dtnen win, 

deme tuost du doch niht an deme lebenne stn?' 

der künic sprach unverborgen: 

,rabe lebe nur äne sorgen: 
885 wer trinket m!nen wtn unde izzet mtn br6t, 

der kumet in deheiner slahte not: 

hie an deme hofe min 

solt du äne alle sorge sin, 
. dtn Itp unde din guot 



869 MlßfSs. din h. Mß du 1. 

870 MlpfSs. 

871 MIßfSs. kttnic] M her I. hiex] M h. palde I. springen] M springen I. 

872 MlßfSs. «e (2)] Mfl. bringen] Mß pringn I. 

873 MlfSsß. 

874 MlfSsß. begunde] M trug 1. ze(2)] Mfl. tragen] Mfl. 

875 MlfSsß. «] MTI. »e] Mfl. 

876 MlßfSs. 

877 MlfSsß. 

878 MlsfSß. er] M Der Rab I. 

879 MlsfSß. ^ 

880 MlsßfS. Ar6n MIß von Araon s. 

881 MlsßfS. ^drincket M. 

882 MlsßfS. doch Mßfls. leben Ms lebe I. sfn M(s) dein I. 

883 MIsßTS. 

884 MIsf Sß. lebe ~ Ine] M lebe on s du tarst nicht 1. 

885 MlsfSß. 

886 MlsfSß. deheiner] dhain' M keiner I(s). slahte] M slahe I. 

887 MlfSsß. an M auf I. 

888 MlfSsß. sorge] M sorgen I. 

889 MlsfSß. din] Is Den M. 



_u 

I E.V. 841-852 



890 ist bi mir rehte wol behuot.* 

d6 der rabe die rede vernam, 

wie harte er sich vröiwen dö beganl 

aller n6t begunde er vergezzen 

unde begunde vröliche trinken unde ezzen. 
895 alse der rabe geaz unde getranc, 

6rest gewan er manigen gedanc, 

wie er mit stneme getrabte 

den beiden der boteschefte innen bringen mähte: 

er sprach als6 schön: 
900 ,6 edeler künic Ärön 

du dunkest mich s6 ein vester man, 

daz ich dir min boteschaft nü niht langer verdagenkan. 

du wellest mir danne dtnen vride geben, 

beide mineme Itbe unde mtneme leben, 
905 s& wolte ich dir sagen drät 

waz man dir enboten hat.' 

der beiden sprach ein stimme gröz, 

daz ez in deme hüse erd6z: 

,du bist gar ein listiger vogel, 
910 ich furhte, ich werde mit dir betrogen l 



890 MlsfSß. bi U pein M. rehte] Mfls. 

891 MlsfS^ der r. Ms er I. ' 

892 MlsfSß. wie harte] M sers Zehant I. d6 Mfl. began] I begunde Ms. 
893/4 MlsfSß. 

895 MIsfSß. geaz u. g. Ms tranck vnd gas I. 

896/97 MlsfSß. erest — getrabte] M Do trachtet er wie er s. 

AUez laides er gar vergas 

Er gedacht in sein« gedecht 

Wie er I. 
898 MIsf Sß. wie er su diesem Verse 1 vgl, zu 896/97. den (de s) heiden Ms dem 
cimnige I. der M die I sin s. bringen mähte] M in precht I fUr geleget s. 

900 in S 3ttw vorigen Verse, 6 Ms O du Sfl- 

901 MlsfSß. s6 ein] ain M so gar 1 so s. vester m. MI herlich s. 

902 in S vwei Verse, boteschaft — kan] botschafftan: Nü nitt lenger uer 

dagen kan S b. niht gesagen kan MIs. 

903 du MIs Vnd jr S. wellest Ms woltest I wollen t S. danne dinen MI 

dann einen S den S. 

904 beide MlsfS. unde MIs vnd och S. 

90 '> wohe MIs wil S. dir MIs Uch S. •trat: S. 

906 dir MIs Uch S. enboten MSs gepoten I. 

907 ein MI mit einer Ss. 

908 erd6z] M erdoszt S erloz I erhalle s. 



45 

E.V. 853-876 



dannoch kan ich dir sta niht versagenT 
- du muost mtnen staeten vride haben: 

der 11p unde ouch daz leben d!n 

sol hän den staeten vride mtn.' 
915 der beiden sprach un verborgen: 

,rabe lebe nur äne sorgen, 

dimite wil ich £ren 

Mähmeten, mtnen lieben harren: 

unser got ist Mähmet genant, 
920 durh des willen habe einen vride üz deme lant/ 

dö sprach der listige vogel: 

,mit Mähmeten wurde ich harte betrogen, 
. der künde mir niht bi gestän, 

icli muoz einen bezzern vride hän.' 
925 er sprach: ,edeler vurste hSre, 

tuo ez durh dtnes landes Sre 

unde gip mir einen vride von hinnen, 

als6 liep dir st diu alte küniginnel' 

,stt du mich hast gemant 
930 an mtn vrouwen unde an mtn lant, 

s6 verzthe ich dir den vride niht, 

wie halt mir darumbe geschiht/ 

er sprach: ,stt ich dtnen vride hän, 

so wil ich dich wizzen län: 



911 sfn MsflS. versagen Ss gesagen MI. 
913 der] M dtn IS. 

916 nur MI nü vor lebe S. ine MI on all S. 

917 wil MI so w. S. 

918 Mehmeten] Machmet A machmetfi M Machoroeten I Magmet ß Machten S. 

919 unser IS Vser M. Mihmct] machmet MS machomet I. 

920 habe ein M habe IS. deme IS disem M. 

922 Mihmeten] machroetn M machomet I dinem got machmet S (dtn got 

Magimet ß). wurde MI bin S. ich MSf I. harte MI ganz S. 
928 künde MS chan I mac ß. niht MIß gancz nUcs S. 

924 *habn ban M. 

925 er «prach ISfM. edeler v. MSs edle fursten I. h^re MS b'ren 1. 

926 •Du M. ca MSsfl. 

9*29 Er sprach S Der kttnig sprach sfMI. gemant MSs(ß) genant I. 
931 den vride MIs desz fridsz S. 
832 geschiht ISsb beschiht M wirt u. 

933 sft MIs her* s. S. ich Ms jch nü Sfl. 

934 dich MIs d. nü S. 



46 ^ 

E. V. 877—902 



935 kttnic Oswalt in Engeüant 
h&t mich her ze dir gesant: 
nü merke h^rre, daz ist min rät, 
waz er dir bt nur enboten hat: 
dich bittet der liebe h^rre mtn, 

940 daz du ime gebest die tohter d!n. 

waerlkhe, deme h6chgelobeten degen 
solt du dtn tohter gerne geben: 
ime dienent krefdcüche 
zwelf künicriche, 

945 zwelf künige die dienent ime sch6ne, 
iegelicher under siner guldtner kr6ne, 
vier unde zweinzic herzogen h^re 
die dienent ime durh stn grdze 6re, 
sehs unde drtzic gräfen lobesam 

950 die dienent ime mit manigem werden man, 
niun edele bischofe 
die dienent ime fif stneme hofe: 
er pfliget wirde unde Sren, 
du solt ime dtn tohter geben geren. 

955 unde wirt dtn tohter stn wtp 
s6 ist ouch heilig ir beider Itp, 
si koment fiz aller schulde 
unde erwcrbent unser vrouwen hulde/ 
d6 diu rede vol geschach, 

960 der heidnische künic vür nider sach, 



Ü35 in ISs von M üz ß. 

936 Der SfMls. mich MSsß mit I. ze dir MlspfS. 

938 dir nach mir 1. 

941 höchgelobeten MSs hach geporen I. 

942 solt — tohter MSs Gen dem sohu ir dich ir I. geben MSs v'wegn I. 

943 dienent MSs sint - undertdn ß zu dienen 1. krefticlfche] M fröleich I 

werlichen Ssß. 

944 in S zum vorigen Verse, man Wol ISfMsß. 
950 Die MlfS. werden man Ms biderman IS. 
9J2 in S zum vorigen Verse, die] IfMS. 

953 eren] M grsser (so) eren S ere I. 

954 geren] MS here 1. 

956 ist IS Wirt M. ouch MlfS. 

957 üz aller MI usscr S. 

958 unser vr. MS gotes vfi sein' mutt' I. 



47 

I E.V. 903-921 

abe unser vrouwen er harte erschricte, 

zorniclkhe er fif blicte, 

er sprach: ,daz wil ich allen mtnen beiden klagen, 

den tiuresten, s6 ich si iendert mac gehaben, 
965 daz ich deme raben vride hän gegeben, 

daz muoz mich riuwen, die wtle ich hän daz leben 1 

ez riuwet mich als6 s£re« 

er redet mir an mtn £re: 

er beginnet mir sin vrouwen vür nennen, 
970 der wil ich ze vriunde niht erkennen 1' 

also sprach der beiden an der stet: 

fdret unsem h£rren Mähmet 

unde setzet darnach alle iuwer sinne, 

daz der rabe niemSre kome von binnen!' 
975 der heidnische künic den vride zerbrach, 

davon m6rte sich des raben ungemach. 

mit der selben vart 

deme raben line unde türe verdrungen wart, 

man sluoc zuo venster unde tür 



961 unser] S vnssn, im Kustoden vnser I vnsz M. hatte MS sere Is vaste 

unde s^re ß. ersehricte MS enchrac sß erschrach I. 

962 zornicUche Ss Zornicleichen I Zornleichn M uz grozeme zomc ß. Af bl. 

MSß sach uff 8 da sprach I. 
9G3 daz wU ich MSsß ich w. ez 1. beiden MIsß haiden S. 

964 MSflsß. den - sd] M So balde S. iendert MfS Statt dieses Verses in I: 

Vnd wil in es auch nicht v'dagen. 

965 vride Ss v vft vrlaib M frid huld {aus hold X) I Sicherheit ß. 

966 Zwar SfMIs. muoz m. r. MI riuwet mich Ss. daz ISs mein M. 

967 Zwar STMI. 

968 er redet MSß der rabe rette s Vnd get 1. an Mlsß gar an S. 

969 nennen IS(ß) nero« M. 

970 vriunde MI(ß) fröd S. niht MIß halt nimer S. 

971 alsd MS Do W 

972 erct MS Er I. unsem Ss vnsizn I vnsern lYbn M. herren MSs got I. 

MAhmet MSs geschohn hat I. 

973 unde MS Ir h'ren I. alle SßfMI. 

974 rabe MSsßfl. niemere] M iendert S niht Is. koroe ISs chSm M. 
'J75 rerbrach Ms brach Is. 

977 vart M wart I vart ward dem rappen S. 

978 deme r. Mlf S, vgl. V, 977. line] lien M lienen I Getter S. tOre MI 

tor S. verdri.ngen wart] M v'spare I wardent tu geschlagen S. 



48 

E. V. 922— 942J 
980 starke rigel sch6z man dävür, 

a1s6 wart verslozzen daz hüs, 

der rabe roohte niendert fiz. 

dem raben wart ze vliehenne gäch, 

die beiden ilten ime vaste nach, 
985 mit allen stnen sinnen 

mohte in der rabe niendert entiinnen: 

diu w!le werte niht lange, 

der rabe wart gevangen. 

an den selben stunden 
990 wart er krefticlkhe gebunden 

mit hirzinen riemen, 

den raben half d6 niemen. 

der heidnische künic d6 niht enlie, 

den raben er an ein Stange gehie. 
995 er sprach: ,unde hete sin diu werlt gesworen, 

s6 muost du daz leben hin verloren/ 

alse diu junge küniginne ervuor diu maere, 

daz der rabe durh ir willen gevangen waere, 

einen sidtnen mantel si umbe gevie, 
1000 wie balde sie vür den vater giel 

si sprach: ,vater dich hint d!ne sinne betrogen 

an deme wunniclichen vogell 



980 rigel IS ridl M. sch6z] M schlosz S stiez I. dävOr IS für M. 

982 uz Mls(ß) kOmen dar vsz S. 

983 ISsfMp. 

984 vaste MIs bald S. 

985 Der rapp SfMI. 

986 in MI den haiden Sfs. der rahe MlfS. 

989 Vnd STMI. den MI der S. 

990 kreffidiche Is kröfftenklich S. chreftikleichfi M. 

991 •remen S. der kUnig do jn viengi: SfMIs^. 

992 MlfSs?. den] M Dem I. 

993 MlsfSß. enlie M lic I. 

994 gebie M hie IS. 

995 unde MSsfl. 

9J>8 durh — willen MI vö jren w. S von — wegen ß, 
999 MlßfSs. 

1000 vür IS ze Msß. 

1001 si sprach MS unde spr. sßfl. vater MlsßfS. dich hant Mß hfint dich 

ruuh sinne Is wie habent dich S. 

1002 wunniclichen MIsß minenklichen S. 



49 

E- V. 943-964 

nü hete du ime dlnen vride gegeben 

beide sineme Itbe unde stneme leben, 
1005 waz hast du gerochen, . 

daz du dtnen vride hast zerbrochen 

an deme edeln raben? 

des muost du iemdre schände haben 1 

verliuset er in deme vride daz leben sin, 
1010 daz stät übele an den Sren d!n 

unde muost sin ouch iemSre laster haben, 

wä man ez sol singen oder sagen: 

man sprichet, du slest worden triuwel6s, 

unde wirst niemSre deheines biderben mans gendzl 
1015 wie stät dir daz an? 

man sprichet, du slest ein vridebrechender man 

unde hast s!n gr6ze schände, 

wä du verst der lande, 

unde habe ez üf alle min dre: 
1020 du kanst dich ze guoten dingen geliehen niemermSre/ 

d6 diu rede vol geschach, 

der heiden zornicUche sprach: 

,ich sage dir ez, liebiu tohter min, 

ez gät ime an daz leben sin. 



1008 hete Ms b^t IS. 

1004 beide - ande MSs Du weitest im nicht schadii an 1. sineme Ms dem IfS. 

1005 MSflsp. Nu SfM. 

1006 MSßfls. dfnen Sß den M. 

1007 MSßTIs. 

1008 du MIß du dich (dich am Rande hierherbezeichnet) S. 

1009 Vnd SfMI. in deme vr. MSs in dem fride sein, über dem s ein d I. 

stn leben vor in Is. 

1010 stit MIs stant S. Ubele MIs vil ü. S. an Mf ISs. 

101 1 unde MS du Is. ouch vor sin I. laster MSs schände I. schände unde laster |3. 

1012 sol singen MI hört s. S singt oder sagt s. 

1014 niemire] M och yiner me S aus must ymmer I|~s. deheines] M keines Ss 

eines I. biderben mans] s bidermans MIS. - 

1015 wie MSs wie wol I. 

10*6 'sprechet I. vridebrechender Ms fridbrUchiger S pid' I. 

1017 grAie Ml och gr. S. 

1018 du verst MS man ez sagt I. der M auff dem I jn dem S. 

1019 unde MI Dasz S. ez — ere Ml vC miner ler S. 

1020 In S<M 1019. WanSfMI. kanst MS magst ß gelaichest 1. geliehen MSßfl. 

1022 zomicliche] s zorenklich S zornicleichn I zornleichn M üz zome ß. 

1023 ez] M das sflS. 

Baesecko, M&nchenor Oswald 4 



50 

E.V. 965-989 I 



1025 ich läze in niht langer leben, 

des wil ich dir min triuwe geben, 

danne unze an den morgen vruo, 

s6 gät ime gr6ziu sorge zuo: 

s6 wil ich in hähen halt 
1030 hin üz xiir den viiistem walt' 

si sprach: ,nein lieber vater min, 

alse liep dir min muoter müge gestn, 

1^ uns den raben mit deme lebenne von hinnen!' 

bat in diu junge küniginne. 
1035 er sprach, alse wir hoeren jehen: 

ytohter des mac niht geschehen, 

er ist gevlogen her 

flf mtn wirde unde üf mtn ^r/ 

si sprach: ,sit du den raben niht wilt läzen leben, 
1040 s6 wil ich dir des mtn triuwe geben: 

wanne du mich wilf geben eineme heidnischem man/ 

sprach diu küniginne lobesam, 

,daran begän ich niemfire den willen dtn, 

daz geloube mir lieber vater mtn, 
1045 ich muoz mich von hinnen heben, - 

vater des wil ich dir mtn triuwe geben, 

mit eineme spilman fiz deme lande, 

vater des hast du danne iem£re schände.' 

er sprach: ,du vüegest niht wol ze eineme spilwtp. 



1025 niht Mls zwar n. S. 

1026 dir Ss iu MI. 

1028 gr6ziu MI den gr. S. 

1029 Och STMIs. in MSsfl. 
1031 nein Mls min hercz S. 
1082 rottge g. Ml mag g. S sy s. 

1033 uns] I vns<:vs M hin usx Sfs. mit d. 1. MSsfl« 

1034 Also STMI. 

1035 wir MS w. noch I. 

1037 Zwar SfMIs. 

1038 wirde MIs trw S. 
1040 des ISsfM. 

1042 Also SfMI. küniginne MI jungkUniggin S. 
1045 Zwar SfMIs. muoz MS wil Is. 

1047 dz MSs(|3) auf I. deme Ss daz I disem M. 

1048 danne MS doch sfl. iemerc MSs groste .1. 
i049 wol MlsfS. 



51 ___^___ 

E. V. 990- loii 
1050 tz ist ze edele dir dln l!p, 

ich muoz dir der wärheite jehen: 

ich hän der spninge keinen von dir nie gesehen.' 

si sprach: ,darumbe darft du niht sorgen, 

wes ich hiute niht kan, daz lerne ich morgen.* 
1055 alse der künic erh6rt 

siner lieben tohter wort, 

er sprach: ,unde waere allez daz gevügel 

nach dir gevlogen her über, 

daz in Engellant mohte gestn, 
1060 ich gaebe dir ez, liebiu tohter min, 

wände ich hin nfl gesehen/ 

also begunde der beiden jehen, 

,wie dtn klage waere gestalt: 

der rabe roac wol werden alt, 
1065 wilt du sin niht entwesen, 

s6 mac der rabe wol genesen, 

bis niwan aller sorgen vrt, 

trac in wä er dir aller liebest sV 

diu junge küniginne niht enlie, 
1070 den varer sie liepltche umbevie: 

,stt du mir den raben hast gegeben. 



1050 ez MS Er I. ze MIs so S. dir d!n] M dir der I din hochgebor'ner* S din S. 

1051 Zwar Sf MI. jehen MI uenechen S. 

1052 keinen v. d. nie S v. d. selten ß nie chaine v. d. M noch nit v. d. I. 

1053 darft M darft I bedarftt S. 

1054 hiute ISß heint M. 

1055 alse Ml Vnd do S. erh. MI dass e. S. 

1056 SU 1055 MI. siner lieben tohter] S sein' tocht' I die M. 

1057 er spr. MSfl. unde MSsfl. daz MSsfl. gevUgel MSs g. flogen I. 

1058 MISsfß. I: Vnd nach dir gezogen, gevlogen MsfS. 

1059 gestn MSs sein I. 

1060 ich — ez Mls Dasz geh ich dir Ee S. 

1061 wände MIs Zwar S. nA Ss nur M newr I. gesehen MIs bes. S. 
1063 Nun SfMIs. 

1065 Vnd SfMIs. wilt du MSs Mocht I. 

1066 mac MS mOsz I. wol MI noch w. S. 
IC 67 niwan] nUme s nur MI mir S. 

1068 in MSs in hin I. 

1069 niht MI dasx n. S. 

1070 umbev. MSs^ enphie I. 



52 

I E. V. loia— 1033 I 

daz wil ich umbe dich dienen, die wUe ich h^ xlaz leben.' 

diu küniginne mit. ir selbes bant 

erlöste deme raben alliu stniu baot 
1075^ unde truoc in mit ir dräte 

in ir kemenäte. 

si sümte sich niht m&v, 

balde hiez si tragen her 

semele unde guoten win 
1080 unde waz da guotes mohte gesirt, , 

zamez unde wiltbraete» ' : 

guoter koste allez geraete, 

si hete den raben mit guoleme vltz 

mit trinken unde mit guoter spis< 
1085 alse der rabe geaz unde getranc, 

daz gevidere er üz einander erswanc» 

er sprach: »edeliu künigtn 

loese mir den brief unde daz vingerltn, 

daz hat dir b! mir gesant 
1090 kiinic Oswalt in Engellant. 

nü merke vrouwe, daz ist min rät/ 

waz er dir bt mir enboten hat: 

dir enbiutet der vurste vrt, 



1072 MlSsfß. In M nvei Verse, 1: Vat' daz dir behUt dein werdes lebn. 

daz -dich] MS so wil ich dir s. dienen: Ms uerdieoen S. icb hän 
daz leben] S ich leben s du hast dein 1. M. 

1073 kUn. IS iug k. M. ir selbes MI jrsz selber S. 

1074 erlöste MIs Lost S. so zohant: IfMS. 

1076 in S zu 1075. Ir Ssß ir pest M ir selbez I. 

1077 si s. MI Do s. si S. 

1078 Vi! SfMIs. balde MSs Peid I. si MS im L 

1080 dd guotes MS dez pesten I. 

1081 MSfls?. 

1082 MSfls?. Vnd SfM. DoftacA nur in lA'. Si het den rabii v'poign 

HuDtz an de newtfi roorgii. 

1083 mit I do mit S in M. guoteme MlfS. 

1084 trinken MI essen vnd trincken S. unde mit MlfS. 

1085 geaz MIs do g. S. getranc MSs trang tranck I. 

1086 er ISsßfM. erswanc MS swanc Is(3). 

1087 edeliu MIs vil e. S. 

1088 loese MIs loesct Sß. den brief MSs das briefel I daz briefelin ^ 

1091 vrouwe ISsfM. 

1092 waz MSs Wan I. 



53 

I E. V. 1034- 1055 

daz ime äne got niht lieber si, 
1095 danne iine ist d!n werder lip: 

du sok, obe got wil, werden sin wip. 

wilt du kristengelouben hin, 

daz solt du mich wizzea lin, 

s6 wil er zesamene bringen ein michel here 
1100 unde wil nach dir varen über mere. 

edeliu küniginne gemeit 

hü hin ich dir ez allez geseit, . 

des nntneme harren ist ze muot, 

nü merke ez werdiu küniginne guot 
1105 unde gip mir urloup von hinnen, 

des bitte ich dich edeliu küniginne: 

begriffe dtnen vater sin heidnischer zom, 

s6 muoste ich Hhte min leben hän verlorn 

mir hUnt die wilden beiden 
1110 atse vil getan ze leide, 

daz ich besorge mtneme lip: 

nü gip mir urloup du edelez wip/ 

d6 sprach diu edele küniginne h6re: 

,roin vater tuot dir niht m^re 
1115 an Übe noch an guot 



1094 got ISs g. selb' M. niht MIs niemant S. lieber MIs liebers s. 

1095 ime MSfl. 

1099 michel SsfMI. 

1100 dir MI d. her S. 

1101 Vil STMI. 

1103 des] M Wez I Wasz S. 

1104 werdiu ISfM. 

1105 unde MS Nu I. urloup MI vrlop bald S. 
IIOG edeliu MIs vil edliu S. 

1107 Den SfMI. begriffe] M begrifet IS. heidnischer MlfS. 

1108 lihte] M icht IfS. han vor mfn S. 

1109/10 MISfsß. S: Mir haben getan die wilder zelaiden. alse] M so I. 

getdn vor s6 I. 
IUI mfneme übe] M mines libes s mein lebn I mines leben S. 

1112 du — wip] M schönest w. S daz ich gen L Danach nur in S: 

Dar vmb vn jch nit me hie belib. 

1113 SsfMI?. edele] Sfs. h^re] Sfs. 

1114 dir MIs d. zwar S. Danach nttr in M: 

Daz glaub mir Rab auf mein er, in \\ D. gclawb m. Hb r. her. 

1115 Übe MIs dinem K S- guote Mls dinem g. S- 



54 

E. V. 1056—1079 



nim an dich vesten muot, 

kein urloup mäht du niht gehaben/ 

als6 sprach si ze deme raben, 

,du muost langer hie bestin, 
1120 des solt du mtn triuwe hän, 

unze daz ich mich berate 

beide vruo unde spite, 

wie ich mit grözen £ren 

dich heim sende ze dineme lieben harren.* 
1125 nü hete si den raben verborgen 

unze an den niunden morgen» 

mit ganzen triuwen si sin pflac 

beide naht unde tac. 

an deme niunden morgen vruo 
1130 d6 gie si deme raben zuo 

unde stricte ime under daz gevidere sin 

einen brief unde ein guldin vingerlin 

mit einer stdtner snüere, 

alse er ez heim ze lande solte vü^ren. 
1135 si sprach: »mtn lieber rabe 

nü merke rehte, waz ich dir sage: 

nü sende dich der himlische trahttn 

heim ze deme lieben harren din: 

s6 solt du ime niht verdagen, 



1116 an Ss nur an MI. vesten MI einen v. Ss. 

1117 du MIs d. noch S. gehaben MSs habn I. 

1118 als6 MSfl. 

1119 langer MIs noch 1. S. hie Ss hie pei mir M pei mir I. 

1120 min MI nü m. S. 

1 123 ich I ich dich SfM. 

1124 Ich MflS. dich MlfS. IC ISfM. lieben MSfl. 

1125 hete MSs hielt I. 

1127 •pflach I. 

1128 naht und tac vertottscht M. unde MI vnd och den $• *tach I. 
1130 d6 MlfSs. zuo MIs wider x. S. 

1134 alse— ez] M Dasz er esz S Daz soltu I. heim z. 1. MI Über mer S. 

1135 sprach MSs Si nu merk I. lieber vor min M. 

1136 nü — rehte] M Recht I Gar recht uemim S. waz MS alz I. V M. 

1137 Nun SfMI. 

1138 Hin SfMIs. lieben SsfMI. 

1189 s6 — du Ml Du solt S. niht Ml och n. S. 



55 

I E. V. 1080— iioo [ 
1140 du solt ime mtnen dienest sagen: 

sage deme werden vursten vt\, 

daz mir äne got niht lieber s!, 

danne mir ist stn werder lip, 

ich welle, obe got wil, werden sin wip. 
1145 nü sage deme vursten höchgemuot, 

mtn \\p unde ouch min guot 

süle ime werden undertän, 

an J6sum Rrist wil ich gelouben hän. 

rabe sage ime m6re, daz ist min rät, 
1150 wanne der winter ein ende hat, 

welle er danne nach mir über mere varen, 

s6 süle er sich wol bewaren: 

welle er mit gemache bestän, 
' zw^ne unde sibenzic kiele müeze er hän 
1155 unde alse manic tdsent ritter Srliche 

unde die sin alles muotes riebe: 

heiz in vüeren beide guot 

mit ime üf des meres vluot: 

waeren si des llbes niht biderbe, 
1160 ime quaeme ir keiner lebendic hin widere. 

1140 mtnen] I och ra. S m. getrewe M. 

1141 Vnd SfMI. sage MSfl. 

1142 ane got Ss an gotz selbs Mfl. niht lieber] M. nit liebers s och 

nietaant lieber S lieb nymät I. 

1143 danne MSs Wan I. 

1144 MISsfß. S: So lieb dasz jch hoflTjch werd s. eÜch w. welle] wel M wil Is. 

1146 ouch MSfls. 

1147 Dasz SfMIs. ^Ule] Sul M sol ISs. werden MIs allcsz w. S. 

1148 Jesum MlsfS. crist M {^ ISs. wil ich ISsfM. 

1149 sage ISs nu s. M. 

1151 welle sß wil MIS. danne vor er S. über mere vor nach mir S. 

1152 sUle] sol MISs. *si M. wol MI gar w. S. 

1158 Vnd SfMI. welle] Wel MI wil S. gemache] M mach I macht S. 

1154 kiele Ml k. die S. 

1155 unde MSsfl. ^rliche MI herlich Sfs. 

1156 unde MlfSs. die M die di Ss das si I. alles MS alle, vor sin Ifs. 

1157 in MS in palde I. 

1158 üf MS über I. meres MS wildes m. I. 

1159 Unde ISsfM. waeren MI sind Ss. libes] s l«b M lebesz S lebens I. 

1160 ime MI So Sfs. quaeme MI(ß) kumet Ss. ir ISsfM. lebendic MIs 

nit $. bin $ her MI hef s. 



56 

j E. V. iioi— 1I2I I 

heiz in des kieles mastbojum 

— unde heiz ime diu wort niht wesen ein troum — 

beslahen mit edelme gesteine, 

daz daz si luter unde reine: 
1165 war er vare des nahtes öf deme mere, 

er unde ouch stn kluogez here, 

daz ime daz edele gesteine erglaste 

volliclichen vierdehalp raste. 

nü heiz in äf die kiele tragen, 
1170 waz er ze aht jären süle haben, 

koste unde guot gewant 

ime unde stnen helden allen sant 

noch wil ich dir mfire sagen: 

einen überguldeten hirzen muoz er haben. 
1175 nü sage deme vursten hochgeboren, 

kome er her äne dich, sin arbeit st gar verloren. 

herzenlieber rabe min, 

nü kum her wider mit deme harren din: 

ich wil dir Ithen unde geben, 
1180 die wile ich hän daz leben.' 

er sprach: ,mit mineme lieben hSrren 

1161 in ISfM. mastboum MSjS naspant I mausz buwen S. 

1162 MISfsß. S: Vnd lausz jm nit die fartt sin ain träm. wort] vart MI. 

1163 beslahen] MIs Och solt er die kiell buwen S. edelme gesteine] edeln 

Carfunckel steynen s (veinen carfunkelstein ß) mit rotten gold fin $• 

1164 daz si MI esz si allesz S. 

1165 »War er vor M. 

1166 euch MSfl. 

1167 daz e. g.] daz schon M gab die edel stain I dess edlen stainesz S. er- 

glaste] M glast IS. 

1168 MlSfsi^. S- Hcl^ uerfieren die grossen rast. Vnd IfM. volliclicheD] 

volicleich I Vollichleichii lawcht M. 

1169 nü MI Vnd Sfs. die Msß den If"S. 

1170 waz MS(S) Daz I. süle MS welle I. 

1171 SsfMIß. unde S und och S. 

1172 a. s. S allen s guot MI. Danach in I: Daz si von allem laid sein wol pehut. 

1175 nü s. MI Vnd s. S Sag auch s. 

1176 kome Is kumt jÜ quaeme MS. her MI herüber s über mere ßfS. sin — 

gar] M sin arb. sy 8 s. a. wer I so sy s. a. gantz S so ist alliu s. a. ß. 

1177 MSsfl. Vil SfMs. 

1178 nü MSfls. 

1179 ich — dir MI Dar vmb so wil jcb dir S. 

1180 daz IS min M. 



57 

E. V. II 22 — II45 

kume ich .her wider rehte geren: 

begere.t sin der hSrre mtn, 

min helfe sol tme unverzigen stn. 
1185 vrouwe du solt mir ein urloup geben, 

ich wil mich heim ze lande heben.' 

si gap ime sant Johannes minoe 

unde empfalh in der himlischen küniginne. 

der rabe urloup nam 
1190 von der küniginoe lobesam, 

er hete niem^re reste 

unde Ute von der veste. 

nü vlouc der edele rap 

mere unde lant unze an den zehenden tac. 
1195 an deme zehenden tage ze n6ne, 

d6 swebete er obe deme mere schöne: 

nü sante das himlische kint 

einen ungevüegen stürm winr, 

daz sich der rabe dri stunt Übergap, 
1200 unmäzen gr6z was sin klac: 

er mohte sines vluoges niht mSrq gehaben, 

des begunde er trüren unde klagen. 

diu sidlne snuor sich ime erlöst, 

daz gap deme raben boesen tr6st. 
1205 jdmer wart ime kunt. 



1182 rehte MSfls. 

1183 Vnd SfMIs. siD MI sin nUmde S den S. 

1184 min MIs Miner S. ime MIs er S. 

1185 ein Ss din MI. 

1188 himlischen MIs himelschlichin S. 

1189 Alsz SfMI. 

1191 niemere MI nienant me kain S. reste MI rast S. 

1192 unde MS Er I. ilte MIs flog frölich S. der veste Mls dannen fast S. 

1193 cdcle ISfMß. 

1194 unde 1. MS lang I. zehenden MIs(t3) zwainzosten* S. 

1195 zehenden Ml(sß) zwaintzosten- S. ze MS zu der I. 

1196 d6 SsfMI. obe MSs ab I. 

1199 dr( MIs wol d. S. 

1200 gr6z ISsfM. was MIs ward jm S. 

1201 ISsßfM. 

1202 ISsfMß. des — truren] S desz trurct er s \'nd beg. tr. I. 

1204 deme r. MI jm S. 

1205 Grosser SfMI. wart lyiS waz I. 



_58 

I E.V. 1 146- 1 167 



ime entviel das vingerltn an des wilden meres gruot. 

dö der rabe ervuor diu maere, 

daz ime daz vingerltn entvallen waere, 

sin gevidere er erswanc, 
1210 — gr6ziu not in des betwanc — 

er vlouc des meres an ein ende 

hin ze einer steinwende. 

d6 er fif die steinwant was komen, 

d6 was ime vröide vil benomen, 
1215 er mohte dehetn vröide niht gehaben 

unde begunde trfiren unde klagen. 

üf der selben steinwant 

er einen einsidel vant, 

der was da gesezzen, daz ist wir, 
1220 voUtcltche zwei unde drizic jär. 

d6 in der einsidel von drste ansacb, 

d6 begunde er in grüezen unde sprach: 

,rabe bis mir gotwilkomen» 

din klage hUn ich wol vemomen: 
1225 waz ist dir ze leide geschehen? 

des solt du mir der w&rheite jehen, 

wände ich kenne dich rehte wol. 



1206 vingcrlin Ss vingerle MI. an IS in s zu M. wilden M(ß)flSs. 

1207 do Ssß alse MI. ervuor MI cnpfand S. diu m. MI der m. S. 

1208 vingerlfn Ss vingerle MI. 

1209 er MI er do S. erswanc MS vmb swanch I. 

1210 Vil STMI. 

1211 des meres MS daz mer I. an MlsfS. ein MSsfl. 

1212 hin MI Her S. stein-] Iß stainin S staines M. 

1213 d6 er MI Vff die S. stein-] I stainin S staines M. was MI w. erS. 

komen IS wechome M. 

1214 Vnde SsfMI. d6 vil vröide S. *fröd IS. 

1215 niht MI n. me S. 

1216 unde beg.] MIs Dasz b. er nü S. 

1217 stein*] Iß stainin S staines M. 

1219 der MSs Er I. di MSsfl. 

1220 vollicllche MS V. wol I wol s. zwei unde MIs uflf S. ^dreysit S. 

1221 einsidel Mls(ß) einsidler S. von ISfMs. 

1222 d6 MlsfS. begunde er MI Er gund S. 

1223 bis MIs nü b. S. 

1225 waz Ss daz ML ist dir $$ dir ist MI. ze MI9 hie S. *gesechQ 1. 



59 

I E.V. u68-ii8F[ 

vürwär ich dir daz sagen sol: 

dln leit tuo mir bekant, 
1230 ich weiz wol, daz du dienest künic Oswalt in Engellant. 

nü hat mir geboten der himelische traht!n, 

daz ich süle drt stunt bitten umbe den harren din/ 

des raben herze wart vröiden vol, 

er sprach: ,s!t du mich kennest s6 wol, 
1235 s6 kan ich dir sin niht verdagen, 

ich müeze dir künden unde sagen, 

waz mir ze leide si geschehen.' 

als6 begunde der rabe jehen: 

Jch wolte werben mtneme harren 
1240 beide nach wirde unde nach 6ren, 

unde vlouc hin in das lant sch6ne 

ze deme riehen künige Ar6ne: 

ich hän ime erworben die küniginne guot, 

deme vursten nach alleme sineme muot. 
1245 nfi sande ime diu junge künigin 

bt mir ein guldln vingerlln, 

daz ist mir entvallen in daz mere, 

ez möhte niht vinden ein ganzez here. 



1228 Türw. MI Sid S. 

1230 ich w. w. daz Ms Ich wen Sf I. ^dienist S. kUnic Is sant MS. in 

ISS BUS M. 

1231 mir MS mich I. geboten S, nach trahtin M. Gepeten, vcr V, 1232 I 

trahtln MI her S. 

1232 Vgl, 1231. daz MlfS. dri st. M(ß) jn Sfl. den h. dm MI din her'en S. 

1233 wart ISs was M. 

1234 MISsfß. S: Do er dasz uemam also, er MI vn S. mich M minen 

herren Is. kennest Ms erchennest I. s6] Mfls. 

1235 MlSsfß. S: Ich kan dir esz nit uertragen. dir Is dein M. sin] Mfls. 

verdagen MI v'swy Helen s. 

1236 ich ISs Vä M. 

1237 si] M ist ISs. 

1238 MlSfsß. S: Alsz jdh dir nü wil ueriechen. 

1239 werben nach herren S. herren ISs lieben h. M. 

1240 beide MSf Is. wirde] M wirden IS. 

1241/2 In S ein Vers: Vnd jch fl. schon: In dasz land Aaron. 

1243 Ich han jm erworben S unde erwarp MIs. 

1244 vursten MI aller liebsten her'en S. alleme MIS^S* 

1245 junge MI edel Sfs. 
1248 ganzes MS gross I. 



^0 

I E. V. 1 189— 1208 



alliu miniu leit, 
1250 einsidel, diu hän ich dir geseit. 

sU ich nfi niht mineme lieben harren 

mac heim komen mit grözen Sren, 

s6 kume ich niemSre in Engellant, 

einsidel des nim mtn triuwe ze pfant' 
1255 d6 sprach der einsidel guot: 

,rabe nim an dich vesten muot 

unde ergip ez deme lebendigen krist, 

der aller dinge gewaltic ist, 

himels unde der erden, 
1260 wanne der wil,s6 mac dazvingerlin wol vunden werden/ 

nü viel der einsidel werde 

enkriuzestal üf die erde 

unde bat got unde die lieben rouoter sin 

umbe daz guldine vingerlln.- 
1265 daz wizzet, an der selben stete 

sprach er mit triuwen sin gebete. 

nü wart er schöne gewert 

alles, des sin herze begert: 



1249 MISfsß. S: Dar vmb so hau jch grossess laid. roiniu M myo I. 

1250 diu] M das£ Sfl. dir MI d. du S. geseit MS gechlait I. 
12.j1 nü SsTMI. 

1252 •körnen M. 

1253 niemere MI niemer mere Ss. 

1254 einsidel] M Einsidler' Sfl. des MlfS. Dofuuh in \, durckstriduH, 

V. 1347-53. 

1255 einsidel MIs einsidler S. 

1256 Lieber SfMIs. nach nim : nun Sf MIs. vesten MI einen v. Ss. 

1257 ergip ez MSs gib I. leb. krist MI leb. got s almechtigen got crist S. 

1259 Desz STMI. der MI och d. S. 

1260 dar v. Is dein vingerl M esz S. wol MsflS. 

1261 nü MS Vnd I Also s. einsidel MIs einsidler S. werde MI gott ze 

eren S. 

1262 enkr.] Ain crUzstal I Crewczstal M criuzwise Ss. üf die] s nider ü. d. 

MI zu der S. 

1263 lieben MlsfS. 

1264 Nun SfMIs. 

1265 an — stete ISfM. 

1266 ISTMsß. er Sfl. 

1267 ISsfMjl. schöne IS schier s. schöne vor wart S, 

1268 IfMSsß. 



_61 

I E. V. 1209 — 1230 



d6 truoc an der selben stunde 
1270 ein visch daz vingerltn in sineme munde, 

deme geb6t der himlische heilant, 

daz er daz vingerlin vuorte üf des tneres sant. 

des nam der einsidel guot war 

unde huop sich ze deme vische dar. 
1275 er viel nider üf siniu knie, 

daz vingerlin er von deme vische empfie. 

nü sprach er ze deme raben: 

,du solt dich wol gehaben, 

ich hän daz vingerltn in oiiner hant, 
1280 nü vüere ez heim in Engellantl' 

dd der rabe die rede erhörte d6, 

d6 wart er üzermäzen vrö. 

der einsidel nam daz vingerlin in stn hant 

deme raben er ez under daz gevidere bant. 
12^5 dd gap er ime sant Johannes minne 

unde empfalh in der himlischen küniginne. 

also vlouc der edele rap 

mere unde lant unze an den sehsten tac. 

alse diu ztt hete schiere ein ende genomen, 
1290 nü was er heim ze lande komen. 



1?69 <^6 truoc] S Nu trug IfM. 

1^70 vingerlin ISs vingerl M. stneme Ss deme MI. 

1272 Yuorte ISs für M. üf MIs usz S. sant MIs grund S. 

1273 einsidel MIs einsidler vil S. 

1275 siniu MSs die I. 

1276 vingerMn Ss vingerle MI. 

1277 nü MS Vnd I Do s. 

1279 vingerlin Ss vingerle MI. in IS hie in M. mfner MS der I. 

1280 MISsfß. I: Du breng deine h'n sant Oswalt. nü Ms N. nim esz vnd S. 

•fllrisz S. 

1281 MSsflß. dt Ss Alz M. 

1282 MSsfl?. 

1283 MSsßfl. einsidel Msß einsidler S. stn M die S. 

1284 MSsßfl. daz Ss sin Mß. 

1285 MSPlsß. 

1286 SsfMIß. 

1287 MSsßTI- «IsA Ss Do M. von hinn: MfSsß. 

1288 MSsflß. 

1289 MSflsß. alse — hete] M Alle zyt hetten S. 
12W MSsßTl« n« - «'] M Der rapp wasr S. 



62 

I E. V. 1231—1253 

der rabe in höhen vröiden lebete, 

hoeret, wie er obe sines hörren bürge swebete: 

aller n6t er gar vergaz, 

üf einen h6hen turn er gesaz, 
1295 er treip einen ungevUegen schal, 

daz ez in der bürge erhal. 

sant Oswaldes dienaere vier 

erhörten da den raben schier. 

si heten niht m6re ze wllen 
1300 si begunden vaste tlen: 

\ir aller vröide si des betwang, 
i te einer vür den andern spranc, 

si ilten an den stunden 

da si den künic vunden. 
1305 der hete niht vergezzen, 

er waere schöne ze tische gesezzen 

mit den besten beiden stn, 

daz hat üf die thuwe mth. 

dö in die vier ansähen, 
1310 nfi muget ir hoeren, wie si jähen: 

»h^rre wir wellen iu liebiu maere sagen 

von iuwerme lieben raben: 

der ist her heim ze lande komen, 



1291 MSsTlß. 

1292 MSsßTI. 

1293 MSsflß. n6t Ms siner n. S. 

1294 MSsflß. gesaz] M sasz S setzet sich s. 
1295/96 MSsflß. 

1297 MSsßfl. 

1298 MSsflß. 

1299 MSflsß. 

1300/1 MSsflß. si Ss Vn M. begunden Ms gundent S. 

1302 MSsflß. ie Ss Wie M. 

1303 MSßfls. den M d. selben S. 

1304 MSsßfl. künic S k. da M. 

1305 MSflsß. niht vergezzen] M sich vermessen vii geren gessen S. 

1306 MSsßfl. er waere] Er war M Vnd wasz S. 

1307 MSsflß. 

1308 MSflsß. 
1309/10 MSsflß. 

1311/12 MSsßfl. liebiu maere] S guotiu maere ß chundn vn Mfs. 
1313 MSsflß. 



03 

I E. V. 1254— 1277 

hSrre daz hän wir wol vernomen: 
1315 wir hän in mit unsern ougen gesehen!' 

sant Oswalde mohte niht Hebers stn geschehen: 

der milte kQnic Oswalt 

spranc von deme tische halt, 

einen zobltnen mantel er umbe gevie, 
1320 vrdlfchen er ze deme raben gie. 

sant Oswalt, der vurste werde, 

swief den mantel nider fif die erde. 

des nam der rabe guot war 

unde vlouc üf den mantel dar. 
1325 sant Oswalt sich nider ducte, 

den raben er liepliche üf zucte. 

er sprach: »lieber rabe mtn 

du solt mir gotwilkomen stnl' 

der rabe wart hdchgemuot, 
1330 er sprach: ,nfi danke dir got der guotl' 

er truoc in mit ime dräte 

in sin beste kemenite, 

da sie nieman hörte noch sach, 

hoeret, wie sant Oswalt sprach: 
1335 ,ei herzenlieber rabe m!n 

nfi sage mir fif die triuwe dtn 

waz mir diu küniginne enboten hat, 



13U MSflsß. 

1315 MSsfiP* in SsfM. *vDizn M. 

1316 MSflsp. sin] A^rS. 

1317 MSsßTI* Oswalt] M sant O. S. 

1318 MSs^. von Ssß da v. M. 

1319 MSsfIß. umbe geyie] M vmb sich fieng S warfT ... an s. 

1320 MSsflß. vr61.] M Wie frölich Ss. 

1821 MSflsß. werde] S her M. 

1822 MSsflß. swief] M warf Ss. 
1323 MSsflß. guot] M vil eben Sfs. 
1824 MSsflß. 

1325 ducte] dacht M tucht I truckt S bücket s. 

1326 Unde SsfMI. er MlfSs. zucte] I nicht M zu im schmückt S nam s. 
1827 lieber MIs vil 1. S. 

1830 er sprach IS vfi sprach sfM. nü MIs zu jm S. 

1332 Hin SfMIsß. beste MIsfSß. 

1834 Nun Sf Ml. 

1385 ei] M Eya I O sfSß. herzen- Ml hertzer s Vil S. 

1837 hAt ISs hab M. 



64 

I E. V. 1278^1296 



das soll du mir sagen drit' 

diu rede diu dfthte den raben smäch, 
1340 er sprach: ,h8rre ir s!t ein teil ze gäch, 

mich hat diu müede unde der hunger 

mtnes lebennes nähen betwungen, 

daz ich kein rede niht mac gehaben, 

nü wi} ich dir tälanc niht sagen: 
1345 ir sult mir ze ezzenne unde ze trinkenne geben, 

sd mac ich deste baz mit iu rede gepflegeh. 

ir müezet leben in sorgen 

die langen naht unze an den. morgen : 

wanne diu naht hat ein ende genomen, 
1350 so sult ir ze mir herwider komen.' : 

des erschricte sant Oswalt.s6r, 

balde hiez er tragen her . 

semele unde guoten w!n^ 

gap er deme raben s!n. 
1355 gr6ziu sene in des betwanc, 

ime was diu naht eines järes lanc. 



1338 mir MST!. 

1339 diu (2) MlfS. smdqh] MS swach I. 

1340 ir Sit MSs euch ist L eip teil MS ein wenig sfl. 

1341 hat MSs gahet 1. 

1342 nähen] 1 hart M so gar Sfs. 

1343 kein Mls min S. 

1344 nü MI Dar vmb S. dir I d' halt M Uch S. tälanc] I tallant S taleos 

M. niht] ISfM. 

1345 Oder aber SfMIs darunnb u. sult Mls haissent S. mir ze MSsufl 

«e MSsufl. 

1346 rede gepflegen] reden (nac/i ich) gephlegn I pflegn M reden s. wyszhait 

pf. S. 

1347—53 ift I ftucA, durchshichen, hinter V. 1254» baekhut la. 

1347 leben] MIaSs habn I. in Ilas in den M jn grossen S. 

1348 die — den] Mlla dise nachl bis s Baide den aubent vn och den S 

1349 Vnd SfMIla. hat nach ende S. . 

1350 her wider vor ze M. 

1352 Vil SfMlIa. »er] her I. 

1353 unde Mlla v. och S. 

1354 raben MS lieben i. Is. 

1355 Vil SfMIs. sene] secn I sin>pin S not M sorge S* 

1356 was ISs ward M. 



65 

E. V. 1297— 1317 



er lac unze an den morgen vruo, 

d& gie er deme raben zuo. 

er sprach ze deme raben: 
1360 »noch solt du mir rehte sagen, 

waz boteschefte du mir hast bräht 

oder wes der küniginne st gedähtl' 

den raben sin triuwe des betwanc, 

sin gevidere er fiz einander swanc, 
1365 er sprach: .lieber h^rre mtn 

loese mir den brief unde das vingerltnl 

daz hat dir b! mir gesant 

diu küniginne von Ardnlant. 

diu edele küniginne Mre 
1370 enbiutet dir wirde unde 6re, 

dir enbiutet diu küniginne vrt, 

daz ir äne got niht lieber sl, 

danne ir ist dln werder lip, 

si welle, obe got wil, werden din wtp, 
1375 deme heiligen grabe welle si werden undert&n 

unde an J6sum Krist gelouben hän. 

hörrc nü merke, daz ist mtn rät, 



1357 lac MS lach die nacht I lac die ganzen naht ß. unze MSu bis Ib. 

1358 zuo MIs wider z. S. 

1359 MSflsß. Do SfM. sprach er S. 

1360 MSsflß. noch MS Na s. 

1361 Vnd IfMSs. botesch. nacA hdst M. mir hist M(s) hostu mir I mir nü 

haust S. 

1362 der — ged.] MI die k. sich hab ged. S sich der köntg bedacht habe s. 

1363 des M da Sfl. 

1364 stn Ssß daz MI. 

1365 lieber h. MIs vil 1. h. S mUter kUnic ß. 

1366 loese Isß Lössend S Laz M. unde MSsß v. auch I. 

1367 dir MI si d. S. 

1368 von A. Ms ifige auz arons 1. I ze Aaron in dem 1. S. 

1369 Vnd SfMI. küniginne' MSß(s) chUnig I. here MS hene I. 

1370 dir MSsß euch I. Ire MI grosz e. S. 

1371 *Die I. enb. MIsß haut enbotten S. 

1372 got ISsß g. selbers M. niht Ms nieman ISß. lieber ISß liebers Ms. 

1374 welle] wöl S wil Is(ß) sull M. werden MIs geren w. S. 

1375 weUe] wel M wil ISs(ß). 

1376 unde MSsf I. Krist MS ^ S ^ wil si I. 
Baesecke, Mftnchener Oswald 5 



m 

E. V. 1318— 1337 



^az si dir h\ mir enboten hit: 

wellest du nach ir über mere varen, 
1380 s6 solt du dich wol bewaren: 

wilt du mit gemache bestän^ 
[ zwSne unde sibenzic kiele muost du hin 

unde alse manic tüsent ritter Srliche 

unde die alle sin muotes riche: 
1385 du solt vüeren beide guot 

mit dir über des meres vluot, 

waeren si ir llbes niht biderbe» 

dir quaeme ir keiner lebendic hin widere. 

heiz dir des kieles mastboum 
1390 — unde li dir diu wort niht wesen ein troum — 

beslahen mit edelme gesteine, 

daz daz si lüter unde reine: 

wanne du des nahtes varest üf deme mere, 

du unde ouch din kluogez here, 
1395 daz dir daz edele gestetne ergla$te, 

daz du mügest gesehen vierdehalp raste. 

du solt ouch üf die kiele tragen 



1378 si dir bi mir IS dir die chungin M. 

1379 wellest du Is WeUest M. Den wilt du S wilt du ß. 

1380 solt du ISs solt M. wol MI wol wol s gar w. S. 

1381 Vnd SfMl. gemache] M mache I macht S. 

1382 muost du] MSß mUz er I. 

1383 ti^sent MSspfl. erltche MI herlich Sfsß. 

1384 alle nacA sin M. sin MI sient S. riche MS frejr I. 

1385 solt Ml 8. och S. 

1386 meres MI(s) wilden m. S. 

1387 Vnd SfMIs. ir IS des Ms. Ifbes MSs lebens I. 

1388 Zwar SfMIs dir] D' M Ir IfSs. quaeme MI kumet S narA keiner, S. 

hin M hey s haim S nit I. 

1389 Vnd SfMI. des k MI die kiele Ss. mastboum Mß naspant I bawen Sfs. 

1390 unde MSfl. wort I vart MS. 

1391 MlsßfS. e. gesteine MI karfunkelstein s(ß). 

1392 MlfSsß. daz daz si] M Daz toi sein I. 

1393 varest] varst I v^rst MSs. 

1394 ouch MlfS. 

1395 MlSfSitl. S: D. du \ö der edlen stain glast, erglaste M geh glast 1. 

1396 daz du] M dz du vn din here s daz ir . . . ddvon ß Da vC Sf I. mügest 

g. MS gesehen könne s habet lieht ß VöUicleich I. 

1397 ouch] s och laussen SfMI. die k. Ms den k. I die S. DamifA mtr 

in I: Daz wil ich dir mit trewn sagen. 



67 

I E.V. 1338-135^ 

waz du ze aht jären muost haben: 

koste und guot gewinnt, 
1400 alse du sin bedörfest in vremediu lant. 

noch wil ich dir mfire sagen: 

einen überguldeten hirzen oiuost du haben. 

ich sage dir vurste hochgeboren: 

kumest du äne mich hin über, din arbeit ist gar verloren. 
1405 von der kUniginne gemeit 

hän ich dir die boteschaft geseit, 

nfi schouwe werder vurste vr!, 

wie der brief geschriben stl' 

dd diu rede vol geschach, 
1410 sant Oswalt den brief üfbrach, 

der üzerwelte degep 

begunde den brief schouwen eben. 

da vant er geschriben inne 

die himlischen küniginne, 
1415 sant Johannes, der werde man, 

was ouch geschriben daran, 

sant Oswalt sich selben geschriben vant, 

£rest wart ime grdziu vröide bekant: 



1898 ze — haben] S bedurfst (bedar&t I) ze a. j. MI. Doftach mir m I: Da- 
ran pedarfit du nicht Sporen. 

1400 sin MI desz S. bedörfest] wedurfst M pedorflft I bedarfst > bedarft s 

bedar&t S. 

1401 m^re nach sagen MI. Danach nur in I: Dez hostu grosse er. 

1402 Danach nur in I: Mit manigem stulzen knoben. 

1403 dir I d' M dir esz S. 

1404 In M f^vei Verse, kumest du MS Varestu I. hin Über]: M dahin nach 

du S Über daz mere ßfl. din MIsß die S. ist MSsß w I. gar Mß 
gancz Sf Is. 

1405 Nun S also sfMI. 

1407 werder] M vU w. S edler I. 

1409 vol] do vol S alle MI. 

1410 den brief Ssß daz insigel MI. 

1411 Azerwelte MS auz der weiten g I. 

1412 schouwen IS da seh. M. 

1415 Joh. der w. MI Johanssen den werden S* 

1416 Der SfMI. 

1417 sich MIß die ding S. selben] I selber }\ das t korrif^rt^ S« geschriben 

ISfM. 

1418 wart IS was M. *fröde I. 

5» 



I E.V- 1359-1382 

sich selben unde die küniginne 
1420 vant er geschrtben mitten inne, 

si hete in umbevangen, 

gedrucket an ir wangen 

unde küste in an den munt s!n. 

den brief hete geschriben ein edeliu ktinigtn. 
1425 dd sant Oswalt die grdzen genäde ervant, 

er sprach: ,mtne dienestliute alle sant 

setzet darnach iuwere sinne, 

dSLZ wir zw6ne unde sibenzic kiele vinden, 

unde heizet mir si machen veste: 
1430 sie müezen tragen werde gestel' 

nfi bereitete er sich den winter lanc, 

— grdziu sene in des betwanc — 

daz er deheiner reste gepflac 

unze hin gen sant Jörgen tac: 
1435 d6 hete er ez allez zesamene bräht, 

des ime ze der verte was gedäht, 

koste unde guot gewant 

ime unde stnen helden allen sant 

er hiez ime balde her tragen, 
1440 alse wir noch hoeren sagen, 



1419 sich MI Sich selbsz S. die] M die edlen Sfl. mitten MI an mitten 
S in der mitten ß inne] M ynnen S drinc Ifß. 

1423 MS^fls. S: Im wasz si wer an dem m. sin. unde ßfM. in ßfM. 

1424 in MS twei Ferse, geschr.] :M, I si selbsz g. :S selber g. s. ein] M 

diu ISs. Dantuh in S im selben Verse: Lag dem Hlrsten jm sine. 

1425 dd MSfl. grdzen MlfS. ervant] do fand S ersach M an sach I. 

1426 MISsfß. I: Zu seine dicnsiläwten er do sprach. - liute] M - roaü sfS. 

1427 Vnd SfMIs. setzet MS daz ir scczt 1 dunt s. darnach] M d. all S 

darzu Is. 

1428 MSSj3fI. Vn secht MfSs. vindn M gewinnen S machen ß(s). I: Dez 

habt ir alle mein mine. 

1429 unde SsfMI. mir MSfls. veste MSs zwen vü sibenztg chiel v. I. 

1430 si MS Die I. 

1432 Vil SfMIs. sene] sen M sicn I sinn S sorge s. 

1433 deheiner] M keiner s nie keiner IS. *gepflach I. 

1434 unze hin] Vncz S Hincz hin 1 hin bis s pif M. 

1435 ez allez Ms allez daz IS(ß). 

1436 des] daz MI Wasz S. verte MS wer I. 

1437 MSflsß. guot] M och g. S. 

1439 ime MSfl. balde her IS auf die kiel M. 



09 

I E.V. 1383-1406 



golt unde silber wiz: 

der verte hete er guoten vliz. 

darnach htez er springen 

und ime goltsmide her bringen. 

1445 alse er ime sin gedähte, 

wie balde man ime die meister brähte! 
diu wtle werte niht lange, 
die meister quämen gegangen. 
d6 si der kUnic an sach, 

1450 nd muget ir hoeren, wie er sprach: 
,ir meister sit mir gotwilkomenl 
iuwer kunft hän ich gerne vernomenl 
ich hän niht umbe sust nich iu gesant, 
nö merket, waz ich iu tuo bekant, 

1455 umbe waz ich iuch bitten wil, 
des \ät iuch niht dünken ze vil: 
ir sult mir wurken sch6ne üz golt 
— darumbe gibe ich iu riehen solt — 
zwei uqde sibenzic tüsent kriuze guldinl 

1460 nü wurket mir si durh den willen min, 
wände ich wil varen über mere 
mit eineme kreftigen here/ 
die meister worhten mit ringer hant, 
diu kunst was in wol bekant 



1442 guoten MSfl. 

1445 ime sin] jm sinn S sein im het I sein M. gediht MI erdacht S. 

1446 die m. M den m. S sey h' I. 

1447 niht MI och n. S. 

1448 die MI Der S. quimen MI kam S. gegangen IS schier g. M. 

1449 si MI jn S. 

1450 nü MS Gern I. er MI er zu jm S. 

1451 ir MlfS. 

1452 Zwar SfMI. •knnst M. 

1454 tuo MS tttn I. 

1455 umbe MI Vnd S. bitten MI nun b. S. 

1456 des M das IS. niht vor te S. 

1458 gibe MI so g. S. 

1459 zwei MI Zwen S. kriuze MIsß krencz S. 

1460 Dü -— si MI Die wirckent mir S. 
1468 kreft. MI gar k. S. 

1463 die — worhten MI Der m. wrckt S. 

1464 in MI jm gar S. 



70 

E. V. 1407— 1430 



1465 diu kriuze wurden schiere bereit» 
des dfihte sich der künic gemeit. 
nfi begunde er zelen schön 
den goltsmiden allez ir 16n. 
d6 si den solt beten empfän, 

1470 d6 schieden si von dan. 

nfi lac sant Oswalt aber in sorgen 
die langen naht unze an den morgen, 
wie er ime eines sinnes erdaehte 
unde sine dienestliute zesamene braehte.' 

1475 er lie niht beltben 

unde hiez ime balde biiefe schieben 
unde entbdt mit grdzen 6ren 
allen stnen landes harren, 
dd si stn boteschaft vol vemämen, 

1480 wie balde si gen hofe quämen 
stne ritter unde knehte, 
die ime wiren gerehtel 
zwelf künige quämen ime schöne 
iegelicher under stner guldiner kröne, 

1485 vier unde zweinzic herzogen h6re 
die quftmen ime durh stn gröze €re, 



1465 MlsfSß worden Ms waren 1. 

1466 gemeit MI gar g. S. Darnach tmr in S: Dasz er all die arbaitt 

All so schon usz wass beraitt 
Nach dem vn jm wasz zo (> zu > zu) gesait 

1468 den — ir MI Dem goldschmid sinen S. 

1469 si MI er S. heten Ml het S. 

1470 schieden si MI schied der goldschmid S. 

1471 aber MS noch I. 

1472 unze MI bisz S. 

1473 erdaehte MI gedächt S. 

1474 unde MI Dasz er S. 

1475 niht M n. lenger I n. mee S. 

1476 hiez MS liez I. balde ISfMs. 

1477 unde MI Er S. enb6t] S enpewt MI. gr. eren IS grossem ernst M 

1479 vol MS wol If s. 

1480 Nun hört SfMIs. 

1481 sine IS Die M. unde MS v. sein I. 

1482 ime — gerehte] M jm all zyt w. g. S choroe im gar rechte I. 

1483 quÄmen MS die chome I. 

1484 *wnter L 



71 

I E.V. I431-14S4 I 

sehs unde drizic gräfen lobesam, 

die brähten mit in manigen werden man, 

niun edele bischof 
1490 quämen ime üf sinen hof 

unde waz si alle dieneslliute mohten gehaben, 

alse wir noch hoeren sagen: 

dämite wolten si ime btgestän 

unde in deheinen noeten län. 
1495 81 quämen bälde gen hofe geriten 

nach ritterlichen siten, 

si wären bereit mit guoteme vliz, 

ir harnasch was silberwiz. 

nfi quimen si üf den hof dar, 
1500 ir was ein ungevüege schar. 

dö si nfi fif den hof wären komen 

unde daz sant Oswalt hete vemomen, 

hoeret, wie er under in umbegie 

unde si gar wirdicHchen empfiel 
1505 er hete si besamenet krefticliche 

über alliu siniu riebe, 

unze daz er ze ime gewan 

zwfine unde sibenzic tfisent man, 
* die wären alle samt beide guot 
1510 unde ouch ir Übes hdchgemuot. 



1488 *brÄhten] praten M. mit in] I jm SfM. werden] M pid'-I stolzen S. 

1490 Die SfMI. 

1491 si alle MI sin S. gehaben] M haben IS. 

1492 noch MI est n. S. 

1493 bfgestln MI bystan S. 

1494 in MI jn in S. lln IS nicht 1. M. 

1495 balde SsfMI. 

1496 Gar Sf MIs. ritterlichen] M ritterliche s ritteriichcme IS. 

1497 mit MI m. gold vnd mit S. 

1498 was MI der w. S. 

1499 nü — si MI Si komend S. 

1501 Unde SßfMI. nü MlfSß. üf den IS gen M. 

1503 Nun SfMI. 

1504 wirdiclichen MS wirdiciiche Isß. 

1505 si Ms sich IS. besamenet] M besammet I bcsant s selbss gearwett gar S. 

1506 alliu MI alle s all S. siniu MI sin s in sinero S. riebe ISs kunkreich M, 

1507 in I zttm vorigen Verse, daz MSfl. 

1509 alle samt] M a. gesampt I|~Ss. 

1510 h6ch^muot IS gar h. JV^. 



72 

E. V. 1455—1478 



sant Oswalt vröiwete sich der 6ren, 

daz er hete sd manigen dienesthSrren. 

an den selben stunden 

die zwelf künige vrdgen begunden, 
1515 den muten künic Oswalt 

begunden si dd vrägen balt, 

si sprächen ze deme harren: 

,)k nfi weste wir rehte geren, 

warumbe ir uns zesamene habet bräht 
1520 oder wes iu mit uns si gediht: 

waz muget ir mit uns ze schaffenne hin? 

daz sult ir uns wizzen län/ 

er sprach: dritter unde knehte 

daz wil ich iu sagen rehte: 
1525 ich wil varen über des meres vluot/ 

als6 sprach der vurste guot, 

,ich wil in die heidenschaft kSren 

unde kristenlichen gelouben mSren, 

ein heidnische küniginne 
1530 die wil ich über mere her bringen: 

ez st deme wilden beiden 

liep oder leide, 

so muoz ich hftn die küniginne guotl' 

also redete der vurste hdchgemuot, 



1514 vrdgen S fr. da M in fr. I. 

1515 kUnic Ml k. sant S sant s. 

1516 d6 MlsfS. 

1518 ja] Ge MflSs. 

1519 habet vor ze S. 

1520 mit uns MSfl. gediht MI erdacht S. 

1521 re - hän MSfl. \ r 1 - r^ 

1522 da. -uns MS(8)ri J ^^ ^ "" ^^^- 

1523 ritter unde MI min r. v. min S. 

1524 daz — sagen MI(s cJkne iu) Dasz uch jch sagen wil dasz merckent gar S. 

1525 über des] M(s) U. d. wilden IS. 

1526 vurste MI edel f. S. 

1530 wil ich S(s} wel wir I walt ich M. 

1531 deme Ss den MI. 

1532 XU 1531 MIS. Danach: Dasz sei euch allen gesait M So wil ich sein 

perait I Ich sag Üch dasz uff minen &yde Sf S. 

1533 s6 — ich] M Dasz jch musz S Vnd m. I. 

1534 redete MI sprach S. vurste MS chtinig I. 



73 

I E. V. 1479— 1 501 
1535 |daz mac dne iuwer hilfe niht geschehen:' 

— also begunde er ze in allen jehen • 

,wer mir nö welle bigestän, 

der sol mich daz wiz/.en länl' 

alsd sprach der vurste vrt: 
1540 ,wer ze ritter worden s! 

oder noch ze ritter werden wil, 

den dunke der verte niht ze vil, 

wände wer üf der verte wirt erslagen, 

des s61e muoz gr6ze genäde haben 
1545 in deme Ewigen leben, 

des wil ich iu min triuwe geben/ 

als6 sprach der vurste h6re: 

,lip unde sSle ist behalten iemermere: 

iegelicher wirt reine alse ein westerbar, 
1550 ir hSrren, daz sage ich iu vürwir. 

ir sult mir triuwe erzeigen, 

wände ir sit alle mm eigen. 

darzuo gibe ich iu riehen soU, 

beide silber unde daz golt, 
1555 ich wil iu Ithen unde geben, 

die wtle ich hän daz leben: 

wol nü her ir edeln künige, 



1537 DÜ Ss nUr Mfl. welle I nach bi, Ss wil M.-gestän IS westan M ston s. 

1538 daz MS ez I vor mich, s. 

1539 vurste MI edel f. S. 

1540 ze MIs nit z. S. 

1541 ze MIsfS. ritter vor noch S. 

1542 dunke S(s) dunkt MI. ze MI sin z. S. 

1543 in I nach 1544. wände Ms unde IS. wer — ersl.] MSs wirt er auf 

der vert ersl. I. 

1544 'zel I. 

1545 in deme e. MSs Er chumpt in daz ewign I. 

1546 iu MSs im I. 

1548 *8ele] seU M. ist MIs send S. 

1549 reine — westerbar] M r. alz auz d' tauf gcwar I rainer den der siinen schin S. 

1550 vürwär Ml allen gemain S. 

1551 ir sult MIs Dar vrä so sond jr S. *mir] mit I. 

1552 alle SsfMI. 

1554 daz] M och Sfls. 

1556 All SfMIs. daz Ss min MI. 

1557 MSsfl?- wol nü her] M Wol uft %\ Nun wagt Uwer e'r S. 



74 

E. V. 1502^1523 



ir hat von mir lant unde bürge I 
ir herzogen höchgemuot, 

1560 ir hat ouch von mir lant, Hute unde guotl 
ir gräfen alle sant, 
s! iegeltcher an sin triuwe gemantl 
unde ouch ir bischofe h£re, 
ir hat von mir wirde unde Srel 

1565 ei sit alle unverzeit 

unde werdet schöne mit mir bereit 
unde bereitet iuch mit mir fif die vart 
unde gedenket an minen vater SSwart: 
habe iu der ie dehein triuwe getan, 

1570 des sult ir mich geniezen länl' 
ir aller triuwe dd wol erschein, 
nü wurden die besten überein 
igide sprächen ze deme hSrren: 
,wir wellen iu helfen rehte geren 

1575 mit llbe unde mit guot 

hin über des wilden meres vluot, 
daz welle wir vröliche mit iu wägen.' 
nü begunde er niht vürbaz vrägen: 
der höchgelobete degen 

1580 hiez die guldtnen kriuze fifheben 



1558 lant Ss 1. liute MI. bürge MSs gut I. 

1559 Vnd MflSs. 

1560 MSflsß. ouch nach mir S. liute MfS. 

1561 ISsfMß. gHlfen Is edelen g. S. 
1563 ISsfMß. . 

1565 ei Sit] M Nun sind S wol uff s Ir sult sein 1. alle] M allsand Sfls. 

1566 MIsTSß. schöne Ms alle I. S: Vmb Uwer err vnd wirde statt. 

1567 unde MI So S. 

1568 minen v. MS meines vaters I. S^wart] (ß) sebart M sebat I. 

1569 iu der MI er uch S. triuwe IS gut M. 
1572 nü — besten MI Die biesten wUrdend S. 

1574 rehte MSfls. 

1575 mit MIs och m. S. 
1676 wilden MSCsfl. 

1577 vröliche MSs gern I. mit iu nach wir M. 

1578 nü MI Do S. niht] I nicht mer M si nit S. 

1579 der MI Der vil S. 

1580 kriuse MIsß krenU all S. 



75 

E. V. 1524— 1544 



uDde Hz der bürge her tragen, 

alse wir noch hoeren sagen, 

er hiez si schütten üf einen anger dar, 

er sprach: ,ir harren nfi nemet war: 

1585 wer mir der verte wil btgestän, 
der muoz der kriuze einez hän: 
obe wir wurden bestanden 
von der beiden banden, 
so waere wir kristen alle sant 

1590 bi den kriuzen einander wol erkant.' 
mit der selben vart 

ein michel gedrenge ze den kriuzen wart, 
iegelkher wolte sich harte schämen, 
solte er der kriuze niht einez haben: 

1595 von den h£rren, die d6 wären kernen 
wurden diu kriuze alHu üfgenomen. 
si machten ez fif ir wäpenrocke alle sant, 
obe si quaemen in vremediu lant 
unde von den beiden wurden bestanden, 

1600 daz si bi den kriuzen einander erkanden. 



1588 schütten Ml seczen, nacA anger S nyder legen U nyder werffen b. 
einen MIs den S. 

1584 nü MSfls. 

1585 bigestAn IS pej bestan M by ston s. 

1586 kriuze e. MIß crUtzlin e. S krentzen atnen S. 

1587 wurden] S nun würden S werden MI. 

1588 heiden MIs wilden h. S. 

1589 waere wir] Ms werd w. I werden (so) S. 

1590 kriuzen MIs krentzen S. einander 8 an ein and' MflS. 
1591-94 m MI nacA 15%. Nun och SfMI. 

1592 gedrenge MIsß gedranck I. ze d. kr. MIs umbe diu kriuze ß hin z. 

d. krentzen S. 

1593 Ain SfMIs. harte M sein h. I desz S. 

1594 kriuze MI(s) krentzen S. einez haben MIs ain nemen S. 
1595-96 in MI micA 1610. 

1596 Da SfMI kriuze MI(ß) krentz S. 

1597/1600 m MI nacA 1594. ez MI (machten) sz S sie s. ir IS die Ms. 

wilpenrocke] M rappen rock S wappen rOcklin s rochi I. 
1598 Darvmb SfMIs. 
1600 si MIs den ainer S. bi den kr. Ms b. dem crUcz I by den krentze: S. 

einander] an ain and' M den ander S sich Is. erkanden MI be- 

kanden S9* 



J6 

I E. V. i54S-iS65 I 

nö hete er üf sineme hofe erÄOgen, 

des begunde er got vaste loben, 

einen hirzen wol ahUehen jär, 

daz sage ich iu vürwär, 
1605 der hete s6 vil schoenez gezinde, 

daz wunderte daz vremede hofegesinde. 

si bereiteten sich mit deme hirzen dar 

unde nieman nam des raben war: 

sant Oswalt mit den harren unmüezic was. 
1610 daz er des raben diheime vergaz. 

nü wurden si schiere bereit» 

alse uns daz tiutsche buoch seit, 

daz here begunde sich rüsten liberal, 

sich huop ein vreislicher schal. 
1615 sant Oswalt unde alle stne man 

zugen d6 vrdÜche von dan, 

in was hin gen den kielen gäch, 

man sprach in manigen segen nach, 

sant Oswalt mit sinen harren 
1620 ilte üf die kiele mit Sren. 

dar quämen die marnaere alle sant 



1601—10 m MI flach 1590. erzogen MSs g'^z, I. 

1602 MSrisß. 

1603 wol s vol STMI. 

1604 Zawar SfMI. 

1605 gezinde S gezierdes M gezirdes gut I. 

1606 daz wunderte MS Dez wurdn I. vremede MlfS. hofegesinde MS volck 

hoch gemut I. 

1607 •mit] mir I. 

1608 unde MI aber S. *nemant S. 
1609/10 in S nach 1600. 

1609 mit den MSs der I. 

1610 da- MSs hie I. 

1612 tiutsche MlfS. 

1613 *Dar M. her MS(s) er I. sich nach her I. rüsten S rütten MI. 

1614 sich h. MI Do h. sich S Also hub sich s. 

1615 man MI dienst m. S. 

1616 Die SfMI. zagen S(s) zogeten MI segelten ß. d6 vr6Uche MS er- 

laich I. mit freyde S. 

1617 in IS Im M. gen MS zu I. gäch IS so g. M. 

1620 mit MI m. grossen S. 

1621 dar MI Do S. marnaere] mem' M meren I momer* S. 



I E.V. 1566— 1586 



unde nämen diu ruoder in die hantj 

die anker si üzgeschuzzen, 

vrdltche si von deme gestade vluzzen, 
1625 sant Oswalt unde allez sin here 

schicte sich vrdllche fif daz mere. 

nü vuoren die werden helde guot 

üf des wilden meres vluot 

zwelf Wochen unde ein ganzez ]kr, 
1630 alsd saget uns das buoch vürwär. 

alse diu zlt hete ein ende genooien, 

d6 wären die werden kristen komen 

vrdllche alle sant 

hin gen Ar6n in daz lant. 
1635 nü sähen si bt deme mere stän 

ein burc, was schoene unde lobesam. 

diu liühte von golde same si brunne 

unde stuont ouch schöne gen der sunne. 

von zwelf turnen guot 
1640 was diu veste wol behuot. 

die turne wären rdt marblln 

unde stuonden ouch schöne gen der sunnen schtn, 



1623 anker] S aUchel M. rüder segeipftwm I. si MSfl. dz-MS auff I. ge- 

schützen M schussent S zugen I. 

1624 vr6Hche MI Frölichen S. si ntuA gestade M. von deme] vö den M vom 

S vo danne I. gestade MSf I. 
1626 schicte] M schickten s Schift S Schifiten I. sich MSsfl. mere IS 
wil m. M wilde m. s. 

1628 wilden ISfMCs). 

1629 ganzez SßfMIs. 

1630 also — buoch MI Dasz b. sagt v. dasz S. 

1681 alse] MI d6 ß Alle S. diu MIßfS. hete Mß, mcA ende I hettent schier S. 

1632 Nfi SfMIsß. w4ren MIß wurdend S. 

1638 MSflsß. Gar SfM- 

1634 Da SfMIs. gen Ardn MIs wäre > vare I. in MSs auf I. 

1685 bi MIs da b. S. 

1636 was MI die w. S. schoene Ss h^re MI. unde MSfl. 

1637 *lAhte] lewte I. same] I als ob Ms recht alsz S. 

1638 ouch vor stuont I. 

1639 von] M unde IS. guot Ml also g. S. 

1640 Damit S Mit den IfM. wol MI gar w. S. 

1641 *turin S. marbliji MI merinlin S. 

1642 ouch seh. MSfl. 



78 _^ 

E.V. 1587- 1608 ! 



üf iegeltcheme turne ein wahtaere 

darüfe si tac unde naht lägen, 
1645 der bürge si schöne pfl%en. 

d6 sant Oswalt die veste ansach, 

gerne muget ir hoeren, wie er sprach: 

,daz mac wol diu burc sin, 

darüfe wonet diu liebe vrouwe mtnl' 
1650 daz was an eineme äbende späte, 

d6 gie sant Oswalt ze rite, 

er sprach: ,nü ratet mir alle mtne dienestman: 

wie welle wir ez grifen an? 

wände ich hän wol vernomen, 
1655 wir s!n in daz lant komen: 

mtne harren alle sant, 

ditze lant ist Ardn genant 

nO ratet zuo mtne stolzen h£rren, 

daz unser die beiden niht innen werden!' 
1660 nä bete er einen alten dienestman, 

der sprach: ,ich wil iu raten, obe ich kan, 

volget mir ir vursten h£re, 

so behalte wir wirde unde 6rel 



1648 üf ~ ein AlSs Zwelff I. Danach nur in S: Also gelopt mir der mer. 

1644 darüfe ~ naht MSs auf turen I. lagen MIs warent S. 

1645 sch6ne MIs och gar seh. S. 

1646 an -MSs er- 1. 

1647 gerne MI Nun S. 

1648 wol MIsß vil w. S. 

1650 eineme Ss deme MI. spate MIs also s, S. 

1651 ze r. Ms da s. r. S drat I. 

1652 er spr. MI v& sp. sfS. nü SsfMI. 

1654 wände MSs Waz I. wol MI gar w. Ss. 

1655 Zwar SfMIs. daz 1. MSs die stat I. 

1656 MSflsß. herren M lieben h. S. 

1657 MSsflß. ditze M Zwar dasz S. 

1658 mtne] M minen S ir I. herren MI degen S. 

1660 nü— alten MIs Dasz erhört ain alter S. 

1661 der MSs Er I. iu MIs uch her S. 

1662 Nun SfMI. vursten h.] MI fürst vnd here S. 
1G63 behalte wir MS behaltet ir I. 



79 

^ [ E. V. 1609—1627 

ich sihe dort bl deme wilden mere/ 
1665 also sprach er ze deme here» 

,gar zw£ne höhe berge, 

darzwischen hän wir guote herberge: 

darzwischen ist ein anger breit, 

ir h£rren daz sl iu geseit, 
1670 darüfe sul wir uns ze velde legen, 

di ist sicher unser l!p unde unser leben, 

unser lip unde unser guot 

ist allenthalben wol behuot, 

zwischen den bergen unde ouch deme mere 
1675 ist sicher unser here.' 

si volcten alle deme einen rate, 

unde tlten mit einander dräte, 

si hefteten an daz heidnische gestat, 

manic helt abe den kielen trat, 
1680 ez Uten die kristen alle sant 

abe den kielen fif daz lant. 

zwischen der berge fif den anger breit 

manic helt sich dö ze velde leit, 

die hdchgelobeten degen 



1664 dort MsflS. wUden MlsfS. 
1666 MlfSsp. 

1666 imS tu 1664. gar Ms Barn IfS. 

1667 guot ISs. gar ein g. M. 

1668 -zwischen MIs enzwttschend S. ist ISsfM. anger Ms gut a. I ainig 

S wise ß. 

1669 geseit MI für war g. S. 

1671 dd Ss t6 MI. »anser (1.)] vnsz M. unser (2.) MSfl. 

1672 *Vnsz M. unser] vnsz MI och vnsser Sfs. 

1673 Das» STMI. 

1674 den bergen] M den perg 1 dem berg S. ouch MSfl. 

1675 Da SfMI. unser] vnsz M allesz vnszer S vnser groszes I. 

1676 *volgtein M. dem einen MI dem ainigen S sine S. 

1677 ISsfMß. unde Is Sy S. 

1679 Vil SfMI. abe den] M a. dem I von den s über den S. kielen] s 
kielin M kiel IS. 

1681 abe MI Vsz S. den k. MS dem chiel I. üf MI an S. 

1682 ISsßfM. der] u(b) die S den (perge) I. DanacA nur in U Manig helt 

ab dem chiel trat. 

1683 ISsfMß. M I. 

1684 ISfMsß. die] Der I Dasz wysset die S. - gelobeten] gelabte I gelopt S. 



_80 

I E. V. 1628—1650 



1685 begunden sich schöne ze velde legen, 
zwischen der berge fif daz velt 
wart gerihtet manic hSrltche gezelt: 
si lägen zwischen der berge verborgen 
unde lebeten doch mit sorgen. 

1690 d6 si nü ze velde wären komen, 
alse wir ez sider hän vernomen, 
der milte künic Oswalt 
sante nach stneme kameraere halt, 
diu wtle werte niht lange, 

1695 der kameraere quam gegangen. 
d6 in der künic ansach, 
nü hoeret, wie er ze ime sprach: 
ez sprach der vurste unverwegen: 
,du solt mir den raben geben, 

1700 ich wil mich n^ niht lengen, 
ich wil in ze boten senden, 
daz er mir ervare an der küniginne vrt, 
wes ir noch ze muote sV 
der kameraere harte erschricte, 

1705 den herren er trüriclichen anblicte 



1685 ISfMsß. begunden] I Begund S. 

1686 *zwischein M. der MI die S. 

1687 wart gerichtet MS man machet I. herltche] S erlaich I schöne S (vil 

kostliche ß)fM. gezelt Is zeit MSß. 

1688 der MI den S. berge] M bergen IS. 

1689 doch MIsb ye doch u öch S. sorgen MI(s)ß grossen sorgen S. 

1691 sidei] M sid S seit 1. 

1692 kUnic MI k. sant S herre sant s. 

1693 Der SfMIs. 

1694 niht MI och n. S. 

1695 kameraere MI kemcriing S. geg. MI schier g. S. 

1697 hoeret — ime IS mugt ir hörn wie er M. 

1698 »Er I. 

1700 mich nü] M mich Is esz nß S. lengen] M me uerlengen S lenger 

sUmen s wenden I. 

1701 ich ISs Vn M. boten MS der küniginne Is, 

1702 ervare MSsfl. Danach in S als nette Verse-. Vnd er mir dasz nit lenger 

spar: An — fry. 

1704 harte] M h. er I vil h. S fast S. 

1705 tröricKchen MS trüriclkhe Is. 



81 

["eTv. i6$ 1-1677"! 

unde sprach: ,ich muoz iu der wärheite verjehen, 

ich hkn den raben üf deine mere nie gesehen, 

ich hän halt daran nie gedftht, 

daz ich in mit mir hete brdht: 
1710 ich wänte edeler vurste rtche, 

ir hetet in selber gevuort gar tugentltche/ 

der kameraere besorcte des harren zorn 

unde wände, er müeste stn leben hän verlorn, 

er kniewete nider vür in öf daz lant 
1715 unde sprach: ,mtn leben stät in iuwerre hant/ 

sant Oswalt des erschricte s6r 

unde sprach: ,6 daz wir ie sin komen herl 

6 aller miner dienestman/ 

sprach der vurste lobesam, 
1720 ,ich bin komen under die wilden beiden, 

nü stuont ez mir nie s6 leide!' 

ez klagete der edele vurste guot, 

alse noch manic man von leide tuot, 

er sprach: ,mine dienaere alle sant 
1725 der rabe ist noch in Engellant! 

nü was mir grdzer 6ren gedäht, 

hete ich den raben mit mir bräht, 



1706 unde Mls Er S. iu der Is ewchs der M Uch die S. verjehen Ss jehen MI. 

1707 Zwar STMI. deme mere] I de mer halt M der fart S. 

1708 halt ISfMs. daran] M, nach nie I an jn S. ^gedacht S. 

1710 edeler MIs vil e. S. 

1711 ir MIs Ich S. selber ISs selbn M. 

1713 unde MIs Er S. mUeste han MIs hett S. stn Ms dasz Sfl. 

1714 nider SsTMI. 

1715 unde MIs Er S. leben Ms 1. dasz Sfl. 

1716 des erschricte] M erschricket desz S erschrac Isß. sSr MIs vil s. S 

vG herczn ser u gar hartt und sere b. 

1717 unde sprach] I Er sprach SfM. 6 MSfl. 

1719 Also S["MI. vurste MI kUnig S. ♦lobisam I. 

1720 ich bin MI Nun bin jch her S. Dunach in % als zwei Verse: Vnd mag 

nit geschaffen min frumen: Vnder d. w. h. 

1721 stuont — mir] M geschach mir S waz ich I. s6 MS in so grosem I. 

1722 ez] IS Er M. 

1723 manic MI vil m. S. von] I v. grossem S vor Ms. 

1724 mine MI nü wissend mini S. 

1725 ist MI jch S. 

1726 grdzer e. MS groz ere I. 

1727 mir MI ro. her S. 

Baesecke, Münchener Oswald 6 



82 

I E, V. 167 5-1697 

gen der küniginne hochgeboren: 

als6 ist min arbeit gar verloren!' 
1730 er sprach: ,alle mine dienestman 

wie welle wir ez gttfen an? 

wir hän niht rehte getan, 

daz wir den raben daheime hän gelän! 

obe wir nü werden bestanden 
1735 von der wilden heiden banden, 

s6 weret iuch, des ist uns n6t: 

ich hän iuch gevuort in den tötl* 

des erschräken die dienestUute sSre 

unde sprächen: »wäfen hiute unde iemermSrel 
1740 waere wir nü von den heiden bestän, 

s6 müeste ez uns an unser leben gän.' 

gröi^iu ndt wart in bekant 

unde gedähten alle heim ze lant 

an ir wtp unde an ir kindeltn, 
1745 daz diu in solten verweiset stn. 

an denselben stunden 

si vor leide ir hende wunden, 

der hörren klage diu wart gröz, 

manic zäher in von den ougen vlöz. 
1750 dö sant Oswalt die grözen klage ansach, 



1729 also ist MI Aber jch han S Nu han ich alle S. min MIs die S.. 

1731 Nun SfMls. 

1732 niht r. MI wcrlich n. r. S gar unrecht s. 

1735 von ISs Vor*M. der] den MISs. wilden SsfMI. banden MS i frömdn 

landn I[~S. 
1736/39 in I nach 1755. s6 MSsfl. iuch MSs Uch der haiden I. uns MS üwlfs. 

1737 l6t ISs grijgc t. M. 

1738 -liute Ms -man I herren s. 

1739 unde Ml Si 1. wäfcn] I nu waflfen SfM. 

1740 MSfls?. wacre] Wer M Wurdend S. nü] SfM. bestan] bestanden S 

erstanden M. 

1741 MSflsß. müeste] S müs M unser] vnsz M das« S. 
'742 Vil SfMls. wart MSs würde I. in MS vns Ifs. 
1743 heim ISs hin h. M. 

1745 diu in] M sie nü I die S sie S. solten vor sin S. 

1748 der — klage MS Die hern clagetten I. diu MlfS. wart] ward so S 

wort I waz M. 

1749 in von den MI vö jren S. 

1750 d6 MlsfS. 



83 

I E.V. 1698-1721 

hoeret, wie er ze in allen sprach: 

ez sprach der werde vurste hfire: 

,ir sult volgen miner 16re: 

ir werden helde guot 
1755 nemet an iuch vesten muot, 

stt der manheite staete 

unde ziehet abe iuwer strttgewaete I 

ir stolzen recken werden 

nü valle iegellcher nider kriuzestal üf die erden 1 
1760 vrten unde dienestman, 

ruofet got von himele an 

unde bittet die himlischen küniginne, 

daz si uns helfe vr6lkhe von hinnen I' 

si volcten ir hdrren rate 
1765 unde tlten üz deme harnasche dräte, 

si zugen abe ir stritgewant 

unde vielen kriuzestal nider üf daz lant, 

si bäten den himlischen vursten guot, 

daz er si hete in siner huot 
1770 unde si behüetete vor den heiden: 

den kristen was fizermäzen leide. 

got unde diu muoter sin 

teten d6 ir genide schin 

unde sanden einen engel werde 



1751 Nun STMI. allen MSsfl. 

1752 Ex spr. MSfl. werde Ml edel S. v. here MS fursten vn heren I. 

1755 Nun SfMIs. an ISs all saropt an M. vesten MIs gar u. S. 

1756 Vnd S Sant oschwalt sprach I {vgl. zu 1635) fM. der m. MSfl. 

1757 •strit -] streicht M. • gewaete] S gewant MI. 

1758 MlfSsß. 

1759 nü MI Vnd S. valle MS vallet Is. iegelicher] M üwer i. S alle Is. 

nider Ms[~IS. kriuzestal] M kriuzcwise ISs. üf die MIs zu der S. 
Danach nur in S: Dar vmb dasz vnsz geholflfen werd. 

1760 unde MI v. och die S. 

1761 Vnd ir all SfMI. ruofet ISs Ruften M. 

1763 vi6Mche M, vor helfe Is frölichen S. 

1764 ir MIs all jrsz S. 

1765 üz MIs all usz S. 

1767 kriuzestal] M kriuzewtsc ISs. nider MflSs. 

1771 was MS den w. I. üzerm.] M usz der m. Sfl. 

1772 unde MIsß v. och S. 

1773 Die SfMI. d6 ir IS dar in M. 

1774 MIs^S. sanden] I sant in M sant $ sendet ß. 

6» 



84 

E.V. 1721— 1744 



1775 nider üf die erde. 

der engel quam in Engellant, 

da er sant Oswaldes raben vant. 

d6 der engel den raben ansach, 

gerne muget ir hoeren, wie er sprach: 
1780 ,rabe ich kan dir niht verdagen, 

ich inuoz dir von dlneme harren sagen: 

wie hast du stn s6 lange vergezzen? 

wände er ist gar harte besezzen, 

er ist harte bestanden 
1785 in den heidnischen landen, 

stlc unde sträze sint ime benomen, 

er niac niendert von dannen komen: 

kumest du ime niht ze hilfe in kurzer zlt, 

s& verliesent si alle ir Hp, 
1790 man lät ir keinen niht genesen: 

wie bist du so lange von ime gewesen?' 

dö diu rede vol geschach, 

der rabe ze deme engel sprach: 

,engel du solt stille gedagen 
1795 unde merke, waz ich dir habe ze sagen: 

mtn h6rre der sande mich über mere, 

66 was ich ime nutzer danne ein ganzez here: 



1775 nider] M Vö hfmel I Eier wider S. Danach nur in S: Desz wurdcDt 

si gefrewet scr. 

1779 gerne Ml Nun S. 

1781 Herren IS liebn h. M. 

1782 sin] M desi Sfl. lange IS gar M?. 

1783 wände MI Vnd S. gar M och gar S so I. besezzen MI gesessen S. 

1784 er MI Vnd S. harte MI och gar h. S. 

1785 MI(s)rS?. den Mfl. /« S: Vö der wilden haiden banden. 

1786 Stic MI Sig S. sint IS ist M. 

1787 er Ml Vnd S. niendert MS nit I. 

1788 eben: SfMIs. 

1789 lip MIs leben S. 

1790 in M nach 1791. 

1791 von ime] S vö in IfM. 

1792 vol M do V. Sfl. 

1794 gedagen] S dagen MI. 

1795 ♦d' M. habe— sagen MS sage I. 

1796 der MSfl. 

797 nutzer Ml weger S. ganzez MSfl« 



85 

E.V. 1745— 1767 



ich vlouc iroe schöne 

hin in daz lant gen Ar6ne, 
1800 ich warp mtneme harren 

nach wirden unde nach gr6zen ^ren, 

in stneme dienste wart ich gevangen, 

unde wolte mich der heiden hin erhangen 1 

unde waere stn tohter halt niht gewesen, 
1805 er hete mich nie län genesen: 

nü half mir diu künigtn, 

daz ich beletp bt deme lebenne mtn, 

ir dre wol an mir erschein, 

daz ich mit 6ren quam herheim. 
1810 nü wie gar ist mtn h6rre ein t6r! 

nü sagete ich ime ez allez vor: 

davon er ist komen in arbeit, 

daz hin ich ime allez vor geseit: 

ich sagete deme vursten hochgeboren, 
1815 quaeme er äne mich hin über, stn arbeit waere gar verloren 

nü hat er einen hirzen an mtne stat genomen 

des ist er in grdze not komen: 

wil er niht senden den hirzen stn 

hin ze der kUnigin, 
1820 nimet er nü schaden, er unde stne dienestman. 



1798 sch6ne MI also seh. S. 

1799 in I zu 1798. hin MSfL gen MSfl. 

1800 Vn I Wann SfM. ich MSfl- warp IS erwarb M. schon: IfMS. 

1801 gr6zen MSfl. Danach nur in \x "Dz sich sin seid sold meren. 

1803 unde MlfS. der heidjn vor wolte S. 

1804 halt MlfS. 

1805 nie I halt n. M nimer S. 

1806 kUnigfn] edel k. S k. guot MI. 

1807 daz - min] M Desx belib jch by dem leben min S D. mir my leben I. 

vn mich wehüt: M wart behüt: IfS. 

1808 wol Ml nach mir 1 vil w. S. an mir MI[~S. 

1809 daz Ml Da S. *erhaim I. 

1810 nü MlfS. gar I so gar, nach herre SfM. 

1812 er ist MS ist er I. 

1813 bän ISß het M. aUez IS ez a. M. 
1815 hin Über] M dar Sfl. gar M gancz Sfl. 
1817 gr6ze n6t IS arbait M. 

1819 kttnigin] edeln k. S fryhen k. I k. frey M. 

1820 er nü] M er I den S. schaden er MSfl. 



86 

E.V. 1768—1787 



waerltche da bin ich niht schuldic an: 

si nemen vrume oder schaden, 

den gewin sulen si äne mich haben I' 

d6 diu rede was geschehen, 
1825 aber begunde der engel jehen: 

,rabe lä von dtneme zom 

unde kum ze hilfe deme vursten höchgeboml 

kumest du ime niht ze hilfe in kurzer z)t, 

s6 verliesent si alle ir \\p 
1830 unde werdent ouch alle ze t6de erslagen, 

mugen si diner hilfe niht gehaben.' 

d6 sprach der rabe: 

, engel merke waz ich dir sage: 

ich bin gewesen zwelf wochen unde ein jär, 
1835 engel daz sage ich dir vürwär, 

daz ich keiner slahte sptse, 

engel des wil ich dich erwisen, 

ze mineme Itbe nie gewan: 

mtneme harren ich niht gehelfen kan. 
1840 d6 m!n h^rre von deme lande was komen, 

d6 wart mir min pfruonde genomen 

von deme koche unde von deme kellaere, 



1821 waerliche MSfl. niht seh. MI gar vnschvldig S. 

1822 nemen MI] nemenssen S. 

1823 haben MI tragen S. 

1824 Vnd SfMI. was MI do w. S. •gesellen I. 

1826 Lieber SfMIß. lä MI nü 1. S. dfneme ISß dem M. 

1827 kum - hilfe MSß hielff I. 

1828 zit MI frist S. 

1829 alle MlfS. ir IS den M. lip MI leben alsz vil jr ist S. 

1830 ouch ISfM. ze t6de MlfS. erslagen MS gesl I. 

1831 mugen — niht] MI Wen si diner hilff nit mügent S. 

1832 d6 IS aber M. 1832 umf 1833 in S ein IWs. 

1835 in S nach 1836. 

1836 slahte MI menschen S guoten ß. nie han gausz: SfMI. 

1837 MlfSsß. des M daz I. erwisen M wissen I. 

1838 ze — nie MI nie ß Miner krafft vnd sterckin bin ich wordan S. gewan 

I wan S genam M han versuocht ß. 

1840 lande MSs hus I. 

1841 min MSs die I. 

1842 kellaere ISs kellnaere Mß. 



87 

I E. V. 1788— 1805 

engel merke mines herzen swaere: 

die begunden mtn gar vergezzen, 
1845 si gäben mir weder ze trinkenne noch ze ezzen, 

si brächen mir abe bröl unde win, 

si vorhten niemöre den harren mtn: 

als 6 wart min gar vergezzen: 

ich muoste mit den swfnen ezzen, 
1850 als6 muoste ich mtn sptse nemen, 

mtn hÄrre muoz sich sin iemöre Schemen I 

ich muoste öuch ezzen ze allen stunden 

vor deme tische mit mtnes hÄrren hunden: 

welicheme hunde ich sin sptse genam, 
1855 der grein mich danne jämerltche an. 

man gap mir weder win noch bröt, 

von hunger hän ich geliten gröze not, 

mtn gevidere ist mir zezerret sÄre: 

mineme harren mac ich nicht gehelfen m^re, 
1860 ich mac keinen vluc niht gehaben 

unde wurden si alle ze töde erslagen.' 

d6 sprach der engel mSre: 

,rabe nü volge mtner löre 

unde erswinc daz gevidere dtn 



1843 merke MI nu m. S. 

1845 mir MSßfl. weder MI nUtz S. ze, ze MSfl. 

1846/48 MlfSs?. 

1849 MIsßfS. mit Is nur m. M. swinen Isp varchlein M. 

1851 sfn MI desz S. 

1852 oucb MlfS. 

1853 mines herren MS den Iß. 

1854 stn sp. MS daz sin I. genam M nam IS. 

1855 danne M dnnne gar ß gar IfS. jamerifche] M icroerlichen S zornniklich 

I griulfche ,3. 

1856 gap Ss git MI. 

1857 hin ich geliten] M han ich erlitten s leit ich IS. 

1858 »gefeder I. mir MSsfl. 

1859 MSflsß. mac S kan M. 

1860 Zwar SfMIsß. niht gehaben] M geh. S me geh. s habii mer I. 

1861 wurden — erslagen] I wcrdcnt — erschlagn M söltend si ymer all ze t. 

werden e. S solte min hdrre halt (halt geleich u) sterben unde allez 
sin bere ß. 

1862 mere MS zu dem rabii m. Ifsß. 

1863 nü Ml noch S. 

1864 erswinc Mls swinc Sß. daz g. din MS din gev. 1. ser: IfMSS|3. 



88 

I E. V. 1806— 1822 I 
1865 alse hoch driu spere mugen gesin: 

mäht du danne des vluges niht gehaben/ 

— als6 redete der engel ze deme raben — 

,s6 lä dich her wider ze der erde,* 

also sprach der engel werde, 
1870 »dannoch hast du geleistet die triuwe din 

unde muoz dir got unde diu werlt deste holder sin.' 

der engel den raben übergie, 

daz er daz gevidere üz einander lie 

unde swanc sich von der erde, 
1875 des twanc in der engel werde, 

daz er sich in die lüfte z6ch 

volliclkhen zwelf spere hoch. 

nü wolte et sich ze der erden hän gelän, 

daz mohte ime der engel wol understän: 
1880 der engel den raben des betwanc, 

daz er sin gevidere höher erswanc 



1865 h6ch MI h6cb alse Ss. spere MSsß spies I. . ge$tn] M s!n ISs. />amKA 

nur f>r I: Vn du daz durch den willen roy. 

1866 in S nach 1867. danne Ssuf Mlb. des Ss den I deines M. vluges MSs flUg I. 

1867 der c. IS er M. 

1868 U dich MIsß fluig S. her MSsf Iß. 

1869 MSflsß. 

1870 dannoch MS Vn I. du MSfl. die tr. dfn MS din tr. I. dem werdn: IfMS. 

1871 unde MS So 1. diu IS alle dew M. deste h. MS höh I. Danach nur 

in I: Ds glaub mir auff die trilw myn. 
1872. Danach nur in 1, von andrer Hand'. Daz er zefliegen an geuieng. 

1873 daz MI sin S. 

1874 unde MI Er S. von MI gen S. 

1875 twanc MI bezwang s er waicht S. 

1877 MSsßfl. vollicKchcn] M Volklich wol S wol sfß. 

1878 hän gel. MSsß lan I. 

1879 MSsßfl. JDoe] M(s) nü .S. Dafür in \\ Do sprach der engel wol getan 

Du sah dim hem dienen wol 

So wirt dir geben 

Gut vn ain sellig leben 

Do sprach der rab 

Ich wil mich von hin traben 

Ich wil im dienen williklich 

Ich bin von im wordn rieh. 

1880 MSsßTI. 

1881 MSsßfl- sin Ms dasz S. höher erswj noch höcher erschw. S hoch' 

schwang M hoch ersw. s. 



Sd 

I E. V. 1823— 1843 



linde vlouc hin über daz wilde mere 

unde Ute ze sant Oswaldes here 

linde quam an deme vierden tac, 
1885 da sant Oswalt in grözen noeten lac. 

fif einen segelboum er gesaz, 

aller mtiede er gar vergaz, 

da treip er einen ungevUegen schal, 

daz ez under daz here erhal. 
1890 an der selben vart 

in ein schefkneht erh6rt, 

deme mohte niht liebers sin geschehen, 

alse wir noch hoeren jehen, 

deme schefknehte 
1895 deme geschach dö üzermäzen rehte. 

wie balde er üz deme scheffe spranc! 

sin gröziu vröide in des betwanc, 

er spranc ze der selben zit 

volliclichen drler klafter wit 
1900 unde. quam schiere sä zehant, 

da er den milten künic vant. 

d6 er den künic ansach, 



1882 MSsßTI. 

1883 MSßfls. le] M hin r. S. 

1884 MSs^fl. unde Ss Ich M. tac Ss morgen Mß. 

1885 MSsflß. lac var in M. noeten Ss sorgen M. 

1886 MSsßfl. gesaz M saz Ss satzte sich ß. 

1887 MSsßf"!. aller Ms? A. siner S. gar M da ßfSs. 

1888 MSsßTI. dd MsßTS. er vor treip S. 

1889 MSflsß. ez] S er M. her M h. hin S. 

1890 MSfls?. der S den M. vart] S wort M. 

1891 MSsßTI. 

1892 MSsf Iß. niht nacA liebers S. 

1893 MSflsß. noch M hernach S. 

1894 MSflsß. deme] M d. selben S. 

1895 MSTIsß. d6] MfS. 
1896/1897 SsfMlß. 

1898 MSflsß. der selben S air M. 

1899 MSflsß. volliclichen M voUenklich wol S. 

1900 MSsfIß. 

1901 MSsfIß. künic] M k. sant Oschwald S sant Oswalt s herren ß. 

1902 MSflsß. künic] S miltfi k. M, 



_90 

I E. V. 1844—1865 



gerne muget ir hoeren, wie er sprach : 

er sprach ze deme hörren halt; 
1905 ,ei milter kUnic Oswalt 

gebet mir daz botenbröt, 

sich wil volenden unser n6t, 

ich muoz iu der wärheite jehen, 

iuwem raben hän ich hie gesehen, 
1910 er ist her ze lande komen, 

unser n6t hat ein ende genomen!' 

d6 diu rede vol geschach, 

sant Oswalt begunde lachen unde sprach: 

,unde ist mtn rabe körnen her fiz Engellant, 
1915 drizic marc goldes gibe ich dir in dtn hant 

unde mache dich ze ritter/ sprach der vurste h6re, 

,kein scbefkneht bist du niemermSrel' 

dö er daz botenbröt empfie, 

wie balde er ze deme raben giel 
1920 er sprach: jabe bis mir gotwilkomen, 

dtn kunft hän ich gerne vemomenl' 

er sprach: ,m}n berzlieber rabe 



1903 MSflsß. gerne] M Nun S. 

1904 MSsfIß. deme h.] dem her'en sant O. S sand oswalt M. halt] MfS. 

1905 MsflSß. ei] M O s. kUnic] M k. Sant s. In S: Mit grosser begird 

vnd ylt bald. 

1906 MSs^fl. Her SfMs ♦boten-] peten M bötten S. 

1907 MSsHß. unser] s vnsz M all vnser S. 

1908 MSflsß. Zwar SfM. 

1909 MSsuflb. hän] M den b. S. 

1910 MSsuflb. Zwar SfMs. 

1911 MSflsß. All SfM. *vnsz M. nAt M trurcn S. 

1912 MSsTip. Vnd SfMs. rede M r. do S. 

1913 MSsßTI. begunde M der b. S. lachen Ms loffen S. 

1914 MSsflß. her Ms dort er S. 

1915 MSsßfl. gibe Ms dass g. S. in d h. Ms zehant S. 

1916 MSsßTI. /» S nvti Vfrse. unde Ms Ich S- te Ms och t. S. sprach M 

Also s. S. 

1917 MSsßfl« Danach nur in S: Vnd solt han vö mir gross lob vn er. 

1918 MSflsß. 

1919 MSsßfl. ze Ss gen M. 

1920 MSsflß. 

1921 MSsfIß. kunft] chunst M zuokunft Ss. gerne Ss wol M. 

1922 MSsfIß. mtn h. Ss all' mein liebst' M. 



?^ 

I E.V. 1866- 1888 

nü vliuc gevuoge üf mich her abe! 

ich wil dir dienen iem6re willicltche, 
1925 ich bin von dinen schulden worden guotes rkhe.' 

der rabe s!n gevidere erswanc, 

ze deme schefknehte stuont aller stn gedanc. 

der schefkneht niht enlie, 

den raben er üf sin hant gevie. 
1930 nü gie er mit 6ren 

hin ze deme stolzen hdrren. 

der milte kUnic Oswalt 

gie engegen deme raben balt, 

mit mantgem h6chgelobeten degen 
1935 gie er deme raben engegen. 

— daz diu werlt als6 abebirt, 

daz kein böte m^re also empfangen wirt, 

alse der rabe wart empfin 

von sant Oswalde unde von allen sinen man! — 
1940 sant Oswalt niht enlie, 

den raben er üf sin hant gevie 

unde sprach: »lieber rabe min 

du solt mir gotwilkomen sinl 

Sit du mir nü bist her komen, 
1945 nü wirt mir leides vil benomen.' 



1923 MSfls?. 

1924 MSfls?. icm^re] MfS. 

1925 MSf Isß. dinen seh.] M dir S. guotes] MfS. 

1927 aller MSfl. 

1928 niht MI do n. S. 

1929 den raben er IS Wie pald er in M. sin M](^) die S. 

1930 nü Ml d6 Sß eren I grossen e. S dem Rabn M. 

1931 hin s. MS FUr I. deme] M den I sinem S. stolzen Ml lieben S. 

1932 Oswalt MI sant O. S. 

1935 Der SfMI. engegen M,3 hin re IS. 

1936 Msßfls. Jf* ? ^(^ 1937. daz MS die wile ß. als6 abebirt] a. ab 

nipt M noch so alt wurlt S stet ß. 

1937 MSßfls. ^'nde empfie in also herliche ßfMS. mire MSufb. ak6 Mß 

so schon nimen S. wirt Mß stet ß. 

1938 alse — wart MS Der rab wart schön I. 

1939 Osw. — man MS oschwalts mannen I. 

1940 niht MI desz n. S. 

1942 unde MSß Er 1. lieber MIß. vil 1. S. 

1944 mir MSfls her Ms, vor bist Sfl. 

1945 nü MS s6 1$. mir ISs vns M. 



92 

£. V..18S9 — I9II 



der rabe wart hdchgerauot, 
er sprach: ,nü danke dir got der guotl' 
sant Oswalt vräcte in der maere, 
wie deme vride in Engellant waere? 

1950 er sprach: ,vnt unde gemach ist in Engellant 
under dinen dienestliuten allen sant, 
doch kan ich dir niht verdagen, 
ich muoz dir also vil klagen 
über den koch unde über den kellaere: 

1955 hfirre nü merke mines herzen swaere: 
d6 du von deme lande waere koinen, 
d6 wart mir m!n pfruonde genomen, 
si pflegen weder wirde noch ^re, 
si wänden, du körnest ze lande niemerm^re, 

1960 si begunden min gar vergezzen, 

si gäben mir weder ze trinkenne noch ze ezzen, 
si gäben mir weder w)n noch brdt, 
von hunger hän ich geliten gr6ze n6t, 
ich muoste nfi ezzen ze allen stunden 

1965 mit den swinen unde mit den hunden: 
welicheme hunde ich sin spfse genam, 
der grein mich jämerllche an: 
h6rre nü gip mir din triuwe ze pfände, 



1946 h6chgem. Ms vU b. S hohes muts I. 

1947 er sprach ISfM. dir MI üch S. 

1950 gemach ß guot g. S genäde Is genat M. in MIsß da haim jn S. 

1951 MS8(ß)ri. 

19')2 doch ~ dir MI Doch k. ich s Ich kan dir her och S aber milter küoig ^. 

1953 ich in. dir MIs Ich han dir her S. also vil ISfMs. klagen Is le d. S 

clagn vnd sagft M. 

1954 über den (2.) MSsfl. kellaere ISs kellnaere Mß. 

1955 mlnes herzen M myn I min grosse S. 

1956 waere] werd IS werde s ward M. 

1957 d6 MIs Zu band S. pfruonde MIs spisz S. 

1958 pflegen] pflegtent S pflegen Ms daten I. 

1959 wänden IS wänt M meynen s. 

1960 MSsflp. gar S schier sfM. 
1961/63 MSsflß. 

1964 MSsßfl. ich Ss Vn M. 

1965 MSsßfl. swinen Ssß värchlein M. 

1966 MSsflß. genam] M nam Ss. 

1967 MSsflß. jamerlichc] s gar j. M iemerlichen S. 

1968 nü MSsfl. 



93 

I E, V. 1912— 1930 [ 

wanne du heim kumest ze lande, 
1970 daz du si beide wellest vähen 

unde an einen galgen häheni' 

ez sprach der vursce wolgetän: 

,rabe du solt von deme zorne länl 

unde tuo daz durh den willen min, 
1975 alse liep ich dir miige gestn, 

s6 wil ich dir des min triuwe geben: 

die wtle wir beide hän unser leben, 

s6 kumest du von miner schuzzele niemdre, 

zewäre daz habe üf alle min drei' 
1980 er sprach: ,nü wolte der himlische trahtln, 

daz dir wol waere gerastet daz gevidere dln: 

diu ztt hat ein ende, 

sd wolte ich dich ze der küniginne senden.' 

dö sprach der edele rabe: 
1985 ,hdrre nü merke waz ich dir sage: 

ez ist hiute der vierde tac, 

vürwär ich dir daz sagen mac, 

dannoch was ich in Engellant, 

h6rre des habe dir mtn triuwe ze pfant: 
1990 ich weiz, obe ich gevlogen bin 

oder obe mich triuget mtn sin. 



1960 heim MS wider h. sfl. ze lande MSs in engellant I. 

1970 vii jn dasz intrencken: SfMls. 

1971 an einen MIs si baid an S. hähen MI henken Ss. 

1972 ex MS d6 Is. wolgctdn MI gut vnd lobsani S. 
1975 ich MI aUz jch S. 

1977 wir beide MSs vii wir I. unser] vnsz M daz IS. 

1978 du ISsfM mer: MsflS. 

1979 zewäre MS Rah I. 
1981 wol MSfl. 

1983 s6 — dich MSs Ich wil dich I. 

1984 h^re: ISfMs. 

1985 hlrre MsflS vgl. 1984. m^re: ISfM. 

1986 MisfSß. hiute Ms heinet I. 

1987 MlfSsß. 

1988 MlsfSß. 

1989 MirSsß. 

1990 weiz Ml w. niht Ss. ich Ss ich her MI. 

1991 triuget mtn] M betrugt ro. S triegent alle m^ L 



94 

E, V. 193«— 1954 



wände mir ist werder vurste vr!, 

alse ich wol gerastet st. 

nü enbiut der küniginne, 
1995 waz dir st in dtneme sinne, 

so wil ich dir die boteschaft werben, 

unde solte ich darumbe sterben/ 

er sprach: ,sage mir der künigtn 

vltzicltche den dienest mtn, 
2000 ich st her komen ze lant, 

ich unde mtne dienestliute alle sant, 

unde si durh ir willen komen her: 

daz si mir gebe rät unde l§r, 

wie ich si süle gewinnen üz der bürge guot/ 
2005 hiez in reden der vurste höchgemuot, 

idaz si mir sage rehte, 

obe ich umbe si süle vehten: 

dnz tuon ich danne rehte geren, 

ich hin manigen stolzen dienesth^iren.' 
2010 der rabe was liste vol, 

er sprach: ,ich kan ir ez allez gesagen wol, 

ich wil ouch her wider sagen dir 

waz si dir enbiutet bt mir/ 

der rabe urloup von deme harren nam 
2015 unde schiet ouch vr6]iche von dan: 



1992 ISfMs?. 

1998 ISfMsß. alse I AIsz ob S. gerastet I gefaistet S. 

1994 kUniginne MI edlen k. S. 

1995 dfneroe] S deme MI. 
1997 darumbe MIs halt d. S. 

1998/99 in M ein Virs, mir ISsfM. der MIs d. edelen S. vUzidiche] S 
Flislich S FlisMig I FleiM M. 

2000 Vnd wie S vn das sfMI. 

2001 mine MI all m. S. - liute MI - man S. sant MSf I. 

2002 unde si MS(s) Sin I. 

2003 Vnd SfMIs. si ISS|3 sag M. rät ISsß rab rat M. 

2004 in M zwei Verse. sUle gew. MSs (ir) müget bringen ^ gewin I. 

2005 Dasz Sf~Ml. hdcbgemuot MI vUgüt S. 

2009 Wann MflS. stolzen ISfM. 

2010 liste] list M liesten I listesz S. 

2011 allez MSfl. 

2012 ich MS Vn I. her MS er-I. 

2014 urloup nach herren S. deme MSs den I. 



_ _-> 



95 

I E- V' '955-1978 | 

hin gein der bürge was ime gäch. 

die hörren sähen ime vaste hin nach: 

er vlouc über den berc hoch 

der sich in die lüfte zöch, 
2020 der rabe hete niht mSre reste, 

er !lte hin ze der guoten veste. 

alse er ze der veste was komen, 

alse wir sit hän vemomen, 

des raben gelücke wol erschein: 
2025 die küniginne vant er alein 

oben an einer zinnen, 

herüz hete sich geneiget diu junge küniginne. 

der rabe ze ir nider vl6ch, 

vr6Iiche si in üfzöch 
2030 mit ir durh ein venster !n 

unde bat in gotwilkomen sin. 

an der selben stunde 

si in vrägen begunde, 

si sprach ze deme raben: 
2035 ,du solt mir rehte sagen: 

wä lieze du dtnen harren? 

waerlkhe den saehe ich rehte gerenl 



2016 was MI do w. S. 

2017 hin MSfl. 

2018 den IS des M. 

2019 der] M er I (KorrO, S. löch MI uflF z. S. 

2020 reftte IS recht M. 

2021 er IS Vii M. hin ISfM. se MI gen S. guoten ISfM. 

2023 sft] I sid nun S es seid' M. 

2024 wol MI do w. S. 

2027 in ♦MI zwei Verse» der erste fehlt I(s?). hete — geneiget] M naigt sich S. 

2028 vl6ch] flog MI fluckt S. 

2029 in ISs in wid' M. zdch] zogt I zuckt MSs. 

2030 venster in MI vensterlin Ss. 

2031 bat] M si b. S hiez Is. 
2033 vrdgen S(s) vr. di MI. 

2035 rehte] M bald I künden vn Sfs. 

2036 lieze MS last 1. dfnen h. MI(s) den h. din S. Danach nur inS: Dasz 

sag mir lieber rapp min. 

2037 waerltche MSsfl. rehte MI also r. Sfs. Danach nur inS: Dasz musz 

jch dir ja der warhait veriechen. 



96 

I E.V. 1980-2000" 
daz er ist gewesen äd lange, 
des ist mtn vröide nähent zergangen.' 
2040 er sprach: ,vroiiwe ich tuon iu bekant: 

min h^rre ist hie ze lant 

mit manigem werden ritter guot, 

die hat er bräht über des wilden meres vluot. 

zwischen der zweier berge 
2045 hänt si ein guote herberge, 

da ligent si verborgen 

unde lebent doch mit sorgen. 

nü hat mich m!n hSrre ze iu gesant her, 

daz ir ime gebet rät unde 16r, 
2050 wie er iuch stile gewinnen üz der bürge guot, 

enbiutet iu der vurste höchgemuot: 

ir sult ime enbieten rehte, 

obe er umbe iuch süle vehten: 

daz tuet er danne rehte geren, 
2055 wände er hat manigen dienesth^rren.* 

dd sprach diu küniginne gemeit: 

,rabe daz st dir unde dineme harren geseit: 

daz kristen unde beiden, 

alle diu werlt waere sin eigen 



2038 er ISfM. s6 MI also S. 

2039 MlfSsß. nihent] nach im M na darüber chät I. 

2040 vrouwe MI reiniu juncvrouwe ßf Ss. tuon Mls t&nsz S. 

2041 bie I nun her S her komen Ms komen ß. 

2043 die SsfMl. Über Mls mit jm über S. 

2044 zwischen Mls Enzwischen S. 

2045 ein MS gar e. I. 

2047 lebent MI ligent S. mit Mls da mit jn grossen S. 

2048 mich — herre MIs er mich S. ber MSsf I. 

2049 rdt — l^r MS rdt sß 1er I. 

2050 sUle gew. Ml gewin S. 

2051 Och so SfMI. 

2052 ime MI jm och S. 

2053 sUle ISß müsz M. 

2054 danne MSflß. rebte MI vö gantzem herzen Sfß. 

2055 MSsßfl. manigen Ms so m. S. 

2056 gemeit MI edel vn g. Sfs. 

2057 unde - herren Mls für war S. 

2059 zu 2058 S. Vnde IsfMS. alle— werlt Mls allesr S. sfn ISs dein M. 



97 

I E. V. ao oi— aoaa [ 
2060 unde hete sich dämite vtir die burc erhaben, 

s6 möhte er ir niht geschaden. 

nü wil ich dineme harren raten, obe ich kan:' 

^ sprach diu küniginne lobesam — 

»heiz in volgen der l€re mtn 
2065 unde daz er neme ein roupgaltn, 

darin ein hundert helde guot 

unde die ir libes sin hdchgemuot 

waz er sust dienestliute müge gehän, 

die sol er zwischen der berge län: 
2070 mit hundert küenen degen 

sol er sich her vür die burc legen. 

in einer dunkele inuoz daz geschehen, 

umbe daz in nieman müge gesehen. 

her vür die burc üf daz velt 
2(i75 heiz in rihten ein kleinez gezelt, 

unde wer si danne vräge der maere, 

s6 sprich, daz er lebe äne alle swaere, 

daz si danne sprechen, si sten waehe goltsmit 

unde varen durh vremediu lant nach ir sit, 
2080 s6 wirt er sch6ne empfän 

von mineme vater unde von allen stnen man. 



2060 hete - d&mite MIs er sich damit het S. erhaben IS geleit Ms. 

2061 möhte Ss künde MI. niht Mls nimer nttcz S. 

2062 dfneme h. MlsfS. 

2063 Also SfML kUniginne MI jung k. S. 

2065 ♦näm M. roup-S rot IfM?. 

2066 darin MI vn d. s Vnd das zu S. ein ISfMsß. 

2067 unde MSfls. libes MSs lebens I. h6chgcmuot ISs gar h. M. 

2068 Vnde SfMIs. sust MSs me I. dienest • MSsfl- müge MI mac Ss. 

gehdn Ms hin IS. 

2069 der b ] M den bergen ISs. 

2070 Nun SfMIs. kUenen Mis küner S. 

2071 her S da her Mfls. 

2072 muoz MIs sol S. ^gesehen I. 

2073 umbe] Dar vmb S unde Mlfs. in IS si Ms. 

2074 Da MflS. 

2075 *heiz in] Haisen I. rihten MI da uff r. S üfsldhen St3. gezelt Ms zeit ISß. 

2076 unde MSs,3fI. wer si danne Mlb wer sie s wenn man sy d. u ob 

jn yemant S. vrage MI vraget Ssß. 

2078 in M zwei Verse, Vnd SfMI. danne MlsPfS- wache] M hübsch ß all Sfls. 

2079 vremediu MIs die S. lant ISs(?) lawt M. nach ir MSs mit I. 
2081 von allen M och v. a. S von sfl. man MS dienestman Is. 

Baesecke, Muncbener Oswald 7 



98 

E. V. 2023 — 2042 



unze wirde ouch ich ze rate 

beide vruo unde spite/ 

sprach diu küniginne, 
2085 ,wie ich kome mit ime von hinnen/ 

der rabe was biderbe 

unde vlouc balde hin widere 

ze stneine harren sä zehant 

unde tete ime diu maere bekant 
2090 er sprach: ,h£rre wilt du ^re bejagen, 

zwelf goltsmide muost du haben.' 

des ersch riete sant Oswalt söre, 

er sprach: ,hiute unde iemerm^re, 

daz sint mir 6rest starkiu maere I 
2095 nü liän ich weder hämer noch schaere 

unde muoz stn ouch nemen grözen schaden, 

daz ich keinen goltsmit mac gehaben!* 

die rede erhörten zwelf helde guot, 

die wären mit ime gevaren über des meres vluot, 
2100 die sprächen: ,h^rre ir sult iuch wol gehaben, 

wir wellen iu liebiu maere sagen,* 



2082 ich vor ouch S. 

2083 unde Ml vnd dar zu S. 

2084 Also SfMl. 

2085 wie Ss wie daz MI. kome] kom I kümme 8 kum S kam M. mit 

ime vor kome I. 

2086 was MI der w. so S. 

2087 unde MS Wie I. vlouc MSsu flog er I. balde Ms, vor vlouc 1 vil 

schon Sfu. 

2088 sä] so MI also S. 

2090 hlrre ISfMs. du MIs du nö S. 

2091 So MsflS. •zwilflf I. .niuost du vor zwelf M(s). 

2092 erschricte] M erschrac ISs^^. 

2093 hiute Mls waffen h. S. 

2094 MlfSsi^. mir Mfl. erest] I allew M. starkiu] M scharpffe I. 

2096 muoz stn MIs muszsen S. ouch MS noch s|~I. gr6zen] 1 ain grosten 

S grosr Mfs. 

2097 goltsm. MIs g. nit S. gehaben Ms haben IS. 

2098 ♦helKhilt I. guot Mlfl also g. S. 

2099 mit imcÄ^r// gcvarcn S. 
:>100 gehaben MS(s) haben 1. 
2101 liebiu MS guotiu Is. 



99 

E. V. ao43— 2060 



also redeten si ze deme harren, 
,von solicher kunste l^e wir iuch niht gewerren. 
nü merket un$ vurste lobesam: 
2105 unser sint zwelf junger man, 

wir sin alle samt goltsmide gewesen 

unde sin worden guotes rtche, 

daz geloubet uns vurste lobeüche, 

daz wir stn ritter worden, 
2110 nfl geloubet uns daz vurste hochgeboren, 

dö iu der verte wart gedäht: 

nfi hän wir den wercziuc mit uns bräht, 

obe wir quaemen in vremediu lant/ 

als6 redeten si alle sant, 
2115 ,unde wir ze noeten müesten komen, 

daz uns daz guot wurde genoroen, 

möhte ez danne anders niht enwesen, 

s6 tifiwet wir mit der arbeite wol genesen: 

wir wellen iu mit triuwen blstän, 



2103 redeten MI sprachend S. 

2103 mS iwei Verse, von solicher] Vor sottlcich' M Vö so gutter vn be werter 

S Der I. I4ze wir MS willen wir I. niht gew.] M werlich nit 
gewerren nun S nit enpem I. 

2104 uns] M vns recht edler Sfl. 

2105 zwelf Ms zwilff 1 hie z. S. 

2106 Zwar SfMIs. samt MlfSs. gewesen Mls(ß) g. glich S. I: Des mögen 

wir uch nit entwessen. 

2107 worden MIs och w. S. 
2106 vurste MI edler f. S. 

2109 ISs^fM. ritter Is zu r. S. 

2110 ISfMsß. daz] dasz edler Sfl. 

2111 verte MI raisz S. geddht Ml erdacht S. 

2112 nü — wir Mls Wir habend S. den Ml vnssern Sfs. bräht MIs her b. S 

dar b. ß. 

2113 SPfMIs. quaemen ß körnend S. 

2115 unde Ml Ob S. mUesten MS weren I. 

2116 ISfMsß. daz] I Vn S. daz guot] I die hab S. genomen I benomen S. 

2117 enwcsen MS gewessen I. 

2118 wol MSfl. 

2119 in S nafh 2120. wir w. MI So wollend wir S. triuwen IS trcw M. -st4n 

IS bestaun M. 

7* 



100 

I E. V. 2059—2081 



2120 die wile wir mugen unser leben gehänl' 

d6 sant Oswalt die rede erhörte d6, 

d6 wart er fizermäzen vr6, 

er sprach: »darumbe wil ich iu lihen unde geben, 

die wlle ich hän daz leben I' 
2125 ze den zwelf nam er hundert man, 

dämite huop er sich von dan: 

mit den goltsmiden sin 

schicte er sich üf ein roupgalin. 

er hete niht mfire reste, 
2130 unde huop sich ze der veste, 

in einer dunkele daz geschach, 

daz si nieman h6rte noch sach. 

vür die burc üf daz velt 

rihte er ime ein kleinez gezelt, 
2135 sine goltsmide rihten sich ze der arbeit, 

alse uns daz buoch seit, 

mit Zangen unde mit hämem 

tiiben si ein gr6z getämer. 

daz erhörte des küniges wahtaere, 
2140 ez dühten in wunderlichiu maere. 

nü lief er also dräte 



2120 Alle SfMI. mugen MlfS. unser] vnsz M dm IS. gehhn M hdn IS. 

2121 dÄ (l.)M, übergeschrieben sflS. erhörte MI hörte S vor die, s. 

2122 d6] M Desz S Nu Ifs. üzermäzen MS vö hcrzfi I. 

2123 er MS unde Is. lihen unde MSsfl. 

2124 All SfMIs. daz Ss min MI. 
2126 damite IS mit den s Do M. 

2128 schicte] M schifte IS. roupgalin] S röt g. I galin ß äckerlein M. 

2129 Wafi STMI. 

2130 huop MI er h. S. 
2132 hörte IS weder h. Ms. 
2183 Wol SfMI. 

2134 Do SfMI. ime MSfls. gezelt MIs zeit S?. 

2135 sich MSsßfl- 

2136 ISfMsß. buoch] I tUsch buch nü S. 

2137 mit (2.)MIs och m. S. 

2138 triben si] M dreben si I machten sie s llüb sich S wait 1^. getämer 

MlS|3 temer S. 

2140 dühten MS dühte Is. 

2141 nü ISs Do M. *lcif lief M. 



_ iqi_ 

I E. V. 2082-2102 

hin vür sines hfirrcn keroenäte, 

deme sagete er d6 diu maere, 

daz vür die burc komen waere 
2144a[manic werder kristenman.] 
2145 er sprach als6 sch6n: 

»wolüf richer künic Ärön! 

ich kan dir langer niht verdagen, 

ich muoz dir vremediu maere sagen: 

ez sint vremede geste 
2150 komen vür die veste, 

von manigem werden man 

sint dir diniu lant gewunnen an ... . 

unde wellen dir dtn lant gewinnen anl< 

d6 sprach der wilde heiden: 
2155 «wahtaere li dir niht wesen leide, 

ez törste nieman hän getan, 

des seit du min triuwe hin, 

ez sint boten üz vremdeme lant 

unde sint nach miner tohter gesant, 
2160 ez sint werdiu kristenkint: 

wecke mir üf min hofegesint: 

ez ist umbe si ergangen, 

si müezen alle werden erhangen I' 



2142 hin vUr Ss Für I Zu M. sines MSs des I. 

2143 dÄ MirS. 

2144 MSflsß. 
2144a fMISsß. 

2146 Nun SfMIs. 

2147 dir Ss diz ez ML niht vor langer S. 

2149 Zwar SfMIs. 

2150 Her SfMIs. 

2151 werden ISs fremdem M. man MIs mannen S* 

2152 MlfSs?. 

2153 SsfMI^3. unde] S die S. gewinnen an] angewinnen s abgewinnen S. 

2155 14 MI nü I. S. 

2156 Zwar SfMIs. •nemen M. 

2158 vremdeme] S eineme vr. Is fremden M. lant ISs landen M. 

2159 unde Ss die MI. 

2160 Zwar SfMIs. werdiu MS werder Ifs. 

2161 Nu SfMIs. 
2163 alle SsfMI. 



102 

I E. V. 2103—2125 



dö lief der wahtaere dräte 
2165 ze maniger schoener kemenäte 

unde begunde die beiden wecken 

unde üz ir släfe erschrecken. 

er sagete in diu inaere, 

daz vür die burc komen waere 
2170 manic werder kristenman: 

,unde wellen unserme harren daz lant gewinnen an!' 

des ersch rieten die beiden gar sSr, 

in wart von deme bette ger. 

gröziu n6t wart in bekant, 
2175 si legeten an ir strttgewant, 

an den selben stunden 

si ir belme fif bunden, 

si verwäpenten sich grimme 

in die liebten stahellnen ringe. 
2180 si spräcben, ez waere der kristen ende. 

iegelicber gevie ze siner hende 

beide swert unde scbilt, 

der beiden geverte wart unmilt. 

daz erbörte diu küniginne dräte 
2185 in ir selbes kemenäte. 

einen stdinen mantel si umbe gevie, 



2164 ♦lof M. 

2166 heideD Mls h. all S. 

2167 unde MI Vnd si S. erschrecken IS schrekn M. 

2168 in Ss in dd MI. 

2170 VU SfMI. 

2171 wellen — harren] S unde hete in MI. lant] S leben ML gewinnen] S 

gewunnen MI. 

2172 erschricten] erschraktn M erschraken ISs. gar s all gar SfMI. 

2173 in] I Imen S Im M. deme b. MI den betten so S. 

2178 grimme MI gar seren Sfs. 

2179 MflSsß. Statt dessen in S: Alsampt alsz vil nQ jr warent. 

2180 waere MS wirt I. 

2181 MSsflß. sincr h.] M sinen henden S. 

2182 swert u. seh. Mls schilt vnd och schwert S. 

2183 geverte — unmilt] M begir waz v. I hätt ain wildcss gefertt S. 

2184 kUniginne Ms junge k. IS diu reine Parg ß. drate MI also d. S. 

2185 Wol SfMI. 

2186 umbe gevie] M v. ving I v. sich fieng S leit an s swaif (Schwaiffk u) 

— umbe sich ß. 



103 

E. V. 2126—2146 



wie balde si ze deme vater gie! 

d6 si den vater ansach, 

hoeret, wie zuhticlkhe si ze ime sprach: 
2190 »herzenlieber vater min 

du solt beruochen der zuhte d!n, 

wollest du mir es gelouben [haben], 

s6 wolte ich dir die wärheit sagen, 

wer die geste möhten gestn/ 
2195 als6 sprach diu junge künigtn: 

,ez sint alle samt waehe goltsmit 

unde varent durh vremediu lant nich ir sit, 

durh dtnes landes 6r 

vater sint die gevaren her: 
2200 du solt niht wesen s6 gäch 

unde erzeige den kristen niendert kein smich! 

du unde alle dine knehte 

ir sult iuch bedenken rehte, 

unde erzeiget in keinen übermuot, 
2205 vater ez waere dir niht guot: 



2187 MSsßfl. SüU/ dessen in l: Vn lieff do sie im vatter vant 

2188 den] MS im 1. 

2189 hoeret wie] S Daz wort si M Gar Ifs. zuhticliche Is zuhtikleichn 

M so zUchtenklich S. si ISfM. ze ime ISsfM. 

2190 Vil STMIs. 

2191 beniocheo] berUgen S porgen MI pflegen s. der zuhte MI(s) dem zom 

S(P). 

2192 woltest Ms Vnd w. S Wildest I wi) f). mir nach gelouben I. gelouben MI 

geloben S getrouwen ß nit v'übel han s. haben] fMIS(s)ß. 

2193 wolte MSs wilt 1. dir nach sagen I. 

2194 mohten MSfls. gesln] M sin ISs. 

2195 ZwarSfMIsß. alle sant MS alles Iß alles, waehe] M rechts hUbsch ßf IS. 
2197 durh MIs jn S. 

2199 sint Ml so s. S. die MI si S. gevaren MIs kämen S. 

2200 »^ch M. 

2201 erzeige MIs enbiut S(ß). den kristen MSs in Iß. niendert kein] S indert 

(eifer nidert) M kein Is. ^schmäch M. 

2202 alle MSfl. 

2203 in M zum vorigen Verse, ir ISfM. bedenken MI gedenken S. 

2204 in ISfM. 

2205 Zwar SfMI. waere MI wirt S. dir ISfM. Danath nur in S: 

Zwar vatter vnd och fröwe 
Desz solt jr mir wo] getrüwen. 



104 

j E. V. 2147—2170 



wir bedürfen wol vingerltn unde haftlin, 
die wurkent si uns lieber vater mini 
so bedarft du rtcher künic Ärön 
selber wol einer guldtner krönl 

2210 die wurkent si dir schöne üz golt, 
vater darumbe gip in riehen solt, 
des muost du iemSre dre haben, 
wä man ez sol singen oder sagen 1' 
die tohter den vater übergie, 

2215 daz er von deme zome lie: 

er schuof mit sinen hSrren allen sant, 

daz si abezugen ir stritgewant. 

si teten durh not 

waz in ir eigen hSrre b6t, 

2220 die werden helde alle sant 
zugen abe ir stritgewant, 
si mähten sich des hamasches bl6z, 
ir aller vröide diu wart gr6z. 
alse daz vol geschach, 

2225 diu tohter ze deme vater sprach: 
,vatcr du solt niht län bestdn, 
du solt ze den meistern gän, 
ze in solt du gäben 
unde si gar wirdicliche empfUhen, 



2206 bedürfen MSsß dorffen I. 

2208 s6 bedarft du MIsß Du bedörftest wol S. 

2209 selber MlsfSß. wol MlsßfS. einer ß ein MIs Ain schon S. 

2210 schdne S wol s[~Ml. 

2211 vater MSfls. gip MIs sog. S. 

2212 iem^re MSsfl. 

2213 sol s. MI singet s hört s. S. 
2215 deme MIs sinem S. 

2218 ISfMsß. si] 1 Die heren S. 

2219 ISfMsß. ir eigen herre] I der künig S. bot] S gepot I. 

2220 ISfMsß. *hylde 1. alle sant] S statt I. 

2221 ISfMsß. 

2222 des MI(ß) der S. 

2223 wart] M w. vil S waz I. 

2224 alse MI AUesz S. vol M da Sfl. 
222G lin MI lenger S. besten MSfl. 
2229 wirdicliche MIs wirdenklicben S. 



I E. V. 2171— 2190 



2230 daz zimet Wol den ören din ~ 

herzenlieber vater min.* 

er schuof mit allen stnen dienestman, 

si sollen legen ir kleiderwambes an. «^ 

die stolzen beiden 
2235 begunden sich sch6ne kleiden. ' 

der künic hete niht m^re reste 

unde ilte üz der veste: 

hin ze den kristen was ime gäch, 

die sinen zogeten ime wirdiclkhe n^h, 
2240 ir vünf hundert zogeten schöne 

mit deme riehen kUnic Ar6ne. 

der milte künic Oswalt 

gie her ze deme beiden balt, ' 

die goltsmitten lie er stän 
204d unde begunde mit den stnen her ze detne beiden gin. 

dd si der beiden ansach, 

er begunde si grüezen unde sprach: 

,ir kristen sit mir willekomen, 

iuwer kunft hdn ich gerne vernomen, 



2230 wol MIs vi] w. S. 
2281 Vn STMI. 

2233 solten MI söUent S. legen vor an S. ir klcidcrwambcsj M gUt klai- 

der I ander kleider s best gewant ^ jre claidcr S. 

2234 Zwar STMI. 

2235 kleiden MI(s) beclaiden S. 

2236 kUnic IS haidnisch k. M. 

2237 ilte MI zugent her für S. 

2238 ime] M jm > jnen S in I. 

2239 zogeten] M zogen I zugcn Ss ilten ß. wirdiclichc] M wirdenklichen S 

vast Ifs?. 

2240 zogeten] M fogen im nach I zugent S. 

2242 künic Ml k. sant Ss sant ß. 

2243 her M her usz Sfl. ze MI gen S. deme MI den S. 

2244 stdn MIs da best. S. 

2245 unde MIs Er S. herMSfls. ze ISs gen M (cngegen ß). deme Isß 

den MS. 

2246 si der MIs er die S. 

2247 er MIs Der haid S. 

2248 Sit MIsß nü s. S. willekoroen Is willig chomen M gotwilkomen S(^. 

2249 Zwar SfMIs. kunft] I kunst MS zu kunffi S. 



106 

I E. V. 2191 — 2213 
2250 iuweriu kriuze sint guldtn, ~ 

ir muget wol guote kristen sin, 

ich sihe wol, ir sit alle ritter unde knehtel 

nü sult ir mir sagen rehte 

unde tuot mir die wärheit bekant: 
2255 hat iuch ieroan ze boten her gesant?' 

d6 diu vräge vol geschach, 

sant Oswalt zuhticltche sprach: 

,uns bit nieman gesant her, 

beiden daz habe üf alle mtn 6rl 
2260 ich kan ez langer niht verdagen, 

ich wil dir die wärheit sagen: 

wir sin waehe goltsmit 

unde varen durh vremediu lant nich unserme sit. 

uns was gesaget maere, 
2265 wie daz din tohter üz empfestet waere. 

die betest du geben eineme man, 

niht anders ich dir gesagen kan. 

d6 wir diu maere nü vernämen, 

flf dinen tr6st stn wir her komen 
2270 unde wurden gerne guotes riebe.' 

also sprach er listicltche: 

»bedörftest du unser niht ze dienaere, 



2350 in S nach 2251. guldlo MIs alle g. S. 
2252 aUe SßfMIs. 

2254 ifi S nach 2255. unde] M Nun Sfl. 

2255 ieman ISs niemal M. ze boten MSsßfL 

2256 vrdge] I frag nun S red M. vol MSfl. 

2257 zuhticllche] s zuchtikleichn M zochtlich I gar sUchtenklich S. 

2258 Zwar SfMIs. 
2260 ez Ml dirsz S. 

2263 vremediu] M alliu v. ß diu ISs. unserme] S(s) vnszm<vnsznn Mfl. 

2264 uns Is unde MS. was Mls ward vnsz S. maere MI grosse m. S. 

2265 üz empfestet] M dir enpfremtdet S usz. geben s gehaissen I. 

2266 die — du] M Den du betest jr S Zu I. eineme Ml ainen S. 

2268 maere MI red S. nü IS wol Mf s. 

2269 dinen MIsf S. trdst MI t. so S. her Ms her nach komen I jn dasz land S. 

2270 unde MIs V. wir S. 

2271 listicltche M listenklich S ernstlich I. 

2272 bedörftest du] BedUrfstu M bedorfstu ß Bedarftest du S Darffst du I. 

unser IS vnsz M. dienaere Ml arwait $. 



107 

E. V. 2214—2236 



heiden s6 beScheit uns der rehten maere, 

du unde d!n vrouwe diu kümginne, 
2275 s6 gip uns ein genaedigez urloup von hinnen 

unde liz uns von hinnen varen, 

got der mac uns wol bewaren!' 

d6 sprach der wilde heiden: 

,meister \kt iu niht wesen leide: 
2280 sk ir her komen durh den willen mtner ^ren, 

so sihe ich iuch rehte geren: 

s6 sult ir von mir hkn hilfe unde rät 

beide vruo unde darzuo spät.' 

dö sant Oswalt erhörte die rede d6, 
2285 dö wart er üzermäzen vr6, 

von grözen vröiden er erschricte, 

tougenllche er üfblicte 

unde sprach: ,himlischer trahtin 

tuo ez durh die grözen güete din 
2290 unde hilf mir, daz ich niemSre ersterbe üf dirre erde, 

unze daz diu lüge von mtneme munde gebüezet werde, 

die ich hie hän getan: 

hSrre got des solt du mich niht engelten \tnV 



2273 s6 MSfl. der MI die S. 

2274 du MSfl. 

2275 ein genaedigez MS din gnadign I. 

2276 unde MlfS. von MIß da mit v. S. 

2277 got der MI Der milt got S. uns MS vnd I. 

2280 her Msß, ftacA komen Sfl. den willen M(s)riSß. miner hen MSs. 

royn ere I. 

2281 MSsfIß. rehte Ms vO minem herzen S. 
228-2 sd — ir MIs Vnd sond S. 

2283 darzuo MSfl. Danach nur in S: Der miJt kUnigg sant Oschawald 

Der erhört die red bald. 

2284 d6 Ms Vnd do Sfl. sant O. MIs er S. erh6rte MI bort s vemam 

nach rede S. 

2285 üzerroizen MS vO herzen I gar sbfu. *frö S. 

2287 Wie SfMI. tougenliche] M tugenklich S Demüttiklichen I. 

2288 unde MI Er S. 

2289 Vnd SfMI. •is I. gr6ien MSfl. 

2290 unde - mir MlfS. niem^re IS Jm M. dirre] disz' M der Sfl. 

2291 diu lüge MI der lug S. m. munde MS mir I. 

2292 die MI Den S. hie ISfM. 

2293 got MlfS. 



108 

I E. V. 2237—2255 



der beiden enlie dö niht beliben, 
2295 er hiez den meistern briefe schriben: 

waz si ein ganzez jär soUen haben, 

daz hiez er in üz der bürge in ir Herberge tragen, 

beide wln undc bröt 

unde wes den meistern was not, 
2300 zamez unde wiltbraete, 

guoter koste allez geraete. 

dannoch lägen si vor der bürge, daz ist wir, 

zwelf Wochen unde ein jär, 

daz si keiner vrouwen bilde nie gesähen, 
2305 des begunde in gr6zer kumber nähen, 

noch keines wibes gebaere, 

des wart in. ir gemüete swaere. 

nü sprach der milte künic Oswalt 

ze sinen goltsmiden balt: 
2310 ,ei ir harren alle sant 

ich wolte, wir waeren däheime in Engellantl 

wan daz kristen unde beiden, 

alle diu werlt waere min eigen 

unde bete mich dämite vür die burc erhaben, 



2294 CD- IfMS. d6 MsflS. niht MI n. lengcr S. 

2295 er] I unde MS. den meistern ISs im M. briefe MSfls. 

2296 Vnd SfMIs. 

2297 dar ISsfM. in ir h. MSpis. 

2298 unde MIs v. och S. 

2300 unde MI v. och S. 

2301 guoter MS GUUi I. allez geraete] M aller gerät S wol bcrait 1. 

2302 dannoch MS Do I Also s. 

2303 ein MIsß ain ganzesz S. 

2304 nie MSsu nit Ifb. gesahen MSs(iS) sahn I. 

2305 des MIs darumbe ß Dasz S. begunde in MIS begunden si sß. grozer 

MI gr6zen Ssß. nähen Ml machen S haben s tragen ,3. 

2306 MlfSsß. 

2307 MlfSsß. wart — gcmUete] M worden {oder wurden, Korrektur) si also I. 

2308 nü MS d6 Is. kUnic MI k. sant Ss. 

2310 ei] M Nun dar S Nun Ifs. 

2311 wir Mlsß dasz w. S. däheime Isß noch d. MfS. 

2312 wan IS Waz war M. 

2313 Unde MSfl. diu werlt MSfl. waere MS wem I. 

2314 damite ISfM. erhaben IS gelait M. 



109 

I E. V. 2256-2280 



2315 s6 künde ich ir niem^re geschaden : 

ich möhte verzeren allez aiin here, 

dannoch müeste ich wider varen über mere, 

daz ich niht innen wurde/ sprach der vurste halt, 

,wie diu juncvrouwc waere gestalt* 
2320 daz geschach an eineme mäntage morgen: 

— d6 was er entsläfen in allen sinen sorgen — 

d6 was ime in deme släfe vürkomen, 

alse wir ez sU hän vernomeni 

wie er die küniginne 
2325 solte üz der bürge gewinnen. 

üz deme släfe er erschricte, 

von gr6zen vröiden er öfblicte. 

dö er die sine vor ime sach, 

boeret, wie er ze in sprach: 
2330 ;ir harren ir sult iuch wol gehaben, 

ich wil iu liebiu maere sagen: 

mir hänt geraten die sinne mtn, 

wie ich süle gewinnen die künigtnl 

davon Sit nur alle vr6 
2335 unde wurket mir guldine kld, 

die wil ich ime mit snüeren stdln 

binden ze den vüezen stn/ 



2315 niemere] M n. nUcz S nicht I. 

2316 ich MI Vnd S. 

2317 wider S wider hef sfML 

2318 in MS sit'ei Verse. Dar vmb SfMIs. niht innen wurde] : M n. w. i. I 

jnncn n. w. S. sprach der vurste] M Also sprach sant Oschw. Sfls. 
halt] M, nafh innen wurde ISfs. Danach nur in %\ Vnd möcht nimer 
jnen werden bald. 

2320 daz MI Dz>Nu s Nun S. morgen MI an m. S zu s. 

2321 d6] S Das sfMI. »entsläffen IS. allen MSfl. 

2322 d6 MIsß Vnd S. deme ISß de s den M. 

2323 STMIsß. 

2324/25 in M ein Vers, kUniginne MSs junge k. I. solte nach bUrge M. 
2329 Nun SfMI. er MI er do S. 
2331 liebiu IS guotiu Ms. 

2333 die ISs d. iug M. 

2334 sh MIs »o s. S. nur MI nun Sfs. alle MSsfl. vrA ISs froleich M. 

2335 mir MIs m. och üer S. dem hirschen mein: M(s'fIS. 

2336 die 1S(S) So M. ime Is ims M minem hirssen S. *snören I. sfdfn 

vor snUeren S< 

2337 ze den v.] M an die v. Is vnden an die f. S. 



110 

I E. V. 2281-2304 



als6 sprach der vurste h6chgeborn, 
,unde machet mir zwei guldtniu hirzhorn, 

2340 machet mir si schoene unde innen hol, 

alse si der hirze üf slneme houpte tragen sol! 

noch wil ich iu m£re sagen: 

ein guldtne decke muoz er haben, 

daz si neben des hirzen g^ üf die ert, 

2345 so nime ich in', sprach der vurste wert, 
,unde vüere in an den buregraben hin zuo, 
daz tuon ich eines morgens vruo: 
s6 ist der künic ein örenrlcher man 
unde jaget mir den hirzen her dan, 

2350 er unde alle stne beiden, 
lät iu nur niht wesen leide: 
lihte beltbet diu porte unbehuot, 
s6 gewinne ich lihte die küniginne guotl' 
die goltsmide wurden alle vr6 

2355 unde worhten ime guldtne kl6, 

si worhten sch6ne mit ringer hant, 
diu kunst was in wol bekant, 
si worhten mit aller ir mäht 
beide den tac unde ouch die naht 

2360 unze an den sibenden morgen, 
d6 quimen si fiz sorgen: 



2339 unde MS Nan I. 'guldcio nU M. 

2340 schoene MSf Is. unde Mf IS. innen hol MIs mit finero gold S. 

2341 alse MIs Den mir S. der Ms mfn IS. sineroe Ss deme Ml. 

2343 decke MSsß dUch 1. er MSsß ich I. 

2344 si MSs es I. neben des] M n. dem S deme Is. ge Ms uff ge Sfl. die 

ert MSs auff der erden I. 
2346 an den MSs dem I. hin SsfMI. 

2349 *mir] mit M. dan MIs wider d. S. 

2350 ISsf Mß. mit jren hunden : Sf Is. Danach nur in S : Werdent si gen dem 

hirssen komen. 

2351 MlfSsß. nur] Mfl. 

2352 lihte M villihte Ssfl. diu porte MS das tor s der portener I. 

2354 alle ISs also M. 

2355 ime] I ym die SfM. 

2357 diu — in MI In wasz die k. gar S. 

2359 den MlfSs. ouch die MSfls. 

2360 unte IS biz Ms. sibenden Mls(ß) selben > sibenden S. 

2361 sorgen] I den s. M grossen s. S. 



111 

E. V. 2305^3328 



d6 was daz gesmtde allez bereit, 

alse uns daz buoch seit. 

sant Oswalt niht enlie, 
2365 den hirzen er dö angevie 

an ein stdtn seil, 

er sprach: ,h6rre got nfi gip mir heill' 

an deme abtöten morgen vruo 

vuorte er in an den buregraben hin zuo, 
2370 6ä He er den hirzen stdn 

unde begunde her wider ze der smitten gän. 

d6 ersach in des küniges wahtaere, 

ez dühten in wunderltchiu maere. 

dämite lief er abe drite 
2375 ze sines harren kemenäte, 

er ruofte aber sch6n: 

»wolfif rlcher künic Arön, 

hiute solt du jagen geren, 

dtn gr6ziu ire wil sich m^reni 
2380 ich muoz dir der wärheite jehen, 

einen guldlnen hirzen hin ich gesehen, 

der gät da üze an deme buregraben, 

daz wil ich dir vürwir' sagen: 

unde wirt der hi^e hie gevangen, 
2385 du hast stn iemdre ite in dtnen landen I' 



236i 66 Mls Vod S. bereit MIs schon b. S. 

2363 buocb IS tawtzsch püch M. 

2364 niht Ml da n. S. 
2366 Wol SfMlsß. 
2368 *ahtoten M. 

23G9 an den MSs üf den ß in dem 1. hin SsfMI. 

2371 her MSsfl. der IS den Ms. 

2872 d6] M Nu If S. in] Ml den hincn sß den h. vor ersach S. 

2373 dubten M dühte ISs. wunderHchiu ni. MI ain wundersx m. S wunderlich S. 

2374 *leiff>^^ liff I. drate] M vil d. I also trautt S balde s. 

2376 er Ml ande Ss. ruofte MSs reyff, sp ruft I. aber] M, I (j/ vil.) dem 

kttnigg aber Sfs. 
2877 Nun SfMIs. 

2378 hiute •> du Mls Du solt huit S. 

2379 wil Ml die w. S. 

2380 Zwar SfMI. dir IS d' M. jehen Ml veriechen S. 

2382 öi Ute] M dtts (sp daus) 1 ussen Ss. 

2383 vttrwAr Mls für ain warhait S. 

2885 du - sfn MI Desz h. du S. iemire MSfl. landen MS land 1. 



112 

E. V. 2329—2353 



d6 sprach aber sch6n 
, der riche künic Ar6n: 

,du stolzer wahtaere 

du sagest mir liebiu maerel 
2390 daz habe üf alle min ^r, 

daz getihte gät von den gotsmiden her: 

die sint alle samt künste vol 

unde hänt den hirzen innen gemachet hol, 

daz er loufet von den winden. 
2395 nü wecke mir üf min hofegesinde 

unde enbiut, wer einen stap müge getragen, 

daz er mir den hirzen helfe jagen: 

wer versitzet daz gejegede m\n, 

den scheide ich von deme lebenne sinl' 
2400 nü lief der wahtaere dräte 

ze maniger schoener kemenäte 

unde begunde die dienaere wecken 

unde üz ir släfe erschrecken. 

er sagete in diu maere, 
2405 wie daz ein guldin hirze komen waere 

her an den buregraben, 

den wolte der^künic jagen. 

d6 si die rede erhörten d6, 

dö wurden si üzermäzcn vrö: 
2410 alten unde jungen 



2386 aber IS er a. M. 

2387 in S suw vorigen Verse, 

2388 du MSflß- stolzer] I vil st. S mein all' liebster Mfß. 

2389 Zwar SfMIß. liebiu IS gar ]. M guotiu ß. 

2390 Zwar STMI. 

2391 getihte MS deicht {sp dicht) I. den g. IS dem goltschroid M. 

2392 Waii SfMI. alle sant MI aller S. 

2394 den w. MI dem wind do so geschwind S« 

2396 enbiut] M gebiut Ss biut Iß. getragen MSsß tragen I. 

2398 Vnd S|"MI. versitzet IS v'säss M. 

2399 den — lebenne IS Dem wil ich ab schlahü daz hawbt M. 

2400 Mief] lof M leiff I lUff S. 

2403 erschrecken I si e. S schrecken M. 

2404 in IS in do M. 
2406/8 MSsflß. 

2409 MSsflß. dö Ms Desz S. 

2410 MSsflß. /// M nach 2411. Die MfSs. unde] s vii die M vnd och S- 



113 

I E. V. 23S4--2374 

von deme bette si sprangen, 

vrien unde dienestman 

begunden sich d6 legen an. 

si hiezen herziehen snelHu marc, 
2415 diu wären kreftic unde starc, 

wie balde si darfif gesäzenl 

gr6zer vröide si sich vermäzen. 

si sümten sich niht langer mSr 

bogen unde spieze hiezen si tragen her» 
2420 des begunde si niht verdriezen: 

si wolten den hirzen stechen unde schiezen. 

die beiden h6chgeborn 

erschalten ir jagehorn 

unde ruoften an den stunden 
2425 allen ir hunden. 

der beiden vröide diu wart gröz, 

die porten man in üfslöz. 

d6 diu porte wart üfgetän 

unde die hunde abe den stricken gelän .... 
2430 d6 die beiden dz der bürge wären komen, 

alse wir ez sider hän vemomen, 



24 1 1 MSsf If(. deme bette] de pett M den betten Ss. si M si do S. sprangen 

Ss springen M. 

2412 MSflsß. unde M v. och S. 

2413 MSsfl?. 

2414 MS|~IS|^. hiezen M liessent jn S. snelliu] M starcke S. marc] S pfard M. 

2415 MSfls^. Stare] M och sarrk S. 

2416 MSTISi^. gesizen] S sassn M. 

2417 MSflsß. grdter] M Grosse S. 

2418 MSTIsfÜ. 

2419 MSsfIß. hiezen si MsfS. tragen her] M trüg man her S herbringen s. 

2420 MSflsß. ^te] sich M. 

2421 MSfls^. stechen] M schehen S. 
2422-24 MSris?, 

2425 MSflsß. hunden] M jag hunden S. 

2426 MSriS(3. wart] S waz M. 

2427 M,3f~ISs. die — Afsl6z] M do sldz man uf diu tor ß. SiaU desun in S: 

Ainer für den ander ^hosz. 

2428 MSrisß. d6 MfS. wartj M w. jn S. 
24^9 MSflSi^. stricken] M snillen S. 

2430 MSßTIS. wären] MfS. 

2431 MSfls?. sider] M sid S. 

Bae«ecke, MAncbener Cüwald 8 



114 

I E.V. 2375-^389 

des torwarten triuwe diu was gröz: 

die porten er krefticltche wider zuosl6z, 

daz diu küniginne guot 
2435 wurde krefticliche behuot. 

der hirze umbe blicte: 

wie harte er erschricte 

an den selben stunden 

abe den beiden unde abe den hunden 
2440 er vliehen begunde, 

er hete ze beiten niht mör, 
ime was ze vliehenne ger, 
er huop sich ze vliehenne balde 
hin gen eineme vinstern walde. 
2445 deme hirzen was ze vliehenne gäch, 
die beiden ilten ime vaste hin nich. 
der hirze an den berc vl6ch, 
der sich in die lüfte z6ch, 
6ä was nie niht lebendiges über komen, 



2432 MSf Isß. torwarten] tors wartn M dorszhiettersz S. triuwe diu] SfM. 

2433 MSffls, er S mä, vor zuoslöz, M die wahtaere ß. krefticliche] M bald 

S. wider SffM. 

2434 MSflsß. daz] Dar vmb d. S Do M. kUniginne M junckfräw S. 

2435 MSflsß. krefticliche] M gar uestenklich S. 
243ß MSsffl. umbe] Ms bald vmb sich S. 

2437 MSs["I|l O MfS. er M er ab den hunden S, sieA^ tu V, 2439. 

2438 MSflsß. 

2439 M(S)sßri. abe (1)] M von s. abe den (2) McS V. 2437)rs. ß: unde 

d6 der hirze die hunde unde daz volk sach. 

2440 SsTMIß. vliehen] s ze fl. S. 

2441 MSflsß. er hete] M Nun h. er S. auch: SfM. 

2442 MSflsß. Wan SfM. ze M nü z. S. ger M gauch S. Statt 240G-42 

in I: Vnd (j/.,) wer do vorseisz dz geiägtz (sp, geiägdz) sein: Der 
hett vorlorn dz leben sein: (ygi. 2398/9) Der reich kUnig aron: Zöch 
mit seym gUldin hörn: Mit allem seym hoffgeseynd (j;^. gesynd): Dem 
heirs {sp. hirs) noch gor sweinde {sp. swinde). 

2443 er -- vliehenne] MS Der heirs leiff {später liff) I. balde MI gar b. S. 

2444 Dörtt SfMI. gen eineme MS zu dem I. 

2445 MSfls?. 

2446 MSflsil vaste] MfS. 

2447 MSSiSfl. an Ms hin an S. 

2448 MSflsß. die lüfte] M den 1. uff S. 

2449 MSsßfl. 



115 



£. V. 2390—241 1 



2450 alse wir ez sit hdn vernomen, 

danne nur die wilden vogel. 

die beiden wurden mit deme hirzen betrogen: 

er lief über den berc hin dan 

vor roanigem heidnischen man 
2455 rehte in aller der gebaere, 

alse er ein hofeschalc waere. 

der hirze mit deme golde, 

alse ez got selber wolde, 

der quam über den berc ze deme mere, 
2460 da er vant sant Oswaldes here. 

d6 er under daz here was komen 

unde daz die harren beten vernomen, 

iegelkhen besunder 

nam d6 gr6z wunder, 
2465 wie der hirze ze in komen waere: 

dö sagete in nieman diu rehten maere. 

daz wizzet, den wilden beiden 

geschach unmizen leide, 

daz si den hirzen beten verlorn, 
2470 daz was den beiden allen zorn. 

si jageten in deme walde entwer, 

einer bin, der ander her, 

einer dort, der ander hie. 



2450 SfMIsß. 

2451 MSsßTI. nur] M nun Ssf?. 

2452 MSs^ri. 

2453 MSi3f Is. lief] u lof Mb flog S. 

2454 MSflsß. 

2455 SfMIs?. 

2456 SfMIsß. alse] Nun alz ob S. 
2459 Über IS hin Über Ms. 

2461 er Ss er nü MI. under — here MIs Über den berg S. 

2462 unde — herren Is Daz in die h. M Alsz wir csz sid S. heten v. MI 

vernamen S habend v. S. 

2463 Zwar SfMISiS. iegelkhen] I(s) iegelicher MS. 

2464 MIsßfS. In M tum vorigen Verse, 

2465 MlsfS?. 

2467 wizzet] I wist das geschach M do S. 

2468 geschach] I g. do SfM. unmazen] I üzermdzen MSs. 

2470 was MS det {später tet) I. 

2471 si j. IS Do j. si M. deme IS den M. 
2473 MSTIs?. 

8» 



116 

I E.V. 2412-2434 i 

si Westen selber niht wie. 
2475 nü läze wir si den hirzen jagen 

unde sulen däheime von der küniginne sagen! 

diu stuont oben an einer zinne 

vor ir muoter, der alten küniginne, 

unde vier unde zweinzic juncvrouwen guot, 
2480 dämite was si wol behuot. 

die si ze naehest bi ir sach, 

nü hoeret, wie si ze der selben sprach: 

si sprach: Jiebiu gespile min 

nü tuo ez durh die triuwe d!n: 
2485 lä dir s!n wol 16nen 

unde habe mir minen mantel unde min kröne 

unde stä daher an min stat' 

— als6 si diu junge kflniginne bat — 

,vür m!n muoter die küniginne vri 
2490 unde tuo, alse ich ez selber s!l 

waz sol ich dir sagen md? 

mir ist in deme houpte worden wS, 

daz ich niht langer mac besten, 

ich muoz rehte von der zinne gdn, 
2495 ich wil mich küelen dräte 

in miner kemenäte: 



2474 MflSs?. 

2476 unde MI Wir S. sulen MS willn I. däheime MSfl. von MI zu S. 

der MI d. jungen S. sagen Ml gäben S. 

2477 diu MI(s) Do S. oben MSsfl?. einer MIs der S?. 

2478 ir MIsJi jr jr (das zweite jr am Rande) S. die jung kuniggin: SfMIs, 

2479 unde MUfS. 

2480 damite] M D. do S mit den Is. 

2481 si MlfSs. sach MI sasz S stunt s^ 

2482 der selben MS ir I. 

2483 liebiu MIs vil 1. S. 

2484 nü ISfMs. *DÜ M. die MS den I. triuwe MSs willen I. 

2485 Unde SsfMI. »der I. 

248G unde MsflS. habe] M hebe Ss Du vnTb 1. 
2488 also si] I si also vor bat S Sj M. 

2490 alse MIs alsz ob S. 

2491 Nun SfMI. dir MI uch S. 
t.Mi)3 bcslan MS gcslan Is. 

24i>4 rehte MSfls. 

2496 in S zum vorii^en \'nse. miner Ss(ji) einer schoenen MI. 



117 

E. V. 2435—2459 



wanne min krankheit hat ein ende genomen, 

s6 wil ich her wider komen.' 

diu juncvrouwe tete durh not, 
2500 waz ir diu junge küniginne b6t: 

umbe sweifte si den mantel sch6ne 

unde satzte üf ir houbet die kröne, 

üf satzte si die kröne eben: 

diu junge küniginnne begunde sich von dannen heben. 
2505 diu junge küniginne huop sich üz der schar, 

diu muoter nam s!n niht war: 

diu juncvrouwe stuont in aller der gebaere, . 

alse ez diu junge küniginne waere. 

nü lief diu junge küniginne dräte 
2510 in ir selbes kemenäte, 

unde schoener juncvrouwen dr! 

giengen mit der jungen küniginne vr!. 

si liefen an den stunden, 

da si vier rocke vunden: 
2515 die beten si vor bereit, 

alse uns daz buoch seit, 

d6 in des wart ze muot, 

daz si wolten werden kristen guot. 

die rocke begunden si legen an, 
2520 alse si waeren junge man, 

si satzten üf ir hüete, 



2497 wanne MSs So I. hit nach ende S. 

2498 ich MIs jch den S. *crwcider I. 

2500 bdt MS geb6t Is. 

2501 sweifte] M det I sich nam S warff s. 

2502 die MSs ir gUldin I. 

2503 MSflsß. 

2504 MSsTIß. 

2506 nam Ss hete MI. sfn MIs desz S. niht Ss n. genomen Ml. 

2507 aller der] M aller IS. 

2508 alse MI A. ob S. waere MI selber w. S. 

2509 nd ISs Do M. 

2512 giengen MIs Die ylltent S voicten "i^, mit der j. k. MI mit ir s 
ir nslch ß mit ain ander S. vri MI glich S. 

2515 vor s nü vor S vorhin lu vorher Mb. 

2516 daz MI nä d. S die s. buoch IS tawsch p. M bUcher S. 
2520 Recht STMIs. alse] Mß als ob ISs. 



118 ^ 

E. V. 2460—2481 

gegen got stuont ir gemüete, 

die vier minniclichen tneit 

gurten umbe ir gurtel breit, 
2525 si legeten an hosen unde brtsschuoch, 

Mähmeten teten si manigen vluoch, 

die vier megede h6chgebom 

gurten unabe guldtne sporn 

in allen den gebaeren, 
2530 alse si heidnische litter waeren, 

si nämen vier swert in ir hant, 

a1s6 tuot uns daz buoch bekant 

si beten niht ze beiten mdri 

hin gen der porten was in ger: 
2535 nü was verslozzen tor unde tür, 

starke rigele gest6zen vtir, 

daz si niendert daohten üzkomen, 

des wart in vröide vil benomen. 

si giengen oben an ein zinne 
2540 unde qämen war, obe si ez möhten erspringen: 

d6 dühte si diu müre ze hoch. 

diu junge küniginne her wider abe vldch, 

her ze der porten was ir gäch, 



2522 ir MI inen jr S. 

2524 gurten] M Sie datten I Legtent S. ir MI sich S. 

2525 brtsschuoch MI schüch S. 

2526 teten MS gaben I. 

2527 die] IS Der M. 

2528 umbe Isu u. sich Sb v. ir M. 

2530 alse ß als ob MISs. 

2531 ir MIs die S. 

2532 MSflsß. 

2534 hin MI Her S. in MI jr S. ger M beger S iach I. 

2535 nü] S dd S|3 in MI. tor u. tUre MS vast dz dör I. 

2536 Vnd SfMI. rigele IS(s) ridT M. gestözen] FMmülUr geslorzcn MSfl. 

2537 üz vor mobten S. 

2538 des] I Daz M Dar vmb S. wart IS waz M. vröide vil MI all jr fröd S. 

2539 an ein Ms an die S auff die I. 

2540 nämen war MIs Ingtent S. ez MI über ab S hin ab su. erspringen M 

springen ISs. 

2542 •erwieder I. abe ISs ab d' maur Mf?. 

2543 her MSfls?. der IS(s,3) den M. 



119 

I E. V. 2482 — 2499 



die dri ilten ir vaste hin nach. 
2545 diu junge küniginne niht enlie, 

si viele nider an ir knie 

ze der porten an die müre, 

dö begunde si harte trüren. 

si sprach: ,nü h6rte ich ie sagen maere, 
2550 wie genaedic unser vrouwe waere, 

wie si braehte mit ir güete 

wazzer ze der glüete: 

Maria dtn genäde \kz an uns werden schin 

unde hilf uns armen magedln, 
2555 daz wir vr61iche komen von hinnen 

unde saelde in dtneme namen gewinnen!' 

d6 diu bete vol geschach, 

daz slöz sich von der porten brach 

in aller der getaete 
2560 alse ez ein grözer wint üfgeworfen haete. 

die stolzen juncvrouwen h6re 

sQmten sich niht langer m6re: 

— in was wol gelungen — 



2544 drf MIs dry junckfräwen S. hin n. M nach ISs. 

2545 niht MI do n. S. 

2546 Vnd SfMI. an MS üf Isß. 

2547 ze Mi By S. an die ni. MI vnd den muren S. 

2548 begunde MI begunden S. harte MI gar ser S. 

2549 hdite ich MIß hab jch gehört S. ie Mlb oft ufS. 

2550 •vnsz M. 

2551/2 MlfSs. ß : unde keinen menschen ver]at in grozen nocten. 

2553 werden schin] schein werden M schein I erschinen S. 

2554 armen ro. MlfS. 

2555 in S zu 2554. vr61iche vor von S. 

2556 saelde] wir seid S sei M seile I. Darnach nur in S: Vnd vnsz in 

vnserm fUr nemen nit miszlinge. 

2557 diu MI. dasz S. bete MI bet do S wort |S. vol MScß) wol I. 

2558 der MI(s) den S allen ß. 

2559 getaete IS gepär M wyse s. 

2560 alse MI A. ob S. ein gr6zer ISs von aine M. - üfgeworfen haete Ss 

auf gew. war M aufT weit I. 

2561 juncvrouwen MIs jungktlniggin mit jren j. S si — mit ir geverten ß. 

2562 Die SfMIs. langer MSfls. 

2563 wol MIs vil w. S. 



120 

I E.V. 2500-2519 I 

wie balde si vür die porten sprungenl 
2565 d6 si her üz wären komen, 

alse wir ez sider hän vernomen, 

an der selben stete 

daz tor sich wider zuo tete: 

beide türe unde tor 
2570 wart baz verslozzen danne vor. 

si heten niemöre reste 

unde ilten balde von der veste 

über daz wtte velt 

hin ze sant Oswaldes gezelt. 
2575 nü hete der rabe niht vergezzen, 

er waere üf die goltsmitten gesezzen. 

die juncvrouwen er ersach: 

hoeret, wie er ze deme harren sprach: 

er sprach: ,h6rre ich kan dir sin niht verdagen, 
2580 ich wil dir liebtu maere sagen: 

ich sihe dort von der bürge her gän 

vier juncvrouwen wolgetän: 

mich triegen danne mtne sinne, 

ez ist diu junge küniginnel 
2585 edeler vurste höre 



2564 sprangen ISs drangn M. 

2565 Unde SßfMIs. si ISS|3 s. nü M. 

2566 sider] M sid Sfl. 

2567 MlfSs?. 

2568 MIsffS. sich Isß Sj. vor daz M. wider Is,3 hin w. M. 

2569 unde MI v. och S. 

2570 baz MlsfS. danne Is vil dann M alsz S. 

2571 Wan SfMI. niemere] M nit mer S kain I. 

2572 unde MS Sie I. balde ISfMs. 

2573 daz MlsfS. 

2574 in S iwn vorigen Verse, hin MlsfS. ze ISs gen M. 

2576 waere] war schon M was ISs. die Is ein MS. goltsmitten Is goU- 
schmid M segelbam S. 

2578 Nun SfMI. 

2579 sin M ez IS. 

2581 dort MSris. her MSsTI. 

2583 mine sinne] alle m. s. Is die s. mein M die s. S. 

2584 ez ist Ml so ist es s So jst mir csz sy S. vein: MflSs. 

2585 Vil STMI. here MSfl. 



121 

I E. V. 2520 - 2537 ] 

süme dich niht m6re: 

du solt ir balde engegen gän 

unde si gar wirdicliche empfän!' 

d6 er daz wort vol gespracli, 
2590 sant Oswalt lieberz nie geschach. 

der üzerwelte degen 

gie der küniginne balde engegen: 

si was ime üz in allen erkant, 

wände si truoc ein guldin härbant, 
2595 dämite bezeichnete si daz, 

daz si diu küniginne selber was. 

sant Oswalt niht enlie, 

liepltche er si umbevie, 

einez daz ander umbeslöz, 
2600 ir beider vröide diu was gröz. 

der milte künic Oswalt 

huop sich mit der küniginne halt, 

ze der goltsmitten was in gäch, 

die dri tlten ime vaste hin nach. 
2605 d6 sprach der vurste lobesam: 

«wolüf alle mine dienestman 

unde lät uns heben von hinnen, 

ich hän rehte die jungen küniginne I' 



2586 ISfMs?. In I zum vorigen Verse, Nun Sfl. niht I n. lenger S. Statt 

V, 2586 in M, awh zum vorigen Verse \ Glaub mir ez auf mein er. 

2587 balde] M schon hin Sf I. *cin gegen S. gän] gen I gdhen MS. 

Danach nur in 1: Du sah vast iahen. 

2588 unde si gar MS Vnd sah st I. wirdicliche] M wirdenklicbcn S williklich I. 

2589 er M der rabe IS. daz MI die S. vol MSfl. 

2590 lieberz Ss lieber M. geschach MS gesach Is. 

2592 balde MIs schon Sfu. 

2593 ime Ss(u) jn M sin I. erkant MI(u) bekant s wo! erk. S. 

2594 härbant ISs gwant M vntt' klaid u. 

2595 bezeichnote] bezaichnot I bezaihnt M bezaichet S bezcyget s. 

2596 si MSsf I. diu Ss d. junge MI. selber ISsfM. 

2597 niht MI do n. S. 

2598 Vil SfMIu. liepltche Ssu lieplichen Mlfb. si vor er M. 

2600 was MIs ward S. 

2601 kUaic MI k. sant Ssu. 

2603 der IS den Ms. 

2604 MlsfSß. vaste MI balde s. hin Msfl. 

2605 MirSs,3. ^lobysam I. 
2606/8 MIsTS?. 



J22 

I E.V. 2538-2552 



die selben dienesthSrren 
2610 vröiten sich der 6ren, 

daz in s6 wol was gelungen 

unde si die küniginne heten gewannen. 

der mute künic Oswalt 

begunde tlen als6 balt: 
2615 hin gein deme mere was ime gäch, 

die sine zugen ime vaste hin nach. 

er hete niht möre ze wtlen 

unde begunde vaste tlen: 

er Ute an die gaÜn 
2620 mit der küniginne unde mit den beiden sin. 

er huop sich tougenliche von dan, 

die goltsmitten lie er vor der bürge stän: 

er vuor zwischen der berge sä zehant, 

da er alle stne dienaere vant. 
2625 er hiez ruofen an der stunt 

unde tete den beiden allen kunt 

unde hiez in sagen diu maere, 

wie daz er vr61khe komen waere. 

alse si die rede erhörten d6, 
2630 dö wurden si fizerm^en vr6, 



2609 MlfSsß. 

2610 MlfSsß. ^ren M mere I. 

2611 MlfSsp. 

2612 MlfSs?. si Mfl. 

2613 MirSsß. 

2614 MlfSsß. als6] Mfl. Danach m MI: Do er all sein dien' vand = V. 2624. 

2615 MlfSsß. 

2616 zugen MS zochen I. hin MflS. 

2617 mere MlfS. wtlen MS bliben I. 

2618 in S zum vorigen Verse, unde MI Er S. flen MS zu yllcn I. 

2619 an M fast hin an S auff I. 

2620 mit der k.] M vnd mit d. k: S mit d. jungen k. I. unde mit deo b. 

sin] M Mit den h. Sfl. 

2621 tougenliche] M tugenklich S stilliglich sfl. von dan ISs da von M. 

2622 lie er Ml liezen si Ss. 

2623 zwischen MIs en zwischend S. der MS die Is. sä zehant MS drat I. 

2624 alle MSsfl. Vgl. zu V. 2614. 

2626 den h a ] den hylden alle I dasz den h. S allii seine beiden M jo — »Ueo IL 

2627 unde MI Er S. 

2628 er MSs die ktlnigin I die rain parig selb vierd u. vr61iche Ms gar fr. Sfi. 
2630 d6 MS des uf I. wurden nacA si I. üzerroäzen] M alle von herzen IS allett- 



123 

I K' V- 2553—^574' 

von den harren allen 

huop sich ein michel schallen: 

— daz herc mit einander üfbrach — 

von gr6zen vröiden daz geschach, 
2635 daz si heten die jungen künigin: 

nü möhte in allen niht liebers geschehen sin. 

zwischen der berge üf deme velt 

liezen si stän manic schoene gezelt, 

die hütten liezen si alle stän 
2640 unde huoben sich nur balde von dan. 

diu reise in wol geviel, 

unde tlteii an die kiel, 

sant Oswalt unde allez sin here 

schicte sich vrölkhe üf daz mere. 
2645 dar qualmen die nnarnaere alle sant 

unde nämen die ruoder in die hant, 

die anker si üzgeschuzzen, 

vr61tche si von deme gestade vluzzen. 

d6 si nü üf daz mere wären komen, 
2650 alse wir ez sider hsln vemoroeni 

in was wol gelungen, 

den ruof si vröliche sungen. 



2631 allen MSfls. 

2632 in I zum vorigen Verse, michel Ss vröliche MI. 
2635 daz MIs Do S. jungen MSfls. 

2536 NüMIfSs. möhte »r/ri allen S. allen ISsfM. geschehen «<wA sin M. •gcschenl. 

2637 zwischen MI Enzwttschen S. deme] S d. weitn M dz I. 

2638 Do STMI. stdn MSfl. schoene MSfl. 

2639 ISTMs?. 

2640 nur M nu SflSil balde MSnSt3. von dan IS() dar von M. 

2641 wol MI allen recht w. S. 

2642 unde MI Si S. an MI hin bald an S. 

2643 allez MSsbfl. 

2644 schicte] M schiften IS. mere ISs wilde m. M. 

2645 dar MS d6 Is. marnacre MSs schicffroan I. 

2647 anker] S anckäl M rüder I. si ISfM. gcschu/zen] M schuzzcn IS. 

2648 vr61fche MIs Frölichen S. deme gestade MS der statt I. 

2649 nü MSfl. wdren MSfl. 

2650 sider] M sid^ Sfl. 

2651 wol MIs vil w. S. 

2652 den r.] MflS. si nach vr6h'chc IS. vr61fchc MI Frölichen vö herzen S. 



124 

[ E. V. 2575-259 4 

nü läze wir si gote empfolhen varen, 

der mac si alle wol bewaren, 
2655 wir sulen nü niht verdagen, 

wir sulen von der alten küniginne sagen, 

wie diu des morgens sprach, 

dö si den beiden zuoriten sacbl 

si sprach als6 sch6n: 
2660 |bis mir willekomen richer küntc Ar6n, 

du unde alle dtne dienestbdrren 1 

nü weste ich als6 geren, 

wie ez dir an deme gejegede waere ergangen, 

obe du den hirzen betest gevangen?' 
2665 er sprach: »liebiu vrouwe min 

lä dir umbe ein kleinez golt niht sin: 

wir hin noch goldes vill 

nü merke waz ich dir sagen wil: 

mtne goltsmide sint noch künste vol 
2670 unde kunnen mir einen andern hirzen machen wol/ 

dö diu rede vol geschach, 

diu alte ktlniginne begunde lachen unde sprach: 

,richer künic läz äne zorn, 

alle dtn arbeit ist gar verlorn: 



2653 MlfSsß. 8i] M vns I. varcn] M sin I. 

2654 MlfSsß si — bewaren] M vDser aller drost sin I. 

2655 MlsfSß. wir — nü] M Nu süllcn wir I. Statt dessen in S: Die fröd wasi 

grosz jn jnen allen. 

2656 wir IS Vn M. sulen Is s. da haiin M wellent S. 

2657 des morgens MI d. m. frU Sfs. 

2658 zuoriten] M 'zu der burc r. S komen 1 komen geritten s. 

2659 Wan STMl. 

2660 richer MSsfl. 

2663 waere MIs wer S. ergangen Ss gegangen M gangen I. 

2664 ISsfMß. betest Is habist S. 

2665 liebiu MIs vil 1. S. 

2666 Nun Sf MIs. kleinez ISs glfzendez Mß. golt MSß guot Is. 

2667 vil MIs also v. S. 

2668 nü IS Vii M. 

2669 noch MSfls. 

2670 unde MS Die I. machen ISs wurchn M. 

2671 vol MI do V. S. 

2672 begunde lachen Ms lachete IS. 

2673 Vil SfMIs. \h. MI nü 1. S. Äne MI din S. 

2674 Wan SfMI. gar M alle Sfl. 



125 

I E. V. 2595—2614 
2G75 din birsen unde din gejeide 

daz kumet uns nfi s6re ze leide: 

unser tochter diu küniginne 

diu ist mit den goltsmiden von hinnen, 

si selbe vierdiu juncvrouwe, 
2680 — ö wie solle ich ir des getrouwenl — 

si ist mit in üf deme wilden sSl' 

der beiden lüte schr6: 

,daz weste ich wol, liez ich leben den raben, 

daz ich sin quaeme ze gr6zeme schaden: 
2685 daz ist Oswalt üz Engellant, 

der vüeret mtn tochter hin an stner hanti 

nü kan er mir doch niht entrinnen 

mit allen sinen sinnen, 

ich entrenke in in deme wilden mere 
2690 in unde allez stn herel* 

der beiden bete ein guldtn hom: 

wanne ime wart von schulden zorn 

unde er ez satzte an sinen munt, 

so tete er allen slnen liuten kunt . . . 



2676 nü MSfls. 

2677 küniginne MI jung k. S. 

2678 diu MSfls. von MSsfl. 

2679 si — vierdiu] M si unde dri Ss Die schöne I. 

2680 soltc IS sol M. ir < er dez getrawe M des glaubn I jr dasz han ge- 

truwent S. 

2681 si MSfl. ist 1 fert S sind M. in IS ir M. deme IS den M. wilden 

MlfS. 

2682 lute schre] woffen lüt schray I vil lut crschrai S schray lawt hewt vn 

yin' mee M schre lut We s sehr, von stund Ach hcwt vnd ymnier 
obe mein' gröstn ere u schray zustund ach hewt we und immer wee 
meiner grossen ern b. 
3683 daz IS Do M. leben den raben] 1 d. r. I. MS. 

2684 daz ich sin quaeme MSs Es kern mir I. gr6zeme MSfls. 

2685 Oswalt Is sant O. MS. üz Ms in Ifs. 

2686 hin s da hin S heym If M. an siner hant MS in sin lant Ifs. 

2687 doch MSfls. niht Ss niemere MI. 

2688 allen s. s. MS allem sym gesynne I. 

2689 ich entrenke] M ich ertrenke Is Zwar ich ertr. S. 

2692 wart MS waz I. schulden M schuld an S herzn I. 

2693 unde MS Wan I. 

2694 er MS ez I. liuten IS heldn M. DamcA in I V, 2693/4 wiederholt. 



126 

I E.V. 2615-2639 



2695 daz hörn was an den vristen 
gemachet mit zouberlisten : 
wanne er ez erschalte krefticltche, 
s6 hörte man ez in deme dritten künicrtche. 
er erschalte sin hörn gr6z, 

2700 daz ez unmdzen lüte erdöz, 

daz ez erhörten die landeshSrren: 
si sprächen: ,waz mac ime gewerren, 
deme riehen künige Arön?' 
redeten die harren alle d6. 

2705 die harren üf den vesten 

unde die da wären die besten 
die sprächen: ,wir hän gehört das hörn, 
unserme hörren ist von schulden zorn!' 
dö si daz hörn heten vernomen, 

2710 dö wolten si deme hdrren ze hilfe komen: 
si verstuonden sich wol der maere, 
daz er in grözen noeten waere. 
si bereiten sich mit grimme 
in ir staheHn ringe: 

2715 daz wizzet, den wilden heiden 

was umbe ir harren mit triuwen leide, 
an den selben stunden 



2695 MSspf I. vristen M v ussersten S. 

2696 MSsßfl. 'gemacht M*. mit s mir M von S^. 

2697 CT MSsfl. erschalte MS^ schalt I bliese s. 

2698 s6~ez] ISs Ez erhal M. deme dritten Ss dz dryt I seine M. 

2699 und 2700 in S vmgesUlU, er ersch. MI er blies s? Also ersch. er S. 

2701 daz ez] M daz ISs. die MI all die s sin S. 

2702 ime Is vnserm hercn S nU M. gewerren MI gewerden s sin g^ 

schechen S. 

2704 redeten] Retten M Rietten I Den erhörten S. hcrren IS haidn M. 

alle IS all saropt M. d6] M, zum /". Verse gezogen, zu I schon S. 

2705 herren MI h. vnder den haiden S. den MS der I. 
2708 von schulden M v. seh. kunien S von herzu I. 

2710 deme herren MI jrm herren s jm S. 

2711 wol MlfS. 

2712 daz MI Wie dasz S. 

2713 mit ISTM. 

2714 ir IS die liechtn M. ringe MI harnasch ring S. 

2715 daz wizzet MI Do wasz S. 

2716 was MlfS. mit triuwen] M also Sfl. 



127 

I E. V. 2640-2658 



si ir helme ftfgebunden 

unde quämen gein hofe dar» 
2720 ir wart ein ungevüege schar. 

nach ritterlichen siten 

quämen si gen hofe geriten 

unde vräcten der maere, 

waz deme harren geschehen waere. 
2726 die wilden heiden 

wurden des bescheiden: 

man sagete in, diu küniginne 

waere mit goltsmiden von hinnen. 

die heiden heten niht m^re ze wilen 
2730 unde begunden vaste tlen. . . . 

zuo ime nam er stne dienestman 

dämite huop er sich von dan, 

an die grözen roupgalin 

tlte er mit den heiden s!n. 
2735 der künic nam selber ein ruoder in die hant, 

als6 teten die marnaere alle sant, 

hin üf daz mere was in gäch, 

si tlten sant Oswalde vaste hin nach. 



2718 gebunden M bunden IS. 

2719 gein Iß do gen S auf den M. 

2720 wart MS waz I. ungevüege MI grosse S. 

2722 Do STMI. 

2723 unde SsfMI. der Ss si der MI. 

2724 »gesehen I. 

2725 MSsflß. die w. h. M sie s Den w. h. S. 

2726 MSsflß. des Ms die mer S. 

2727 küniginne MI jung k. S. 

2728 Die SfMI. goltsmiden IS den g. M. von M da Sfl. 

2729 wflen IS paidtcn M. 

2730 unde MI Si S. vaste MIs vil bald S. ilen MSs zu eyllcn. 
2731/52 in MISs(r?) vor 2709. ime nam er] M j. ermant er S in 

si I Sie namen s. 

2732 huop er] M huoben si IS(s) von dan MI hin dan Sfs. 

2733 roupgalfn] S galfn MI. 

2734 Also SfMI. »hyMen I. 

2735 selber ISsß selb M. die ISs sfne Mß. 

2736 Vn MflSsß. marnaere MSs man I andern ß. 

2737 hin MSfl. was MI do w. S. in IS im M. 

2738 vaste MSs sere I. hin MflSs. 



128 _ 

E. V. 2659—2679 



daz geschach an eineme mäntage morgen, 
2740 dö sant Oswalt vuor in gr6zen sorgen: 

d6 wdren ime die beiden s6 nähent komen, 

— aber sant Oswalt hete s!n niht vernomen — 

daz die heidnischen man 

wurden die kristen sichtig an. 
2745 hete er d6 niht gehapt den raben, 

s6 waeren die kristen ze t6de erslagen. 

d6 hete der rabe niht vergezzen, 

er waere üf einen kiel gesezzen. 

d6 er die heiden zuovliezen sach, 
2750 nü muget ir hoeren, wie er sprach: 

er sprach: »lieber h^rre mtn 

ez mac rehte anders niht gesln, 

ich hoere daz mere diezen 

unde sihe galin ze uns her vliezen: 
2755 der heiden ist uns her nach komen, 

waerliche daz hin ich wol vernomen 1 

ez welle danne got understän, 

ich vurhte, wir müezen daz leben verloren hänl' 

des erschricte diu küniginne s^re, 



2739 morgen] M m. fhi I an in. S. 

2740 d6 MI Dasz S. *for I. vuor nach sorgen I. in MIs mit S. 

2741 ime MSs in I. s6 MIs,3 also S. ndhent] Mß n&he ISs. 

2742 aber MS Doch sfl. stn MI dass S. 

2743/44 daz — an] MI Do die haiden wurdent der cristen sichtig 

Do wurden si so grin vnd zornig vn jnVinstig Sfs3. 

2745 Unde SufMlb. er do MI sant O. S. raben MIO) rubin S. 

2746 so — erslagen Ml der heiden hete si alle erslagen fl So wer der crisien 

kainer mc kümen haim S. 

2748 waere MS waz 1. einen Ms den IS. kiel MSs mas bam I. 

2749 zuo- MI nach jn S. 

2750 nü IS Gern M. muget i. h. MS höret I. 

2751 lieber MIs vil 1. S. 

2752 rehte MSfl. anders niht IS n. a. M. 

2753 MSsfl?. Wan SfMs. 

2754 MSsfIß. her vliezen] S herzu fliessen s schtes»n M. 

2755 in S nach 2756. nich vor uns S. her MSfl. komen IS bechom? M. 

2756 waerliche MSfl- 

2757 Oder SfMIs. welle ISs wolt M. got Ms den g. S g. selber I. 

2758 verloren hin] MS verlieren s lan I. 

2759 erschricte] S erschrak MIsß. serc MIs gar s. S von herzen vaste (und 

sere u) ß. 



129 

I E. V. 2680-2701 



2760 si sprach: »wäfen hiute unde iemer mere 1 
unde ist her nach komen der vater mtn, 
s6 gät ez manigem kristen an daz leben stn! 
iroe ist umbe mich leide 
unde hat manigen wilden beiden 

2765 bräht üf unsero schaden, 

ich vurhte, die kristen werden alle erslagen: 
begrifet in sin heidnischer zorn, 
s6 hän wir alle daz leben verlorn: 
er wirt uns ertrenken 

2770 unde in deme wilden mere versenken!' 
sant Oswalt die gr6zen klage ansach: 
hoeret, wie er ze der ktiniginne sprach: 
Juncvrouwe ir sult iuch wol gehaben» 
äne.got selber kan uns niht geschaden! 

2775 des hin wir kristen einen tr6st: 

vrouwe daz hän ich iu noch nie erlost, 
daz kein kristen sterbe üf erden, 
ez müeze sin rehter veictac werden, 
er habe danne verworht sin leben 

2780 gegen deme himlischen degen: 
s6 stirbet er och d siner zit 



2760 wdfen IS we u awe bfMs. hiute MSsbflu. 

2761 unde MSßfls. her nach Msu her nach uns b nach vns Sfl. 

2762 manigem MSsfl. kristen Ms vns IfS sfn MSfls. 

2763 leide Mls geschechen also 1. S. 

2764 unde MS Er I. manigen MI vil m. S wilden MlfS. 

2765 Her SfMI. •vnszra M. . 

2766 die kristen MSs die wir I. 

2767 Den SfMI. sin h.] M sin grimmer S der h. I. 

2768 han IS miiss M. alle daz MS vnser I. verlorn IS habfi v'lorn M. 

2769 *vnf M. ertrenken Ss, zu ertrenket ergänzt M erdrencken aus vordrencken I. 

2770 wilden MSflCs). 

2771 die MI do die S jr S. grdzen MSfls. 

2774 selber S selb M so Ifs. kan MSs mag I. niht ISs niemät M. 

2775 des] S zu de s d6 MI. kristen Is kr! wol SfM. 

2776 MlSfsjil. S: Den vnsz cristus jhesus selbsz baut erlöst. \u\ M cnck I. 

nie M nit I. 

2777 sterbe] S stirbt M hie strirbt hie I. üf MI uff der S. 

2778 sin] M ain I ee jm sin S. veictac] M streyt tag I wctag S. 

2779 Oder SfMI. sin MI desz S. 
2781 och ISfM. 

Baesecke, MüDcbcnor Oswald 



130 

I E.V. 2702—2727 1 

unde hat ouch verloren s6le unde Itpi 

daz hat kein kristen, obe got wil, noch nie getan: 

wir sulen tr6st ze unserme harren hin 
2785 unde bitten die hinilischen küniginne, 

daz si uns helfe mit Sren von hinnen!' 

sant Oswalt niht enlie, 

er viele nider üf siniu knie, 

stn beide hende er ftf gebot, 
2790 wanne des betwanc in gröziu ndt, 

er sprach: »himlischer trahttn 

nfi nim hin die triuwe mini 

daz mich üf ertrtche kein man 

niemer mSre nihtes gebiten kan: 
2795 wes er durch dtnen willen begert 

her got, des wirt er alles gewert: 

er bitte mich umbe bürge oder umbe lant, 

wes er mich durch dinen willen ermant, 

unde baete er mich umbe daz houbet min, 
2800 ich gaebe im ez durch den willen dinl 

unde hilf mir mit ^en 

hin von deme heidnischen harren, 

daz ich niht kome ze leide 

hie von deme wilden beiden I' 
2805 dö sant Oswalt daz vol gelobete, 



2782 hat MI Wirt S. 

2783 in S drei Verse, wil MI wil: Vnder vnsi. also vil: Hie by yns* vct- 

wurckt S. noch MSfl. 

2784 ze MI by S. •vnswn M. 

2785 unde MI Nun S. bitten] I witt wir M bittent S laiet uns — bitten ?. 

2786 helfe m. e. MS m. e. helff 1. 

2789 MSsflß. er üf geb6t] M hüb er uff vnd batt S (Sant O.) hübe (sin 

hende) uff S. 

2790 MSflsß. des MfS. in vor betw. S. 

2791 h. trahtin MS h. fürst s hymelsche künigin 1 h. vater sun heiliger geist ^. 

2794 mere MSsfl. nihtes] nUcz S niht MI. 

2795 dlnen willen MS dich I got s. 

2797 in S nach 2798. er bitte MI Vnd b. er S. oder MI vnd S. 
2800 Zwar STMIs?. ich gaebe] Ich gab M Ich geb I gib ich S. er Mfs? 
dass, var gaebe S. 

2802 hin] S Hie Mfls. 

2803 kome] kom I kume Ss chUm M. 

2805 Vnd SfMIs. do MSs alsbalde ßfl- ^^ ▼. g. MS dr gepet volenbrochl 
I die gelUbt gedet s daz bete ein ende nam ß. 



131 

I E. V. 2728—2749 

zehant daz mere tobete, 

daz er vuor in einer kleinen wile 

des meres wol vierdehalphundert mtie. 

d6 sante daz himlische kint 
3810 deme beiden einen nebel unde einen wint, 

daz si niht inobten gesehen, 

alse wir nocb hoeren jehen. 

si vuoren dort unde bie, 

si Westen niht selber, wie, 
2815 oder war iegeltcber kören solte, 

alse ez got selber wolte. 

deme beiden lac ez herte, 

aber df sant Oswaldes geverte 

d6 schein diu liehte sunne 
2820 unde was ouch michel wunne. 

si vuoren in eineme halben tac, 

vürwär ich daz gesagen mac . . . 

an den selben vristen 

quämen die werden kristen 
2825 zwischen des meres üf einen sant, 

als6 tuot uns daz buoch bekant. 

an den selben stunden 



2806 mere MIs m. da grUlichen S. 

2808 des meres MlfSs. wol MS|3 me dann sfl. vierdehalphundert MIs 
vierhundert Sß. 

2810 m M swa Verse, deme beiden] I Den wilden h. S Dem haidn vnd' 
sein galein : M vntt' der haiden h^ u under dy haiden bf S. einen — 
wint] MI nü nebel vnd w. S eine grosze stürm wint s einen dicken 
nebel unde einen sturmwint ß. 

2813/14 in MIS nach 2815/16, ß: unde westen (auch u) niht, wä si hin sel- 
ten kftren f s. 

2813 *dOrt S. 

2814 Wan SfMI. niht selber IS selb' nicht M niht ß. 

2815 war iegel.] I wa jr i. hin S wa hin ygl. M wä si hin ß. k^ren Mß komen IfS. 

2817 deme MS de s Den I. 

2818 aber MSsfl. geverte MS fert I fart s. diu ISsß es M. 
2820 unde MI Da S. michel M ain gross I och grosse S. 

2822 gesagen MS sprechen I. 

2823 an MI Mit S. den IS d' M. vristen MI rasten S. 

2824 Do SfMI. 

2825 xwischen MIß Enzwischent S by s. des meres MSß dai m. I de mere s. 

einen MIß den Ss. 

2826 als6 MSfl. das MS dies I. 

9* 



132 

E. V. 2750—2772 

die kiele man d6 heften begunde. 

nfi begunden si sich ze velde legen 
2830 unde wolten da ruowe pflegen. 

dö si ze velde wären komen, 

alse wir ez sider hin vernomen, 

d6 quämen die beiden an den stunden, 

da st die werden kristen vunden. 
2835 d6 die beiden die kristen ansähen, 

dö begunden si aber baz gäben. 

si sprächen: ,unde hete sin diu werlt gesworen, 

s6 müezen die kristen ir leben häa verloren 1' 

sant OswaU die beiden zuovliezen sach: 
2^40 hoeret, wie er ze den sinen sprach: 

,nü ir werden kristen guot, 

nemet alle an iuch vesten muot, 

lät iu nibt Wesen leide 

und wert iuch der beiden I 
2845 wir werden nü bestanden 

mit werlichen banden: 

wert iuch^ des betwinget uns n6t: 

wir werden bestanden üf den grimmigen t6tl 

wer nü von den beiden wirt erslagen, 
2850 des sSle muoz gr6ze genäde haben 

in deme Ewigen leben^ 

des wil ich iu min triuwe geben: 



2828 kiele MS,^ scheyflF I. d6 MSfl. 

2829 nü b. s. MI Sie b. S. sich M sich da Sfl. 

2830 wolten Ml w. och S. ruowe ß ro I rast M rauttesz S. waren MIs nu w. S. 
2832 c« MSfl. sider] M sid Sfl. 

2836 aber M alle Sfls. baz MI b. zu in S fast s. 

2839 zuo- MI zu jm S. 

2840 Nun SfMI. 

2841 nü ir MI Nu wolan ir s Ir vil S. 

2842 alle] S all sampt Mf Is. vesten MIs ain u. S. 

2843 iu n. w. I.] MI Uchsz niemant laiden S. 

2844 wert MSs bewart I. der Ms krefiftenklich der S gain den I. 
2845/46 in M ein Vers, nü ISfM. 

2847 uns] M vnsz grosse S enck I. 

2848 grimmigen] M grimen Sfl. 

2850 gr6ze MSfl. 

2851 MIsTS?. 

2852 MlsfS?. iu Ms jm I. 



13^ 

E. V. 2773-2792 I 

dÄz habet üf alle min Öre: 

lip unde s61e ist behalten iemer mSre.' 
2855 66 sprächen die werden kristen guot: 

,hÄrre nü hat selber vesten muotl 

wir wellen iu mit triuwen bibestän, 

alle die wile wir daz leben gehän: 

waerlkhe die wilden beiden 
2860 müezen von uns komen ze leide! 

ir tlenunde ir gäben 

daz beginnet uns harte versmähen, 

daz si uns her nach hänt getan: 

nü muoz ez in an ir lebenne gänl 
2865 si sulen des hän unser triuwe, 

ir hervart muoz si harte geriuwen: 

zewäre die beiden alle sant 

koment niemer m^re heim ze lantl' 

sant Oswalt niht enlie, 
2870 den sturmvanen er selbe in sin hant gevie, 

her gegen den beiden was ime gäch, 

die stne tlten ime' vaste hin nach. 

nfi wären die beiden alle sant 

ze in komen df daz lant. 
2875 sant Oswalt die beiden ansach, 



2853 Zwar SfMI. 

2854 ist MS wirt s sint I. 

2856 nü Ss Dür, mcA bat Mfl. hat MSs nempt enck I. selber Is selb M 

selbsz ain S. 

2857 MSsTI?. 

2858 MSsflß. wir] s vnd wir S mir mugen M. gchÄn] M han Ss. 

2860 komen vi^r von S. ze MIs zu grossem S. 

2861 Wan SfMIs. 

2862 daz ISfMs. beginnet] M begünd I musz S. uns MSs in I. 

2863 uns h. n.] M her n. u. S her nach 1 nach uns s. 

2864 MsflSp. ir M dz s. 

2865 MlfSs?. •vnsz M. 

2866 ir h.] MI Desz S. muoz MS wirt I. harte] M noch hart Sfl. geriu- 

wen MS ruwen I. 

2868 -mlre MSfl. heim IS h. lempHg M. 

2869 niht e. MI do selbsz trann S. 

2870 selbe M? selbsz S (2869) f I. hant MI,3hend S. gevie M ving I nam S 

2871 her MSfl. 

2872 vaste MI bald S. hin SfMI. 



134 

I E. V. 2793-g^i3 

daz wort er vurstliche ze in sprach: 

,ir beiden ir sult iuch weren, 

iuch mac nieman emerenl' 

sant Oswalt den beiden widerbdt, 
2880 dö buop sich angest unde n6t 

kein man d6 nibt vermeit, 

iegeltcber zacte stn swert von der scbeit, 

die wären alle liebtvar. 

nfi drungen si fif einander dar, 
2885 beiden unde kristen man 

iuflfen einander an. 

dd si zesamene wären komen, 

d6 wart ein barter strtt genomen: 

si drungen zesamene einer geswinden vart, 
2890 einer den andern nibt enspart 

mit starken swertslegen 

begunden si sieb fif einander beben. 

si wurden beidenbalp gewert 

alles, des ir herze begert 
2895 sant Oswalt der wigant 

vuorte den sturmvanen in stner bant, 

der manbeite was er nibt ein tör, 

den slnen vabt er ritterlichen vor, 

er vabt alse ein wilder bere 



2876 daz MS Die I. vurstHche MI frölichen S zörniglich s. ze in SsfMI. 

2877 weren MS(s) bewarn I. 

2878 Zwar SfMIs. mac] I kan Ms kan halt S. nieman ISs n. mcr M. 

2880 d6 MI Nun S. n6t MI grosse n. S. 

2881 d6] da M doch Sfl. niht MI n. lenger S. 

2882 zucte] 1 zoch S nikt M. stn IS daz M. der MSfl. 

2883 -var MI gefar S. 

2884 nü dr. si MS Vnd trUngen I. Af ISs mit M. 

2886 Die SfMI. luffen] leiff (2885.) Lieffen I Luffen an M LUffend da S. 

2887 zesamene MI zii ain ander S. waren MSfl. 

2888 starker MS hertter I. genomen MS Yomomen I. 

2889 MSf Isß. einer geswinden] M ein geschwinde S. 

2890 MSflsß. niht] M da nicht S. 

2891 grim: SfMI. 

2892 heben MI hawen ring S. 

2894 ir h. bj MI jre herzer begcrttent S. 

2896 stner Ss sein selb M der I. 

2899 alse Mls rech alsz S. wilder b. MIs biederbar her S. 



135 

E. V. 2814—2835 



29(K» unde gap den stnen rät unde l^re," 
er vuorte den strit gar wlsltche, 
dez vröiten sich die stne alle geltche. 
die kristen wären unverzeit 
unde pruoften den beiden arbeit, 

2905 si drangen mit einander dar 

unde begunden smelen der beiden schar, 
si machten ungevüege den strit 
unde sluogen schedeliche wunden wit 
durch die stahelinen ringe grbz: 

2910 manic beiden d6 sin leben yerl6s. 
die kristen begerten keiner reste 
unde hiuwen durch die helme veste 
unde durch daz stahelin gewant, 
si valten die töten üf daz lant. 

2915 die kristen sich krefticliche gerächen, 
die beiden si sluogen unde stächen, 
den heiden muoste misselingen, 
wände' si liezen sich verdringen, 
einer hin, der ander her, 

2920 des verluren si wirde und 6r. 
si vähten einen sumerlangen tac. 



2900 nnde MIs Er S. 

2901 gar Ss so Mfl. den sinen vor: SfMIs. 

2902 MIS8fß.S: Desz warent all sin heren ynd knecht frö. gcUche Mlfs. 

2903 w4ren MIs w. gar S. 

2904 pruoften M machten Is brachtent S. den MIs die (i<e?) S. arbeit 

MIs jn grosse dag S. 
2906 unde MIs Si S. b. smeln M machten — gar sn smal s b. mindren S 

roachtn mfd' I. *schär M. 
2908 unde MI Si S. schedeliche] M tieff I den haiden grosse S. 

2910 manic MIs Desz vil menger S. d6 MsflS. 

2911 begerten MS hattn 1. keiner reste MS kainen rast I. 

2912 hiuwen IS schlUgn M. durch die] S durch M in durch I. veste MS vast I. 

2914 si V. IS Man velt M. 

2915 krefticliche] M die heiden krefftenklichen S wol I. gerächen] I rachn 

M prachen S. 

2916 si MI si vast S. Danach nur in M: Die cristn die warn mUtes reich 

Die haidn mochtn in nicht geleichn. 

2917 muoste MI m. da S. 

2918 verdringen MIs hinder sich tringen S. 
2921 si V. ISs Man vacht M. 



136 

I E.V. 2836-2857 



daz nieman keiner reste pflac 

vollicltche unze üf den äbent dan: 

d6 wurden erslagen die heidnischen man. 

2925 kUnic Ar6n wart sigel6s, 

drtzic tfisent heiden er verlos, 
die wurden ime alle samt erslagen, 
alse wir noch hoeren dagen: 
ez mohte anders niht enwesen, 

2930 man lie ir keinen niht genesen, 
si verluren alle den Itp, 
daz klageten diu heidnischen wtp. 
nfir des rkhen küniges Ardn 
des begunde man vür die andern sch6nn. 

2936 daz tete man ouch nur umbe daz, 
daz er der küniginne vater was: 
die kristen in undergiengen, 
daz si den künic Ar6n viengen. 
si vuorten in an den stunden, 

2940 dd si sant Oswalt vunden. 
d6 in sant Oswalt ansach, 
dö begunde er lachen unde sprach: 
,her 5weher stt mir gotwilkomen, 



2922 nieman MIs keiner b nie nemant do S si nye u. keiner MSsu kain Ip). 

Teste MS ruowe Isß. 

2923 vollicltche] I Vollikleichn M VoUenklich S. unxe IS biz Ms. üf Ml an 

Ss. dan MlSfs. 

2926 Wol SfMIs. er MIs er da S. 

2927 samt MSfls. 

2928 noch MI esz n. S. 

2929 Zwar SfMI. enwesen M gewesen IS. 

2930 ir IS im M. keinen niht MS weinig I. • 

2931 alle MI all sampt S. den M die S eren I. 

2932 diu IS do die M. 

2933 kUniges Ss kUnic MIß. Ar6n MISs Aarons ß. 

2934 begunde ISs wart ß schonet M. die MS d' I den s. andern ISs and' 

M. sch6nn] schon I schönen Ss gesch6net ß man M. 

2935 nur] M nü S nun sfl. 

2936 kUniginne MI jungen k. s jungfrawen S. 

2937 vnder- MIs er S. 
2939 den MI den selben S. 

2941 in MIsß si S. 

2942 d6 MSflsß. er vor begunde I. 

2943 'swer I. mir MIsß m. recht S. 



137 

E. V. 2858—2879 



iuwer kunft hän ich gerne vernomenl 
2945 er empfie in wol mit ören, 

er sprach: Jr sult iuch toufen geren!' 

d6 diu rede vol geschach, 

der heiden zorniclkhen sprach: 

»Oswalt wilt du mich ze eineme sweher hän, 
2950 sd solt du mich dines spotes eriän: 

an dtnen got geloube ich niht, 

wie halt mir darumbe geschihtl' 

dö sprach der milte künic Oswält 

ze deme wilden beiden halt: 
2955 |du solt minen got niht schelten, 

wände du möhtest sin gar harte entgelten: 

ich bin an dir worden sigehaftl 

nü hat min got wol die kraft, 

daz er dtne liute heizet üfstän, 
2960 daz du si lebendic vor dir sihest gän.' 

d6 diu rede vol geschach, 

hoeret, wie der heiden sprach: 

,6 milter künic Oswalt', 



2944 Zwar SfMIs. kunft MI zuokunft Ss. gerne ISs wol M. 

2946 sprach MIs 8. sü jm S. toufen MI t. läien s töffen lan S. 

2947 rede MI r. da S. vol M wol I wo vol S. 

2948 zorniclkhen] zornicliche Isß zorenklichen S zornleichn M. 

2949 eineme MSßfls. »swcr I. 

2950 solt du mich . . . erlän IS soltu mich . . . vettragn M solt du min . . . 

lan s überhebe mich ^3. spotes] S pads b gottes u gespötes MI un- 
gespottet s. 

2951 Den S wände pfMIs. 

2952 geschiht MIs ymer beschicht S. 

2953 kOnic MI k. sant Ss. 

2956 mühtest Ss machst M müst I wurdest ß. sfn Mlsß desz S. gar harte 

M gar ser u wol S anders sf Ib. 

2957 an dir worden MS w. a. d. I. 

2958 nü — die MIs unde wizze daz min got hit die ß Vnd desz durch minesz 

gottesz S. Danach nur in S: Deii er jst so gewaltig vnd rieh 

Vber jung vnd über alt gelich. 

2959 liute ISs dienst lawt M. 

2960 ISfMsß. vor dir sihest] S s. v. d. I. gän] S sten I. 

2961 »f M nach 2962, aber mit Zeichen {„) hinter den Versen, rede MI r. do S. 

vol M wol IS. 

2962 Nun SfMI. 

2963 Ä] M Ain I Ach S O sfß. künic MIsß k. sant S. 



138 

I E.V. 28 80-2899 I 

sprach der wilde beiden halt, ^ 

2965 ,daz wil ich reden äne allen spot: 

mäht du des erbitten dinen got, 

daz er den mtnen hilfet üz dirre not 

unde daz si üfstdn von deme t6t, 

s6 wil ich ze ime kören 
2970 unde wil mich läzen toufen geren, 

mac des aber niht geschehen, 

an dinen got wil ich niemdre jehen.' 

d6 diu rede vol geschach, 

sant Oswalt sach ftf gein himel unde sprach: 
2975 ,6 himlischer trahtin 

ich ermane dich hiute des tödes dio, 

den du empfienge an deme heiligen kriuzes stam: 

dö erlöstest du vrouwen unde man 

mit d!neme unverdienten tot: 
2980 nfi mane ich dich an die selben not: 

hilf mir durch diner marter öre, 

daz die töten alle wider lebendic werden 1' 

dö diu bete vol geschach. 



2965 allen MlfS. , 

2966 unde SßfMIs. des erbitten dinen MSß das erb. Qmb dinen s eipiettn 

daz dein I. 

2967 den m. ISs die mein M. hilfet MSs helff I. üz IS auf M. dirre] dir I 

diser MfS. 

2968 daz MlfS. 

2969 ze ime k. IS mich bechern M. 

2971 Vnd SfMIs. des M daz ISs. d. aber MS aber d. I. «gesehen I. 

2972 niemere] M nymmerme s nimer nUcz S nit I. jehen MI veriechen S 

glauben s. 
2978 rede MI r. do S. vol S alliu MI. 

2974 sach üf sß uff sach, nach himel S plikt MfL unde MSs^I. 

2975 e] M O Is Vil Sf?. 

2976 ermane Ss roane MI. nun: SfMIs. 

2977 kriuzes stam] (an dem) stam (des heiligen) kriuzes ß krewcz M ciprion S 

fryttag Ifs. 

2978 erl. du MI du erl. s du mit erl. S. vrouwen MI fraw S. DoMOck S: 

Vnd sunder die dinen willen han getan. 

2979 dineme MI(ß) dem S. 

2981 mir MIs m. vnd S. ere MI eren S. 

2982 alle w.] S all sampt w. M alle sf I. 

2983 diu Ml(sß) ditz S. vol MSfls. 



139 

E. V. 2900 — 2923 



ie ein töter den andern ansach, 

2985 si stuonden üf in allen den gebaeren, 
nur alse si sunst entslifen waeren. 
dö sprach sant Oswalt schön: 
ysihest du richer kttnic Arön, 
waz Zeichens mtn got hat getan? 

2990 noch solt du ati in gelouben hän 
unde solt balde gäben 
unde kristenlfchen gelouben empfihen: 
geloubest du an in krefticltchey 
so besitzest du daz 6wige himelrtche/ 

2995 d6 sprach der wilde beiden: 

,0swalt daz waere mir iemSre leide: 
din got ist ein junger t6r, 
der möhte mir niht wesen vor: 
ich wil gelouben an den alten, 

3000 der sol ouch mines lebennes walten, 
unde waz der alte geschaffen hat: 
an den geloube ich vruo unde spät.' 
er sprach: ,Oswalt vurste rkhe, 
unde bete ich siben houbet drltche 

3005 äf mineme Itbe stän, 

alse ich doch nur einez hän, 
diu lieze ich mir alliu abenemen, 



2984 ie MSflß. ein tdter MS einer Iß. 

2985 allen den g. MS aller der gebaere Is. 

2986 nur] M Nun Sfls. alse MI als ob Ss. sunst M sanft Sfls. 
2988 sihest du MIs sichtest du S schouwe ß. 

2990 gelouben vor an S. 

2991 balde MI och b. S. 

2992 kristenl] S cristn gleichn M cristn I. *glöben S. 

2993 Vnd SfMIß. krefticliche] M kreiitenklich S krefflich Ifß. 

2994 ^eseczestu I. ewige MSß fron I. 

2996 iemSre MSs nu I. 

2997 Wan STMIsß. 

2998 der MSß er Is. mühte MI(ß) mac Ss. 
3001 geschaffen IS beschaffen Mß. 

3003 Osw. MIs O. edler S. 

3004 unde SsßfMI. 

3005 AUe SfMIs. 

3006 doch MsflS. nur] M nü ISs. 

3007 mir MIs mir - e ß nü Ec mir S. -nemen MS sltgen 1 slahen ß hauwen $, 



JI40 

I E. V. 2924—2945 



des wolte ich mich niemere geschemen, 

6 daz ich geloupte an dtnen got, 
3010 wände darumbe waere ich aller heiden spot' 

alsd redete er fiz grözeme zoren: 

,sihest du niht, mine Hute sint wider lebendic worden: 

hie an disen ztten, 

wil ich drest mit dir stritenl' 
3015 die heiden, die d6 lebendic wären worden, 

die sprächen: ,h6rre lät von iuwerme zoren 1 

ir sult von deme kriege län, 

wir wellen iu niht btgestin: 

wir sin gewesen an dirre stunde 
3020 \i\ der heizen helle gründe, 

da ist uns alsd wd geschehen/ 

— begunden die heiden alle jehen — 

,hät ez üf alle unser £re: 

an Mehmeten gelouben wir niemer m^re: 
3025 er mac nieman bigestän: 

wir wellen an Jösum Krist gelouben hin, 

deme wellen wir dienen vttr eigen, 

der mac uns wol hilfe erzeigen!' 

d6 diu rede vol geschach, 



3008 wolte Ms wilt I wil S. niemere IS nit s Jm M. geschemen M scbemcD 

Ss schämen I. 

3009 geloupte MIs geloben weit S. 

3011 er MI der haiden S. 

3012 niht s nit dasz SfMI. wider MSsfl. 

3014 Irest MIs wider ßfS. 

3015 d6 MsflS. wären SsfMI. 

3016 die 8pr. MS80)ri. h^rre MIsß h. nü S. 

3017 Zwar SfMIs. deme IS dism M (lassent Uwer kriegen sin s). 

3018 niht MIs niht mere ß nUmer mee S. -gestän] S bestan M. ttan Is. 

3019 dirre] d' M. 

3020 in ISsß Pej M. 

3021 ^gesehen I. 

3022 heg. d. h. MI Dasz b. d. erschlagen b. S. alle MlfS. 

3023 Nu SfMI. habet MI hab S. alle MlfS. •vnsz M. 

3025 nieman Sß nieroat nicht M kaim I. gestin ISß bestäo M. 

3026 Krist] M Christum Sßfl. 

3027 wir IS mir nU M. 

3028 wol I, tiocA hilfe SfM. 
vol] wol I do vol S allew M. 



141 

I E. V. 2946—2963 



3030 hoeret, wie der künic Ar6n sprach: 

,^ milter künic Oswalt 

nü hdst du min s6 gr6/.en gewalt: 

ich wolle mich toufen geren 

unde ouch kristenlichen gelouben m£ren, ^ 
3035 nfl ist daz mere ein sulze unde darzuo gruntlös, 

darüf hlln ich sorge als6 gröz: 

daz mere hat niendert grünt: 

entviele ich dir an der stunt 

hin in daz wilde mere, 
3040 s6 möhte mir niht gehelfen allez din here.' 

also sprach er trüricliche: 

,Oswalt ede\er vurste rkhe 

du gihest din got sin ein heilant: 

sihest du dort die steinwant? 
3045 dtn got , 

daz er üz deme harten steine 

einen brunnen lät erspringen, 



3030 der MlfS. 

3031 e] M Ain I O Sfu. Oswalt MIu sant O. S. 

3032 s6 M vil Sfl. 

3033 Z\iraT SfMIß. wolte] lieze MIS (ich wil gerne die toufe empfahen ß), 

z/f/. 8034. toufen MI nu töffen S. 

3034 unde MIß Vnd weh S. kristenUchen Sß kristen- ML 

8035 in S twei Verse, ein suUe] M gar e. salcs : S salcz I bitter ß. unde MIu 
Vnd ist och S und ist b. danuo MSflß. *grütlof M. 

3036 als6 MSfl. 

3037 hat MI hett S. niendert] M nienen S kain I. 

3038 entviele ich dirj EnpfYl ich d' M vnd enpfall Ich dir u valle ich b Ich 

enpfilch dir I Oder ich enpfllch mich dir S. an IS dan an d' M, 

3039 hin in MS darin ß Vil ich in I. 

3040 «6 m. m. MS Mir niöcht I s6 mac mir ß. geholfen MS helffii I ze 

hilfe komen ß. allez din] M a. mein I nieman .... (noch u) als 
din ß din S. here MI hcrr ß got vii her (vn übergeschr») S. 

3041 trüricl.] trawrichleih {das h solUe k werden) M gar trurenklich S dUchten- 

lich I. 

3042 edelcr MIs vil e. S. 

3043 gihest] gist M sprichest ISsß. sin M si ISsß. 

3044 Nun SfMIs. steinwant ß Stains w. M steinin w. ISs. 

3045 M: Vii wirt (bitt 'MI) dein got Rain. I: Vii pitt dein got jnne. 

S : Tut nun din got siner genäden schain. s : dut din got dz zeychen. 
ß : (ich wil zewÄre keinen geloubep an in han,) er si dann s6 mächtig. 
3047 ersprin^en MS spriengft I entspringen s(ß). 



142 

I E. V. 2964-2984 



da toufe ich mich innen, 

mac des aber niht geschehen, 
3050 an dtnen got wil ich niero^re jehen/ 

sant Oswalt der heilant 

gie hin öf die steinwant 

unde viel nider üf stniu knie, 

daz swert er in die rehten hant gevie 
3055 unde z6ch cz üz der schalt. 

der helt daz langer niht vertneit, . 

daz ort lieze er hangen nider, 

saget uns daz buoch sider. 

sant Oswalt fif gein himel sach, 
3060 gerne muget ir hoeren wie er sprach: 

,6 himlischer vurste h€re 

ich ermane dich der heiligen toufe ^re, 

die du empfienge in deme heiligen Jordan, 

beide durch vrouwen unde durch man: 
3065 nü hilf mir üf dirre erde, 

daz ein brunne hie entspringen werde, 

daz die heidnischen harren 

in dtneme namen alle kristen werden!' 



3048 mich MIsß m. den S. 

3049 Vnd SfMIß. des M es I daz Sß. «gesehen I. 

3050 niemere Mu n. me S niht Ib. 

3051 der MI d. rain S. 

3052 gie h. üf MIs gieng üf ß Der er sach S. steinwant Iß stains want M 

stainin w. S steyn s. 

3053 unde v. MIs Do fiel er S. 

3054 die MI stn Ss. rehten MsflS. 

3056 das] M desz S es I. langer n.] M nit 1. I nit S. 

3057 hangen MlsfS. 

3058 Also SfMI. sider MI nun s. S. 

3060 gerne MI Nun S. 

3061 e] E Milter M O Ssflß. h. vurste h. MS herre himmelscher fbfst s her 1^ 

3062 ermane] Smane MI. 

3063 t>» S /M^^ 3064. empfienge MlßfS. heiligen MSflß. Jordan MIß ctpryan S. 

3064 vrouwen MI fraw S. durch m. MS m. I. 

3066 hie ISs(ß)fM. entspringen w. MS entspringe sß werde I. 

3067 :>iS zwei Vtrse, daz MIsß Dar vmb dasz din lob vnd ergemerret werde: 

VndS. die MIS dise s der wilde ß. heidnischen herren MI beiden Ssp. 

3068 in d. n. MIs dar jn Sf ß. alle] M er unde allez sfn here ßf ISs. kristen 

w. MIs getöfft werde S geloube unde getouft werde ß. 



U8 

I E. V. 3985-3008 I 

sant Oswalt wart gewert 
3070 alles, des sin herze begert 

von deme himlischen trahtln 

unde von der lieben niuoter sin: 

daz swert inie üz der hende brach 

— von gotes krefte daz geschach — 
3075 abe durch den harten stein. 

gotes kraft Ab wol erschein : 

von jies sWertes orte 

sieb diu steinwant durchborte. 

nü lie sich ein schiel her dan, 
3080 daz sähen beiden unde kristen man, 

der was s6 gr6z, alse wir noch hoeren sagen, 

tüsent wagen möhten in niht hän getragen. 

gotes kraft diu was gr6z: 

fiz der steinwende ein brunne gevl6z^ 
3085 der was zehen kldfter w!t, 

seit uns daz diutsche buoch stt, 

unde nur einer tief. 

sant Oswalt lüte rief: 

iSihest du heidnischer man, 
3090 waz Zeichens hat mtn got getan? 

noch solt du zuo der toufe gäben 

unde kristenlichen gelouben empfähen, 



3069 gew. MIs do g. S. 

3073 ime MI er jm S. 

3074 krefte ISs chremii M. 

3075 abe] M Ze tal S nider ßf Is. 

3077 Wol SfMI. orte MI arte S. 

3078 *Si M. steinwant I(ß} stain wanden S stains want M. diirchborte MIs parte S. 

3079 nü MS Do I. schiel Mß schilp s scholl S stUck I. *erdan I. 

3080 heiden u. kr. MI(s) baide frawen vnd S. 
8081 noch MSfl. 

3082 in MSsß ez I. niht ISsß nindert M. 

3083 diu MI wol wol erschin vfl S. grdz MI so gr. S. 

3084 steinwende] I stainwantt M staini wand S steyn s. gevl6z M vl6z ISß. 

3085 was MIsß w. wol S. wft MSß lanc Is. 

3086 MSflsß. seit] Seit M Dasz sagt S. diutoche] MfS. sIt] sait M nun sid S. 

3087 nur Mß nun Sfls. einer MSß einer kUftem Is. 

3088 lüte Ms mit lüter stimme ß gar 1. I vil 1. S. 

3090 hdt m. got get. MS mtf g. h. t«n I. 

3091 der MI dem S. 

3092 kristenltchen gel MS Cfisten g. s cristn glaichn I. 



144 

I E. V. 3009-3032 



unde wilt du daz niht balde tuon/ 

s6 hast du weder vride noch suon: 
3095 iezuo mit deme swerte mtn 

slahe ich dir abe daz houbet dinl' 

der beiden der rede harte erschricte, 

sant Oswalden er anblicte: 

er sprach: »milter künic Oswalt 
3100 dm got bat aller dinge gewaltl 

min got ist Mähmet genant, 

der beiden bdrre über alliu lant: 

des wil ich von ime k6ren 

unde kristengelouben mSren: 
3105 ich muoz dir der wärheite jehen: 

ich hin solich zeichen von Mähmeten nie gesehen. 

ich wil mich an den haben, der Jdsus ist genant, 

der ist h^rre über alliu lant, 

daran wil ich bellben staete. 
3110 Oswalt ziuch mir abe min gewaete: 

von gote bist du gewert: 

Oswalt min herze der toufe gert.' 

sant Oswalt der heilant 

z6ch abe deme beiden stn gewant, 
3115 er sprach als6 schön: 

,vor hieze du der riche künic Arön, 



3093 wilt du ISs woltz du M. daz Ms es IS. 

3094 •son MS. 

3095 Wan STMI. 

3097 der MI ab d. S. harte MI gar h. ß vil ser S. erschricte MS ersehne !^. 

3098 er MIß er do vast S. 

3099 kUnic MIs k. saut S. 

3104] M Vfi wil mich las bekeren I Vnd wil jo nUmer mer eren Sfsß« 

3105 Zwar SfMI. dir der S d' MI. jehen MI uerjechen S. 

3106 Wan SfMI. solich MSß sölliche I. von M. I. vor solich M vö «i- 

screm got S meine got u. nie MS alle nnne tage kein ß nit I. 

3107 mich an d. h. M mich an den got S glaubn a. d. I. Jesus MI jbs 

yps S. 

3108 Zwar SfMI. 

31 10 Osw. MI O. nun S. 

3111 du MI d. sin allesz wol S. 

3112 der toufe MIs desz toffs mit flisz S. gert MI begert Ss. 
3114 roch MIß Zwoch S. abe d. h. MSß *d. h. ab I. 

3110 ISsßfM. der r.] I der k Rych s der mähtige ß rieber S. 



145 

I E« V» 3033-3057 ! 

nü 8o)t du Zentlnus werden genant 

über alliu kristenlant.' 

sant Oswalt toufte den sweher s!n, 
3120 darnach diu vier magedtn, 

er toufte drt sumer lange tac, 

daz er nie keiner reste pflac. 

an deme dritten tage, dö sich tac unde naht wolte scheiden 

dannoch wären ungetouft zw6ne unde sibenzic beiden. 
3125 die vorhten, ez wurde in ze späte, 

unde begunden tlen also dräte, 

si vorhten, si mtiesten versfimet stn, 

unde Sprüngen mit einander darin 

unde würfen des wazzers dri stunt in den munt: 
3130 iegelkheme wart ein reiniu s6le kunt. 

alse getoufet wurden die beiden, 

nü was in niht m^re leide: 

si sprächen an den stunden: 

,nü habe wir den t6t überwunden I' 
3135 si sprächen: ,Oswalt, vurste hSre, 

leben wir nü iemer mSre?' 

d6 sprach der milte küntc Oswalt: 

,got hat aller dinge gewalt: 

ich tuon ez iu beiden allen bekant: 



3117 Zentinus S czenttiDus M csenzim I Centurio s Zenturus ß. werden M 

vor 2^ntiDus, Ss sein I. 

3118 alliu kr. MI alles er. s a. die er. S mine ktlnicriche ß. 
-19 toufte MIsß t da S. •swer 1. 

3120 Vnd MflS. 

3122 nie MSs, nach reste Ifß. gepflac] M pflac Ssß. 

3128 Zu band STMIs?. ♦trctten I. ffinter tage Versschhtss S. 

3124 zwene u. s. IS lij M zwen vfi fUnffltzig s hundert ß. 

3125 MI^Ss. wurde in Ifit wolt inn werdn M. 

3126 MlsfSß. 

3128 Sprüngen ISsß springn M. mit MIsß all m. S. 

3129 des wazzers MIs daz w. S^. dri stunt] I drtt mal s jr try, v^ würfen SfMß. 

3131 alse MI A. do S Do nu s. 

3132 leide Ml zu 1. S. 

3133 si MI Vnd S. den MI d. selben S. 

3135 vurste here MI werder f. h. S Edeler fUrste S. 

3136 Vnd SfMIs. 

3137 der m. k. MSfls^. Osw. M sant O. ISsß. 

3138 got MSsß g. d' I. gewalt MIß(s} wol g. S. 

3139 ez] I nafh tuon, M nath iu fSs. beiden MSflsß. bekant S kant M kunt Is. 
Daesecke, Münchener Oswald 10 



146 

I E.V. 3058-3079 



3140 ir sterbet in deme järe noch alle sant/ 
des erschricten die getoufren beiden ser: 
,6w6, daz wir ie sin komen her!' 
si sprächen, alse wir boeren jeben: 
,nü ist uns mit deme töde s6 w£ geschehen, 

3145 nü wänt wir an disen stunden, 
wir heten ez allez überwunden: 
müeze wir noch eines ligen t6t, 
wie sule wir überwinden die n6t?' 
si sprächen unverborgen: 

3150 ,Oswalt hilf uns üz den sorgen, 

unde bitte den himlischen heilant, 
daz wir iezuo sterben alle santl 
unde solte wir als6 sorgen daz ganze jär, 
Oswalt daz sagen wir dir vürwär, 

3155 s6 möhten wir in den sunden verzagen 
unde naemen stn an der s^le schaden: 
bitte den himlischen trahtin, 
daz er ime unser sdle läze empfolhen stnl' 
sant Oswalt tete an der selben stat, 

3160 wes in maniger getoufter beiden bat: 
er sprach an der selben stunt: 



3140 noch MlpfSs. 

3141 erschricten] erschraktn M erschraken ISsß. get MsflS. 

3143 sprächen MIs spr. all sampt S spr. alle [1 hoeren MS kOnne I. jeheo 

IS sagfi jehfi M. 

3144 nü i. üiMSs Vns ist I. deme MlsfS. sA we vor mit M. geschehen 

Ms gesehen I beschechen S. 

3145 nii w. w. MI Wir wundent S vn meynten s. 

3146 ez MI ez nü Ss. 

3147 wir IS w. dann M. eines ISu ainstund M mer b. 

3148 die IS d. gross M. 

3149 sprächen MI s. all S. 

3163 unde MI Den S Wann s. ganze MlsfS. 
3154 sagen wir IS sag ich M. 

3156 MlSsfß. I: Dz vns an d' sei möcht seh. s: vn an der seien grossen 

schaden nemmen. ^nemend S. 

3157 Vnd STMI. 

3158 unser] S vnsz M die I. sele MI seilen S. 

3159 der selben MS d. I. 

3160 maniger MIs da m. S. 

3161 der IS den M. 



147 

I E.V. 3o8o— 3IO O I 

,her got tuo mir dtn gen&de kunt, 

unde hilf mir, daz die getooften beiden 

senfticHchen verscheiden 
3165 unde daz si als6 ersterben 

unde mit deme andern t6de d!n hulde erwerben I' 

sant Oswalt wart gewert, 

alles, des sin herze begert 

von gote unde von der muoter stn, 
3170 die täten ime genäde schtn, 

daz die getouften beiden d6 geswigen 

unde alle vür t6t damider sigen, 

daz si ir lebennes verdürben 

unde ouch gar senfticltchen stürben. 
3175 si wurden ze aschen unde ze molte, 

alse es got selber wolte. 

mit deme ändern t6t 

quämen si von der helle not: 

got sande ein englische schar, 
3180 die nämen dö der sdlen war, 

si empfiengen si an der stunde 

iegelicheme von sineme munde 



3162 tuo MIs DU t. S. 

3163 mir ISsfM. getouften MIs töfften, das gzveiie t aus e S. 

3164 senfticUchen] M senflftiglich s Senflftenklichen S senftliche Iß. 

3165 dax MSfl. 

3166 deme a. t. MSs ain and' I. 

3167 gewert Ms aber g. I da g. S. 

3168 des Ml desz dasx S. 

3169 muoter IS lieben m. M. 

3170 ime g. MI da jr g. wol S (got der det) jm sin g. s. 

3171 dax ISs Do M. getoufien MSsfl. d6 MSfls. geswigen] M geschwegen 

I schwigen Sf S. 

3172 alle MSsßfl. vUr MI v0 S. dar-] da S do If Msß. sigen MIß suncken 

S ligen S. 

3173 dax MI Vnd da S. verd. MI gar verd. S. 

3174 ottch ISfMs. senfticlichen] M senfftiglich s senfftenklichen S senftliche Iß. 

3175 molte MI moU S staub ß. 

3176 Recht SfMI. 

3177 Do STMI. 

3179 ein IS in ein M. englische MI engelschliche S. 

3180 s^len IS sei M. 

3181 si MI da S. der MI der selben S. 

3182 iegeltcheme] M Jegliche I Yegkliche seil S. 

lO* 



' l T ■ 

E. V. 3101— 3123 



unde vuorten si dö wirdicltche 

in daz dwige himelrkhe. 
3185 sant Oswalt nam den sweher stn 

unde diu vier magedin 

unde alle stne dienestman 

unde zogeten dö vr6lkhe von dan: 

er hete ir nie keinen verloren, 
3190 des vröite sich der vurste hochgeboren: 

mit den stnen allen sant 

quam er vr61iche gen Engellant. 

gen Engellant sageie inan diu maere, 

daz sant Oswalt komen waere 
3195 mit einer schoenen briute, 

daz hörten gerne alle stne Hute. 

die riehen quämen dar mit gäbe, 

die armen quämen dar durch genäde, 

si Srien den riehen künic Oswalt 
3200 durch h^rschaft unde gewalt. 

nü hete er ein schoene höchztt, 

— seit uns daz diutsche buoch sk — 

von pfingesten unze fif den sibenden tac: 

iewederme man er ze ezzenne unde ze trinkenne gap, 
3205 man gap ez wirdiclichen 



3183 si MlfS. d6] I da gar SfM. wirdicliche MI wirdenklich S. 

3184 Si SrMI. 

3185 nam MI n. da S. *swer I. 

3187 aUe MIs dar eü a. S. 

3188 zogeten] M zugen Is zoch S. d6 MIs d. mit jn S. 

3189 er ISs D' M. ir] S ir och I er auch M der syncn s. nie ftaeh keinen M 
3192 quam MIs Für S. gein MS heim in Is. 

3194 Wie SfMIs. komen MIs nü k. S. 

3195 briute] prawt M brüt Ss prat I. 

3196 MSsriß. hörten] S erforsln M. 

3197 *Dich M. dar MI da Sfs. mit Ss mit gr6zer MI. 

3198 durch MI nach S uff s. 

3199 riehen MI milten S edeln s. Oswalt] I sant O. S aron M. 

3200 durch MIs D. die grosse S. unde Ss' u. durch MI. 

3201 nü Ss d6 Ml. ein MIs sin S. 

3202 seit] M Also IS. diutsche MlfS. sit] M (nü S) seit IS. 

3203 sibenden t.] Is subntag M suntag S. 

3204 Dasz SfMI. iew. — gap] Ms ieweder man ezzennes unde trinkennes. 

pflac IS. 

3205 ez MSf I. wirdiclichen MI gar wirdenklichen S. 



E.V. 3124— 3146 



149 

armen unde riehen. 
d& diu h6chztt was zergän, 
die harren schieden von dan, 
si zugen alle heim ze lande. 
3210 sant Oswalt boten üz sande 

unde hiez ime bringen arme Hute 

den wolte er geben ein spende 

mit stner mitten hende. 

d6 die armen liute sin boteschaft vernämen, 
3215 wie balde si gen hofe quämenl 

sant Oswalt satzte nider armer liute niun schar 

alse manic tüsent quam ouch dar. 

dar quam ouch der himlische trahtin 

mit den gr6zen genäden stn: 
3220 d6 wolte er beruochen 

unde sant Oswalden versuochen, 

obe ime wolte leisten der vurste guot, 

daz er ime hete verheizen üf des wilden meres vluot. 

unser h6rre niht vergaz, 
3225 wie balde er an die Ersten schar sazi 

d6 ime da wart gegeben, 

d6 begunde er sich an die andern schar heben. 



3206 Bayd I Dem SfMs. unde MIs vnd och den S. 

3207 Vnd SfMIStS. zergdn MS erg. 1 geschach s hete ein ende ß. 

3208 von MI do all v. Sfs. 

3209 zugen MSsu (zoch b) zohen I. alle hinter heim M. heim ISsß hin h. M. 

3210 boten MI do b. Sfsß. gesande] M sande ISs,3. 
3211. Danach nur in S: Said vnsz dasz buch noch sid. 
3214—17 in MlSu(sb) muh 3223. 

3214 die MSfl. sin MI die S. 

3215 gen MI do g. S an u. 

3216 a. liute SsM : ["I. niun I(s) wol jx M x S (zwclf ß). 

3217 tüsent MI(ß) hundert sfS. quam Ms quamen IS. ouch M, vor q. Sfls. 

3218 dar MS d6 Is. ouch SsßfMI. 

3219 ^grossen <: grossein M. 

3220 beruochen] vcr üchen S wurchen M nit rüchen I. 

3223 ime MI er jm S. hete ▼.] M het versprochen ß verhicz ISs. wilden 

SsßfMI. 

3224 *Vnsz M. niht MI da och n. S. 

3225 an die Mu ze der ISs. 

3227 d6 MlsfS. beg. er MI Er b. S. an die MIs zu der S. schar MSsufl. 



150 

["e. V. 3147— 3'66 
d6 er die andern gäbe empfie, 
wie balde er an die dritten schar giel 

3230 dannoch wolte er niht bestän 

unde begunde an die vierden schar gän. 
er hete niht m6re ze wtlen 
unde begunde an die vünften schar ilen. 
er begunde vaste wandern 

3235 von einer schar an die andern: 
daz treip der himlische degen, 
unze ime des tages niun' stunt wart gegeben, 
er tete geltche eineme armen man 
unde schiet mit den armen Hüten von dan: 

3240 an der selben stunde 

in nieman erkennen künde. 
d6 diu spende was zergän, 
arme liute schieden von dan, 
dannoch wolte unser hSrre niht enlän, 

3245 er begunde balde hin wider gan: 
sant Oswalden den vursten h^re, 
wolte er aber versuochen m^re, 
obe ime wolte leisten der werde man, 
waz er ime hete verheizen üf des meres strän. 



3228 gäbe MSsfl. 

3229 an die MI zu sich zu der S zu der s. schar MSsfl. 

3231 unde MI Er S. 

3232 wtlen IS peitn M. 

3233 unde MI Er S. an die MI zii der S. 

3234 vaste MI vi! fast zu S. 

3235 an die M vncz a. d. S zu der I. 

3237 unze MI(u) Vncz dasz S bis s. des tages MS den dag sf I. niun stunt] I, 

nach wart M nUne mal s x mall S. 

3238 MIsTSß. 

3239 MlsßfS. 

3240 Wol SfMI. der IS den M. stunde] S stUnt in I stunden M. 

3241 in MIs In dennoch S. 

8242 Vnd SfMIs. was MIs nü w. S. 

3243 Die STMI. von MSs do v. I. 

3244 *vnsz M. herre MSsf I. enUo] erlan S lan MI ablassen s. 

3245 er Ss unde MI. begunde MS gegUnd I. balde MlsfS. hin MSsfl. 

3246 den MlsfS. 

3247 Den STMI. er Ml(sß) got der her S. aber MS noch s erest rehte Jfl. 

3248 ime MI er jm S. 

3249 ime MSsfl. verheizen MIs versprochen S. stran] tr6n MS dan Ifs. 



J 



151 

[ E. V. 3'67— S'ST 



3250 schiere quam der himlische heilant, 
dk er den muten künic vant: 
vür den vursten wolgetän, 
begunde er barmiclichen stdn. 
nü sprach der pilgertn halt: 

3255 ,& milter künic Oswalt 

du solt mir ein gäbe geben, 
s6 dir got behüete din werdez leben 1' 
er sprach, alse wir noch hoeren jehen: 
ypilgerin daz sol geschehen.' 

3260 d6 sprächen die kameraere: 
,h6rre geloubet uns diu maere: 
der pilgerin hat hiute zesamene getragen, 
er solte ein halbez jär daran haben, 
er ist alse ein gttiger man, 

3265 alse wir in nie gesän: 

wir hän daz wol vemomen, 

daz er an die niunden schar ist komen/ 

d6 sprach der pilgerin an der zit: 

,dä hän ich zehen kint unde ein armez wip 

3270 an der herberge gelän, 



3250 schiere M Vil seh. S Als If s. 

3253 baraiiclfchen] Bärmgkleicfan M erbeimiglich s parrolicben I barmhercsenk- 

lichen S. stin ISs gan M. 

3254 nü IS Do M. 

3255 e] M Ain I O du S O s. 

3256 mir MIs m. huit S. 

3257 s6 MI daz Ss. 

3258 noch ISfM. 

3259 Lieber S reiner ßfMIs. sol MIsß s. geren S. 

3260 spr. die kam. Ms spr. die diener S sprach der kamerer her I sprach der 

k. unde sid (die andern des kUnigs u) dienaere ß. 

3261 h^rre MSs^fl- diu MS der I. 

3262 hiute MSsPfl. 

3263 halbez j. MS ganzez I(ß) dry wochen s. daran MIs gnüg S. 

3264 alse ein ISs ein a. M. 

3265 wir in MSs wim, n ängefü^ I. nie MS er < ez I je s. gessln] gesahen 

-\- sp han I gesachen s gesehen han Su wurdn sichtig an M. 

3266 daz Ms ez S des I. vemomen MS war genomen Is. 

3267 niunden MIs x. S. ist vor an S. 

3269 dil MIs Nun S. kint Ssß kindeün MI. 



152 

I E. V. 3iS8-3^ | 

die mohten mit mir niht her gän.' 

der milte künic Oswalt 

hiez ime her tragen halt 

zwelf vleisch unde zwelf br6t, 
3275 s6 mir got helfe üz aller n6t, 

darzuo gap er ime ringe 

zwelf guldine pfenninge. 

daz muote die kameraere s6re, 

sie sprächen ze deme pilgerine: ,nü kum her wider 

niht m^rc!' 
3280 unser h6rre bete niht m6re reste 

unde ilte von der veste 

unde gie sä zehant, 

da er arme liute vant. 

des guotes er sich schiere verwac: 
3285 wie balde er ez armen Hüten gapi 

nü wolte er niht langer bestin 

unde begunde balde hin wider gen hofe gän: 

sant Oswalden den vursten h^re 

wolte er aber versuochen m6re, 
3290 obe ime wolte leisten der werde man, 



3271 mohten MIsu woltent S. niht MSs V9r mit, u ni 1. her MSsufl. 

3272 Oswalt MI sant O. Ss. 

3274 vleisch] M stücke vleisch Su kes Ifs. unde ISufM. 
3276 -zuo] S ru so IfM. ringe MI gar r. Sfsu. 

3278 die MIs den 1 kameraere MIs diener S. 

3279 in S zwei Verse, ee dcmj p.: SfMIs. nü MSsfl- kum MSs kompst 

du I. her w. MSsf I. niht mere Ss niemer mere MI. 

3280 Do SfMIs. unser h. Mls der bilgerin, nach hete S. niht m.] S nim' 

M kain I. 

3281 von MIs bald hin v. S. 
8282 sd] so MI da Sfs. 

3283 er Msß er die IS. 

3284 schiere MlfS. 

3285 armen MS den a. Is. 

3286 niht 1. MS 1. n. I. 

3287 unde Ml Er S. Veder I. gen h. S «u h. sfMIß. 

3288 den v. MIs der fürst S. 

3289 Den SfMIs. er MI(s) der bilgerin, nach aber S. 

3290 besten I. 



153 ' 

I E. V. 3208-322 6 I 

daz er ime hete verheizen üf des wilden meres strän. 

sant Oswalt hete niht vergezzen, 

er waere schöne ze tische gesezzen: 

mit sinen helden guot 
3295 saz ze tische der vurste hdchgemuot. 

nü begunde man balde her tragen, 

waz man ze ezzenne unde ze trinkenne solte gehaben, 
3297a [semele unde guoten wln 
3397b unde waz da reines mohte gestn,] 

zamez unde wiltbraete, 

guoter koste allez geraete: 
3300 er b6t ez in allen wol, 

wände er was ganzer ^ren vol. 

nü begunde der pilgertn dar gän 

unde vür sant Oswaldes tisch stän. 

in ersähen die kameraere, 
3305 daz dühte si wunderlichiu maere, 

daz er stüende vür den vursten guot, 

die hofeschälke daz gar harte muot: 

buoben und schintvezzel 

die begunden d6 niht vergezzen, 



3291 Da» MI Wasz S. hete v. MI v. h. S. wilden] STMI. strin] tron 
MS dan I. 

3293 er MS Vn I. waere] war M was» Sfl. 

3294 sinen MIs allen s. S. *hyldn 1. 

3295 vurste] I werde fürst SfM. 

3296 balde MSfls. 

3297 le e. l. «e tr. S lu trinkein vn lü essii M essen vn drincken s zu dysch 

I. solte MIs mocht S. gehaben S haben Mlfs. 
3297ab fMISs?. 
3*298 *wildprait S. 

3299 guoter MS Gotte I. allez g.] M aller geret S waz man gert I. 

3300 b6t IS d' pot M. 

3301 ganzer] M aller IS. 

3304 kameraere MIsu diener S. 

3305 dähte MIS(s). 

8306 daz MSsu Do I. den M de s dcme IS. 

3307 horesch. MI hoff knecht S marschaick s. daz MS cz Is. gar h. M 

vil Übel S ser I fast s. 

3308 buoben] M Poben I die b. Ss. schintvezzel MI die seh. Ssu dy 

fintschttssl b. 

3309 die SsfMI. 



154 

I E,V. 3227-3249 



3310 si triben in vor deme tische entwer, 

einer stiez in hin, der ander her» 

ie einer gap in deme andern dar. 

sant Oswalt begunde des nemen war 

unde sprach: ,solte ich daz niht understan, 
3315 so waere ich niht ein biderber mani' 

sant Oswalt sümte sich niht mer, 

ime wart von deme tische ger, 

der edele vurste niht enlie» 

wie balde er den pilgerin bi der hende gevie! 
3320 er tete alse ein biderber man 

unde vuorte in üf den ofen dan 

unde sprach: ,du solt sitzen eben, 

s6 heize ich dir ze ezzenne unde ze trinkenne geben/ 

sant Oswalt, der vurste rtche, 
3325 saz wider ze tische gar wirdicliche. 

deme vursten h6chgemuot 

truoc man her einen braten guot: 

den ersach der pilgerin 

unde sprach: , Oswalt durch die 6re d!n 
3330 gip mir den braten guot, 

s6 dich got habe in siner huotl' 

sant Oswalt sprach mit 6ren: 



3310 vor Ml vö S. 

3311 stiez in M^ßfS. 

3312 ie SsrMI. deme] S(ß) de s den MI. 

3313 heg, d. n. MS Desz nam s nnm es I. 

3314 underst MIs vnder stan dar: Dar vmb so sech mich fraw vn mao an S. 

3316 niht Ml da n. S. 

3317 Zwar STMI. ger MI also g. S. 

3318 niht MI da n. S. 

3319 bi d. h. S,3 mit d, h. s an sein h. Mfl. gevie M vmb vieng 1 er- 

graifF S nam s. 

3320 alse MI recht a. S. 

3321 unde MSsß Er I. du solt MS da s. du Is(ß). *seczen I. 

3323 s6 h. ich MIs Ich h. S unde h. ß. ze MIsufSb. ze MlsufSb. 

3324 vurste MI edel f. S. 

3325 gar MSfl. wirdicliche MI wirdenklich Sfsß. 

3326 vursten h. MI hochgebornen f. s edelen f. h. S. 

3327 her MI dar S für s. 

3328 den Is Do den brauten S Daz M. *der] den M. 

3329 unde MIs Er S. 
3332 mit MI da m. S. 



^55 

I E. V. 3250-3271 

,durch got wil ich dir in geben geren.' 

den brüten er selber üf gehuop, 
3335 wie balde er in üf den ofen truocl 

sant Oswalt d6 niht vergaz» 

wie balde er wider ze tische sazi 

man truoc ime vür hüener unde vische. 

dabi stuont üf deme tische 
3340 ein köpf, der was guldln gar, 

der pilgertn blicte gar ofte dar. 

er sprach: ,Oswalt du soit mir den köpf geben, 

s6 dir got behuote din jungez leben I 

er zimet dir niht üf dtneme tische ze hin, 
3345 er sol üf eineme alter stän, 

daz man darinne wandele daz lebendige br6t: 

gip mir in, s6 dir got helfe üz nbü* 

der milte künic Oswalt 

truoc ime den köpf üf den ofen balt. 
3350 sant Oswalt dö niht vergaz, 

wie balde er wider ze tische gesazl 

ein twehel diu was üf den tisch geleit, 

diu was lanc unde breit, 

diu was alliu wol beslagen, 



3333 wil MSs gip I. dir in S dir I im M dich s. geben MS geweren sf I. 

3334 er MIs er da S. selber ISs selb M. gehuop] M huop ISs. 

3335 in MIs jm in S. üf d. o. MI zu de o. s dar S. 

3336 d6 SsfMI. 

3337 gesaz] M saz IS setzet sich s. 

3338 vür Ss her MI. *höner I hener S. 

3341 blicte MS sach Is. 

3342 in S Z7afi Verse, Oswalt MIsß vil edler vürst O. : S. 

3343 s6 MI daz Ss. 

3344 er Ss ez MI. dineme MSs dem I. han MI stan S. 
334B daz ISß Da M. wandele Mlb verwand! u wandlet S. 

3347 s6 IS daz M. helfe MI geholflfen haut S. üz IS aus air M. 

3348 kUnic O. MI k. sant S Sant O. s. 

3349 ime d. k. MSsß in jm I. 

3350 d6] s do aber SfMI. 

33.M wider MIsufS. gesaz] M saz IS satzte sich su. 

3352 twehel Ms zwei I tischtuoch S(|3). diu MlfS. 

3353 diu MIs Dasz S. unde Mls v. dar zu S. 

3354 diu Ml Esz S daz ß. alliuj M also S gar sflß. 



156 

E. V. 3272—3292 



3355 alse wir noch hoeren sagen, 

mit Silber unde mit golde, 

alse si ein künic von rehte haben solde. 

d6 sprach der pilger!n: 

,Oswalt gip mir die twehel din, 
3360 s6 wil ich si gen R6me tragen, 

da sol man si ze eineme altertuoche haben.' 

sant Ozwalt die twehel üf huop, 

wie balde er sie deme pilgertne dar truoc! 

er sprach: ,nfi trac si hin gen Rdme, 
3365 daz dir stn got selber lönel' 

daz er s6 vil bat den vursten h^re, 

daz muote die dienaere s6 s6re: 

schintvezzel unde kameraere 

den wart ir gemtietc allen swaere. 
3370 si heten niht m6re ze btten, 

si reihten ze der stten: 

den pilgeren wolten si lestern 

unde zucten ir mezzer 

unde wolten in gestochen hdn. 
3375 daz begunde sant Oswalt understän: 



3355 wir MI w. esz S. 

3356 golde Mlsß gutem g. S. 

3357 si Ms ese Sfl. von rehte M selber sflS. 

3358 der MIs aber d. S. 

3359 die MI dasz S. twehel Ms zwei I tisch tnch S. 

3360 si MIs ez S daz ß. 

3361 MISsß. S: Dar vmb dasz man esz uflf sant petersz alter söl legen. 

ß: sant Peter ze eime altertuoche. da MI das s. si Mlfs. 

3362 die tw. Ms d. zwei I dasz tiich S daz ß. üf ISs pald auf M. 

3363 si MIs esz S. dar MSsfl. 

3364 si MIs esz S. hin MSsfl. 

3365 sin ISsfM. 16ne ISs geb dein lan M. 

3366 daz Ss d6 MI. h^re ISfMs. 

3367 dien. MIs knecht S. s6] M also S gar sbfl. 

3368 kam. MIs die diener S. 

3369 wart MI wasz S. allen] M also Sfl. 

3371 si MS Vn I. reihten M richtent S lieflFn I. der siten] M dem silten 

S den schayden I. 

3372 lestern] S bezzern MI. 

3373 zucten MSs raufftn I. 



157 

I E. V. 3293— 33'3 

Sin gr6ziu ere in des betwanc, 

daz er von deme tische spranc. 

der edele vurste hochgeboren 

sluoc einen schintvezzel ze den 6ren, 
3380 den andern stiez er an den giel, 

daz er an den rucke viel, 

deme dritten gap er einen ungevUegen slac, 

daz er gestrac vor ime lac, 

den vierden nam er bt deme här 
3385 unde z6ch in umbe gar ungewar: 

er sprach: , wartet an die veigen buoben, 

wie tribent die s6 gr6z ungevuogel 

waz wellet ir, umbe wiu er mich bitt? 

nü gät ez doch üz iuwerme kästen nitl 
3390 ich gehiez deme himlischen vursten guot, 

d6 ich swebete üf des wilden meres vluot 

unde ich vuor in grözeme leide 

vor deme wilden beiden .... 

d6 ich besorcte den harten t6t, 
3395 d6 half mir got üz gr6zer n6t: 

deme himlischen heilande 



3376 des MlfS. 

3379 einen MSsß dey I. te den MSsß an die I. 

3381 an den r. IS aflf den r. s an deme r. (lac) ß tu d' erdii M. Danach 

in \y durchstrichen'. Der edel fürst hoch gepom. 

3382 ungev. MSfls. 

3383 gestrac] S gestreckt Msf I. v. ime] S vor seine fUssfi M jm vor den 

f. I uff der erde vor jm s. 

3384 sin: SfMIsß. 

3385 in — ungewar] M in hertlmb S jn durch die slUben her vfi hin S 

(warff) in auch zu der erdfi u sie gar hein fUr I. 

3386 wartet MI lügent Sfsß. *pobn I. 

3387 wie MIsß Die S. die M sie I ir sßfS. gröz sß vil S ain IfM 

3388 umbe wiu MI warumbe Ss wes ß. 

3389 nü — doch MSsu Es gct I. kästen MSsu seckel I. 

3390 gehiez MI(ß) verhiez Ss. 

3391 swebete MI für S was s. wilden S am Ramie mU Zeichen, sßfMI. 

3392 unde IVlSs Do I. ich MlfSs. in Mls so jn S. gr6zeme ISsf M. 

3393 Dar SfMI. 

3394 d6] Ml daz Ss. harten MS pittern If s. 

3395 gT6zer Ss der gr6zen MI. 

3396 deme h. h. MSs Der h. h. I. 



158 

I E. V. 33*4-3334 



deme gap ich d6 min triuwe ze pfände, 

wes man an mich durch stnen willen begert, 

des wurde ein iegel icher mensche gewert: 
3400 unde baete er mich umbe daz houbet min, 

durch in sol ez ime unverzigen slnl* 

mit der selben vart 

den hofeschälken verboten wart, 

daz si deme pilgerine niht getörsten tuon: 
3405 sant Oswalt schuof ime vride unde suon. 

dö sprach der pilgerin: 

fiuwern zorn \kt stnl 

ich rite iuch üf min triuwe: 

stechet ir mich, ez möhte iuch harte geriuwenl' 
3410 sant Oswalt, der h6chgemuot, 

saz wider ze stnen beiden guot, 

er saz sch6ne ze tische eben, 

d6 begunde sich der pilgerin abe deme ofen heben, 

er begunde vür den tisch stän 
3415 unde wolte üf nieman deheine sorge hän: 

er sprach: , Oswalt edeler vurste h^re 

noch wil ich dich bitten möre: 



3397 deme Mlf S. d6 nacA triuwe S. 

3398 an mich nac/i willen I. begert MSs gert I. 

3399 wurde] M solt sin s w't I wirtt S. 

3400 *bit S. 

3401 in MS got I. sol MS solte Is. unverzigen MS anversaget Is. 

3402 Zu hand SfMI. mit MS An I. 

3403 in I zu K 3402. hofescb. Ml hoff hüben S hoffknechten S. 

3404 MlsfSß. deme] ! de S die M. getörsten M dorsten s dormo I. 
8405 *schoff I. ime] S in MI. »son S. 

3406 der MI d. edel S. nun: SfMI. 

3407 in M zu K 3406. Her STMI. lit v<v iuwem S. wrn MS t. d«« *• 

3408 Zwar SfMI. rdte M! rau« S. min tr.] I die tr. mfn MS. ^^^^ 

nur in S: Den tünd jr mir wider recht liczell oder vil. 

3409 Oder SfMI. stechet MS Schecht I. ez MI dasz S. möhte MI oiag 

S. harte M wol Sfl. ger. MS rUwn 1. 

3411 wider MIß w. nider Ss. 

3412 schöne MI aber S. •eben < eve? I. 

3413 d6 MIsß Nu S. ofen Mlsß hoff S. 

3414 tisch MIsß t. hin S. stän MI zu st. S. 

3415 unde MIs Er S. deheine] M keine Is nie kain S. 

3416 edeler s vil e. SfMI. 



159 

I E- V» 333S—33S7 \ 

alliu diniu lant 

solt du mir setzen in mtne hant, 
3420 gip mir üf schöne 

beide zepter unde kröne: 

ein künic stn triuwe leisten sol, 

von gote wirt ez vergolten wol.' 

d6 sprach der milte künic Oswalt: 
3425 igot hat ez allez in stneme gewalt: 

mtn triuwe leiste ich sä zehant, 

ich gibe dir üf bürge unde lant' 

d6 sprach der pilgerin: 

»Oswalt so gip mir ouch die vrouwen din: 
3430 zwiu solteti mir witiu künicrtche 

ich hete danne ein vrouwen tugentliche?* 

sant Oswalt abe der rede harte erschricte, 

die vrouwen er trüricliche anblicte, 

er sprach mit 6ren: 
3435 ,pilgertn ich gibe dir si rehte geren, 

ich verzthe dir niht der vrouwen min, 

möhte ez nur ir wille gestn.' 

d6 sprach der üzerwelte degen: 



3419 m MS zu K 3418. mir MlsfS. DanacA mir in S: 

Dasc tu durch den willen desz himelschlichcn hailandsz. 

3420 Vnd SfMls. 

3421 in M zu y, 3420. beide ISsfMfÜ. zepter MIsß dasz z. S. kr6ne Mls 

die k. Sß. 

3422 Alt IfMSs. 

3423 gote MI g. so S. 

3425 stneme MS sin' I. 

3424 kttnic Mls k. sant S. 

3426 sä] so MS all I. 

3427 Den SfMIs. 

3428 der MIsß d. edel S. 

3429 Osw. ISfMs. s6 MI nfi Sfs. ouch MSs auflf I. 

3430 zwiu] M Waz < Wtt I was b warzü Ssu. solten Mlsß sollend S. 

3432 abe der Sß der Mls. harte MI vil Übel S sere sufb. 

3433 trüncHche] Msß trüerklich I trurenklich S. 

3434 er spr. MI unde sprach Sft Do sprach der Hirst S. 

3435 pilg. Mls^S. ich - si Mls Nun gib jch dir S. rehte] M vö herzen Sfl. 

3436 Zwar SfMIs. dir s d' M dich IS. 

3437 Vnd SfMIs?. nör Mff I na S nu s. 

3438 uzerw. MS mylt I. Danach nur inS: Zu der kUniggin mit trwrigem leben. 



160 

E. V. 33S8-3378 



»vrouwe ich wil dich deme pilgerine geben, 
3440 durch den willen unsers lieben harren, 

der bete solt du mich geweren.' 

si sprach, alse wir hoeren jehen: 

,waz ist gotes wille, daz sol geschehen/ 

sant Oswalt die vrouwen an sin hant gevie, 
3445 wie sch6ne er mit ir ze deme pilgertne giel 

er sprach: .edeler pilgeren 

lä dir si üf din triuwe empfolhen sin!' 

als6 sprach der vurste staete: 

,pilgerin nü gip mir dln gewaete, 
3450 daz wil ich nü legen an 

unde wil mich geliehen ze eineme armen man: 

von deme mlneme allen 

wil ich nü willicliche wallen 

hin in vremediu länt, 
3455 da bin ich unerkant. 

richtuom wil ich mtden 

unde williclkhen liden 

smaehe unde armuot, 

unze got sin genäde an mir tuot/ 



343» vrouwe MIsß Zwar S. 

3440 den ISsß des M. *vnsz M lieben MlsfSß. 

3442 aise MI rech a. S. 

3443 ist nach wille S. sol ISs s. alles M. s. allzeit u. 

3444 die IS sin Msß. an Mls by S. sin MI(ß) die s der S. gevic M 

vieng I nam Ss. 

3445 gie Mls kam S. 

3446 er sprach IS vn sp. S NU pit ich dich du M. edeler MIs vil e. S. 

3447 dir si MS sie dir I. üf d. tr. MSO)ris. 

3448 staete] stat M stett I wol getan S. 

3449 nü MSsf I. gewaete] geweit I gewant MSsb rockh vnd ~ gewant U. 

3450 nü ISs nun < nur Mfß. 

3451 gel. £c] M gelichenug S geliehen Is. 

3452 von s vO IS Vor M. deme IS de s den M. mineme IS meiM M 

mynen s. allen MS alle 1. 

3453 nü MSfl. willicliche] I willichleichn M willenklich S. 

3455 ich vor bin M. 

3456 Zwar Sf MIs. richtuom MIs richtung S. 

3457 williclichcn] M willicliche Ij3 wil och willenklichen S. 

3458 smaehe MI Verschmächt S smacheit s. unde Ml v. och S. 

3459 unze MI V. dasz S biz s(^). 



161 

I E. V. 3379—3398 



3460 dämite urloupte er sich mit sinnen 

von der edeln küniginne, 

urloup nam er von deme pilgertn 

unde oucb von den beiden s!n. 

stnen beiden was umbe in leit, 
3465 alse uns daz buocb nocb seit: 

den stolzen vursten bSre 

begunden si d6 klagen s6re. 

der milte kUnic Oswalt 

tlte von den stnen balt, 
3470 hin über den bof was ime gäch. 

der pilgertn rief ime balde nach: 

,£ milter künic Oswalt 

nü gä her ze mir baltl' 

sant Oswalt tete durch n6t, 
3475 waz ime der pilgertn bot: 

et gie hin wider geren, 

des vröiten sich sine liebe harren. 

der edele vurste wolgetän 

begunde vür den pilgertn stän 
3480 unde sprach: ,waz mäht du mit mir ze schaffenne hän? 

daz solt du mich wizzen länT 



3460 url. er sich M nam er urloup Is(ß) so hub er sich S. mit s. Ml vO 

dem sinen Sfsp. 

3461 Vnd SfMIsß. 

3463 MlsfSß. 

3464 was ISs den w. M. 

3465 buoch IS täwczsch puoch M. noch M nun Sf I. 

3466 h^re MI vnd heren S (den edelen fArste vnd muten fUrsten s). 
34«i7 Den SfMI. d6] M da fast Sfl. s^re MIs so s. S. 

3468 kUnic O. MI k. sant O. S Sant O. s. 

3469 den Ms deme IS. 

3470 hin MSfl. was MI so w. S. 

3471 rief] rüff I rufte MSß. 

3472 h] M Ain I O S. kttnic MI k. sant S. 

3473 her MI durch got h. S. 

3475 bot MS geb6t Is. 

3476 geren MIs nit vngeren Sfß. 

3479 vUr MIs da f. S. 

3480 unde MIsb Er S. hän] M haben Ssfl. 

3481 MlsfSi^. Vnd och ze tun SfMls. daz MIs desz S. soh du MIs 

müsz jch S. mich w. Un] M mir kUndn vfi sagn I mir sagen s ic 
wnder tragen S. 
Baenecke, Manchener Oswald U 



162 

E. V. 3999-3421 



d6 sprach der pilgerin: 

»westest du aber niht gerne, wer ich möhte gesinr* 

,jä,* sprach sant Oswalt, 
3485 ,hete ich von gote den gewalt, 

s6 weste ich ez rehte geren, 

hete ich die genäde von unserme harren.' 

d6 diu rede vol geschach, 

hoeret, wie dö der pilgerin sprach: 
3490 |ich bin ez äne allen spot, 

selber der lebendige gotl 

ich hän beruochet 

unde dich eigenliche versuochet, 

obe du mir wollest leisten vurste guot, 
3495 daz du mir verhieze üf des wilden meres vluot: 

daz hast du allez samt getan: 

bürge unde lant solt du wider hin, 

daz wil ich dir allez samt wider geben, 

du solt aber keiner sunden mi